Langsamer Start

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Dieses Jahr hat nicht ganz so angefangen wie geplant: ich bin heute, am 57. Tag diesen Jahres, erst das dritte Mal mit dem Fahrrad auf die Arbeit gefahren. Selbst wenn man die Kranktage am Anfang des Jahres abzieht, habe ich mich also nur jeden 9. Arbeitstag auf den Drahtesel geschwungen. Dann war auch noch meine Brille in der Mitte durchgebrochen und recht lange in der Reparatur. Und außer einer Veranstaltung an der TU Darmstadt und einem Abendessen in Hanau war ich im Januar nicht außerhalb Frankfurts.

Jetzt kommt das Jahr aber für mich langsam in Fahrt. Meine UKS ist kurz vor Fasching wieder nach Frankfurt zurück gezogen, dazu bin ich mit dem freundlichen Herren in Blau im ICE nach Leipzig gefahren, um ihr beim Packen zu helfen und sie heimzufahren. Eine Woche darauf war ich mit Fips Modellbahnstellwerk spielen, dazu mussten wir wenigstens nach Darmstadt. Seit einer Woche habe ich nun meine Brille wieder — die Reparatur, bzw. der Austausch, war tatsächlich kostenlos. Und seit gestern habe ich auch wieder eine Kamera — ich habe mich von Johannes‘ Urteil überzeugen lassen und eine etwas teurere Kamera mit großem Chip gekauft. Mehr Werbung gibt’s aber erst, wenn ich die etwas ausprobiert habe.

Die nächsten vier Wochenenden sind dann auch von Reisen geprägt: Zuerst geht es Zug nach Dresden, wo ich eine Woche lang an der Frühjahrestagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft teilnehmen werde. Vielleicht habe ich währenddessen die Möglichkeit, mal bei einer der sächsischen Schmalspurbahnen vorbeizuschauen. Sowohl Hin- als auch Rückfahrt passiert im Zug in einer großen Gruppe; ich habe Gruppentickets organisiert, für 11 Personen bei der Hinfahrt und 13 bei der Rückfahrt. Man, ist das kompliziert bei der Bahn.

Eine Woche, nachdem ich zurückkomme, geht es schon mit der Bahn nach Zürich, Johannes, Luisa und noch zwei andere Leute besuchen (die ich aber noch nicht kenne). Und noch eine Woche später bin ich dann mal zur Abwechslung bei Herford zu Gast. Und, weil das dann immernoch nicht genug ist, bin ich dann noch zwei Tage an der GSI. Und dann ist der März auch schon um. Naja, und bis dahin wollte ich eigentlich noch etwa 236 km Fahrrad gefahren sein…

Für den Rest des Jahres gibt es teilweise auch schon Pläne, aber am Wichtigsten dabei ist ein Urlaub in Norwegen! Mit Zug, Fähre und auch Leihauto(s). Drei Wochen im Juli. Bis dahin muss ich die neue Kamera wirklich bedienen können. Und 500 km Rad gefahren sein. Und dann war auch dieses Jahr die Pfingstfreizeit vom Gitarrenorchester, und die 100-Jahr-Feier meiner alten Schule (mit Chorauftritt) und natürlich auch wieder die Night of Science und das [Φ]FA-Turnier und ganz aktuell das leckende Abflussrohr aus dem Waschbecken daheim.

Uff. Wird wieder anstrengend.

Gefühlte Geschwindigkeit

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Eines der grundlegendsten physikalischen Prinzipien ist, dass man Geschwindigkeiten nicht fühlen kann. Wenn man sich in einem Container befindet ohne Verbindung nach draußen, kann man nichtmal messen, wie schnell man ist. Man kann Geschwindigkeit sehen, indem man darauf achtet, wie schnell Dinge an einem vorbeiziehen, und mit der Information, wo man wann ist, kann man sie auch messen (Stichwort GPS). Das war’s dann aber auch.

Dieses Relativitätsprinzip ist übrigens eine Erfindung von Galileo Galilei, nicht Einstein (der hatte es nur auf Lichtgeschwindigkeitsmessungen erweitert).

Was man aber fühlen (und messen) kann, sind Beschleunigungen. In einem Zug zum Beispiel spürt man Unebenheiten in den Gleisen durch die kleinen, kurzen Querbeschleunigungen, die man als Ruckeln wahrnimmt. Schnelles, heftigens, häufiges Ruckeln wird als hohe Geschwindigkeit wahrgenommen, ruhige Fahrt daher als langsam. Das ist antrainiert — es entspricht der Erfahrung, die man zum Beispiel im Auto macht.

Manchmal trügt das Gefühl aber auch. So was ist mir bei meinen Hochgeschwindigkeitsfahrten in Frankreich und Spanien bewusst geworden: weil der Fahrweg so unglaublich gut ausgebaut ist, kommt einem die Fahrt mit 270, 300 oder gar 320 km/h überhaupt nicht schnell vor, während der Regionalzug im Anschluss mit seinen 140 km/h unglaublich flott wirkt. Weil das Erlebnis eine schlechtere Qualität hat.

Gegen die Fahrtrichtung zu fahren ist für manche Leute schwierig. Als ich im Nachtzug von Paris nach Madrid gefragt wurde, ob ich denn nicht meinen Platz tauschen wolle, weil da eine Fahrgästin nicht rückwärts fahren kann, habe ich dass zwar gerne gemacht, aber ich hatte mich etwas gewundert, denn alle Gardinen waren zu, und außer durch Sehen kann man ja nicht rausfinden, in welche Richtung man fährt. Lineare Beschleunigungen (wenn der Zug schneller oder langsamer wird) spürt man zwar, aber man spürt eben nicht, ob man danach schneller oder langsamer ist.

Trotzdem „merkt“ man es, irgendwie:

  • Das Ruckeln gibt einen Anhaltspunkt, aber wenn ich von einer langsamen Stelle mit viel Ruckeln zu einer schnelleren, besser ausgebauten Stelle komme und der Zug beschleunigt, kann ich das nicht spüren.
  • Oft hört man aber auch was. Vor allem im Regionalverkehr und in Lokzügen ist das Rollgeräusch sehr präsent, und ein guter Indikator für Geschwindigkeit.
  • Meistens kann man eben auch raussehen.
  • Vielleicht können Menschen — eventuell unbewusst — erkennen, ob Erschütterungen von vorne oder von hinten kommen. Bei einem typischen Achsabstand von etwa 16½ Metern (19 Meter Drehzapfenabstand minus 2½ Meter Achstand in einem Drehgestell) vergeht zwischen der letzten Erschütterung im vorderen und der ersten Erschütterung im hinteren Drehgestell eine Zeitspanne von knapp 3 Sekunden, wenn man mit 20 km/h unterwegs ist. Bei 320 km/h – aber da ist der Fahrweg eigentlich so gut, dass man eh nichts mehr spürt – ist die Zeit auf 0,18 Sekunden gesunken, immernoch weit im Bereich, den man typischerweise mit seinen Sinnen auflösen kann.

Mehr fällt mir nicht ein. In jedem Fall passen verschiedene Sinneseindrücke nicht zusammen, und das bringt manche Leute aus dem Gleichgewicht – im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich will das weder be- noch abwerten. Gewohnheit kann ganz schön gemein sein. Optische Täuschungen basieren darauf, dass man gewohnt ist, Dinge nicht nur zu sehen, sondern in einen bestimmten Kontext zu setzen. Einen, den man kennt. Bei optischen Täuschungen führt das Enttäuschen der Erwartungen meistens zu einem Aha-Effekt (oder manchmal auch zu UFO- oder Geistersichtungen oder gar Verschwörungstheorien). Wenn neben den Augen, die die Geschwindigkeit der Landschaft draußen sehen, noch der Gleichgewichtssinn dazukommt, und beide sich nicht einig sind, wird eben manchen Leuten übel.

So what? Nix. Wollte mir nur mal Gedanken machen über’s Rückwärtsfahren. Thanks for Listening.

Update: Fips weist darauf hin, dass sich einfach die Stärke der Beschleunigung typischerweise im Zug unterscheidet zwischen positiver und negativer (also, Beschleunigung und Bremsen). Guter Ansatz, wenn ich auch nicht komplett überzeugt bin. War ich ja aber vom Rest auch nicht.

Huelga General

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Der Generalstreik. Am 14. November wurde in Spanien und Portugal gleichzeitig gestreikt, was meine Reisepläne etwas modifiziert hatte. Aber der Reihe nach:

B. hat einen Sprachkurs in Spanien gemacht. S., ihr Freund, wollte sie dort abholen und mit ihr von Cadíz auf die Kanaren fahren, um Urlaub zu machen. Fliegen wollte er nicht, alleine Zugfahren auch nicht, also fragte er mich, ob ich nicht mitwolle. So fuhren wir Sonntag auf Montag über Paris, Madrid und Sevilla nach Cadíz, verbrachten dort einen schönen abend und einen schönen Vormittag, dann ging es für mich wieder nach Sevilla.

Der Plan war, von dort den Bus nach Faro zu nehmen, Mittwoch dann morgens nach Lissabon und in der Nacht auf Donnerstag nach Madrid. Blöderweise war für Mittwoch in beiden Ländern ein Generalstreik angesagt, so dass ich mich nicht darauf verlassen wollte, rechtzeitig wieder in Madrid zu sein, um den AVE nach Barcelona nach dem Streik zu bekommen. Stattdessen nahm ich den nächsten Zug von Sevilla nach Madrid und verbrachte dort einen kompletten Tag.

Bei der Gelegenheit durfte ich also Madrid kennenlernen, was durch eine von meinem Hostel angebotene Stadtführung leicht war. (Das Hostel war nicht das, das ich gebucht habe, denn jenes hat gestreikt und mich 50 Meter entfernt in einem anderen Hostel untergebracht.) Weiter ging es dann nach ans Mittelmeer und bis Italien. Auf dem Weg dahin habe ich zwar die kurzen spanischen Betten hinter mir gelassen, aber zwischendurch nur per Handy in ein Hotel eingecheckt und den Vermieter nie gesehen. Kurz hinter Monte Carlo (Monaco ist der 31. Staat, in dem ich war — ich bin auch ausgestiegen und eine halbe Stunde rumgelaufen) kam dann die italienische Grenze, und in Ventimiglia habe ich festgestellt, dass meine Kamera weg ist. In Monte Carlo bin ich noch mit ihr eingestiegen, im Zug war sie nicht mehr auffindbar, das Ticket-Office der FS wurde ich, weil ich mit einem französischen Zug gekommen war, auf das Fundbüro in Nizza verwiesen (lag nicht mehr direkt auf meinem Weg) und die Grenzpolizisten verstanden kein Englisch und keine Hand-und-Fuß-Beschreibung, so dass ich halt einfach weitergefahren bin und jetzt keine Bilder zeigen kann.

Mailand hat mich recht wenig begeistert. Das hängt mit der Ausschilderung am Bahnhof zu tun, mit den Leuten, die an den Metrofahrkartenautomaten viel zu nah an einem dran stehen und irgendwas von einem wollen (ich nehme an, Geld), und mit dem nicht-freundlichsten Hotelmenschen, den ich je gesehen habe. Und an dem Bahnhof gibt es exakt 0 Sitzgelegenheiten. Und der Zug von dort nach Verona fährt eine halbe Stunde lang nicht schneller als 60 km/h. Uff.

Nach Verona (halbe Stunde Aufenthalt) bin ich dann noch durch das wunderschöne Brennertal gefahren, dann die Karwendelbahn und ab München mich dann innerlich darauf eingestellt, bald wieder daheim zu sein.

Jetzt bin ich um Erfahrungen reicher und um eine Kamera ärmer, aber trotz all dem Schlechten hat’s doch Spaß gemacht. Und jetzt, endlich, habe ich keine Lust mehr auf irgendeine Reise dieses Jahr (naja, mal sehen, was Silvester bringt).

Projekt 13000 und weitere Pläne für 2012

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Zwischendurch auch mal was ohne eine größere Bahn- oder sonstige Reise. Nach überschlagenen 20000 Kilometern im Zug dieses Jahr (bisher), einer Transatlantikreise und einem Flug nach Kreta und zurück bin ich seit mittlerweile drei Wochen zuhause.

Naja, fast. Seit dem war ich einmal auf dem Weg nach Fulda (doch der ICE hielt da nicht, weshalb ich den Termin in Fulda verpasst habe und statt dessen mal die Bahnstrecke Kassel-Bebra gesehen habe) und einmal in Marburg. Letzteres ging mit dem Fahrrad im Zug hin und abends mit den Fahrrad ohne Zug bis Linden-Großen-Linden (was ein Name) und von dort mit dem Zug weiter. Ich hatte mir vorher angeguckt, wie ich bis Frankfurt kommen könnte (aber dass ich die 85 km nicht mehr schaffe, wenn ich erst um 18 Uhr losfahre, war mir schon klar), und habe gesehen, dass die einzige Steigung auf dieser Strecke kurz hinter Gießen kommt. Da ich in Gießen sowieso schon klatschnass war (ich habe im Wortsinne Wasser aus meinen Schuhen gekippt), wollte ich nicht vor der einzigen Steigung des Tages kneifen.

Noch mehr Fahrrad gefahren war ich vorher in der selben Woche, als ich am Tag der Deutschen Einheit mit fünf anderen von Frankfurt (naja, drei haben wir erst in Königstein aufgegabelt) nach Waldems-Reichenbach zum Apfelfest des NABU gefahren bin (und zurück). Besonders die Rückfahrt war wunderbar, weil die Straßen wirklich super gut ausgebaut und top in Schuss sind, man also einfach den Berg runter rollen kann (und ich hatte mir ja jeden Zentimeter am morgen hart erarbeitet gehabt).

Projekt 13000 steht also an. Nach den Vielfahrexzessen mit dem Apfelfest und Marburg habe ich momentan ’nur‘ noch 431 Kilometer bis dahin übrig. Ich habe noch eine Woche Urlaub, insgesamt vier Tage Meeting in Mainz und Gießen, und wieviel ich zwischen den Jahren fahre/arbeite, weiß ich noch nicht, also bleiben mir etwa 8½ Wochen übrig. Am Ende muss ich auf ein durchschnittliches Pensum von 10,14 km pro Tag kommen — tough, aber machbar. Ich bin guter Dinge.

So. Ja. Schon wieder Urlaub. Ja, schon wieder Bahn. Mitte November geht der Spanischkurs einer Freundin in Spanien zu Ende, und ihr Freund fährt mit dem Zug zu ihr, um mit ihr die Fähre von Cádiz auf die Kanaren zu nehmen. Natürlich habe ich auf die Frage, ob ich ihn hinbegleiten will, nicht lange gezögert. Die Hinfahrt ist gebucht, bei der Rückfahrt bin ich noch am Zweifeln, was ich mir genau angucken will. Ich habe eine Woche.

Zu den beiden zweitägigen Meetings davor werde ich je nach Wetterlage Bahn oder Rad fahren (Rad höchstens anteilig), und dann ist da eventuell nochmal ein Treffen in Fulda. Mal sehen, ob ich dahin den richtigen Zug kriege.

Dann ist da noch ein Umzug von Frankfurt nach Braunschweig, bei dem ich auf jeden Fall in Frankfurt helfe und eventuell nach Braunschweig zum Auspacken fahre, ob in dem Umzugsauto oder separat per Bahn weiß ich noch nicht. Zu guter Letzt, falls das hinhaut, ist noch das Twitter-Bahn-Treffen (#tbt), dessen erste Auflage in Frankfurt stattgefunden hat. Da Leute aus der ganzen Republik kommen, ist das nächste Treffen mal im Norden; an irgendeinem Wochenende wird es also vielleicht nach Hamburg gehen.

Noch mehr Reisen muss dann aber wirklich nicht sein, glaube ich. Obwohl ich eigentlich vor seiner Einstellung zum Fahrplanwechsel nochmal den Zug zwischen Nürnberg und Prag ausprobieren wollte. Und, solange es noch ein freundliches Bett für mich in Leipzig gibt, die Strecke von Dresden nach Prag. Das könnte man durchaus kombinieren, aber, wie gesagt, langsam reichts. Auch für diesen Eintrag.

Ploče

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Erst die Zusammenfassung: ich war mit Fips für 5 Tage im Balkan unterwegs, wir fuhren Freitag von Frankfurt mit dem EC umsteigefrei über Stuttgart, München, Salzburg, Villach und Ljubljana nach Zagreb, Samstag über Bosanski Novi, Banja Luka und Doboj nach Sarajevo, Sonntag über Mostar nach Ploče und weiter mit dem Bus nach Split, Montag von dort über Oštarije nach Rijeka und zurück nach Zagreb, Dienstag dann über Maribor, Graz, Pyhrnbahn, Linz, Passau, Nürnberg und Würzburg nach Hause. Und es war super.

Angefangen hatte alles mit diesem Tweet. Beziehungsweise mit einem Dia-Vortrag, den ich am Tag vorher gesehen hatte: Ich würde mal nach Ploče mit dem Zug müssen.

Die Fahrt nach Zagreb war nicht viel anders als die Fahrten im Januar und Juli 2011 — wirklich schön, aber eben schon bekannt. Neu war dann die Fahrt nach Bosnien-Herzegowina. Die fing flott an — mit 120 km/h — wurde dann aber schnell langsam. Lokwechsel an der Staatsgrenze und dann nochmal an der Grenze zwischen der Republik Srpska und der Föderation Bosnien und Herzegowina helfen der Reisegeschwindigkeit ebensowenig wie die ständigen Langsamfahrstellen mit 40, 20 oder gar 10 km/h und das Abbremsen auf 20 km/h bei jeder Ein- und Ausfahrt in einen Bahnhof. Die Strecke zieht sich.

Wirklich in Erinnerung bleibt aber wohl die Zerstörung. Schützenbunker an den Strecken hatten wir zwar auch in Serbien gesehen, aber hier waren sie auch modern, aus Beton, hier sind mir viel mehr Minen-Warn-Schilder entlang der Strecke aufgefallen, hier habe ich viel mehr Häuser mit sichtbaren Einschusslöchern und auch nach 17 Jahren noch zerschossene Rollläden (die noch benutzt werden!) gesehen.

Und dann war da noch der Fußball. Der Schaffner kam irgendwann zu uns und machte uns mit Hand, Fuß und Fips‘ Bulgarischkenntnissen klar, dass am nächsten Bahnhof — Banja Luka — die letzten beiden Wagen für Fußballfans reserviert seien und wir doch daher bitte in den ersten gehen sollten. Kurz nachdem sich mein Begleiter gefreut hatte, dass die ganzen Fans auch ohne Polizeiaufgebot reisen können (was in Deutschland nicht möglich ist), stiegen am nächsten Bahnhof einige Dutzend Polizisten mit Schutzschild und Kampfmontur ein. Die kontrollierten sehr gründlich, wer mit dem Zug fährt, schrieben Personalien auf, und fragten genau nach, warum die Leute Zug fahren, wo sie hin wollen und so weiter. Nur die deutschen Touristen (also wir) wurden nicht behelligt. Ja, klar, dafür gibt es gute Argumente, aber irgendwie fand ich das trotzdem komisch.

Als die Fans in Zenica ausgestiegen waren (soweit ich das nachvollziehen kann, ist das Spiel 1:1 ausgegangen), kam ein alter Mann zu uns, der seine zweieinhalb Brocken Deutsch benutzen wollte, um mit uns zu reden. Das ging größtenteils erstaunlich gut, und so zeigte er irgendwann auf die Autobahn mit der Mautstation und sagte „Deutschland: Krieg, zwanzig Jahre, Kapitalisten. Bosnien: Krieg, ein Jahr, Kapitalisten“. Wir haben uns gut verstanden.

Leider war es in Sarajevo regnerisch und dunkel, und wir mussten auch schon früh wieder fahren, aber was wir von der Stadt gesehen haben, hat uns sehr gut gefallen. So fuhren wir dann am nächsten morgen um fünf nach sieben in ehemaligen schwedischen Wagen gen Adria. Über den Iwan-Pass, der ja der Auslöser für alles war. Und es ist einfach atemberaubend, dort entlang zu fahren. Die anschließende Strecke ist auch schön und sehenswert, sodass sich die Fahrt wirklich lohnt. Wahnsinn. Die Busfahrt an der Adria entlang bis Split war zwar eine Busfahrt und daher per sé nicht so toll wie eine Bahnfahrt (nicht mal aufs Klo kann man während der Fahrt gehen), aber dennoch nicht arm an tollen Blicken. Vielleicht gibt’s ja irgendwann mal eine Konferenz dort.

Dann kam Split. Die Innenstadt mit verschachtelten und sogar zum Laufen fast zu engen, Marmor-gepflasterten Gassen wäre, genauso wie Sarajevo, noch einen Tag mehr Zeit Wert gewesen, wenn wir sie denn gehabt hätten. So ging es wieder am morgen weiter, in einem erste-Klasse-Wagen Richtung Zagreb, aber nur bis Oštarije, wo der Anschlusszug von Zagreb nach Rijeka (5 Minuten Umsteigezeit) eine Viertelstunde auf unseren total verspäteten Zug gewartet hatte. Den Übergang der Landschaft von mediteranem Bewuchs zu voralpiner Vegetation konnten wir auf allen drei Fahrten — von Split, nach und von Rijeka — sehr schön erleben. Das Highlight dieses Tages war aber der erste Blick auf die Adria in Richtung Rijeka und der anschließende 20 Kilometer lange Abstieg über 700 Höhenmeter mit konstantem Blick auf die Häfen der Stadt. Dass wir in Rijeka dann nur etwa eine Stunde Aufenthalt hatten, war zwar schade, aber dann durchaus verkraftbar.

Für die Rückfahrt hatten wir uns bewusst gegen die direkte Verbindung entschieden, um auch mal einen anderen Weg durch die Alpen kennenzulernen. Zwischen Graz und Selzthal sind wir mit einem deutschen Zug (der nach Saarbrücken unterwegs war) gefahren, von dort gab es Schienenersatzverkehr mit einem Bus bis Hinterstoder, wovon wir zum Glück schon vorher per Twitter Wind bekommen haben, denn die Beschilderung im Bahnhof und die Auskunft des Zugbegleiters im Zug dahin waren eher schlecht. Sei’s drum, der Bus hat ohne Halt und mit konstant 100 km/h auf der Autobahn (kürzer als die Bahnstrecke) die Fahrzeit des Zuges grade so einhalten können, und wir kamen pünktlich in Linz an, wo wir uns mit einem Triebfahrzeugführer und einem Fahrdienstleiter getroffen hatten, die uns eine spezielle Rundtour durch den Bahnhof Linz gaben. Schließlich hatten wir im ICE noch den Logenplatz ganz vorne hinterm Fahrer, und ab Passau war die Glasscheibe auch durchsichtig und wir konnten die Strecke beobachten und natürlich bei Einfahrt in Frankfurt Hauptbahnhof die Skyline in der Nacht sehen.

Das nächste Mal dann mit mehr Zeit in Sarajevo, Split, Rijeka…

Deutschlandpass

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Es ist der 7. August, mein Deutschlandpass ist abgelaufen. Einen Monat All-you-can-Bahnfahr geht zu Ende. Welch gute Gelegenheit, Bilanz zu ziehen, oder? (Wer nein antwortet, sollte nicht weiterlesen. Bin auch nicht beleidigt.)

13 Touren an 14 Fahrttagen innerhalb von 29 Kalendertagen, davon drei Feierabendtouren, drei Urlaubstage und 8 von 10 Wochenendtagen ausgenutzt. Längere Touren waren durch diverse Samstagstermine in Frankfurt nicht drin. (Update: Zweimal habe ich zusätzliche auch echte Transportbedürfnisse befriedigt, das hätte ich beinahe vergessen. Die Zahlen sind geupdated.)

Die kürzeste Tour war 98 Kilometer lang, das war die Fahrt nach Schöllkrippen, die kürzeste nicht-Feierabend-Tour 536 km, das war die Geschichte mit dem Lovetrain. Die längste Tour war eine von denen beiden, die ich nicht wie morgens geplant gefahren bin; die Tour über Cuxhaven und Stuttgart war am Ende 1557 Kilometer lang.

Insgesamt waren es elftausendvierhundertzwölf Kilometer. In Worten: 11412. (Äh. Oder so.) Dafür hätte ich, wenn ich normale Fahrkarten gekauft hätte, 1359 Euro und 10 Cent bezahlen müssen, hätte aber natürlich nicht spontan was anderes machen können, und eben nicht zum Beispiel einfach mal bis Würzburg fahren können, statt schon in Hannover aussteigen müssen. Ein Pendler, der das innerhalb eines Monats (20 Arbeitstage) zurücklegt, müsste einen Pendelweg von etwa 285 Kilometern haben — eine Richtung! Ich glaube nicht, dass es da so viele gibt (aber ein ganzes Jahr lang würde ich das nicht aushalten).

Ich habe dazu neun viel zu lange Blog-Artikel geschrieben, bei denen ich immernoch nicht alles erzählenswerte geschrieben habe (auch wenn das nicht den Eindruck machte). Da waren zum Beispiel noch die Rehe, die im Allgäu ins Gebüsch gejagt sind, als der Zug vorbeifuhr. Und diese alte Halb-Rassistin im Zug durch Thüringen. Und die beiden Fahrgastbefragungen, in die ich in Nordrhein-Westfalen gekommen bin, bei denen die Befragerinnen etwas verwirrt von meinen Reiseplänen waren. Ich habe interessante Signalkombinationen und eine Stellwerksstörung gesehen. Ich habe lustige Familien und nette Leute getroffen, auch doofe und baue grade eine neue Freundschaft auf.

Ich habe auch mal einen Zug verpasst. Bei 76 mal Umsteigen habe ich aber gerade mal vier Anschlüsse verpasst, einmal einen Anschluss bekommen, der eigentlich zu kurz war, und dreimal einen Zug bekommen, weil er verspätet war. (Und als Fips dabei war, ging das auch trotz Zugbindung problemlos.) Ich war nie mehr als eine Stunde zu spät, einmal wurden an einer Stelle 12 Minuten rausgeholt, einmal 16. Ich habe viel mehr Wurst gegessen als sonst, weil ein halber Fleischwurstring oder eine Wienerwurst einfach praktisch zu kaufen und mit Brötchen zu essen sind.

Ich habe daheim viel liegen lassen, und jetzt schreibe ich auch schon wieder seit Stunden an diesem Artikel, obwohl ich doch früh ins Bett wollte. Es ist schon nach Mitternacht. Ich habe mir gegen Ende Notizen gemacht, was ich auf jeden Fall ins Blog schreiben will, in der Hoffnung, dass ich dadurch besser strukturieren kann, was mir glaube ich nicht wirklich gelungen ist.

Der „Dinge, die ich in dem Artikel über heute nicht vergessen darf“-Zettel von einer meiner Touren. Ich habe dann doch nicht alles davon reingeschrieben.

Und wenn es auch schon implizit oben steht: Ich habe pro Kilometer einen Preis von 2,6 Cent bezahlt. Alter. Aber das Wichtigste: Ich hatte eine verdammt gute Zeit. (Okay, eigentlich hatte ich vierzehn verdammt gute Zeiten.) Jetzt ist die Zeit allerdings vor allem gut fürs Bett. *Schnirch*

Disclaimer: Seit es im Kursbuch der Bahn keine Kilometerangaben mehr gibt, ist es schwierig, exakte Entfernungsangaben zu bekommen. Die Angaben hier sind nach bestem Wissen und Gewissen gemacht, aber wahrscheinlich sind sie ein wenig ungenau.

Günstigste Verbindung

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Nach fünf Wochenenden hört mein Deutschland-Pass am Montag, den 6. August aus. Dementsprechend war die Fahrt vom Sonntag meine letzte, und die erste mit (geplanter) Begleitung. Mein Begleitservice bei der Fahrt über Höllental- und Murgtalbahn in die Pfalz und nach Saarbrücken war Fips, der sich zwei Supersparpreisfahrkarten besorgt hatte, eine bis Freudenstadt über Seebrugg und Rottweil, und eine von Freudenstadt über Primasens Nord und Saarbrücken. Beide Fahrkarten beinhalteten einen Abschnitt, den man in beide Richtungen befährt, und nach meinen schlechten Erfahrungen im Mai war ich skeptisch, ob das so funktioniert, also fragte er bei der Bahn nach und bekam eine positive Antwort. Ob man der würde trauen können?

Beim Wiederaufstieg nach Titisee auf der Dreiseenbahn war also die erste Gelegenheit, die Gültigkeit der Fahrkarte auf die Probe zu stellen. Am Ende hat es geklappt, wenn auch die Prüfung der Fahrkarte durchaus länger als typischerweise gedauert hat.

Am Schluchsee in Seebrugg. In diesem Schwarzwaldsee haben Leute gebadet, bibber! (© CC-BY-SA 4.0: Fips Schneider)
In Titisee stand ein Dampfsonderzug bereit, als wir umstiegen, aber leider ein klein wenig blöd hinter den Bäumen. Naja, war ja nur ’ne Dampflok.

Bis Neustadt(Schwarzwald) waren wir drei Mal in einen Doppelstockzug umgestiegen, und nun ging es von einer 218 geschoben in drei Silberlingen über die Wasserscheide zwischen Nordsee und Schwarzem Meer bis Rottweil, von dort in einem 425 nach Eutingen im Gäu und weiter mit einem anderen 425 nach Freudenstadt.

Von dort aus geht es dann mit der Straßenbahn auf EBO-Gleisen zwei Stunden lang bis Karlsruhe, durch das wahnsinnig schöne Murgtal. Wir saßen ganz vorne und hatten einen Wahnsinnsblick auf Strecke und Landschaft, bevor es dann von Karlsruhe aus mit noch zweimal umsteigen durch den Pfälzerwald (vorbei an so Orten wie Einöd) nach Saarbrücken ging.

Die Zugbegleiterinnen waren allesamt verwirrt von Fips‘ Fahrkarte, und eine fragte ungläubig, ob das denn die direkteste Verbindung von Freudenstadt nach Frankfurt sei. Zu unschlagfertig antworteten wir nicht „Wieso, ist es das nicht? Wir kennen uns doch nicht aus! Ist das jetzt etwa ein Umweg?“, aber das wäre mit Sicherheit lustig gewesen. Nein, wir fahren doch absichtlich in der Gegend rum, antworteten wir statt dessen, und ernteten dafür nicht nur ein Stirnrunzeln.

Weil der eine ICE von Paris „täglich außer 5. Aug“ fährt und leider 5. August war, war die Rückfahrt mit dem Regionalverkehr über Kaiserslautern (40 Minuten Umsteigezeit wurden für einen Döner und zwei Bier genutzt) und Bad Münster am Stein nach Mainz, von dort mit einem InterCity nach Frankfurt. Auf der Etappe nach Mainz quietschte es auf einmal von der jungen Frau schräg hinter uns, und nachdem wir sichergegangen sind, dass das ein telefongesprächbedingter Freudenausbruch war und kein Angstschrei oder ähnliches, kamen wir ins Gespräch und stießen mit ihr auf ihren neuen Studienplatz in Mannheim nach drei Jahren Wartezeit an. Sie musste nach Mainz, und so trennten sich unsere Wege.

Die 15 Minuten planmäßige Wartezeit in Mainz verkürzten sich dann, weil unser Zug 60 Minuten verspätet war und ein anderer InterCity mit 10 Minuten Verspätung kurz vorm Abfahren, und während Fips beim Zugbegleiter die Erlaubnis verhandelte, aufgrund der Verspätung die Zugbindung ignorieren zu können, stellte ich fest, dass der Wagen direkt an der Treppe, über die wir kamen, mal wieder ein ehemaliger erste-Klasse-Wagen ist. Diesmal war es ein einfach nur umgezeichneter, nicht umgebauter Abteilwagen, bei dem man die gegenüberliegenden Sitze nur mit dem Fernglas sehen kann. Um uns zu unterhalten, mussten wir Megaphone benutzen, aber das war es alle Mal wert — schöner Abschluss meiner Reisen! (Die vorherigen Sätze können Spuren von Übertreibungen enthalten.)

Den gesteigerten Komfort im erste-Klasse-Wagen habe ich am Abend wirklich genossen. (© CC-BY-SA 4.0: Fips Schneider)

Im leichten Nieselregen daheim angekommen, kurz bevor es anfing, sehr stark zu regnen und zu winden, war ich dann nochmal doppelt glücklich, dass wir den früheren IC haben nehmen können.

Jetzt ist also das mit dem Deutschland-Pass vorbei, aber mit Reisen geht es trotzdem bald weiter, weil ich am Samstag auf eine Konferenz in Washington, D.C. in den Vereinigten Staaten fliege. Dabei gibt’s auch noch Zugfahren, aber das kann ich dann ja berichten. Bevor ich dahin komme, hoffe ich, dass ich nochmal Kilometer zusammenzählen kann und berichten kann, wieviel ich unterwegs war, und vielleicht kann ich auch nochmal ausschlafen irgendwann. Uff.

Ungeplanter Umweg zu den Silberlingen

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Es gibt so Tage, da läuft es einfach. Alles. So ein Tag war Samstag. Nach dem ich von einer Geburtstagsparty am Donnerstag erst Freitag morgen um 7 Uhr heimkam und um halb elf ein Meeting mit meiner Chefin hatte, war ich mir überhaupt nicht sicher, ob ich nicht die Samstagstour auslassen solle und statt dessen ausschlafen und mich auf die Sonntagstour, auf der sich Begleitung angekündigt hat, vorbereiten soll. Oder vielleicht würde ich nicht schon um 5:55 Uhr fahren, sondern später und dann halt irgendwas anderes als HamburgCuxhavenBremen→Frankfurt. Wie gut, dass ich dann am Samstag morgen doch recht fit war und aufgestanden bin.

Im ICE nach Hamburg saß ich mich in ein Abteil, in dem ein Polizist bis Fulda schlief (dort stieg er aus), und dann ging es los. Mit den drei jugendlichen Mädels (16, 18 und 18) auf dem Weg in den einwöchigen Urlaub auf Usedom komme ich ins Gespräch, in Hannover steigen sie aus und ein Ehepaar mit seinen Enkeln, Ronja 9 und Alex 11, ein, die auf dem Weg nach Kiel sind, steigen ein. Von Kiel aus fahren die vier mit der Fähre nach Oslo und wieder zurück, als Wochenendferienausflug. Eine Norwegentour ist natürlich immer ein guter Gesprächsstarter bei mir, und dass die Kleine ständig Fotos machen wollte, auf denen ich zufälligerweise auch drauf bin, und mir groß und breit alles von ihrer Familie erzählt hat, war zumindest amüsant.

Weiter mit dem Metronom nach Cuxhaven fragte dann eine alte Frau die Zugbegleiterin, wann denn Stade käme, und da der Metronom momentan öfter hält als gewöhnlich, hatte ich die Antwort schneller als die Zub, und ich versprach, die Frau rechtzeitig hinzuweisen, dass sie aussteigen muss (das tat ich dann auch). Gute Tat Für Den Tag: Erledigt. (Und das Karma schlägt manchmal wirklich schnell zurück, diesmal waren es etwa dreieinhalb Stunden*.)

Metronom mit Diesel in Cuxhaven. Das war das eigentliche Ziel an dem Tag. Auf der Fahrt von Hamburg hat’s geschüttet, aber hier ist es nur noch unten nass.

Auf der Rückfahrt (über Bremen) hatte ich dann erst das Vergnügen eines Kegelclubs, sechs Frauen, die ihre Männer weiter hinten im Zug deponiert hatten, aber zum Glück nicht komplett klischeehaft aufgetreten sind. Sie waren unterwegs nach Bremerhaven, um von dort ein Schiff nach Bremen zu nehmen, und am Abend waren sie schon wieder daheim. Die anschließende Regio-S-Bahn nach Bremen war dann zwar 15 Minuten verspätet, aber ich konnte für meine Mitbewohnerin Osterholz-Scharnbeck grüßen und sah meinen 45-Minuten-Anschluss in Bremen nie gefährdet. Aber da ging’s ja erst richtig los.

Der Plan war, mit einem ICE nach Hannover zu fahren, und dort in einen ICE nach Frankfurt umzusteigen. Ich hätte auch in Göttingen oder Kassel (nicht Fulda!) in den selben ICE umsteigen können, aber in Hannover ist die Wahrscheinlichkeit, einen Sitzplatz zu bekommen, wohl am größten. Als ich einsteigen will, tippt mir was auf die Schulter und weist mich darauf hin, dass in den Zug der Einstieg noch nicht erlaubt ist, weil noch gereinigt werden müsse. Das war mir zwar im Hinterkopf, aber ich wollte mich mal blöd stellen und mich auf die Ansage verlassen (die gesagt hatte, dass der Zug nach München jetzt einfahre). Dem Auf-die-Schulter-tippen folgt ein Gespräch, bei dem ich erst nicht dazu komme, zwischen Bremen und Hannover irgendwas draußen zu sehen, dann entscheide ich mich, bis Kassel weiterzureden, dann sehe ich einen Anschluss, den ich in Fulda kriegen kann, dann sehe ich den Anschluss in Würzburg… Würzburg bin ich dann aber wirklich ausgestiegen. Dort gibt es dann Anschluss zu einem RegionalExpress über Lauda nach Stuttgart, ach, nehm ich den doch. Eine Stellwerksstörung mit dunklen Signalen konnte ich erleben (hat 7 Minuten gekostet), und ich war am Ende um 23:05 in Frankfurt statt um 19 Uhr, aber selten hat sich ein Umweg für mich mehr gelohnt, und das nicht nur wegen der schönen Fahrt zum Neckar.

Stellwerksstörung in Osterburken: Das letzte Blocksignal vor der Störung wurde noch mit Auftrag Zs1 überfahren, das Einfahrtsignal Osterburken (und auch alle Ausfahrtsignale und die Blocksignale dahinter) waren komplett dunkel.

Stuttgart brachte mir mal wieder eine planmäßige Umsteigezeit von 58 Minuten. Stuttgart, ey. Aber das habe ich auch noch verkraftet.

Oh, zum Titel: Der Zug von Würzburg nach Stuttgart bestand aus von einer 143 gezogenen Silberlingen, und mir ist aufgefallen, dass ich in den ganzen Deutschland-Pass-Touren noch kein einziges Mal mit diesen Wagen gefahren bin, die immerhin vor nicht all zu langer Zeit das Rückgrat des Nahverkehrs in (West-)Deutschland bildeten.

*: Nein, ich glaube jetzt nicht auf einmal an Karma oder Vorsehung oder sonst was. Meine Erfahrung ist nämlich eher, dass das Karma gerade nicht zurückschlägt, egal in welche Richtung. Aber ich habe am Samstag was nettes getan und mir ist kurz danach was nettes passiert. So. Und jetzt lest weiter, um herauszufinden, was.

Diebischer Fluss am langen Bahnsteig

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Und mal wieder unterwegs gewesen. Das war aber die letzte Deutschlandpass-Tour an einem Werktag gewesen, jetzt kommt nur noch das nächste Wochenende. Dienstag ging’s zunächst von Würzburg durch den Thüringer Wald nach Erfurt, dann über die Saale zur Weißen Elster und schließlich quer durch Thüringen ins Leinetal und nach Göttingen. (An- und Abfahrt war dann mit ICEs.)

Der Zug nach Erfurt war mit einem Zug nach Bad Kissingen verbunden, und die Zugbegleiterin fragte jeden Fahrgast einzeln, wo er denn hinmöchte, um sicher zu gehen, dass auch jeder im richtigen Zugteil sitzt. Das fand ich sehr zuvorkommend. Die Fahrt durch den Thüringer Wald war sehr schön, und ich habe bei Ein- und Ausfahrt aus Erfurt (ich bin von Arnstadt bis dort in beide Richtungen gefahren) mir mal die Baustellen der SFS Nürnberg-Erfurt genau angeguckt. Von Erfurt ging es dann landschaftlich nett, aber wenig spektakulär weiter nach Saalfeld, und von dort an gefühlt 5 Güterbahnhöfen pro Kilometer (was ich gut finde!) weiter nach Gera.

Erfurt Hauptbahnhof mit Straßenbahn. Aus irgendwelchen Gründen, die sich mir nicht erschließen, dürfen Radfahrer nicht durch diese Unterführung fahren, nichtmal auf den Gleisen.
Bahnhofshalle Gera. Diese Art von Bahnhof — eine mittlere Bogenhalle — habe ich in der Gegend da jetzt öfters gesehen, aber das hier ist definitiv eine der am besten herausgeputzten.
In Gera kreuzt die Straßenbahn die Bahntrasse beim Hauptbahnhof. Hier fährt ein Zug der Linie 1 in die Station Hauptbahnhof/Theater ein (der Bahnhof in meinem Rücken, das Theater im Bild). Und hübsche Blumen!

All das war aber lange nicht so spektakulär wie der nächste Abschnitt, der entlang der Weißen Elster durch ein sehr, sehr hübsches Tal führt. Das war definitiv eines der absoluten Highlights meiner Bahnfahrten in diesem Jahr gewesen. Da ich nur durchgefahren bin, gibt es leider keine Bilder, aber ich denke, da werde ich nochmal hinfahren, ganz sicher.

Nachdem ich drunter durchgefahren war, ging es dann über die Elster- und dann die Göltzschtalbrücke nach Zwickau, von wo ein umsteigefreier Zug bis Göttingen fährt. Dieser kommt in Gößnitz vorbei, an dessen Bahnsteig ein interessantes Bild hängt, dass ich auf Wikipedia wiedergefunden habe.

Bauarbeiten und eine Gleissperrung brachten uns zwischenzeitlich 15 Minuten Verspätung ein, die bis Göttingen allerdings wieder aufgeholt waren. In Gera wurde der Zug an einen schon bereitstehenden Zug angekuppelt, bevor es weiter ging. Der vordere Triebwagen wurde dann in Erfurt abgekoppelt, und wir fuhren weiter nach Gotha. Dort kam dann die Ansage, dass nur einer der beiden Triebwagen bis Göttingen führe, der erste Triebwagen allerdings verbliebe in Leinefelde. Der scheinbare Wiederspruch löst sich auf, wenn man weiß, dass der in Gera bereitstehende Zug aus zwei Triebwagen bestand. Wusste ich nicht, und daher war ich etwas verunsichert. Aber natürlich fuhr der in Zwickau anfangende Zugteil auch wirklich bis Göttingen durch.

In dem Zug war auch eine Frau (ca. 60 Jahre, schätze ich), die den Schaffner nach ihrem Anschluss in Weimar in einen Zug nach Frankfurt fragte. Sie wollte eigentlich zum Südbahnhof, hatte aber eine Verbindung zum Hauptbahnhof. Ich hatte das erst nicht genau mitbekommen und wollte ihr daher raten, bis Erfurt zu fahren, weil dort auch die ICEs halten (die aber eben nicht am Südbahnhof halten, weshalb meine Idee nichtig war — sie sollte mit einem der wenigen ICEs fahren, die tatsächlich in Weimar halten). So kamen wir ins Gespräch, ich warnte sie vor dem Schienenersatzverkehr vor (sie wollte eigentlich nämlich zum Dornbusch) und suchte am Ende über’s Internet heraus, dass sie mit nur 7 Minuten Umsteigen in Weimar (statt einer Stunde laut Bahn-Schalter) einen InterCity erwischen könnte, der sie am Südbahnhof rauslässt. Sie war begeistert, ich hatte meine Gute Tat Für Den Tag vollbracht und alles war gut. In dem Zug saß ich zweitweise auch noch einer jungen Mutter mit ihrem etwa dreijährigen Sohn gegenüber, der einfach total süß war und mit dem sie einen sehr starken Gegenentwurf zu einer anderen Mutter/Kind-Kombination gebildet hat.

Letzte Geschichte von der Tour: In Göttingen hatte ich zwei Minuten Umsteigezeit zu einem ICE, der direkt nach Frankfurt fuhr, oder 8 Minuten zu einem, bei dem ich in Fulda nochmal umsteigen muss. Ich wetze, nur um den ersten ICE gerade ausfahren zu sehen. Nun gut, der andere. Da kommt die Ansage, dass der wegen Personen im Gleis 40 Minuten verspätet sei. Das brisante dabei: Mein Handy-Akku steht auf 2 % und ich wollte dringend wieder aufladen, wollte aber auch nicht auf die Musik verzichten — ausschalten war also keine Option. Verdammt! Der Soundtrack war sehr passend: I’m in Love with my Car von Queen. Gerade, als ich nach unten gehen wollte, um nach anderen Anschlüssen zu suchen, fuhr dann doch der ICE nach Nürnberg ein! Juchuh: Akku gerettet. Nicht ganz: Mal wieder ein noch nicht renovierter ICE2. Gibt’s da überhaupt Steckdosen? Ich glaub(t)e nicht. Oh nein. Nagut, mal sehen, ob es noch bis Fulda reicht. Später kapiere ich zweierlei: Es gibt mindestens eine Steckdose im ICE2, auch wenn die etwas merkwürdig angebracht und versteckt ist, und der Zug, mit dem ich fuhr, war nur die Hälfte von dem Zug, den ich erwartet hatte, nur die andere Hälfte war verspätet. Diese Information hatte ich bei der Ansage und der Anzeige irgendwie erwartet, aber man kann wohl nicht alles haben.

Nach 16 Stunden 32 Minuten war ich dann wieder am Hauptbahnhof und bin schienenersatzverkehrvermeidend mit der S6 heimgefahren. Uff. Und, ganz ehrlich, langsam bin ich etwas reisemüde.

Rätselnde Mutter

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Ich habe mich auch mal über Mitreisende geärgert, bei meiner Allgäu-Tour, und zwar über die in Kempten eingestiegene Frau mit ihrem ca. 10-jährigen Sohn. Beide haben ein Rätselheft, die Mutter ist scheinbar von ihrem „sehr leicht“-Sudoku überfordert (rätselt aber zwischendurch tapfer weiter) und schreibt ihrem Sohn vor, welches Rätsel er machen soll. Also, ich würde das so machen: „Hier, mach doch das da, ich erklär’s dir kurz, dann kannst du’s mal versuchen. Und wenn du gar nicht zurecht kommst, helfe ich dir auch. Aber probier’s erst selbst!“.

Naja, die Frau hat das eher anders gesehen: „Hier, schreib das Wort da rein. Und jetzt, guck hier, dann kannst du das da reinschreiben.“ — Junge macht das, die Mutter geht zu ihrer Nemesis über (das Sudoku). Danach guckt der Junge ein bisschen in der Gegend rum, zu dem Kreuzworträtsel auf der anderen Seite, woraufhin ihn seine Mutter anherrscht, er solle jetzt erst das andere machen, und ihm das nächste vorsagt. Ich habe meine Musik lauter gedreht und aus dem Fenster geschaut, um das nicht mehr mitkriegen zu müssen. Habe ich natürlich am Ende doch. Der Junge hat bis Augsburg kein einziges der Worte selbst eingetragen, und ich glaube, er hatte auch nicht wirklich Spaß. Die Mutter auch nicht, aber die war wenigstens selbst dran Schuld. Die beiden sind in den selben ICE eingestiegen wie ich, aber ich habe darauf geachtet, mich möglichst weit von denen wegzusetzen. Wenigstens das hat geklappt.

Blöde Eltern gibt’s.

Alles Trocken beim Umsteigen

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So. Anstrengendes Wochenende. Ging am Freitag mit einem Tag Urlaub los, den ich für eine Fahrt über Eschwege, Nordhausen, am südlichen Harz entlang, ein Stückchen Weser, Teutoburger Wald (oder so), Osnabrück und Recklinghausen zurück nach Frankfurt genutzt habe. War sehr nett, und nach der Hitze die beiden Tage vorher (woo-hoo, Schwimmbad!) waren die klimatisierten Fahrzeuge sehr schön. Das Wetter war wechselhaft; ich bin ein paar mal durch richtig starken Regen gefahren, aber beim Umsteigen war immer gutes Wetter. (Zum Glück bin ich in Altenbeken aus Ottbergen kommend sitzen geblieben und in Paderborn in den Zug nach Herford gestiegen, nicht nur wegen des Sitzplatzes, sondern auch wegen des Starkregens, der auf Altenbeken runterkam, als ich das zweite Mal da vorbeigekommen bin.)

Wirklich erwähnenswert auf dieser Tour war — neben den beiden halbstündigen Pausen in Eschwege und Northeim(Han), nach denen ich jeweils mit dem gleichen Zug weitergefahren bin, und der schönen Landschaft — vor allem der „Anschluss“ in Nordhausen. Eigentlich gibt’s den nämlich nicht. Der Zug von Kassel nach Halle (Saale) kommt zwei Minuten vor Abfahrt des Harz-Weser-Expresses an, die Umsteigezeit laut Auskunft beträgt 62 Minuten (sprich: Den Zug kriegt man nicht mehr). Mit 5 Minuten Verspätung meines Zuges beim Einsteigen in Eichenberg hatte ich wenig Hoffnung, aber in Nordhausen waren es nur noch 2 Minuten, und der Tf hat mir die Tür noch aufgelassen, obwohl er schon Ausfahrt hatte. Das war ziemlich cool!

Schöne Anti-Schwarzfahrer-Hinweise der Nordwestbahn. Gesehen auf dem Weg von Ottbergen nach Paderborn im Talent der Nordwestbahn.

Am Samstag hatte ich mal wieder nachmittags/abends bei Frankfurt zu tun, sodass die Tour eher kurz war, aber nicht minder lohnenswert; ich bin von Aschaffenburg nach Crailsheim gefahren, drei Stunden in einem 628, aber dafür mit Ausblick in das Maintal und das Taubertal. Die Rückfahrt war ab Crailsheim mit einem IC nach Stuttgart und von dort planmäßig mit dem EC aus Graz, aber der ICE von drei Minuten vor meiner Ankunftszeit hat noch am selben Bahnsteig gestanden, auf dem ich angekommen bin, also bin ich reingesprungen und habe damit 30 Minuten gespart.

Sonntag war dann das wirkliche Highlight von diesem Wochenende, meine Allgäutour. Nachdem ich erst um halb vier im Bett war, ging es schon um halb sechs wieder aus selbigem heraus, um den ICE um 6:22 nach Nürnberg zu erwischen. Alles hat auch geklappt, ich habe wenigstens ein bisschen Ruhe gehabt, und dann ging es über Treuchtlingen ins Altmühltal (das hat zweieinhalb Stunden gekostet, die sonst mehr hätte schlafen können, aber es hat sich dicke gelohnt!) und weiter nach München. Die Fahrt von dort bis Lindau war eigentlich mehr wegen Bahninterna interessant (erzähle ich gleich) als wegen der Bahnexterna (also der Landschaft), dafür war die Strecke von Lindau nach Oberstdorf und von dort bis Kaufbeuren extrem aufregend. Von dort aus ist es dann erstmal langweilig (landschaftlich, für anderes siehe den Text über die Rätselnde Mutter), bis man hinter Donauwörth über Treuchtlingen nach Würzburg fährt. War das ein schönes Gefühl, kurz nach dem Sonnenuntergang das Maintal zu erblicken!

Das Beweisfoto aus dem Süden. Also ganz, ganz weit im Süden. Südlicher geht’s mit der Bahn nicht, wenigstens nicht in Deutschland.

Nun zu den Bahninterna: Ich bin von München nach Lindau mit einem EuroCity nach Zürich gefahren. In den im Fernverkehr der DB typischerweise ausliegenden Reiseplänen (oder wie auch immer diese Faltfahrpläne mit allen Anschlüssen etc. heißen) liegt schon den ganzen Monat immer ein Flyer drin, dass alle Fahrplanangaben zum Berliner Flughafen nichtig seien, wegen des Problemes mit dem Brand(t)-Schutz. So auch im Faltfahrplan zu EC194. Der wurde übrigens wegen Bauarbeiten in der Schweiz umgeleitet und fuhr dann nicht über St. Gallen. Die Arbeiten liefen seit ein paar Tagen, patzte der Zugbegleiter das Schweizer Ehepaar mir gegenüber an, ob die denn nicht die Anzeige in München gesehen hätten (da stand an dem Gleis der RE nach Nürnberg drei Stunden vorher dran, prost Mahlzeit!). Gehen wir mal davon aus, dass die Arbeiten unplanbar waren, weil irgendwas passiert ist. Kann man dann nicht trotzdem, wenn es scheinbar mehrere Tage dauert, einen Zettel in den Fahrplan einlegen? Mit Berlin geht das doch auch, aber die Info, die diesen Zug betrifft, kann man nicht anders kommunizieren, als dass der Zugbegleiter jeden Einzelnen fragt, wie weit er denn fährt!?

In Frankfurt war dann auch so eine super-tolle Aktion: auf dem DFI der U-Bahn am Südbahnhof las ich sowas wie „Von hier alle Züge nur bis Eschenheimer Tor, dann Ersatzbus bis Miquel-/Adickesallee, dann Linien U1, U2 und U8; die U3 fährt wieder erst ab Heddernheim„. Soweit, so gut, das wusste ich prinzipiell auch schon. Dann ging’s weiter: „Fahrgäste nach Oberursel oder Bad Homburg können ab Südbahnhof die Linie S5 nehmen…“ (guter Hinweis, da muss man nicht so oft umsteigen) „… (außer 29.07. wegen der Sperrung des S-Bahn-Tunnels)“. (Es war der 29. Juli.) Warum kann man denn nicht an verschiedenen Tagen verschiedene Lauftexte bringen? Versteh‘ einer die VGF. Naja, ich habe noch einem freundlichen Herren in diesmal-nicht-ganz-so-blau gewunken, bin heim und todmüde ins Bett gefallen. Uff.

Der freundliche Herr in blau mit der liniennummerlosen U-Bahn zum Eschenheimer Tor. Die Anzeige finde ich irgendwie gut, so groß und fett. Bei den Zügen, die die Liniennummer draufstehen haben, ist das ein bisschen kümmerlich, thinks me.

Update: Seit Montag ist der Hinweis auf die S-Bahn-Tunnel-Sperrung weg. Vielleicht war das so gemeint: „Sie können auch S-Bahn fahren, heute zwar noch nicht, aber damit Sie morgen schon mal Bescheid wissen, sagen wir’s jetzt schon“. Das wäre natürlich gut. Entschuldigung, VGF.

Am Dom vorbei zur Entgleisung

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Es gibt scheinbar noch mehr Verbindungen nahe Frankfurt, die man nur an bestimmten Wochentagen und sogar nur zu bestimmten Zeiten befahren kann. Eine davon ist ein Feierabend-IC, der von Frankfurt über Worms und Speyer nach Karlsruhe fährt und dafür nur knapp doppelt so lange braucht wie die direkten ICEs. Nun gut, ein paar Minuten früher von der Arbeit weg und dann in den aus 3 Bi, einem Bv und einem Av bestehenden IC gesetzt, Fenster auf und ab geht’s. Der Zug war nicht sonderlich gut ausgelastet, sodass sich auch niemand beschwert hat. Bei 30 Grad im Schatten (und der Zug hat scheinbar den ganzen Tag außerhalb jeglichen Schattens gestanden) wird es auch bei 180 km/h nicht kalt bei offenem Fenster (naja, aber ich habe es trotzdem erst wieder in Biblis aufgemacht, das dröhnt immer so). Auf dem Weg hat man in Worms und Speyer schöne Blicke auf die jeweiligen großen Gotteshäuser, beziehungsweise deren Türme. Ganz nett! Dafür sucht man in Ludwigshafen(Rhein) vergeblich Bahnsteigsuhren. Die Bahn, ey. Hinter Germersheim fährt man dann auf einer Strecke, bei deren Elektrifizierung die Masten einfach mal auf das alte zweite Gleis gesetzt wurden, aber warum nicht, wer braucht schon die Möglichkeit, die Kapazität irgendwann mal auszuweiten?

Ludwigshafen am Rhein Hauptbahnhof. Der Bahnhof an sich ist ja schon interessant, so im Dreieck. Allerdings tue ich mich schwer, zu glauben, dass das eine Ausrede dafür ist, dass man keine einzige Uhr aufhängt…
Elektrifizierung per Holzhammer-Methode. Wer braucht schon zwei Gleise? Gesehen auf der Verbindungsstrecke zwischen Germersheim und Graben-Neudorf.
Niedersachsen am Zug, nur komischerweise in Baden. Was 146 542 der Metronom in Karlsruhe gesucht hat, weiß ich nicht, aber ein schönes Motiv fand ich es allemal.

Weiter ging’s dann mit einem Doppelstockzug über Pforzheim nach Stuttgart, wo ich die Aufräumarbeiten von einer InterCity-Entgleisung am Tage beobachten konnte. Dabei ist mir aufgefallen, wie häßlich der (momentane) Stuttgarter Hauptbahnhof ist. Keine Angst, das heißt nicht, dass ich S21 jetzt toll finde, aber ein ästhetischer Einwurf sei auch mir Unästhet bitte erlaubt.

Da das ganze ja aber nur eine Feierabendtour war, brachte mich der nächste ICE nach etwa 40 Minuten Umsteigezeit in der schwäbischen Landeshauptstadt mit Umsteigen in Mannheim schon wieder nach Frankfurt, wo ich wegen einer Verspätung (10 Minuten) dann nicht an Gleis 1, sondern an Gleis 19 ankam — an dem Gleis, wo ich etwa 6 Stunden vorher abgefahren bin.

Das große Chaos in Stuttgart, Teil 1. Am Mittag war ein IC entgleist, als ich um kurz nach 21 Uhr dort ankam, waren noch die 101 und ein WRmz etwas neben sich. Das Bild ist von Bahnsteig 13/14 (oder so) aufgenommen.
Das große Chaos in Stuttgart, von der anderen Seite. Zu dem Zeitpunkt wurde die 101 mit Hydraulikstempeln angehoben, während 185 129 mit Hilfswagen daneben steht.
So hell war’s eigentlich gar nicht, aber der Nachtaufnahme-mit-Stativ-Modus meiner Kamera hat da doch noch ne Menge Licht rausgeholt. Großaufnahme der verunglückten 101 058 und der 185.

Flaches Brandenburg

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Ich war mal wieder unterwegs. Mit Zug A nach B, dann weiter mit Zug C nach D (E ist auf dem Weg eine scheinbar sehr hübsche Stadt, soweit man’s vom Zug aus sehen kann), dann Zug F durch F‘ nach G, H nach I, J nach K, aber da gab es eine gezogene Handbremse und deswegen habe ich Zug L in K verpasst und bin statt dessen nach M gelaufen, wo ich dann Zug N bekommen habe, da musste ich dann nochmal in O umsteigen, in Zug P. In Q schließlich habe ich von Freitag nach Samstag übernachtet. Samstag ging es dann weiter mit Zug R nach S, von dort aus mit T nach U, dann V nach W, wo ich den Zug nach Hause verpasste und deswegen nochmal mit Zug X nach Y musste, wo ich dann Zug Z nach Hause nahm. Alles klar?

Also, am Freitag Urlaub genommen und aufgebrochen zu einer zwei-Tages-Tour. Und mal wieder ging es mit dem ICE nach Dresden. Dass ich fast verschlafen hatte, ist ja eigentlich unwichtig. Der einzige Platz in Fahrtrichtung im nächsten Zug — nach Görlitz — war von einem großen Rucksack belegt, zu dem der Besitzer meinte, er wolle ihn nicht ins Gepäcknetz stecken, weil er „keinen Bock“ habe, dass er runterfällt. Nun, meine Böcke, zu stehen, waren durchaus noch kleiner, so konnte ich ihn dann überzeugen, und hinter Bautzen war es dann leer genug, um einen ordentlichen Sitzplatz zu bekommen.

Vom östlichsten Bahnhof der Republik fuhr ich dann mit der Ostdeutschen Eisenbahn durch die Lausitz. Der Kaffeeautomat im Triebwagen der ODEG, an dem man Kaffee und Tee für 90 (!) cent bekommen kann, war leider defekt, so dass ich nicht den Qualitätsunterschied zum 3-Euro-Tee der Deutschen Bahn überprüfen konnte. Von Cottbus aus ging es dann auf der fünften Strecke nach Berlin weiter, aber, kennste eine, kennste alle. Stink-Langweilig. Eigentlich hatte ich auf meiner Liste-mit-Strecken-die-ich-fahren-will noch ein paar andere Strecken in Brandenburg gehabt, aber die habe ich — bis auf Berlin-Frankfurt(Oder)-(Warschau) — alle gestrichen. Es lohnt sich einfach nicht.

Kleiner Lichtblick in Berlin: Eine grün/rote Lok! 186 241 zieht hier gerade den Berlin-Warsawa-Express in Richtung Bahnhof Zoo.

Nun ja, irgendwann kommt dann Berlin, und wir waren auch fast pünktlich bei der Ankunft. Nächste Etappe: EC Richtung Prag (bzw. sogar Wien). Kurz nach der Ausfahrt aus Berlin Hbf (tief) gab es dann im Tunnel eine Zwangsbremsung, auf die die Ansage folgte, dass eine Notbremse gezogen worden sei, man nicht die Türen öffnen solle und der Zug in wenigen Minuten weiterfahren werde. Nun ja, Ausfahrt aus Berlin Südkreuz war mit +17′, mein 4-Minuten-Anschluss in Elsterwerda damit wohl passé. Fragt man halt die Zugbegleiter, die werden ja in den planmäßig 80 Minuten mal vorbeikommen, oder? Denkste. Ankunft in Elsterwerda war dann noch mit 5 Minuten Verspätung (!), aber der Anschluss nach Elsterwerda-Biehla war trotzdem weg. Ich hatte noch das Vorsignal von Biehla bei der Einfahrt meines Zuges auf grün stehen sehen, der Zug war wohl grade hinter der Kurve verschwunden. (Oh, sechste Strecke von/nach Berlin: Wieder flach, Wald, langweilig. Brandenburg, ey.)

Nur, um das mal in Relation zu setzen: mein Anschlusszug ist noch eine Station weitergefahren, drei Minuten lang, und hat an seiner Endstation einen 3-Minuten-Anschluss an einen anderen Zug am selben Bahnsteig gehabt. Wieso dieser Zug nicht zwei Minuten warten kann auf Passagiere aus einem Fernverkehrszug, erschließt sich mir nicht.

Nun gut, ich hatte also eine Stunde mehr Zeit, nach Biehla zu kommen und lief einfach, wartete dort auf den nächsten Zug eine Stunde später, der allerdings nur bis Falkenberg(Elster) fuhr, von wo aus ich noch etwa eine Stunde bis Leipzig unterwegs war. Die Übernachtung bei UKS verdiente ich mir dann mit Spülen und Brötchen schmieren, und nachdem UKS dann am nächsten Morgen um 7:15 in den Zug nach München (in ihren wohlverdienten Urlaub) gestiegen war, fuhr ich kurz danach nach Magdeburg. In einem Ferien-IC (Dresden-Leipzig-Magdeburg-Ostsee). Das hat man zwar gemerkt, aber zum Glück war kein Rentner-Kegelclub oder so in meinem Wagen. Auf der Strecke habe ich mich übrigens erinnert, dass mein Telefon eigentlich auch GPS kann, das habe ich nur immer aus, weil ich den Akku schonen will — aber mit ner Steckdose am Platz kann man das ja ruhig mal machen, finde ich. Ging auch ganz gut.

Unfreiwilliges Umsteigen in Falkenberg(Elster): Der versteckte Doppelstockzug neben der 155 brachte mich von Elsterwerda-Biehla hierher, weiter ging es einen Stock weiter oben.
In Leipzig, bei Thekla, steht ein Vorsignal, dass eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 70 km/h ankündigt, und keine 50 Meter dahinter gelten erstmal 30 (die kleine drei auf dem weißen Schild in Bildmitte). Dafür braucht man dann wohl Ortskenntnis…
Der blaue Pfeil auf OpenStreetMap-Hintergrund zeigt die ganz genaue Position an; ich war 295 km Luftlinie von Frankfurt entfernt und der Zug fährt 149 km/h. Das Bild ist so ein bisschen Proof-of-Concept: GPS funktioniert und das Handy hält auch wunderbar an den Luftschlitzen im Bpmz.

Der nächste IC brachte mich nach Hannover, dann ein uffgemotzter ICE2 nach Köln. Leider wurde da der ICE nach Frankfurt nicht mehr erreicht (trotzdem das im Zug so angesagt wurde, grr), sodass ich eine halbe Stunde warten musste und am Ende am Flughafen umsteigen musste. Zwischendurch wollte ich in Köln auf die öffentliche Bahnhofstoilette gehen, empfand aber einen Euro als zu viel und hielt es lieber ein, bis ich in dem ICE saß. In dem ich dann übrigens vorne mit Blick auf die Strecke und GPS-Empfang sitzen konnte! Am Flughafen erwischte ich dann einen ICE, der aus Wiesbaden kam und in Richtung Dresden fuhr. Welch schönes Schließen des Kreises.

Sonntag habe ich übrigens mal daheim verbracht, meinen Eltern Bilder gezeigt (von so einigen meiner Fahrten in letzter Zeit). Weiter geht’s spätestens am Wochenende.

Stadt, Land, Lovetrain

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Wenn man alleine im Auto sitzt und fährt, hat man mit Sicherheit ein paar gute Dinge: man kann die eigene Musik auswählen und praktisch so laut hören, wie man will. Man hat eine gute Sicht nach vorne, man kann bei Störungen relativ einfach die Route ändern, und das hat man selbst in der Hand. Wenn man etwas spät dran ist, ist das nicht so schlimm, weil man mit diesem Fahrzeug bis zum Ziel fährt und man keinen Anschluss verpassen kann. Und wenn es doch mal zeitkritisch wird, kann man selbst entscheiden, etwas auf die Tube zu drücken, um etwas schneller zu sein. Das Schlüsselwort ist hier selbst.

Dass Umleitungsstrecken überfüllt, umständlich oder einfach von der vollgesperrten Autobahn aus unerreichbar sein können, spielt dabei für viele Leute ebenso wenig eine Rolle wie der gesteigerte Spritverbrauch und der meistens recht kleine Zeitgewinn, der mit dem auf-die-Tube-drücken verbunden ist. Und man hat eben Ruhe beim Autofahren. Ist das nichts?

Wer mich kennt, egal ob persönlich oder nur vom Lesen in diesem Blog, wird wissen, dass ich sowas nicht schreiben würde, wenn ich nicht ein sehr großes aber dahinter schreiben würde. Und in der Tat, hier ist es.

Samstag morgen fuhr ich um 9 Uhr mit dem ICE nach Saarbrücken. Bis Mannheim war die zweite Klasse vorne mit Blick auf die Strecke, und da wollte ich natürlich nicht lesen. Ich habe immer ein bisschen Skrupel, Ohrhörer im Ruhebereich aufzusetzen, also bat ich die anderen in der Lounge, mir zu sagen, wenn sie meine Musik hören. Sie bestätigten mir alle, dass sie nichts hören, also stelle ich fest, dass ich auch im Zug die Musik so laut machen kann, wie ich will; okay, dafür braucht man In-Ear-Hörer, aber ich kann es einfach nicht so laut machen, dass es die anderen hören, sonst flögen mir meine Ohren weg. Von Mannheim nach Saarbrücken konnte ich dann hinten rausgucken, aber die meiste Zeit habe ich gelesen und entspannt. Weil wir Umleitung durch Schifferstadt (statt daran vorbei) gefahren sind und noch zwei Langsamfahrstellen auf dem Weg waren, waren wir in Saarbrücken 7 Minuten zu spät, was leider bedeutete, dass ich den Anschluss nach Koblenz nicht erreicht habe. Nun gut, ich hab’s ja nicht wirklich eilig, also fahre ich eben eine Stunde später.

Und, wow, hat es sich gelohnt, nicht bei verpasstem Anschluss direkt nach Frankfurt zurückzufahren, wie ich mir es eigentlich vorgenommen hatte. Die Strecke an der Saar ist sehr interessant und schön, mit viel Schwerindustrie und schönen Flussblicken auf dem Weg. Während ich fahre, wieder Musik höre (lesen kann ich ja nicht, wenn ich gucke) und nichts Böses denke, ist im Abteil vor mir ein Junggesellenabschied, der sich mit Amerikanern unterhält (in etwas schlechtem Englisch, aber was soll’s). In Trier steigen noch zwei Junggesellenabschiede und zwei Junggesellinnenabschiede ein, und diese fünf Gruppen machen fortan auf dem Weg mächtig Stimmung; tanzen, singen, sind friedlich und akzeptieren auch, wenn man nichts abkaufen will. Ja, okay, im Auto hat man sowas nicht, aber auf der anderen Seite, hat man sowas im Auto nicht. Eine der Bräute frage an einer Stelle „Was ist denn das für ein Zug, dass hier so viele Bachelor-Parties drin sind?“ und die Antwort war, dass das der Lovetrain sei! Die Strecke an der Mosel entlang war nicht mehr ganz so aufregend wie die an der Saar (vor allem, weil sie lange nicht so an der Mosel ist wie die Saarstrecke an der Saar ist), aber immernoch sehr sehenswert, und wenn ich sie noch nicht gekannt hätte, wäre auch die Rheinstrecke auf dem Heimweg mehr Aufmerksamkeit wert gewesen, so beachtete ich Loreley und Co gar nicht.

Die Saarburg in Saarburg, wie man sie vom Bahnhof Saarburg aus sehen kann. Kurz vorher gibt es wunderschöne Blicke vom Zug auf Saar und Strecke und Straße, aber aus dem Zugfenster zu fotografieren ist immer so ’ne Sache…

Auch am Sonntag war ich noch unterwegs. ICE von Frankfurt nach Dresden, mit der zweiten Klasse bis Lepizig hinten, also keine Sicht (und bei den ICE-T scheint der Standard auch hinten eine milchige Scheibe zu sein, im Gegensatz zum ICE3. Zeit, Dr. Strangelove or how I learned to stop worrying and love the bomb zu schauen, nachdem mir davon gestern gerade wieder erzählt wurde. Kurz vor Leipzig handelten wir uns dann 25 Minuten an einer Signalstörung ein, und in Leipzig saß ich zwar vorne in meinem 415, aber es wurde ein 411 davorgehängt, der aber als Leerfahrt bis Dresden mitfuhr. Bis Riesa war die Verspätung bei 29 Minuten, trotz einer etwa zwanzig Kilometerlangen LZB-geführten Überholung auf dem Gegengleis (waren drei Züge, die wir da überholt haben), und weil wir Dresden-Neustadt umfahren haben, kamen wir mit „nur“ noch 25 Miesen in Dresden an. Kein Problem, wenn man 57 Minuten Umsteigezeit hat. Während dieser Zeit sollten zwei ECs ankommen, einer aus Prag, einer nach Prag, leider war der eine viel zu spät (der aus Tschechien), und der andere hielt komplett in der Halle, so dass er etwas unfotogen dastand.

Kurz vor Leipzig-Leutzsch, wo wir aufgrund einer Signalstörung einige Zeit verbrachten

Mein eigentliches Ziel bei der Reise war aber nicht Dresden und die internationalen Schnellzüge dort (das kommt noch), sondern der Franken-Sachsen-Express; drei 612er, die von Dresden über Zwickau, Chemnitz, Hof und Bayreuth nach Nürnberg eilen. Der Bahnsteig war zwar schwarz vor Leuten, aber ganz vorne war fast keiner, so dass ich (zunächst) recht viel Platz hatte. In Chemnitz stieg dann eine Mutter mit Sohn (ca. 14) und zwei Töchtern (eine etwa gleich alt, eine eher 8-10 Jahre alt) ein, die sich bei mir niederließen. Die beiden Mädels saßen bei mir, Mutter und Sohn über den Gang. Bei der ersten Runde Stadt, Land, Fluss — Buchstabe H — kam keiner der Mitspieler auf einen Staat, und ich schrieb vollkommen zusammenhanglos auf meinen Block in großen Buchstaben „HONDURAS“ und „HAVEL“ (die ältere Tochter hatte bei Land und Fluss lücken, die Jüngere hat erst danach selbst mitgespielt). Die ältere Tochter schreibt also „Havel“ bei Land und „Honduras“ bei Fluss. Ähm, naja. Sie erkennt mein Zeichen und behauptet dann, sie habe die Überschriften verwechselt. War ja die erste Runde. Danach helfe ich zwar nicht mehr, höre aber immer mehr zu, trage einen Fluss mit J bei (alle hatten sich darauf geeinigt, dass sie keinen wissen, und ich bin neben Jade noch durch „Jerusalem“, „Judäa“ (hat nicht gezählt) und „Jesus“ auf den Jordan gekommen — ob es wirklich einen Fluss namens Jade am Jadebusen gibt, wusste ich nicht sicher) und komme so mit den vieren ins Gespräch. Die Kleine fragt nach meinem Kindle, und wir unterhalten uns über das Schöne Wochenende-Ticket (mit dem die vier von den Großeltern, Tanten und Onkeln in Sachsen nach Hause in München zurückfahren) und den Deutschland-Pass. Ja, im Auto hätte ich meine Ruhe gehabt. Und mich total auf die Landschaft konzentrieren können (also mit dem Teil in mir, der sich nicht auf die Straße konzentrieren muss und noch nicht vom vorhergehenden konzentrieren auf Straße und Landschaft ermüdet ist), aber ich habe auch während dem Gespräch viel von der sehr schönen Strecke gesehen und wirklich viel Spaß gehabt.

Blick vom und auf den Bahnhof Dresden mit Straßenbahn und ICE.

Eine Langsamfahrstelle kurz vor Nürnberg hat dann für 5 Minuten Verspätung gesorgt, was bei 10 planmäßigen Umsteigeminuten wesentlich kritischer als die Situation 5 Stunden vorher in Dresden war, aber als ich dann ans Gleis gehetzt war, sehe ich, dass der ICE sowieso „ein paar Minuten“ verspätet ist. Ich wollte grade darüber twittern, als ein Zug auf dem Gleis einfährt — allerdings nicht ganz der Zug, den ich erwartet habe, sondern ein Dampfsonderzug mit 52 8195 von den Eisenbahnfreunden Fürth (oder so). Dann kam auch die Ansage, dass der ICE heute von Gleis 7 führe, also musste ich nochmal den Bahnsteig wechseln. Der ICE aus Wien fuhr dann mit 16 Minuten Verspätung in Nürnberg mit der zweiten Klasse voraus und klarer Scheibe und freiem Sitzplatz ganz vorne los. Als ich Anfang Juni mit meiner Familie in München war, hatte ich mich gefragt, wieviel Luft eigentlich im Fahrplan zwischen Nürnberg und Würzburg ist, denn der Zug war durchgängig deutlich weniger als Höchstgeschwindigkeit gefahren (unter anderem komplett unter 150 km/h, trotz 25 km langer 200 km/h-Strecke) und genau pünktlich in Würzburg angekommen. Heute habe ich es rausgefunden: Es sind 10 Minuten drin. Die hatten wir nämlich mit ziemlich zügiger Fahrweise in Würzburg reingeholt. 230 km/h auf dem Weg zur Nantenbacher Kurve hinter Würzburg und das Ausfahren aller Geschwindigkeitserhöhungen im Spessart ließen uns dann etwa in Dettingen wieder komplett pünktlich sein (was durch zweimal Vr0 kurz vor Frankfurt Süd wieder zunichte gemacht wurde und in +3′ in Frankfurt Hauptbahnhof resultierte) — Kompliment an den Fahrer!

Da denkt man an nichts böses, wartet auf seinen ICE, und statt dessen fährt eine Güterzugdampflok mit einem Sonderzug durch den Nürnberger Hauptbahnhof und mein ICE drei Gleise weiter rechts. Ich scheine momentan Glück mit unverhofften Sonderzügen zu haben…

Also, zum Zusammenfassen: Im Auto kann man nicht lesen (das Buch war übrigens am Samstag schon ausgelesen). Man kann nicht Stadt, Land, Fluss spielen. Man sieht keine Junggesellinnenabschiede, und auch keine Junggesellenabschiede. Wenn man mal keinen Bock auf die Leute hat, kein Problem im Zug, Ohrhörer rein, Musik an und alles ist weg. Man kann auch nicht kurz mal die Landschaft Landschaft sein lassen und die Augen zu machen (okay, technisch gesehen kann man das schon, aber typischerweise immer nur einmal). Man kann Verspätungen auch wieder reinholen, auch wenn man nichts dafür tut. Man kann entspannen — man muss sich nur darauf einlassen. Oh, und bevor ich’s vergesse: Man kann auch das typische Schnellfahrstreckenfeeling auf 130 Jahre alten Strecken haben, zwischen Rupprechtstegen und Velden geht die Fichtelgebirgsbahn von Tunnel auf Brücke auf Tunnel auf Brücke und so weiter. War unerwartet und irgendwie cool. Und 160 km/h durch geschlossene Ortschaften geht zwar prinzipiell auch, aber da habe ich aus bestimmten Gründen doch bei der Schiene immer ein besseres Gefühl als mit dem Auto… (tl;dr, ich weiß.)

Deklassierte Nebenbahn

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Meine Deutschlandpassreisen in der letzten Woche führten mich am Mittwoch bei eigentlich viel zu schlechtem Wetter zunächst nach Limburg Süd. Der „ICE“, der mich dahingebracht hat, fungiert eher als Pendler-S-Bahn als „Zwischenstadtschnellverbindung“, was ja eigentlich den ICE ausmachen sollte, aber na gut. Ich kriege noch einen Sitzplatz und bin dabei recht glücklich, denn da das nur ein statt zwei 403 ist, ist’s ein wenig kuschelig. Nicht, dass ich nicht damit gerechnet hätte, aber die Dichte von Fahrgästen mit diesem schwarzen Fahrschein im Checkkartenformat ist wirklich extrem hoch. Naja, Berufspendler eben, die jeden Tag die Hochgeschwindigkeits-S-Bahn nehmen und daher die ganzjährige BahnCard 100 haben. In Limburg war’s zugig, nur der Zug, auf den ich gewartet habe, kam nicht. Am Ende hatte der ICE nach Mainz etwa 15 Minuten Verspätung, aber die zweite Klasse vorne und die Scheibe war transparent gestellt, sodass ich bis Wiesbaden freie Sicht auf die Strecke hatte. (Sitzplätze waren in diesem Zug kein Problem, man hatte eher den Eindruck, der einzige Fahrgast zu sein…) Eine andere Verspätung sorgte dann dafür, dass ich in Mainz einen IC nach Stuttgart bekommen habe, der eigentlich schon längst weggewesen wäre, und so konnte ich das zweite interessante Stück an diesem Abend ohne Umsteigen und recht zügig fahren — die Rheinstrecke zwischen Mainz und Mannheim über Worms und Ludwigshafen. Und durch einen Riesen-Zufall saß ich auf diesem Weg in einem Apmz, einem 1. Klasse-Großraumwagen, der nichtmal umgebaut, sondern einfach per Handzettel und Tesa-Film zur zweiten Klasse deklassiert war. Erste Klasse-Komfort im Auto möchte ich mal erleben! Dass ich in der Bahnhofsbuchhandlung in Mannheim dann das neue Buch von Terry Pratchett — Snuff — als langersehntes Paperback auf Englisch gesehen und gekauft habe, tröstete mich dann darüber weg, dass der nächste ICE nach Frankfurt 10 Minuten zu spät war. Ich konnte mich auf der Rückfahrt also in die Welt von Ankh-Morpork vertiefen und kam trotzdem sicher an (mach das mal im Auto, wenn du alleine unterwegs bist!).

Limburg Süd ist wohl der langweiligste Bahnhof Deutschlands: Nur ICE3, und die meisten davon fahren durch. Dafür ist es schon beeindruckend, wenn ein 400 Meter langer Zug in knapp 5 Sekunden an einem vorbeifährt, nur 10 Meter entfernt…
Straßenbahnen in Mannheim vor dem Hauptbahnhof.

Weiter ging es am Freitag abend (dass ich den Deutschlandpass auch für eine Dienstfahrt in die GSI benutzt habe, tut ja nix zur Sache). Ein nahes Ziel, das gerade so außerhalb des Semestertickets ist, ist Schöllkrippen und die dahin führende Kahlgrundbahn. Neben der schönen Landschaft kann man hier — mach das mal im Auto — pubertierende Jugendliche und ihr Balzverhalten studieren, sehr lustig.

Bei Kilometer 23,0 ist Schluss für die Kahlgrundbahn, und VT 302 wird nach 15 Minuten Wendezeit wieder den Rückweg von Schöllkrippen nach Hanau antreten.

Querverbindungen

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Jaa, eigentlich wollte ich ganz viel fahren dieses Jahr. Ich bin auch tatsächlich verhältnismäßig viel unterwegs gewesen bisher, aber letzten Endes doch noch nicht so richtig viel. Gut, dass ich keine BahnCard 100 gekauft habe.

Nun ist aber Sommer und ich habe mir einen Deutschland-Pass gekauft. Dieses schöne Angebot der DB kostet mich als Nichtmehrjugendlichen 299 Euro, und ich kann davon alles fahren, was ich will (d.h., den gesamten EBO-Nahverkehr und den DB-Fernverkehr außer Sprinter). Und das befreit nun tatsächlich von allen „das wäre aber Verschwendung“-Gedanken.

Also kann man ja mal einfach so rumfahren. Auf Strecken, die man als Frankfurter nie befahren würde, wie zum Beispiel FuldaWürzburg oder LimburgWiesbaden (jeweils auf der Schnellfahrstrecke). Oder MainzLudwigshafen. Eben die Querverbindungen, die an Frankfurt vorbeiführen (die nahen Regionalquerverbindungen bin ich alle schon mal mit dem Semesterticket gefahren, vor tausenden Jahren).

Gestern, am Sonntag, habe ich dann mal endlich damit angefangen. Eigentlich wollte ich an der Mosel entlangfahren, aber das Regenradar hat mir wenig Hoffnung gemacht. Also nahm ich einfach den nächsten ICE nach Würzburg und überlegte, ob ich nicht durchs Altmühltal fahren solle (also zwischen Treuchtlingen und Ingolstadt). Auf dem Weg kam mir dann die bessere Idee, ich könne von Würzburg nach Fulda fahren! Oh, und wie sieht es aus mit der MitteDeutschland-Verbindung? Tatsächlich kam ein Zug, der von München über Kassel ins Ruhrgebiet fahren sollte, nur 30 Minuten nach der nächstmöglichen Verbindung nach Fulda. Gebongt — ich fahre also nach Düsseldorf. Im Zug sitzend merke ich dann, dass dieser ICE3 12 Minuten nach Ankunft in Düsseldorf als anderer ICE weiterfährt — über Frankfurt nach München.

Naja, in Paderborn gab es dann wegen Vandalismus eine Türstörung, die uns 50 Minuten Verspätung eingebrockt hat (würde ja gerne mal wissen, was man da machen kann, das so lange nicht behoben werden kann), deswegen ist der Zug nur bis Dortmund gefahren und ich bin mit einem (noch nicht redesignten) ICE2 nach Düsseldorf gefahren (das war übrigens das erste Mal überhaupt, dass ich in einem ICE2 gesessen habe).

In Düsseldorf kam dann ein sehr sehr schöner Sonderzug vorbei, mit meiner Lieblingslokbaureihe vornedran… Der letzte Zug an diesem Tag brachte mich dann mit zwei Halten (Köln Messe/Deutz und Frankfurt Flughafen) ratz-fatz nach Frankfurt zurück. Weiter geht es wahrscheinlich Mittwoch Nachmittag.

Oh, übrigens: Die Strecke von Kassel nach Hamm ist ziemlich nett, die Zeit hat sich auf jeden Fall gelohnt!

Fast so hässlich wie Düsseldorfer Straßenbahn: Die Straßenbahn in Würzburg. Bullig. Ich habe keinen einzigen Wagen in Würzburg ohne Vollreklame gesehen — haben die überhaupt eigene Farben?
Ein Bild von einer Lok. Elegant, schnell, stark. Und mit einer zur Form passenden Farbgebung. Das war ein Sonderzug aus dem Osten (Görlitz/Dresden) nach Trier, mit TEE-Wagen inklusive Aussichts- und Speisewagen. Und welch ein Zufall, dass ich den gesehen habe! Mein ICE fuhr 5 Minuten später von Gleis 15.

Neues aus Zürich

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Im letzten Monat bin ich durchaus auch unterwegs gewesen, aber nie so lange und ausführlich, dass sich ein eigener Artikel wirklich gelohnt hätte. Aber nun:

Geärgert hatte ich mich an Christi Himmelfahrt. Weil die CDU-Dezernenten in Frankfurt per Rasenmähermethode alle Veranstaltungen in der Stadt verboten hatten, kam eine etwas bedrohliche Stimmung auf, die meinen Arbeitgeber dazu bewogen hat, das Gebäude am Brückentag zu schließen, man weiß ja nie (und das 10 km von der Innenstadt entfernt, na gut). Die Ankündigung dazu kam am Mittwoch um 17:30 Uhr. Wirklich realisiert, dass ich dadurch viereinhalb Tage zum Reisen hatte, habe ich aber erst am Donnerstag nachmittag, und da war das Zeitfenster für anstehende Touren schon vorbei. Schade.

Dann gab’s die Woche drauf eine Feier zum Beginn des dritten Drittels des Frühlings, zu der ich einige Freunde eingeladen hatte, und das Wetter hat zum Glück mitgespielt. Am Wochenende wollte ich dann mein neues Intelligentes Telefon mit auf die Gitarrenorchesterfreizeit nehmen, habe dann aber festgestellt, dass Twittern ohne Handynetz nicht wirklich geht. Schade.

Endlich wirklich unterwegs war ich dann am 3. Juni, als ich nach Koblenz fuhr, um im strömenden Regen die Sonderfahrten der E 69 zu fotografieren. Der Freundliche Herr in Blau war am Freitag schon hingefahren und nahm mich dann mit dem Leihwagen wieder mit nach Frankfurt.

Tags drauf ging es dann mit Eltern und Schwester im Zug nach München, um abends in die Generalprobe von Neues aus der Anstalt zu gehen, bei der Gelegenheit habe ich mich mit meiner alten Bürokollegin, die jetzt in München arbeitet, getroffen, und alte und neue Geschichten ausgetauscht. Die Rückfahrt am nächsten Tag war dank des netten Tf mit freier Sicht nach vorne. Juchuh.

Die letzte belanglose Episode der letzten dreißig Tage führte mich mit 4 Freunden letztes Wochenende nach Zürich, um zwei sehr gute Freunde zu besuchen und ihnen Apfelwein vorbeizubringen. Die Hinfahrt am Freitag war mit Nahverkehrszügen in 7:07 Stunden und fünf Umstiegen, die Rückfahrt nach zwei Stunden Schlaf um 6 Uhr morgens ab Zürich mit dem ICE. Ich bin mir noch nicht sicher, was anstrengender war. Zwischendurch konnte ich am Walensee wandern, über den Zürichberg spazieren, das Auftakt der Deutschen bei der Fußball-EM ansehen und wenig schlafen. Und am Montag im Büro habe ich es sogar bis zum Feierabend ausgehalten, ohne einzuschlafen!

Und ich erwähne das erst unten, weil es eigentlich eh klar ist: Alle Anschlüsse auf allen Fahrten (auch die 9 Minuten in Karlsruhe und die 3′ in Winterthur) haben geklappt. Das Schlimmste waren 9 Minuten Verspätung bei der Fahrt nach Koblenz, der Rest war durch die Bank weg bei < 3′ Verspätung und bei bis zu 3′ zu früher Ankunft. Kann man da meckern?

Polen statt Binz!

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Nun war ich also in Husum angekommen, nachdem ich schon Norddeich, Bremen und Sylt hinter mir hatte. Und nun gings los: Gefühlte 85 Kilometer durch Schleswig-Holstein ohne Halt. Dabei kommt man zwschen Husum und Jübek durchaus an Siedlungen vorbei, aber scheinbar gibt es da ein zu kleines Verkehrsaufkommen. Die Nord-Ostsee-Kanal-Brücke in Rendsburg ist wesentlich beeindruckender (wenigstens beim drüberfahren) als die Querung der Marschbahn, aber beide sind wirklich beeindruckende Bauwerke. Nach Kiel, einem absolut langweiligen Bahnhof mit etwa 1,3 Fernverkehrszügen pro Tag, einer 112+Doppelstockwagen nach Hamburg pro Stunde und sonst VT 648, soweit das Auge reicht, ging es nach Lübeck, in Plön vorbei mit einem schönen Blick auf den dortigen See. In Lübeck gibt es recht regen Bahnbetrieb (vergleichsweise wenigstens), und mit einem 628 dann direkt nach Mecklenburg-Vorpommern. Ein Großteil der Strecke nach Bad Kleinen hat dabei den Eindruck gemacht, mal zweigleisig gewesen zu sein oder zumindest so konzipiert gewesen zu sein, aber in jedem Fall war es eine sehr schöne Fahrt. Von dort dann mit dem Zug aus Hamburg (120² + Doppelstockzug) nach Rostock, und weiter mit dem FLIRT Richtung Rügen, aber ich fuhr bis Ribnitz-Dammgarten West, um dort in der Jugendherberge zu übernachten. Ziel waren eigentlich Binz und Sassnitz auf Rügen gewesen.

Dann kam mir die Idee, auch nach Usedom zu fahren. Am nächsten Morgen jedoch erstmal gut ausgeschlafen (Wecker um 6:30, da habe ich die Uhr am Handy wieder umgestellt), aber von den Sanitäranlagen nicht sehr begeistert im Zug um 7:24 Richtung Sassnitz gesessen. In Stralsund sind 10 Minuten Aufenthalt, die ich genutzt habe, um einen Faltplan der Usedomer Bäderbahn zu holen, denn da ich diese Idee nicht vorher hatte, habe ich die entsprechenden Kursbuchtabellen auch nicht auf meinem Kindle gespeichert. Auf dem Weg nach Sassnitz also hin- und herüberlegt, und am Ende hat ein Münzwurf entschieden, nicht nach Binz zu fahren, sondern von Sassnitz direkt zurück und in Usedom ganz durchzufahren, um die Grenze nach Polen zu überschreiten (da war ich nämlich noch nie gewesen vorher). Auf dem Weg gab es noch Probleme mit der Fahrkarte, aber davon habe ich ja heute morgen schon ausführlich geschrieben. Lustig war noch eine Szene beim Umsteigen in Züssow, wo ich 16 Minuten Zeit hatte: Ich frage die Zub, ob ich denn noch Zeit hätte — jaja, kein Problem — und ob es denn in der Nähe des Bahnhofs irgendwas gäbe, was sich anzugucken Sinn machen würde. Sie guckt sich mit einem Einheimischen an: „naja, da hinten gibt’s das Toilettenhäuschen, ha, ha.“ Ich sagte, dass ich dachte, es gäbe vielleicht irgend eine Art von Infrastuk-t… äh, ok, den Blicken entnahm ich, dass ich doch eigentlich wissen müsste, dass ich hier in Mecklenburg-Vorpommern bin. Oh. Je.

Sehr schöne Blicke auf Usedom, eine Stadt in Polen, die enorm modernisiert wird, und dann erste-Klasse-Beinfreiheit in einem zum zweite-Klasse-Wagen umgebauten Wagen beim „InterCity“ zurück. In Anführungsstrichen steht das, weil der, bevor er Usedom nach 50 Minuten verlässt, 8 mal gehalten hat (und dabei 13 Minuten Standzeit hat). Das ist zwar marginal schneller als die UBB auf der gleichen Strecke, und der Zug ist als Ferienexpress (also das klassische Anwendungsgebiet der InterRegios früher) dafür da, auf Usedom eben alle Feriengäste einzusammeln, aber ein wenig lustig ist es schon.

Die Fahrt durch Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg war so, wie man sich das da vorstellt: Eine Öde neben der Anderen. Und das zieht sich. Ich meine, mal ernsthaft: Man braucht 2 Stunden für 160 Kilometer recht gerader Strecke von Züssow nach Bernau. Alter. In Berlin fand ich dann Vorurteile bestätigt: Der Döner am Rathausplatz in Spandau war zwar billiger als in Frankfurt, aber fettig, das Brot nicht knackig gebacken, und ich habe danach lieber ein Bier getrunken, damit mir nicht zu schlecht wird. Und ein besoffener stand neben mir und hat meinen persönlichen Wohlfühlradius doch etwas stark eingeschränkt, und eigentlich auch den von anderen Leuten, aber das schien niemanden zu stören. Berlin, ey.

Und wieder mal der Hinweis: In den drei Tagen mit 17 mal Umsteigen war fast alles Pünktlich, und jeder Umstieg hat geklappt. Geht doch. Leider war mein Hamburger Kontaktmann in Leipzig, sodass ich mich mit ihm nicht treffen konnte, dafür konnte ich von Westerland durch die Holsteinische Wallachei fahren und habe daher mehr gesehen.

Der Marktplatz in Ribnitz, mit Kirche, Italiener, Grieche, und dem Hafen um die Ecke.
Ein Stadler-FLIRT aus Rostock nach Sassnitz am Sonntag morgen bei Einfahrt in Ribnitz-Dammgarten West Bf.
Der Bahnhof Świnoujśce Centrum. Früher ging es hier weiter zum Hafen und nach Usedom (Stadt).
Der InterCity von Heringsdorf nach Köln. Die 218 drückt die drei Wagen in Züssow an den IC aus Stralsund dran (aber die Zugnummer von diesem Zug fährt weiter) und wird dann bis Berlin Gesundbrunnen geschleppt. Der dritte Wagen, man kann es kaum sehen, ist ein eigentlich ein Avmz, aber umgezeichnet zum 2.-Klasse-Wagen. Wu-hu!
Auf dem Weg von Berlin nach Frankfurt fällt mir dieses Detail an der Zuglok der Baureihe 101 auf. Gut so: oben bleiben!

Norddeich und Sylt

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Ich hätte ja auch an den Atlantik fahren können. Nach Lissabon, um genau zu sein. Das wollte ich ja eh mal machen, und ich hätte dieses Wochenende sehr nette Begleitung haben können. Aber relativ spontan (zwei Wochen im voraus buchen) hätte das immernoch 470 Euro gekostet. Da plane ich das lieber mal mit viel Vorlauf irgendwann und mache das in Ruhe.

Statt dessen war ich am Wochenende gen Norden unterwegs, am Freitag hatte ich ja noch Urlaub. Wollte ja schon lange mal nach Bremen, weil das das einzige Bundesland ist, in dem ich noch nie außerhalb des Bahnsteiges war (und das auch nur 2 Minuten an einem Montag morgen — diese Fahrt hier). Aber naja, drei Tage, da kann man ja noch mehr machen, oder? Ich hatte diese Überlegung, wohlgemerkt, in Unkenntnis der typischen Verkehrsdichten in Norddeutschland gemacht.

Freitag morgen 7:42 Uhr fährt mich also ein IC nach Münster (übrigens genau der Zug, den meine Eltern sieben Tage vorher nach Bonn genommen hatten), ein RE nach Emden und ein anderer RE nach Norddeich/Mole. Von dort aus mit dem IC nach Bremen. Da die Anschlüsse nicht so der Hammer sind und der erste RE in Meppen 20 Minuten steht, und der IC zwischen Leer und Oldenburg alle 7 Minuten hält (kein Witz — drei Halte in 15 Minuten), dauert das ganze ein wenig, und nach einer halben Stunde in Bremen (aber ich war da!) fahre ich mit einem IC nach Hamburg, um dort in Altona in ne RB nach Glückstadt umzusteigen. Dort gibt’s nämlich eine Jugendherberge. Wenigstens alles pünktlich, bis auf den letzten IC, aber in Kopfbahnhöfen muss man ja keine Treppen laufen beim Umsteigen (eat this, Stuttgart!) und von den 8 Minuten blieb dann noch eine übrig, die auch gereicht hat.

Frühstück gäbe es schon ganz früh morgen, wegen der Gruppe, die gerade da sei, erzählte mir der Zivi an der Rezeption ganz stolz. (Oder heißt das jetzt BuFDi?) Schon um 7 Uhr 15! Wow. Mein Zug fährt um 7:07 Uhr ab. Dass ich mein Handtuch vergessen hatte, bemerkte ich erst auf dem Zimmer. Ich hatte mein Jugendherbergschlafsack dabei, und so ein Leinentuch kann in der Not auch gut abtrocknen. Die drei Herren, mit denen ich das Zimmer teilte, waren Radfahrer, aber da ich um kurz vor 6 aufstand, habe ich nicht viel mit ihnen reden können.

Um 6 Uhr aufzustehen, benötigt typischerweise einen Wecker. Aber da man heutzutage ja immer ein Handy dabei hat — kein Problem! Denkste. In dem momentanen Zustand meines Handys war es praktisch unmöglich, den Wecker zu stellen. Aktivieren konnte ich ihn aber, steht halt nur auf 8:30 Uhr, da ist der Zug nach Westerland aber schon längst weg. Nach einigem Rumprobieren kam mir dann die Idee, einfach die Uhr umzustellen, so dass das Handy denkt, es ist 8:30 Uhr, wenn es eigentlich erst 6 Uhr ist. Nach etwas nachdenken darüber ist mir dann aufgefallen, dass ich das Handy noch in die richtige Richtung umstellen sollte, und am Ende war ich dann eh 10 Minuten vor 6 wach. Na toll.

Anyways, am nächsten Morgen dann mit der Nordostseebahn nach Westerland auf Sylt. Hinter Niebüll gab es eine verspätete Zugkreuzung, deswegen hatte ich von den 15 Minuten in Westerland nur noch 10, aber das reichte für ein paar Bilder und einen kleinen Eindruck von der Stadt aus (den nächsten Zug wollte ich nicht nehmen, weil wegen der Kreuzungen 6 Minuten Umsteigezeit in Husum zu wackelig gewirkt haben, statt der 36 Minuten, die ich so hatte). Zurück über den Hindenburgdamm und eben bis Husum, wo ich in den Zug nach Kiel umsteigen wollte. Der hatte dann tatsächlich Anschluss auf den NOB aus Westerland abgewartet, sodass ich ruhig noch auf Sylt hätte bleiben können.

Kleine Geschichte am Rande: In der NOB saß ein junger Mann ohne Bargeld, der an der Haltestelle kein Ticket kaufen konnte, weil der Automat kaputt war. Im Zug geht aber nur mit Bargeld. Hätte nicht eine freundliche Frau seine Fahrkarte für ihn bezahlt, wären das scheinbar 40 Euro gewesen. Gibt’s da nicht ne Regelung (oder Regelkonforme Möglichkeit), am nächsten Bahnhof zu sagen „Kaufen Sie sich hier am Automaten eine Fahrkarte, wir warten so lange“?

Fortsetzung folgt.

Das Beweisfoto: Ich war in Bremen. Im Hintergrund der Bahnhof und eine Straßenbahn.
Zug der NOB und Autoshuttle in Westerland.
Statuen vor dem Bahnhof Westerland. Die stehen windschief und die Kinder haben das Gesicht falschrum. Kunst, ey.
IC in Husum auf dem Weg nach Westerland. Mal mit dem „Gegenlicht“-Modus meiner Kamera fotografiert. Ich glaube, da muss ich noch ein wenig dran rumprobieren, bis ich die komplett gut bedienen kann.

Betrug!?

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Aus aktuellem Anlass schreibe ich mal zusammenhangslos von einer Fahrkartenautomatgeschichte, der Zusammenhang kommt dann später:

Ich wollte von Sassnitz (auf Rügen) nach Ostseebad Heringsdorf (auf Usedom) fahren und dabei über Świnoujśce fahren (von Heringsdorf aus dann mit dem IC heim, aber das ist unwichtig). Świnoujśce liegt hinter Ostseebad Heringsdorf, sodass die Strecke zwischen beiden Bahnhöfen hin- und herbefahren werden müsste. Da ich nicht komplett mit allen Tarifbestimmungen der Bahn vertraut bin, gehe ich also Sonntag morgens in Sassnitz an den Automaten der DB und suche eine Verbindung, die das beinhaltet. Ergebnis:

Bahnhof Uhr Zug
Sassnitz ab 09:06 RE 13006
Stralsund Hbf an 09:57
Stralsund Hbf ab 10:14 RE 69633
Züssow an 10:49
Züssow ab 11:07 UBB 29419
Swnioujscie Centrum an 12:40
Swnioujscie Centrum ab 13:18
Seebad Heringsdorf an 13:28

Zu genau dieser Verbindung wird mir ein Preis genannt — € 15,05 mit BahnCard 50, billiger als alle Nahverkehrssondernetzangebote — und ich kann zu genau dieser Verbindung eine Fahrkarte kaufen. Der Automat weist mich in keinster Weise darauf hin, dass eine solche Fahrkarte grundsätzlich nicht verkauft werden darf. Eine halbe Minute später bin ich also 15,05 € ärmer und um diese Fahrkarte reicher (am Anfang natürlich ohne die Zangenabdrücke):

Und diese Fahrtkarte ist gültig von Sassnitz bis Heringsdorf, aber nicht über Świnoujśce. Weil ich immer interessant finde, was da bei den VIAs steht, ist mir das aufgefallen. Frage bei der Zub im RE nach Stralsund: Aber da müssen sie ja gar nicht über Świnoujśce fahren — ja, aber da will ich doch langfahren. „Fragen Sie mal in Stralsund im Reisezentrum.“

Praktisch die selbe Auskunft bekomme ich ebenda, und die Dame versucht mir zu zeigen, dass ich ja auch gar keine Fahrkarte für diese Verbindung würde buchen können. „Sehen Sie hier, gibt mir keinen Preis! Und jetzt ohne über Świnoujśce: … Oh, auch kein Preis. Achso, hier… da… so, jetzt: Also, direkt, 15,05 €. Na, da haben sie ja wenigstens nicht zu viel bezahlt. Jetzt guck ich aber doch noch mal über Świnoujśce: Ähm. Da steht jetzt auch der Preis. Aber das dürfte doch gar nicht sein!“

Ich sollte die Zub im Zug der Usedomer Bäderbahn fragen, zur Not könne ich dort ohne Aufpreis nachlösen. Gesagt, getan. Die freundliche Zub guckt sich das an und sagt mir, ich solle den Reiseplan behalten und dann den Kollegen zwischen Heringsdorf und Świnoujśce vorzeigen, eventuell müsste ich dann € 2,50 bezahlen. BahnCard-Rabatt gibt es natürlich nicht. Bis Świnoujśce behelligt mich niemand mehr — bin ich also jetzt schwarzgefahren? Bei der Rückfahrt dann gleiches Spiel mit einer anderen Zugbegleiterin „die ist hier aber nicht gültig“ — aber ich habe doch genau diese Fahrkarte für genau diese Verbindung gekauft!“ — „Ich gucke mal nach, geben Sie mal her“. Sagt’s, verschwindet nach vorne (keine Ahnung, mit wem sie sich konsultiert), kommt zurück mit „nee, geht nich.“

Im nachhinein ärgere ich mich, dass ich nicht behauptet hatte, kein Bargeld zu haben. Was wäre dann gewesen? Hätte ich in Świnoujśce bleiben oder zurücklaufen müssen (aber ich wollte dann den IC nach Köln nehmen)? Im Reisezentrum der UBB in Heringsdorf erzählt mir dann die Schalterbeamtin, dass dieses Problem öfters auftaucht und ich mich doch mal als Kunde an die Bahn wenden solle (habe ich getan), denn mir wird vielleicht eher geglaubt als denen.

Falls das alles zu sehr gemecker ist: Ich möchte ganz besonders alle beteiligten Mitarbeiterinnen der DB Regio Mecklenburg-Vorpommern und der UBB loben. Alle waren sehr freundlich und keine von ihnen trifft eine Schuld. Und da ich nunmal auf die VIAs gucke, hat mich das ganze am Ende auch nicht unvorbereitet getroffen (wenn ich auch jedes Mal ahnungslos getan habe). Mein Problem ist ganz einfach, dass ich weder vor dem Bezahlen noch danach darauf hingewiesen werde, dass die Fahrkarte nicht für die ausgewählte Verbindung gültig ist, und das Problem ganz offensichtlich öfters auftritt und bekannt ist. Das ist für mich nahe am Betrug.

Ich schreibe das hier alles nicht, weil ich 2,50 € wiederhaben will (denn mit BahnCard-Rabatt in beide Richtungen hätte ich pro Strecke 0,55 € bezahlt), denn ich war nicht schnell genug im Denken, um 40 Euro zurückfordern oder deren Zahlung ablehnen zu können. Nein: Ich schreibe das, weil ich es einfach nicht in Ordnung finde, dass ein bekanntes Problem, das Leute zum unabsichtlichen Schwarzfahren bringt, bestehen bleibt.

Disclaimer: Wörtliche Reden in diesem Beitrag sind nicht wirklich wörtliche Reden, sondern paraphrasierte Aussagen mit gleichem Inhalt.

Tagestrip nach Amsterdam

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Ich habe ja vor vier Wochen versprochen, dass ich von meinen Reisen berichten werde. Nun habe ich den nächsten Ausflug hinter mir. Sonntag vor einer Woche fuhr ich am frühen morgen mit dem ICE nach Brüssel und von dort nach Amsterdam. Amsterdam war mein eigentliches Ziel; ich war bis jetzt noch nie in den Niederlanden.

So hatte ich also 3 ½ Stunden Zeit, um mir Grachten, Häuser, Coffeeshops (nur von außen) und Schaufensterbordelle (auch nur von außen) anzugucken. Die ersten beiden Dinge sind wirklich sehenswert, Nummer drei und vier muss ich jetzt nicht nochmal sehen. Nun finde ich zwar holländische Eisenbahn nicht so richtig hübsch, aber der Bahnhof ist wirklich ganz nett, also habe ich noch ein paar Bilder gemacht.

Alleine für die Fahrten mit dem ICE hat sich aber der ganze Trip gelohnt: Sowohl nach Brüssel als auch von Amsterdam ist die zweite Klasse vorne, und beim ICE 3 kann man vorne rausgucken, wenn der Tf die Scheibe klar lässt — und beide haben das getan. Super-Sicht nach draußen, und ich konnte meine neue Kamera gut ausprobieren. (Wobei, die Sicht an sich war nicht überall toll, bei der Hinfahrt gab es im Westerwald bei Tempo 300 auch schon mal Nebel mit weniger als 50 Metern Sichtweite.)

Am Ende war ich 15 Stunden unterwegs, davon etwa 7 ½ Stunden im ICE. Meine neue Kamera — eine Nikon S6300 — hat ihren ersten Bewährungstest gut bestanden, bis jetzt bin ich sehr zufrieden. Ich hoffe, dass ich noch viele Fahrten damit machen kann!

Ganz nebenbei fahre ich weiterhin fleißig mit meinem Fahrrad. Nachdem es in der Werkstatt war und eine neue Hinterachse, neue Seilzüge und neue Bremsklötze bekommen hat, läuft es wie Butter. Die 11000 km-Marke habe ich schon vor zweieinhalb Wochen erreicht, und nun bin ich bei 11162 km. Zeit für neue Ziele? Noch vier Wochen bis Ostern; wenn ich bis dahin jeden Tag mit dem Fahrrad ins Büro fahre, bin ich etwa 110 km gefahren. Sagen wir, neues Ziel bis Ostern also 11300 km!? Dann darf ich aber nicht mehr jedes Wochenende ne große Bahntour machen ☺

Zugkreuzung auf der LGV hinter Liège.
Amsterdam Centraal Empfangsgebäude.
Amsterdamer Gracht. Schee, oder?
Sprinter Lighttrain bei Ausfahrt aus Amsterdam Centraal nach Westen.
VIRM an der Ostseite von Amsterdam Centraal mit dem Flügelrad auf der Bahnsteigshalle.

Frankfurter U-Bahnen

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Die letzte Frankfurter U-Bahn-Generation (Typ U5-25, Nummern 601-654) hat zwar noch nicht ganz alle Kinderkrankheiten ausgeräumt, aber trotzdem gibt es schon einen neuen Typ, der momentan probefährt: U5-50, mit den Nummern ab 801. Im Moment fahren die ersten vier Wagen — jeweils zwei zusammengekuppelt zu einer 50 Meter langen, begehbaren Einheit — als 100 Meter langer Zug über die A-Strecke Probe, und kommen dabei auch an meinem Büro vorbei. Und weil mir nette Leute manchmal Bescheid sagen, kann ich auch hin- und wieder Bilder vom Dach machen.

Außerdem gibt es wenige Seitenansichten vom eigentlich schönsten Wagen, der in dem Frankfurter „Subaru Vista Blue“ rumfährt, nämlich der für den Hessentag 2011 letztes Jahr gestylte U2h 330. Beides zusammen Grund genug, mal wieder einen Bildpost zu machen.

Probefahrt von 803+804+802+801 von Ginnheim/Niederursel kommend in Richtung Gonzenheim. Ich finde ja etwas schade, dass das schwarze Fensterband nicht am Ende der Einzelwagen (also an dem breiten Übergang) fortgesetzt wird… Blick vom FIAS Richtung Weißkirchen.
Gleicher Zug, ungefähr 10 Sekunden später. Vor einem Jahr war dahinter noch ne Baugrube.
Probefahrt von 801+802+804+803 von Gonzenheim Richtung Niederursel (die Rückfahrt).
Probefahrt von 801+802+804+803 von Gonzenheim Richtung Niederursel (die Rückfahrt)
Probefahrt von 801+802+804+803 von Gonzenheim Richtung Niederursel (die Rückfahrt).
Seitenansicht von U2h 330 bei Einfahrt in die Heddernheimer Landstraße (Richtung Ginnheim). Das Graffity (das zusätzliche, zerstörerische meine ich) am letzten Fenster fällt zum Glück nicht so stark auf.
U2h 330 bei Ausfahrt Fritz-Tarnow-Straße Richtung Südbahnhof von der noch unveränderten Seite.

Reisepläne

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Ich bin in letzter Zeit relativ viel Bahn gefahren, aber das habe ich ja schonmal erzählt. Meine Reiselust ist dadurch aber eher nicht vergangen, sondern eher größer geworden. Nun ergibt es sich momentan, dass ich ab erstem April das erste Mal seit Menschengedenken keine Fahrkarte für den ÖPNV mehr habe, also ist Handlungsbedarf gegeben. Wer mich kennt, weiß, dass ich auf keinen Fall komplett ohne Fahrkarte sein will, also ergeben sich für mich zwei Alternativen: Jahreskarte des RMV für Frankfurt für € 769,30, und für eventuelle Bahn-Fahrkarten extra bezahlen, oder die BahnCard 100 für € 3990,00, mit der ich den ÖPNV in Frankfurt auch benutzen kann (und in Bad Homburg und in Oberursel und in Darmstadt und und und). Solange ich pro Woche weniger als 62 Euro außerhalb Frankfurts verfahre, ist die Jahreskarte billiger. Wenn ich öfters fahre, würde ich mir allerdings sowieso eine BahnCard 50 für € 240,00 anschaffen, mit der ich dann 114 Euro (Normalpreis) pro Woche verfahren müsste, bevor sich die BahnCard 100 lohnt.

Was ist also die bessere Variante? Zum Glück hat man ja Freunde wie den @Fips_Schneider, der da eine richtig gute Idee hatte: Mit der Sicherheit, dass ich es nicht schaffen werde, an Wochenenden oder im Urlaub wirklich soviel zu fahren, dass sich eine BahnCard 100 wirklich gelohnt hätte, aber mit der Bereitschaft, das Geld schon auszugeben, kaufe ich mir einfach eine Jahreskarte für Frankfurt, eine BahnCard 50 (ob ich die 25er behalte, weiß ich noch nicht) und überweise mir jeden Monat € 248,40 auf ein eigenes Reise-Konto, von dem ich Reisen bezahle. Das hat den Vorteil, dass ich von dem Geld auch mal ins Ausland fahren kann, was ich mit einer BahnCard 100 mit Sicherheit nicht machen würde (denn ich habe ja schon viel Geld fürs Bahnfahren bezahlt). Also, win-win-Situation!

Und dann habe ich auch wieder Anlässe, was ins Blog zu schreiben. (Der Grund für diesen Post war neben der Darlegung meiner Gedanken und dem Dank an Fips, dass ich was interessantes für meinen 500. Tweet haben wollte ☺ )

Pech im Harz

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Ich bin in letzter Zeit relativ viel Bahn gefahren, die letzte große Tour ging vor drei Wochen quer durch Deutschland, von Frankfurt über Hamburg, Berlin, Leipzig, Nürnberg und Stuttgart zurück nach Frankfurt. Sehr lange schon habe ich keine größeren Störungen beim Bahnfahren erlebt, meistens war alles pünktlich oder nur wenig verspätet, so dass ich keine Probleme mit Anschlüssen hatte (oder ich hatte keine Anschlüsse zu erreichen). Wohl gemerkt, ich rede hier von der großen Bahn, nicht von der Frankfurter U- und Straßenbahn, aber das ist eine andere Frage. Jedenfalls, bevor ich weiterschreibe, möchte ich unterstreichen, dass ich mit der Zuverlässigkeit der Deutschen Bahn sehr zufrieden bin.

Nebel auf dem Brocken

Am Wochenende war ich sehr spontan mit meinen Eltern im Harz, um das Wahnsinns-Winterwetter der letzten Woche im Schnee mit Plandampf der Harzer Schmalspurbahn zu nutzen. Meine Eltern fuhren schon am Freitag mit einem Leihwagen nach Werningerode, ich kam am Samstag morgen mit dem Zug nach. Der Plan sah vor, mit dem ICE nach Göttingen zu fahren, Umsteigen nach Goslar, von dort nach Vienenburg und schließlich nach Wernigerode, wo ich um 10:42 ankommen sollte. Der nächste Zug auf den Brocken wäre um kurz vor 12 gefahren, aber das ist ja ok.

Die Pläne waren kurz hinter Göttingen zunichte, nachdem der Schaffner jedem Fahrgast einzeln kurz angebunden sagte, in Northeim stehe ein Ersatzzug bereit. Die Zusatzinfo, dass Northeim der nächste Bahnhof ist, gab es allerdings nicht. In Northeim stand dann irgendwann auch mal der Ersatzzug an der Information, mit 20 Minuten Verspätung. Umsteigezeit in Goslar waren 12 Minuten, die Information, dich ich in Northeim bekommen habe, sagte mir, dass ich keine Chance habe, früher als zwei Stunden zu spät in Werningerode anzukommen. Auf dem Weg nach Goslar überlegte ich mir dann, ob ich nicht über Bad Harzburg fahren kann, um Zeit in der Kälte zu sparen, aber mein Handy hat keine Internetverbindung bekommen und ein Zugführer war im Ersatzzug auch nicht da. Also, in Goslar aussteigen, sofort zum Fahrkartenautomat gerannt, um Auskunft für Bad Harzburg → Wernigerode zu bekommen, und in dem Moment, in dem ich sehe, dass ich von Bad Harzburg aus mit nur 55 Minuten Verspätung nach Wernigerode gekommen wäre, fährt der Zug schon aus. Also habe ich was in Goslar gegessen, mich an dem hübschen Dörflein erfreut und den verschneiten Bahnhof als Fotomotiv benutzt.

Der Rest des Wochenendurlaubs war dann unwahrscheinlich toll, zwei schöne und grundverschiedene Tage auf dem Brocken verbracht (einer komplett vernebelt, einer mit klarem Wetter) und auf dem Rückweg meine Schwester besucht. Und tausende Bilder gemacht. Juchuh.

VT 648 aus Göttingen bei Einfahrt in Goslar. Der Bahnhof Goslar wurde vor nicht allzulanger Zeit barrierearm umgebaut, dabei sind zwar die Bahnsteige modernisiert, aber sowohl Bahnsteigsdächer, Signale als auch Stellwerk sind noch alt. Schönes Ensemble!
Durch kleine unvernebelte Luftpakete gab es am Samstag manches mal „Spotlights“ auf irgendwelche Gegenstände, deren Stimmung nur schlecht durch die Bilder wiedergegeben sind. Hier wird das Oberteil der Sendeantenne beleuchtet, während der Unterteil kaum zu erahnen ist.
Dampf im Harz auf dem Weg zum Brocken am klaren Sonntag.
Kurz vor Einfahrt in den Bahnhof auf dem Brockenplateau dreht sich der Zug hier gerade in die Sonne rein, während nicht nur ich zwischen den Wagen stehe und fotografiere (direkt vor mir steht mein Papa).
Unser Zug zurück kommt hier mit ca. 15 Minuten Verspätung am Brocken an. Da die Lok um den Zug herumfahren muss, bevor es weitergeht, haben wir danach noch genügend Zeit, zum Bahnhof zu laufen, und Sonntags um 12 Uhr fährt auch noch kaum jemand vom Brocken runtern (die kommen ja grade erst alle an).

Logik in Blöcken

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Im Einrichtungs-Bereich der nicht-sichtbaren Strecke wird ein Blocksystem eingebaut. Wieviele Blöcke das sein werden, steht noch nicht fest, aber das mindeste sind die Blöcke B1.T und B1.H, der Schattenbahnhof S und ein Block in C (siehe Skizze). Ich gehe davon aus, dass ich n+1 Blöcke vor dem Schattenbahnhof (B1.T, B1.H und B2 bis Bn) habe, sowie m Blöcke hinter dem Schattenbahnhof (C1 bis Cm). Um Wendezüge zu ermöglichen, muss der ganze Block abgeschaltet werden, und nicht nur ein kleiner Teil vor der Halteposition. Um Achszähler zu vermeiden, werde ich davon ausgehen, dass die Züge nicht abreißen.

In jedem Block gibt es vier logische Punkte: Den Anfang A, den „Frei“-Punkt F, den Stop-Punkt S und den End-Punkt E. Punkt A im Block i ist identisch mit Punkt E im Block i+1. Der Abstand von A und F im gleichen Block muss größer oder gleich der längsten zulässigen Zuglänge sein, und der Abstand von S und E muss größer des längsten möglichen Bremsweg sein. Ich bin mir nicht sicher, ob es Sinn machen könnte, zu erlauben, dass Punkt S vor Punkt F kommt. An Punkten F und S stelle ich mir als Kontakte Lichtschranken vor.

Zur Namenskonvention: Anfang: Der physikalische Beginn des Blockes, Frei: Ab hier ist der letzte Block frei, Stop: Ab hier muss die Spannung abgeschaltet werden, falls der nächste Block nicht frei ist, Ende: das Ende des Blockes.

Ein Block kann vier verschiedene logische Zustände haben:

F
Frei: Kein Zug im Block oder Zug zwischen A und F. i-1 ist A.
E
Einfahrt: Zug zwischen F und S. i-1 ist nicht A.
W
Warten: Zug zwischen S und E, Ausfahrt nicht erlaubt. i+1 ist nicht F.
A
Ausfahrt: Zug zwischen S und E, fährt nach i+1 aus. i+1 ist F.

Damit ergeben sich folgende mögliche Kombinationen aus Auslösen der Schalter S und logischem Zustand des Blockes i+1 Z:

Zustand Lichtschranke Resultat
F F i-1:F; Einfahrt. i:E
F S Darf nicht passieren!
E F Einfahrt.
E S Halteposition erreicht: Wenn i+1:F, dann i:A, sonst i:W
W F Zug steht und ragt nach hinten (ok)
W S Zug steht und ragt nach hinten (ok)
A F Ausfahrt (ok)
A S Ausfahrt (ok)

Es werden also zwei Zustände von außen geändert (A und F), und zwei intern (E, W). Die Ausfahrt vom Schattenbahnhof nach C1 ist prinzipiell identisch zur Fahrt von den Blöcken B1 nach B2, nur, dass die Ausfahrt von S nicht automatisch getriggert werden soll. Die Einfahrt in den Schattenbahnhof hat als Besonderheit nur, dass das „Frei“-Signal auf kompliziertere Weise erzeugt werden muss und mit den Weichen übereinstimmt.