Ruskevær

Original-Post (Tag 91) Sauwetter.

Update: Unglaublich, wie schnell manche Fragen beantwortet werden: gestern fragte ich, wann ich die Sonne wiedersehen würde (siehe unten), und heute war sie schon wieder in voller Pracht da. Da der Mond schon über Nacht da war, war es saukalt, mit zugefrorenen Pfützen und so, und dieser einen Nebenstraße, bei der ich ein Momentchen zu lange in der Gegend rumgeguckt habe… Keine Angst, bin gesund, mehr darüber bald!

Oh Mann, schon 91 Tage… Und ab Freitag oder Samstag bewohne ich diese Wohneinheit wieder alleine; Sylvan hatte sich schon vor langer Zeit auf einen Platz in einer Achter-WG beworben und wurde endlich genommen. Ich finde das zwar ein bisschen merkwürdig, weil er nie was davon erwähnt hatte und sagte, er würde das ganze Jahr hierbleiben, aber ok. Mal sehen, wie lange ich alleine wohne!

Wie zum Beweis, dass die ganzen Vorurteile von Bergen doch nicht falsch sind, regnet es seit Samstag Bindfäden (ruskevær heißt übrigens so was ähnliches wie „Scheiß-Wetter“), und ich bin gespannt, wann ich die Sonne das nächste Mal zu sehen kriege… Aber noch ist die Wetterstatistik recht gut!

Mann, das klingt schon wieder so nach Depri. Nein, alles super. Heute habe ich im Gespräch mit einer deutschen Physik-Studentin erfahren, dass ich langsam zum letzten MohikanerFahrradpendler mutiere; sie hatte gestern aufgegeben, aber ich fahre munter weiter (wobei ich auf der Rückfahrt heute mal wieder die Notwendigkeit von Brillen mit Scheibenwischer bemerkt habe, auch ohne Brille kann man kaum die Augen aufbehalten, wenn ständig ein Tropfen ans oder ins Auge fällt und dieses blöde Teil sich dann reflexartig schließt). Dafür ist die 7000 nur noch 112 Kilometer weit weg, das sind noch exakt zwei Wochen ohne Umwege! Apropos Augenaufhalten:

Das ist jetzt irgendwie (fast) dritte Woche hintereinander (also, die Woche in Frankfurt und den Dienstag danach zähle ich nicht), in der ich Dienstag nachmittags hundemüde bin, ich muss unbedingt mal meine Zubettgehzeiten etwas besser regeln… Heute bin ich vor meinem Schreibtisch im Büro fast eingeschlafen, aber die eine viertel Stunde lange kalte Dusche (ich meine meinen Weg nach Hause) hat mich wieder aufgemuntert, so dass ich hier nicht gleich ins Bett gefallen bin. So ein Glück, denn letzte Woche hatte eine ähnliche Situation dazu geführt, dass ich nachts ewig nicht eingeschlafen war. Irgendeinen Vorteil hat dieses Ruskevær also doch!

Tja, wer’s noch nicht gesehen hat, ich bin jetzt auch im Studi-Verzeichnis, habe aber immernoch nicht rausgefunden, was mir das jetzt bringt, mich mit den anderen zu „vernetzen“, eigentlich habe ich da niemanden gefunden, von dem ich nicht entweder eh weiß, wie ich ihn erreiche oder den ich gesucht hätte. Naja, ich bin jetzt jedenfalls da. Und wer’s gestern gesehen hat: mittlerweile gibt’s auch ein Bild von mir und ein wenig Infos. Einfach suchen…

Das Seemannsdenkmal

Original-Post (Tag 87)

Auf Bergens größtem Platz, dem Torgallmenningen, steht ein Denkmal, dass Subjekt einer Frage an mich aus Leipzig war. Nun, hier ist die Antwort (Quelle: Skulpturvandringer):

Blick auf das Denkmal
Blick auf das Denkmal

Das Denkmal ist das norwegische Nationaldenkmal für die Seefahrt bzw. die norwegischen Seefahrer seit der Wikingerzeit bis zum zwanzigsten Jahrhundert. Es wurde 1950 mit Spendengeldern gebaut und von Dyre Vaa gestaltet. Es besteht aus einem Würfel mit vier zweigeteilten Reliefs sowie zwölf Figuren, von denen jeweils drei unter jeder Seite des Würfel stehen. Fängt man im Südosten an und umrundet das Denkmal im Uhrzeigersinn, so sieht man folgende Seiten:

Vinlandsferd

Vinlandsferd — Tiende Århundre

Die Seite „Weinlandsfahrt“ beschäftigt sich mit den Wikingern und im speziallen mit deren Entdeckung Amerikas (Vinland) im zehnten Jahrhundert. Die beiden Relieffe zeigen ein Wikingerschiff (oben) und ein Treffen der Wikinger mit Indianern (unten). Dazwischen kann man den Schriftzug „Tiende Århundre“ — zehntes Jahrhundert — lesen. Die Skulpturen stellen einen Speermann, einen Barden und einen Berserker dar.

Grønlandsferd

Grønlandsferd — Attende Århundre

Darauf folgt eine Seite, die die norwegische Besatzung Grönlands darstellen soll. Man sieht ein Relief mit Eskimos und den Stapellauf eines Schiffes auf dem Reflief. Was die Skulpturen darstellen sollen, weiß ich nicht. Die Inschrift hier heißt „Attende Århundre“ — Achzehntes Jahrhundert.

Kornferd

Kornferd — Nittende Århundre

Von der Nordwestlichen Seite aus sieht man einen Reederer mit Zylinderhut, einen jungen Schiffsmann, der das Verlangen nach dem Ungekannten und die Hoffnung auf die Zukunft darstellen soll), sowie einen Lotsen. Die Plakette stellt Walfang (oben) sowie eine Szene in einer Schiffswerft dar. Die Inschrift hier bedeutet neunzehntes Jahrhundert: „Nittende Århundre“.

Oljeferd

Oljeferd — Tjuende Århundre

Das zwanzigste Jahrhundert steht für Norwegen — natürlich — unter dem Stern des Öls. Ein Deckjunge, der Treue symbolisieren soll, ein Steuermann mit Fernglass, der für Wagemut steht sowie ein Maschinist mit Schraubschlüssel stehen unter der Darstellung eines Schiffs mit aufgehender Sonne (für die Hoffnung auf eine hellere Zukunft) und einer Auferstehungszene, in der Ertrunkene von einem Engel zu ewigem Leben erweckt werden. Die Inschrift hier ist „Tjuende Århundre“ — zwanzigstes Jahrhundert.

Die Denkmal-Bilder nochmal gesammelt in groß:

Vinlandsferd
Grønlandsferd
Kornferd
Oljeferd
Vinlandsferd (groß)
Sjømannsmonumentet auf dem Torgallmenningen

Lügen

Blick aus meinem Zimmer
Blick aus meinem Zimmer

Original-Post (Tag 87)

Zweimal wurde ich gestern Lügen gestraft. Das eine Mal hat mit dem Wetter zu tun, deswegen ein kleines Update diesbezüglich: Während es die letzten Tage (Dienstag und Mittwoch) ja wohl in Hessen recht stürmisch war, war hier blauer Himmel und Sonnenschein. Und Windstille. Also erzählte ich am Mittwoch abend Hannah über Skype, dass es hier eigentlich nie windig ist, und spekulierte darüber, dass wahrscheinlich die ganzen Berge rundrum den Wind abhalten.

Donnerstag morgen wehrte sich das Wetter dann gegen diese Verleumdung und zeigte mir, dass es sogar morgens (wenn ich nach Norden fahre) nach Süden und abends (wenn ich nach Süden fahre) nach Norden gehörig blasen kann. Wäre ja nicht so schlimm gewesen, aber:

Ich war nach dem Norwegisch-Kurs auf dem Torgallmenning, dem größten Platz hier in Bergen, um ein Bild von dem Denkmal darauf, dem Sjømannsmonumentet (zu deutsch Seemannsdenkmal) zu machen und fragte in der Turist-Info nach Informationen darüber. Als ich den Berg wieder hochfuhr, zur Physik, tat es einen Schlag an meiner Hinterachse und ich denke gerade schon, dass meine Hinterachse schon wieder aufgeplatzt ist. Zum Glück war die Achse „nur“ verrutscht, jedenfalls führte das meine Behauptung, dass mein Fahrrad „repariert“ sei, ad absurdum. So schleifte das Hinterrad am Rahmen entlang und bremste doch gehörig ab, zusätzlich zum Gegenwind. Daheim habe ich dann ein bisschen dran rumgeschraubt und heute konnte ich — auch auf der Hinfahrt im Gegenwind — wieder gut fahren. Aber, nur nochmal zur Zusammenfassung: Die Gangschaltung war nicht richtig eingestellt, die Vorderbremse auch nicht und die Hinterachse war nicht richtig fixiert. Solltet ihr jemals in Bergen eine Fahrradpanne haben: Geht nicht nach Nesttun zu Atro Sykkel.

Dafür war heute wieder gutes Wetter, ich habe mal wieder einen Großeinkauf gemacht, und bin noch ein klein wenig auf alte-Eisenbahn-Spurensuche gegangen.

Für mich als Eisenbahnfan ist es wirklich eine Qual, zu sehen, wieviele alte Straßenbahn- und Eisenbahn-Fragmente es hier in Bergen gibt. Heute war ich an zwei alten Gütertunneln mitten durch die Stadt, die vom Bahnhof ans Wasser führen. Durch Zufall habe ich dann in einer ganz anderen Straße ein weiteres Fragment eines Trambahngleises gefunden… Die könnten hier mit minimalen Aufwand ein 1A — Schienengebundenes Nahverkehrssystem aufbauen, die Busse sind hier oft genug überlastet und viele Strecken wären sehr leicht umbaubar oder reaktivierbar. Alleine 3 Tunnels werden nur noch für Güterverkehr gebraucht, und ich weiß nur von einem, dass er noch gebraucht wird. Welche Stadt hat schon so billige Möglichkeiten, eine U-Bahn zu bauen?

Also, noch was anderes: Bevor ich nach Deutschland gefahren bin, bekam ich einen Brief aus Leipzig, in dem mich ein Google-Finder meiner Homepage nach diesem Denkmal gefragt hat. Ich vertröstete ihn, und eben gestern fand ich allerlei darüber raus. Wollte es eigentlich auch gestern schon posten, aber ich hatte den Zettel im Büro liegen lassen… Also, jetzt, Infos über das Seemannsdenkmal.

Åndalsnes

Original-Post (Tag 83)

Am Freitag habe ich dann endlich das Konto eröffnet, und so hatte ich am Wochenende eine Sorge weniger. Und den Kopf brauchte ich frei am Wochenende, hatte ich doch Großes vor: Auf meinem ScanRail-Ticket, das ich für die Fahrt nach Deutschland gekauft hatte, waren noch drei Tage Bahnfahrt übrig, und die wollte ich verbrauchen, solange es noch nicht ganz so früh zu dunkel zum Rausgucken ist…

Also nahm ich früh am Samstag den Zug nach Oslo, naja, viele andere Möglichkeiten hat man von Bergen auch nicht. Die Strecke führt kurz am Fjord entlang, bevor sie durch ein wunderschönes Tal führt und weit ansteigt und bei 1222 Metern über Normalnull Finse erreicht. Da gab’s Schnee! Runter geht es dann wieder — nach einer Stunde war der Schnee vergangen — bis man schließlich in Drammen wieder am Fjord ist, von da aus ist es nicht mehr weit bis Oslo.

Schnee in Finse! Bei der Rückfahrt war davon allerdings nur noch ein Bruchteil da, es hatte geregnet.

Von Oslo aus nahm ich einen Zug Richtung Norden, sein Ziel war Trondheim, meines Dombås, wo ich umsteigen sollte. Noch in Oslo dachte ich mir, fragen sei kostenlos, und fragte den Lokführer, ob ich vorne im Führerstand mitfahren könne, und in der Tat nahm er mich bis Hamar (ca. eineinhalb Stunden lang) mit. Danach saß ich hinten im Zug, musste allerdings feststellen, dass es schon gegen halb fünf sehr schwierig wurde, etwas zu sehen. Außerdem — das Problem hatte ich schon auf dem Weg nach Oslo — saß ich auf der falschen Seite, das heißt, auf der Seite, auf der der Berg war, nicht das Tal (doof war vor allem, dass ich „auf dem Berg“ kurz hinter Finse den Platz wechseln musste, weil meiner reserviert war, und ich dabei die Seite wechseln musste; gerade als das Tal die Seite wechselte). Von Dombås führte mich der Weg nach Åndalsnes; auf dieser Fahrt von sieben bis viertel nach acht Uhr habe ich allerdings wirklich gar nichts mehr gesehen.

Finse im Schnee
Der Zug meines letzten Teilstückes nach Åndalsnes.

Die Übernachtung war super, ich habe in einem privat vermieteten Gasthaus geschlafen, für 250 Kronen. Am Sonntag war dann das Wetter noch schlechter, nicht mehr nur bewölkt, sondern gleich ganz verregnet, und dieser Lokführer wollte mich nicht vorne mitfahren lassen (ist ja sein gutes recht). Angefangen hat die Fahrt enttäuschend, dieses schöne fleckchen Norwegen konnte seinen Charm bei niedrigst hängender Wolkendecke nicht entfalten… Irgendwann war das Tal dann höher als die Wolkendecke, und ich hatte wunderbare Aussichten. So, aus Angst, keiner liest mehr so viel, jetzt schnell: Auf dem Stück Dombås — Oslo hat mich derselbe (!) Lokführer wieder ein Stück mitgenommen, bis Lillehammer, und die Lokführer nach Bergen (einer Oslo → Ål, der andere von Ål nach Bergen) waren nicht so nett. Leider war auch der Platz eher schlecht, ich landete nach fünfmal umziehen (alle Plätze stellten sich nach kurzer Zeit als reserviert raus) auf einem Platz auf der falschen (=Berg-)Seite, gegen Fahrtrichtung und am Gang. Arschkarte, aber was soll’s. Abends bin ich dann mit dem Fahrrad heimgefahren und vielen enttäuschten Fans von Brann Bergen entgegengekommen, deren Mannschaft gerade gegen Rosenborg Trondheim ein Spiel 1:3 und damit die Aussichten auf Titelverteidigung als norwegischer Fußballmeister verloren hat.

Das Romsdal bei Verma. Erinnerungen an meinen ersten Norwegenurlaub werden sehr, sehr lebendig. In dieser Gegend habe ich Norwegen lieben gelernt… (ok, das Bild ist nicht soo der Hammer, die Landschaft dafür umso mehr).
Der Lågen, der Fluss durchs Gudbrandsdalen, das für die Norweger eine ähnliche Bedeutung hat wie das Rheintal für Deutschland.
Die Strecke im Gudbrandsdalen an einer etwas breiteren Stelle (so sieht es die meiste Zeit aus, eigentlich). Und der Beweis, dass ich auf der Lok war.

Achso, und heute war’s etwas anstrengend in der Uni, aber das wird schon wieder.

Ganz!

Original-Post (Tag 79)

Mein Fahrrad ist endlich repariert! Nachdem ich gestern noch vergeblich in der Werkstatt war, rief ich heute vorher an und bekam grüns Licht zum abholen. Vorher wollte ich noch in der Stadt ein Konto eröffnen, doch dafür hätte ich den Brief mit meiner ID-Nummer, der am Dienstag im Briefkasten lag, dabeihaben müssen, hatte ich natürlich nicht, grr. Ansonsten habe ich jetzt auch endlich einen Zugang zum hiesigen Hochleistungsrechenzentrum bekommen, nur wie ich da Programme laufen lassen kann, weiß ich noch nicht. Und sogar die Shell an meinem Büro-Computer ist fast von tcsh zu bash geändert… („fast“ wegen… ach, norwegische Admins…)

Auch toll ist, dass ich für das Fahrrad wesentlich weniger als erwartet bezahlt habe, da nur die Achse statt das ganze Hinterrad ausgetauscht wurde (irgendwie habe ich das Gefühl, das ist nur, weil ich so genervt habe und die nicht warten wollten, bis die das Rad dahaben, aber was soll’s).

Meine Physik-Sachen gehen langsam voran, meine Ergebnisse von Anfang Oktober sind recht merkwüdig, und ich suche momentan, ob ich den Fehler gemacht habe oder ob der Fehler im Hydro-Code liegt… Mal sehen.

Und wieder im Alltag

Original-Post (Tag 76)

Also Alltag ist es noch nicht wieder, ich tippe gerade im Zug nach Oslo, gleich überquert dieser die Grenze nach Norwegen, morgen früh geht’s wieder in die Uni. Die letzten 10 Tage waren einfach toll, acht davon war ich in Frankfurt, an den anderen beiden bin ich Bahn gefahren, und ich bereue keine Sekunde von beidem. Die Lorentztrafo hatte ich wenigstens noch hingekriegt, bevor ich nach Frankfurt aufbrach, dafür schaffte ich es nicht, den richtigen Schlüssel vom Schlüsselbund zu entfernen, so dass ich mich am Abend der Abfahrt selbst ausschloss; das kostete mich 300 Norwegische Kronen für den Schlüsseldienst. Die Fahrt war super, in der zweiten Nacht konnte ich sogar recht gut schlafen, als ich mich über drei Plätze ausstrecken konnte.

Der Aufenthalt in Frankfurt war, wie gesagt, auch super, viele Leute wiedergesehen, sogar mehr, als ich dachte, und eine wunder-wunder-schöne Woche mit meiner wunder-wunder-schönen Freundin verbacht. Lediglich am Freitag war alles etwas stressig, als ein viertel-Stunden-Termin damit geendet hat, dass ich mir zwei Stunden lang anhören musste, dass das Modell, dass ich benutze, vollkommenen Schwachsinn produziert. Na super — und dass, wenn man eigentlich längst weg wollte… Und Sonntag, als der Abschied näher rückte, war natürlich nicht perfekt, aber über weite Strecken doch ein sehr schöner TAg. Heute bin ich nach einer Nacht alleine im Abteil eine Stunde früher als geplant von København nach Göteborg gekommen, hatte dort dann dreieinhalb Stunden Zeit, in denen ich etwas Norwegisch nachholte (letzte Woche war Präteritum dran; ich ging das ganze Buch bis zu dieser Lektion durch und fand die Vergangenheitsformen für alle Verben raus), ein lustiges Taschenbuch las und dabei One More Car, One More Rider hörte. Auf dem Weg über den Øresund< gab’s ne Steckdose; ich programmierte etwas, das habe ich eben (mit Akku) fertiggestellt, bevor ich das hier zu Tippen begann. Und, da alle irgendwie das Selbe gefragt haben, beschloss ich, ein FAQ zu schreiben, das mache ich wohl gleich.

Insomnia

Original-Post (Tag 64)

Leider ist das keine schlechte Übersetzung, sondern, momentan, Realität. Nach Kopfschmerzen und zwei Stunden dösen am Mittag bin bin am Montag abend ewig nicht eingeschlafen, wurde dann um sechs Uhr vom Radio aus dem Schlaf geholt, aber nicht wirklich geweckt; das Feiertags-Programm war doch sehr lahm. War dann am Dienstag auch noch alleine in der ersten Vorlesung, und ich habe so gut wie nichts gepeilt, aber fleißig die Tafel abgepinselt. Mittagsschlaf gehalten und abends wider ewig zum einschlafen gebraucht, naja, sieben Stunden Schlaf werden’s am Ende wohl schon, aber wenn ich um neun ins Bett gehe, erwarte ich normalerweise eher sowas wie 10, 11 Stunden Schlaf, und ich denke, ohne Wecker hätte ich die auch ohne weiteres erreicht.

Dadurch bin ich momentan nicht sehr produktiv, die Bilder von Freitag sind immernoch auf der Kamera, und seit Montag versuche ich mich an einer blöden Lorentz-Transformation mit Rotation und allem Schnickschnack, einzig will sie mir nicht wirklich gelingen. Heute bin ich vielleicht etwas weiter gekommen (bin ja auch wieder recht munter), aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob das alles Sinn macht, mal sehen.

Sogar die Küche, am Samstag noch richtig ordentlich gesäubert, sah gestern wie… naja, nicht grade wie ein Schlachtfeld, aber schlimm aus, weil ich am Montag und Dienstag einfach nichts machen konnte, weil ich so müde war. (Keine Angst, gestern habe ich gespült und so, aber es war trotzdem blöd.)

Dafür gibt das Wetter Anlass zur Freude, eigentlich, denn der Oktober hat mit jetzt vier sonnigen Tagen angefangen. Richtig zufrieden bin ich aber nicht, denn eigentlich würde ich gerne bei guten Wetter Fahrrad fahren, worauf ich aber noch bis morgen nachmittag warten muss. Ungefähr so lange soll auch das gute Wetter noch halten; mir wäre richtig krasses Regenwetter wesentlich lieber. Außerdem haben mich zwei Busfahrer beschissen, einer um zehn Kronen, einer um vierzig (einfach mal eine Fahrkarte verkauft, die ich gar nicht gebraucht hätte, was ich nicht wusste und erst später merkte… Aber das war Montag, seit dem geht’s in dieser Beziehung besser.

Und die Tour nach Frankfurt rückt jetzt in absolut greifbare Nähe; in 55½ Stunden geht der Zug ab, ich habe heute nochmal Brot, Milch und Käse gekauft, mit einem weiteren Laib, den ich mir für die Fahrt schmieren will, wird’s dann genug sein, ich werde also nicht mehr einkaufen müssen, nur noch zweimal hier versuchen, einzuschlafen, nur noch dreimal was kochen (heute Pfannenkuchen, wieder, und morgen und übermorgen weiß ich noch nicht), nur noch zweimal in die Uni… Ich freue mich sehr. Vielleicht schreibe ich auch nochmal was am Freitag, bevor ich den Laptop einpacke.

Kaputt!

Original-Post (Tag 59)

Das Wetter blieb gestern bis Einbruch der Dunkelheit ok, dann fing es an, eine ganze Nacht lang in Strömen zu regen. Heute morgen war alles gut, naja, heute morgen war ich noch nicht wach, aber als ich es war, war schönes Wetter. Ich habe gestern noch bis in die späte Nacht Filmchen gemacht, um sie Laszlo schicken zu können, und außerdem lerne ich gerade den Umgang mit VIM (dieses Programm ist einfach unbeschreiblich cool, und mit Sicherheit erst recht, wenn man mit Zehnfingersystem tippen kann), das hat beides recht lange gedauert. Heute mittag also war ich kurz in der Uni, holte mir eine Manöverkritik und neue Aufträge ab, verabschiedete mich für die nächsten zwei Wochen von Laszlo (er ist nächste Woche nicht da, ich übernächste) und ging wieder heim.

Papa hatte mir heute morgen einen Link zu Bildern von einem Ausflug des norwegischen Eisenbahn-Klubs nach Bergen — von 1973. Da waren viele Bilder der alten Strecke Bergen-Oslo drauf, die im Prinzip direkt vor meiner Haustür (*übertreib*) vorbeigefahren ist.

Davon angestachelt und weil es sehr trocken aussah draußen, bin ich heute nachmittag also nochmal aufgebrochen und wollte die alte Strecke abfahren (die Trasse idient heute auf recht langem Stück einem Fahrradweg, der echt schön zu fahren ist), und das war alles richtig toll, bis…

Kaputtes Radlager
Kaputt!

… mein hinteres Achslager aufgeplatzt ist. Argh. Einfach so, beim Anfahren am Berg. Gott sei Dank war ich da kurz vor Nesttun, wo es viele Busse gibt, die nach Fantoft fahren. Ich fand auch einen Fahrradladen, muss aber bis Donnerstag warten, bis es fertig ist. Außerdem habe ich grade einen Pfannenkuchen verbrannt, und hatte Angst, dass der Feuermelder losgeht, aber *schnüff, schnüff* nein, ich glaube, das geht. Also nicht so tolles Ende von meinem Tag heute, vielleicht geht es bald besser.

Fortschritt

Original-Post (Tag 58)

Heute habe ich mal wieder gute Nachrichten: Am Montag zeigte ich Laszlo meine ersten Ergebnisse, und auch wenn sie nicht perfekt waren, war er recht angetan. Er gab mir ein paar Aufträge, wie man was verbessern könne, und ich startete den Versuch, mein Programm zu parallelisieren (das heißt, es so umzuschreiben, dass es auf mehereren Prozessoren gleichzeitig laufen kann). Ich gab mir selbst dafür etwa eine Woche (keine Ahnung, wie man sowas gescheit macht, und mit dem ersten Versuch würde ich mit Sicherheit scheitern, dachte ich), doch am Dienstag abend war es soweit, dass es lief. Jetzt hoffe ich, dass ich bis morgen früh die Daten produzieren kann, denn wenn ja, will Laszlo sie in einen Vortrag einbauen, den er nächste Woche in Barcelona hält.

Das Wetter bleibt wechselhaft, gestern wurde ich auf dem Weg in die Uni (fast klatsch-)nass, heute ist es wieder nur bewölkt (aber wer weiß, wie sich das heute noch entwickelt, es ist erst kurz vor neun). Wenigstens konnte ich gestern endlich mal Nutzen daraus ziehen, dass ich mir letzte Woche eine Ersatz-Jeans und einen Ersatz-Pulli in die Uni gelegt habe. Nur wie ich unseren tollen elektrischen Heizofen so hinstellen kann, dass ich meine nassen Klamotten einfach drüber hängen kann, um sie zu trocknen, ohne sie an einer Stelle anzusengen und an einer anderen Stelle nass zu lassen, muss ich noch rausfinden.

Langsam wird’s auch ernst mit meinem Frankfurt-Besuch: Noch 8 Tage und 14 Stunden, bis ich hier losfahre, das ist nun wirklich in greifbarer Nähe. Als mir am Sonntag abend langweilig war, habe ich meinen Fahrplan mal ordentlich aufgeschrieben. Ich weiß, NERD und so, egal.

Nix los

Original-Post (Tag 54)

Dass es nun fast eine Woche her ist, seit ich das letzte Mal was gepostet habe, hat nix damit zu tun, dass ich irgendwie viel zu tun hätte oder dass es mir viel zu schlecht oder viel zu gut dafür ginge; es ist nur einfach nix los, keine Angst.

Lediglich das Wetter ist hier eine Erwähung wert; nach einer verregneten Woche war es am Donnerstag abend plötzlich sternenklar, und der Freitag war sonnig und warm. Dass ich hier nicht von einem neuerlichen Ausflug berichte, hängt einzig damit zusammen, dass der Samstag bewölkt und mit Sprühregen angefangen hatte, genauso wie heute, aber im Laufe beider Tage hatte es sich noch aufgeklart, so dass ich bei gutem Wetter daheim sitze und meine Beine (metaphorisch) hochlege und dabei mit Schrecken die Nachrichten aus Deutschland höre — Gasexplosion in Bayern, Hochwasser der Dill, Transrapid-Crash im Emsland, FC Bayern gewinnt, Gesundheitsreform… und ich weiß nicht, was ich davon für das Schlimmste halte…

Løvstakken

Original-Post (Tag 48)

Oje, oje, das war dann doch wohl etwas zuviel des Guten. Gestern hatte ich noch Glücksgefühle noch und nöcher, weil der Weg auf den Løvstakken so verdammt tolle Ausblicke bot, doch heute setzt dafür der Katzenjammer ein, besser der Katerjammer; der Muskel-Kater-Jammer, ein. Die Fahrt in die Uni (und die zurück ebenso) war eine einzige Qual, vor allem mein Gesäß kann einfach nicht aufhören, sich zu beschweren. Naja, wie könnte es auch anders sein, nach gefühlten fünf Monaten ununterbrochenem Sonnenschein hat es gestern abend angefangen zu regnen, und da muss es mir ja schlecht gehen… Nein, keine Angst, alles ok (nur, dass ich mir heute ein nicht-geschnittenes Brot gekauft habe, weil mir der Weg zu dem Rema beim Lidl heute zu lange war…). Und Post kriege ich auch wieder, die scheinen das geregelt zu haben. Juchuh!

Der Beweis: Ich war oben! Hinter mir sieht man den Ulriken, der steht auch noch auf meinem Programm… (Selbstauslöser)
Das ist der Gipfel
Daaa unten wohne ich. Das lange, helle Gebäude in der Bildmitte
Der Byfjord mit der Halbinsel Nordnes (in der Bergener Innenstadt) und dem Gipfeldenkmal im Vordergrund
Und der Blick nach Westen. Durch den aufziehendenden Dunst siehst das finde ich noch viel weiter aus…

Schwere Beine

Original-Post (Tag 46)

Schon wieder ein Fahrradausflug; dieses geile Wetter muss man einfach nutzen. Es sollte nach Süden gehen, bis zur Fähre in Halhjem, und bei der Rückfahrt vielleicht einen Schlenker über Flesland mitnehmen. Nun sind schwere Beine nach einer Fahrradtour ja ok und fast normal, nur heute hatte ich die schon am Anfang. Als ich meinen (dünnen) Pulli ausgezogen hatte und im T-Shirt weitergefahren bin, ging es schon etwas besser, oder vielleicht dachte ich das nur und es ging schon vorher gut? Kurz danach sah ich jedenfalls den Kalandsvatnet und einen Hammerblick und wusste wieder, warum ich fahre. Nach der Mittagspause durchquerte ich ein Truppenübungsgelände, auf dem gerade geschossen wurde, das war ein bisschen unheimlich… Danach war ein toller Berg: Kurz und kurvig und steil hoch, und dann eine lange, nicht so steile, aber fast schnurgerade Abfahrt, auf der man wunderbar schnell fahren konnte. Dadurch habe ich dann den Hammerblick auf den Lysefjord vorbeiziehen lassen, ohne ihn fotografieren zu können. Dafür gab’s kurz danach ein anderes Bild. Das Gegenteil von diesem Berg hatte ich auch, leider: Eine lange, rechte gerade Auffahrt, die hinter jeder Kurve noch weiter ging. Wenigstens gab es diesmal einen schönen Blick am Kulminationspunkt (bei dem anderen war nur Wald zu sehen), aber auch diesmal schlecht fotografierbar. Waren am Ende 57 Kilometer, den Schlenker über Flesland habe ich weggelassen.

Bilck auf den Kalandsvatnet. Kurz vorher gab’s noch einen schöneren, der war aber aufgrund von Bäumen schlecht zu fotografieren.
Ich bei der Mittagspause vor Osøyro und einigen Bergen (Selbstauslöser)
Der Lysefjord. Wieder selbes Problem: Bäume. (Und, dass ich nicht bremsen wollte — ich bremse nicht für Bilder — weil die Abfahrt zu geil war — siehe Text.)
Fanafjord — Hier musste ich zwar oft genug bremsen, hatte aber nur Bäume, es wurde immer schlimmer…
Meine Kaffeepause nach etwa dreiviertel des Weges. (Selbstauslöser)

Ansonsten habe ich in der Uni mal wieder was geschafft, am Montag werde ich Laszlo mal meine ersten Ergebnisse zeigen, und vielleicht mache ich morgen mal eine Wanderung, mal sehen.

Wieder was anders

Original-Post (Tag 44)

Und obwohl ich mich immer mehr an Fantoft und Bergen gewöhne, gibt’s doch noch immer wieder was neues. Abgesehen von dem Postboten, der heute wohl die Rezeption gefragt hat, welches Postfach denn meines ist (ARGH!), was die nicht sicher wussten und mich erst fragen mussten (mal sehen, wieviel Post ich morgen habe!). Wegen der Mail, die die an mich geschrieben hatten, und Bauchschmerzen, die aber schon wieder rum sind, war ich heute sehr früh daheim (2 Uhr oder so) und bin nochmal aufgebrochen, um beim Lidl Brot zu holen. Auf dem Weg dahin, kurz bevor man da ist, führt der Weg eigentlich unsinnigerweise nochmal ein Stückchen hoch, und dann wieder runter. Mitten in der Steigung ist eine Brücke über die Straße, die man am Ende sowieso unterqueren muss. Heute habe ich mal diesen Weg ausprobieren wollen, und lande mitten bei einem Rema 1000. Da das Brot da genausoteuer ist wie beim Lidl und das Gemüse billiger, entschloss ich mich, den doch mal auszuprobieren und nicht zum Lidl weiterzufahren. Gute Idee! Denn die haben hier auch eine Brotschneidemaschine, eine nette Erfindung, die ich bis jetzt nur bei diesem sauteuren Supermarkt vor meiner Haustür gesehen habe (dem Safari). Also endlich weiß ich, wo ich billiges, geschnittenes Brot herkriegen kann!

Altes neues habe ich auch. Montag und Dienstag habe ich wie ein wilder rumgerechnet, gemerkt, dass meine Probleme von letzter Woche teilweise auf einem simplen Vorzeichenfehler beruhten (Hallo Johannes!), die Suppe, die ich untersuchte, außerdem nur nach „oben“ und „unten“ schmeckte, nicht auch noch seltsam, und das dann ad acta gelegt. Das Programm, das ich jetzt habe, hat schon einige Fortschritte gemacht (naja, heute aus Zeitmangel nicht so sehr), und ich denke, ich kriege es nächste Woche weitestgehend fertig. Blöderweise dauert es dann nach einer optimistischen Extrapolation etwa 14 Tage, bis es fertig gelaufen ist, aber in der Zeit kann ich schon mit was anderem weitermachen.

Und weil’s so toll ist, noch ein Wort zum Wetter. Es sind heute 25 °C, es ist also fast so warm wie in Frankfurt, und an der Kasse im Rema habe ich eben in einer Zeitung gelesen, dass es auch so bleiben soll, wenigstens übers Wochenende. Ich bin momentan etwas unschlüssig, was ich da tun werde; mal auf einen Berg wandern oder doch wieder Radfahren? Aber wohin dann? Ich bin mal gespannt, zu was ich mich entscheiden werde.

Halbe Miete und Handys

Original-Post (Tag 40)

Update: Der Schilderwald in Bergen

Mmhh… Ich fang mal mit den Handys an. Ich habe ja mal geschrieben, dass Norweger ganz ordentlich Autofahren, außer Busfahrern. Nun, in die Ausnahmeliste muss ich Taxifahrer dazunehmen. Außerdem, an alle, die das deutsche Handy-Verbot am Steuer albern finden: Wenn hier Autofahrer scheiße bauen, dann telefonieren sie dabei. Wirklich wahr.

Das mit der Miete? Nein, nein, ich habe weder Geldquellen aufgetan noch irgendwie ganz viel gespart, es geht um Projekt 7000. Hat jemand von euch zufälligerweise gerade ein paar Beine zuviel? Ich brauche dringend neue, wenigstens fühlt es sich so an: ich bin heute morgen um kurz vor halb elf zu einer weiteren Radtour aufgebrochen, die mich prinzipiell gegen den Uhrzeigersinn um die Berge östlich von Bergen geführt hat. Ich rechnete mit etwas weniger Kilometern als beim letzten Mal; also etwa 60 Kilometern. Waren’s aber nicht, sondern 79. Als ich um etwa halb vier wiederkam, war mein Tacho dadurch vor gerade 600 Metern auf die 6500-Marke gesprungen, was mich doch ziemlich gefreut hat. Das ist zwar, da ich bei 6060 km angefangen haben, technisch gesehen nicht die halbe Miete, aber was soll’s, es fühlt sich so an (sagen wir, es ist die „halbe Miete der Herzen„). Ich werde mir jetzt mal die Bilder angucken, und vielleicht einige davon ins Netz stellen, mal sehen.

Bei der ganzen Aktion hatte ich sogar noch einen persönlichen Erfolg; nicht, dass ich mich dieses mal nicht verfahren hätte (das hatte ich beim letzten Mal aus dem Blog ausgeblendet, merke ich grade), nein, aber ich habe dreimal nach dem Weg gefragt, und die Antwort verstanden — auf Norwegisch! Dies ging zwar jeweils erst nach der Bitte um langsames Sprechen, aber immerhin, auch das konnte ich auf Norwegisch (um ehrlich zu sein, das hatte ich hier auch zuerst gelernt). Und bei meiner Mittagspause einen ganz, ganz kurzen Smalltalk mit zwei Radfahrern, die den Berg hochgeschoben kamen, gehalten! *mirselberaufdieschulterklopf*.

So, jetzt nach vorne schauen; nächste Woche werde ich mal wieder Geld abheben müsen (wieder mit VISA, von der Polizei habe ich noch nix gehört, habe also noch kein Konto), nur das mit der Miete muss ich mir noch mal überlegen, ob ich die wieder teuer einzahle; außerdem muss ich mal wieder Wäsche waschen, wofür ich aber endlich mal eigenes Waschmittel nehmen soll (ich steh‘ da bei Sylvan ein bisschen in der Schuld). Und vielleicht schaffe ich es ja auch, in der Physik mal wieder was sinnvolles zu produzieren, wer weiß…

Dieses malerische, kleine Tal entdeckte ich keine 4 Kilometer von meinem zuhause entfernt, in meinem Rücken ist ein großes, hässliches Industriegebiet, von dem man aber noch nichts ahnen kann.
Das ist auf der „anderen“ Seite der Berge aufgenommen (man sieht den Ort Arna), ich dachte, diesen Wolken entkommen zu müssen, aber letzten Endes waren sie harmlos.
Dieser wunderschöne Blick erquickte mich bei meiner Mittagspause nach etwa 45 Kilometern, ihr seht Salhus
Das ist der Fjord vor Bergen, der Byfjord (das heißt Stadtfjord). Auf der anderen Seite des Wassers bin ich beim letzten Mal entlanggeradelt.
Prinzipiell das selbe Gewässer, aber diesmal etwas näher an Bergen. Man kann die Halbinsel Nordnes erkennen, auf der ein großer (und schöner) Teil von Bergen ist, den Løvstakken (der Berg in der Mitte des Bildes), den sehe ich von der anderen Seite, wenn ich bei mir aus dem Fenster gucke (Fantoft ist in dem Tal links davon)

Alles Wechselhaft

Original-Post (Tag 37)

Schon wieder so ne Überschrift, ich scheine nicht sehr kreativ zu sein… Momentan bin ich sehr hin- und hergerissen, und zwar von allem. Wieder gleicht das Wetter dem, was man typischerweise im April erwartet, nach zwei recht schlechten Tagen waren heute Wolken am Himmel alle Einzelgänger, und es war sogar recht warm (aber ich höre, auch das Frankfurter Wetter lässt einiges zu wünschen übrig…). In der Uni macht der Norwegischkurs nach wie vor Spaß, und ich versuche, das neu- und wiedergelernte an den Leuten im Büro, an der Supermarktkasse und in den Vorlesungen auszuprobieren, mit wechselhaftem, aber im Mittel durchaus steigendem Erfolg. Und zur Not können hier alle Englisch (wenigstens alle Norweger).

Die Arbeit in der Uni kommt allerdings weniger schnell voran, ich versuche seit etwa eine Woche, ein Integral auf eins zu biegen, und finde einfach den fehlenden Faktor nicht. Das frustriert schon ganz schön, vor allem bei schlechtem Wetter (siehe oben), heute war’s tatsächlich erträglicher.

Von daheim gibt’s momentan nur gute Nachrichten; zwei meiner Freunde haben ihre Ex-Physik-Prüfung ziemlich gut bestanden, und auch andere Nachrichten lassen mich jubeln. Wie zum Beispiel 13 Tore gegen San Marino — verdammt, dieses Spiel hätte ich sehen wollen! Aber ein paar mehr Gründe, jetzt gerne daheim sein zu wollen, sind schon dazugekommen, die letzten Tage. Ach was soll ich sagen; hier geht langsam alles (s)einen gewohnten Gang und trotzdem ist irgendwie jeden Tag was neu (heute zum Beispiel ein neuer PostDoc in der Arbeitsgruppe, morgen eine frisch geölte Fahrradkette und eine frisch geöltes Fahrradschloss), und ich wäre gerne bei meinen Freunden und meiner Freundin, um mit ihnen zu feiern. Ich denke an euch! Und feier von hier aus mit: Gleich packe ich eine Apfelweinflasche aus. Mmmmhhh… *Hicks* bbisss dannnnn

Regen und Sonnenschein

Original-Post (Tag 33)

Nun bin ich einen Monat und einen Tag in Fantoft, doch der neue Monat hat sich bis jetzt nicht sehr schön eingeführt; vor allem gestern gab es einen sehr sehr gut durchmischten Mix aus strahlend blauem Regen und sintflutartigen Regenfällen. Wenigstens habe ich es in einer Regenpause geschafft, einen Großeinkauf bei Lidl zu tätigen. Naja. Irgendwie ist mir langweilig, dieses Wochenende, deshalb habe ich ein bisschen an Bildern von mir rumgespielt: Meine Linke Hälfte und Meine Rechte Hälfte sind dabei herausgekommen. Was wohl meine bessere Hälfte ist? Keine Frage.

Erster Monat

Original-Post (Tag 30)

Heute ist der letzte Tag des August, das heißt, ich bin seit einem Monat nicht mehr daheim, und seit heute genau drei Wochen ununterbrochen hier, Grund genug, heute mal wieder was zu schreiben.

Der Norwegisch-Kurs hat angefangen, und bis jetzt geht alles gut, auch deshalb, weil ich das alles schonmal gelernt habe, also muss ich da noch etwas warten, bis ich sagen kann, ob’s toll ist oder nicht. Im Büro geht’s auch ganz gut momentan, ich mache erstmal Fluss, v1 und v2. Da bin ich momentan ganz toll am programmieren, mal sehen, wie’s wird. Und wie groß der Fluss wird. Die Vorlesungen sind weiterhin richtig gut, und ich lerne auch wirklich viel. Denke ich.

Ebenso gut lässt sich das Zusammenleben mit Sylvan an, wir sehen uns zwar kaum, weil wir doch recht unterschiedliche Tagesrythmen haben, aber wenn, kommen wir recht gut miteinander klar. Das Wetter ist wechselhaft; heute eher wolkig, gestern sonnig, davor regnerisch… gleich mehr dazu. Alles in allem also ziemlich viel, was hier passiert, gut. Ich wünsche mich zwar sehr nach Frankfurt zurück, aber weniger wegen den Umständen hier.

Projekt 7000

Original-Post (Tag 25)

Ja, Projekt 7000 läuft. Nach dem ich Projekt 6000 ja beinahe verpasst hatte, aber dennoch erreichen konnte, heißt das Ziel nun: Wenn ich aus Bergen zurückkomme, will ich mindestens 7000 km auf meinem Fahrradtacho stehen haben. Naja, jede Woche fünfmal in die Uni, das sind jeweils 50 km, da kämen in einem Jahr sogar 2600 km zusammen, statt der 940, die ich bräuchte, aber wer weiß, wie’s im Winter mit meiner Fahrradfahrmotivation aussieht. Aber seit heute bin ich mir sicher, dass das funktioniert, ich habe gerade einen 64 Kilometer langen Wochenendausflug hinter mir, und nach 105 km bis letzten Sonntag nun in dieser Woche weitere 132 km geschafft; mit 6300 jetzt sollten 7000 machbar sein. Hoffentlich.

Ich bin diese Woche — tolles Wetter übrigens, nur gestern und vorgestern abend zweimal Regen — dreimal einen kleinen Umweg heimzugs gefahren, um ein bisschen mehr von Bergen zu sehen. Naja, das erste Mal, um etwas mehr zu sehen, das zweite Mal, um den einen Blick vom ersten Mal zu fotografieren und das dritte Mal, um den Lidl zu suchen, von dem mir hier alle vorgeschwärmt haben. Aber sei’s drum, Fahrradfahren macht hier Spaß, und außer *zensiert*-Busfahrern wissen die hier auch, wann man überholen kann, ohne den Radfahrer zu gefährden. Die lassen sich sogar eher viel Zeit damit.

Ein bisschen genauer weiß ich jetzt auch, was ich hier überhaupt mache, habe sogar schon den ersten kleinen Erfolg — ich habe Laszlos Hydro-Programm unter Linux zum Laufen gekriegt, und die beiden Chinesinnen, die dieses Projekt kurz vorher aufgegeben hatten, staunten nicht schlecht, als ich ihnen sagte, dass sie nur die Hilfe-Funktion des Compilers hätten aufrufen müssen. RTFM kann ich da nur sagen.

Auch die ersten Vorlesungen sind rum, ich höre mir Relativistic Quantum Mechanics and Field Theory (hier wird erst der hintere Teil mit der FT neu sein) und Quark- and Lepton- Physics (bis jetzt auch nur Wiederholung, aber das wird nächste Woche schon besser) an. Beides beim gleichen Prof, ziemlich gute Vorlesungen bis jetzt. Am Montag fängt auch (endlich) der Norwegisch-Kurs an.

Wozu ich den denn hören will, hat mich Laszlo gefragt, etwa, weil ich hier wohnen will? Denn sollte ich mit diesem Gedanken spielen, riet er mir, solle ich erst mit Dieter Röhrich, einem deutschen Professor hier, reden, und ich würde „schnell meine Meinung ändern“. Irgendwann werde ich Dieter mal fragen.

Ansonsten, mal sehen… Wetter, Fahrrad, Uni… sonst gibt’s, glaub ich, nix. Ich höre jetzt täglich Radio, hr3, und habe es sogar geschafft, immer online zu bleiben und mich davon wecken zu lassen, das hilft ungemein gegen Heimweh. Mein Bildschirmschoner geht nicht mehr an, auch nicht die Abwesenheitsmeldung bei Skype oder ICQ, deswegen bin ich da jetzt immer „extended away“ bzw „nicht verfügbar“, auch, wenn ich vielleicht grade Blog schreibe (so wie jetzt). Also, einfach versuchen!

Mein Zimmer

Original-Post (Tag 21)

Wie versprochen, habe ich ganz viele Bilder in meinem Zimmer aufgehängt. Danke an alle, die fotografiert haben.

Die Ecke neben dem Fenster
Ein Stück nach links gedreht: Die Ecke von meinem Bett.
Die Wand entlang meines Bettes.
Mein Bett, ausnahmsweise mal ordentlich (war nur für das Bild).
Die Tür und dieser Teil des Schreibtisches. Gut zu erkennen sind das Kochbuch, die Kartons und der Ordner. Da, wo der Ordner steht, stelle ich momentan ständig meine Teekanne hin
Die andere Hälfte vom Schreibtisch. Ach, so sieht das ohne den Papierkram darauf aus…
Nach Vollendung dieser Runde durchs Zimmer der Blick durchs Fenster. Das graue da unten ist die Rezeption (rechts) bzw. der Club Fantoft (links), das blau-weiße in der Mitte rechts ist die Sporthalle (kenn ich nur von außen). Die Innenstadt von Bergen ist rechts.

Erfolg!

Original-Post (Tag 20)

Endlich hat es geklappt, ich kann jetzt die Webseiten mit einem Knopfdruck aktualisieren. So kann ich leichter und damit werde ich öfters neue Sachen schreiben, damit nicht wieder alle tagelang das Gefühl haben, bei mir ist alles Scheiße, obwohl’s doch grade wieder gut läuft!

Ja, es geht wieder besser. Die beiden Regentage sind die einzigen geblieben; Donnerstag, Freitag, Sonntag und heute (Montag) waren sonnig. Was mit Samstag ist? Nun, hier in Bergen soll es geregnet haben, aber ich war auf einem sehr coolen Schiffsausflug durch die Fjorde, den uns (= den Internationalen) die Uni spendiert hat, und da war es bewölkt, mit etwas Sonnenschein und etwas Regen, aber die beiden hielten sich die Waage.

Seit Donnerstag nachmittag habe ich einen recht netten Mitbewohner, Sylvan, US-Amerikanischer Psychologie-Student aus Montana, der auf die härtere Sorte Musik steht (Rammstein und so). Er war aus seiner anderen Wohnung zwei Etagen weiter unten geflüchtet, weil der Kerl da wohl ziemlich komisch war.

Noch mehr zum freuen: Ich habe mal eine Antwort auf das Blog bekommen (habe ich irgendwo den Eindruck geweckt, ich will keine E-Mails erhalten?), und diese machte mich auf eine scheinbare Widersprüchlichkeit in den Texten aufmerksam. Wer findet’s auch? Danke soweit an Gudrun & Gebhard Kabelitz.

Auch die Bilder habe ich endlich zugreifbar, ich werde sie heute abend noch etwas bearbeiten, auswählen und einige davon zugänglich machen.

P.S.: Außerdem ist es jetzt wieder so warm wie in Frankfurt. Ha!

Das Bild ist lange entstanden, bevor ich wusste, dass dort mein Büro zu sehen ist; gleich am ersten Tag.
Mein Schreibtisch
Der Blick aus dem Büro (die schöne Seite)

Wo ich wohne

Original-Post (Tag 16)

Ich versuche momentan immernoch, die Bilder von meinem Raum auf einen PC zu kriegen, das gestaltet sich schwieriger als gedacht. Bis dahin schon mal ein paar Informationen zu meiner Wohnsituation: Das Zimmer ist 17 Quadratmeter groß, hat Blick auf das Tal, nicht auf den Hügel, und ich teile Küche und Bad mit einer anderen Wohneinheit, die aber noch immer unbelegt ist.

Kaum im Netz, schon veraltet (ist beim Hochladen aber auch schon 4 Tage alt gewesen). Siehe den Blog-Artikel vom 21. August.

Regen, Behörden

Original-Post (Tag 15)

Beides gleich ärgerlich und endgültig über mich hereingebrochen. Gestern und vorgestern hat es kaum aufgehört, zu regnen, und es ist auch jetztmal kälter als in Frankfurt. Verdammt.

Was die Behördern angeht: Ich habe große Probleme, ein Konto zu eröffnen, was recht wichtig wäre, um Sachen wie die Miete zu bezahlen (vom Automaten Geld abzuheben ist wesentlich teurer als Überweisungen, die wohl auch kostenlos sein können). Nun, woher kommt das Problem? Um ein Konto zu eröffnen, braucht man eine Norwegische ID-Nummer, die bekommt man vom Folkeregistret (etwa unser Einwohnermelde- oder Bürgeramt), aber nicht, bevor man eine Aufenthaltsgenehmigung hat. Diese wiederum wird von der Ausländerstelle bei der Polizei ausgestellt. Soll ganz schnell gehen, wurde mir von der norwegischen Botschaft in Deutschland gesagt. Dauert 6-8 Wochen, wurde mir hier gesagt. Na toll. Aber so ein Glück; die Polizei kommt zur Uni, um ein beschleunigtes Verfahren für alle International Students durchzuführen. Das sei, sagen alle Broschüren, ein „integraler Bestandteil der Einführungswoche“ (diese geht von vorgestern, den 14., bis übermorgen, den 18. August). Was erwartet man, wann die Polizei kommt? Irgendwann in dieser Woche? Weit gefehlt, sie kommen am 31. August. Das verletzt zwar u.a. die Regel, dass man sich innerhalb von sieben Tagen auf eine Aufenthaltsgenehmigung bewerben muss und macht es auch unmöglich, bis 28. August ein Konto zu haben, von dem man aus die Miete bezahlen soll (dann wird sie fällig), aber das bockt hier keinen.

Besonders doof ist es natürlich, wenn man wie ich Panik kriegt und sich nicht auf die bestklingenste von mehreren widersprüchlichen Angaben verlässt und dann am bis dahin verregnesten Tag zu allen möglichen Stellen rennt und nachfragt — das habe ich heute morgen getan. Wenigstens gut, zu merken, dass ich mich auf die Regenjacke, Regenhose und Regenschuhe recht gut verlassen kann. Dafür sind meine Fahrradhandschuhe bald total durchgeweicht gewesen, und komischerweise waren sie salzig (fragt nicht, woher ich das weiß).

Es gibt noch mehr hier, was gerade suboptimal läuft; die Internetverbindung ist totaler Mist. Man muss sich mit jedem Programm, das aufs Internet zugreifen will, separat bei einem Proxy anmelden, um ins Netz zu bekommen, aber dann doch nicht, und überhaupt und sowieso. Wie toll doch unser HRZ ist! Mails verschicken kann ich nicht gut, wenigstens nicht von meinen normalen Adressen, weil der Zugang zu SMTP-Servern (das sind Server, zu denen man ausgehende Mails schickt, wenn man sie mit Programmen wie Firefox schickt) blockiert ist — ok, dass tue das HRZ auch, wurde mir gesagt.

Alles schlecht also? Nicht wirklich. Heute habe ich nämlich auch Karten für einen Bootsausflug am Samstag geholt, der kostenlos ist und für alle neuen International Students organisiert wurde. Außerdem habe ich endlich Laszlo, meinen Prof, angetroffen, mit ihm über die Kurse, die ich belegen werde, und meine Diplomarbeit gesprochen und ein Büro bekommen. Dort steht zwar ein — mein — Schreibtisch zu wenig und einen PC habe ich auch noch nicht, aber das soll jetzt bald kommen.

Naja, eines ist noch schlecht; es dauert noch 51 Tage (ohne heute), bis ich wieder in Frankfurt bin… *vermiss*. Ich denke, ich werde am Wochenende mal eine Flasche Ebbelwoi aufmachen.

Wieder da

Original-Post (Tag 11)

Diese Zeilen schreibe ich wieder ohne Internetverbindung; diese werde ich wohl erst morgen bekommen. Ich bastele weiter am Layout der Homepage, und versuche gerade ein Content Management System zu schreiben, was sich mit meinen begrenzten Programmierkenntnissen etwas schwierig gestaltet. Nun ja.

Ich habe gestern die Bilder aufgehängt, von jeder Seite strahlen mich nun fröhliche Gesichter an. Bei Gelegenheit lade ich die Bilder davon hoch. Das Wetter ist mal wieder super, und langsam beginne ich, diese Märchen von der Regenstadt Bergen zu vergessen…

Leider hilft das Wetter wenig, nicht die ganze Zeit wehmütig an Frankfurt zu denken, vor allem, da ich den Ebbelwein daheim hab liegen lassen, ich Idiot.
Soviel für heute

Angekommen

Original-Post (Tag 5)

Die ersten Tage Bergen liegen hinter mir. Das Zimmer ist eingerichtet und die meisten Sehenswürdigkeiten mit Hannah besichtigt. Und das Beste: Das Wetter ist super! Nur gestern etwas bewölkt, aber ansonsten strahlend blauer Himmel. Leckere, süße Himbeeren und Erdbeeren haben wir schon gefuttert, und Johannisbeeren am Wegrand abgeerntet. Mit anderen Worten: Alles toll. Heute werden wir wohl nur Faulenzen, bevor es morgen dann nach Kristiansand zur Fähre und am Dienstag nach Frankfurt geht.