Gewaltmonopol

Wer ernsthaft der Meinung ist, Polizeigewalt würde rechtfertigen, einen Applestore zu plündern (oder wer der Meinung ist, dass Kapitalismus zwar Scheiße ist, ein neues gratis iPhone für ihn/sie selbst aber voll knorke), bewegt sich meiner Ansicht nach so weit außerhalb einer sinnvollen politischen Position, dass ich wenig Lust habe, mich mit einer solchen Person länger auseinanderzusetzen.

Wer ernsthaft der Meinung ist, dass man die Handlungen der Polizei nach einem Einsatz wie dem zum G20-Gipfel in Hamburg nicht hinterfragen darf, ebenfalls. Wer der Meinung ist, dass alles, was die Polizei in Hamburg getan hat, rechtmäßig und verhältnismäßig war, den bitte ich, darzulegen, welche hypothetischen Aktionen der Polizei denn als inakzeptabel empfunden würden.

(Komisch übrigens, dass ich in meiner mit Sicherheit eher linkslastigen Filterblase die erste Meinung nie, die zweite aber sehr häufig gelesen habe.)

Dazwischen ist viel Grauzone. Grundsätzlich kann man sagen: Die Polizei ist Teil der Exekutive, sie setzt also Gesetze (und Verordnungen und so) durch, sie bestraft aber nicht. Dafür gibt es die Judikative, also die Gerichtsbarkeit. Nun gibt es Berichte darüber, dass Polizisten sehr wohl die Bestrafung von Einzelnen in die eigene Hand genommen haben. Ich kann nicht verstehen, wieso so viele Leute darauf entgegnen, dass man das nicht kritisch hinterfragen dürfe.

Jeder einzelne Polizist, und insbesondere die Interessensvertretungen der Polizeibediensteten, sollte ein Interesse daran haben, diesen Vorwürfen nachzugehen. Von vorneherein behaupten, dass es keinerlei Fehlverhalten gegeben haben kann, ist unsinnig. (Nein, das ist nicht richtig: wenn ich mir die Berichterstattung in den Medien angucke, macht das viel Sinn. Es ist aber offensichtlich falsch.)

Aber das betrifft nur das Verhalten einzelner Akteure. Viel wichtiger wäre es, ebenso wieder besonders von den Polizeigewerkschaften, zu hinterfragen, wie der Einsatz am Wochenende geplant wurde. Denn die Einsatzplanung, inklusive der polizeilichen Rhetorik und der Räumung von genehmigten Protestcamps vor dem Gipfel, hat direkten Einfluss auf die Aktionen während der Demonstrationen. Direkte Einwirkungen auch auf das Wohlergehen derjenigen, die die Gewerkschaften vertreten und schützen sollten. Ich kann beim besten Willen nicht verstehen, wieso die Polizisten vor Ort nicht von ihren Vorgesetzten verlangen, dass ein Einsatzkonzept geschrieben wird, dass auch bei Widerstand einzelner ohne komplette Eskalation auskommt. Letztlich sind die allermeisten Polizisten und Polizistinnen, die zum Einsatz kamen, auf dem Boden die Dummen, die es tatsächlich niemandem Recht machen können. Und darum sind sie nicht zu beneiden.

Update, 11.7.: Das Nuf hatte sehr ähnliche Gedanken wie ich, nur wesentlich schöner aufgeschrieben.

Demonstrationsfreiheit

Eins vorweg: Den Pendlerverkehr auf der Bahn lahmzulegen, Kleinwagen anzünden, Schaufensterscheiben einzuschlagen und auch Steine auf Polizisten zu werfen sind keine akzeptablen Protestformen. Gewalt ist niemals ok, nicht gegen Sachen, nicht gegen Menschen. Niemals. Ok?

Am aktuellen Wochenende findet der G20-Gipfel in Hamburg statt. Dieses eine, große Symbol für eine globalisierte, kapitalistische Welt bringt die Staats- und Regierungschefs der 20 größten Industrieländer zusammen. In einer Großstadt, weil der Welt gezeigt werden sollte, wie toll Deutschland das organisieren kann, ohne dabei die Grundrechte der Bevölkerung einzuschränken. Die Welt zu Gast bei Freunden!

Das hat schon im Vorfeld nicht so richtig gut geklappt: Eine riesige Demonstrationsverbotszone wurde eingerichtet, weil die Konvois der Ausländischen Gäste ungehindert durch das Stadtgebiet rollen müssen. Man könne nicht riskieren, dass die Konvois stehen blieben, denn wer weiß, wie dann die Bodyguards reagierten? (Das Prinzip kennen wir von Privatisierungen: Wir geben eine eigentlich hoheitliche Aufgabe des Staates in fremde Hände, über die wir keine politische (legislative) Kontrolle mehr haben und argumentieren die Probleme als „Sachzwänge“ weg.) Dann wurde ein Protestcamp, das gerichtlich auch für Übernachtungen genehmigt wurde, gewaltsam von der Polizei geräumt, weil Zelte darauf standen und Übernachtungen verhindert werden müssten.

Aber nach all dem Vorgeplänkel standen sich dann zwei recht ähnliche Gruppen gegenüber: die Mehrheit in beiden hat ein sehr berechtigtes Anliegen – Recht und Ordnung zu bewahren auf der einen Seite, der politischen Überzeugung friedlich Gehör zu verschaffen auf der anderen. Beides Rechte, die die jeweiligen Gruppen laut Grundgesetz wahrnehmen dürfen. Auf beiden Seiten gibt es aber Menschen, die offensichtlich andere Ziele verfolgen: Vandalismus hier, Machtmissbrauch da, mutwillige, unprovozierte Körperverletzungen auf beiden Seiten. Die Fehler der anderen Seite dienen dabei als willkommene Rechtfertigung für die eigenen Exzesse.

Da ich (zum Glück!) nicht vor Ort war, versuche ich mir ein Bild zu machen, anhanddessen, was die beteiligten Akteure selbst sagen. Zunächst einmal die Presse, zitiert von @NiemaMovassat auf Twitter:

Bild, NDR, WDR und Deutschlandfunk sind sich in ihrem Urteil einig, dass die Gewalt, die die Polizei angewendet hat, unverhältnismäßig war. Aber ich weiß, muss ich ehrlich gestehen, nicht genug über die zitierten Journalisten, um einschätzen zu können, wie gut sie denn die Lage bei einer solchen Demonstration beurteilen können. Vielleicht hat die erfahrene Polizei andere Erkenntnisse, andere Einschätzungen? Fragen wir die Polizei (zitiert von @hanvoi):„…Durch die Vermummung eines Teils der Kundgebungsteilnehmer habe sich der Protest in ein ‚unbeherrschbares Sicherheitsrisiko’ verwandelt[…] Er bestritt nicht, dass die Proteste bis dahin friedlich geblieben waren. Bei Vermummung könne man aber davon ausgehen, dass Straftaten verübt würden.[…]“

Die Proteste waren also friedlich, aber einige wenige vermummte Teilnehmer haben der Polizei die Möglichkeit Berechtigung Ausrede gegeben, massiv mit Gewalt gegen alle Teilnehmer vorzugehen. Weil aus Vermummung die Vorbereitung zu einer Straftat folge. Folgt man erstmal diesem Argument, dann reicht ein einziger vermummter Teilnehmer einer Demonstration aus, um alle anderen Demoteilnehmer mit Wasserwerfern, Pfefferspray und Schlagstöcken zu „behandeln“. Dass das exzessiv ist, finde nicht nur ich. Dass es genau in das Klischee der Polizei spielt, dass der gleiche Maßstab nur bei linken Demos und nicht bei rechten angewendet wird, ist eine andere Sache.

Gewalttaten, die danach gefolgt sind, können nicht mehr losgelöst von dieser Tat betrachtet werden. Auch ohne das hätten sicher auch private Kleinwägen gebrannt, wären Fenster von Lebensmittelläden eingeschlagen worden. Aber in welcher Heftigkeit das passiert wäre, kann niemand mehr sagen. Was die Bundeswehr gleichzeitig in Hamburg sucht, ist noch eine ganz andere Frage.

Nun kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Polizei davon ausgegangen war, dass auf der ganzen Demo kein einziger vermummter Teilnehmer anwesend sein würde. Dass alle Vermummten der Aufforderung der Polizei, sich zu entmummen, Folge leisten würden. Wieso reagiert die Polizei dann aber so unsouverän und exzessiv? Hätte ein Einsatzkonzept für diesen Tag nicht zwingend beinhalten müssen, wie man mit Vermummten im Zug umgeht und trotzdem die Durchführung der Demonstration gewährleisten kann? Ich kann mich des Eindruckes nicht erwehren, dass die Einsatzleitung zu dem Teil gehört, der nicht nur Recht und Ordnung sicherstellen will (und mithin den verfassungsgemäßen Auftrag erfüllt), sondern der Gewalt sehen, Gegenschläge provozieren will.

Egal, was passiert ist, egal wie viele Kollegen vorher Böller, Tritte, Beleidigungen abgekriegt haben, nichts davon rechtfertigt den Gewalteinsatz, den man in diesem Video ab Sekunde 53 sehen kann. Nun hat die Polizei das Gewaltmonopol und durchaus auch das Recht, Gewalt einzusetzen, um Straftaten zu verhindern und die Täter der Justiz zuzuführen. Aber das geschieht hier nicht; der verprügelte Mann wird nach den Schlägen und Tritten weggelassen. Hier sollte einfach nur Gewalt gegen einen Demonstranten eingesetzt werden, aus einer Position der Macht heraus. Gleiches gilt für die Aktion in diesem anderen Video. Wer dies mit dem Hinweis auf die Stresssituation zu erklären versucht, verkennt, welchen Auftrag die einzelnen Polizisten und die Einsatzleitung haben: Für Sicherheit, Recht und Ordnung zu sorgen. Wer das nur so lange kann, wie er (oder sie) nicht gestresst ist, hat in Uniform und mit Waffe nichts zu suchen.

Aber auch abseits des „heißen“ Geschehens geht das fragwürdige Verhalten der Polizei weiter. So berichten Journalisten von verschiedenen Ecken der Stadt über Repressalien gegen die Presse. Akkreditierungen werden von der Polizei für ungültig erklärt (nicht verweigert: die Journalisten waren akkreditiert, um vom G20-Gipfel zu berichten, und sind es nun plötzlich nicht mehr), Journalistinnen ohne Kamera werden nicht als solche anerkannt und dann sexistisch beleidigt, werden getreten, und Sondereinsatzkommandos zielen mit Maschinengewehren auf Journalisten, um sie zu vertreiben.

Falls das nicht Teil des Einsatzkonzeptes war, muss man Fragen, wie es zu so etwas kommen kann. Falls doch, muss es strafrechtliche und politische Konsequenzen geben. Und so ist das Sahnehäubchen des Tages auch ein politisches: Der Chef der Freiheitlich Demokratischen Partei kritisiert, dass eine Politikerin, selbst Polizistin, die Einsatzstrategie der Polizei neben der Verurteilung der Gewalt der Demonstrierenden hinterfragt und kritisiert. Aber der Chef einer Bürgerrechtspartei ist der Meinung, dass man die Polizei mal machen lassen muss, egal, was sie tut: Der Polizei muss man den Rücken stärken. Egal, was sie tut. Und wohlgemerkt, nicht die Arbeit der Polizisten vor Ort, sondern die taktischen Entscheidungen der Polizeiführung hat sie verurteilt – wie gesagt, mitsamt den Ausschreitungen der Demonstranten. Da sind wir wieder beim Wahlkampf angelangt.

Update, 9.7.: Links zu tagesschau.de und @Janine_Wissler eingefügt. Außerdem hat der Spiegel den besten Artikel zu dem Thema, den ich bisher gelesen habe.

Wahlkampf für alle

Es ist Wahlkampf. Die Parteien haben ihre Wahlprogramme verabschiedet oder wenigstens den Entwurf der Parteispitze dazu veröffentlicht, und jetzt beginnt die öffentliche Diskussion über die Inhalte und deren Für und Wider.

Harr harr harr. Natürlich beginnt vor allem das gegenseitige bewusste Falschverstehen, das Skandalisieren, das bewusst Dinge Unrichtig-aber-nicht-komplett-gelogen-Darstellen. Von allen Seiten. Ein Beispiel dafür ist die Ehe für alle, die nun eigentlich gar kein Wahlkampfthema mehr sein sollte. Nachdem die Grünen festgelegt hatten, es werde keine Koalition mit ihnen, aber ohne die Ehe für alle geben, und nachdem die Linken, die FDP und schließlich auch die SPD sich dieser Forderung angeschlossen hatten, war klar, dass es im Herbst keine Koalition werde geben können, die keine Ehe für alle beinhaltet. Die Union wollte geschickt am Ende der Legislaturperiode das Thema aus dem Weg räumen und von einer Gewissensentscheidung (des nächsten Bundestages) reden, sodass die Oberen ihr Gesicht wahren können und nicht wirklich zustimmen, aber dem Gesetz – und einer Koalition – nicht im Wege stehen. Aus einem dummen Zufall wurde Kanzlerin Merkel dann aber, etwa eine Woche vor der letzten Sitzung im Bundestag, genau danach gefragt. So zu tun, als hätte sie noch die gleiche Meinung wie vorher, „mit mir nicht,“ hätte einen Meinungsumschwung eine Woche später sehr unglaubwürdig dastehen lassen. Stattdessen stammelt sie etwas zusammen, denkt wahrscheinlich im Stillen, dass der Fahrplan für die letzte Sitzungswoche eh steht und alles in Ordnung ist.

Nun, der Rest ist Geschichte: die SPD fragt sich, warum eine Gewissensentscheidung erst nach der Wahl dazu werden sollte und setzt den Antrag des Bundesrates, den sie schon drei Jahre lang vertagt hat, doch noch auf die Tagesordnung. Die Union beschwert sich, dass ein Gesetzesentwurf, der, wie gesagt, seit drei Jahren vorliegt, und zu dem das Bundesverfassungsgericht vor ein paar Wochen noch geurteilt hat, dass darüber nicht abgestimmt werden müsse, weil er doch so ausführlich diskutiert wurde und das doch auch reiche, so ein Gesetzesentwurf also sei zu neu und überraschend, um sich innerhalb von einer Woche eine persönliche Meinung bilden zu können. Nun, der Entwurf wird am letzten Sitzungstag abgestimmt und die Ehe für Alle gilt als beschlossene Sache.

Und die SPD feiert sich dafür, dass… äh… also… dass sie drei Jahre den Arsch nicht in der Hose hatte, die Gesetzesentwürfe abzulehnen, sondern vorhatte, sie einfach unbehandelt dastehen zu lassen, sodass sie das Gesetz zwar verhindert, aber nicht technisch gesehen abgelehnt hatten. Es gab kein Kalkül der SPD, keine Aussicht auf Verabschiedung in dieser Legislaturperiode; die Koalition sollte nicht gefährdet werden. Aus reinem Glück also konnte nun eine zufällige Frage an die Kanzlerin dazu führen, dass ein noch nicht behandelter Gesetzesentwurf verabschiedet werden konnte.

Dafür kann man sich nicht feiern lassen, SPD. Ihr hattet Glück.

Die Geschichte ist damit aber nicht zu Ende: Der verabschiedete Gesetzesentwurf war eine Initiative aus dem Bundesrat, und daher hat dieser die Möglichkeit, auch noch was dazu zu sagen. Und hier fliegen nun die Fetzen zwischen den Parteien: Die Grünen werfen Christian Lindner, dem Frontmann der FDP in Bund und in NRW vor, dass seine neue Koalition mit der CDU in NRW nicht den Ansprüchen genügt, die er (nach deren Aushandlung) für eine Koalition auf Bundesebene angekündigt hat: NRW würde sich bei der Ehe für Alle im Bundesrat enthalten. Der Verweis auf die Jamaica-Koalition in Schleswig-Holstein ist natürlich dabei; dort ist die gleiche Konstellation wie in NRW, nur plus Grüne und plus Ehe für Alle-Zustimmung. Grün wirkt! Oder?

Gleichzeitig ätzt nämlich die hessische SPD gegen die hessischen Grünen, dass die Hessische Landesregierung dem Gesetz im Bundesrat auch nicht „zugestimmt“ habe. Einziger Haken: Der Bundesrat darf Einspruch erheben und den Vermittlungsausschuss anrufen, muss aber nicht zustimmen. Weder „ja“, „nein“ noch „Enthaltung“ sind möglich: Klappe halten bedeutet in dem Fall Zustimmung.

Der Weg, jedenfalls, ist nun frei, damit der Bundespräsident unterschreiben kann und das Gesetz zum 1. Oktober in Kraft treten kann. Ich freue mich darauf. Und sobald es einmal Gesetz ist, wird es sehr schwer, das wieder zurückzudrehen, vor allem, weil das einzige halbwegs sinnvolle Argument gegen die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partner*innen eigentlich auch Frauen nach der Menopause von der Schließung (einer neuen) Ehe ausschließen müsste: dass eine Ehe nämlich nur dann schützenswert sei, wenn auf biologischem Wege daraus Kinder entstehen könnten. Nun, mal sehen, wie lange sich dieses Zombie-Nichtargument noch halten wird.

Das war 2016

Im letzten Jahr habe ich einige politische Gedanken gebloggt, und ich finde es nur fair, mal zurückzublicken und mir zu überlegen, wie sich meine Ansichten und die Welt seitdem entwickelt haben.

So habe ich im Mai über schnelle Züge sinniert. Anlass war eine Diskussion über die Mottgers-Spange und meine Frustration darüber, dass ich nirgendwo Zahlen zu den Fahrtzeiten der vorgeschlagenen Alternativen finden konnte. Nun, die meisten Argumente würde ich genau so wiederholen, allerdings wurde ich darauf hingewiesen, dass die aktuelle Planung der Mottgers-Spange tatsächlich eine Fahrzeit von mehr als 45 Minuten auf Frankfurt – Fulda bedeuten würde. Für keine andere Variante habe ich bisher entsprechende Informationen gefunden.

Ich habe ebenfalls, aufgehängt an Gedanken zum Ausbau der Main-Weser-Bahn, über Stuttgart 21 und das Verhalten der Grünen dazu sinniert. Nun sind seit dem mehrere Gutachten öffentlich geworden, die dem Projekt eine zu positive Risikoabschätzung bescheinigen, und aus Baden-Württemberg hört man abwechselnd, dass sich die Grünen gemeinerweise gegen das Projekt stemmen oder gemeinerweise zu sehr für das Projekt sind. Unterm Strich ein Patt, würde ich sagen. Ich hoffe allerdings nach wie vor sehr, dass die Landesregierung standhaft bleibt und keinen Cent mehr als das vom Volksentscheid genehmigte Geld in dieses Projekt steckt.

Darauf aufbauend, wiederum, habe ich mich darüber aufgeregt, dass Bernie Sanders so lange seinen Wahlkampf gegen Hillary Clinton aufrecht erhalten hat, bei der Vorwahl der Demokraten in Amerika. Nun, letztlich hat er eingelenkt und Clinton ehrlich, aufrichtig und unermüdlich unterstützt. Gereicht hat es freilich nicht, und da am Ende etwa 109 000 Wähler*innen den Ausschlag gegeben haben, war sein Verhalten genauso wie jedes andere Detail des Wahlkampfes wahrscheinlich wahlentscheidend.

Mit der Beschwerde der hessischen Beamten, dass sie doch 100 % gäben, aber nur 1 % bekämen, habe ich mich ebenfalls auseinandergesetzt. Die Kritik an dem Slogan besteht weiterhin, allerdings wurde ich darauf hingewiesen, dass die Lohnerhöhungen natürlich auch im Lichte der Arbeitszeitverlängerung in 2004 von 38 ½ Stunden auf 42 Stunden pro Woche gesehen werden sollten. Es sollte also sein: Wir geben 109 %, sie geben 101 %. (Die Inflationsrechnungen, die ich im Juli dazu gemacht habe, lasse ich jetzt mal weg.) Auch richtig, aber dass der Slogan idiotisch ist, wird dadurch immer noch nicht verändert.

Gutes Wetter im Allgäu

Für den letzten Urlaub in diesem Jahr sind wir Ende August für eine Woche ins Allgäu gefahren, um von der Ferienwohnung auf dem Bauernhof von Verwandten aus die Gegend zu erkunden. (Wer sich für Urlaub im Allgäu interessiert, dem kann ich diese Ferienwohnung wirklich wärmstens empfehlen, trotz der Flash-Only-Webseite.) Der reservierte Platz in dem einen durchgehenden InterCity war zwar in einem Wagen mit nicht funktionierender Klimaanlage, aber der Zug war unerwarteterweise so leer, dass wir uns bequem an einen anderen Platz setzen konnten.

223 065 in ALEX-Farbgebung bei Ausfahrt aus Kempten Hbf
223 065 in ALEX-Farbgebung bei Ausfahrt aus Kempten Hbf
Pause gemacht, Strecke gesehen, wie schön, dass es überall Handynetz gibt: Das Internet sagt, in fünf Minuten fährt ein Zug in Sonthofen nach Norden! Darauf kann man ja mal ein bisschen warten. ALEX mit Ersatzlok, wahrscheinlich 2143.18.
Pause gemacht, Strecke gesehen, wie schön, dass es überall Handynetz gibt: Das Internet sagt, in fünf Minuten fährt ein Zug in Sonthofen nach Norden! Darauf kann man ja mal ein bisschen warten. ALEX mit Ersatzlok, wahrscheinlich 2143.18.
Ein weiteres Produkt einer Pause und des allgegenwärtigen Handy-Internets: 2143.18 vor dem ALEX in Richtung München kurz hinter Fischen auf der Brücke über die Iller.
Ein weiteres Produkt einer Pause und des allgegenwärtigen Handy-Internets: 2143.18 vor dem ALEX in Richtung München kurz hinter Fischen auf der Brücke über die Iller.

Die Urlaubszeit war grandios gut ausgesucht: Bis am Tag vor unserer Ankunft Montags gab es Regen, dann fünf Tage strahlend blauer Himmel, dann einen Tag mit Schäfchenwolken, und ab Sonntag abends, wo wir schon wieder daheim waren, sollte es wieder regnen.

Im Vordergrund Hüttenberg, im Tal Sonthofen. Blick nach Osten.
Im Vordergrund Hüttenberg, im Tal Sonthofen. Blick nach Osten.

Zwischendurch spazierten wir zu einer Garten-Modellbahn, liefen durch die Breitachklamm, fuhren mit dem Fahrrad an der Iller entlang bis Oberstdorf und zurück und kletterten in der Starzlachklamm herum – aber auf den ausgeschilderten Wegen, nicht durchs Wasser, wie diese ganzen Gruppen, die in Neoprenanzügen ins Wasser gehüpft sind. Und wir konnten jeden Tag bemerken, wie die Wärme des Wassers im Baggersee ein bisschen weiter nach unten reichte.

Für 10 Cent kann man diesen und noch einen anderen Zug im Kreis fahren lassen. Leider fährt der hier falsch rum (Lok ist hinten und schiebt).
Für 10 Cent kann man diesen und noch einen anderen Zug im Kreis fahren lassen. Leider fährt der hier falsch rum (Lok ist hinten und schiebt).
Brücke auf dem Weg durch die Breitachklamm
Brücke auf dem Weg durch die Breitachklamm
Zwei der Canyoning-Gruppen in der Starzlachklamm: Oben kurz vorm Abseilen durch den Wasserfall; mitte und unten beim Nochmalreinspringen vom Felsen.
Zwei der Canyoning-Gruppen in der Starzlachklamm: Oben kurz vorm Abseilen durch den Wasserfall; mitte und unten beim Nochmalreinspringen vom Felsen.

Und dann, viel zu schnell, ging es auch schon wieder zurück nach Hause, diesmal mit funktionierender Klimaanlage.

Die Bergschablone als Aussichtspunkt bei Muderbolz, die wir allerdings von keiner Stelle deckungsgleich mit mehr als 10° bekommen haben.
Die Bergschablone als Aussichtspunkt bei Muderbolz, die wir allerdings von keiner Stelle deckungsgleich mit mehr als 10° bekommen haben.
Die komplette Bergschablone
Die komplette Bergschablone

Usedom

Nach letztem Wochenende darf man ja nicht mehr nach Usedom fahren (oder vielleicht doch, und gerade jetzt, je nach dem, wen man fragt). Wie schön, dass ich das mit meiner besseren Hälfte Anfang August erledigt habe: der erste Teil unseres Sommerurlaubs ging ins Seebad Heringsdorf. Eigentlich sollte der Weg dahin in einem (von Hannover aus) durchgehenden Kurswagen geschehen, also in einem von den drei Wagen, die in Züssow von einem IC Ruhrgebiet – Berlin – Rügen abgehängt und dann gesondert über die Insel bis Heringsdorf gezogen wird. Doch die Auswirkungen einer Baustelle sorgten dafür, dass der ICE, der uns nach Hannover bringen sollte, so spät war, dass wir den Anschluss in Hannover verpasst hätten (sehr indirekte Auswirkungen: wegen der Baustelle fährt der ICE nur ein- statt zweiteilig, und deswegen ist er überlastet, und deswegen braucht er länger, um von den Bahnhöfen wegzukommen). Daher warteten wir einfach 10 Minuten länger und fuhren mit dem ICE nach Berlin, von dort aus dann Regionalbahn bis Züssow und dann die normale Bummelbahn bis Heringsdorf (die allerdings genau so schnell ist wie die IC-Verbindung auf diesem Abschnitt. Die 30 Minuten, die wir so später ankamen, haben uns allerdings eine Freundin aus dem Chor als Reisebegleitung im Zug nach Berlin beschert.

Ich stehe mit Apfelweinhemd an der Deutsch-Polnischen Grenze an der Ostsee.
Ich stehe mit Apfelweinhemd an der Deutsch-Polnischen Grenze an der Ostsee.
Auch am Strand möchte ich nicht gerne Sonnenbrand oder -stich kriegen.
Auch am Strand möchte ich nicht gerne Sonnenbrand oder -stich kriegen.

Heringsdorf an sich hat einen sehr schönen, sauberen Strand, und das Wetter war zwar nicht überwältigend, aber doch gut genug, um zu baden, zu spazieren, Tandem zu fahren und wieder zu baden. Und an einem Tag wollten wir nach Rügen, mindestens um meine Serie mit den Schmalspurbahnen fortzusetzen. (Das fing ja mal an mit „immer im Winter“, wurde „immer im ersten Halbjahr“ und ist nun offiziell nur noch „jedes Jahr“. Auch gut.) Auf Rügen fährt der Rasende Roland, eine Schmalspur-Dampfbahn, und mit der wollten wir einmal hin- und zurückfahren, nach Anreise mit dem Schiff, dass uns von Peenemünde nach Gören hätte bringen sollen. Nach Peenemünde bringt uns der Zug. Meine bessere Hälfte hatte für die Schifffahrt das Kombiticket, auf dem die Zugfahrkarte aufgedruckt war, und kurz nach der Kontrolle kurz nach der Abfahrt in Heringsdorf sehen wir die Zugbegleiterin am Handy reden, und hören die Worte „Schiff fällt aus, ok“ und „ich sage dann den Leuten Bescheid“. Nun, letztlich entschieden wir uns dann, eben mit der Bahn nach Rügen zu fahren, auch wenn das wesentlich öfteres Umsteigen bedingte; und so fuhren wir eben den Rasenden Roland von der anderen Richtung aus ab. Göhren war dann nicht Anfangs- sondern Umkehrpunkt, und nach einer kurzen Stärkung fuhren wir bis Binz, liefen zum Bahnhof der großen Bahn und fuhren von dort wieder nach Heringsdorf zurück. So kam ich, vier Jahre nachdem ich Binz einem Abstecher nach Usedom geopfert habe, doch noch dorthin.99 1784-0 bei Einfahrt nach Lauterbach Mole

Die Eule war ähnlich begeistert wie ich, in die Kamera statt aus dem Aussichtswagen gucken zu müssen!
Die Eule war ähnlich begeistert wie ich, in die Kamera statt aus dem Aussichtswagen gucken zu müssen!

99 4011-5 in Sellin Ost

Am letzten Tag war schlechtes Wetter angekündigt, aber wir konnten dennoch morgens in der prallen Sonne am Strand liegen und baden (nachmittags war der Strand ok, aber zum Baden zu kalt). Bei der Rückfahrt verlief alles planmäßig, nur auf dem Abschnitt Wolgast – Züssow war es sehr kuschelig, aber immerhin musste ich mein Ticket nicht rauskramen, weil die Zugbegleiterin mich wiedererkannt hat – und gleich gefragt hat, ob wir denn das Geld für die Schiffstour wiederbekommen haben: Haben wir, und zwar inklusive des Zugaufschlages, obwohl das Ticket ja schon in der Kontrolle abgestempelt wurde.

Dagegen sein und falsche Hoffnungen

In Deutschland werden, allem Investitionsstau zum Trotz, viele öffentliche Bauprojekte geplant oder durchgeführt. Bei den allermeisten davon gibt es Befürworter und Gegner. Von einer Gruppe Beispiele habe ich erst kürzlich geschrieben; heute bin ich am Schauplatz eines anderen Konfliktes vorbeigefahren.

Konkret geht es um den Ausbau der Main-Weser-Bahn zwischen Frankfurt West und Bad Vilbel. Der Plan der Bahn: Zwei Gleise für die S-Bahn zu schaffen, so dass diese sich ihren Fahrweg nicht mehr mit anderen Zügen teilen muss. Dadurch könne, so die Hoffnung der Befürworter, der S-Bahn-Verkehr stabiler und besser werden. Die Gegner führen an, dass die S6, die dort fährt, jetzt schon eine der pünktlicheren Linien sei und die Verspätungsproblematik der Frankfurter S-Bahn viel mehr an der Stammstrecke zu suchen sei. Außerdem besteht die Befürchtung, dass nach dem Ausbau mehr (laute) Güterzüge durch die Wohngebiete entlang der Strecke fahren würden, vor allem Nachts. Nun teile ich die Argumente der Gegner nicht und bin der Meinung, dass der Ausbau längst überfällig ist, aber ich will eigentlich gar nicht über dieses spezielle Projekt reden, sondern über den Umgang mit Kritik an Großprojekten allgemein.

Im vorliegenden Fall tut sich eine Bürgerinitiative sehr hervor, deren Name ein Wortwitz zwischen „Bahn“ und einer gelben Staudenfrucht ist. Diese – und eine andere Gruppe, die „2 statt 4“ propagiert hat – organisiert den Widerstand derer, die durch den Ausbau zwar betroffen sind, von ihm aber praktisch nicht profitieren: vor allem Anwohner in Frankfurt, die auch jetzt schon andere schnelle Möglicheiten haben, in die Innenstadt zu kommen, und sammelt fortwährend Geld für noch mehr Einsprüche und noch mehr Klagen. Das ist natürlich deren gutes Recht.

Doch das Recht in Deutschland kennt auch Entscheidungen, und es besteht mittlerweile Baurecht. Die ersten Bauaufträge sind vergeben, die Bagger werden bald anrollen. Der Kampf um das „ob“ ist verloren. Es sind immer noch Klagen und Einsprüche anhängig, bei diesen geht es aber nur noch um Detailfragen des „wie“; sie haben keine aufschiebende Wirkung.

Nun interessiere ich mich sowieso für diese Angelegenheit, aber seit ich vor 5 Jahren in den Ortsbeirat eines benachbarten Stadtteils gewählt wurde, stehe ich auf dem E-Mail-Verteiler dieser Gruppe und erhalte daher regelmäßig „Neuigkeiten“ und „Informationen“. So kam – ich habe die allermeisten Mails von denen recht schnell wieder gelöscht, kann daher also nicht mehr genau nachgucken – etwa jährlich eine alarmistische E-Mail darüber, dass die Bahn schon „Fakten schaffen!!“ würde, weil sie Bäume und Sträucher entlang der Strecke abgeholzt hat. Dieses mal sei es viel schlimmer als sonst, lese ich da jedes Mal. Immer verbunden mit der Aufforderung, weiterzukämpfen und bitte für die Einreichung der nächsten Klage zu spenden. Mindestens die letzte solche Mail kam durchaus in der Zeit, in der die Bahn das Recht hatte, „Fakten zu schaffen!!“. Die Initiative behauptet auch heute noch, dass ihre Klagen aufschiebende Wirkungen hätten – und auf eine verdrehte Weise haben sie recht: Die aktuellen Rechtsstreite drehen sich um kleine Teile des Gesamtprojektes, die nachgebessert werden müssen, und die Realisierung dieser Teile wird aufgeschoben. Der Großteil des Gesamtvorhabens kann aber umgesetzt werden: Es besteht Baurecht. Und hierbei wird die Initiative ihren Anhängern gegenüber unredlich. Denn diese interessieren sich vielleicht nicht mehr für die Verbesserung des Erschütterungsschutzes für zwei Häuser, denken aber, dass der Rechtsstreit um das entsprechende Gutachten den gesamten Bau noch verzögern und letztlich verhindern könne. Somit wird diese Gruppe zum Selbstzweck, der einfach nur das beschlossene Projekt möglichst teuer machen und sich selbst gut fühlen will. Würden die SprecherInnen dieser Gruppe ehrlich den Stand wiedergeben, hätten sie sehr wahrscheinlich wesentlich weniger Zulauf.

Nun will ich hier nicht die ganze Zeit bashen. Aber als ich vorhin in der S6 saß, ist mit klar geworden, dass es auch das Gegenteil gibt. Grüne sind auch oft gegen Großprojekte. In Stuttgart gab es vor fünf Jahren auch nach einer sehr erfolgreichen Landtagswahl keine politische Mehrheit gegen den Tunnelbahnhof, und in Frankfurt gibt es regelmäßig große Mehrheiten für den Flughafen und alles, was damit zu tun hat – bei Gegenstimmen der Grünen (und, seit sie relevant sind, der Linken). Eines dieser Projekte ist recht aktuell: Der Bau eines neuen Terminal 3. Politisch Verantwortlich ist der hessische Verkehrsminister, und das ist nun ein Grüner. Die Grünen wollten das Terminal 3 verhindern und haben dies im Wahlkampf auch durchaus deutlich so vertreten. Nicht sehr deutlich wurde auch gesagt, dass die Politik alleine keinen Einfluss mehr hat. Nach der Wahl kommt bei vielen die Ernüchterung: Der Einfluss des Verkehrsministers beschränkt sich darauf, im Aufsichtsrat von Fraport gegen den Bau zu stimmen. Aber: es besteht Baurecht. Die Fraport hat das Recht, zu bauen. Nun hätte man natürlich Gerichtsverfahren anstrengen können, von denen man genau weiß, dass sie nichts bringen werden, und noch nicht mal den Bau verzögern würden. Hat man aber nicht. Ebenso wurde nach der Volksabstimmung über Stuttgart 21 kein Widerstand mehr geleistet, denn die Entscheidung war gefallen.

Für mich zeigt dass, dass die Grünen eine Partei der Verantwortung sind. Und nicht nur der persönlichen Verantwortung, sondern einer gesellschaftlichen Verantwortung. Andere haben die Baugenehmigung für das Terminal 3 gegeben, andere haben die Finanzierungsvereinbarung für Stuttgart 21 getroffen. Aber wo die Grünen in die Regierungsverantwortung kommen, werden sie dieser Verantwortung gerecht, auch wenn das bedeutet, Projekte zu leiten, die man selbst für falsch, widersinnig, teuer hält. Auch, wenn das bei manchen WählerInnen den Eindruck hinterlässt, man setze sich nicht genügend für die eigenen Ziele ein. Auch, wenn man dann so dasteht als hätte man seine Ziele verraten: immerhin kann man sich nun auf andere Kämpfe, die man gewinnen kann, konzentrieren. Man kann natürlich gegen die eigene Regierungspolitik Opposition machen, wie das scheinbar auf Bundesebene aktuell en vogue ist. Sinnvoller ist es, ehrlich einzugestehen, wenn man etwas nicht mehr verhindern kann. Auch wenn’s weh tut.

Schnelle Züge

Ich fahre gerne mit schnellen Bahnen. Ich komme aus einer Großstadt und bin in eine andere Großstadt gezogen; meine Ziele sind meistens Großstädte. Das ist mein Disclaimer für den folgenden Beitrag.

Neubaustrecken für Schnellfahrten, kurz NBS, diese großen Bauprojekte, die die Bahn immer besonders gerne durchführt und einweiht, sind nämlich für den Großteil meiner Parteigenossen ein rotes Tuch. Für mich eher nicht so. Und genau darüber möchte ich heute schreiben.

ICE bei Ausfahrt aus Frankfurt Hauptbahnhof (ICE 1; Gleis 6 nach Gutleuthof)
ICE bei Ausfahrt aus Frankfurt Hauptbahnhof (ICE 1; Gleis 6 nach Gutleuthof)

Ich meine Strecken mit einer Höchstgeschwindigkeit von mindestens 250 km/h, die komplett andere Verläufe als das Bestandsnetz nehmen, quer durch die Landschaft gehen und dabei viel vorher unberührte Flächen zu zerschneiden und viel Geld kosten – meist sind viele Tunnel und Brücken nötig. Dabei werden häufig bisher angebundene Städte vom schnellen Fernverkehr abgeschnitten. Drei Beispiele davon möchte ich näher betrachten: Koblenz liegt seit 14 Jahren nicht mehr zwischen Frankfurt und Köln, Jena ab Dezember nicht mehr zwischen Nürnberg und Berlin, und vielleicht wird in Zukunft Aschaffenburg nicht mehr zwischen Frankfurt und Würzburg liegen.

Zusammen sind diese Eigenschaften Grund genug für Grüne, den Bau von NBS abzulehnen. Aktuelles Beispiel aus meiner politischen Umgebung ist die sogenannte Mottgers-Spange, mit der eine schnelle Verbindung von Frankfurt nach Fulda und Würzburg geschaffen werden soll – an Aschaffenburg vorbei. NBS sind sowieso schlecht, höre ich dann, man sehe ja an Jena, dass dann „die Region“ vom schnellen Bahnverkehr abgehängt würde. Aschaffenburg brauche doch unbedingt eine stündliche schnelle Verbindung sowohl zur Landeshauptstadt München als auch zum Frankfurter Flughafen. Alle Betrachtungen, wie viel Eigennutz in diesen Argumenten stecken, beiseitelassend, fußt die Kritik auf zwei Argumenten, die ich nicht sofort glaube:

  1. Wenn es eine schnelle Verbindung zwischen Frankfurt und Würzburg unter Auslassung von Aschaffenburg gäbe, wäre Aschaffenburg nicht mehr adäquat an das deutsche Schienenfernverkehrsnetz angeschlossen
  2. Punkt eins ist eine logische und unverhinderbare Folge des Baus.

Wie war das anderswo?

Auch heute noch bedienen eineinhalb InterCity pro Stunde und Richtung Koblenz (drei Linien im Zwei-Stunden-Takt: 30: Hamburg-Ruhrgebiet-Stuttgart, 31: Hamburg-Ruhrgebiet-Frankfurt, 32: Dortmund-Stuttgart); zusätzlich halten auch einzelne ICEs, zum Beispiel nach Wien oder Berlin. Das sind alles nicht die allerschnellsten Züge. Diese jedoch haben im langsamen, kurvigen – und malerisch schönen – Rheintal einfach nichts zu suchen. Erst weit von Koblenz entfernt fangen Strecken an, auf denen es sinnvoll ist, über das „Express“ hinten am „ICE“ nachzudenken (und auf die zu fahren von Koblenz aus Sinn macht).

Nun liegen Aschaffenburg und Jena schon vor Bau der jeweiligen neuen Strecken an Verkehrsachsen, die eine wesentlich geringere Bedeutung als der Korridor Rhein/Main – Rhein/Ruhr haben.

Metz – oder so.

Original-Post

Mal wieder Bahnfahren. Ende Juni, an dem ich urlaubsbedingt nicht arbeiten musste, eignet sich doch hervorragend dafür! Da gibt es eine Bahnstrecke entlang der Mosel, und zwar oberhalb von Trier, und immerhin vier mal pro Woche (Samstags und Sonntags, jeweils morgens und abends) fährt dort ein Zug von Trier nach Metz. Super, das mache ich mal!

Am Vortag habe ich abends im Reisezentrum am Frankfurter Hauptbahnhof die Fahrkarten gekauft, um von Frankfurt über Koblenz und Trier nach Metz und zurück über Sarreguemines und Strasbourg zu fahren. Früh morgens also in den IC nach Koblenz, und bei der Ankunft in Trier höre ich dann die Ansage, dass der Zug nach Metz aufgrund des Streikes in Frankreich leider ausfällt. So. Ein. Mist.

Ich bin also nicht bester Laune ins Reisezentrum gedackelt, um die Fahrkarten zurückzugeben; immerhin war dieser Zug der einzige Grund, wegen dem ich überhaupt hier bin. Während die freundliche Dame am Schalter mir meine Fahrkarten (komplett!) stornierte, fiel mir auf, dass ich eigentlich auch mal die Eifelstrecke befahren wollte, die von Trier nach Köln führt. Als ich vor zwei Jahren den Deutschlandpass hatte, hatte diese Strecke nie irgendwo reingepasst, also entschied ich mich spontan für Köln → SiegenGießen → Frankfurt als Rest meiner Reise.

Nun hatte ich auf einmal eineinhalb Stunden Zeit in Trier, also machte ich mich auf die Suche nach dem Wahrzeichen der Stadt, und siehe da, Porta Nigra ist recht nahe am Bahnhof.

Das schwarze Tor in Trier
Das schwarze Tor in Trier.

Die Strecke nach Köln ist anfangs sehr waldig, ab Gerolstein wird es dann flacher und feldiger, und schließlich kommt man ins Rheintal. In Köln hatte ich dann auch genügend Zeit, um das dortige Wahrzeichen zu fotografieren; pünktlich zum Fußballspiel der Deutschen gegen Ghana war ich dann auch wieder daheim.

Der Dom, der ja bitteschön immer in Köln gelassen werden soll.

Kleinbahnfeeling bei Dresden

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Nachdem ich im Januar 2010 eher zufälligerweise mit der Rhätischen Bahn durch die Schweiz gefahren bin, im Januar 2011 spontan bei einem Besuch in Bulgarien die Rhodopenbahn befahren habe und Anfang Februar 2012 kurzentschlossen auf der Harzer Schmalspurbahn unterwegs war, wollte ich die Tradition dieses Jahr fortsetzen, in jedem Winter eine Schmalspurbahn zu bereisen. Ich hatte die Idee aber eigentlich schon aufgegeben – zu wenig Zeit dieses Jahr, und man will ja auch mal was anderes machen als ständig in der Gegend rumfahren – als mir klar wurde, dass ich eine Reise eigentlich unfreiwillig antreten muss — die Frühjahrestagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft in Dresden fand letzte Woche statt. Aber von dieser Idee hatte ich ja letztens schon geschrieben.

Nun ist diese Reise also vorbei und ich habe tatsächlich – und nicht wenig – Zeit gefunden, mich den Schmalspurbahnen in der näheren Umgebung von Dresden zu widmen.

Eigentlich mag ich ja Dampfloks gar nicht. Das ist irgendwie untypisch für Eisenbahnfreaks, aber ich finde die schmutzig, laut, stinkend, dunkel (lies: nicht gut fotografierbar). Dennoch hatte ich viel Spaß, vor allem, weil es eben dieses schöne Kleinbahnfeeling gibt, wenn man in alten kurzen Wagen auf der Plattform – also draußen – stehen kann und mit 20 km/h durch die Landschaft zuckelt. Das funktioniert aber eben auch mit Diesel- oder E-loks, hat also nix mit Dampf zu tun!

Zunächst einmal gab es die Anreise. Um Geld zu sparen, habe ich für 11 Leute ein Gruppenticket für den ICE organisiert. Dabei waren auch ein paar Leute, die sehr gerne Auto fahren. Zum Glück hat alles gut geklappt; die Ankunft in Dresden war letztendlich sogar drei Minuten zu früh. Okay, Sonntag morgens erwarte ich auch keine größeren Behinderungen, aber der geneigte Autofahrer hat halt Horrorgeschichten im Kopf. Weil wir schon um 12:04 da waren, fuhr ich gleich weiter nach Freital, um die Weißeritztalbahn zu befahren. Blöderweise war der Akku meiner neuen Kamera alle, sodass ich nur Handyfotos habe. Das änderte natürlich aber nichts an den schönen Blicken auf vereiste Talsperren!

Bildqualität schlecht (weil vom Klugtelefon), Erlebnisqualität gut! Auf der Weißeritztalbahn war das Wetter noch nicht perfekt, aber die Sicht gut.
Über so einen Blick aus dem Hotel kann ich mich nicht beschwerden, auch wenn’s nur aus dem Treppenhaus war. Eine tschechische 371 mit dem EC aus Budapest nach Hamburg.

Dienstag vormittags nutzte ich dann eine Pause, um von Radebeul auf der Lößnitzgrundbahn zu fahren. Diesmal mit Kamera, aber die Strecke ist weniger spektakulär. Die Dampfbahn quert an einer Stelle die Straßenbahn, das war’s dann aber auch.

Die Lößnitzgrundbahn fährt nur durch recht flaches Terrain, dafür ist das die einzige der Bahnen, die auch echte Verkehrsbedürfnisse zu stillen scheint, wenigstens gibt es Schülerzüge. Hier der abfahrbereite Zug in Radeburg.

Mehr Zeit hatte ich am Mittwoch: Die Postersession fand ich eher mäßig interessant, daher machte ich mich früh morgens auf den Weg nach Zittau, um das Netz der Zittauer Schmalspurbahn zu befahren. Auf dem Weg nach Zittau musste ich feststellen, dass das Sachsenticket, dass ich gekauft hatte, erst ab 9 Uhr gilt (Abfahrt Dresden war um 7:08) – ups. Man kann aber im Zug nachlösen. Dafür gilt in der Schmalspurbahn unerwarteterweise das Sachsenticket mit 5 Euro Aufschlag, wodurch das ganze wieder genauso teuer wie gedacht wurde. Der Fahrplan auf der Kleinbahn macht es gut möglich, zwischendurch auszusteigen und durch den Schnee zu wandern, was ich dann auch gerne getan habe. Im Sommer war ich mal kurz durch Bautzen gekommen und hatte mir davon vor allem gemerkt, dass man von dieser einen Brücke einen schönen Blick auf eine Altstadtkulisse hat. Diesmal musste ich leider feststellen, dass man Zug auf der Brücke und Altstadt nicht zusammen auf ein Bild kriegen kann — wenigstens nicht, solange man auf dem Boden steht.

Die Zittauer Schmalspurbahn kurz nach Ausfahrt aus Kurort Oybin. Der lange Aufenthalt in Bertdorf 2 Kilometer weiter ermöglicht es, mit dem nächsten Zug wieder mitzufahren, auch wenn man hier kurz wandert.

Am Donnerstag musste ich dann abends meinen eigenen Vortrag halten, aber vor dem Abend gibt’s ja noch einen ganzen Tag. Den Vormittag dessen habe ich mich zwar über das langsam schlechter werdende Wetter (bis dahin die ganze Woche über glasklarer Himmel) geärgert, bin aber trotzdem mit dem EC Richtung Prag bis Ústí nad Labem gefahren, und habe auf der Rückfahrt in Bad Schandau mit der Fähre übergesetzt, um mit der Kirnitzschtalbahn zu fahren. Die ist auch schmalspurig, aber zur Abwechslung mal nicht mit Kohle und Dampf, sondern mit Solarzellen und Strom betrieben.

Der Eurocity nach Hamburg bei Einfahrt in Ústí nad Labem mit dem Schlösschen Větruše im Hintergrund. Das Wahnsinns-Wetter von den Vortagen hat hier leider schon aufgehört.
Blick auf den Triebwagen 2 der Kirnitzschtalbahn an der Endhaltestelle Lichtenhainer Wasserfall.

Freitag ging’s dann zurück, diesmal in einer Gruppe von 13 Leuten, und außer, dass ich beim Umsteigen in Leipzig fast meine Reisetasche vergessen hätte, und dass wir in Frankfurt dann drei Minuten Verspätung hatten, ist alles gut gelaufen. Ich glaube, sogar die Autofahrer empfanden die drei Minuten nicht als allzu schlimm (auch wenn sie das natürlich behaupteten, aber ich ärger‘ die ja auch oft genug).

Statistik 2012

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Vielleicht hätte ich einfach mal vorher jammern sollen. Kaum habe ich öffentlich darüber sinniert, dass ich dieses Jahr noch nicht so viel Rad gefahren bin, fällt der Groschen und ich bin so motiviert, dass ich in den 2 Tagen seither doppelt so viel gefahren bin wie im ganzen Jahr bisher. (Das sind zwar immernoch nur insgesamt 41 km, aber naja.)

Ok, eigentlich sollte es um was anderes gehen. Vor etwa einem Jahr habe ich mir überlegt, ob ich mir nicht eine BahnCard 100 kaufen sollte und mich dagegen entschieden. Stattdessen kaufte ich eine BahnCard 50 und eine Jahreskarte für den RMV. Mit dem Kauf des Deutschlandpasses im Sommer war ja schon klar, dass die Entscheidung gut war, und jetzt kann ich zusammenzählen: Alle Fahrkarten zusammengenommen haben dieses Jahr etwas weniger als 3200 Euro gekostet. Inbegriffen natürlich die BahnCard(s: ich habe die BC25 auch nochmal gekauft), die Jahreskarte, der Deutschlandpass und die Tickets außerhalb Deutschlands nach Brüssel und Amsterdam, Washington, D.C., sowie nach Spanien, Frankreich, Italien und Österreich. Ich habe also weniger bezahlt, als ich für die Netzkarte hätte ausgeben müssen.

Ich habe mal versucht, die Gesamtentfernung, die ich schienengebunden zurückgelegt habe, auszurechnen, bin aber wiedermal daran gescheitert, dass es keine vernünftigen Angaben mehr gibt. Die Größenordnung sind etwa 30.000 Kilometer. Ich habe hier mal ein schönes Vorher/Nachher-Bild von den Strecken, die ich vor 2012 schon mal befahren hatte (und an die ich mich erinnern kann), und die Strecken danach:

Karte der von mir befahrenen Eisenbahnstrecken in Deutschland und Nachbarländern. Schwarz: vor 2012, grün: neu in 2012 ohne Deutschlandpass-Fahrten, blau: Deutschlandpass-Fahrten 2012

Vom Fahrrradfahren habe ich ja schon berichtet, dass ich 2118 km geschafft habe, aber vielleicht auch hierzu noch ein wenig monetäre Statistik: etwa 500 Euro habe ich in dieses Verkehrsmittel investiert, wobei etwa ein Drittel davon in neue Fahrradklamotten (Jacke, Trikot, Handschuhe), etwa 300 Euro in Reparaturen und ersetzende Hardware (weil z.B. mein Tacho mal den Abgang gemacht hat) und der Rest in neue Hardware (Speichenreflektoren, Fahrradlichthalter) geflossen ist. Macht etwa 23,7 Cent pro Kilometer. Nur laufende Kosten betrachtet (eben der „Reparatur“-Posten) bin ich bei 14 Cent pro Kilometer. (Aber 2011 hatte ich Kosten von genau 0 Euro, bei zwar wesentlich weniger, aber nicht 0 Kilometern).

Projekt 13000 und weitere Pläne für 2012

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Zwischendurch auch mal was ohne eine größere Bahn- oder sonstige Reise. Nach überschlagenen 20000 Kilometern im Zug dieses Jahr (bisher), einer Transatlantikreise und einem Flug nach Kreta und zurück bin ich seit mittlerweile drei Wochen zuhause.

Naja, fast. Seit dem war ich einmal auf dem Weg nach Fulda (doch der ICE hielt da nicht, weshalb ich den Termin in Fulda verpasst habe und statt dessen mal die Bahnstrecke Kassel-Bebra gesehen habe) und einmal in Marburg. Letzteres ging mit dem Fahrrad im Zug hin und abends mit den Fahrrad ohne Zug bis Linden-Großen-Linden (was ein Name) und von dort mit dem Zug weiter. Ich hatte mir vorher angeguckt, wie ich bis Frankfurt kommen könnte (aber dass ich die 85 km nicht mehr schaffe, wenn ich erst um 18 Uhr losfahre, war mir schon klar), und habe gesehen, dass die einzige Steigung auf dieser Strecke kurz hinter Gießen kommt. Da ich in Gießen sowieso schon klatschnass war (ich habe im Wortsinne Wasser aus meinen Schuhen gekippt), wollte ich nicht vor der einzigen Steigung des Tages kneifen.

Noch mehr Fahrrad gefahren war ich vorher in der selben Woche, als ich am Tag der Deutschen Einheit mit fünf anderen von Frankfurt (naja, drei haben wir erst in Königstein aufgegabelt) nach Waldems-Reichenbach zum Apfelfest des NABU gefahren bin (und zurück). Besonders die Rückfahrt war wunderbar, weil die Straßen wirklich super gut ausgebaut und top in Schuss sind, man also einfach den Berg runter rollen kann (und ich hatte mir ja jeden Zentimeter am morgen hart erarbeitet gehabt).

Projekt 13000 steht also an. Nach den Vielfahrexzessen mit dem Apfelfest und Marburg habe ich momentan ’nur‘ noch 431 Kilometer bis dahin übrig. Ich habe noch eine Woche Urlaub, insgesamt vier Tage Meeting in Mainz und Gießen, und wieviel ich zwischen den Jahren fahre/arbeite, weiß ich noch nicht, also bleiben mir etwa 8½ Wochen übrig. Am Ende muss ich auf ein durchschnittliches Pensum von 10,14 km pro Tag kommen — tough, aber machbar. Ich bin guter Dinge.

So. Ja. Schon wieder Urlaub. Ja, schon wieder Bahn. Mitte November geht der Spanischkurs einer Freundin in Spanien zu Ende, und ihr Freund fährt mit dem Zug zu ihr, um mit ihr die Fähre von Cádiz auf die Kanaren zu nehmen. Natürlich habe ich auf die Frage, ob ich ihn hinbegleiten will, nicht lange gezögert. Die Hinfahrt ist gebucht, bei der Rückfahrt bin ich noch am Zweifeln, was ich mir genau angucken will. Ich habe eine Woche.

Zu den beiden zweitägigen Meetings davor werde ich je nach Wetterlage Bahn oder Rad fahren (Rad höchstens anteilig), und dann ist da eventuell nochmal ein Treffen in Fulda. Mal sehen, ob ich dahin den richtigen Zug kriege.

Dann ist da noch ein Umzug von Frankfurt nach Braunschweig, bei dem ich auf jeden Fall in Frankfurt helfe und eventuell nach Braunschweig zum Auspacken fahre, ob in dem Umzugsauto oder separat per Bahn weiß ich noch nicht. Zu guter Letzt, falls das hinhaut, ist noch das Twitter-Bahn-Treffen (#tbt), dessen erste Auflage in Frankfurt stattgefunden hat. Da Leute aus der ganzen Republik kommen, ist das nächste Treffen mal im Norden; an irgendeinem Wochenende wird es also vielleicht nach Hamburg gehen.

Noch mehr Reisen muss dann aber wirklich nicht sein, glaube ich. Obwohl ich eigentlich vor seiner Einstellung zum Fahrplanwechsel nochmal den Zug zwischen Nürnberg und Prag ausprobieren wollte. Und, solange es noch ein freundliches Bett für mich in Leipzig gibt, die Strecke von Dresden nach Prag. Das könnte man durchaus kombinieren, aber, wie gesagt, langsam reichts. Auch für diesen Eintrag.

Deutschlandpass

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Es ist der 7. August, mein Deutschlandpass ist abgelaufen. Einen Monat All-you-can-Bahnfahr geht zu Ende. Welch gute Gelegenheit, Bilanz zu ziehen, oder? (Wer nein antwortet, sollte nicht weiterlesen. Bin auch nicht beleidigt.)

13 Touren an 14 Fahrttagen innerhalb von 29 Kalendertagen, davon drei Feierabendtouren, drei Urlaubstage und 8 von 10 Wochenendtagen ausgenutzt. Längere Touren waren durch diverse Samstagstermine in Frankfurt nicht drin. (Update: Zweimal habe ich zusätzliche auch echte Transportbedürfnisse befriedigt, das hätte ich beinahe vergessen. Die Zahlen sind geupdated.)

Die kürzeste Tour war 98 Kilometer lang, das war die Fahrt nach Schöllkrippen, die kürzeste nicht-Feierabend-Tour 536 km, das war die Geschichte mit dem Lovetrain. Die längste Tour war eine von denen beiden, die ich nicht wie morgens geplant gefahren bin; die Tour über Cuxhaven und Stuttgart war am Ende 1557 Kilometer lang.

Insgesamt waren es elftausendvierhundertzwölf Kilometer. In Worten: 11412. (Äh. Oder so.) Dafür hätte ich, wenn ich normale Fahrkarten gekauft hätte, 1359 Euro und 10 Cent bezahlen müssen, hätte aber natürlich nicht spontan was anderes machen können, und eben nicht zum Beispiel einfach mal bis Würzburg fahren können, statt schon in Hannover aussteigen müssen. Ein Pendler, der das innerhalb eines Monats (20 Arbeitstage) zurücklegt, müsste einen Pendelweg von etwa 285 Kilometern haben — eine Richtung! Ich glaube nicht, dass es da so viele gibt (aber ein ganzes Jahr lang würde ich das nicht aushalten).

Ich habe dazu neun viel zu lange Blog-Artikel geschrieben, bei denen ich immernoch nicht alles erzählenswerte geschrieben habe (auch wenn das nicht den Eindruck machte). Da waren zum Beispiel noch die Rehe, die im Allgäu ins Gebüsch gejagt sind, als der Zug vorbeifuhr. Und diese alte Halb-Rassistin im Zug durch Thüringen. Und die beiden Fahrgastbefragungen, in die ich in Nordrhein-Westfalen gekommen bin, bei denen die Befragerinnen etwas verwirrt von meinen Reiseplänen waren. Ich habe interessante Signalkombinationen und eine Stellwerksstörung gesehen. Ich habe lustige Familien und nette Leute getroffen, auch doofe und baue grade eine neue Freundschaft auf.

Ich habe auch mal einen Zug verpasst. Bei 76 mal Umsteigen habe ich aber gerade mal vier Anschlüsse verpasst, einmal einen Anschluss bekommen, der eigentlich zu kurz war, und dreimal einen Zug bekommen, weil er verspätet war. (Und als Fips dabei war, ging das auch trotz Zugbindung problemlos.) Ich war nie mehr als eine Stunde zu spät, einmal wurden an einer Stelle 12 Minuten rausgeholt, einmal 16. Ich habe viel mehr Wurst gegessen als sonst, weil ein halber Fleischwurstring oder eine Wienerwurst einfach praktisch zu kaufen und mit Brötchen zu essen sind.

Ich habe daheim viel liegen lassen, und jetzt schreibe ich auch schon wieder seit Stunden an diesem Artikel, obwohl ich doch früh ins Bett wollte. Es ist schon nach Mitternacht. Ich habe mir gegen Ende Notizen gemacht, was ich auf jeden Fall ins Blog schreiben will, in der Hoffnung, dass ich dadurch besser strukturieren kann, was mir glaube ich nicht wirklich gelungen ist.

Der „Dinge, die ich in dem Artikel über heute nicht vergessen darf“-Zettel von einer meiner Touren. Ich habe dann doch nicht alles davon reingeschrieben.

Und wenn es auch schon implizit oben steht: Ich habe pro Kilometer einen Preis von 2,6 Cent bezahlt. Alter. Aber das Wichtigste: Ich hatte eine verdammt gute Zeit. (Okay, eigentlich hatte ich vierzehn verdammt gute Zeiten.) Jetzt ist die Zeit allerdings vor allem gut fürs Bett. *Schnirch*

Disclaimer: Seit es im Kursbuch der Bahn keine Kilometerangaben mehr gibt, ist es schwierig, exakte Entfernungsangaben zu bekommen. Die Angaben hier sind nach bestem Wissen und Gewissen gemacht, aber wahrscheinlich sind sie ein wenig ungenau.

Günstigste Verbindung

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Nach fünf Wochenenden hört mein Deutschland-Pass am Montag, den 6. August aus. Dementsprechend war die Fahrt vom Sonntag meine letzte, und die erste mit (geplanter) Begleitung. Mein Begleitservice bei der Fahrt über Höllental- und Murgtalbahn in die Pfalz und nach Saarbrücken war Fips, der sich zwei Supersparpreisfahrkarten besorgt hatte, eine bis Freudenstadt über Seebrugg und Rottweil, und eine von Freudenstadt über Primasens Nord und Saarbrücken. Beide Fahrkarten beinhalteten einen Abschnitt, den man in beide Richtungen befährt, und nach meinen schlechten Erfahrungen im Mai war ich skeptisch, ob das so funktioniert, also fragte er bei der Bahn nach und bekam eine positive Antwort. Ob man der würde trauen können?

Beim Wiederaufstieg nach Titisee auf der Dreiseenbahn war also die erste Gelegenheit, die Gültigkeit der Fahrkarte auf die Probe zu stellen. Am Ende hat es geklappt, wenn auch die Prüfung der Fahrkarte durchaus länger als typischerweise gedauert hat.

Am Schluchsee in Seebrugg. In diesem Schwarzwaldsee haben Leute gebadet, bibber! (© CC-BY-SA 4.0: Fips Schneider)
In Titisee stand ein Dampfsonderzug bereit, als wir umstiegen, aber leider ein klein wenig blöd hinter den Bäumen. Naja, war ja nur ’ne Dampflok.

Bis Neustadt(Schwarzwald) waren wir drei Mal in einen Doppelstockzug umgestiegen, und nun ging es von einer 218 geschoben in drei Silberlingen über die Wasserscheide zwischen Nordsee und Schwarzem Meer bis Rottweil, von dort in einem 425 nach Eutingen im Gäu und weiter mit einem anderen 425 nach Freudenstadt.

Von dort aus geht es dann mit der Straßenbahn auf EBO-Gleisen zwei Stunden lang bis Karlsruhe, durch das wahnsinnig schöne Murgtal. Wir saßen ganz vorne und hatten einen Wahnsinnsblick auf Strecke und Landschaft, bevor es dann von Karlsruhe aus mit noch zweimal umsteigen durch den Pfälzerwald (vorbei an so Orten wie Einöd) nach Saarbrücken ging.

Die Zugbegleiterinnen waren allesamt verwirrt von Fips‘ Fahrkarte, und eine fragte ungläubig, ob das denn die direkteste Verbindung von Freudenstadt nach Frankfurt sei. Zu unschlagfertig antworteten wir nicht „Wieso, ist es das nicht? Wir kennen uns doch nicht aus! Ist das jetzt etwa ein Umweg?“, aber das wäre mit Sicherheit lustig gewesen. Nein, wir fahren doch absichtlich in der Gegend rum, antworteten wir statt dessen, und ernteten dafür nicht nur ein Stirnrunzeln.

Weil der eine ICE von Paris „täglich außer 5. Aug“ fährt und leider 5. August war, war die Rückfahrt mit dem Regionalverkehr über Kaiserslautern (40 Minuten Umsteigezeit wurden für einen Döner und zwei Bier genutzt) und Bad Münster am Stein nach Mainz, von dort mit einem InterCity nach Frankfurt. Auf der Etappe nach Mainz quietschte es auf einmal von der jungen Frau schräg hinter uns, und nachdem wir sichergegangen sind, dass das ein telefongesprächbedingter Freudenausbruch war und kein Angstschrei oder ähnliches, kamen wir ins Gespräch und stießen mit ihr auf ihren neuen Studienplatz in Mannheim nach drei Jahren Wartezeit an. Sie musste nach Mainz, und so trennten sich unsere Wege.

Die 15 Minuten planmäßige Wartezeit in Mainz verkürzten sich dann, weil unser Zug 60 Minuten verspätet war und ein anderer InterCity mit 10 Minuten Verspätung kurz vorm Abfahren, und während Fips beim Zugbegleiter die Erlaubnis verhandelte, aufgrund der Verspätung die Zugbindung ignorieren zu können, stellte ich fest, dass der Wagen direkt an der Treppe, über die wir kamen, mal wieder ein ehemaliger erste-Klasse-Wagen ist. Diesmal war es ein einfach nur umgezeichneter, nicht umgebauter Abteilwagen, bei dem man die gegenüberliegenden Sitze nur mit dem Fernglas sehen kann. Um uns zu unterhalten, mussten wir Megaphone benutzen, aber das war es alle Mal wert — schöner Abschluss meiner Reisen! (Die vorherigen Sätze können Spuren von Übertreibungen enthalten.)

Den gesteigerten Komfort im erste-Klasse-Wagen habe ich am Abend wirklich genossen. (© CC-BY-SA 4.0: Fips Schneider)

Im leichten Nieselregen daheim angekommen, kurz bevor es anfing, sehr stark zu regnen und zu winden, war ich dann nochmal doppelt glücklich, dass wir den früheren IC haben nehmen können.

Jetzt ist also das mit dem Deutschland-Pass vorbei, aber mit Reisen geht es trotzdem bald weiter, weil ich am Samstag auf eine Konferenz in Washington, D.C. in den Vereinigten Staaten fliege. Dabei gibt’s auch noch Zugfahren, aber das kann ich dann ja berichten. Bevor ich dahin komme, hoffe ich, dass ich nochmal Kilometer zusammenzählen kann und berichten kann, wieviel ich unterwegs war, und vielleicht kann ich auch nochmal ausschlafen irgendwann. Uff.

Ungeplanter Umweg zu den Silberlingen

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Es gibt so Tage, da läuft es einfach. Alles. So ein Tag war Samstag. Nach dem ich von einer Geburtstagsparty am Donnerstag erst Freitag morgen um 7 Uhr heimkam und um halb elf ein Meeting mit meiner Chefin hatte, war ich mir überhaupt nicht sicher, ob ich nicht die Samstagstour auslassen solle und statt dessen ausschlafen und mich auf die Sonntagstour, auf der sich Begleitung angekündigt hat, vorbereiten soll. Oder vielleicht würde ich nicht schon um 5:55 Uhr fahren, sondern später und dann halt irgendwas anderes als HamburgCuxhavenBremen→Frankfurt. Wie gut, dass ich dann am Samstag morgen doch recht fit war und aufgestanden bin.

Im ICE nach Hamburg saß ich mich in ein Abteil, in dem ein Polizist bis Fulda schlief (dort stieg er aus), und dann ging es los. Mit den drei jugendlichen Mädels (16, 18 und 18) auf dem Weg in den einwöchigen Urlaub auf Usedom komme ich ins Gespräch, in Hannover steigen sie aus und ein Ehepaar mit seinen Enkeln, Ronja 9 und Alex 11, ein, die auf dem Weg nach Kiel sind, steigen ein. Von Kiel aus fahren die vier mit der Fähre nach Oslo und wieder zurück, als Wochenendferienausflug. Eine Norwegentour ist natürlich immer ein guter Gesprächsstarter bei mir, und dass die Kleine ständig Fotos machen wollte, auf denen ich zufälligerweise auch drauf bin, und mir groß und breit alles von ihrer Familie erzählt hat, war zumindest amüsant.

Weiter mit dem Metronom nach Cuxhaven fragte dann eine alte Frau die Zugbegleiterin, wann denn Stade käme, und da der Metronom momentan öfter hält als gewöhnlich, hatte ich die Antwort schneller als die Zub, und ich versprach, die Frau rechtzeitig hinzuweisen, dass sie aussteigen muss (das tat ich dann auch). Gute Tat Für Den Tag: Erledigt. (Und das Karma schlägt manchmal wirklich schnell zurück, diesmal waren es etwa dreieinhalb Stunden*.)

Metronom mit Diesel in Cuxhaven. Das war das eigentliche Ziel an dem Tag. Auf der Fahrt von Hamburg hat’s geschüttet, aber hier ist es nur noch unten nass.

Auf der Rückfahrt (über Bremen) hatte ich dann erst das Vergnügen eines Kegelclubs, sechs Frauen, die ihre Männer weiter hinten im Zug deponiert hatten, aber zum Glück nicht komplett klischeehaft aufgetreten sind. Sie waren unterwegs nach Bremerhaven, um von dort ein Schiff nach Bremen zu nehmen, und am Abend waren sie schon wieder daheim. Die anschließende Regio-S-Bahn nach Bremen war dann zwar 15 Minuten verspätet, aber ich konnte für meine Mitbewohnerin Osterholz-Scharnbeck grüßen und sah meinen 45-Minuten-Anschluss in Bremen nie gefährdet. Aber da ging’s ja erst richtig los.

Der Plan war, mit einem ICE nach Hannover zu fahren, und dort in einen ICE nach Frankfurt umzusteigen. Ich hätte auch in Göttingen oder Kassel (nicht Fulda!) in den selben ICE umsteigen können, aber in Hannover ist die Wahrscheinlichkeit, einen Sitzplatz zu bekommen, wohl am größten. Als ich einsteigen will, tippt mir was auf die Schulter und weist mich darauf hin, dass in den Zug der Einstieg noch nicht erlaubt ist, weil noch gereinigt werden müsse. Das war mir zwar im Hinterkopf, aber ich wollte mich mal blöd stellen und mich auf die Ansage verlassen (die gesagt hatte, dass der Zug nach München jetzt einfahre). Dem Auf-die-Schulter-tippen folgt ein Gespräch, bei dem ich erst nicht dazu komme, zwischen Bremen und Hannover irgendwas draußen zu sehen, dann entscheide ich mich, bis Kassel weiterzureden, dann sehe ich einen Anschluss, den ich in Fulda kriegen kann, dann sehe ich den Anschluss in Würzburg… Würzburg bin ich dann aber wirklich ausgestiegen. Dort gibt es dann Anschluss zu einem RegionalExpress über Lauda nach Stuttgart, ach, nehm ich den doch. Eine Stellwerksstörung mit dunklen Signalen konnte ich erleben (hat 7 Minuten gekostet), und ich war am Ende um 23:05 in Frankfurt statt um 19 Uhr, aber selten hat sich ein Umweg für mich mehr gelohnt, und das nicht nur wegen der schönen Fahrt zum Neckar.

Stellwerksstörung in Osterburken: Das letzte Blocksignal vor der Störung wurde noch mit Auftrag Zs1 überfahren, das Einfahrtsignal Osterburken (und auch alle Ausfahrtsignale und die Blocksignale dahinter) waren komplett dunkel.

Stuttgart brachte mir mal wieder eine planmäßige Umsteigezeit von 58 Minuten. Stuttgart, ey. Aber das habe ich auch noch verkraftet.

Oh, zum Titel: Der Zug von Würzburg nach Stuttgart bestand aus von einer 143 gezogenen Silberlingen, und mir ist aufgefallen, dass ich in den ganzen Deutschland-Pass-Touren noch kein einziges Mal mit diesen Wagen gefahren bin, die immerhin vor nicht all zu langer Zeit das Rückgrat des Nahverkehrs in (West-)Deutschland bildeten.

*: Nein, ich glaube jetzt nicht auf einmal an Karma oder Vorsehung oder sonst was. Meine Erfahrung ist nämlich eher, dass das Karma gerade nicht zurückschlägt, egal in welche Richtung. Aber ich habe am Samstag was nettes getan und mir ist kurz danach was nettes passiert. So. Und jetzt lest weiter, um herauszufinden, was.

Diebischer Fluss am langen Bahnsteig

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Und mal wieder unterwegs gewesen. Das war aber die letzte Deutschlandpass-Tour an einem Werktag gewesen, jetzt kommt nur noch das nächste Wochenende. Dienstag ging’s zunächst von Würzburg durch den Thüringer Wald nach Erfurt, dann über die Saale zur Weißen Elster und schließlich quer durch Thüringen ins Leinetal und nach Göttingen. (An- und Abfahrt war dann mit ICEs.)

Der Zug nach Erfurt war mit einem Zug nach Bad Kissingen verbunden, und die Zugbegleiterin fragte jeden Fahrgast einzeln, wo er denn hinmöchte, um sicher zu gehen, dass auch jeder im richtigen Zugteil sitzt. Das fand ich sehr zuvorkommend. Die Fahrt durch den Thüringer Wald war sehr schön, und ich habe bei Ein- und Ausfahrt aus Erfurt (ich bin von Arnstadt bis dort in beide Richtungen gefahren) mir mal die Baustellen der SFS Nürnberg-Erfurt genau angeguckt. Von Erfurt ging es dann landschaftlich nett, aber wenig spektakulär weiter nach Saalfeld, und von dort an gefühlt 5 Güterbahnhöfen pro Kilometer (was ich gut finde!) weiter nach Gera.

Erfurt Hauptbahnhof mit Straßenbahn. Aus irgendwelchen Gründen, die sich mir nicht erschließen, dürfen Radfahrer nicht durch diese Unterführung fahren, nichtmal auf den Gleisen.
Bahnhofshalle Gera. Diese Art von Bahnhof — eine mittlere Bogenhalle — habe ich in der Gegend da jetzt öfters gesehen, aber das hier ist definitiv eine der am besten herausgeputzten.
In Gera kreuzt die Straßenbahn die Bahntrasse beim Hauptbahnhof. Hier fährt ein Zug der Linie 1 in die Station Hauptbahnhof/Theater ein (der Bahnhof in meinem Rücken, das Theater im Bild). Und hübsche Blumen!

All das war aber lange nicht so spektakulär wie der nächste Abschnitt, der entlang der Weißen Elster durch ein sehr, sehr hübsches Tal führt. Das war definitiv eines der absoluten Highlights meiner Bahnfahrten in diesem Jahr gewesen. Da ich nur durchgefahren bin, gibt es leider keine Bilder, aber ich denke, da werde ich nochmal hinfahren, ganz sicher.

Nachdem ich drunter durchgefahren war, ging es dann über die Elster- und dann die Göltzschtalbrücke nach Zwickau, von wo ein umsteigefreier Zug bis Göttingen fährt. Dieser kommt in Gößnitz vorbei, an dessen Bahnsteig ein interessantes Bild hängt, dass ich auf Wikipedia wiedergefunden habe.

Bauarbeiten und eine Gleissperrung brachten uns zwischenzeitlich 15 Minuten Verspätung ein, die bis Göttingen allerdings wieder aufgeholt waren. In Gera wurde der Zug an einen schon bereitstehenden Zug angekuppelt, bevor es weiter ging. Der vordere Triebwagen wurde dann in Erfurt abgekoppelt, und wir fuhren weiter nach Gotha. Dort kam dann die Ansage, dass nur einer der beiden Triebwagen bis Göttingen führe, der erste Triebwagen allerdings verbliebe in Leinefelde. Der scheinbare Wiederspruch löst sich auf, wenn man weiß, dass der in Gera bereitstehende Zug aus zwei Triebwagen bestand. Wusste ich nicht, und daher war ich etwas verunsichert. Aber natürlich fuhr der in Zwickau anfangende Zugteil auch wirklich bis Göttingen durch.

In dem Zug war auch eine Frau (ca. 60 Jahre, schätze ich), die den Schaffner nach ihrem Anschluss in Weimar in einen Zug nach Frankfurt fragte. Sie wollte eigentlich zum Südbahnhof, hatte aber eine Verbindung zum Hauptbahnhof. Ich hatte das erst nicht genau mitbekommen und wollte ihr daher raten, bis Erfurt zu fahren, weil dort auch die ICEs halten (die aber eben nicht am Südbahnhof halten, weshalb meine Idee nichtig war — sie sollte mit einem der wenigen ICEs fahren, die tatsächlich in Weimar halten). So kamen wir ins Gespräch, ich warnte sie vor dem Schienenersatzverkehr vor (sie wollte eigentlich nämlich zum Dornbusch) und suchte am Ende über’s Internet heraus, dass sie mit nur 7 Minuten Umsteigen in Weimar (statt einer Stunde laut Bahn-Schalter) einen InterCity erwischen könnte, der sie am Südbahnhof rauslässt. Sie war begeistert, ich hatte meine Gute Tat Für Den Tag vollbracht und alles war gut. In dem Zug saß ich zweitweise auch noch einer jungen Mutter mit ihrem etwa dreijährigen Sohn gegenüber, der einfach total süß war und mit dem sie einen sehr starken Gegenentwurf zu einer anderen Mutter/Kind-Kombination gebildet hat.

Letzte Geschichte von der Tour: In Göttingen hatte ich zwei Minuten Umsteigezeit zu einem ICE, der direkt nach Frankfurt fuhr, oder 8 Minuten zu einem, bei dem ich in Fulda nochmal umsteigen muss. Ich wetze, nur um den ersten ICE gerade ausfahren zu sehen. Nun gut, der andere. Da kommt die Ansage, dass der wegen Personen im Gleis 40 Minuten verspätet sei. Das brisante dabei: Mein Handy-Akku steht auf 2 % und ich wollte dringend wieder aufladen, wollte aber auch nicht auf die Musik verzichten — ausschalten war also keine Option. Verdammt! Der Soundtrack war sehr passend: I’m in Love with my Car von Queen. Gerade, als ich nach unten gehen wollte, um nach anderen Anschlüssen zu suchen, fuhr dann doch der ICE nach Nürnberg ein! Juchuh: Akku gerettet. Nicht ganz: Mal wieder ein noch nicht renovierter ICE2. Gibt’s da überhaupt Steckdosen? Ich glaub(t)e nicht. Oh nein. Nagut, mal sehen, ob es noch bis Fulda reicht. Später kapiere ich zweierlei: Es gibt mindestens eine Steckdose im ICE2, auch wenn die etwas merkwürdig angebracht und versteckt ist, und der Zug, mit dem ich fuhr, war nur die Hälfte von dem Zug, den ich erwartet hatte, nur die andere Hälfte war verspätet. Diese Information hatte ich bei der Ansage und der Anzeige irgendwie erwartet, aber man kann wohl nicht alles haben.

Nach 16 Stunden 32 Minuten war ich dann wieder am Hauptbahnhof und bin schienenersatzverkehrvermeidend mit der S6 heimgefahren. Uff. Und, ganz ehrlich, langsam bin ich etwas reisemüde.

Alles Trocken beim Umsteigen

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So. Anstrengendes Wochenende. Ging am Freitag mit einem Tag Urlaub los, den ich für eine Fahrt über Eschwege, Nordhausen, am südlichen Harz entlang, ein Stückchen Weser, Teutoburger Wald (oder so), Osnabrück und Recklinghausen zurück nach Frankfurt genutzt habe. War sehr nett, und nach der Hitze die beiden Tage vorher (woo-hoo, Schwimmbad!) waren die klimatisierten Fahrzeuge sehr schön. Das Wetter war wechselhaft; ich bin ein paar mal durch richtig starken Regen gefahren, aber beim Umsteigen war immer gutes Wetter. (Zum Glück bin ich in Altenbeken aus Ottbergen kommend sitzen geblieben und in Paderborn in den Zug nach Herford gestiegen, nicht nur wegen des Sitzplatzes, sondern auch wegen des Starkregens, der auf Altenbeken runterkam, als ich das zweite Mal da vorbeigekommen bin.)

Wirklich erwähnenswert auf dieser Tour war — neben den beiden halbstündigen Pausen in Eschwege und Northeim(Han), nach denen ich jeweils mit dem gleichen Zug weitergefahren bin, und der schönen Landschaft — vor allem der „Anschluss“ in Nordhausen. Eigentlich gibt’s den nämlich nicht. Der Zug von Kassel nach Halle (Saale) kommt zwei Minuten vor Abfahrt des Harz-Weser-Expresses an, die Umsteigezeit laut Auskunft beträgt 62 Minuten (sprich: Den Zug kriegt man nicht mehr). Mit 5 Minuten Verspätung meines Zuges beim Einsteigen in Eichenberg hatte ich wenig Hoffnung, aber in Nordhausen waren es nur noch 2 Minuten, und der Tf hat mir die Tür noch aufgelassen, obwohl er schon Ausfahrt hatte. Das war ziemlich cool!

Schöne Anti-Schwarzfahrer-Hinweise der Nordwestbahn. Gesehen auf dem Weg von Ottbergen nach Paderborn im Talent der Nordwestbahn.

Am Samstag hatte ich mal wieder nachmittags/abends bei Frankfurt zu tun, sodass die Tour eher kurz war, aber nicht minder lohnenswert; ich bin von Aschaffenburg nach Crailsheim gefahren, drei Stunden in einem 628, aber dafür mit Ausblick in das Maintal und das Taubertal. Die Rückfahrt war ab Crailsheim mit einem IC nach Stuttgart und von dort planmäßig mit dem EC aus Graz, aber der ICE von drei Minuten vor meiner Ankunftszeit hat noch am selben Bahnsteig gestanden, auf dem ich angekommen bin, also bin ich reingesprungen und habe damit 30 Minuten gespart.

Sonntag war dann das wirkliche Highlight von diesem Wochenende, meine Allgäutour. Nachdem ich erst um halb vier im Bett war, ging es schon um halb sechs wieder aus selbigem heraus, um den ICE um 6:22 nach Nürnberg zu erwischen. Alles hat auch geklappt, ich habe wenigstens ein bisschen Ruhe gehabt, und dann ging es über Treuchtlingen ins Altmühltal (das hat zweieinhalb Stunden gekostet, die sonst mehr hätte schlafen können, aber es hat sich dicke gelohnt!) und weiter nach München. Die Fahrt von dort bis Lindau war eigentlich mehr wegen Bahninterna interessant (erzähle ich gleich) als wegen der Bahnexterna (also der Landschaft), dafür war die Strecke von Lindau nach Oberstdorf und von dort bis Kaufbeuren extrem aufregend. Von dort aus ist es dann erstmal langweilig (landschaftlich, für anderes siehe den Text über die Rätselnde Mutter), bis man hinter Donauwörth über Treuchtlingen nach Würzburg fährt. War das ein schönes Gefühl, kurz nach dem Sonnenuntergang das Maintal zu erblicken!

Das Beweisfoto aus dem Süden. Also ganz, ganz weit im Süden. Südlicher geht’s mit der Bahn nicht, wenigstens nicht in Deutschland.

Nun zu den Bahninterna: Ich bin von München nach Lindau mit einem EuroCity nach Zürich gefahren. In den im Fernverkehr der DB typischerweise ausliegenden Reiseplänen (oder wie auch immer diese Faltfahrpläne mit allen Anschlüssen etc. heißen) liegt schon den ganzen Monat immer ein Flyer drin, dass alle Fahrplanangaben zum Berliner Flughafen nichtig seien, wegen des Problemes mit dem Brand(t)-Schutz. So auch im Faltfahrplan zu EC194. Der wurde übrigens wegen Bauarbeiten in der Schweiz umgeleitet und fuhr dann nicht über St. Gallen. Die Arbeiten liefen seit ein paar Tagen, patzte der Zugbegleiter das Schweizer Ehepaar mir gegenüber an, ob die denn nicht die Anzeige in München gesehen hätten (da stand an dem Gleis der RE nach Nürnberg drei Stunden vorher dran, prost Mahlzeit!). Gehen wir mal davon aus, dass die Arbeiten unplanbar waren, weil irgendwas passiert ist. Kann man dann nicht trotzdem, wenn es scheinbar mehrere Tage dauert, einen Zettel in den Fahrplan einlegen? Mit Berlin geht das doch auch, aber die Info, die diesen Zug betrifft, kann man nicht anders kommunizieren, als dass der Zugbegleiter jeden Einzelnen fragt, wie weit er denn fährt!?

In Frankfurt war dann auch so eine super-tolle Aktion: auf dem DFI der U-Bahn am Südbahnhof las ich sowas wie „Von hier alle Züge nur bis Eschenheimer Tor, dann Ersatzbus bis Miquel-/Adickesallee, dann Linien U1, U2 und U8; die U3 fährt wieder erst ab Heddernheim„. Soweit, so gut, das wusste ich prinzipiell auch schon. Dann ging’s weiter: „Fahrgäste nach Oberursel oder Bad Homburg können ab Südbahnhof die Linie S5 nehmen…“ (guter Hinweis, da muss man nicht so oft umsteigen) „… (außer 29.07. wegen der Sperrung des S-Bahn-Tunnels)“. (Es war der 29. Juli.) Warum kann man denn nicht an verschiedenen Tagen verschiedene Lauftexte bringen? Versteh‘ einer die VGF. Naja, ich habe noch einem freundlichen Herren in diesmal-nicht-ganz-so-blau gewunken, bin heim und todmüde ins Bett gefallen. Uff.

Der freundliche Herr in blau mit der liniennummerlosen U-Bahn zum Eschenheimer Tor. Die Anzeige finde ich irgendwie gut, so groß und fett. Bei den Zügen, die die Liniennummer draufstehen haben, ist das ein bisschen kümmerlich, thinks me.

Update: Seit Montag ist der Hinweis auf die S-Bahn-Tunnel-Sperrung weg. Vielleicht war das so gemeint: „Sie können auch S-Bahn fahren, heute zwar noch nicht, aber damit Sie morgen schon mal Bescheid wissen, sagen wir’s jetzt schon“. Das wäre natürlich gut. Entschuldigung, VGF.

Am Dom vorbei zur Entgleisung

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Es gibt scheinbar noch mehr Verbindungen nahe Frankfurt, die man nur an bestimmten Wochentagen und sogar nur zu bestimmten Zeiten befahren kann. Eine davon ist ein Feierabend-IC, der von Frankfurt über Worms und Speyer nach Karlsruhe fährt und dafür nur knapp doppelt so lange braucht wie die direkten ICEs. Nun gut, ein paar Minuten früher von der Arbeit weg und dann in den aus 3 Bi, einem Bv und einem Av bestehenden IC gesetzt, Fenster auf und ab geht’s. Der Zug war nicht sonderlich gut ausgelastet, sodass sich auch niemand beschwert hat. Bei 30 Grad im Schatten (und der Zug hat scheinbar den ganzen Tag außerhalb jeglichen Schattens gestanden) wird es auch bei 180 km/h nicht kalt bei offenem Fenster (naja, aber ich habe es trotzdem erst wieder in Biblis aufgemacht, das dröhnt immer so). Auf dem Weg hat man in Worms und Speyer schöne Blicke auf die jeweiligen großen Gotteshäuser, beziehungsweise deren Türme. Ganz nett! Dafür sucht man in Ludwigshafen(Rhein) vergeblich Bahnsteigsuhren. Die Bahn, ey. Hinter Germersheim fährt man dann auf einer Strecke, bei deren Elektrifizierung die Masten einfach mal auf das alte zweite Gleis gesetzt wurden, aber warum nicht, wer braucht schon die Möglichkeit, die Kapazität irgendwann mal auszuweiten?

Ludwigshafen am Rhein Hauptbahnhof. Der Bahnhof an sich ist ja schon interessant, so im Dreieck. Allerdings tue ich mich schwer, zu glauben, dass das eine Ausrede dafür ist, dass man keine einzige Uhr aufhängt…
Elektrifizierung per Holzhammer-Methode. Wer braucht schon zwei Gleise? Gesehen auf der Verbindungsstrecke zwischen Germersheim und Graben-Neudorf.
Niedersachsen am Zug, nur komischerweise in Baden. Was 146 542 der Metronom in Karlsruhe gesucht hat, weiß ich nicht, aber ein schönes Motiv fand ich es allemal.

Weiter ging’s dann mit einem Doppelstockzug über Pforzheim nach Stuttgart, wo ich die Aufräumarbeiten von einer InterCity-Entgleisung am Tage beobachten konnte. Dabei ist mir aufgefallen, wie häßlich der (momentane) Stuttgarter Hauptbahnhof ist. Keine Angst, das heißt nicht, dass ich S21 jetzt toll finde, aber ein ästhetischer Einwurf sei auch mir Unästhet bitte erlaubt.

Da das ganze ja aber nur eine Feierabendtour war, brachte mich der nächste ICE nach etwa 40 Minuten Umsteigezeit in der schwäbischen Landeshauptstadt mit Umsteigen in Mannheim schon wieder nach Frankfurt, wo ich wegen einer Verspätung (10 Minuten) dann nicht an Gleis 1, sondern an Gleis 19 ankam — an dem Gleis, wo ich etwa 6 Stunden vorher abgefahren bin.

Das große Chaos in Stuttgart, Teil 1. Am Mittag war ein IC entgleist, als ich um kurz nach 21 Uhr dort ankam, waren noch die 101 und ein WRmz etwas neben sich. Das Bild ist von Bahnsteig 13/14 (oder so) aufgenommen.
Das große Chaos in Stuttgart, von der anderen Seite. Zu dem Zeitpunkt wurde die 101 mit Hydraulikstempeln angehoben, während 185 129 mit Hilfswagen daneben steht.
So hell war’s eigentlich gar nicht, aber der Nachtaufnahme-mit-Stativ-Modus meiner Kamera hat da doch noch ne Menge Licht rausgeholt. Großaufnahme der verunglückten 101 058 und der 185.

Flaches Brandenburg

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Ich war mal wieder unterwegs. Mit Zug A nach B, dann weiter mit Zug C nach D (E ist auf dem Weg eine scheinbar sehr hübsche Stadt, soweit man’s vom Zug aus sehen kann), dann Zug F durch F‘ nach G, H nach I, J nach K, aber da gab es eine gezogene Handbremse und deswegen habe ich Zug L in K verpasst und bin statt dessen nach M gelaufen, wo ich dann Zug N bekommen habe, da musste ich dann nochmal in O umsteigen, in Zug P. In Q schließlich habe ich von Freitag nach Samstag übernachtet. Samstag ging es dann weiter mit Zug R nach S, von dort aus mit T nach U, dann V nach W, wo ich den Zug nach Hause verpasste und deswegen nochmal mit Zug X nach Y musste, wo ich dann Zug Z nach Hause nahm. Alles klar?

Also, am Freitag Urlaub genommen und aufgebrochen zu einer zwei-Tages-Tour. Und mal wieder ging es mit dem ICE nach Dresden. Dass ich fast verschlafen hatte, ist ja eigentlich unwichtig. Der einzige Platz in Fahrtrichtung im nächsten Zug — nach Görlitz — war von einem großen Rucksack belegt, zu dem der Besitzer meinte, er wolle ihn nicht ins Gepäcknetz stecken, weil er „keinen Bock“ habe, dass er runterfällt. Nun, meine Böcke, zu stehen, waren durchaus noch kleiner, so konnte ich ihn dann überzeugen, und hinter Bautzen war es dann leer genug, um einen ordentlichen Sitzplatz zu bekommen.

Vom östlichsten Bahnhof der Republik fuhr ich dann mit der Ostdeutschen Eisenbahn durch die Lausitz. Der Kaffeeautomat im Triebwagen der ODEG, an dem man Kaffee und Tee für 90 (!) cent bekommen kann, war leider defekt, so dass ich nicht den Qualitätsunterschied zum 3-Euro-Tee der Deutschen Bahn überprüfen konnte. Von Cottbus aus ging es dann auf der fünften Strecke nach Berlin weiter, aber, kennste eine, kennste alle. Stink-Langweilig. Eigentlich hatte ich auf meiner Liste-mit-Strecken-die-ich-fahren-will noch ein paar andere Strecken in Brandenburg gehabt, aber die habe ich — bis auf Berlin-Frankfurt(Oder)-(Warschau) — alle gestrichen. Es lohnt sich einfach nicht.

Kleiner Lichtblick in Berlin: Eine grün/rote Lok! 186 241 zieht hier gerade den Berlin-Warsawa-Express in Richtung Bahnhof Zoo.

Nun ja, irgendwann kommt dann Berlin, und wir waren auch fast pünktlich bei der Ankunft. Nächste Etappe: EC Richtung Prag (bzw. sogar Wien). Kurz nach der Ausfahrt aus Berlin Hbf (tief) gab es dann im Tunnel eine Zwangsbremsung, auf die die Ansage folgte, dass eine Notbremse gezogen worden sei, man nicht die Türen öffnen solle und der Zug in wenigen Minuten weiterfahren werde. Nun ja, Ausfahrt aus Berlin Südkreuz war mit +17′, mein 4-Minuten-Anschluss in Elsterwerda damit wohl passé. Fragt man halt die Zugbegleiter, die werden ja in den planmäßig 80 Minuten mal vorbeikommen, oder? Denkste. Ankunft in Elsterwerda war dann noch mit 5 Minuten Verspätung (!), aber der Anschluss nach Elsterwerda-Biehla war trotzdem weg. Ich hatte noch das Vorsignal von Biehla bei der Einfahrt meines Zuges auf grün stehen sehen, der Zug war wohl grade hinter der Kurve verschwunden. (Oh, sechste Strecke von/nach Berlin: Wieder flach, Wald, langweilig. Brandenburg, ey.)

Nur, um das mal in Relation zu setzen: mein Anschlusszug ist noch eine Station weitergefahren, drei Minuten lang, und hat an seiner Endstation einen 3-Minuten-Anschluss an einen anderen Zug am selben Bahnsteig gehabt. Wieso dieser Zug nicht zwei Minuten warten kann auf Passagiere aus einem Fernverkehrszug, erschließt sich mir nicht.

Nun gut, ich hatte also eine Stunde mehr Zeit, nach Biehla zu kommen und lief einfach, wartete dort auf den nächsten Zug eine Stunde später, der allerdings nur bis Falkenberg(Elster) fuhr, von wo aus ich noch etwa eine Stunde bis Leipzig unterwegs war. Die Übernachtung bei UKS verdiente ich mir dann mit Spülen und Brötchen schmieren, und nachdem UKS dann am nächsten Morgen um 7:15 in den Zug nach München (in ihren wohlverdienten Urlaub) gestiegen war, fuhr ich kurz danach nach Magdeburg. In einem Ferien-IC (Dresden-Leipzig-Magdeburg-Ostsee). Das hat man zwar gemerkt, aber zum Glück war kein Rentner-Kegelclub oder so in meinem Wagen. Auf der Strecke habe ich mich übrigens erinnert, dass mein Telefon eigentlich auch GPS kann, das habe ich nur immer aus, weil ich den Akku schonen will — aber mit ner Steckdose am Platz kann man das ja ruhig mal machen, finde ich. Ging auch ganz gut.

Unfreiwilliges Umsteigen in Falkenberg(Elster): Der versteckte Doppelstockzug neben der 155 brachte mich von Elsterwerda-Biehla hierher, weiter ging es einen Stock weiter oben.
In Leipzig, bei Thekla, steht ein Vorsignal, dass eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 70 km/h ankündigt, und keine 50 Meter dahinter gelten erstmal 30 (die kleine drei auf dem weißen Schild in Bildmitte). Dafür braucht man dann wohl Ortskenntnis…
Der blaue Pfeil auf OpenStreetMap-Hintergrund zeigt die ganz genaue Position an; ich war 295 km Luftlinie von Frankfurt entfernt und der Zug fährt 149 km/h. Das Bild ist so ein bisschen Proof-of-Concept: GPS funktioniert und das Handy hält auch wunderbar an den Luftschlitzen im Bpmz.

Der nächste IC brachte mich nach Hannover, dann ein uffgemotzter ICE2 nach Köln. Leider wurde da der ICE nach Frankfurt nicht mehr erreicht (trotzdem das im Zug so angesagt wurde, grr), sodass ich eine halbe Stunde warten musste und am Ende am Flughafen umsteigen musste. Zwischendurch wollte ich in Köln auf die öffentliche Bahnhofstoilette gehen, empfand aber einen Euro als zu viel und hielt es lieber ein, bis ich in dem ICE saß. In dem ich dann übrigens vorne mit Blick auf die Strecke und GPS-Empfang sitzen konnte! Am Flughafen erwischte ich dann einen ICE, der aus Wiesbaden kam und in Richtung Dresden fuhr. Welch schönes Schließen des Kreises.

Sonntag habe ich übrigens mal daheim verbracht, meinen Eltern Bilder gezeigt (von so einigen meiner Fahrten in letzter Zeit). Weiter geht’s spätestens am Wochenende.

Stadt, Land, Lovetrain

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Wenn man alleine im Auto sitzt und fährt, hat man mit Sicherheit ein paar gute Dinge: man kann die eigene Musik auswählen und praktisch so laut hören, wie man will. Man hat eine gute Sicht nach vorne, man kann bei Störungen relativ einfach die Route ändern, und das hat man selbst in der Hand. Wenn man etwas spät dran ist, ist das nicht so schlimm, weil man mit diesem Fahrzeug bis zum Ziel fährt und man keinen Anschluss verpassen kann. Und wenn es doch mal zeitkritisch wird, kann man selbst entscheiden, etwas auf die Tube zu drücken, um etwas schneller zu sein. Das Schlüsselwort ist hier selbst.

Dass Umleitungsstrecken überfüllt, umständlich oder einfach von der vollgesperrten Autobahn aus unerreichbar sein können, spielt dabei für viele Leute ebenso wenig eine Rolle wie der gesteigerte Spritverbrauch und der meistens recht kleine Zeitgewinn, der mit dem auf-die-Tube-drücken verbunden ist. Und man hat eben Ruhe beim Autofahren. Ist das nichts?

Wer mich kennt, egal ob persönlich oder nur vom Lesen in diesem Blog, wird wissen, dass ich sowas nicht schreiben würde, wenn ich nicht ein sehr großes aber dahinter schreiben würde. Und in der Tat, hier ist es.

Samstag morgen fuhr ich um 9 Uhr mit dem ICE nach Saarbrücken. Bis Mannheim war die zweite Klasse vorne mit Blick auf die Strecke, und da wollte ich natürlich nicht lesen. Ich habe immer ein bisschen Skrupel, Ohrhörer im Ruhebereich aufzusetzen, also bat ich die anderen in der Lounge, mir zu sagen, wenn sie meine Musik hören. Sie bestätigten mir alle, dass sie nichts hören, also stelle ich fest, dass ich auch im Zug die Musik so laut machen kann, wie ich will; okay, dafür braucht man In-Ear-Hörer, aber ich kann es einfach nicht so laut machen, dass es die anderen hören, sonst flögen mir meine Ohren weg. Von Mannheim nach Saarbrücken konnte ich dann hinten rausgucken, aber die meiste Zeit habe ich gelesen und entspannt. Weil wir Umleitung durch Schifferstadt (statt daran vorbei) gefahren sind und noch zwei Langsamfahrstellen auf dem Weg waren, waren wir in Saarbrücken 7 Minuten zu spät, was leider bedeutete, dass ich den Anschluss nach Koblenz nicht erreicht habe. Nun gut, ich hab’s ja nicht wirklich eilig, also fahre ich eben eine Stunde später.

Und, wow, hat es sich gelohnt, nicht bei verpasstem Anschluss direkt nach Frankfurt zurückzufahren, wie ich mir es eigentlich vorgenommen hatte. Die Strecke an der Saar ist sehr interessant und schön, mit viel Schwerindustrie und schönen Flussblicken auf dem Weg. Während ich fahre, wieder Musik höre (lesen kann ich ja nicht, wenn ich gucke) und nichts Böses denke, ist im Abteil vor mir ein Junggesellenabschied, der sich mit Amerikanern unterhält (in etwas schlechtem Englisch, aber was soll’s). In Trier steigen noch zwei Junggesellenabschiede und zwei Junggesellinnenabschiede ein, und diese fünf Gruppen machen fortan auf dem Weg mächtig Stimmung; tanzen, singen, sind friedlich und akzeptieren auch, wenn man nichts abkaufen will. Ja, okay, im Auto hat man sowas nicht, aber auf der anderen Seite, hat man sowas im Auto nicht. Eine der Bräute frage an einer Stelle „Was ist denn das für ein Zug, dass hier so viele Bachelor-Parties drin sind?“ und die Antwort war, dass das der Lovetrain sei! Die Strecke an der Mosel entlang war nicht mehr ganz so aufregend wie die an der Saar (vor allem, weil sie lange nicht so an der Mosel ist wie die Saarstrecke an der Saar ist), aber immernoch sehr sehenswert, und wenn ich sie noch nicht gekannt hätte, wäre auch die Rheinstrecke auf dem Heimweg mehr Aufmerksamkeit wert gewesen, so beachtete ich Loreley und Co gar nicht.

Die Saarburg in Saarburg, wie man sie vom Bahnhof Saarburg aus sehen kann. Kurz vorher gibt es wunderschöne Blicke vom Zug auf Saar und Strecke und Straße, aber aus dem Zugfenster zu fotografieren ist immer so ’ne Sache…

Auch am Sonntag war ich noch unterwegs. ICE von Frankfurt nach Dresden, mit der zweiten Klasse bis Lepizig hinten, also keine Sicht (und bei den ICE-T scheint der Standard auch hinten eine milchige Scheibe zu sein, im Gegensatz zum ICE3. Zeit, Dr. Strangelove or how I learned to stop worrying and love the bomb zu schauen, nachdem mir davon gestern gerade wieder erzählt wurde. Kurz vor Leipzig handelten wir uns dann 25 Minuten an einer Signalstörung ein, und in Leipzig saß ich zwar vorne in meinem 415, aber es wurde ein 411 davorgehängt, der aber als Leerfahrt bis Dresden mitfuhr. Bis Riesa war die Verspätung bei 29 Minuten, trotz einer etwa zwanzig Kilometerlangen LZB-geführten Überholung auf dem Gegengleis (waren drei Züge, die wir da überholt haben), und weil wir Dresden-Neustadt umfahren haben, kamen wir mit „nur“ noch 25 Miesen in Dresden an. Kein Problem, wenn man 57 Minuten Umsteigezeit hat. Während dieser Zeit sollten zwei ECs ankommen, einer aus Prag, einer nach Prag, leider war der eine viel zu spät (der aus Tschechien), und der andere hielt komplett in der Halle, so dass er etwas unfotogen dastand.

Kurz vor Leipzig-Leutzsch, wo wir aufgrund einer Signalstörung einige Zeit verbrachten

Mein eigentliches Ziel bei der Reise war aber nicht Dresden und die internationalen Schnellzüge dort (das kommt noch), sondern der Franken-Sachsen-Express; drei 612er, die von Dresden über Zwickau, Chemnitz, Hof und Bayreuth nach Nürnberg eilen. Der Bahnsteig war zwar schwarz vor Leuten, aber ganz vorne war fast keiner, so dass ich (zunächst) recht viel Platz hatte. In Chemnitz stieg dann eine Mutter mit Sohn (ca. 14) und zwei Töchtern (eine etwa gleich alt, eine eher 8-10 Jahre alt) ein, die sich bei mir niederließen. Die beiden Mädels saßen bei mir, Mutter und Sohn über den Gang. Bei der ersten Runde Stadt, Land, Fluss — Buchstabe H — kam keiner der Mitspieler auf einen Staat, und ich schrieb vollkommen zusammenhanglos auf meinen Block in großen Buchstaben „HONDURAS“ und „HAVEL“ (die ältere Tochter hatte bei Land und Fluss lücken, die Jüngere hat erst danach selbst mitgespielt). Die ältere Tochter schreibt also „Havel“ bei Land und „Honduras“ bei Fluss. Ähm, naja. Sie erkennt mein Zeichen und behauptet dann, sie habe die Überschriften verwechselt. War ja die erste Runde. Danach helfe ich zwar nicht mehr, höre aber immer mehr zu, trage einen Fluss mit J bei (alle hatten sich darauf geeinigt, dass sie keinen wissen, und ich bin neben Jade noch durch „Jerusalem“, „Judäa“ (hat nicht gezählt) und „Jesus“ auf den Jordan gekommen — ob es wirklich einen Fluss namens Jade am Jadebusen gibt, wusste ich nicht sicher) und komme so mit den vieren ins Gespräch. Die Kleine fragt nach meinem Kindle, und wir unterhalten uns über das Schöne Wochenende-Ticket (mit dem die vier von den Großeltern, Tanten und Onkeln in Sachsen nach Hause in München zurückfahren) und den Deutschland-Pass. Ja, im Auto hätte ich meine Ruhe gehabt. Und mich total auf die Landschaft konzentrieren können (also mit dem Teil in mir, der sich nicht auf die Straße konzentrieren muss und noch nicht vom vorhergehenden konzentrieren auf Straße und Landschaft ermüdet ist), aber ich habe auch während dem Gespräch viel von der sehr schönen Strecke gesehen und wirklich viel Spaß gehabt.

Blick vom und auf den Bahnhof Dresden mit Straßenbahn und ICE.

Eine Langsamfahrstelle kurz vor Nürnberg hat dann für 5 Minuten Verspätung gesorgt, was bei 10 planmäßigen Umsteigeminuten wesentlich kritischer als die Situation 5 Stunden vorher in Dresden war, aber als ich dann ans Gleis gehetzt war, sehe ich, dass der ICE sowieso „ein paar Minuten“ verspätet ist. Ich wollte grade darüber twittern, als ein Zug auf dem Gleis einfährt — allerdings nicht ganz der Zug, den ich erwartet habe, sondern ein Dampfsonderzug mit 52 8195 von den Eisenbahnfreunden Fürth (oder so). Dann kam auch die Ansage, dass der ICE heute von Gleis 7 führe, also musste ich nochmal den Bahnsteig wechseln. Der ICE aus Wien fuhr dann mit 16 Minuten Verspätung in Nürnberg mit der zweiten Klasse voraus und klarer Scheibe und freiem Sitzplatz ganz vorne los. Als ich Anfang Juni mit meiner Familie in München war, hatte ich mich gefragt, wieviel Luft eigentlich im Fahrplan zwischen Nürnberg und Würzburg ist, denn der Zug war durchgängig deutlich weniger als Höchstgeschwindigkeit gefahren (unter anderem komplett unter 150 km/h, trotz 25 km langer 200 km/h-Strecke) und genau pünktlich in Würzburg angekommen. Heute habe ich es rausgefunden: Es sind 10 Minuten drin. Die hatten wir nämlich mit ziemlich zügiger Fahrweise in Würzburg reingeholt. 230 km/h auf dem Weg zur Nantenbacher Kurve hinter Würzburg und das Ausfahren aller Geschwindigkeitserhöhungen im Spessart ließen uns dann etwa in Dettingen wieder komplett pünktlich sein (was durch zweimal Vr0 kurz vor Frankfurt Süd wieder zunichte gemacht wurde und in +3′ in Frankfurt Hauptbahnhof resultierte) — Kompliment an den Fahrer!

Da denkt man an nichts böses, wartet auf seinen ICE, und statt dessen fährt eine Güterzugdampflok mit einem Sonderzug durch den Nürnberger Hauptbahnhof und mein ICE drei Gleise weiter rechts. Ich scheine momentan Glück mit unverhofften Sonderzügen zu haben…

Also, zum Zusammenfassen: Im Auto kann man nicht lesen (das Buch war übrigens am Samstag schon ausgelesen). Man kann nicht Stadt, Land, Fluss spielen. Man sieht keine Junggesellinnenabschiede, und auch keine Junggesellenabschiede. Wenn man mal keinen Bock auf die Leute hat, kein Problem im Zug, Ohrhörer rein, Musik an und alles ist weg. Man kann auch nicht kurz mal die Landschaft Landschaft sein lassen und die Augen zu machen (okay, technisch gesehen kann man das schon, aber typischerweise immer nur einmal). Man kann Verspätungen auch wieder reinholen, auch wenn man nichts dafür tut. Man kann entspannen — man muss sich nur darauf einlassen. Oh, und bevor ich’s vergesse: Man kann auch das typische Schnellfahrstreckenfeeling auf 130 Jahre alten Strecken haben, zwischen Rupprechtstegen und Velden geht die Fichtelgebirgsbahn von Tunnel auf Brücke auf Tunnel auf Brücke und so weiter. War unerwartet und irgendwie cool. Und 160 km/h durch geschlossene Ortschaften geht zwar prinzipiell auch, aber da habe ich aus bestimmten Gründen doch bei der Schiene immer ein besseres Gefühl als mit dem Auto… (tl;dr, ich weiß.)

Deklassierte Nebenbahn

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Meine Deutschlandpassreisen in der letzten Woche führten mich am Mittwoch bei eigentlich viel zu schlechtem Wetter zunächst nach Limburg Süd. Der „ICE“, der mich dahingebracht hat, fungiert eher als Pendler-S-Bahn als „Zwischenstadtschnellverbindung“, was ja eigentlich den ICE ausmachen sollte, aber na gut. Ich kriege noch einen Sitzplatz und bin dabei recht glücklich, denn da das nur ein statt zwei 403 ist, ist’s ein wenig kuschelig. Nicht, dass ich nicht damit gerechnet hätte, aber die Dichte von Fahrgästen mit diesem schwarzen Fahrschein im Checkkartenformat ist wirklich extrem hoch. Naja, Berufspendler eben, die jeden Tag die Hochgeschwindigkeits-S-Bahn nehmen und daher die ganzjährige BahnCard 100 haben. In Limburg war’s zugig, nur der Zug, auf den ich gewartet habe, kam nicht. Am Ende hatte der ICE nach Mainz etwa 15 Minuten Verspätung, aber die zweite Klasse vorne und die Scheibe war transparent gestellt, sodass ich bis Wiesbaden freie Sicht auf die Strecke hatte. (Sitzplätze waren in diesem Zug kein Problem, man hatte eher den Eindruck, der einzige Fahrgast zu sein…) Eine andere Verspätung sorgte dann dafür, dass ich in Mainz einen IC nach Stuttgart bekommen habe, der eigentlich schon längst weggewesen wäre, und so konnte ich das zweite interessante Stück an diesem Abend ohne Umsteigen und recht zügig fahren — die Rheinstrecke zwischen Mainz und Mannheim über Worms und Ludwigshafen. Und durch einen Riesen-Zufall saß ich auf diesem Weg in einem Apmz, einem 1. Klasse-Großraumwagen, der nichtmal umgebaut, sondern einfach per Handzettel und Tesa-Film zur zweiten Klasse deklassiert war. Erste Klasse-Komfort im Auto möchte ich mal erleben! Dass ich in der Bahnhofsbuchhandlung in Mannheim dann das neue Buch von Terry Pratchett — Snuff — als langersehntes Paperback auf Englisch gesehen und gekauft habe, tröstete mich dann darüber weg, dass der nächste ICE nach Frankfurt 10 Minuten zu spät war. Ich konnte mich auf der Rückfahrt also in die Welt von Ankh-Morpork vertiefen und kam trotzdem sicher an (mach das mal im Auto, wenn du alleine unterwegs bist!).

Limburg Süd ist wohl der langweiligste Bahnhof Deutschlands: Nur ICE3, und die meisten davon fahren durch. Dafür ist es schon beeindruckend, wenn ein 400 Meter langer Zug in knapp 5 Sekunden an einem vorbeifährt, nur 10 Meter entfernt…
Straßenbahnen in Mannheim vor dem Hauptbahnhof.

Weiter ging es am Freitag abend (dass ich den Deutschlandpass auch für eine Dienstfahrt in die GSI benutzt habe, tut ja nix zur Sache). Ein nahes Ziel, das gerade so außerhalb des Semestertickets ist, ist Schöllkrippen und die dahin führende Kahlgrundbahn. Neben der schönen Landschaft kann man hier — mach das mal im Auto — pubertierende Jugendliche und ihr Balzverhalten studieren, sehr lustig.

Bei Kilometer 23,0 ist Schluss für die Kahlgrundbahn, und VT 302 wird nach 15 Minuten Wendezeit wieder den Rückweg von Schöllkrippen nach Hanau antreten.

Querverbindungen

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Jaa, eigentlich wollte ich ganz viel fahren dieses Jahr. Ich bin auch tatsächlich verhältnismäßig viel unterwegs gewesen bisher, aber letzten Endes doch noch nicht so richtig viel. Gut, dass ich keine BahnCard 100 gekauft habe.

Nun ist aber Sommer und ich habe mir einen Deutschland-Pass gekauft. Dieses schöne Angebot der DB kostet mich als Nichtmehrjugendlichen 299 Euro, und ich kann davon alles fahren, was ich will (d.h., den gesamten EBO-Nahverkehr und den DB-Fernverkehr außer Sprinter). Und das befreit nun tatsächlich von allen „das wäre aber Verschwendung“-Gedanken.

Also kann man ja mal einfach so rumfahren. Auf Strecken, die man als Frankfurter nie befahren würde, wie zum Beispiel FuldaWürzburg oder LimburgWiesbaden (jeweils auf der Schnellfahrstrecke). Oder MainzLudwigshafen. Eben die Querverbindungen, die an Frankfurt vorbeiführen (die nahen Regionalquerverbindungen bin ich alle schon mal mit dem Semesterticket gefahren, vor tausenden Jahren).

Gestern, am Sonntag, habe ich dann mal endlich damit angefangen. Eigentlich wollte ich an der Mosel entlangfahren, aber das Regenradar hat mir wenig Hoffnung gemacht. Also nahm ich einfach den nächsten ICE nach Würzburg und überlegte, ob ich nicht durchs Altmühltal fahren solle (also zwischen Treuchtlingen und Ingolstadt). Auf dem Weg kam mir dann die bessere Idee, ich könne von Würzburg nach Fulda fahren! Oh, und wie sieht es aus mit der MitteDeutschland-Verbindung? Tatsächlich kam ein Zug, der von München über Kassel ins Ruhrgebiet fahren sollte, nur 30 Minuten nach der nächstmöglichen Verbindung nach Fulda. Gebongt — ich fahre also nach Düsseldorf. Im Zug sitzend merke ich dann, dass dieser ICE3 12 Minuten nach Ankunft in Düsseldorf als anderer ICE weiterfährt — über Frankfurt nach München.

Naja, in Paderborn gab es dann wegen Vandalismus eine Türstörung, die uns 50 Minuten Verspätung eingebrockt hat (würde ja gerne mal wissen, was man da machen kann, das so lange nicht behoben werden kann), deswegen ist der Zug nur bis Dortmund gefahren und ich bin mit einem (noch nicht redesignten) ICE2 nach Düsseldorf gefahren (das war übrigens das erste Mal überhaupt, dass ich in einem ICE2 gesessen habe).

In Düsseldorf kam dann ein sehr sehr schöner Sonderzug vorbei, mit meiner Lieblingslokbaureihe vornedran… Der letzte Zug an diesem Tag brachte mich dann mit zwei Halten (Köln Messe/Deutz und Frankfurt Flughafen) ratz-fatz nach Frankfurt zurück. Weiter geht es wahrscheinlich Mittwoch Nachmittag.

Oh, übrigens: Die Strecke von Kassel nach Hamm ist ziemlich nett, die Zeit hat sich auf jeden Fall gelohnt!

Fast so hässlich wie Düsseldorfer Straßenbahn: Die Straßenbahn in Würzburg. Bullig. Ich habe keinen einzigen Wagen in Würzburg ohne Vollreklame gesehen — haben die überhaupt eigene Farben?
Ein Bild von einer Lok. Elegant, schnell, stark. Und mit einer zur Form passenden Farbgebung. Das war ein Sonderzug aus dem Osten (Görlitz/Dresden) nach Trier, mit TEE-Wagen inklusive Aussichts- und Speisewagen. Und welch ein Zufall, dass ich den gesehen habe! Mein ICE fuhr 5 Minuten später von Gleis 15.

Rekord

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Ich habe hier noch nie was über Sport geschrieben (außer Fahrradfahren). Weil ich eigentlich der Meinung bin, dass Sport Mord ist. Aber mit einem großen Turnier gerade hinter uns, habe ich doch das Bedürfnis, was zu sagen.

Manchmal gibt es so Situationen, wo man einen Sportteilnehmer (sei es Mannschaft, Frauschaft oder Einzelsportpersonen) gut findet, und ihnen ein gutes Gelingen wünscht. Und man sich gerne die Wettkämpfe ansieht. Deutsche, die gerne Deutschen zujubeln, sind dabei oft sehr erfolgsverwöhnt. Aber dann, auf einmal, kommt ein Lance Armstrong daher und man merkt, dass Jan Ulrich vielleicht gut, aber nicht gut genug ist, der Beste zu sein. Auch als Lance mal richtige Probleme hatte, konnte Jan ihm nicht weit genug davoneilen, um daraus Kapital schlagen zu können. Naja, damals blieb Erik Zabel, über den man sich regelmäßig freuen konnte. Und mittlerweile hat sich der (professionelle) Radsport aus meinem Interesse herausgedopt, also was soll’s.

Nun war also Europameisterschaft in der Deutschen liebsten Sportart: Männerfußball. Deutschland (eigentlich ist es ja „die Deutsche Mannschaft“ oder „die DFB-Auswahl“, aber ich benutze das jetzt mal so) ist im Halbfinale ausgeschieden, kam also unter die besten vier, und wenn man bedenkt, dass Deutschland gegen den anderen Halbfinalisten Portugal während diesem Turnier gewonnen hat, kann man wohl getrost sagen, Deutschland ist dritter geworden.

Dritter. Oder von mir aus vierter, das spielt keine Rolle. Wie sich die öffentliche Wahrnehmung der Mannschaft durch die Halbfinalniederlage gegen Italien geändert hat, hat das Bildblog in einer beeindruckenden Bilderserie zusammengefasst. Arndt Zeigler (vorsicht, Link geht zu Facebook) hat mir da ebenfalls aus der Seele gesprochen. Zusammengefasst kann man sagen: Hey, Deutschland war doch eigentlich ziemlich gut!

Und damit sind wir beim Kern der Sache: In den letzten vier großen Turnieren war Deutschland (und ich ertappe mich, dass ich „wir“ schreiben will, tststs) viermal unter den besten vier, und mit dem Argument von oben unter den besten drei. In den letzten 6 Turnieren immerhin fünf mal. Kein anderes Team hat das geschafft. Ist das nichts? Gut, Italien war in dem Spiel besser als Deutschland. Herzlichen Glückwunsch! Spanien schien im Halbfinale besiegbar, so wie damals Lance Armstrong. Aber da hat nicht Deutschland gegen Spanien gespielt, sondern Portugal. Und Deutschland war noch nicht im Finale angekommen. Aber, die Italiener packen wir doch locker, wurde mir gesagt. Taten wir nicht. Oder, natürlich: tat die Deutsche Männerfußballnationalmannschaft nicht. Aber egal, welcher Gegner es im Finale war: Die Spanier haben ein sehr gutes Spiel abgeliefert und ich bezweifle, dass Deutschland Europameister geworden wäre, wenn die Mannschaft denn ins Finale gekommen wäre.

So lässt sich feststellen, dass Spanien und Italien definitiv momentan erfolgreicher sind als Deutschland, und definitv nicht schlechter. Ebenbürtig ist Deutschland, vielleicht, aber nicht besser. Und das ist doch auch okay so.

Spanien hat Rekorde aufgestellt; drei Turniere hintereinander zu gewinnen, den Europameistertitel zu verteidigen, all das hat noch keine Mannschaft geschafft. Wir werden sehen, wie es weitergeht. Und so sehr ich mir einen Deutschen Titel wünschen würde, so sehr wäre ich auch zufrieden, wenn Deutschland 2014 in Brasilien ins Halbfinale kommt und davor Spanien besiegt hat.

Denn auch Deutschland hat einen Rekord aufgestellt während der EM 2012: Nie zuvor hat irgendeine Nationalmannschaft 15 Pflichtspiele hintereinander gewonnen (Spiel um Platz 3 2010, 10 Qualifikationsspiele, 3 Vorrundenspiele und das Viertelfinale gegen Griechenland). Deutsche, wollt ihr auf irgendwas stolz sein? Wie wäre es damit? Und dabei wurde ein anderer Halbfinalist dieser EM besiegt (Portugal) und der Vizeweltmeister, als er schon mit dem Rücken zur Wand stand (Niederlande). Die Todesgruppe wurde ohne Punktverlust beendet.

So fiebere ich weiterhin mit den Deutschen mit, hoffe, dass Löw Bundestrainer bleibt und „wir“ weiterhin unter den besten Teams der Welt bleiben. Ziel für 2014: Halbfinale. Ja, ich bin für Deutschland. Ja, ich zeige auch gerne die Flagge während Fußballspielen. Ja, ich ärgere mich auch und bin enttäuscht, wenn es wieder mal knapp nicht reicht (oder auch deutlich) — vor allem, da der DFB ja wieder erkannt zu haben scheint, dass ein Empfang am Römer im Herzen Deutschlands viel besser ist als einer in diesem preußischen Provinznest. Aber ja, ich schäme mich auch für Leute, die einem Özil vorwerfen, dass er nicht die Hymne singt (das haben die Deutschen Spieler doch eigentlich noch nie in der Mehrheit getan, oder?). Und die bei Toren von Balotelli gegen Deutschland von Negern anfangen zu sprechen. Und die eine Deutsche 88 auf dem Trikot tragen und die von der U-Bahn von Lemberg bis nach Auschwitz schwadronieren.

Das verdirbt mir die Lust am Fußballgucken aber immer nur ein bisschen, und nie genug.

Neues aus Zürich

Original-Post

Im letzten Monat bin ich durchaus auch unterwegs gewesen, aber nie so lange und ausführlich, dass sich ein eigener Artikel wirklich gelohnt hätte. Aber nun:

Geärgert hatte ich mich an Christi Himmelfahrt. Weil die CDU-Dezernenten in Frankfurt per Rasenmähermethode alle Veranstaltungen in der Stadt verboten hatten, kam eine etwas bedrohliche Stimmung auf, die meinen Arbeitgeber dazu bewogen hat, das Gebäude am Brückentag zu schließen, man weiß ja nie (und das 10 km von der Innenstadt entfernt, na gut). Die Ankündigung dazu kam am Mittwoch um 17:30 Uhr. Wirklich realisiert, dass ich dadurch viereinhalb Tage zum Reisen hatte, habe ich aber erst am Donnerstag nachmittag, und da war das Zeitfenster für anstehende Touren schon vorbei. Schade.

Dann gab’s die Woche drauf eine Feier zum Beginn des dritten Drittels des Frühlings, zu der ich einige Freunde eingeladen hatte, und das Wetter hat zum Glück mitgespielt. Am Wochenende wollte ich dann mein neues Intelligentes Telefon mit auf die Gitarrenorchesterfreizeit nehmen, habe dann aber festgestellt, dass Twittern ohne Handynetz nicht wirklich geht. Schade.

Endlich wirklich unterwegs war ich dann am 3. Juni, als ich nach Koblenz fuhr, um im strömenden Regen die Sonderfahrten der E 69 zu fotografieren. Der Freundliche Herr in Blau war am Freitag schon hingefahren und nahm mich dann mit dem Leihwagen wieder mit nach Frankfurt.

Tags drauf ging es dann mit Eltern und Schwester im Zug nach München, um abends in die Generalprobe von Neues aus der Anstalt zu gehen, bei der Gelegenheit habe ich mich mit meiner alten Bürokollegin, die jetzt in München arbeitet, getroffen, und alte und neue Geschichten ausgetauscht. Die Rückfahrt am nächsten Tag war dank des netten Tf mit freier Sicht nach vorne. Juchuh.

Die letzte belanglose Episode der letzten dreißig Tage führte mich mit 4 Freunden letztes Wochenende nach Zürich, um zwei sehr gute Freunde zu besuchen und ihnen Apfelwein vorbeizubringen. Die Hinfahrt am Freitag war mit Nahverkehrszügen in 7:07 Stunden und fünf Umstiegen, die Rückfahrt nach zwei Stunden Schlaf um 6 Uhr morgens ab Zürich mit dem ICE. Ich bin mir noch nicht sicher, was anstrengender war. Zwischendurch konnte ich am Walensee wandern, über den Zürichberg spazieren, das Auftakt der Deutschen bei der Fußball-EM ansehen und wenig schlafen. Und am Montag im Büro habe ich es sogar bis zum Feierabend ausgehalten, ohne einzuschlafen!

Und ich erwähne das erst unten, weil es eigentlich eh klar ist: Alle Anschlüsse auf allen Fahrten (auch die 9 Minuten in Karlsruhe und die 3′ in Winterthur) haben geklappt. Das Schlimmste waren 9 Minuten Verspätung bei der Fahrt nach Koblenz, der Rest war durch die Bank weg bei < 3′ Verspätung und bei bis zu 3′ zu früher Ankunft. Kann man da meckern?