Deklassierte Nebenbahn

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Meine Deutschlandpassreisen in der letzten Woche führten mich am Mittwoch bei eigentlich viel zu schlechtem Wetter zunächst nach Limburg Süd. Der „ICE“, der mich dahingebracht hat, fungiert eher als Pendler-S-Bahn als „Zwischenstadtschnellverbindung“, was ja eigentlich den ICE ausmachen sollte, aber na gut. Ich kriege noch einen Sitzplatz und bin dabei recht glücklich, denn da das nur ein statt zwei 403 ist, ist’s ein wenig kuschelig. Nicht, dass ich nicht damit gerechnet hätte, aber die Dichte von Fahrgästen mit diesem schwarzen Fahrschein im Checkkartenformat ist wirklich extrem hoch. Naja, Berufspendler eben, die jeden Tag die Hochgeschwindigkeits-S-Bahn nehmen und daher die ganzjährige BahnCard 100 haben. In Limburg war’s zugig, nur der Zug, auf den ich gewartet habe, kam nicht. Am Ende hatte der ICE nach Mainz etwa 15 Minuten Verspätung, aber die zweite Klasse vorne und die Scheibe war transparent gestellt, sodass ich bis Wiesbaden freie Sicht auf die Strecke hatte. (Sitzplätze waren in diesem Zug kein Problem, man hatte eher den Eindruck, der einzige Fahrgast zu sein…) Eine andere Verspätung sorgte dann dafür, dass ich in Mainz einen IC nach Stuttgart bekommen habe, der eigentlich schon längst weggewesen wäre, und so konnte ich das zweite interessante Stück an diesem Abend ohne Umsteigen und recht zügig fahren — die Rheinstrecke zwischen Mainz und Mannheim über Worms und Ludwigshafen. Und durch einen Riesen-Zufall saß ich auf diesem Weg in einem Apmz, einem 1. Klasse-Großraumwagen, der nichtmal umgebaut, sondern einfach per Handzettel und Tesa-Film zur zweiten Klasse deklassiert war. Erste Klasse-Komfort im Auto möchte ich mal erleben! Dass ich in der Bahnhofsbuchhandlung in Mannheim dann das neue Buch von Terry Pratchett — Snuff — als langersehntes Paperback auf Englisch gesehen und gekauft habe, tröstete mich dann darüber weg, dass der nächste ICE nach Frankfurt 10 Minuten zu spät war. Ich konnte mich auf der Rückfahrt also in die Welt von Ankh-Morpork vertiefen und kam trotzdem sicher an (mach das mal im Auto, wenn du alleine unterwegs bist!).

Limburg Süd ist wohl der langweiligste Bahnhof Deutschlands: Nur ICE3, und die meisten davon fahren durch. Dafür ist es schon beeindruckend, wenn ein 400 Meter langer Zug in knapp 5 Sekunden an einem vorbeifährt, nur 10 Meter entfernt…
Straßenbahnen in Mannheim vor dem Hauptbahnhof.

Weiter ging es am Freitag abend (dass ich den Deutschlandpass auch für eine Dienstfahrt in die GSI benutzt habe, tut ja nix zur Sache). Ein nahes Ziel, das gerade so außerhalb des Semestertickets ist, ist Schöllkrippen und die dahin führende Kahlgrundbahn. Neben der schönen Landschaft kann man hier — mach das mal im Auto — pubertierende Jugendliche und ihr Balzverhalten studieren, sehr lustig.

Bei Kilometer 23,0 ist Schluss für die Kahlgrundbahn, und VT 302 wird nach 15 Minuten Wendezeit wieder den Rückweg von Schöllkrippen nach Hanau antreten.

Querverbindungen

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Jaa, eigentlich wollte ich ganz viel fahren dieses Jahr. Ich bin auch tatsächlich verhältnismäßig viel unterwegs gewesen bisher, aber letzten Endes doch noch nicht so richtig viel. Gut, dass ich keine BahnCard 100 gekauft habe.

Nun ist aber Sommer und ich habe mir einen Deutschland-Pass gekauft. Dieses schöne Angebot der DB kostet mich als Nichtmehrjugendlichen 299 Euro, und ich kann davon alles fahren, was ich will (d.h., den gesamten EBO-Nahverkehr und den DB-Fernverkehr außer Sprinter). Und das befreit nun tatsächlich von allen „das wäre aber Verschwendung“-Gedanken.

Also kann man ja mal einfach so rumfahren. Auf Strecken, die man als Frankfurter nie befahren würde, wie zum Beispiel FuldaWürzburg oder LimburgWiesbaden (jeweils auf der Schnellfahrstrecke). Oder MainzLudwigshafen. Eben die Querverbindungen, die an Frankfurt vorbeiführen (die nahen Regionalquerverbindungen bin ich alle schon mal mit dem Semesterticket gefahren, vor tausenden Jahren).

Gestern, am Sonntag, habe ich dann mal endlich damit angefangen. Eigentlich wollte ich an der Mosel entlangfahren, aber das Regenradar hat mir wenig Hoffnung gemacht. Also nahm ich einfach den nächsten ICE nach Würzburg und überlegte, ob ich nicht durchs Altmühltal fahren solle (also zwischen Treuchtlingen und Ingolstadt). Auf dem Weg kam mir dann die bessere Idee, ich könne von Würzburg nach Fulda fahren! Oh, und wie sieht es aus mit der MitteDeutschland-Verbindung? Tatsächlich kam ein Zug, der von München über Kassel ins Ruhrgebiet fahren sollte, nur 30 Minuten nach der nächstmöglichen Verbindung nach Fulda. Gebongt — ich fahre also nach Düsseldorf. Im Zug sitzend merke ich dann, dass dieser ICE3 12 Minuten nach Ankunft in Düsseldorf als anderer ICE weiterfährt — über Frankfurt nach München.

Naja, in Paderborn gab es dann wegen Vandalismus eine Türstörung, die uns 50 Minuten Verspätung eingebrockt hat (würde ja gerne mal wissen, was man da machen kann, das so lange nicht behoben werden kann), deswegen ist der Zug nur bis Dortmund gefahren und ich bin mit einem (noch nicht redesignten) ICE2 nach Düsseldorf gefahren (das war übrigens das erste Mal überhaupt, dass ich in einem ICE2 gesessen habe).

In Düsseldorf kam dann ein sehr sehr schöner Sonderzug vorbei, mit meiner Lieblingslokbaureihe vornedran… Der letzte Zug an diesem Tag brachte mich dann mit zwei Halten (Köln Messe/Deutz und Frankfurt Flughafen) ratz-fatz nach Frankfurt zurück. Weiter geht es wahrscheinlich Mittwoch Nachmittag.

Oh, übrigens: Die Strecke von Kassel nach Hamm ist ziemlich nett, die Zeit hat sich auf jeden Fall gelohnt!

Fast so hässlich wie Düsseldorfer Straßenbahn: Die Straßenbahn in Würzburg. Bullig. Ich habe keinen einzigen Wagen in Würzburg ohne Vollreklame gesehen — haben die überhaupt eigene Farben?
Ein Bild von einer Lok. Elegant, schnell, stark. Und mit einer zur Form passenden Farbgebung. Das war ein Sonderzug aus dem Osten (Görlitz/Dresden) nach Trier, mit TEE-Wagen inklusive Aussichts- und Speisewagen. Und welch ein Zufall, dass ich den gesehen habe! Mein ICE fuhr 5 Minuten später von Gleis 15.

Rekord

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Ich habe hier noch nie was über Sport geschrieben (außer Fahrradfahren). Weil ich eigentlich der Meinung bin, dass Sport Mord ist. Aber mit einem großen Turnier gerade hinter uns, habe ich doch das Bedürfnis, was zu sagen.

Manchmal gibt es so Situationen, wo man einen Sportteilnehmer (sei es Mannschaft, Frauschaft oder Einzelsportpersonen) gut findet, und ihnen ein gutes Gelingen wünscht. Und man sich gerne die Wettkämpfe ansieht. Deutsche, die gerne Deutschen zujubeln, sind dabei oft sehr erfolgsverwöhnt. Aber dann, auf einmal, kommt ein Lance Armstrong daher und man merkt, dass Jan Ulrich vielleicht gut, aber nicht gut genug ist, der Beste zu sein. Auch als Lance mal richtige Probleme hatte, konnte Jan ihm nicht weit genug davoneilen, um daraus Kapital schlagen zu können. Naja, damals blieb Erik Zabel, über den man sich regelmäßig freuen konnte. Und mittlerweile hat sich der (professionelle) Radsport aus meinem Interesse herausgedopt, also was soll’s.

Nun war also Europameisterschaft in der Deutschen liebsten Sportart: Männerfußball. Deutschland (eigentlich ist es ja „die Deutsche Mannschaft“ oder „die DFB-Auswahl“, aber ich benutze das jetzt mal so) ist im Halbfinale ausgeschieden, kam also unter die besten vier, und wenn man bedenkt, dass Deutschland gegen den anderen Halbfinalisten Portugal während diesem Turnier gewonnen hat, kann man wohl getrost sagen, Deutschland ist dritter geworden.

Dritter. Oder von mir aus vierter, das spielt keine Rolle. Wie sich die öffentliche Wahrnehmung der Mannschaft durch die Halbfinalniederlage gegen Italien geändert hat, hat das Bildblog in einer beeindruckenden Bilderserie zusammengefasst. Arndt Zeigler (vorsicht, Link geht zu Facebook) hat mir da ebenfalls aus der Seele gesprochen. Zusammengefasst kann man sagen: Hey, Deutschland war doch eigentlich ziemlich gut!

Und damit sind wir beim Kern der Sache: In den letzten vier großen Turnieren war Deutschland (und ich ertappe mich, dass ich „wir“ schreiben will, tststs) viermal unter den besten vier, und mit dem Argument von oben unter den besten drei. In den letzten 6 Turnieren immerhin fünf mal. Kein anderes Team hat das geschafft. Ist das nichts? Gut, Italien war in dem Spiel besser als Deutschland. Herzlichen Glückwunsch! Spanien schien im Halbfinale besiegbar, so wie damals Lance Armstrong. Aber da hat nicht Deutschland gegen Spanien gespielt, sondern Portugal. Und Deutschland war noch nicht im Finale angekommen. Aber, die Italiener packen wir doch locker, wurde mir gesagt. Taten wir nicht. Oder, natürlich: tat die Deutsche Männerfußballnationalmannschaft nicht. Aber egal, welcher Gegner es im Finale war: Die Spanier haben ein sehr gutes Spiel abgeliefert und ich bezweifle, dass Deutschland Europameister geworden wäre, wenn die Mannschaft denn ins Finale gekommen wäre.

So lässt sich feststellen, dass Spanien und Italien definitiv momentan erfolgreicher sind als Deutschland, und definitv nicht schlechter. Ebenbürtig ist Deutschland, vielleicht, aber nicht besser. Und das ist doch auch okay so.

Spanien hat Rekorde aufgestellt; drei Turniere hintereinander zu gewinnen, den Europameistertitel zu verteidigen, all das hat noch keine Mannschaft geschafft. Wir werden sehen, wie es weitergeht. Und so sehr ich mir einen Deutschen Titel wünschen würde, so sehr wäre ich auch zufrieden, wenn Deutschland 2014 in Brasilien ins Halbfinale kommt und davor Spanien besiegt hat.

Denn auch Deutschland hat einen Rekord aufgestellt während der EM 2012: Nie zuvor hat irgendeine Nationalmannschaft 15 Pflichtspiele hintereinander gewonnen (Spiel um Platz 3 2010, 10 Qualifikationsspiele, 3 Vorrundenspiele und das Viertelfinale gegen Griechenland). Deutsche, wollt ihr auf irgendwas stolz sein? Wie wäre es damit? Und dabei wurde ein anderer Halbfinalist dieser EM besiegt (Portugal) und der Vizeweltmeister, als er schon mit dem Rücken zur Wand stand (Niederlande). Die Todesgruppe wurde ohne Punktverlust beendet.

So fiebere ich weiterhin mit den Deutschen mit, hoffe, dass Löw Bundestrainer bleibt und „wir“ weiterhin unter den besten Teams der Welt bleiben. Ziel für 2014: Halbfinale. Ja, ich bin für Deutschland. Ja, ich zeige auch gerne die Flagge während Fußballspielen. Ja, ich ärgere mich auch und bin enttäuscht, wenn es wieder mal knapp nicht reicht (oder auch deutlich) — vor allem, da der DFB ja wieder erkannt zu haben scheint, dass ein Empfang am Römer im Herzen Deutschlands viel besser ist als einer in diesem preußischen Provinznest. Aber ja, ich schäme mich auch für Leute, die einem Özil vorwerfen, dass er nicht die Hymne singt (das haben die Deutschen Spieler doch eigentlich noch nie in der Mehrheit getan, oder?). Und die bei Toren von Balotelli gegen Deutschland von Negern anfangen zu sprechen. Und die eine Deutsche 88 auf dem Trikot tragen und die von der U-Bahn von Lemberg bis nach Auschwitz schwadronieren.

Das verdirbt mir die Lust am Fußballgucken aber immer nur ein bisschen, und nie genug.

Neues aus Zürich

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Im letzten Monat bin ich durchaus auch unterwegs gewesen, aber nie so lange und ausführlich, dass sich ein eigener Artikel wirklich gelohnt hätte. Aber nun:

Geärgert hatte ich mich an Christi Himmelfahrt. Weil die CDU-Dezernenten in Frankfurt per Rasenmähermethode alle Veranstaltungen in der Stadt verboten hatten, kam eine etwas bedrohliche Stimmung auf, die meinen Arbeitgeber dazu bewogen hat, das Gebäude am Brückentag zu schließen, man weiß ja nie (und das 10 km von der Innenstadt entfernt, na gut). Die Ankündigung dazu kam am Mittwoch um 17:30 Uhr. Wirklich realisiert, dass ich dadurch viereinhalb Tage zum Reisen hatte, habe ich aber erst am Donnerstag nachmittag, und da war das Zeitfenster für anstehende Touren schon vorbei. Schade.

Dann gab’s die Woche drauf eine Feier zum Beginn des dritten Drittels des Frühlings, zu der ich einige Freunde eingeladen hatte, und das Wetter hat zum Glück mitgespielt. Am Wochenende wollte ich dann mein neues Intelligentes Telefon mit auf die Gitarrenorchesterfreizeit nehmen, habe dann aber festgestellt, dass Twittern ohne Handynetz nicht wirklich geht. Schade.

Endlich wirklich unterwegs war ich dann am 3. Juni, als ich nach Koblenz fuhr, um im strömenden Regen die Sonderfahrten der E 69 zu fotografieren. Der Freundliche Herr in Blau war am Freitag schon hingefahren und nahm mich dann mit dem Leihwagen wieder mit nach Frankfurt.

Tags drauf ging es dann mit Eltern und Schwester im Zug nach München, um abends in die Generalprobe von Neues aus der Anstalt zu gehen, bei der Gelegenheit habe ich mich mit meiner alten Bürokollegin, die jetzt in München arbeitet, getroffen, und alte und neue Geschichten ausgetauscht. Die Rückfahrt am nächsten Tag war dank des netten Tf mit freier Sicht nach vorne. Juchuh.

Die letzte belanglose Episode der letzten dreißig Tage führte mich mit 4 Freunden letztes Wochenende nach Zürich, um zwei sehr gute Freunde zu besuchen und ihnen Apfelwein vorbeizubringen. Die Hinfahrt am Freitag war mit Nahverkehrszügen in 7:07 Stunden und fünf Umstiegen, die Rückfahrt nach zwei Stunden Schlaf um 6 Uhr morgens ab Zürich mit dem ICE. Ich bin mir noch nicht sicher, was anstrengender war. Zwischendurch konnte ich am Walensee wandern, über den Zürichberg spazieren, das Auftakt der Deutschen bei der Fußball-EM ansehen und wenig schlafen. Und am Montag im Büro habe ich es sogar bis zum Feierabend ausgehalten, ohne einzuschlafen!

Und ich erwähne das erst unten, weil es eigentlich eh klar ist: Alle Anschlüsse auf allen Fahrten (auch die 9 Minuten in Karlsruhe und die 3′ in Winterthur) haben geklappt. Das Schlimmste waren 9 Minuten Verspätung bei der Fahrt nach Koblenz, der Rest war durch die Bank weg bei < 3′ Verspätung und bei bis zu 3′ zu früher Ankunft. Kann man da meckern?

Polen statt Binz!

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Nun war ich also in Husum angekommen, nachdem ich schon Norddeich, Bremen und Sylt hinter mir hatte. Und nun gings los: Gefühlte 85 Kilometer durch Schleswig-Holstein ohne Halt. Dabei kommt man zwschen Husum und Jübek durchaus an Siedlungen vorbei, aber scheinbar gibt es da ein zu kleines Verkehrsaufkommen. Die Nord-Ostsee-Kanal-Brücke in Rendsburg ist wesentlich beeindruckender (wenigstens beim drüberfahren) als die Querung der Marschbahn, aber beide sind wirklich beeindruckende Bauwerke. Nach Kiel, einem absolut langweiligen Bahnhof mit etwa 1,3 Fernverkehrszügen pro Tag, einer 112+Doppelstockwagen nach Hamburg pro Stunde und sonst VT 648, soweit das Auge reicht, ging es nach Lübeck, in Plön vorbei mit einem schönen Blick auf den dortigen See. In Lübeck gibt es recht regen Bahnbetrieb (vergleichsweise wenigstens), und mit einem 628 dann direkt nach Mecklenburg-Vorpommern. Ein Großteil der Strecke nach Bad Kleinen hat dabei den Eindruck gemacht, mal zweigleisig gewesen zu sein oder zumindest so konzipiert gewesen zu sein, aber in jedem Fall war es eine sehr schöne Fahrt. Von dort dann mit dem Zug aus Hamburg (120² + Doppelstockzug) nach Rostock, und weiter mit dem FLIRT Richtung Rügen, aber ich fuhr bis Ribnitz-Dammgarten West, um dort in der Jugendherberge zu übernachten. Ziel waren eigentlich Binz und Sassnitz auf Rügen gewesen.

Dann kam mir die Idee, auch nach Usedom zu fahren. Am nächsten Morgen jedoch erstmal gut ausgeschlafen (Wecker um 6:30, da habe ich die Uhr am Handy wieder umgestellt), aber von den Sanitäranlagen nicht sehr begeistert im Zug um 7:24 Richtung Sassnitz gesessen. In Stralsund sind 10 Minuten Aufenthalt, die ich genutzt habe, um einen Faltplan der Usedomer Bäderbahn zu holen, denn da ich diese Idee nicht vorher hatte, habe ich die entsprechenden Kursbuchtabellen auch nicht auf meinem Kindle gespeichert. Auf dem Weg nach Sassnitz also hin- und herüberlegt, und am Ende hat ein Münzwurf entschieden, nicht nach Binz zu fahren, sondern von Sassnitz direkt zurück und in Usedom ganz durchzufahren, um die Grenze nach Polen zu überschreiten (da war ich nämlich noch nie gewesen vorher). Auf dem Weg gab es noch Probleme mit der Fahrkarte, aber davon habe ich ja heute morgen schon ausführlich geschrieben. Lustig war noch eine Szene beim Umsteigen in Züssow, wo ich 16 Minuten Zeit hatte: Ich frage die Zub, ob ich denn noch Zeit hätte — jaja, kein Problem — und ob es denn in der Nähe des Bahnhofs irgendwas gäbe, was sich anzugucken Sinn machen würde. Sie guckt sich mit einem Einheimischen an: „naja, da hinten gibt’s das Toilettenhäuschen, ha, ha.“ Ich sagte, dass ich dachte, es gäbe vielleicht irgend eine Art von Infrastuk-t… äh, ok, den Blicken entnahm ich, dass ich doch eigentlich wissen müsste, dass ich hier in Mecklenburg-Vorpommern bin. Oh. Je.

Sehr schöne Blicke auf Usedom, eine Stadt in Polen, die enorm modernisiert wird, und dann erste-Klasse-Beinfreiheit in einem zum zweite-Klasse-Wagen umgebauten Wagen beim „InterCity“ zurück. In Anführungsstrichen steht das, weil der, bevor er Usedom nach 50 Minuten verlässt, 8 mal gehalten hat (und dabei 13 Minuten Standzeit hat). Das ist zwar marginal schneller als die UBB auf der gleichen Strecke, und der Zug ist als Ferienexpress (also das klassische Anwendungsgebiet der InterRegios früher) dafür da, auf Usedom eben alle Feriengäste einzusammeln, aber ein wenig lustig ist es schon.

Die Fahrt durch Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg war so, wie man sich das da vorstellt: Eine Öde neben der Anderen. Und das zieht sich. Ich meine, mal ernsthaft: Man braucht 2 Stunden für 160 Kilometer recht gerader Strecke von Züssow nach Bernau. Alter. In Berlin fand ich dann Vorurteile bestätigt: Der Döner am Rathausplatz in Spandau war zwar billiger als in Frankfurt, aber fettig, das Brot nicht knackig gebacken, und ich habe danach lieber ein Bier getrunken, damit mir nicht zu schlecht wird. Und ein besoffener stand neben mir und hat meinen persönlichen Wohlfühlradius doch etwas stark eingeschränkt, und eigentlich auch den von anderen Leuten, aber das schien niemanden zu stören. Berlin, ey.

Und wieder mal der Hinweis: In den drei Tagen mit 17 mal Umsteigen war fast alles Pünktlich, und jeder Umstieg hat geklappt. Geht doch. Leider war mein Hamburger Kontaktmann in Leipzig, sodass ich mich mit ihm nicht treffen konnte, dafür konnte ich von Westerland durch die Holsteinische Wallachei fahren und habe daher mehr gesehen.

Der Marktplatz in Ribnitz, mit Kirche, Italiener, Grieche, und dem Hafen um die Ecke.
Ein Stadler-FLIRT aus Rostock nach Sassnitz am Sonntag morgen bei Einfahrt in Ribnitz-Dammgarten West Bf.
Der Bahnhof Świnoujśce Centrum. Früher ging es hier weiter zum Hafen und nach Usedom (Stadt).
Der InterCity von Heringsdorf nach Köln. Die 218 drückt die drei Wagen in Züssow an den IC aus Stralsund dran (aber die Zugnummer von diesem Zug fährt weiter) und wird dann bis Berlin Gesundbrunnen geschleppt. Der dritte Wagen, man kann es kaum sehen, ist ein eigentlich ein Avmz, aber umgezeichnet zum 2.-Klasse-Wagen. Wu-hu!
Auf dem Weg von Berlin nach Frankfurt fällt mir dieses Detail an der Zuglok der Baureihe 101 auf. Gut so: oben bleiben!

Norddeich und Sylt

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Ich hätte ja auch an den Atlantik fahren können. Nach Lissabon, um genau zu sein. Das wollte ich ja eh mal machen, und ich hätte dieses Wochenende sehr nette Begleitung haben können. Aber relativ spontan (zwei Wochen im voraus buchen) hätte das immernoch 470 Euro gekostet. Da plane ich das lieber mal mit viel Vorlauf irgendwann und mache das in Ruhe.

Statt dessen war ich am Wochenende gen Norden unterwegs, am Freitag hatte ich ja noch Urlaub. Wollte ja schon lange mal nach Bremen, weil das das einzige Bundesland ist, in dem ich noch nie außerhalb des Bahnsteiges war (und das auch nur 2 Minuten an einem Montag morgen — diese Fahrt hier). Aber naja, drei Tage, da kann man ja noch mehr machen, oder? Ich hatte diese Überlegung, wohlgemerkt, in Unkenntnis der typischen Verkehrsdichten in Norddeutschland gemacht.

Freitag morgen 7:42 Uhr fährt mich also ein IC nach Münster (übrigens genau der Zug, den meine Eltern sieben Tage vorher nach Bonn genommen hatten), ein RE nach Emden und ein anderer RE nach Norddeich/Mole. Von dort aus mit dem IC nach Bremen. Da die Anschlüsse nicht so der Hammer sind und der erste RE in Meppen 20 Minuten steht, und der IC zwischen Leer und Oldenburg alle 7 Minuten hält (kein Witz — drei Halte in 15 Minuten), dauert das ganze ein wenig, und nach einer halben Stunde in Bremen (aber ich war da!) fahre ich mit einem IC nach Hamburg, um dort in Altona in ne RB nach Glückstadt umzusteigen. Dort gibt’s nämlich eine Jugendherberge. Wenigstens alles pünktlich, bis auf den letzten IC, aber in Kopfbahnhöfen muss man ja keine Treppen laufen beim Umsteigen (eat this, Stuttgart!) und von den 8 Minuten blieb dann noch eine übrig, die auch gereicht hat.

Frühstück gäbe es schon ganz früh morgen, wegen der Gruppe, die gerade da sei, erzählte mir der Zivi an der Rezeption ganz stolz. (Oder heißt das jetzt BuFDi?) Schon um 7 Uhr 15! Wow. Mein Zug fährt um 7:07 Uhr ab. Dass ich mein Handtuch vergessen hatte, bemerkte ich erst auf dem Zimmer. Ich hatte mein Jugendherbergschlafsack dabei, und so ein Leinentuch kann in der Not auch gut abtrocknen. Die drei Herren, mit denen ich das Zimmer teilte, waren Radfahrer, aber da ich um kurz vor 6 aufstand, habe ich nicht viel mit ihnen reden können.

Um 6 Uhr aufzustehen, benötigt typischerweise einen Wecker. Aber da man heutzutage ja immer ein Handy dabei hat — kein Problem! Denkste. In dem momentanen Zustand meines Handys war es praktisch unmöglich, den Wecker zu stellen. Aktivieren konnte ich ihn aber, steht halt nur auf 8:30 Uhr, da ist der Zug nach Westerland aber schon längst weg. Nach einigem Rumprobieren kam mir dann die Idee, einfach die Uhr umzustellen, so dass das Handy denkt, es ist 8:30 Uhr, wenn es eigentlich erst 6 Uhr ist. Nach etwas nachdenken darüber ist mir dann aufgefallen, dass ich das Handy noch in die richtige Richtung umstellen sollte, und am Ende war ich dann eh 10 Minuten vor 6 wach. Na toll.

Anyways, am nächsten Morgen dann mit der Nordostseebahn nach Westerland auf Sylt. Hinter Niebüll gab es eine verspätete Zugkreuzung, deswegen hatte ich von den 15 Minuten in Westerland nur noch 10, aber das reichte für ein paar Bilder und einen kleinen Eindruck von der Stadt aus (den nächsten Zug wollte ich nicht nehmen, weil wegen der Kreuzungen 6 Minuten Umsteigezeit in Husum zu wackelig gewirkt haben, statt der 36 Minuten, die ich so hatte). Zurück über den Hindenburgdamm und eben bis Husum, wo ich in den Zug nach Kiel umsteigen wollte. Der hatte dann tatsächlich Anschluss auf den NOB aus Westerland abgewartet, sodass ich ruhig noch auf Sylt hätte bleiben können.

Kleine Geschichte am Rande: In der NOB saß ein junger Mann ohne Bargeld, der an der Haltestelle kein Ticket kaufen konnte, weil der Automat kaputt war. Im Zug geht aber nur mit Bargeld. Hätte nicht eine freundliche Frau seine Fahrkarte für ihn bezahlt, wären das scheinbar 40 Euro gewesen. Gibt’s da nicht ne Regelung (oder Regelkonforme Möglichkeit), am nächsten Bahnhof zu sagen „Kaufen Sie sich hier am Automaten eine Fahrkarte, wir warten so lange“?

Fortsetzung folgt.

Das Beweisfoto: Ich war in Bremen. Im Hintergrund der Bahnhof und eine Straßenbahn.
Zug der NOB und Autoshuttle in Westerland.
Statuen vor dem Bahnhof Westerland. Die stehen windschief und die Kinder haben das Gesicht falschrum. Kunst, ey.
IC in Husum auf dem Weg nach Westerland. Mal mit dem „Gegenlicht“-Modus meiner Kamera fotografiert. Ich glaube, da muss ich noch ein wenig dran rumprobieren, bis ich die komplett gut bedienen kann.

Niederrhein

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Ich habe da noch was offen. Ich will schon längst mal meine Fahrradtour den Rhein entlang fahren. Außerdem wollte ich mit meinen Eltern mal eine längere Fahrradtour unternehmen. Außerdem musste ich vor 10 Tagen nach Bad Honnef, weil die Deutsche Telekom Stiftung dort ihr jährliches Stipendiaten- und Alumnitreffen abhielt. Und da mir dieses immer viel Spaß macht, wollte ich das nicht verpassen. Außerdem (keine Angst, das ist das letzte) haben meine Eltern die letzte Woche Urlaub gehabt.

All das zusammen ist eine wunderbare Voraussetzung, mit dem Fahrrad Donnerstags von Neuwied (bis dahin war ich gekommen) nach Bad Honnef zu fahren, nach dem Stipendiatentreffen am Freitag morgen dann weiter nach Bonn zu fahren, meine Eltern einzusammeln (die mit dem IC aus Frankfurt kommen) und mit denen dann Flussabwärts zu radeln.

Die Strecke ist wirklich schön, wenn man mal Düsseldorf rauslässt, und besonders der Niederrhein hat seinen Charme, den keiner von uns dreien erwartet hätte — für uns war „der Rhein“ immer mit Weinbergen und Burgen verbunden, Ober- ist uns halt näher als Wesel. Aber die Mischung aus Bauernhöfen im Land und immerwieder Industrie und Häfen am Fluss ist schon beeindruckend. Xanten ist eine wirklich sehenswerte Stadt, Emmerich gibt eine beeindruckende Stadtkulisse ab, das Millingerward ist (trotz schlechten Fahrradfahrwegen) sehr hübsch zu durchfahren, einzig die Ausschilderung in der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen ist unter aller Sau.

Keiner hat sich verletzt, und wir haben es in dreieinhalb Tagen bis Nijmegen geschafft. Es war also eigentlich ein guter Urlaub, nur:

Am Donnerstag morgen, kaum in der U-Bahn zum Hauptbahnhof, fällt mir auf, dass ich keinen Fahrradschlüssel dabei habe. Zurückgefahren, Schlüssel geholt, keine Chance mehr, den 06:53 Uhr-Zug nach Neuwied zu kriegen. Vielleicht doch? Fahrrad habe ich ja dabei, durch die Stadt gepest, um 6:55 Uhr am Bahnhof. Es gibt ja aber zum Glück den RE nach Koblenz, von dem aus ich in den ursprünglichen Zug umsteigen kann (den haben wir dann in Lorch/Lorchhausen auf der anderen Rheinseite überholt). Fahrkarte gekauft. Danach daran erinnert, dass das ja nicht alles im RMV ist und Fahrrad auch was kosten könnte. Wen fragen? Zub (Zugbegleiter/in) nicht in Sicht. Überall gesucht. Kurz vor Abfahrt steigt eine Frau ein, die rauchend draußen gestanden hat, und deren DB-Embleme auf der Uniform durch ihre Jacke verdeckt waren. Kurz geredet, „Fahrkarte haben sie aber?“ — ja — „na dann geht schon“. Puh, Glück gehabt.

Nach Umsteigen in Koblenz merke ich in Neuwied, dass meine Fahrradhandschuhe weg sind. Mist! Dann halt ohne fahren. Wetter: Nieselregen. Hinter Andernach (habe den Rhein zunächst auf ner Brücke überquert) wird der Weg auf einmal recht matschig, ich wundere mich noch, da rutschen meine verschlammten Reifen etwas zur Seite und ich falle voran in Brennnesseln hinein. Alles versaut. Ich habe zwar ordentliche Klamotten für das Stipendiatentreffen im Rucksack, aber die guten Schuhe an. Bilanz: Halterung des Tachos aus der Verankerung gerissen, hält aber immerhin noch bis kurz vor Bonn am nächsten Tag, wo die Halterung runterfällt und vom Vorderrad mitgerissen wird; dadurch reißt das Kabel. Außerdem ist der Flaschenhalter (so ein großer, wo auch 1-Liter-PET-Flaschen reinpassen) kaputt, hält die Flaschen zwar noch, aber klackert ständig rum. Nach dem Weiterfahren merke ich, dass der Weg einfach falsch (oder gar nicht?) beschildert war und ich nicht auf dem richtigen Radweg war.

Die in Bad Honnef neu gekauften Fahrradhandschuhe taugen ca. 0,1 Schuss Pulver (also prinzipiell gar nichts), und wurden in Frankfurt direkt wieder durch neue ersetzt. Am zweiten Tag, der eigentlich komplett bewölkt ist, hole ich mir einen Sonnenbrand auf der Nase (die eigentlich immer nach Norden zeigte) und auf dem linken Oberschenkel. Am dritten Tag, kurz hinter Xanten, reißt mir dann auch noch der Seilzug für die hintere Gangschaltung, aber so bin ich wenigstens nicht mehr viel schneller als meine Eltern beim Anfahren (die kraftlose Position ist der höchste Gang), sondern nur noch ein bisschen schneller.

Zu guter Letzt sind dann die DB-Automaten in Venlo kaputt, und in der Eurobahn nach Mönchengladbach kriegen wir nicht die Fahrkarten, die wir wollen, sondern Anfangsfahrkarten zum „einlösen“ im DB-Reisezentrum; das in Mönchengladbach hatte aber noch nie was von sowas gehört. Sei’s drum, wir kommen abends gut in Frankfurt wieder an, und beim Versuch, Grillgut für die Maiwanderung am 1. Mai zu kaufen (misslingt weil kein Fleisch mehr da) stoße ich mir den linken Fuß an eine Leiste im Supermarkt und habe eine ca. 4 cm lange Wunde am Fuß.

Aber, hey! Ich bin mit meinen Eltern immerhin 270 km Rad gefahren, wir sind nach Holland gekommen und hatten eine schöne Zeit. Ich habe dann abends noch Karten für Neues aus der Anstalt Anfang Juni gekauft, und hatte einen schönen Dienstag mit Schilter und Freunden im Taunus. Alles also nur halb so wild. (Oh, P.S.: Alle Züge waren super-pünktlich.)

Die Düsseldorfer Königsallee bei Nacht.
Duisburg auf der linken, wir auf der rechten Rheinseite.
Kriemhildsmühle in Xanten. Eingebaut in die Stadtmauer ist dort heute ein kleiner Laden mit Café drin, der zum Glück auch am Sonntag offen hat. Im Vordergrund mal wieder der nette Herr in Blau, der sich in letzter Zeit öfters auf meine Bilder schleicht…
Nagut, da gucke ich etwas grimmig, aber hier in Griethausen mal ein Beweis, dass ich da tatsächlich war. Und der Sonnenbrand am linken Oberschenkel ist auch sichtbar. (©: Peter Bäuchle)
Schöne Wolkenstimmung am Sonntag abend in Millingen a d Rijn.
Der Kirchturm in Millingen. Im Vordergrund nicht zu erkennen sind der freundliche Herr in Blau und seine Ehefrau.

Betrug!?

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Aus aktuellem Anlass schreibe ich mal zusammenhangslos von einer Fahrkartenautomatgeschichte, der Zusammenhang kommt dann später:

Ich wollte von Sassnitz (auf Rügen) nach Ostseebad Heringsdorf (auf Usedom) fahren und dabei über Świnoujśce fahren (von Heringsdorf aus dann mit dem IC heim, aber das ist unwichtig). Świnoujśce liegt hinter Ostseebad Heringsdorf, sodass die Strecke zwischen beiden Bahnhöfen hin- und herbefahren werden müsste. Da ich nicht komplett mit allen Tarifbestimmungen der Bahn vertraut bin, gehe ich also Sonntag morgens in Sassnitz an den Automaten der DB und suche eine Verbindung, die das beinhaltet. Ergebnis:

Bahnhof Uhr Zug
Sassnitz ab 09:06 RE 13006
Stralsund Hbf an 09:57
Stralsund Hbf ab 10:14 RE 69633
Züssow an 10:49
Züssow ab 11:07 UBB 29419
Swnioujscie Centrum an 12:40
Swnioujscie Centrum ab 13:18
Seebad Heringsdorf an 13:28

Zu genau dieser Verbindung wird mir ein Preis genannt — € 15,05 mit BahnCard 50, billiger als alle Nahverkehrssondernetzangebote — und ich kann zu genau dieser Verbindung eine Fahrkarte kaufen. Der Automat weist mich in keinster Weise darauf hin, dass eine solche Fahrkarte grundsätzlich nicht verkauft werden darf. Eine halbe Minute später bin ich also 15,05 € ärmer und um diese Fahrkarte reicher (am Anfang natürlich ohne die Zangenabdrücke):

Und diese Fahrtkarte ist gültig von Sassnitz bis Heringsdorf, aber nicht über Świnoujśce. Weil ich immer interessant finde, was da bei den VIAs steht, ist mir das aufgefallen. Frage bei der Zub im RE nach Stralsund: Aber da müssen sie ja gar nicht über Świnoujśce fahren — ja, aber da will ich doch langfahren. „Fragen Sie mal in Stralsund im Reisezentrum.“

Praktisch die selbe Auskunft bekomme ich ebenda, und die Dame versucht mir zu zeigen, dass ich ja auch gar keine Fahrkarte für diese Verbindung würde buchen können. „Sehen Sie hier, gibt mir keinen Preis! Und jetzt ohne über Świnoujśce: … Oh, auch kein Preis. Achso, hier… da… so, jetzt: Also, direkt, 15,05 €. Na, da haben sie ja wenigstens nicht zu viel bezahlt. Jetzt guck ich aber doch noch mal über Świnoujśce: Ähm. Da steht jetzt auch der Preis. Aber das dürfte doch gar nicht sein!“

Ich sollte die Zub im Zug der Usedomer Bäderbahn fragen, zur Not könne ich dort ohne Aufpreis nachlösen. Gesagt, getan. Die freundliche Zub guckt sich das an und sagt mir, ich solle den Reiseplan behalten und dann den Kollegen zwischen Heringsdorf und Świnoujśce vorzeigen, eventuell müsste ich dann € 2,50 bezahlen. BahnCard-Rabatt gibt es natürlich nicht. Bis Świnoujśce behelligt mich niemand mehr — bin ich also jetzt schwarzgefahren? Bei der Rückfahrt dann gleiches Spiel mit einer anderen Zugbegleiterin „die ist hier aber nicht gültig“ — aber ich habe doch genau diese Fahrkarte für genau diese Verbindung gekauft!“ — „Ich gucke mal nach, geben Sie mal her“. Sagt’s, verschwindet nach vorne (keine Ahnung, mit wem sie sich konsultiert), kommt zurück mit „nee, geht nich.“

Im nachhinein ärgere ich mich, dass ich nicht behauptet hatte, kein Bargeld zu haben. Was wäre dann gewesen? Hätte ich in Świnoujśce bleiben oder zurücklaufen müssen (aber ich wollte dann den IC nach Köln nehmen)? Im Reisezentrum der UBB in Heringsdorf erzählt mir dann die Schalterbeamtin, dass dieses Problem öfters auftaucht und ich mich doch mal als Kunde an die Bahn wenden solle (habe ich getan), denn mir wird vielleicht eher geglaubt als denen.

Falls das alles zu sehr gemecker ist: Ich möchte ganz besonders alle beteiligten Mitarbeiterinnen der DB Regio Mecklenburg-Vorpommern und der UBB loben. Alle waren sehr freundlich und keine von ihnen trifft eine Schuld. Und da ich nunmal auf die VIAs gucke, hat mich das ganze am Ende auch nicht unvorbereitet getroffen (wenn ich auch jedes Mal ahnungslos getan habe). Mein Problem ist ganz einfach, dass ich weder vor dem Bezahlen noch danach darauf hingewiesen werde, dass die Fahrkarte nicht für die ausgewählte Verbindung gültig ist, und das Problem ganz offensichtlich öfters auftritt und bekannt ist. Das ist für mich nahe am Betrug.

Ich schreibe das hier alles nicht, weil ich 2,50 € wiederhaben will (denn mit BahnCard-Rabatt in beide Richtungen hätte ich pro Strecke 0,55 € bezahlt), denn ich war nicht schnell genug im Denken, um 40 Euro zurückfordern oder deren Zahlung ablehnen zu können. Nein: Ich schreibe das, weil ich es einfach nicht in Ordnung finde, dass ein bekanntes Problem, das Leute zum unabsichtlichen Schwarzfahren bringt, bestehen bleibt.

Disclaimer: Wörtliche Reden in diesem Beitrag sind nicht wirklich wörtliche Reden, sondern paraphrasierte Aussagen mit gleichem Inhalt.

Pech im Harz

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Ich bin in letzter Zeit relativ viel Bahn gefahren, die letzte große Tour ging vor drei Wochen quer durch Deutschland, von Frankfurt über Hamburg, Berlin, Leipzig, Nürnberg und Stuttgart zurück nach Frankfurt. Sehr lange schon habe ich keine größeren Störungen beim Bahnfahren erlebt, meistens war alles pünktlich oder nur wenig verspätet, so dass ich keine Probleme mit Anschlüssen hatte (oder ich hatte keine Anschlüsse zu erreichen). Wohl gemerkt, ich rede hier von der großen Bahn, nicht von der Frankfurter U- und Straßenbahn, aber das ist eine andere Frage. Jedenfalls, bevor ich weiterschreibe, möchte ich unterstreichen, dass ich mit der Zuverlässigkeit der Deutschen Bahn sehr zufrieden bin.

Nebel auf dem Brocken

Am Wochenende war ich sehr spontan mit meinen Eltern im Harz, um das Wahnsinns-Winterwetter der letzten Woche im Schnee mit Plandampf der Harzer Schmalspurbahn zu nutzen. Meine Eltern fuhren schon am Freitag mit einem Leihwagen nach Werningerode, ich kam am Samstag morgen mit dem Zug nach. Der Plan sah vor, mit dem ICE nach Göttingen zu fahren, Umsteigen nach Goslar, von dort nach Vienenburg und schließlich nach Wernigerode, wo ich um 10:42 ankommen sollte. Der nächste Zug auf den Brocken wäre um kurz vor 12 gefahren, aber das ist ja ok.

Die Pläne waren kurz hinter Göttingen zunichte, nachdem der Schaffner jedem Fahrgast einzeln kurz angebunden sagte, in Northeim stehe ein Ersatzzug bereit. Die Zusatzinfo, dass Northeim der nächste Bahnhof ist, gab es allerdings nicht. In Northeim stand dann irgendwann auch mal der Ersatzzug an der Information, mit 20 Minuten Verspätung. Umsteigezeit in Goslar waren 12 Minuten, die Information, dich ich in Northeim bekommen habe, sagte mir, dass ich keine Chance habe, früher als zwei Stunden zu spät in Werningerode anzukommen. Auf dem Weg nach Goslar überlegte ich mir dann, ob ich nicht über Bad Harzburg fahren kann, um Zeit in der Kälte zu sparen, aber mein Handy hat keine Internetverbindung bekommen und ein Zugführer war im Ersatzzug auch nicht da. Also, in Goslar aussteigen, sofort zum Fahrkartenautomat gerannt, um Auskunft für Bad Harzburg → Wernigerode zu bekommen, und in dem Moment, in dem ich sehe, dass ich von Bad Harzburg aus mit nur 55 Minuten Verspätung nach Wernigerode gekommen wäre, fährt der Zug schon aus. Also habe ich was in Goslar gegessen, mich an dem hübschen Dörflein erfreut und den verschneiten Bahnhof als Fotomotiv benutzt.

Der Rest des Wochenendurlaubs war dann unwahrscheinlich toll, zwei schöne und grundverschiedene Tage auf dem Brocken verbracht (einer komplett vernebelt, einer mit klarem Wetter) und auf dem Rückweg meine Schwester besucht. Und tausende Bilder gemacht. Juchuh.

VT 648 aus Göttingen bei Einfahrt in Goslar. Der Bahnhof Goslar wurde vor nicht allzulanger Zeit barrierearm umgebaut, dabei sind zwar die Bahnsteige modernisiert, aber sowohl Bahnsteigsdächer, Signale als auch Stellwerk sind noch alt. Schönes Ensemble!
Durch kleine unvernebelte Luftpakete gab es am Samstag manches mal „Spotlights“ auf irgendwelche Gegenstände, deren Stimmung nur schlecht durch die Bilder wiedergegeben sind. Hier wird das Oberteil der Sendeantenne beleuchtet, während der Unterteil kaum zu erahnen ist.
Dampf im Harz auf dem Weg zum Brocken am klaren Sonntag.
Kurz vor Einfahrt in den Bahnhof auf dem Brockenplateau dreht sich der Zug hier gerade in die Sonne rein, während nicht nur ich zwischen den Wagen stehe und fotografiere (direkt vor mir steht mein Papa).
Unser Zug zurück kommt hier mit ca. 15 Minuten Verspätung am Brocken an. Da die Lok um den Zug herumfahren muss, bevor es weitergeht, haben wir danach noch genügend Zeit, zum Bahnhof zu laufen, und Sonntags um 12 Uhr fährt auch noch kaum jemand vom Brocken runtern (die kommen ja grade erst alle an).

Pause

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Heute mache ich mal Pause. Wirklich? Naja, sagen wir lieber, jetzt mache ich mal Pause. Ist auch irgendwie mal nötig, aber noch so viel zu tun… Die Probleme mit unserem Rechencluster habe ich im Laufe der letzten Woche größtenteils gelöst, doch die zweite Hälfte der Woche war am Ende nicht sehr produktiv. Fangen wir aber vorne an: In der Hoffnung, Rechnungen schneller hinzukriegen, habe ich mich endlich mal einer Erweiterung zu unserem Modell gewidmet (die ich nicht selbst geschrieben habe, aber umbauen musste, bevor ich sie benutzen konnte), was zwar ganz gut ging, aber trotzdem von Montag (ja, ich war beim Arbeiten am Feiertag) bis etwa Mittwoch gebraucht hat. Und ich muss meinen Chef noch überzeugen, diese Erweiterung ins Modell eingebracht werden kann — das kommt dann morgen, Montag. Ich habe aber für einen Teil meiner Rechnungen noch eine andere Idee zur Beschleunigung, das mache ich dann ab morgen.

Donnerstag war Erstsemestereinführung, bei der ich zwar eigentlich nicht, aber dann doch wieder viel geholfen habe: Ich hielt Einführungsvorlesung, in der wir den Erstis sagen, welche Mathe-/Physik-Kenntnisse von ihnen erwartet werden, machte während der Mittagspause für die Rallye die Montagsmaler (keine gute Idee, hatte Hunger ohne Ende danach) und war beim Professorencafé da. Freitag bis Samstag Mittag war ich in oder auf dem Weg nach Hannover, um Thomas beim Umziehen zu helfen; er hat eine richtig schöne Wohnung bekommen. Dafür war ich dann gestern nachdem wir zurück waren bis abends im Büro und bin heute auch zumindest ein bisschen beim Arbeiten.

Arbeitsmäßig geht es auch voran: Ein Proceedings für in 4 Tagen habe ich zwar noch nicht angefangen, aber ich habe eine gute Idee, welche Daten ich da reinpacke (für die eigentlich gewollten habe ich keine Zeit mehr, wegen des Rechencluster-Problems). Für nächste Woche muss ich noch zwei Vorträge vorbereiten, die zu unterschiedlich sind, als dass sie sich gegenseitig helfen könnten. Meine Lehr-Deadlines kann ich wohl alle einhalten (dank meiner Bürosession gestern), und das neue Semester scheint (am Ende doch) gut vorbereitet zu sein. Nächste Woche fängt auch das Pfingstprojekt des Gitarrenorchesters an, aber auch das werde ich mit Sicherheit noch verkraften. So, nun zurück an die Arbeit!

Leipzig

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Nach Leipzig zieht an diesem Wochenende meine Schwester; am Gründonnerstag war ich mit ihr dort und habe ein lachsrotes Zimmer erst weiß und dann (ein bisschen) beige gestrichen (ein bisschen, weil wir nicht fertig wurden). Zwischendurch bin ich aber weiterhin beim Arbeiten — nicht, dass das momentan einfach wäre: unser Rechencluster ist zwar wieder online, ist aber noch nicht vollkommen eingespielt (ich habe vorgestern z.B. 1400 Mails bekommen, dass ein Job — es war immer derselbe — gelöscht werden muss), und neben dem FIAS wird momentan gebaut, was nicht schlimm wäre, wenn es da nicht einen Erdverdichter gäbe, der das Gebäude zum wackeln bringt, was extrem nervig ist und mir Kopfschmerzen bereitet.

Die Deadlines türmen sich derweil auf; ich habe momentan vier Forschungsfronten, drei Lehrfronten, suche noch jemanden, der mich bei einer der beiden Fronten unterstützt und nebenbei habe ich auch noch ein Privatleben (doch, wirklich…). Nun ja, mal sehen, welche Deadline ich nicht einhalten kann…

Eisenbahnbilder

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Ein paar Eisenbahnbilder zwischendurch können nicht schaden, oder?

Der München-Nürnberg-Express bei Einfahrt in Nürnberg
Auf dem Rückweg von einer Fahrradtour muss man natürlich auch mal ein Bahnfoto machen, hier wartet Di 4 651 mit meinem Zug nach Mosjøen in Dunderland auf den Gegenzug
Nicht wirklich ein Eisenbahnbild, aber… man schimpft ja immer auf die Jugendlichen und die Gewalt und so. Hier war’s mal ein Busfahrer, der einfach in statt an das Wartehäuschen gefahren ist. („Ick wüllu ma wat mit Landeklappen!“). War lustig.
Tücken der modernen Technik: Diese beiden neuen U5-Wagen haben sich nicht richtig auf das Ziel geeinigt… Fast so schlimm wie bei den Pt-Wagen!
Stimmung gefällig? Schade, dass die Handykamera doch recht schlecht ist.
Immerhin ein Schild, nur fährt die Linie 26 seit Ende 2006 nicht mehr bis zur Haltestelle „Im Uhrig“, sondern nur bis Eschersheim Bahnhof.

Fahrradurlaub am Rhein

Original-Post

Im September war ich endlich für dieses Jahr im Urlaub. Mit Gunnar wollte ich den Rhein entlangfahren; in Basel geht es los. Nach einem 150-km Trip von kurz hinter Strasbourg bis Mannheim war der nächste Tag (bis Mainz) aber so quälerisch, dass wir aufgaben. Zwei Wochen später fahre ich mit Johannes und Stefan aber noch von Mainz nach Koblenz.

Auf der französischen Seite machten wir am zweiten Tag Pause. Da, wo ich stehe, bemerke ich kurz später nicht, dass es schon da, wo kein Wasser ist, verdammt glitischig ist. Nasse Schuhe, nasse Strümpfe und viele Lacher resultieren.
Am Rhein-Rhone-Kanal gibt es viele schöne, kleine Schleusen. Hier ist die erste, der wir begegnet sind.
Wir hatten Spaß, der Gunnar und ich.
Mittagspause in Oberwesel (©: unbekannt)
Das Beweisfoto. Ich, Stefan und Johannes vor der Burg Ehrenbreitstein am Deutschen Eck in Koblenz. (©: unbekannt)

Insomnia

Original-Post (Tag 64)

Leider ist das keine schlechte Übersetzung, sondern, momentan, Realität. Nach Kopfschmerzen und zwei Stunden dösen am Mittag bin bin am Montag abend ewig nicht eingeschlafen, wurde dann um sechs Uhr vom Radio aus dem Schlaf geholt, aber nicht wirklich geweckt; das Feiertags-Programm war doch sehr lahm. War dann am Dienstag auch noch alleine in der ersten Vorlesung, und ich habe so gut wie nichts gepeilt, aber fleißig die Tafel abgepinselt. Mittagsschlaf gehalten und abends wider ewig zum einschlafen gebraucht, naja, sieben Stunden Schlaf werden’s am Ende wohl schon, aber wenn ich um neun ins Bett gehe, erwarte ich normalerweise eher sowas wie 10, 11 Stunden Schlaf, und ich denke, ohne Wecker hätte ich die auch ohne weiteres erreicht.

Dadurch bin ich momentan nicht sehr produktiv, die Bilder von Freitag sind immernoch auf der Kamera, und seit Montag versuche ich mich an einer blöden Lorentz-Transformation mit Rotation und allem Schnickschnack, einzig will sie mir nicht wirklich gelingen. Heute bin ich vielleicht etwas weiter gekommen (bin ja auch wieder recht munter), aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob das alles Sinn macht, mal sehen.

Sogar die Küche, am Samstag noch richtig ordentlich gesäubert, sah gestern wie… naja, nicht grade wie ein Schlachtfeld, aber schlimm aus, weil ich am Montag und Dienstag einfach nichts machen konnte, weil ich so müde war. (Keine Angst, gestern habe ich gespült und so, aber es war trotzdem blöd.)

Dafür gibt das Wetter Anlass zur Freude, eigentlich, denn der Oktober hat mit jetzt vier sonnigen Tagen angefangen. Richtig zufrieden bin ich aber nicht, denn eigentlich würde ich gerne bei guten Wetter Fahrrad fahren, worauf ich aber noch bis morgen nachmittag warten muss. Ungefähr so lange soll auch das gute Wetter noch halten; mir wäre richtig krasses Regenwetter wesentlich lieber. Außerdem haben mich zwei Busfahrer beschissen, einer um zehn Kronen, einer um vierzig (einfach mal eine Fahrkarte verkauft, die ich gar nicht gebraucht hätte, was ich nicht wusste und erst später merkte… Aber das war Montag, seit dem geht’s in dieser Beziehung besser.

Und die Tour nach Frankfurt rückt jetzt in absolut greifbare Nähe; in 55½ Stunden geht der Zug ab, ich habe heute nochmal Brot, Milch und Käse gekauft, mit einem weiteren Laib, den ich mir für die Fahrt schmieren will, wird’s dann genug sein, ich werde also nicht mehr einkaufen müssen, nur noch zweimal hier versuchen, einzuschlafen, nur noch dreimal was kochen (heute Pfannenkuchen, wieder, und morgen und übermorgen weiß ich noch nicht), nur noch zweimal in die Uni… Ich freue mich sehr. Vielleicht schreibe ich auch nochmal was am Freitag, bevor ich den Laptop einpacke.

Der Anfang…

Original-Post

…vom Ende. Heute ist Freitag, Montag geht’s los. *Aufgeregtsei*. Ich habe heute eine Grundregel verletzt: Never Change A Running URL. Naja, ich hab ein wenig rumgeschoben, aber alles ist noch da, irgendwo. Hoffentlich keine Broken Links, aber das kann ich nicht garantieren. Irgendwie brauch ich wieder ein paar neue Zitate; vielleicht finde ich ein paar hübsche Norwegische. Mal sehen. Irgendwie habe ich grade einen Kloß im Hals, und mir fällt eines meiner Lieblingszitate ein: Coming Back To Where You Started Is Not The Same As Never Leaving. Denkt daran (Notiz an mich selbst: Denke auch du daran!).