Norddeich und Sylt

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Ich hätte ja auch an den Atlantik fahren können. Nach Lissabon, um genau zu sein. Das wollte ich ja eh mal machen, und ich hätte dieses Wochenende sehr nette Begleitung haben können. Aber relativ spontan (zwei Wochen im voraus buchen) hätte das immernoch 470 Euro gekostet. Da plane ich das lieber mal mit viel Vorlauf irgendwann und mache das in Ruhe.

Statt dessen war ich am Wochenende gen Norden unterwegs, am Freitag hatte ich ja noch Urlaub. Wollte ja schon lange mal nach Bremen, weil das das einzige Bundesland ist, in dem ich noch nie außerhalb des Bahnsteiges war (und das auch nur 2 Minuten an einem Montag morgen — diese Fahrt hier). Aber naja, drei Tage, da kann man ja noch mehr machen, oder? Ich hatte diese Überlegung, wohlgemerkt, in Unkenntnis der typischen Verkehrsdichten in Norddeutschland gemacht.

Freitag morgen 7:42 Uhr fährt mich also ein IC nach Münster (übrigens genau der Zug, den meine Eltern sieben Tage vorher nach Bonn genommen hatten), ein RE nach Emden und ein anderer RE nach Norddeich/Mole. Von dort aus mit dem IC nach Bremen. Da die Anschlüsse nicht so der Hammer sind und der erste RE in Meppen 20 Minuten steht, und der IC zwischen Leer und Oldenburg alle 7 Minuten hält (kein Witz — drei Halte in 15 Minuten), dauert das ganze ein wenig, und nach einer halben Stunde in Bremen (aber ich war da!) fahre ich mit einem IC nach Hamburg, um dort in Altona in ne RB nach Glückstadt umzusteigen. Dort gibt’s nämlich eine Jugendherberge. Wenigstens alles pünktlich, bis auf den letzten IC, aber in Kopfbahnhöfen muss man ja keine Treppen laufen beim Umsteigen (eat this, Stuttgart!) und von den 8 Minuten blieb dann noch eine übrig, die auch gereicht hat.

Frühstück gäbe es schon ganz früh morgen, wegen der Gruppe, die gerade da sei, erzählte mir der Zivi an der Rezeption ganz stolz. (Oder heißt das jetzt BuFDi?) Schon um 7 Uhr 15! Wow. Mein Zug fährt um 7:07 Uhr ab. Dass ich mein Handtuch vergessen hatte, bemerkte ich erst auf dem Zimmer. Ich hatte mein Jugendherbergschlafsack dabei, und so ein Leinentuch kann in der Not auch gut abtrocknen. Die drei Herren, mit denen ich das Zimmer teilte, waren Radfahrer, aber da ich um kurz vor 6 aufstand, habe ich nicht viel mit ihnen reden können.

Um 6 Uhr aufzustehen, benötigt typischerweise einen Wecker. Aber da man heutzutage ja immer ein Handy dabei hat — kein Problem! Denkste. In dem momentanen Zustand meines Handys war es praktisch unmöglich, den Wecker zu stellen. Aktivieren konnte ich ihn aber, steht halt nur auf 8:30 Uhr, da ist der Zug nach Westerland aber schon längst weg. Nach einigem Rumprobieren kam mir dann die Idee, einfach die Uhr umzustellen, so dass das Handy denkt, es ist 8:30 Uhr, wenn es eigentlich erst 6 Uhr ist. Nach etwas nachdenken darüber ist mir dann aufgefallen, dass ich das Handy noch in die richtige Richtung umstellen sollte, und am Ende war ich dann eh 10 Minuten vor 6 wach. Na toll.

Anyways, am nächsten Morgen dann mit der Nordostseebahn nach Westerland auf Sylt. Hinter Niebüll gab es eine verspätete Zugkreuzung, deswegen hatte ich von den 15 Minuten in Westerland nur noch 10, aber das reichte für ein paar Bilder und einen kleinen Eindruck von der Stadt aus (den nächsten Zug wollte ich nicht nehmen, weil wegen der Kreuzungen 6 Minuten Umsteigezeit in Husum zu wackelig gewirkt haben, statt der 36 Minuten, die ich so hatte). Zurück über den Hindenburgdamm und eben bis Husum, wo ich in den Zug nach Kiel umsteigen wollte. Der hatte dann tatsächlich Anschluss auf den NOB aus Westerland abgewartet, sodass ich ruhig noch auf Sylt hätte bleiben können.

Kleine Geschichte am Rande: In der NOB saß ein junger Mann ohne Bargeld, der an der Haltestelle kein Ticket kaufen konnte, weil der Automat kaputt war. Im Zug geht aber nur mit Bargeld. Hätte nicht eine freundliche Frau seine Fahrkarte für ihn bezahlt, wären das scheinbar 40 Euro gewesen. Gibt’s da nicht ne Regelung (oder Regelkonforme Möglichkeit), am nächsten Bahnhof zu sagen „Kaufen Sie sich hier am Automaten eine Fahrkarte, wir warten so lange“?

Fortsetzung folgt.

Das Beweisfoto: Ich war in Bremen. Im Hintergrund der Bahnhof und eine Straßenbahn.
Zug der NOB und Autoshuttle in Westerland.
Statuen vor dem Bahnhof Westerland. Die stehen windschief und die Kinder haben das Gesicht falschrum. Kunst, ey.
IC in Husum auf dem Weg nach Westerland. Mal mit dem „Gegenlicht“-Modus meiner Kamera fotografiert. Ich glaube, da muss ich noch ein wenig dran rumprobieren, bis ich die komplett gut bedienen kann.
baeuchle

Autor: baeuchle

Baujahr 1984, Maikind. Geboren in Frankfurt, aufgewachsen in Frankfurt, bis ins Alter von 31 Jahren eigentlich immer Frankfurt. Jetzt Kassel. Ausführliche Vorstellung

2 Gedanken zu „Norddeich und Sylt“

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