Radio über Grenzen

Zum Hintergrund: Wegen einer Bombenentschärfung am gestrigen Sonntag musste unter anderem das gesamte Gelände des Hessischen Rundfunks geräumt werden. Der 80er-Jahre-Sender hr1, der moderner-Pop-Sender hr4 und die Schlagerwelle hr4 haben den ganzen Tag ein gemeinsames, gemischtes Programm gesendet. Daraufhin habe ich eben einen Leserbrief an die Redaktionen aller dreier Sender geschickt:

Liebe hr1-, hr3- und hr4-Musikredaktionen,

zuallererst muss ich euch für das wirklich gelungene Notprogramm am Sonntag ausdrücklich loben. Das Radioprogramm wesentlich abwechslungsreicher als normal – und damit stellenweise auch wesentlich herausfordernder, als ich das gewohnt bin. Viel wichtiger war mir allerdings, wie gut ihr Lieder aus den verschiedenen Programmen verbunden habt. Zwei Stellen sind mir im Gedächtnis geblieben, aber zwischendurch waren mir auch andere aufgefallen (hab ich mir aber nicht gemerkt): „New York, New York“ gefolgt von „Empire State of Mind“, gefolgt von „Ich war noch niemals in New York“ am Vormittag, und zwei Lieder über Joanna direkt hintereinander, als Schlager- und als Popversion. Hut ab!

In der Kürze der Zeit war es mit Sicherheit nicht möglich, ein gemeinsames Rahmenprogramm zu entwickeln, aber, wie gesagt, die Musikauswahl alleine hat das Fehlen von verbalem Radioprogramm wettgemacht.

Gefreut habe ich mich aber auch darüber, dass sich so viele HörerInnen aus dem hr1/hr3-Umfeld gemeldet haben, die angegeben haben, dass sie sich weder bei hr3 noch bei hr1 wirklich musikalisch aufgehoben fühlen und gerne eine Mischung beider Sender hören würden. Ich möchte mich vehement zu diesen HörerInnen einreihen und hoffe sehr, dass das die Verantwortlichen dies hören! Plakativ: Ich will weder nur „The Promise you made“ von Cock Robin noch immer nur das Kate-Ryan-Cover „The Promise You Made/La Promesse“ hören, sondern mal das eine, mal das andere.

In jedem Fall hoffe ich, dass euch die Rückmeldungen ermutigen, hin und wieder die Grenzen der Sender zu sprengen und „andere“ Musik zu spielen. So wie damals, als hr3 „Radio ohne Grenzen“ gemacht hat.

Liebe Grüße
Bjørn B aus Kassel

Elternzeit

Kevin-Alf ist nun ein halbes Jahr alt. Und zu diesem Anlass bin ich nun für das nächste halbe Jahr in Elternzeit gegangen, meine bessere Hälfte arbeitet wieder. Und insgesamt ist das ein guter Anlass, mal übers Vatersein zu schreiben.

Kevin-Alf wird mit Stoffwindeln gewickelt, doch bis wir das alles zusammenklamüsert haben – was braucht man genau, was wäre noch gut, wieviele, welche Marken – hatte das etwas gedauert. Doch mittlerweile hat man sich wirklich gut daran gewöhnt. Wenn ich von einer Windellebensdauer von zwei Jahren ausgehe, überschlage ich Kosten von etwa 8 Cent pro Windel, oder 23 Cent für die Nachtwindeln, gegenüber etwa 17 Cent für die billigsten Plastikwindeln. Und Kacke abwischen muss man so oder so.

Nach etwa zwei Monaten bin ich wieder arbeiten gegangen, allerdings in einem neuen Job: Ich wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Kassel im Bereich Verkehrstechnik, für erstmal eben vier Monate, bis ich an seinem halbten Geburtstag daheim geblieben bin. Im Januar nächsten Jahres geht es dann weiter. Recht neu haben wir einen Fahrradanhänger, den Cross von Thule, als Zweisitzer, mit dem ich Kevin-Alf bei dem schönen Wetter in den Park fahren und dort mit ihm ein wenig auf der Decke liegen kann.

Zwischendurch sind wir schon recht viel Bahn mit dem Kleinen gefahren; nach Ostwestfalen, Südhessen, Kiel, Potsdam und Göttingen. Die allermeiste Zeit ist das auch sehr gut gegangen, im Gegensatz zu den wenigen Autofahrten: Es ist sehr beruhigend, ein unzufriedenes Kind einfach mal hochzunehmen und mit ihm ordentlich zu spielen, anstatt nur von der Seite in den Kindersitz reingucken zu können. Nur einmal, bei der allerersten Fahrt, kam ein blöder Kommentar von einem Mitreisenden: in der Einfahrt nach Hamburg in der Tür wartend meinte ein Fahrgast (aus der ersten Klasse), dass es dem Kleinen ja nicht gut gehen könne (er hat sich erdreistet, nicht komplett still zu sein, sondern ein wenig rumzuquengeln), weil er ja nicht bei der Mama ist, sondern im Tragetuch vom Papa herumgetragen wird. Das sei ja fast schon Vergewaltigung!

Die guten Erwiderungen kommen einem natürlich immer erst später, aber das war auch schnell verarbeitet. (Und jetzt, fünf Monate später, wirkt es wie eine Geschichte aus einem anderen Leben.) Ansonsten staune ich immer, wie viele Menschen ohne Kleinkinder sich im ICE ins Kleinkindabteil setzen; niemals haben wir deswegen keinen Platz gekriegt, aber befremdlich finde ich das manchmal schon. Nicht so schlimm allerdings, wie dass in den neuen Doppelstock-Intercityzügen das Kleinkindabteil so angeordnet ist, dass die anderen Passagiere durch das Abteil hindurch müssen, um zur Tür zu gelangen. Das wäre besser lösbar gewesen.

Aktuell wird Kevin-Alf immer aufmerksamer, immer geschickter. So sehr, dass ich immer mehr aufpassen muss, dass der Kleine meine Brille auf meiner Nase lässt. Nicht immer kriege ich das hin. Aber irgendwie macht das auch stolz.

Kevin-Alf

An Weihnachten war es so weit: Kurz nachdem ich auf meinem Fahrrad nicht nur die 7000-km-Marke, sondern auch 7093 km (bedeutet: 1000 km in 2016) überschritten hatte, kam mein Sohn Kevin-Alf auf die Welt. Alles ist so gut – oder gar besser – gelaufen wie geplant, alle Beteiligten sind gesund und munter. Nun gewöhne ich mich also seit drei Wochen daran, ernsthaft Papa zu sein und all die Dinge, die ich mir vorgenommen habe, zu verwirklichen. Immerhin: Bis Ende Februar kann ich daheim bleiben und muss nicht zur Arbeit. Bisher könnte ich es mir auch noch gar nicht vorstellen, länger als ein paar Stunden nicht da zu sein, nicht mich um den Kleinen zu kümmern.

(Der Ernst des) Leben(s) beginnt

Der Ernst, der berühmte, der des Lebens, der fängt ja ständig und immer wieder an. Grundschule, weiterführende Schule, Oberstufe, Studium, Promotion, erster sozialversicherter Job, erster Job außerhalb der Uni. Nun, endlich, scheint diese Reihe bei mir komplettiert, ich glaube nicht, dass das Leben noch ernster werden kann, als dadurch, dass man eine Familie gründet. Irgendwann Anfang des nächsten Jahres werde ich Vater sein, werde dafür sorgen müssen, dass aus einem kleinen, hilflosen Jungen ein verantwortlicher Mann wird. Und schon gehen die Selbstzweifel los, ob und wie gut man das kann. Was man denn machen sollte. Ich möchte ein engagierter Vater sein, und zwar nicht nur nach Feierabend. Ich möchte meine Erfahrungen dabei teilen. Doch wie viel darf ich denn über meinen Sohn erzählen, ohne ihn später zu sehr einzuschränken, weil die ganze Welt wird lesen können, wie sich dieser Bewerber auf die Stelle als Sechsmonatiger verhalten hat? Meine bessere Hälfte, seine Mutter, sieht das Problem nicht: Meinen Blog liest ja eh keiner. Ok – aber vielleicht sucht dann ja jemand danach. Außerdem ist natürlich eine Erzählung der Schwangerschaft notwendigerweise eine Erzählung von der Mutter. Nun, wie ich diesen Widerstreit auflösen kann, weiß ich noch nicht. Die Mutter kann ich wenigstens fragen, was ich schreiben darf und was nicht.

Bis dahin versuchen wir erstmal, uns in dieser neuen Rolle zurechtzufinden. Statt eines Kinderzimmers (wer braucht das schon in der Anfangszeit) richten wir gerade ein Großelternzimmer ein (das heißt, unser Gästezimmer wird etwas wohnlicher gemacht), und wir nerven neue Eltern in unserem Umfeld mit Fragen. Wie ist das, wenn die Großeltern weit weg wohnen? Wie viele verschiedene Gefährten braucht man? Und ab wann? Mehrwegstoff- oder Einwegplastikwindeln? Nach der Woche in Usedom haben uns unter Anderem diese Fragen für ein langes Wochenende nach Kiel zu einer Verwandten mit einem zehnmonatigen Sohn gebracht, und daher haben wir auch das „Mamablog-Buch“. (Und einige der Fragen hatten wir auch erst nachher.) Die Fahrt dorthin und zurück verlief immerhin ohne Probleme und Verzögerungen.

Bisher sieht alles perfekt aus, Mutter und Kind sind in bester Gesundheit, der Vater verkraftet auch, immer mal wieder durch den Bauch geboxt zu werden (die Mutter muss das sowieso die ganze Zeit verkraften) und der Gebärort ist auch schon ausgesucht. Wollen wir hoffen, dass es so bleibt.

Gutes Wetter im Allgäu

Für den letzten Urlaub in diesem Jahr sind wir Ende August für eine Woche ins Allgäu gefahren, um von der Ferienwohnung auf dem Bauernhof von Verwandten aus die Gegend zu erkunden. (Wer sich für Urlaub im Allgäu interessiert, dem kann ich diese Ferienwohnung wirklich wärmstens empfehlen, trotz der Flash-Only-Webseite.) Der reservierte Platz in dem einen durchgehenden InterCity war zwar in einem Wagen mit nicht funktionierender Klimaanlage, aber der Zug war unerwarteterweise so leer, dass wir uns bequem an einen anderen Platz setzen konnten.

223 065 in ALEX-Farbgebung bei Ausfahrt aus Kempten Hbf
223 065 in ALEX-Farbgebung bei Ausfahrt aus Kempten Hbf
Pause gemacht, Strecke gesehen, wie schön, dass es überall Handynetz gibt: Das Internet sagt, in fünf Minuten fährt ein Zug in Sonthofen nach Norden! Darauf kann man ja mal ein bisschen warten. ALEX mit Ersatzlok, wahrscheinlich 2143.18.
Pause gemacht, Strecke gesehen, wie schön, dass es überall Handynetz gibt: Das Internet sagt, in fünf Minuten fährt ein Zug in Sonthofen nach Norden! Darauf kann man ja mal ein bisschen warten. ALEX mit Ersatzlok, wahrscheinlich 2143.18.
Ein weiteres Produkt einer Pause und des allgegenwärtigen Handy-Internets: 2143.18 vor dem ALEX in Richtung München kurz hinter Fischen auf der Brücke über die Iller.
Ein weiteres Produkt einer Pause und des allgegenwärtigen Handy-Internets: 2143.18 vor dem ALEX in Richtung München kurz hinter Fischen auf der Brücke über die Iller.

Die Urlaubszeit war grandios gut ausgesucht: Bis am Tag vor unserer Ankunft Montags gab es Regen, dann fünf Tage strahlend blauer Himmel, dann einen Tag mit Schäfchenwolken, und ab Sonntag abends, wo wir schon wieder daheim waren, sollte es wieder regnen.

Im Vordergrund Hüttenberg, im Tal Sonthofen. Blick nach Osten.
Im Vordergrund Hüttenberg, im Tal Sonthofen. Blick nach Osten.

Zwischendurch spazierten wir zu einer Garten-Modellbahn, liefen durch die Breitachklamm, fuhren mit dem Fahrrad an der Iller entlang bis Oberstdorf und zurück und kletterten in der Starzlachklamm herum – aber auf den ausgeschilderten Wegen, nicht durchs Wasser, wie diese ganzen Gruppen, die in Neoprenanzügen ins Wasser gehüpft sind. Und wir konnten jeden Tag bemerken, wie die Wärme des Wassers im Baggersee ein bisschen weiter nach unten reichte.

Für 10 Cent kann man diesen und noch einen anderen Zug im Kreis fahren lassen. Leider fährt der hier falsch rum (Lok ist hinten und schiebt).
Für 10 Cent kann man diesen und noch einen anderen Zug im Kreis fahren lassen. Leider fährt der hier falsch rum (Lok ist hinten und schiebt).
Brücke auf dem Weg durch die Breitachklamm
Brücke auf dem Weg durch die Breitachklamm
Zwei der Canyoning-Gruppen in der Starzlachklamm: Oben kurz vorm Abseilen durch den Wasserfall; mitte und unten beim Nochmalreinspringen vom Felsen.
Zwei der Canyoning-Gruppen in der Starzlachklamm: Oben kurz vorm Abseilen durch den Wasserfall; mitte und unten beim Nochmalreinspringen vom Felsen.

Und dann, viel zu schnell, ging es auch schon wieder zurück nach Hause, diesmal mit funktionierender Klimaanlage.

Die Bergschablone als Aussichtspunkt bei Muderbolz, die wir allerdings von keiner Stelle deckungsgleich mit mehr als 10° bekommen haben.
Die Bergschablone als Aussichtspunkt bei Muderbolz, die wir allerdings von keiner Stelle deckungsgleich mit mehr als 10° bekommen haben.
Die komplette Bergschablone
Die komplette Bergschablone

Usedom

Nach letztem Wochenende darf man ja nicht mehr nach Usedom fahren (oder vielleicht doch, und gerade jetzt, je nach dem, wen man fragt). Wie schön, dass ich das mit meiner besseren Hälfte Anfang August erledigt habe: der erste Teil unseres Sommerurlaubs ging ins Seebad Heringsdorf. Eigentlich sollte der Weg dahin in einem (von Hannover aus) durchgehenden Kurswagen geschehen, also in einem von den drei Wagen, die in Züssow von einem IC Ruhrgebiet – Berlin – Rügen abgehängt und dann gesondert über die Insel bis Heringsdorf gezogen wird. Doch die Auswirkungen einer Baustelle sorgten dafür, dass der ICE, der uns nach Hannover bringen sollte, so spät war, dass wir den Anschluss in Hannover verpasst hätten (sehr indirekte Auswirkungen: wegen der Baustelle fährt der ICE nur ein- statt zweiteilig, und deswegen ist er überlastet, und deswegen braucht er länger, um von den Bahnhöfen wegzukommen). Daher warteten wir einfach 10 Minuten länger und fuhren mit dem ICE nach Berlin, von dort aus dann Regionalbahn bis Züssow und dann die normale Bummelbahn bis Heringsdorf (die allerdings genau so schnell ist wie die IC-Verbindung auf diesem Abschnitt. Die 30 Minuten, die wir so später ankamen, haben uns allerdings eine Freundin aus dem Chor als Reisebegleitung im Zug nach Berlin beschert.

Ich stehe mit Apfelweinhemd an der Deutsch-Polnischen Grenze an der Ostsee.
Ich stehe mit Apfelweinhemd an der Deutsch-Polnischen Grenze an der Ostsee.
Auch am Strand möchte ich nicht gerne Sonnenbrand oder -stich kriegen.
Auch am Strand möchte ich nicht gerne Sonnenbrand oder -stich kriegen.

Heringsdorf an sich hat einen sehr schönen, sauberen Strand, und das Wetter war zwar nicht überwältigend, aber doch gut genug, um zu baden, zu spazieren, Tandem zu fahren und wieder zu baden. Und an einem Tag wollten wir nach Rügen, mindestens um meine Serie mit den Schmalspurbahnen fortzusetzen. (Das fing ja mal an mit „immer im Winter“, wurde „immer im ersten Halbjahr“ und ist nun offiziell nur noch „jedes Jahr“. Auch gut.) Auf Rügen fährt der Rasende Roland, eine Schmalspur-Dampfbahn, und mit der wollten wir einmal hin- und zurückfahren, nach Anreise mit dem Schiff, dass uns von Peenemünde nach Gören hätte bringen sollen. Nach Peenemünde bringt uns der Zug. Meine bessere Hälfte hatte für die Schifffahrt das Kombiticket, auf dem die Zugfahrkarte aufgedruckt war, und kurz nach der Kontrolle kurz nach der Abfahrt in Heringsdorf sehen wir die Zugbegleiterin am Handy reden, und hören die Worte „Schiff fällt aus, ok“ und „ich sage dann den Leuten Bescheid“. Nun, letztlich entschieden wir uns dann, eben mit der Bahn nach Rügen zu fahren, auch wenn das wesentlich öfteres Umsteigen bedingte; und so fuhren wir eben den Rasenden Roland von der anderen Richtung aus ab. Göhren war dann nicht Anfangs- sondern Umkehrpunkt, und nach einer kurzen Stärkung fuhren wir bis Binz, liefen zum Bahnhof der großen Bahn und fuhren von dort wieder nach Heringsdorf zurück. So kam ich, vier Jahre nachdem ich Binz einem Abstecher nach Usedom geopfert habe, doch noch dorthin.99 1784-0 bei Einfahrt nach Lauterbach Mole

Die Eule war ähnlich begeistert wie ich, in die Kamera statt aus dem Aussichtswagen gucken zu müssen!
Die Eule war ähnlich begeistert wie ich, in die Kamera statt aus dem Aussichtswagen gucken zu müssen!

99 4011-5 in Sellin Ost

Am letzten Tag war schlechtes Wetter angekündigt, aber wir konnten dennoch morgens in der prallen Sonne am Strand liegen und baden (nachmittags war der Strand ok, aber zum Baden zu kalt). Bei der Rückfahrt verlief alles planmäßig, nur auf dem Abschnitt Wolgast – Züssow war es sehr kuschelig, aber immerhin musste ich mein Ticket nicht rauskramen, weil die Zugbegleiterin mich wiedererkannt hat – und gleich gefragt hat, ob wir denn das Geld für die Schiffstour wiederbekommen haben: Haben wir, und zwar inklusive des Zugaufschlages, obwohl das Ticket ja schon in der Kontrolle abgestempelt wurde.

Gruppenverhalten

Es ist mal wieder Zeit für ein bisschen Fußball. Aktuell ist der dritte Spieltag der Europameisterschaft der Männer; heute abend „kämpft“ das deutsche Team um den Einzug ins Achtelfinale – allerdings reicht schon ein 0:1 zum Weiterkommen (als Gruppendritter). Das erste Turnier, das ich bewusst miterlebt habe – allerdings eigentlich erst ab dem Achtelfinale – war die WM 1994 in den USA. Das war auch das bisher letzte Männerturnier mit sechs Vierergruppen, und damals gab es gleich zwei Gruppen, in denen die drittbeste Mannschaft 2 Siege geschafft hat. Gleichzeitig gab es eine Gruppe, in der alle Mannschaften gleich viele Punkte hatten.

Die aktuelle Meisterschaft hat wieder sechs Vierergruppen mit anschließendem Achtelfinale, sodass wieder vier der sechs Dritten weiterkommen können. Der deutsche Bundestrainer, Jogi Löw, lamentierte vor ein paar Tagen über dieses System, dass „manche Mannschaften, die nach dem zweiten Spieltag einen Punkt haben, […] noch immer eine Chance auf das Achtelfinale [haben]“. Nun teile ich Löw’s Kritik an dem System – ich finde auch, dass das Weiterkommen aus einer Gruppe nur an den Ergebnissen aus dieser Gruppe hängen sollte, und dass nicht 24 von 55 Mitgliedern der UEFA ihre Auswahlen zur EM schicken sollten/müssen und dass nicht 16 der 55 Mitgliedsverbände in die K.O.-Runde kommen müssen – aber auch bei einem System, in dem nur die ersten Beiden weiterkommen, gibt es mögliche Konstellationen, in denen ein Team mit 0 Punkten nach zwei Spielen noch Hoffnung haben kann. Das wäre das Gegenteil der Gruppen, in denen der Dritte 6 Punkte hat (wie eben bei der WM 1994: Ein Team verliert alle Spiele, und die übrigen drei Teams gewinnen gegeneinander jeweils ein Spiel: Ergibt 6, 6, 6 und 0 Punkte), nämlich dass ein Team alles gewinnt und die anderen drei gegeneinander jeweils ein Spiel gewinnen, sodass das Ergebnis 9, 3, 3 und 3 Punkte ist.

Das war für mich Stein des Anstoßes, mal die Wikipedia-Artikel zu allen Fußballwelt- und -europameisterschaften zu durchforsten und zu zählen, wie oft solche „bizarren“ Konstellationen auftauchen. (Und die anderen Konstellationen habe ich selbstverständlich auch gezählt.) Rausgekommen ist folgende Tabelle:

Punkteverteilungen aller 4er-Gruppen in Fußball-EM und -WMs. Ergebnisse „alter“ Gruppen sind auf das aktuelle 3-Punkte-System umgerechnet. Die erste Spalte zeigt die Punkte von Gruppenerstem, -zweitem, -dritten und vierten, die zweite Spalte die Häufigkeit, mit der das aufgetreten ist.
Punkteverteilungen aller 4er-Gruppen in Fußball-EM und -WMs. Ergebnisse „alter“ Gruppen sind auf das aktuelle 3-Punkte-System umgerechnet. Die erste Spalte zeigt die Punkte von Gruppenerstem, -zweitem, -dritten und vierten, die zweite Spalte die Häufigkeit, mit der das aufgetreten ist.

Dabei sind die Vierergruppen von 1954 nicht enthalten, weil diese damals nicht komplett ausgespielt wurden, aber dafür in 1974 und 1978 die Vor- und Zwischenrunde. Die häufigste Konstellation ist die mit der klarsten Hackordnung: Der Beste gewinnt alles, der zweitbeste gewinnt gegen die beiden schlechteren, und der letzte verliert alles. Es sind noch nie alle 6 Spiele Unentschieden ausgegangen (das wäre die letzte Zeile).

Aus den gleichen Daten habe ich ausgelesen, wie oft ein Gruppenerster eigentlich 9, 7, 6, 5, 4 oder 3 Punkte hatte, und entsprechend für die anderen Platzierungen:

Punkteverteilungen aller 4er-Gruppen in Fußball-EM und -WMs. Ergebnisse „alter“ Gruppen sind auf das aktuelle 3-Punkte-System umgerechnet.
Punkteverteilungen aller 4er-Gruppen in Fußball-EM und -WMs. Ergebnisse „alter“ Gruppen sind auf das aktuelle 3-Punkte-System umgerechnet.

Das häufigste Ergebnis für den Gruppensieger sind also 7 Punkte, für den Gruppenzweiten 6 oder 4, für den Dritten 3 oder 4, und für den letzten 0 oder 1 Punkte. Aber, und das finde ich wichtig, die (historische!) Wahrscheinlichkeit für einen Gruppendritten mit einem Punkt (der Vierte hätte dabei übrigens auch einen Punkt) ist 10/165. Das kann zum Weiterkommen reichen, wenn das Gleiche in zwei anderen Gruppen vorkommt, sodass es zwei Gruppendritte mit einem Punkt gibt, deren Torverhältnis schlechter ist. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist (10/165)³, oder etwa 0,02%. Umgekehrt ist die Wahrscheinlichkeit dafür, dass eine Mannschaft als Gruppendritter 5 oder 6 Punkte hat, 3%; diese würden in dem System, wo nur die ersten beiden weiterkommen, rausfliegen. (Von den 5 Mannschaften mit diesem Schicksal sind Schottland 1974, Algerien 1982 und Italien 2004 rausgeflogen, während Argentinien und Belgien 1994 von dem Modus profitiert haben.)

Ich rede dabei von ‚historischer‘ Wahrscheinlichkeit, weil das natürlich davon ausgeht, dass die Gruppenergebnisse heute genauso wahrscheinlich sind wie vor 86 Jahren. Das kann zwar durchaus sein, die Datenbasis ist aber zu klein, um das wirklich sagen zu können. Sehr große Qualitätsunterschiede zwischen den Mannschaften würden zum Beispiel Gruppen mit 9 Punkten für den Ersten und/oder 0 Punkten für den Letzten bevorzugen.

Fahrradstatistik

Ich schreibe ja immer mal wieder was darüber, wie viel Fahrrad ich fahren will und wie viel ich tatsächlich gefahren bin. Nun habe ich mal alle diese Blogartikel und meine Reisetagebücher gewälzt und die seit Anfang letzten Jahres gesammelten wöchentlichen Aufzeichnungen, und habe eine hübsche Grafik daraus gemacht. Diese werde ich versuchen, aktuell zu halten:

Die Daten fangen an meinem 19. Geburtstag an (das ist aber links außerhalb der Grafik), als ich ein neues Fahrrad geschenkt bekommen habe. Die ersten wirklichen Daten sind von einer Fahrradtour mit einer Kommilitonin, Caro B., und ihrem Bruder von Frankfurt zur Ostsee im September 2005, dann kam mein Jahr in Norwegen, die Fahrt am Rhein, meine Radtour vom Nordkapp, ein neues Fahrrad in 2013, und dann die wöchentlichen Aufzeichnungen (in denen man sowohl die Wochen erkennen kann, in denen ich in Malaŵi war und daher nicht gefahren bin, als auch den Umzug nach Kassel).

Jeder Punkt ist anklickbar und führt, soweit vorhanden, zu dem Blog-Artikel aus dem diese Angabe stammt oder der über die jeweilige Tour berichtet. Die grünen Flecken fassen einzelne Punkte zusammen. Vielleicht werde ich da in den nächsten Tagen auch noch ein paar Extra-Features einbauen; aktuell werde ich es auf jeden halten.

Sehen… und Sterben?

Die Rede ist von Brügge in Belgien, das ich vor allem durch den unglaublich guten Film Brügge sehen… und sterben? kennengelernt habe. Ein Konferenzbesuch in Brüssel seitens meiner besseren Hälfte war Anlass zu der Idee, das anschließende Wochenende zusammen in Belgien zu verbringen, und der Blick auf die Landkarte brachte Erinnerungen an den Film und damit schließlich die Entscheidung, von Freitag abend bis Sonntag mittag in dieser Weltkulturerbe-Stadt zu sein.

Keine Kirche, sondern der Aussichtsturm, der nachts heute vor allem ein Ansichtsturm ist.
Keine Kirche, sondern der Aussichtsturm, der nachts heute vor allem ein Ansichtsturm ist.
Sieht fast aus wie eine Burg, ist aber ein Tor hinter einer Klappbrücke.
Sieht fast aus wie eine Burg, ist aber ein Tor hinter einer Klappbrücke.
Die Klappbrücke vorne und das Tor von der anderen Seite dahinter.
Die Klappbrücke vorne und das Tor von der anderen Seite dahinter.

Ein Tag mit ein paar Stunden drumherum ist natürlich nicht übermäßig viel Zeit, aber mit einem ordentlichen Hostel, das gute Tipps gibt und eine tolle Stadtführung anbietet, kann man doch recht viel von einer Stadt sehen. Neben den obligatorischen ältesten Häusern und wichtigen Punkten aus der Geschichte der Stadt sahen wir auf der Führung auch alle wichtigen Punkte aus dem Film sowie Tipps für die besten Waffeln, Schokoladen und Pommes Frites, zusätzlich gab’s einen Kurzbesuch im Biermuseum.

Alte Windmühlen gibt es in der innenstadt auch, hier Blick von einer zur anderen mit Herbstlaub.
Alte Windmühlen gibt es in der Innenstadt auch, hier Blick von einer zur anderen mit Herbstlaub.
Der berühmteste Punkt in Brügge, am alten Ledermarkt.
Der berühmteste Punkt in Brügge, am alten Ledermarkt.
Nochmal Abendstimmung in Brugge
Nochmal Abendstimmung in Brugge

Sonntag morgen sind wir dann spontan noch ans Meer in Oostende gefahren und haben die Beine in die eiskalte Nordsee gehalten, bevor der Heimweg angetreten wurde. Der fing dann erstmal mit Lokschaden und verpassten Anschluss nach Deutschland an, ging dann in Köln unschön weiter, als ein Zug, der eigentlich an genau diesem Tag nicht fährt, trotzdem angezeigt wurde, aber schließlich kamen wir doch wieder daheim in Kassel an.

Das wunderschöne Wetter am Sonntagmorgen in Brugge
Das wunderschöne Wetter am Sonntagmorgen in Brugge

Auf nach Kassel

Letztendlich habe ich in der Wohnung in Frankfurt-Niederursel dann doch wesentlich kürzer gewohnt als gedacht. Im Gegensatz zum letzten Mal, wo ich nach so kurzer Zeit wieder umgezogen bin, wohne ich diesmal vorher wie nachher mit der gleichen Person zusammen. Diese hat im September einen neuen Job am Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) angetreten, und da Programmieren auch von zu Hause aus funktioniert, einigten wir uns auf einen Wohnsitz in der Nähe ihrer Arbeitsstelle.

Die Wohnungssuche hat erstaunlich gut funktioniert; zwei Samstage in Kassel im Juni reichten aus, um ein wunderschönes Haus mit Garten zu finden, das wir nun mieten. Für den Umzug haben wir uns eineinhalb Wochen frei genommen (Ende August war da eben auch noch der Resturlaub), und so konnten wir alles recht entspannt einrichten, bevor es wieder ins Arbeitsleben ging. Das bedeutet für mich, jede Woche einmal nach mit dem ICE nach Frankfurt zu fahren, mit Übernachtung, und jede zweite Woche nochmal, dann aber direkt wieder zurück. Die anderen Tage arbeite ich daheim. Anfangs hatte ich mich bemüht, früh im Büro zu sein, aber schnell fand ich heraus, dass ich auch im Zug recht gut arbeiten kann (und an den HomeOffice-Tagen ebenfalls recht lange arbeiten kann), seitdem ist das wesentlich entspannter geworden.

Mit einem weit genug vorher angekündigten Umzugstermin war sogar das Internet schnell umgezogen, und auch der Nachsendeauftrag der Post scheint diesmal ordentlich funktioniert zu haben, wenigstens nach winzigen Anlaufschwierigkeiten. Besser als beim Umzug von Heddernheim nach Niederursel, jedenfalls.

Nun habe ich einen Arbeitsweg, der zu kurz (nämlich ca 10 Meter), und einen, der zu lang (nämlich 200 km) zum Fahrradfahren ist, und das schlägt sich direkt in meine Radfahrstatistik nieder. Beim Umzug hatte ich 5777 km, und trotz Wochenendtouren bin ich 6 Monate später grade mal bei 6200 km angelangt. 2016 brachten bisher nur etwas mehr als 100… Ich sammle Kilometer also, kurz gesagt, nicht mehr recht automatisch, sondern muss mich zum Fahrradfahren explizit motivieren. Bei einem verregneten, saukalten Winter wird das nicht direkt leichter. Immerhin: die Fahrt zum Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe dauert mit dem Fahrrad bestenfalls zwölf bis schlechtestenfalls 18 Minuten, Regiotram (16 Minuten, ohne Umsteigen) oder Straßenbahn (etwa 20 Minuten, mit einmal Umsteigen) sind nach Addition der Zeit, die ich zur Haltestelle laufe (etwa 5-7 Minuten) nicht schneller – außerdem kann ich mit dem Fahrrad die Wartezeit am Bahnsteig optimieren. Trotzdem bringt mir das pro Woche im Schnitt höchstens 9 km, und auch nur, wenn ich wirklich jedes Mal mit dem Fahrrad fahre. Dass der Kasseler Nahverkehr mit meiner neuen BahnCard 100 benutzt werden kann, hilft auch nicht. Also, kurz gesagt, das neue Projekt 7000 wird wohl noch ein bisschen dauern.

Nun habe ich einen Kellerraum ganz für mich und Modellbahn; wenn ich es irgendwann mal schaffe, zwei Holzbretter im rechten Winkel aneinanderzuschrauben, wird dort vielleicht auch mal gebaut. Nach den Weihnachtskonzerten habe ich aufgehört, im Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr in Bommersheim zu spielen; jeden Donnerstag das Saxophon von Kassel an den Main zu tragen war doch zu viel Aufwand.

Silvester haben wir in kleinem Kreis hier in Kassel gefeiert und ich würde gerne schöne Bilder vom Feuerwerk über der Stadt, aufgenommen vom Herkules, zeigen, doch das leicht trübe Wetter schlug nach den ersten Raketen kurz vor Mitternacht in eine dichte Nebelsuppe mit etwa 50 Metern Sichtweite um, sodass man außer leuchtendem Nebel praktisch nichts gesehen hat.

Frankreich 2015

Auf dem Weg nach Barcelona im Mai 2015 ging es durch Frankreich, auf der Rückfahrt auch. Die meisten Bilder dieser Fahrt sind von dort:

Näher als hier kommt man mit der Bahn nicht an Andorra heran: Zugkreuzung in L’Hospitalet-près-l’Andorre
Näher als hier kommt man mit der Bahn nicht an Andorra heran: Zugkreuzung in L’Hospitalet-près-l’Andorre
Die Gelbe Bahn. Leider waren wir im modernen Zug links, nicht in dem alten rechts.
Die Gelbe Bahn. Leider waren wir im modernen Zug links, nicht in dem alten rechts.
An einer der Schnittstellen zwischen französischem und spanischem Hochgeschwindigkeitsnetz treffen sich zwei TGV der jeweiligen Staatsbahnen.
An einer der Schnittstellen zwischen französischem und spanischem Hochgeschwindigkeitsnetz treffen sich zwei TGV der jeweiligen Staatsbahnen.
Abendstimmung in Lyon.
Abendstimmung in Lyon.

Safari in Sambia 2015

Nach zwei Wochen Fahrt durch Malaŵi mit vielen Bildern gab es noch ein paar Tage Safari im westlichen Nachbarland Sambia mit noch viel mehr Bildern:

Tiere haben Vorfahrt, wird vor der Einfahrt in den South Luangwa National Park klargestellt.
Tiere haben Vorfahrt, wird vor der Einfahrt in den South Luangwa National Park klargestellt.
Ein Vogelrad, dass sich über die Wiese rollt.
Ein Vogelrad, dass sich über die Wiese rollt.
Elefanten kreuzen (sie haben ja Vorfahrt). Auch die Kleinen, Süßen.
Elefanten kreuzen (sie haben ja Vorfahrt). Auch die Kleinen, Süßen.
Symbolbild für die vielen Vögel. Hier, glaube ich, ein Kingfisher.
Symbolbild für die vielen Vögel. Hier, glaube ich, ein Kingfisher.
Zum Abschluss der Erinnerungen ein Sonnenuntergang.
Zum Abschluss der Erinnerungen ein Sonnenuntergang.

Malaŵi 2015

Nun versuche ich mal, Bilder ins neue Blog hochzuladen, und fange dabei mit einigen wenigen Bildern des Afrika-Urlaubs letztes Jahr an:

Die Kühe stehen vor dem Frühmenschen-Museum in Karonga. Das ist kein Bug, sondern ein Feature: Überall, wo es was zu essen gibt, stehen Kühe oder Ziegen rum.
Die Kühe stehen vor dem Frühmenschen-Museum in Karonga. Das ist kein Bug, sondern ein Feature: Überall, wo es was zu essen gibt, stehen Kühe oder Ziegen rum.
Ein riesiger, hunderte Jahre alter Baobab. Der Pajero davor für den Maßstab.
Ein riesiger, hunderte Jahre alter Baobab. Der Pajero davor für den Maßstab.
Eine Holzbrücke, die noch einen Schulweg über den Fluss führt. Touristen wie ich dürfen nur mit Guide drüber.
Eine Holzbrücke, die noch einen Schulweg über den Fluss führt. Touristen wie ich dürfen nur mit Guide drüber.
Eine Schirmakazie, der quintessentielle Afrika-Baum.
Eine Schirmakazie, der quintessentielle Afrika-Baum.
Typische Geldmenge in Malaŵi. Da jeder Schein nur etwa 2 € wert ist, reicht das gar nicht lange.
Typische Geldmenge in Malaŵi. Da jeder Schein nur etwa 2 € wert ist, reicht das gar nicht lange.
An Otter Point am Südufer des Malaŵisee.
An Otter Point am Südufer des Malaŵisee.
Ein Weißkopfseeadler in voller Aktion
Ein Weißkopfseeadler in voller Aktion
Abendstimmung (um kurz nach 18 Uhr abends)
Abendstimmung (um kurz nach 18 Uhr abends)
Der Orion über dem See der tausend Lichter, während im Westen über Zambia ein Gewitter tobt.
Der Orion über dem See der tausend Lichter, während im Westen über Zambia ein Gewitter tobt.

Zurückblicken

Zurückblicken ist immer eine gute Idee. Sich selbst in Frage stellen, vergangene Handlungen und Haltungen überprüfen. Wenn man etwa 200 alte Blog-Einträge aus 10 Jahren überträgt, setzt man sich ganz automatisch mit seiner Vergangenheit auseinander.

Vor 10 Jahren habe ich angefangen, Sachen ins Netz zu stellen, um sie zugreifbar zu machen. Das hatte angefangen mit kleinen Programmen, die ich geschrieben hatte, einer Resolution gegen Studiengebühren und anderen Kleinigkeiten, und war Vorbereitung, um eine Möglichkeit zu schaffen, von meinem Auslandsjahr in Norwegen berichten zu können.

Beim Wiederlesen fällt mir dabei auf, wie sehr das Schreiben damals für mich Heimweh-Therapie war, und auch, wie wenig ich eigentlich soziale Kontakte dort gesucht hatte. Bilder hatte ich anfangs nicht in die normalen Artikel eingebunden, nachher aber zusammengeführt. Weil damals Bandbreiten noch nicht so groß waren, habe ich mich auf 5 Bilder pro Artikel beschränkt, und diese auch nur klein.

Danach habe ich das Blog vor allem für Reiseberichte genutzt, und das nur recht selten. 9 Posts in 2008 und 2009 sind dabei rausgekommen, und viele davon gehen „oh übrigens, wollte schon längst mal wieder was posten, aber hier sind wenigstens mal Bilder“. Nachdem ich mit sozialen Medien angefangen hatte, wurde es mehr; und den Bau der Riedbergbahn in Frankfurt habe ich mit recht vielen Bildern begleitet – die 5-Bilder-Regel war Geschichte. Ein paar längere politische Gedanken sind dabei seit dem auch im Blog gelandet.

2012 fing für mich mit einem persönlichen Weglaufen an; das Ende einer Beziehung Ende 2011 hat mich doch letztlich ziemlich runtergezogen, auch wenn ich selbst Schluss gemacht hatte. Ich bin 2012 extrem viel gereist, und am Ende in einer neuen Beziehung angekommen, die mittlerweile über 3 Jahre lang hält.

Die stärkste Motivation, was zu bloggen kommt seit dem von Leseberichten; was ich lese, warum, und wie es mir gefallen hat. Nicht aus Zufall sind die ersten fünf Artikel, die ich im neuen Blog geschrieben habe, alle über Bücher.

In den 10 Jahren bin ich aber auch sechs mal umgezogen, wenn man Norwegen mitzählt; vom letzten Mal habe ich hier noch gar nichts geschrieben: ich wohne mittlerweile in Kassel. Ich habe auch eine Menge gelernt, aber das wird ja wohl jedem so gehen. Ich habe Ansichten verändert. Und ich bin immer wieder mal viel, und dann wieder weniger, Fahrrad gefahren. Das Blog hatte ich angefangen, als ich bei meinem damaligen Fahrrad knapp 6000 km auf dem Tacho stehen hatte, und wie es der Zufall so will, habe ich diese Marke auf meinem neuen Fahrrad gerade auch nur so ein bisschen überschritten. Nachdem ich die letzten zwei Jahre sehr viel gefahren bin, ist das letzte halbe Jahr nicht so ergiebig gewesen; zu lesen, dass es mir schon oft so ging, dass ich länger nicht so viel gefahren bin wie ich eigentlich wollte, war dabei etwas surreal.

 

Barcelona

Ob ich nicht Lust hätte, mit ihm zusammen den Zug nach Barcelona zu nehmen, hat mich ein Freund letzten Frühling gefragt. Dieser hatte mich schon mal, im November 2012, zu einer Bahnfahrt nach Spanien angestiftet, und auch dieses Mal konnte ich nicht widerstehen.

Unser Ziel war es, am Wäldchestag abends in Barcelona zu sein, weil seine Freundin dort eine Konferenz hatte, die eben Montag und Dienstags ging. Er verbrachte dann noch ein wenig Zeit mit ihr dort, während ich schon wieder auf dem Heimweg war. Nach einigem Hin- und herüberlegen entschieden wir uns dann für eine Route über Paris, Toulouse, (dort übernachten), dann die Pyrenäen rauf und auf französischer Seite wieder runter, und dann mit TGV durch die Pyrenäen bis Barcelona.

Nun gab es an Pfingstmontag irgendwelche Bauarbeiten zwischen Mannheim und Saarbrücken, sodass der direkte ICE nach Paris nicht fuhr, aber die Umstiege in Mannheim und Karlsruhe haben gut geklappt, sodass wir ohne Probleme bei Strasbourg im TGV über die Grenze nach Frankreich fahren konnten.

In Paris hatten wir genug Zeit – 1h15′ – um zum Bahnhof Austerlitz zu kommen, wo der InterCity nach Toulouse abfuhr. Dachten wir. Vor Paris standen wir, weil Polizisten im nächsten Bahnhof erstmal der Steinewerfe habhaft werden mussten, etwa 30 Minuten. Zuerst hieß es, dass wir eine Stunde würden warten müssen, doch dann haben die Polizisten, in den deutschen Worten des französchen Schaffners, „ihren Beruf gemacht“ und es ging weiter. Unsere großzügige Umstiegszeit reichte dann am Ende gerade so aus, und wir waren auf dem Weg quer durch Frankreich nach Toulouse. Die Strecke ist anfangs sehr flach – bis Orleans würde man denken, in Ostfriesland zu sein – aber dann wurde es langsam etwas hügeliger. Ohne das Gefühl zu bekommen, dass wir zu langsam waren, hatten wir zwischendurch mal 10 Minuten Verspätung, aber innerhalb der 6 Stunden Fahrt waren wir am Ziel wieder pünktlich. Das Abendessen in Toulouse war phänomenal, das (eine!) (schmale!) Bett nicht so, aber letztlich sind wir frohgemutes in den nächsten Tag gestartet.

Der nächste Zug leider nicht. Erst mit 25 Minuten Verspätung ging es los, und das bei 19 Minuten Umsteigezeit am nächsten Bahnhof. Oh-oh. Auf einer vielbefahrenen eingleisigen Strecke an einem Werktag (außerhalb von Frankfurt ist der Wäldchestag dies ja nun mal) wuchs die Verspätung auf bis zu 33 Minuten an, um dann kurz vor dem Durchbruch auf die andere Seite der Pyrenäen (bei L’Hospital-pres-l’Andorre) auf einmal sehr klein geworden zu sein. Nun ja, der Anschluss hätte eh gewartet, und dann ging es in der „Pyrenäen-Metro“, mit dem Gelben Zug, in Richtung Mittelmeer. Diese Schmalspurbahn hielt leider lange nicht, was sie versprach; die Trassierung ist wesentlich kurviger, als es vom Gelände her nötig erscheint, nimmt dafür aber alle möglichen Orte mit. Nur keine Fahrgäste – es war doch ziemlich leer.

Immerhin war das das sechste Jahr in Folge, in dem ich im ersten Halbjahr mit einer Schmalspurbahn gefahren bin, also wenigstens etwas Positives. An einem Unterwegsbahnhof stiegen richtig viele Touristen ein, und wir haben uns schon gewundert, doch nicht lange: Auf einmal wurde die Strecke richtig aufregend, mit Tunnels, Brücken und Kurven und einem erkennbaren Drang nach unten. Kein hin- und her, kein hoch und runter, nein, nur noch runter, wie ich das von einer Gebirgsbahn erwartet habe. So ein Glück.

Den letzten Abschnitt nach Perpignan gab es dann wieder in Normalspur im flacher und breiter gewordenen Tal, und dann ging es in den TGV – der leider eine Stunde zu spät war. Trotz allem kam er, und weil es ein Doppelstöckiger Zug war, konnten wir recht gut die Landschaft und die untergehende Sonne sehen.

Die Strecke von Perpignan nach Barcelona hat kurz vor der Pyrenäenquerung (ein 10 Kilometer langer Tunnel) ein Überwerfungsbauwerk, an dem von franzöischem Linksfahren auf spanisches Rechtsfahren gewechselt wird, und schließt dann in Figueres an das normalspurige spanische Hochgeschwindigkeitsnetz an. Nun kommt mal also mit einem Mal umsteigen von Frankfurt bis Madrid. Leider zwingt die Finanzkriseen die Austeritätspolitiker die Spanier und Portugiesen dazu, den Bau der geplanten Schnellfahrstrecke zwischen Madrid und Lissabon, die die Fahrzeit von elf Stunden auf 2½ Stunden verkürzen würde, auf Eis zu legen… Nun, in Barcelona wurden wir also abgeholt, gingen ins Hotel, aßen und schliefen.

Mein Rückweg fing mit einer Strecke an, die ich schon kannte, aber zuletzt im Spätherbst abends gefahren bin. Diesmal konnte ich mehr von der alten Strecke nach Frankreich sehen, und auch von der Mittelmeerstrecke in Frankreich, die über weite Strecken zwischen Binnenseen und dem Mittelmeer verläuft, nachdem sie an der Grenze noch viele kleine, malerische Buchten verbindet. Wegen eines Polizeieinsatzes am Bahnsteig, bei dem die beteiligten Polizisten nicht direkt konfliktvermeidend aufgetreten sind, habe ich dann tatsächlich einen Anschluss verpasst, fand aber noch ohne Probleme nach Lyon, wo das nächste Bett wartete. Nicht aber, bevor ich nicht die kulinarische Empfehlung einer Bekannten aus Lyon ausprobiert und für gut befunden habe.

Aufgrund anderer Verpflichtungen war mein Ziel allerdings nicht Frankfurt, sondern zunächst Bonn bzw. Bad Honnef, wo das alljährliche Stipendiatentreffen der Telekomstiftung am Donnerstag und Freitag stattfand, und dann Herford. Ich setzte mich daher in den TGV nach Metz, der „quer durch“ statt über Paris fährt. Leider verlief mal wieder nicht alles glatt, und da ich leider nur Bruchstücke von Französisch verstehe, fragte ich beim Zugpersonal, ob mein Anschluss nach Luxembourg in Metz gefährdet sei. „Metz? No, no, Metz ok!“ war die Antwort; ok, dachte ich mir, ist ja noch ein Weilchen hin bis dort. In Nancy wendet der TGV, dafür braucht er jedes mal sieben Minuten (ich habe mittlerweile einen Triebfahrzeugführer mit Ausbildung auf den TGVs gefragt, der mir bestätigt hat, dass das nicht schneller geht). In Metz waren wir dann leider so spät, dass ich den nächsten Zug nicht erreicht habe und schließlich in Luxembourg eine Stunde später nach Koblenz gefahren bin, ergo eine Stunde zu spät in Bad Honnef war.

Ok, passiert, nur eines hat mich wirklich geärgert: Der Zug, den ich in Nancy auf dem Nebengleis habe ausfahren sehen, und in den ich dort locker hätte umsteigen können, war genau der, den ich in Metz dann nicht mehr erreicht hatte. Hätte der Schaffner mir also eine bessere Auskunft geben können – oder wollen – wäre ich pünktlich gewesen.

Nun ja, am Freitag ging es dann nach einem Besuch im ehemaligen Bundeskanzleramt, heute Entwicklungshilfeministerium, mit einem Nordrheinwestfalenticket weiter nach Herford. Hier war leider auch alles verspätet, sodass ich nicht meine schöne Planung mit den Querverbindungen Düsseldorf-Wuppertal und Wuppertal-Essen abfahren, sondern bin recht direkt nach Herford gefahren.

Bilder gibt es in einem eigenen Post.

Neues Blog!

Ich will mal wieder öfter bloggen. Mein selbstgebasteltes Perl-Script will ich aber nicht mehr benutzen, sondern etwas moderneres. Auch wenn ich eine tiefe Abneigung gegen PHP verspüre, habe ich mich für WordPress entschieden.

Dadurch kann ich grade das erste Mal einen Eintrag auf meinen Handy tippen. Das ist immerhin etwas.

Ich werde versuchen, die Inhalte meines alten Blogs hier zu importieren und hoffe, dass das in endlicher Zeit machbar ist.

Update, 28. Februar: Jetzt ist fast alles hierher migriert; nur wenige Posts, die sich vor allem um das alte Blog und dessen Eigenschaften drehen, habe ich hier nicht eingefügt. Bei den alten Posts habe ich mich bemüht, die Original-Quelle am Anfang zu verlinken. Die Uhrzeiten der Posts weiß ich erst seit etwa 2009; davor sind sie nicht aussagekräftig.

Andere Welt

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Nachdem ich fertig gefastet hatte, ging es wie angekündigt nach Afrika, genauer gesagt in das kleine Malaŵi, in dem meine Schwester schon so oft und eben grade auch mal wieder beruflich weilte. Wie schon der letztjährige Urlaub ging es mit der ganzen Familie los; zwei Wochen Malaŵi, und dann noch eine Woche Safari im South Luangwa National Park in Zambia.

Ich könnte wahrscheinlich über jeden Tag, den wir dort verbracht haben, einen ganzen, langen Artikel schreiben, aber ich bemühe mich, es hier kurz zu halten. Die Erfahrung war einfach unglaublich intensiv. Malaŵi ist wesentlich grüner, als ich es erwartete hatte (aber es war auch am Ende der Regenzeit), die Menschen fast ohne Ausnahme nett und liebenswürdig und überhaupt nicht aufdringlich. Einer der Reiseführer hat Malaŵi als „Afrika für Einsteiger“ betitelt, das trifft es ziemlich gut.

Wir waren mit dem Pajero des Dino- und Frühmenschenmuseum Karonga unterwegs, was die Stopps an Polizeikontrollen recht unterhaltsam gestaltete: ein Polizist erzählte freudig davon, dass seine Frau aus Karonga komme, ein anderer fragte scherzhaft, ob wir denn das Museum sein (und die Antwort, dass wir das Weißen-Museum seien, amüsierte ihn dann noch mehr).

Die Wärme habe selbst ich erstaunlich gut weggesteckt; ein wenig wandern war auch möglich, und es bleiben wenig große Erlebnisse, aber dafür um so mehr kleine, witzige, interessante, andere Geschichten, die aufzuschreiben ich ein wenig zu faul bin. Es bleibt der Wahnsinn, dass die Sonne um 5:45 Uhr aufgeht und es um 19 Uhr abends stockdunkel ist, und dass man sich nach einem Tag daran so gewöhnt hat, dass es einem gar nicht mehr auffällt, wie früh man eigentlich aufsteht – und dass es eigentlich merkwürdig ist, schon um 20 Uhr zu sagen, man müsse jetzt mal langsam ins Bett gehen.

Und es bleiben etwa viereinhalb Tausend Bilder (knapp die Hälfte davon von den 16 Stunden Safari-Fahrten am Ende, und lange nicht alle aufhebenswert, natürlich), von denen ich eine Auswahl hier bald hinzufügen werden.

Update, Februar 2016: Bilder aus Malawi und von der Safari gibt es jetzt auch.

Heißhunger

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Vorneweg sei ein Disclaimer erlaubt: Ich will niemanden bekehren. Ich finde Tierschutz zwar wichtig, habe aber kein ethisches Problem damit, Tiere für die menschliche Ernährung zu halten und gebrauchen. Genausowenig ist mein Motiv religiös; genauso, wie ich Weihnachten und Ostern feiere, übernehme ich auch hier ein Ritual aus dem Kanon des Christentums. (Und bin mir auch bewusst, dass die Fastenzeit im Gegensatz zu Weihnachten und Ostern auch wirklich nicht heidnische oder astronomische Ursprünge hat.) Bei dem, was ich hier beschreibe, ging es um mich und meine Neugier.

Dieses Jahr wollte ich die Fastenzeit nach meinen Experimenten mit vegetarischem Essen in den letzten drei Jahren mal mit veganem Essen probieren. Dabei ging es mir vor allem um das Ausprobieren; wie gut würde das gehen? Wie gut würde es mir damit gehen? Welche Alternativen gibt es denn zu Käse etc.?

Zu Hause habe ich Unterstützung, und zu Weihnachten habe ich zwei vegane Kochbücher geschenkt bekommen. Interessante Sache, das. Eines erzählt etwas von der Angst der Tiere, die man mitisst, und von Schmetterlingen, die sich einem Veganer im Wald auf den Kopf setzen würden, das andere erzählt einfach davon, dass Massentierhaltung nicht schön ist und die Autorin einfach mal nach einer Alternative geguckt hat. Letztere wird dafür kritisiert, dass sie „Vegan aus falschen Gründen“ sei. Oh mann.

So habe ich also sehr viel ausprobieren und experimentieren können, mit gemischtem Ergebnis: Milchersatzprodukte haben mich durch die Bank weg sehr wenig überzeugt. Die meisten „Milch“s sind gesüßt, egal ob Hafermilch, Mandelmilch oder Sojamilch, und das mag ich eher nicht. Quark und Joghurt gehen besser, überzeugen mich aber auch nicht. Vegane grüne Soße? I don’t think so. Käse habe ich in einer veganen Variante probiert, dieses vorwiegend aus Kokosfett bestehende Ding hat mich dann aber so angewidert, dass der Rest im Mülleimer gelandet ist. Für Eier (beim Backen) scheint Kichererbsenmehl ein guter Ersatz zu sein, aber viel gebacken habe ich nicht, und für Pfannkuchen fand ich die Sojamilch zu Süß, sodass es sehr wenig gibt, wo ich einen Eiersatz gebrauchen könnte.

Tofu hatte ich vor drei Jahren bei meinem ersten vegetarischen Experiment noch sehr kategorisch ausgeschlossen, vor zwei Jahren hatte sich das schon langsam verbessert; Vegan kommt man da kaum drum herum. Also, neue Chance. Das Soja-Schnitzel ist für mich immernoch keine gute Vorstellung, aber Soja-Hack finde ich lecker, und in Soja-„Fisch“-Stäbchen konnte ich sogar gut in Tofu reinbeißen. Ansonsten gibt es natürlich sehr viel Gemüse und Pilze; Suppen und Eintöpfe bieten die Möglichkeit für sehr abwechslungsreiche Gerichte. Besonders schön fand ich die Idee einer Polenta-Pizza; Polenta mit Gemüsebrühe kochen, in ein Backblech, Tomatenmark darauf (im „Teig“ ist schon genug Gewürz) und dann belegen.

Für Brot und Brötchen gibt es mittlerweile recht viele und sehr verschiedene vegane Aufstriche; die habe ich schon länger sporadisch gegessen und auch durchprobiert, jetzt ein wenig genauer unter die Lupe genommen. Viele sind lecker, manche würde ich nicht ein zweites Mal kaufen und bei wenigen habe ich mich dann schon über den ersten Kauf geärgert. Die Negativliste führt für mich eine Vegane Teewurst an. Schauder.

Und nun nehme ich sogar ab. Das tut mir zwar nicht unbedingt schlecht, wenn ich aber Mittags auf einmal fünf Brötchen und eine ganze Packung Chips (oh, übrigens, interessante Beobachtung: die billigen sind vegan, bei den teuren ist sehr häufig Milchpulver drin — WTF?) esse, weil ich so viel Hunger habe, ist das nicht unbedingt gut. Satt werden – nachhaltig satt werden – scheint mir mit veganer Ernährung wesentlich schwerer zu fallen als vegetarisch. (Oder vielleicht fahre ich zu viel Rad momentan: dieses Jahr schon etwa 700 Kilometer!)

Vegan bedeutet also eine Umstellung und Umgewöhnung, aber das war ja zu erwarten. Und sonst? Eigentlich nichts. Schmetterlinge haben sich noch nicht auf mich gesetzt, ich kann nicht besser oder schlechter schlafen, meine Haut hat sich nicht verbessert, ich fühle mich nicht fitter als sonst (ich versuche, jahreszeitliche Schwankungen herauszurechnen), aber meine Vorfreude auf die erste Grüne Soße (wie gesagt, nicht vegan!) wächst.

Wann ich genau mit vegan aufhöre, ist noch nicht ganz klar, weil ich an Karfreitag nach Afrika fliege und ich die Umstellung auf „normales“ Essen gerne von der Umstellung auf sicherlich andere Ernährung in Malaŵi trennen möchte, auch um zu wissen, woher letztendlich mögliche Verdauungsprobleme kommen. Eine Woche vor Ostern, also jetzt in einer Woche, wird wohl eine gute Wahl sein. Bis dahin sind dann auch die Brotaufstriche alle 🙂

Jobsuche

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Am 30. Juni 2014 war mein Vertrag am FIAS, einem Forschungsinstitut „neben“ der Uni Frankfurt, ausgelaufen. Die Gründe, warum ich nicht verlängern wollte, sind zahlreich; ein wichtiger Grund ist, dass ich nicht in 10 Jahren in der Physik nicht mehr weiterkomme und dann nichts anderes als Lehrer werden kann, weil niemand in der freien Wirtschaft jemanden einstellen wird, der mit 40 immernoch nie irgendwas außerhalb des universitären Umfeld gearbeitet hat. Und, ich bin mir sehr sicher, dieser Tag wäre gekommen. Also lieber freiwillig gehen, solange ich noch einen Job wählen kann, als irgendwann perspektivlos zu sein.

Anyways, ich brauchte also einen neuen Job. Im April mit Bewerbungen anzufangen hat sich im nachhinein als etwas optimistisch herausgestellt; ich habe letztlich doch viele Absagen bekommen. Mein eigentlicher Wunscharbeitgeber sagte mir ebenso ab wie andere Firmen in der gleichen Branche – trotz keiner Vorbildung dafür wollte ich mich in der Logistikbranche bewerben. Und, natürlich, musste ich mich auch arbeitssuchend melden.

Die Agentur für Arbeit hat extra Sachbearbeiter für Akademiker. Bei meinem ersten Gespräch hat sich jedoch herausgestellt, dass die Dame, die für mich zuständig war, sich nicht wirklich mit der Arbeitsmarktsituation für Physiker (oder überhaupt Naturwissenschaftler) auskennt, und dass sie mich auch auf keinen Fall zu einem nicht-Physiker-Job vermitteln kann – ich habe ja keine Referenzen zu Verkehr, wie kann ich also denken, dass ich da hingehen könnte?

Sie vermittelte mich dann auf zwei Stellen bei der GSI, von denen ich direkt wusste, dass die mich nicht suchen, aber eine Bewerbung musste ich dann noch schreiben. Die GSI ist eine der Firmen, von denen ich erst nach recht langer Zeit eine Absage bekommen habe. Keine Überraschung (es gibt diesen schönen Witz bei uns: „Wie viele Leute arbeiten bei der GSI?“ – „so etwa die Hälfte!“). Lustig war auch die Bundesbank, die mir erst schrieben, dass ich nicht der beste Kandidat bin, aber zur Not würden sie sich’s nochmal überlegen. Später kam dann die endgültige Absage.

Eine private Berufsschule in Darmstadt hat mich dann zu einem Berwebungsgespräch eingeladen, und das etwa 3 Stunden nachdem ich meine Bewerbung abgeschickt habe. Einen Tag nach dem Gespräch hatte ich ein Angebot, das ich aber letztlich ablehnte – die Aussicht, als einiziger Physiklehrer etwa 20 Klassen á 1 Stunde zu haben, hat mich dann doch abgeschreckt (und die Tatsache, dass ich wie ein Lehrer ohne erstes Staatsexamen eingestellt worden wäre, ohne die Möglichkeit, das Staatsexamen nachzuholen). Außerdem ging mir das alles ein bisschen schnell – hätte ich eine Woche Zeit gehabt, wäre das was anderes gewesen, aber die brauchten dringend eine Antwort, denn eine Woche später ging das Schuljahr schon los.

Zu ungefähr der gleichen Zeit hatte ich dann ein Bewerbungsgespräch bei meinem Wunscharbeitgeber, nennen wir ihn WA. Ich hatte mich dort auf mehrere Stellen beworben; die Einladung sagte überhaupt nichts darüber aus, zu welcher Stelle dies nun gehört. Dementsprechend habe ich mich durch das erste Gespräch etwas durchlaviert und habe das schon abgeschrieben. Große Überraschung dann, als mit zweiwöchiger Verspätung dann doch der Anruf kam, dass ich zum Zweitgespräch kommen solle, mit jemandem von einer anderen Abteilung und jemandem von der Personalabteilung. Long story short: Ich konnte nicht davon überzeugen, dass ich diese Stelle wirklich haben will und dass sie auf mich passen würde.

Vorher hatte ich mit drei Leuten bei WA geredet, wurde sehr freundlich empfangen, aber da WA ein so großes Unternehmen ist, dauern Einstellungsverfahren typischerweise recht lange, und gehen eigentlich nur über deren Stellen-Webseite. Letztlich arbeite ich jetzt nicht bei WA, aber vielleicht ergibt sich ja in Zukunft noch was.

Obwohl ich es eigentlich gut kann, hatte ich mich überhaupt nicht für eine Arbeit als Programmierer beworben. Das kam mir irgendwie nicht in den Sinn. So war es mehr Zufall, dass ich im Oktober eine auf einen Monat befristete Stelle bekommen habe, in der ich ein kleines Projekt programmieren sollte. Mehr als einen Monat wollte ich erst nicht; die Bewerbung bei WA war noch am Laufen und ich hatte Hoffnung. Außerdem sollte ich auf Windows arbeiten, mit C# (kannte ich bis dahin nicht). Ich sollte eine Android-App programmieren (die Übersetzung von C# zu Java übernimmt dabei Xamarin). Nach der Absage von WA haben wir dann meinen Vertrag auf unbestimmte Zeit verlängert, mit der Abmachung, dass ich ein großes Projekt, das jetzt ansteht, durchführen werde und über die Zeit danach – in etwa einem Jahr – keine Versprechungen mache.

So arbeite ich jetzt in Steinbach bei der BloomBox GmbH und schreibe Programme für Android und steinalte Windows-CE Versionen. Die Firma ist sehr klein und ich habe sehr nette Kollegen; der kürzeste Weg ist mit dem Fahrrad (morgens hoch, abends runter), und die Bahn/Bus-Tageskarte kostet zur Not 3,70 € (und damit weniger als zwei Einzelfahrkarten zu je 1,90 €). Was will ich mehr?

Richter

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Nun bin ich seit etwa einem Jahr Laienrichter und hatte in diesem Zeitraum 11 Termine, an denen ein Prozess hätte anfangen sollen. Davon wurde ich sieben Mal direkt abgeladen, einmal nach einer Ladung wieder Abgeladen (scheinbar eine Berufungssache, bei der die Berufung dann zurückgezogen wurde), einmal musste ich absagen, weil sich der Termin mit einer anderen Ladung überschnitten hat, und zwei Verhandlungen habe ich tatsächlich erlebt.

Die erste war gleich auf drei Verhandlungstage angesetzt (der dritte Tag hatte dann auf meinem nächsten Termin gelegen), letztlich war das aber um 15 Uhr des ersten Tages schon erledigt: Der Angeklagte hatte ein Teilgeständnis abgelegt und ihm den Rest nachzuweisen wäre wahrscheinlich nicht möglich gewesen. Es ging um ein Zollvergehen; die übriggebliebene Schadenssumme war unter einer Millionen Euro, was die drei Berufsrichter als die „Schallgrenze“ für zwei Jahre Haft ansahen, deswegen ist es auf ein Jahr und 9 Monate (und damit auf Bewährung) herausgelaufen.

Die zweite Verhandlung war dann schon nach eineinhalb Stunden fertig; diesmal ging es um angebliche Unfallflucht; es war eine Berufungsverhandlung nach einer Verurteilung im Amtsgericht. Beide Seiten hatten Berufung eingelegt, und am Ende wusste die Staatsanwältin auch nicht so recht, warum wir da sitzen – Freispruch.

Was wirklich zeitaufwändig war bisher also noch nichts, auch nicht wirklich aufregend oder extrem spannend. Die anderen Schöffen hatten jeweils meinen Eindruck, dass es momentan nicht so viel zu tun gibt (man wird meistens abgeladen) bestätigt; gut: besser so als andersrum.

Die Termine für 2015 sind noch nicht da; letztes Jahr kam der Brief kurz vor Weihnachten. Mal sehen, was es noch so gibt…

Metz – oder so.

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Mal wieder Bahnfahren. Ende Juni, an dem ich urlaubsbedingt nicht arbeiten musste, eignet sich doch hervorragend dafür! Da gibt es eine Bahnstrecke entlang der Mosel, und zwar oberhalb von Trier, und immerhin vier mal pro Woche (Samstags und Sonntags, jeweils morgens und abends) fährt dort ein Zug von Trier nach Metz. Super, das mache ich mal!

Am Vortag habe ich abends im Reisezentrum am Frankfurter Hauptbahnhof die Fahrkarten gekauft, um von Frankfurt über Koblenz und Trier nach Metz und zurück über Sarreguemines und Strasbourg zu fahren. Früh morgens also in den IC nach Koblenz, und bei der Ankunft in Trier höre ich dann die Ansage, dass der Zug nach Metz aufgrund des Streikes in Frankreich leider ausfällt. So. Ein. Mist.

Ich bin also nicht bester Laune ins Reisezentrum gedackelt, um die Fahrkarten zurückzugeben; immerhin war dieser Zug der einzige Grund, wegen dem ich überhaupt hier bin. Während die freundliche Dame am Schalter mir meine Fahrkarten (komplett!) stornierte, fiel mir auf, dass ich eigentlich auch mal die Eifelstrecke befahren wollte, die von Trier nach Köln führt. Als ich vor zwei Jahren den Deutschlandpass hatte, hatte diese Strecke nie irgendwo reingepasst, also entschied ich mich spontan für Köln → SiegenGießen → Frankfurt als Rest meiner Reise.

Nun hatte ich auf einmal eineinhalb Stunden Zeit in Trier, also machte ich mich auf die Suche nach dem Wahrzeichen der Stadt, und siehe da, Porta Nigra ist recht nahe am Bahnhof.

Das schwarze Tor in Trier
Das schwarze Tor in Trier.

Die Strecke nach Köln ist anfangs sehr waldig, ab Gerolstein wird es dann flacher und feldiger, und schließlich kommt man ins Rheintal. In Köln hatte ich dann auch genügend Zeit, um das dortige Wahrzeichen zu fotografieren; pünktlich zum Fußballspiel der Deutschen gegen Ghana war ich dann auch wieder daheim.

Der Dom, der ja bitteschön immer in Köln gelassen werden soll.

Alle Gewalt geht vom Volke aus

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Ich hatte schon gar nicht mehr daran gedacht, dass ich mich dafür mal freiwillig gemeldet hatte, aber für die Zeit von 2014 bis 2018 bin ich zum Schöffe am Landgericht Frankfurt gewählt worden. Schöffen sind Richter, genauso wie Berufsrichter, und die Legitimation für Schöffen ist, dass alle Staatsgewalt nach Art. 20 (2) GG vom Volke ausgehen soll, auch in der Judikative. Ich werde also in etwa 12 Verfahren pro Jahr recht sprechen, und soweit ich das übersehe, vor allem in Verfahren über Straftaten, für die vier und mehr Jahre Freiheitsvollzug zur Debatte stehen. Bis jetzt war ich nur bei einer Einführungsveranstaltung, bei der mir vor allem eingebläut wurde, nicht zu spät zu kommen, mich abzumelden, wenn ich nicht kann (aber die Hürden dafür sind hoch) und auf keinen Fall irgendwem einen Grund geben, an meiner Unvoreingenommenheit zu zweifeln. Inwiefern ich hier was darüber schreiben könne, werde ich dann sehen, jedenfalls freue ich mich schon sehr darauf!

Zu den ersten beiden Terminen wurde ich allerdings schon abgeladen, das heißt, man braucht mich (noch) nicht. Fängt ja gut an…

Schmalspurbahn im Winter, Vol. 5

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Ich weiß ja auch nicht, wie ich das mache, aber auch 2014 habe ich es geschafft, am Anfang des Jahres an einer Schmalspurbahn zu sein. Dieses Jahr war das verknüpft mit meinen Silvesterplänen – für diese ging es wie schon vor zwei Jahren nach Zürich. Von dort aus folgte ich meiner Meute, die sich in den Kopf gesetzt hatte, noch ‚etwas in den Schnee‘ zu fahren, in die Schweizer Alpen, was mich dann schließlich nach Grindelwald brachte.

Grindelwald liegt am Ende einer Zahnradbahn von Interlaken auf etwa 1000 Metern Höhe und am Anfang einer anderen Zahnradbahn auf die Kleine Scheidegg (2000 Meter), von wo aus dann die Jungfrauenbahnen durch den Eiger hindurch bis zum Jungfraujoch fährt (ca. 3500 Meter). In dieser Gegend also gingen wir erst zu acht Schneeschuhwandern, dann zu viert Schlitteln (während die anderen vier Skifahren waren) und dann nochmal beides zu viert.

Auch wenn es nicht wahnsinnig kalt war (2 Grad auf 2000 Metern Höhe), war es doch ein guter Testlauf für meine neue Winterkleidung, die ich dann später in Norwegen ausprobieren wollte, und überhaupt der erste Schneeurlaub seit ich mich erinnern kann. Schlittenfahren war bisher für mich höchstens vom Feldberg zum Sandplacken, immer am Weg entlang, und alle drei Meter wieder absteigen und weiterschieben. Eine Viertelstunde ununterbrochen schlitteln zu können und dann mit dem Zug hochfahren und nochmal runter, war eine sehr neue und wahnsinnige Erfahrung für mich.

Ach ja, und Bilder gibt es auch:

Panoramaansicht von Bussalp und First (Blick nach Norden über das Tal, in dem Grindelwald liegt).
Ausfahrt von der Kleinen Scheidegg in Richtung Grindelwald.
Ich war erst ein bisschen überrascht, Güterverkehr auf der Wengernalpbahn zu sehen, aber bei genauerem Nachdenken gibt es eigentlich keine andere sinnvolle Möglichkeit, Dinge auf den und vom Berg zu transportieren.

Polarlystur 2014

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Polarlichter sehen. Endlich. Das war das Ziel des Geburtstagsgeschenk von mir und meiner Restfamilie für meines Vaters letzten, runden Jahrestag. Sowas macht man natürlich am besten in Norwegen, und natürlich fiel gleich die Wahl auf die Nordlichthauptstadt Tromsø. Doch nicht nur einfach Tromsø war angesagt, nein, wir wollten mit dem ältesten Schiff der Hurtigrute, das noch in Betrieb ist (nur noch diesen Winter!) hin- und zurückfahren.

Die Schiffe von Hurtigruten fahren von Bergen über Trondheim und Tromsø bis Kirkenes und dann zurück. Also ausgemacht: Wir fliegen nach Trondheim, nehmen das Schiff bis Tromsø, bleiben dort bis das Schiff wieder zurück ist und schippern dann runter nach Trondheim, von wo aus wir heimfliegen. Ok?

Nun ja: Ich will nicht aus Spaß fliegen. Ich mach’s kurz: Bahnfahren nach Skandinavien wird immer schwieriger, besonders am Wochenende, wenn einige der Fernzüge ausfallen (und wir mussten Sonntag morgen in Trondheim sein). Papa und ich sind letzten Endes Freitags in Frankfurt in den ICE nach Kiel (der wegen oberleitungsschadenbedingter Umleitung am Ende 61 Minuten Verspätung hatte), dann planmäßige 1h16′ Umsteigezeit (also real noch 15 Minuten, um vom Bahnhof zum Kai zu kommen) zum Schiff nach Oslo (wir kamen als letzte grade noch pünktlich an Bord). Dort am nächsten Tag dann Zug nach Trondheim. Die drei Frauen kamen da kurz vor uns mit dem Flieger an.

Die beiden Inseln Søndre Kaholmen und Nordre Kaholmen im Oslofjord.
Stortinget: Das norwegische Parlament. War im Sommer noch hinter Gerüsten.

Am nächsten Tag also aufs Schiff. Schlecht: Kein W-LAN verfügbar (obwohl so beworben), und den PrePaid-UMTS-Vertrag, den ich mir in Oslo gekauft hatte, konnte ich nicht selbst aktivieren. Gut: Wir sind auf dem Weg! Sonntag Mittag (12 Uhr) bis Dienstag Mittag (14 Uhr) waren wir auf dem Schiff, bevor wir in Tromsø von Bord gingen und ein geräumiges Appartement bezogen, mit Küche, Wohnzimmer und drei Schlafzimmern. Auf dem Weg tatsächlich schon abends die ersten Nordlichter!

Begegnung in Rørvik: MS Nordnorge ging grade nach Süden, wir mit der Lofoten (rechts) nach Norden. Die Laterne am Heck der Lofoten ist der Vollmond.
Die ersten Anflüge von Nordlichtern. Mit bloßen Auge war allerdings kaum Farbe zu erkennen.

Die Tage in Tromsø verbrachten wir mit Langlaufen (außer UKS für alle das erste Mal auf Skiern), und damit, uns zu wundern, wie viel Uhr es ist (um 15 Uhr muss man sich anstrengen, nicht zu denken, dass es schon 20 Uhr ist, um 22 Uhr muss man sich anstrengen, daran zu denken, ins Bett zu gehen – komisches Gefühl, das). Wir saßen einer Fehlinformation auf, dass es früh morgens besondere Nordlichter geben solle – angeblich habe es eine große Protuberanz auf der Sonne gesehen. Im Nachhinein ist die Quelle sehr fragwürdig, aber trotzdem waren wir alle um 6 Uhr aufgestanden und auf den vereisten Prestvannet gefahren, um zwei Stunden lang in den Himmel zu gucken. Bessere Quellen (=Einheimische) sagten uns dann, dass man morgens sowieso keine Nordlichter sehen würde, weil die dann weiter im Norden seien. Mist.

Ein beleuchteter (nicht Weihnachts-)Baum am Hafen in Tromsø.
Blick von dem vereisten Prestvannet beim (fehlgeschlagenen) morgendlichen Versuch, Nordlichter zu sehen.
Mittagsaussicht aufs Meer. Nein, wirklich, Mittag. Die Sonne ist aber noch hinterm Berg…

Noch am gleichen Abend wurden wir aber entschädigt, und das über alle Maßen. Deutliche Lichter ließen uns den Bus nehmen; diesmal zur Südspitze der Insel. Hier fanden wir dank OSM einen Aussichtspunkt (an dem wir ansonsten vorbeigelaufen wären) und verbrachten dort etwa eine Stunde mit offenen Mündern, während der Himmel über uns sich ins Zeug legte und unbeschreibliche Anblicke gewährte.

Nordlicht mit Stativ und mir im Vordergrund. Blick ungefähr in Richtung Süden.
Blick nach Westen.

Als das Spektakel nachließ, gingen wir zu einer anderen Bushaltestelle, um noch etwas zu spazieren. Als wir dort ankamen, ging es mit den Nordlichtern weiter, und zwar noch eine Stufe stärker. Hier, am Meer, blieben wir noch etwa eine halbe Stunde, bis wir uns dann wirklich sattgesehen hatten.

Die Spiegelung der Polarlichter auf dem Meer hat man auch mit bloßem Auge, wenn auch nur schwach, sehen können. Mit 30 Sekunden Belichtungszeit kommt das aber zugegebenermaßen noch ein wenig besser raus.

Die mittlerweile vier Stunden Helligkeit am nächsten Tag (davon nur etwa 30 Minuten mit hinter den Bergen hervorschauender Sonne) nutzten wir für einen kleinen Spaziergang. Freitags Nachts kam dann das Schiff eine Stunde zu spät (aber wir wurden angerufen und vorgewarnt, sodass wir im warmen bleiben konnten). Auf der Rückfahrt gab es dann ein Eisskulpturmuseum und zwei Nächte lang so starken Seegang, dass ich nicht schlafen konnte (mir wurde nicht schlecht, aber ich konnte einfach nicht einschlafen).

Riesige Eiskristalle wie diese gab es in Tromsø nach knapp vier Wochen ohne Schnee, aber Temperaturen unter Null, zu Hauf.
Einen verschneiten Laubwald habe ich bis jetzt selten gesehen; meistens sind noch Tannen oder so dazwischen, aber hier im Norden gibt es eben nur Birken. Unwirklich wirkt das.
Eisskulpturen in Svolvær. Leider nichts aus einem Block geschnitzt, sondern zusammengesetzt. Nett, aber nicht unbedingt die 10 Euro Eintritt wert.

Schließlich kamen wir in Trondheim an, Montag morgens um 6 Uhr, wir konnten aber bis 8 Uhr in den Kabinen und bis kurz 10 auf dem Schiff bleiben, sodass wir einen gemütlichen Morgen hatten. Dann gab es noch ein paar Stunden Freizeit – die Frauen gingen shoppen, die Männer eine Runde Trambahn fahren – und dann zum Zug zum Flughafen und zurückgeflogen. (Die Rückfahrtsmöglichkeiten per Bahn und/oder Schiff waren noch bescheidener als die Hinfahrt, daher ließ ich mich breitschlagen.)

Oh, in Oslo beim Umsteigen sind wir nicht durch die Gangway ins Terminal, sondern mit dem Bus drumherum gefahren. Dann durch das Terminal zum Flug nach Frankfurt im … gleichen Flugzeug wieder.