Niederrhein

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Ich habe da noch was offen. Ich will schon längst mal meine Fahrradtour den Rhein entlang fahren. Außerdem wollte ich mit meinen Eltern mal eine längere Fahrradtour unternehmen. Außerdem musste ich vor 10 Tagen nach Bad Honnef, weil die Deutsche Telekom Stiftung dort ihr jährliches Stipendiaten- und Alumnitreffen abhielt. Und da mir dieses immer viel Spaß macht, wollte ich das nicht verpassen. Außerdem (keine Angst, das ist das letzte) haben meine Eltern die letzte Woche Urlaub gehabt.

All das zusammen ist eine wunderbare Voraussetzung, mit dem Fahrrad Donnerstags von Neuwied (bis dahin war ich gekommen) nach Bad Honnef zu fahren, nach dem Stipendiatentreffen am Freitag morgen dann weiter nach Bonn zu fahren, meine Eltern einzusammeln (die mit dem IC aus Frankfurt kommen) und mit denen dann Flussabwärts zu radeln.

Die Strecke ist wirklich schön, wenn man mal Düsseldorf rauslässt, und besonders der Niederrhein hat seinen Charme, den keiner von uns dreien erwartet hätte — für uns war „der Rhein“ immer mit Weinbergen und Burgen verbunden, Ober- ist uns halt näher als Wesel. Aber die Mischung aus Bauernhöfen im Land und immerwieder Industrie und Häfen am Fluss ist schon beeindruckend. Xanten ist eine wirklich sehenswerte Stadt, Emmerich gibt eine beeindruckende Stadtkulisse ab, das Millingerward ist (trotz schlechten Fahrradfahrwegen) sehr hübsch zu durchfahren, einzig die Ausschilderung in der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen ist unter aller Sau.

Keiner hat sich verletzt, und wir haben es in dreieinhalb Tagen bis Nijmegen geschafft. Es war also eigentlich ein guter Urlaub, nur:

Am Donnerstag morgen, kaum in der U-Bahn zum Hauptbahnhof, fällt mir auf, dass ich keinen Fahrradschlüssel dabei habe. Zurückgefahren, Schlüssel geholt, keine Chance mehr, den 06:53 Uhr-Zug nach Neuwied zu kriegen. Vielleicht doch? Fahrrad habe ich ja dabei, durch die Stadt gepest, um 6:55 Uhr am Bahnhof. Es gibt ja aber zum Glück den RE nach Koblenz, von dem aus ich in den ursprünglichen Zug umsteigen kann (den haben wir dann in Lorch/Lorchhausen auf der anderen Rheinseite überholt). Fahrkarte gekauft. Danach daran erinnert, dass das ja nicht alles im RMV ist und Fahrrad auch was kosten könnte. Wen fragen? Zub (Zugbegleiter/in) nicht in Sicht. Überall gesucht. Kurz vor Abfahrt steigt eine Frau ein, die rauchend draußen gestanden hat, und deren DB-Embleme auf der Uniform durch ihre Jacke verdeckt waren. Kurz geredet, „Fahrkarte haben sie aber?“ — ja — „na dann geht schon“. Puh, Glück gehabt.

Nach Umsteigen in Koblenz merke ich in Neuwied, dass meine Fahrradhandschuhe weg sind. Mist! Dann halt ohne fahren. Wetter: Nieselregen. Hinter Andernach (habe den Rhein zunächst auf ner Brücke überquert) wird der Weg auf einmal recht matschig, ich wundere mich noch, da rutschen meine verschlammten Reifen etwas zur Seite und ich falle voran in Brennnesseln hinein. Alles versaut. Ich habe zwar ordentliche Klamotten für das Stipendiatentreffen im Rucksack, aber die guten Schuhe an. Bilanz: Halterung des Tachos aus der Verankerung gerissen, hält aber immerhin noch bis kurz vor Bonn am nächsten Tag, wo die Halterung runterfällt und vom Vorderrad mitgerissen wird; dadurch reißt das Kabel. Außerdem ist der Flaschenhalter (so ein großer, wo auch 1-Liter-PET-Flaschen reinpassen) kaputt, hält die Flaschen zwar noch, aber klackert ständig rum. Nach dem Weiterfahren merke ich, dass der Weg einfach falsch (oder gar nicht?) beschildert war und ich nicht auf dem richtigen Radweg war.

Die in Bad Honnef neu gekauften Fahrradhandschuhe taugen ca. 0,1 Schuss Pulver (also prinzipiell gar nichts), und wurden in Frankfurt direkt wieder durch neue ersetzt. Am zweiten Tag, der eigentlich komplett bewölkt ist, hole ich mir einen Sonnenbrand auf der Nase (die eigentlich immer nach Norden zeigte) und auf dem linken Oberschenkel. Am dritten Tag, kurz hinter Xanten, reißt mir dann auch noch der Seilzug für die hintere Gangschaltung, aber so bin ich wenigstens nicht mehr viel schneller als meine Eltern beim Anfahren (die kraftlose Position ist der höchste Gang), sondern nur noch ein bisschen schneller.

Zu guter Letzt sind dann die DB-Automaten in Venlo kaputt, und in der Eurobahn nach Mönchengladbach kriegen wir nicht die Fahrkarten, die wir wollen, sondern Anfangsfahrkarten zum „einlösen“ im DB-Reisezentrum; das in Mönchengladbach hatte aber noch nie was von sowas gehört. Sei’s drum, wir kommen abends gut in Frankfurt wieder an, und beim Versuch, Grillgut für die Maiwanderung am 1. Mai zu kaufen (misslingt weil kein Fleisch mehr da) stoße ich mir den linken Fuß an eine Leiste im Supermarkt und habe eine ca. 4 cm lange Wunde am Fuß.

Aber, hey! Ich bin mit meinen Eltern immerhin 270 km Rad gefahren, wir sind nach Holland gekommen und hatten eine schöne Zeit. Ich habe dann abends noch Karten für Neues aus der Anstalt Anfang Juni gekauft, und hatte einen schönen Dienstag mit Schilter und Freunden im Taunus. Alles also nur halb so wild. (Oh, P.S.: Alle Züge waren super-pünktlich.)

Die Düsseldorfer Königsallee bei Nacht.
Duisburg auf der linken, wir auf der rechten Rheinseite.
Kriemhildsmühle in Xanten. Eingebaut in die Stadtmauer ist dort heute ein kleiner Laden mit Café drin, der zum Glück auch am Sonntag offen hat. Im Vordergrund mal wieder der nette Herr in Blau, der sich in letzter Zeit öfters auf meine Bilder schleicht…
Nagut, da gucke ich etwas grimmig, aber hier in Griethausen mal ein Beweis, dass ich da tatsächlich war. Und der Sonnenbrand am linken Oberschenkel ist auch sichtbar. (©: Peter Bäuchle)
Schöne Wolkenstimmung am Sonntag abend in Millingen a d Rijn.
Der Kirchturm in Millingen. Im Vordergrund nicht zu erkennen sind der freundliche Herr in Blau und seine Ehefrau.
baeuchle

Autor: baeuchle

Baujahr 1984, Maikind. Geboren in Frankfurt, aufgewachsen in Frankfurt, bis ins Alter von 31 Jahren eigentlich immer Frankfurt. Jetzt Kassel. Ausführliche Vorstellung

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