Kinderreime und Drachentöter

Die Nursery Crime-Reihe, ein Wortspiel auf Nursery Rhyme (Kinderreime), ist eine bisher zwei Bücher umfassende Bücherreihe von Jasper Fforde, die er nach den ersten vier Thursday Next-Büchern geschrieben hat und die in einer sehr ähnlichen Welt spielen. Hier ist die Hauptperson eine Person zweifelhafter Existenz, weil Jack Spratt eigentlich aus einem beliebten Englischen Kinderreim entspringt. Gleiches gilt für seine Assistentin Mary Mary und für die Opfer und Täter der Kriminalfälle, die die beiden und ihre Abteilung, die Nursery Crime Division, aufklären müssen.

Im ersten Buch, The Big over Easy, geht es um das Ableben von Humpty Dumpty, einem überdimensionalen Ei, das von seiner Lieblingsmauer gefallen ist, während Jack seine neue Assistentin Mary einarbeiten muss, bei seiner Mutter versehentlich Zauberbohnen pflanzt und sich um Aktiengeschäfte mit Fußcremeherstellern kümmern muss. In The Fourth Bear stehen dann Gurken, der Lebkuchenmann, Bären und Goldlöckchen im Mittelpunkt, zusammen mit einem Nichtvergnügungs-Themenpark, in dem den Besuchern das authentische Erlebnis des ersten Weltkrieges nähergebracht werden soll. Das Bildnis des Dorian Gray macht auf überraschende Art und Weise einen Auftritt.

Beide Bücher sind kurzweilig, haben viele abenteuerliche Wendungen, wo dann doch nicht alles so ist, wie man gedacht hat und zeigen durch und durch menschliche Hauptpersonen. Auch mit einer männlichen Hauptperson gibt es in diesem Universum mehrere Frauen mit Namen, die auch ihre eigenen Interessen haben und denen nachgehen, wie schon in Shades of Grey.

Fforde hat aber auch eine weitere lesenswerte Fantasyreihe angefangen, nämlich die von The Last Dragonslayer. Diese spielt ebenfalls in Großbritannien, was allerdings in die Ununited Kingdoms zersplittert ist. In einem der Königreiche, in Hereford, steht eines der beiden letzten Magischen Institute, in denen die Hauptperson Jennifer Strange, selbst keine Zauberin, die Organisation übernommen hat und, seitdem der Große Zambini verschwunden hat, auch die meisten Entscheidungen treffen muss. Ihr normaler Job, den Zauberern bezahlte Arbeit zu vermitteln (etwa, um Güter per Fliegendem Teppich zu transportieren, oder um die Verkabelung eines Hauses neu zu ordnen – Magie ist nicht mehr das, was es war) wird im ersten Buch unterbrochen, als immer mehr Hellseher davon sprechen, dass der letzte Drachen am nächsten Sonntag sterben würde. Der Magische Schutz des Drachengebietes würde wegfallen und unzählige Menschen machen sich auf, um sich ein möglichst großes Grundstück abzustecken. Zu allem Überfluss stellt Jennifer fest, dass sie die letzte Drachentöterin, mithin diejenige ist, die diesen Drachen wird töten müssen.

In The Song of the Quarkbeast muss Jennifer dem korrupten Staatsapparat Paroli bieten und gleichzeitig dafür sorgen, dass eine alte Brücke per Magie wieder aufgebaut wird – von ihren Zauberern, nicht denen der Konkurrenz.

The Eye of Zoltar ist ein Artefakt, dessen Existenz nicht sicher ist, aber Jennifer wird im dritten Buch dazu gezwungen, sich auf die Suche danach zu begeben. Dazu beginnt sie eine Expedition ins benachbarte Königreich, das der Sicherheitsgesellschaft die Stirn bietet und auf wirklich gefährliche Abenteuer setzt. Die Führerin der Expedition bietet auch nur eine Todesquote von 50 % der Teilnehmer*innen an… Das Buch endet mit einem Cliffhanger hin zum vierten Band der Serie, den es aber leider noch nicht gibt.

Allen Büchern ist ein unheimlich schöner Witz und ein sehr hintergründiger Kommentar unserer Welt gemein. Nachdem ich diese fünf Bücher gelesen hatte, habe ich alles von Fforde gelesen – dass mich ein Autor so sehr begeistern würde, kann ich nach wie vor kaum glauben.

Aufzüge ins Paradies

Ein Zeitungsartikel samt Interview hat mich vor zwei Monaten daran erinnert, dass ich eigentlich mal Arthur C. Clarke’s „Fountains of Paradise“, auf deutsch „Fahrstuhl zu den Sternen“ lesen wollte. Habe ich dann gemacht.

Es geht um die Konstruktion eines Weltraumliftes, also prinzipiell ein senkrechtes  Seil, das so lange ist, dass seine Schwerkraft durch die Fliehkraft der Erdumdrehung ausgeglichen wird. Von diesem Konzept habe ich das erste mal vor etwa 15 Jahren in Science of Discworld gelesen, mit Verweis auf das Buch von Clarke, und im ersten Semester gab es eine Übungsaufgabe in Experimentalphysik, bei der wir ausrechnen sollten, wie lange ein solches Seil sein müsste und welche Zugkräfte es aushalten müsste. (Wenn das Seil überall gleich dick ist, müsste es etwa 100 000 km lang sein und etwa 1000 mal stärker als Stahl sein, wenn ich mich richtig erinnere.) Clarke, der die Idee allerdings nicht erfunden hat, hat 1979 also eine Geschichte um den Bau des ersten solchen Seils und des Aufzuges, der darumgebaut wird, geschrieben, und sich dabei durchaus eingehende Gedanken über orbitale Bewegungen von Satelliten etc gemacht.

Er träumt von einem synthetischen Diamanten (und schreibt Jahre später im Vorwort, wie erstaunt er ist, dass ein solches Material mit Kohlenstoff-Nanoröhrchen und Fullerenen tatsächlich gefunden wurde und sich als sehr reißfest erweist), und von Computern, die jeder mit sich rumtragen kann und die „mehrere tausend Berechnungen pro Sekunde“ ausführen können. Und so ist neben dem für mich als Physiker interessanten Aspekten des Weltraumliftes eben auch der Blick auf Zukunftstechnologien sehr interessant. Es gibt ein System, mit dem jeder auf alle Informationen der Welt zugreifen kann (um sie sich dann auszudrucken) und in dem man jede Person auf der Welt finden kann, auch wenn sie mal umgezogen ist. Somit verschwendet man keine Zeit mehr damit, sein Adressbuch aktuell zu halten! Von Katzenvideos wird allerdings nichts gesagt.

In der Geschichte selbst wird die Jetztzeit (das 22. Jahrhundert) mit einer Geschichte von vor 2000 Jahren verwoben, denn die einzige geeignete Stelle für den Aufzug ist an einem Berggipfel, auf dem ein sehr altes Kloster steht. Zwar sind Religionen seit dem Erstkontakt mit einer Außerirdischen Raumsonde 70 Jahre vorher total out, aber Spiritualität lebt selbstverständlich trotzdem weiter.

Als technikaffinen Zukunftsroman macht Fountains of Paradise mit in jedem Fall sehr viel Lust darauf, in Zukunft noch mehr Bücher von Clarke zu lesen.

Die Tribute des Hungers

Katniss Everdeen heißt die Heldin der Trilogie „The Hunger Games“ (auf Deutsch: „Die Tribute von Panem“), und da aus ihrer Perspektive berichtet wird, sollte es kein allzugroßer Spoiler sein, dass sie bis zum Ende des dritten Buches überlebt.

Katniss lebt in einer Sklavenkolonie in den Appalachen, kontrolliert von der Hauptstadt Panem in den Rocky Mountains. Panem kontrolliert außer Katniss’ noch elf andere Bezirke; in jedem wird etwas anderes wichtiges hergestellt (Katniss’ Bezirk ist dem Kohleabbau gewidmet). Jedes Jahr werden die Tribute, zwei Jugendliche aus jedem Bezirk, gelost, ein Mädchen und ein Junge, die dann in den Hunger Games aufeinandertreffen und sich gegenseitig töten müssen. Dem letzten Überlebenden winken Ruhm und Ehre, ein Leben zwar in Reichtum, aber immer noch in der Kolonie. Panem selbst ist eine dekadente Stadt, in der Überfluss herrscht und in der das Schicksal der Kolonien nicht wahrgenommen wird. Die Rechtfertigung für die Hunger Games ist die Revolution vor 74 Jahren, bei der Panem über die Kolonien gesiegt hat und sie seither (wieder?) unterjocht. Aus der Zeit davor ist praktisch nichts bekannt, nur, dass es früher dort die Vereinigten Staaten von Amerika gab und dass die gesamte Bevölkerung der Welt durch ein nicht bekanntes Ereignis stark dezimiert wurde. Die Bewohner Panems und der Kolonien halten sich für die letzten Überlebenden.

Katniss beginnt die Geschichte als selbstbewusste junge Frau, die der Umzäunung entfliehen und jagen kann. Das erbeutete Fleisch verkauft sie auf dem Schwarzmarkt, um ihre Familie, ihre Mutter und ihre kleine Schwester Prim, zu ernähren. Ausgelost wird nicht sie, sondern eben ihre Schwester, und Katniss nimmt freiwillig ihren Platz ein. In der Arena tötet sie, aber fast nur in Notwehr, nie kalkulierend, und gewinnt schließlich. Ihr letzter Akt wird aber von den Obrigkeiten als Affront gegen die Hauptstadt gesehen. Einige der Kolonien schöpfen daraus Kraft, es brodelt und erster Unmut in den Kolonien flammt auf.

Ein Jahr später, als sich die Revolution zum 75. Mal jährt, sind die Spielregeln anders: Aus den bisherigen Gewinnern werden die diesjährigen Tribute ausgewählt. Da Katniss die bisher einzige weibliche Siegerin aus ihrer Kolonie ist, muss sie auch wieder ran. Auch dieses Mal überlebt sie und kommt schließlich zu den Rebellen, die ihr Hauptquatier in der dreizehnten Kolonie haben. (Von dem Panem behauptet, dass es seit dem Krieg der Revolution unbewohnbar sei.) Katniss ist zum Symbol der Rebellen geworden und wird von diesen auch so eingesetzt. Ihre Kolonie wird von Panem vollständig zerstört.

Bei der Darstellung der Rebellen habe ich mich ein wenig an Animal Farm erinnert gefühlt und eine Parabel auf verschiedene Gesellschaftsmodelle gesehen: Einerseits der dekadente, verschwenderische Kapitalismus Panems, der auf dem Leid und der Ausbeutung anderer basiert (man erinnere sich an Textilfabriken im fernen Osten), auf der anderen Seite ein militaristischer Komplex, der alle befreien, aber keinesfalls allen Freiheit geben will, mit strengen Tagesabläufen, totaler Überwachung und enger Rationierung. Die Rebellen kopieren letztlich viele schlimme Dinge, die sie vorher selbst bekämpft haben, bis hin zu den Hunger Games selbst.

Katniss’ Rolle verändert sich dabei immer mehr von der aktiven Akteurin hin zur Getriebenen, von der selbst- und eigenständigen Frau hin zum kleinen Nervenwrack, das zwar immer noch trotzig ist, aber keine eigenen Impulse mehr setzt. Gegen Ende wird sie von den Rebellen eingesperrt – Einzelhaft; das Gerichtsverfahren gegen sie wird ohne Anhörung von ihr durchgeführt – und freigesprochen. Und heiratet am Ende doch den einen, den sie eigentlich nie wollte.

Ja, bei dieser Geschichte ist ihr Werdegang durchaus nachvollziehbar und realistisch. Irgendwann fehlt die Energie, zu kämpfen. Trotzdem hätte ich mir eine stärkere Persönlichkeit gewünscht, die nicht ganz so getrieben von den äußeren Umständen wird. Auch das wäre durchaus realistisch gewesen. Schade – Chance verpasst. Spannend und lesenswert war es aber auf jeden Fall!

Nächster Donnerstag

In einer Parallelwelt spielen die (bisher) sieben Romane der Thursday-Next-Reihe von Jasper Fforde, jener Autor, von dem ich auch schon Shades of Grey gelesen habe. Die Hauptfigur eben, Thursday Next, lernt, in Bücher und die Welt, in der die Bücher spielen, zu springen und verändert im ersten Buch – The Eyre Affair – das Ende des Romans Jane Eyre. Wie auch zu anderen Gelegenheiten in der gesamten Serie ist das Endergebnis der Roman, so wie man ihn in unserer Welt kennt.

Eigentlich ist Thursday aber Veteranin des Krimkrieges, der in dieser Welt noch im Jahre 1985 andauert und zwischen England und Russland tobt, und das, obwohl England 1942 von den Deutschen besetzt war. Aktuell arbeitet sie für die Special Operations, eine zur Polizei parallele Organisation, die sich um die Dinge kümmert, die zu speziell oder schwierig für die normale Polizei sind.

Es ist schwierig, über sieben aufeinander aufbauende Bücher zu schreiben, ohne die ersten zu sehr zu spoilern, aber es sollte nicht überraschen, dass die Erzählerin und Titelheldin wenigstens die ersten sechs davon überlebt. Mehr noch: Thursday heiratet und bekommt einen Sohn, den sie Friday nennt (ihre Mutter heißt übrigens Wednesday). Die ersten vier Bücher gehen alle fast nahtlos ineinander über; das zweite Buch (Lost in a Good Book) finde ich als eigenständige Geschichte sehr schwach. Zu viele Punkte des ersten Buches werden einfach nur aufgearbeitet, zu wenig die eigene Geschichte weitergesponnen. (Abgesehen davon wäre eine Übersetzung „In einem guten Buch verloren“, aber die deutsche Ausgabe hat den langweiligeren Titel „In einem anderen Buch“.)

Wirklich Fahrt nimmt die Serie wieder mit Nummer drei – The Well of Lost Plots (diesmal mit sinnvoller Titelübersetzung im Deutschen) – auf. Da ihr Ehemann in Buch zwei von chronupten Zeitpolizisten ausradiert wurde, zieht sich Thursday in die Buchwelt zurück und harrt zwei Jahre lang mit Friday in einem weniggelesenen Buch aus und wird zur Agentin von Jurisfiktion, der Buchwelt-Polizei, ausgebildet. Schließlich kommt das Showdown im vierten Buch Something Rotten, in dem Thursday mit Hamlet zusammen in die echte Welt zurückkehrt, um den Untergang der Welt abzuwenden, in dem sie den Superhoop (das Äquivalent dieser Welt zu unserer Welt SuperBowl, aber für Cricket) für ihre Heimatstadt Swindon gewinnt und damit die merkwürdig spezifischen Vorhersagen von St. Zvlkx aus dem 13. Jahrhundert erfüllt. St. Zvlkx selbst erscheint ein paar Tage vorher, ebenfalls wie von ihm vorhergesagt, kann aber am Ende nicht mehr helfen.

Nach diesen vier Büchern, die Ende der 1980er Jahre spielen, springen wir im fünften Buch, „Irgendwo ganz anders“ (oder, in richtig: First Among Sequels) zum Anfang der 2000er, in denen Thursday zwei Kinder im Teenager-Alter hat – Friday hat eine kleine Schwester, Tuesday – und eine weitere Tochter, Jenny. Thursday arbeitet nicht mehr für Jurisfiction, und auch nicht mehr für Special Operations, oder wenigstens erzählt sie das ihrem Ehemann. Natürlich ist aber die Teppichverlegefirma, in die alle ehemaligen SpecOps-Offiziere bei der Auflösung von SpecOps gewandert sind, nur eine Fassade für die gleichen speziellen Operationen, und das widerum für Thursday nur eine Fassade für ihre Buchwelt-Ausflüge. Dort hat sie zwei Lehrlinge: Eine davon ist Thursday1-4, ihr geschriebenes Alter Ego aus den ersten vier Bücher, die aber in der Welt von Thursday Next voller roher Gewalt und Gefälligkeitssex sind. Da das der „echten“ Thursday überhaupt nicht gefiel, kommt sie mit Thursday1-4 ebensowenig klar wie mit der Blümchenkind-Veganer-Joga-Variante, die für das fünfte Buch The Great Samuel Pepys Fiasco (was es in unserer Welt nicht gibt) erschaffen wurde: Thursday5. Nebenbei muss sie ihren Sohn davon überzeugen, zu den Zeitwächtern zu gehen, da ansonsten alle Zeitreisen zusammenbrechen würden. Der ist aber eher damit beschäftigt, sich darüber Gedanken zu machen, wieso die „guten alten Zeiten“ früher so viel weiter weg waren als heute.

One of Our Thursdays is Missing ist schließlich aus der Perspektive der ehemaligen Thursday5 geschrieben, die den Job von Thursday1-4 übernommen hat. Die echte Thursday wird gesucht, denn sie wird dringend gebraucht, um in der Buchwelt einen Krieg zwischen den Genres Anzüglicher Roman und Feminismus zu verhindern. Thursday5 ist sich aber nicht sicher, ob sie nicht selbst die echte Thursday ist, die vielleicht das nur vergessen hat. Die in jedem Fall echte Thursday kommt aus diesem Buch schwer verletzt wieder zurück und bewirbt sich in The Woman who Died A Lot auf eine Stelle bei den wiedereingeführten SpecOps. Tuesday, ihre Tochter, ist fieberhaft damit beschäftigt, ein Schutzschild gegen Gotteszorn zu bauen, bevor am Ende der Woche die globale vereinheitlichte Gottheit in Swindon ein Exempel statuieren will.

All diese Bücher sind von einem Mann geschrieben und haben eine Frau als Protagonistin, ja sogar als Erzählerin. Und er spielt damit, dass Frauen sehr häufig entweder als Engel oder als Teufel dargestellt werden, aber selten als facettenreiche Menschen, wenn er die „echte“ Thursday ihrer Teufelsversion Thursday1-4, die nur ballern und ficken kann, gegenüberstellt. Thursdays versuche, das öffentliche Bild von sich zu bereinigen, schlagen dann ins Gegenteil um, und heraus kommt eine ebenso übertriebene Verzerrung einer Frau, die im Einklang mit sich und der Natur einfach immer nur alles und jeden Umarmen will, in Thursday5. Thursday hat einen liebenden Ehemann, der eine vielversprechende Karriere als Schriftsteller hinten an stellt, um sich um seine Familie zu kümmern und Thursday den nötigen Raum für ihre Abenteuer zu geben.

Auch mit Sprache kann er hervorragend umgehen. In der Buchwelt gibt es Parasiten, die Grammarsites, die Worte zersetzen. Adjectivores nehmen jegliche Beschreibung aus den Büchern, und zurück bleiben eigenschaftslose Objekte, und wenn die Handlung im Umfeld eines Myspeling Vyrus ist, insd auf enimal ale Wørder valcsh geschribn. Ulysses, zum Beispiel, wird von Satzzeichendieben heimgesucht, die im letzten Kapitel alle Satzzeichen geklaut haben, aber es wird nichts Natürliches gewesen sein, denn der letzte Punkt wurde übriggelassen. (Ich habe nochmal in meine halbangefangene Ausgabe von Ulysses geguckt: Da sind wirklich keine Satzzeichen im letzten Kapitel.) Nach dem Diebstahl wird gemutmaßt, ob im Outland (also der nicht-fiktiven Welt) das nicht irgendwer für besonders künstlerisch wertvoll halten würde. Harr, harr. Die Texte beinhalten unglaublich viele Referenzen auf Bücher, viele davon Klassiker, die keinem Copyright mehr unterliegen – einmal warten alle gespannt auf Harry Potter, aber dann kommt eine Assistentin und verkündet, er könne wegen Urheberrechtsprobleme leider an der Besprechung nicht teilnehmen.

In der Buchwelt sind Dinge nur textlich beschrieben; Thursday geht es in The Well of Lost Plots ziemlich auf den Keks, dass die Texturen und Gerüche fehlen. Wenn im Text nicht mehr steht, wer gerade was sagt, dann wissen das die Figuren auch nicht. Namen wie Grmskfpdldjkz sind vollkommen okay, denn auch wenn niemand in der Buchwelt weiß, wie sie auszusprechen sind, können sie diese Namen sagen – textlich. Neben der textlichen Welt heben die Bücher aber auch immer auf absurde Politik ab, wie in der Szene, in der ein Politiker in einer Debatte gefragt wird, ob er denn die „eine schreckliche Tat, die jemand letzten Dienstag begangen hat,“ verurteile.

First Among Sequels ist nur eines – das am prominentesten, als Buchtitel platzierte – Beispiel für die Wortspiele, die Fforde in die Bücher einbaut (aus „First Among Equals“ – Erster unter Gleichen – wird hier Erstes unter Fortsetzungen), andere Beispiele sind Namen wie Anne Wirthlass-Schitt, was man als „eine wertlose Scheiße“ verstehen kann, oder lauter Namen, die sich wie eine Verabschiedung in verschiedenen Sprachen anhören, zum Beispiel Alf Widdershain. Und als Thursday von einer Nonne angegriffen wird, berichtet sie, dass die Nonne sie eine „procreating girl-dog“ genannt hat, nur „nicht in genau diesen Worten“. Welche Worte für die sich fortpflanzende Hündin gewählt wurden, kann man sich dann selbst denken.

Das achte Buch, letzter Teil des zweiten Vier-Buch-Bogens, fehlt noch. Ich bin nun hin- und hergerissen, ob ich lieber eher Thursday Next 8 oder Shades of Grey 2 lesen will. Oder ich mache einfach weiter mit den anderen Büchern von Jasper Fforde.

Go Set a Perfume

Nach To Kill a Mockingbird ist Go set a Watchman der zweite Roman von Harper Lee, und handelt davon, wie Jean-Louise in den 1960er Jahren, 20 Jahre nach den Vorkommnissen im ersten Roman, wieder mal heim nach Alabama kommt. Eigentlich lebt sie in New York, und sie kann sich nicht mehr so richtig ins Dorfleben einfinden.

Der politische Hintergrund zu der Geschichte ist die Entscheidung des obersten Gerichtshofes, dass eine vorgeschriebene Trennung der Weißen und Schwarzen („separate but equal“) nicht zulässig ist. Der juristische Konflikt dahinter besteht in der unterschiedlichen Gewichtung des 10. und 14. Zusatzartikels zur US-Verfassung und besteht auch heute noch bei Fragen wie der gleichgeschlechtlichen Ehe und LGBTQ-Gleichstellung: Der 10. Zusatzartikel sagt, das alles, was die Verfassung nicht explizit an den Bund delegiert, von den Staaten zu regeln ist – Staaten-Recht bricht Bundesrecht, im Gegensatz zum Deutschen Grundsatz, dass Bundesrecht Landesrecht bricht.

Der 14. Zusatzartikel garantiert allen Menschen gleichen Schutz vor dem Gesetz („equal protection“), und wird von Liberaler und Bürgerrechtsseite von jeher angeführt, um diese Regeln für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung im Bund festzusetzen und in allen Staaten gelten zu lassen. Konservative wollen diese Regelungen tendentiell den Staaten überlassen, was natürlich bedeutet, dass es Staaten gibt, in denen es keine Homo-Ehen gibt, oder eben erzwungene Trennung von Weißen und Schwarzen.

Jean-Louise kommt also aus dem liberalen New York ins immer noch rassistisch geprägte Alabama, in dem die Leute außer sich sind vor Wut, dass „die da oben“ in Washington, D.C., sich in die Selbstbestimmungsrechte des Staates eingemischt haben, und obendrein, wo doch jeder wisse, dass die Neger einfach nicht den Weißen gleich sein können.

Auch Atticus, Jean-Louises Vater, der sich in ihrer Erinnerung nie der Illusion hingegeben hatte, er sei besser als die Schwarzen, der auch in Geschäften darauf bestanden hat, dass die Schwarzen, die vor ihm da waren, auch vor ihm bedient würden, verteidigt auf einmal diesen Rassismus gegenüber Jean-Louise, und hilft auch bei seiner Verbreitung – so erscheint es ihr wenigstens.

Letztlich ist das Buch viel weniger eine Geschichte über Rassismus als über Jean-Louises Abnabelung von Atticus, und darüber, dass wenigstens ein Teil des Südstaaten-Rassismus, der heute noch vorhanden ist, eine Trotzreaktion auf die gefühlte „Bevormundung“ aus Washington ist.

Wie auch To Kill A Mockingbird ist das Buch gut und kurzweilig geschrieben und regt zum Nachdenken an.

Ganz woandershin, nämlich ins Paris des 18. Jahrhunderts, nahm mich „Das Parfüm – die Geschichte eines Mörders“ von Patrick Süskind. Wir folgen dem Leben von Jean-Baptiste Grenouille, der im Sommer im Gestank von Paris geboren wird, selbst keinerlei Eigengeruch besitzt, aber einen extrem ausgeprägten Geruchssinn. Er lässt sich von einem Parfumier unterrichten und hat nur eine Leidenschaft: Gerüche aufzusammeln. Der Geruch einer rothaarigen, gerade postpubertären Frau fasziniert ihn so sehr, dass er sie erdrosselt, um an ihr riechen zu können. Um einen solchen Geruch besser konservieren zu können, startet er eine Odyssee nach Grasse in Südfrankreich, die er für sieben Jahre in der menschen(geruchs)leeren Wildnis unterbricht, bevor er dort, im Mekka der Gerüche, eine Lehre anfängt. Kaum dort angekommen, vernimmt er diesen Geruch wieder, aber nur sehr zart – die betreffende Frau ist erst in zwei Jahren „reif“. Zeit genug, neue Techniken zu lernen und zu verfeinern; nach einem Jahr ist er so weit, an anderen jungen Frauen zu „üben“ – 24 tote Jungfrauen später ist das Dorf in Aufruhr und er zufrieden. Die 25. (mit der allerersten 26.) kommt dann nach zwei Jahren, und dann kann er endlich ein Parfum zusammenmischen, dass ihm unbegrenzte Macht über seine Mitmenschen gibt. Als er diese auskosten kann, bemerkt er aber, dass er Menschen eigentlich hasst, und die ihm zuteilwerdende Liebe ihm daher zuwider ist.

Fantasy an sich mag ich ja. Das Buch hier eher nicht so. Die Hauptfigur ist hin und wieder sympathisch oder wenigstens des Mitfieberns würdig, aber dann kommt nicht nur ein Mord, sondern derer gleich 26, ohne, dass er versucht hätte, anderweitig an den Schlüsselgeruch zu kommen. Dass alle, die mit ihm zu tun haben, meist ohne sein zutun ins Unglück stürzen, hilft der Geschichte nicht. Kaum ist er zum Beispiel bei seinem ersten Lehrmeister weg, stürzt dessen Haus in den Fluss und begräbt alle angehäuften Reichtümer. Die Amme, bei der er aufwächst, verliert alle ihre Ersparnisse Jahrzehnte später in der französischen Revolution, klärt uns der Autor in einem Nebensatz auf. Es geht so weit, dass ich bei jeder neuen Person überlegt habe, was wohl mit der bizarres passieren wird.

Fazit: kann man mal lesen, aber nicht zu viel davon erwarten.

Yossarian

Mit der Geburt von Kevin-Alf am Horizont habe ich in den letzten Monaten von 2016 sehr intensiv daran gearbeitet, meine bezahlte Arbeit in einem guten Zustand an meinen Nachfolger übergeben zu können. Dadurch bin ich kaum mehr dazu gekommen, viel zu lesen.

Dass ich seit Mitte des Jahres jeden Tag die Tageszeitung, die ich auf meinen eBook-Reader bekomme, lesen will, hat dann auch nicht mehr funktioniert. An Weihnachten hatte ich zwei Monate Rückstand. Das Kind im Arm halten ist allerdings eine Tätigkeit, die wenig direkte Aufmerksamkeit erfordert (erst langsam fängt er an, dabei rumzugucken und damit auch die Aufmerksamkeit von Papa – oder Mama – zu fesseln) und wenig andere Sachen erlaubt, also komme ich richtig viel zum Lesen.

Neben dem Rückstand an Zeitungen habe ich das Buch Catch-22 von Joseph Heller gelesen. Die Geschichte des US-Amerikanischen Bombenschützens Yossarian während seiner Stationierung auf der Italienischen Insel Pianosa gegen Ende des (europäischen Teils des) zweiten Weltkrieges ist nicht chronologisch erzählt und es braucht ein wenig, bis man sich in dem Wust der Handlungsstränge wirklich zurecht findet und Rückblenden auch als solche erkennt. Yossarian will keine Kampfmissionen mehr fliegen und will sich daher für verrückt erklären lassen. Das Problem ist der paradoxe Catch-22: Nur zurechnungsfähige Menschen dürfen in Kampfmissionen eingesetzt werden. Wer sich aber aus der berechtigten Angst vor den Missionen als geisteskrank anerkennen lassen will, zeigt damit, dass er absolut zurechnungsfähig ist, denn nur geisteskranke Menschen würden sich einer solchen Gefahr wieder und wieder aussetzen. Sobald man also auf seinen Zustand hinweist, beweist man, dass man noch kampftauglich ist. Und solange sich der Verrückte nicht beschwert, muss man ihn ja auch nicht aus den Kampfhandlungen zurückrufen.

Das Buch ist eine Satire auf das Militär, es zeichnet ein durchaus witziges Bild der Fliegerstaffel, der Yossarian angehört, seiner Vorgesetzten, der Umgebung, der Besatzung und der Kämpfe, aber auch von Gott, Gottesglauben, Militärzensur, Kapitalismus, und nicht zuletzt Prostitution und Moral. Im letzten Drittel wird das Buch immer düsterer und immer weniger lustig; Brutalität ist eben ein inhärenter Bestandteil von Krieg. Gegen Ende war ich zwiegespalten: Würden etwa alle sterben? Aber ein Happy End würde dem Buch nicht passen. Statt dessen gibt es weder ein Happy End noch ein Sad End, sondern ein hoffnungsvolles, Aufbruchs-Ende. Ein befreiendes Ende, was alle meine Erwartungen übertroffen hat.

Das Buch empfehle ich jedem, der gewillt ist, sich erst in ein Buch hineinfinden zu müssen; mir ist es auf jeden Fall hier leichter gefallen als bei Ulysses.

Das Wüten des ganzen Fabers

Auf meiner Liste von zu lesenden Büchern stand es zwar nicht, aber Maarten ’t Harts Buch Das Wüten der ganzen Welt war trotzdem dran. Die komplette Jugend eines Niederländischen Kindes wird aus dessen Perspektive erzählt; wie er vom Dorfpolizisten sexuell genötigt und dieser schließlich im Lagerraum von seinen Eltern erschossen wurde, während der kleine Bub Klavier spielt. Und, wie er schließlich den Mörder in Schal und Hut findet und konfrontiert. Die große Hintergrundgeschichte ist der Überfall der Deutschen im zweiten Weltkrieg, ungefähr zu der Zeit, in der unser Held geboren wurde, und wie die einzelnen Personen damit umgegangen sind.

Es fällt mir schwer, viel mehr darüber zu schreiben, ohne viel vorwegzunehmen. Die Geschichte ist mitreißend, und mit Sicherheit auch ein zweites Mal spannend, wenn mal weiß, wie es ausgeht, weil man die ganzen Hinweise erkennt. (So ging es meiner besseren Hälfte, die das Buch schon kannte, als wir es uns gegenseitig vorlasen.) Erst ganz am Schluss fallen alle Puzzlesteine zusammen, auf eine Art und Weise, die man nicht geahnt hätte.

Grade fertig sind wir mit dem nächsten Vorleseprojekt Homo Faber von Max Frisch. Meine erste Begegnung damit war, als eine Deutschlehrerin in der 11. Klasse meine deterministische, reduktionistische Weltsicht kritisieren wollte und mir ans Herz legte, ich solle doch mal Homo Faber lesen, um zu merken, wie falsch ich liege. Nun, es hat eineinhalb Jahrzehnte gedauert, aber here I am. Walter Faber, der Titelheld, Züricher (wie der Autor), fliegt von New York, wo er wohnt, im Jahr 1957 nach Venezuela, um dort im Auftrag der UNESCO die Installation von Turbinen zu überwachen. Er ist Ingenieur und hat einen sehr klaren Plan vom Leben. Sein Flugzeug landet kurz vor Mexico City in der Wüste not, und in den wenigen Tagen, die er dort verbringt – emotionslos, weil es ist ja nichts dabei – lernt er den Bruder seines ehemals besten Freundes kennen. Hier geraten sein Leben und seine Überzeugungen langsam ins Wanken, er macht Abstecher auf dem Weg nach Venezuela (kein Problem: die Turbinen waren sowieso noch nicht da, aber das erfährt er erst später) und trifft die Liebe seines Lebens.

Lange Zeit noch klammert er sich an die Objektivität; eine Wolke ist eine Wolke und kein Hase; der Sonnenuntergang oder Mondaufgang hat nichts romantisches, sondern ist einfach da. Ein Unglücksfall reißt ihn jedoch aus diesem Trott heraus, und letzten Endes verliert er jeden Halt, und wohl am Ende auch sein Leben (aber das wird nicht wirklich klar).

Was wollte diese Lehrerin (den Namen weiß ich nicht mehr) mir beibringen? Es gibt auch Schönheit im Leben? Reduktionismus kann nicht alles erklären? In der Diskussion damals ging es um die Frage nach dem freien Willen, und das wird in Homo Faber nicht angesprochen. Es ist ein bewegendes Buch, das man aber auch als Aufruf verstehen kann, nicht nur die Arbeit zu sehen. Beziehungen nicht aufzugeben. Empathie zu haben. Vielleicht hatte ich damals zu wenig Empathie, das ist von heute aus schwer zu beurteilen. Aber, was soll’s: Beide diese Bücher habe ich sehr gerne gelesen.

Meg’s Geschichte

Eine ungewöhnliche Inspirationsquelle für ein neues Buch hat sich mir in der Rede von Chelsea Clinton beim Parteitag der US-Demokraten präsentiert, als sie davon sprach, wie sie mit „A Wrinkle in Time“ aufgewachsen ist. Nach kurzer Recherche entschloss ich mich, das auch mal zu lesen. Das Buch ist der erste Teil eines Quintetts, dessen andere Bücher ich im Anschluss auch gelesen habe.

Die Zeitfalte, so der deutsche Titel des ersten Buches, ist eine sehr klassische Gut/Böse-Geschichte. Meg, die 13-jährige Hauptperson, reist mit ihrem vierjährigen, aber mental schon ziemlich erwachsenen, Bruder Charles Wallace, und einem Freund, Calvin, mit der Hilfe von mystischen Gestalten auf fremde Planeten, um ihren Physiker-Vater vor einem bösen, körperlosen Gehirn zu retten. Dieses will alles gleichmachen, doch sie findet heraus, dass das nicht erstrebenswert ist, auch wenn sie sich oft wünscht, den anderen Kindern in der Schule ähnlicher zu sein.

A Wind in the Door spielt zwei Jahre später. Meg macht sich mit Calvin und einem Cherubim (so eine Art viele Drachen in einem) auf, diesmal in eine von Charles Wallace’s Zellen, in ein Mitochondrium, in dem ihre Biologen-Mutter neue Wesen, die Farandola, postuliert hat. Diese sollen so symbiotisch in den Mitochondrien leben wie diese in unseren Zellen, aber zu klein sein, um gesehen zu werden. Nun gilt es, eine dieser Dinger zu überzeugen, nicht einen auf Hippie zu machen (ich paraphrasiere hier mal, was die Autorin Madeleine L’Engle damals in 1973 wohl gemeint haben möge), sondern sich wie seine Eltern zu verhalten und damit in diesem einen Mitochondrium in dieser einen Zelle dieses einen kleinen Jungen in diesem einen Planeten in der einen Galaxie die gesamte Balance des Universums so zu verschieben, dass sowohl Charles Wallace als auch das ganze Universum gerettet wird.

In A Swiftly Tilting Planet erfahren wir dann, dass die Mutter für die Entdeckung der Farandola den Nobelpreis erhalten hat, und dass der Vater für den Präsidenten der Vereinigten Staaten ein so wichtiger Ratgeber ist, dass er abends persönlich angerufen wird und als einer der wenigen Menschen erfährt, dass dieser eine Südamerikanische Präsident wohl morgen den Atomkrieg anfangen wird. Die mittlerweile 23-jährige Meg ist momentan von ihrem Ehemann Calvin schwanger, und dessen Mutter gibt Charles Wallace einen alten Zauberspruch aus Wales, den er auf seiner Reise in der folgenden Nacht oft weitergeben wird: Mit Hilfe eines Einhorns springt er in der Zeit zurück und wird Zeuge, wie zwei Prinzen aus Wales lange vor den Wikingern in Nordamerika landen; der junge Prinz natürlich der gute, reine, der ältere der Böse. Deren Nachkommen über die Jahrhunderte resultieren letztlich in dem Diktator in Südamerika, und es ist Charles’ Aufgabe (immer IM Geist eines der Protagonisten der Episode), dafür zu sorgen, dass bei jedem Aufeinandertreffen der Nachkommen der Gute gewinnt und letztlich der Regierungschef mit den Atomwaffen aus der guten Reihe kommt.

Charles Wallace und Meg nehmen dann in Many Waters eine Nebenrolle ein, als wir deren Zwillingsbrüder Sandy und Dennys begleiten. Diese sind bisher immer nur nebenbei aufgetaucht und drei Jahre jünger als Meg. Nun laufen sie etwa vier Jahre vor den Ereignissen in A Swiftly Tilting Planet in ein Experiment ihres Vaters herein, dass sie in die Zeit vor der biblischen Sintflut in die Oase, in der Noah und seine Familie wohnen, versetzt. Auch hier gibt es einen Kampf der Guten gegen die Bösen. Wir alle wissen natürlich, dass da eine Flut kommen wird, und die Zwillinge wissen das auch. Die Geschichte bis dahin ist ganz nett und durchaus spannend, aber das Ende ist schlichtweg unkreativ und entwickelt sich eigentlich nicht aus der Geschichte heraus, sondern hätte auch die ganze Zeit so kommen können.

Schließlich sind wir in An Acceptable Time bei Meg’s Tochter Polly angelangt, und eigentlich ist das eine Geschichte, die auch in eine andere Reihe von Büchern über Polly passt. Polly stolpert bei ihren Großeltern (der Nobelpreisträgerin und dem Physiker) immer wieder in einen anderen „Zeitkreis“, der 3000 Jahre in der Vergangenheit liegt und besonders kurz vor Halloween stark mit „unserer“ Zeit verknüpft ist. Neben ihr kann ein befreundeter Bischof, ein Bekannter von Polly und eine Cobra, sowie zwei Menschen und ein Hund aus der alten Zeit, zwischen den Zeitkreisen wechseln – manchmal. „Damals“ herrscht Dürre, und das Volk des Windes, dem Charles Wallace schon in A Swiftly Tilting Planet begegnet war, wird wieder mal (beziehungsweise damals schon) von dem bösen Stamm von jenseits des Sees bedroht. Wieder sind zwei Brüder aus Wales per Schiff über den Atlantik gekommen und landeinwärts weitergezogen, um genau dort zu landen.

Allen Büchern ist gemeinsam, dass die Autorin versucht, ihren Geschichten den Hauch von wissenschaftlicher Plausibilität zu vermitteln, sich dabei aber bei Motiven und Gedanken aus New-Age-Pseudozeugs bedienen. Für meinen Geschmack gibt es zu viele Punkte, an denen ich mich Frage, ob sie die Grundlagen der jeweiligen Disziplinen genug verstanden hat, um davon ausgehend eine Fantasiewelt zu erschaffen (wie ich es bei Pratchett immer empfunden habe), oder ob sie einfach wissenschaftliche Worte verwendet, um ihren narrativen Erfindungen die Illusion der Glaubwürdigkeit zu geben. Ein Beispiel, aus dem letztgelesenen Buch: Polly’s Opa versucht, sie zu beruhigen und „auf den Boden der Realität“ zurückzuholen, und fragt sie Physik-Dinge ab. Zum Beispiel, woraus ein Proton besteht. 3 Quarks, antwortet Polly. Opa fragt darauf, welche Richtung, und Polly antwortet: „two up, one down.“ Ein Proton besteht tatsächlich aus zwei Up- und einem Down-Quark, aber das sind keine Richtungen, sondern Bezeichnungen für zwei Arten von Quarks, die nichts mit den gewöhnlichen Konzepten von hoch, runter, Seltsamkeit, Anmut, Unten und oben zu tun haben, auch wenn die Teilchen up, down, strange, charm, bottom und top genannt wurden. Kurz gesagt: Hier ist ein kleiner Teil gehört und gründlich missverstanden worden. Ähnliches lässt sich über die Relativitätstheorie sagen.

Wie gesagt, Fantasy muss nicht wissenschaftlich korrekt sein, aber hier ist für mich wirklich einfach zu viel Märchen vermischt mit Pseudo-Blabla.

Darüberhinaus sind die Bücher zwar nicht explizit pro-Christlich, und teilweise sogar Christentumskritisch, aber immer wieder kommen Motive aus Bibel und Thora vor; und immer wieder sind diese wahr (das beinhaltet die oben erwähnte Geschichte von Noah, aber auch Jesus). Die Ureinwohner werden so beschrieben, als glaubten sie eigentlich auch an den gleichen Gott wie die zivilisierten Völker, wissen es nur nicht – überhaupt, die Urvölker Amerikas werden sehr stark verfeuersteint, also in ein romantisches, modern geprägtes Weltbild von damals hineingepresst. Flintstonization ist ein Konzept, dass ich im Buch Sex at Dawn kennengelernt habe; es besagt eben, dass viele Anthropologen in die Funde von Steinzeitmenschen ihre heutige Gesellschaftsform hineininterpretieren, wir wissen ja immerhin, dass die Steinzeitmenschen genauso gelebt haben wie wir – siehe Fred Feuerstein (oder Flintstone, im Original). Ähnliches passiert hier; als gröbsten Fehler sehe ich die Annahme, dass die Ureinwohner Nordamerikas vor 3000 Jahren Landwirtschaft betrieben hätten und sesshaft waren. (Warum das ein Problem wäre, habe ich in Guns, Germs and Steel gelernt.)

Langer Rede kurzer Sinn: Keine guten Bücher.

Kein Ulysses mehr! Dafür mal wieder viel Papier.

Ulysses habe ich dann irgendwann aufgegeben. Durch das erste Kapitel habe ich mich lange durchgekämpft, aber das hat mir dann gereicht. Ich hatte allerdings schon vor längerer Zeit ein anderes, echtes, Buch gelesen, das mir und meiner besseren Hälfte zum letzten runden Geburtstag geschenkt wurde: Kim & Struppi – Ferien in Nordkorea, in dem Autor Christian Eisert von einer Urlaubsreise nach Nordkorea berichtet, für die er verschwiegen hatte, dass er eigentlich Witzeschreiber und seine Begleiterin Than, nicht Sandra heißt. Im Buch sind auch Bilder abgedruckt, die er nicht hätte machen dürfen, und so schreibt er ein eindringliches, schönes Portrait von dieser Nation, von der wir so wenig wissen. Er garniert die Erzählung seiner Rundfahrt und die Nacherzählung der Informationen, die er von seinen Fremdenführern bekommen hat, mit unabhängig davon später in Europa recherchierten Informationen, Einordnungen und Richtigstellungen. Das Buch schließt mit dem Bedauern, dass er wohl niemals mehr in dieses Land reisen können wird, nun, dass er sich öffentlich zu der Lüge, mit der er ins Land gekommen war, bekannt hat. Witzig geschrieben, und auf jeden Fall lesenswert.

Auf dem Rückweg von einer eigenen Urlaubsreise (mehr davon auch bald) musste ich dann meinen Kindle verleihen, sodass ich das einzige vorhandene Papierbuch gelesen habe, und ein zweites Mal hat mich die Geschichte von Dodger sehr mitgerissen. Schließlich haben wir von einer anderen Kurzurlaubsreise nach Kiel das Buch Auf High Heels in den Kreißsaal von Lucie Marshall bekommen. Das Buch handelt von der Zeit zwischen der Erkenntnis einer 36-jährigen Moderatorin, dass sie eigentlich schnell schwanger werden will, bis zum zweiten Geburtstag ihres Kindes. Das Buch erzählt die kleinen und großen Katastrophen und die kleinen und großen Erfolge während dieser Zeit nach.

Sinn und die Schatzinsel

Momentan komme ich nicht unglaublich viel zum Lesen, aber das hängt auch (leider) mit meinem aktuellen Buch zusammen. Zunächst mal hat mich Shades Of Grey noch recht lange mental beschäftigt, einfach, weil ich die dort beschriebene Welt so faszinierend finde.

Als nächstes nahm ich mir Treasure Island von Robert Louis Stevenson vor; das der Welt den Piraten Long John Silver beschert hat. Die Geschichte handelt von einem Jungen, in dessen Vaters Gasthaus ein Seemann lange Zeit lebt und nach seinem Tod eine Schatzkarte hinterlässt. Der Junge startet mit einem benachbarten Gutsherren und einem Arzt die Suche nach diesem Schatz, sie heuern aber – für den Leser recht schnell erkennbar – die alte Piratencrew des Seemanns an. Auf der Insel angekommen, gibt es eine Meuterei, Schießereien, einen Einsiedler und ein Happy End.

Das Buch ist eine Kindergeschichte, und ein wenig kindliche Naivität besitzen die Hauptpersonen auch, außer natürlich die Hauptperson, die durch ihre Unbedarftheit und Mut am Ende (und in der Mitte) alle „Guten“ rettet. Immerhin werden die Charaktere nicht alle schwarz/weiß als gut oder böse gezeichnet; Long John ist zwar durchaus kein Guter, aber auch nicht ein absolut Böser. Nette Geschichte.

Sense and Sensibility von Jane Austen fängt in gewisser Hinsicht genau so an wie Pride and Prejudice von der gleichen Autorin: Im ersten Kapitel die Exposition der Ausgangssituation, im zweiten Kapitel die Unterhaltung zweier Personen, in dem eine Person die Meinung der anderen Person ins Gegenteil verkehrt. Auch ansonsten gibt es viele Ähnlichkeiten: Es geht um Mädchen im heiratsfähigen Alter, die einige Hürden überwinden müssen, bis sie ihr Glück finden.

Das Buch war an sich ganz nett, aber wie auch bei Charles Dickens ist die immergleiche Geschichte in anderen Umständen nicht so aufregend.

Nun hänge ich momentan an James Joyce’s Ulysses. Manche Bücher brauchen für mich ein bisschen, bis es „klick“ macht und ich sie gut lesen kann; das ist bisher noch nicht geschehen.

Nein, nicht „fünfzig“

Das muss man bei dem letzten Buch, das ich gelesen habe, immer dazu sagen, denn wenn man nur den Titel sagt, denkt jeder an den SM-Bestseller von 2012. Ich rede aber vom Science Fiction/Fantasy-Buch Shades of Grey I: The Road To High Saffron von Jasper Fforde. Nach Pratchett’s Tod hätte ich nicht gedacht, einen Autor zu finden, dessen Witz es mit ihm aufnehmen könnte; Fforde kommt dem aber immerhin ziemlich nahe.

Weit in der Zukunft ist die Gesellschaft nach strikten Regeln durchstrukturiert und da die Farbwahrnehmung der Menschen sehr stark nachgelassen hat, werden künstliche Farben zu sehr wertvollen Rohstoffen. Die meisten Menschen können nur eine Grundfarbe, niemand mehr als zwei, sehen, und so sind die Violettseher (rot und blau) die in der Gesellschaft höchstangesehenen; schlechter als Rotseher sind nur die Greys, die keine Farbe mehr als 10 % sehen können. Der Held der Geschichte ist ein Red, Eddie Russet, der eigentlich in eine reiche Red-Familie einheiraten will, aber in der Grenzregion auf die Grey Jane trifft, die so gar nicht mit den Regeln einverstanden ist und Eddie den Kopf und das Herz verdreht, und seine ganze Welt(anschauung) dabei herumdreht.

Fforde schreibt nicht nur von den sinnigen und unsinnigen Regeln (wie, dass keine Löffel hergestellt werden dürfen und man Bleistifte nicht zu oft spitzen sollte, oder dass Einräder rückwärts nicht in übermäßiger Geschwindigkeit gefahren werden dürfen), sondern auch von der Gesellschaft, von Hierarchien, Lügen, Macht und schafft es ganz nebenbei, den Bechdel-Test zu bestehen. Dies finde ich deshalb so bemerkenswert, weil es kein expliziter Frauenroman ist, oder gar von einer Frau geschrieben; es ist einfach eine ganz normale Geschichte von Menschen, nicht von Klischees. So, wie es sein sollte. Wow.

Wie der Titel andeutet, ist dies der erste Teil einer Trilogie, allerdings ist das Buch jetzt 6 Jahre auf dem Markt, ohne dass es eine Fortsetzung gäbe. Ich prangere das an!

Der Name der stürmischen Singvögel

To Kill A Mockingbird war mal wieder so ein Buch, dessen Titel ich kannte und sonst nichts. Die Geschichte ist schnell erzählt, aber nicht einfach verarbeitet: Eine erwachsene Frau erzählt, wie sie als 8-Jährige Tochter eines Rechtsanwaltes in den Südstaaten der USA in den 1930er Jahren Rassismus erlebt. Der Vater ist der Pflichtverteidiger eines schwarzen Mannes, der beschuldigt wird, eine weiße Frau vergewaltigt zu haben. Der Leser des Buches wird am Ende wenig Zweifel an dessen Unschuld haben, trotzdem wird der Mann verurteilt. Der Vater wird Ziel von immensen Anfeindungen, und seine Kinder ebenfalls.

So wie ich das Portrait von Jane Eyre in Brontë’s gleichnamigem Roman fantastisch fand, so geht mir auch das Portrait von Atticus, dem Vater, sehr nahe; er ist ein extrem besonnener, freundlicher, gutherziger alleinerziehender Vater. (So gar nicht so wie ich, irgendwie.) Der Rest der Gesellschaft ist zu zu großen Teilen weniger sympathisch.

Mittlerweile ist der Autor gestorben, als ich Der Name der Rose gelesen habe, war Umberto Eco aber noch am Leben. Ich kannte den Film (und es war daher für mich schwer, mir die Hauptperson vorzustellen, ohne Sean Connery vor meinem geistigen Auge zu sehen), aber es hat mich erstaunt, wie viel detaillierter das Buch ist und wie viel Religionskritik darinsteckt. Zur Geschichte, wer sie noch nicht kennt: Mönch und Novize kommen in 1327 in ein Kloster, um Verhandlungen mit anderen Mönchen zu halten, während es immer mehr Todesfälle gibt.

Wuthering HeightsSturmhöhe ist noch so ein Buch, dessen Namen ich kannte, immerhin wusste ich außerdem, dass Kate Bush ein gleichnamiges Lied geschrieben hat, das vom Lesen dieses Romans beeinflusst wurde. Wie bei Frankenstein’s Monster gibt es eine Rahmenhandlung, die nur als Gefährt dient, um die eigentliche Geschichte zu erzählen. Diese ist die Geschichte eines Anwesens – Wuthering Heights – und dessen Herren, seine beiden Kinder und das Waisenkind Heathcliff, dass er in die Familie bringt. Eifersucht und schlechte Erziehung sorgen für eine drei Generationen währende Qual, und die Hauptpersonen sind wenig sympathisch. Ich fand es schwierig, das Buch zu lesen, aber mitten drin aufzuhören war das Buch dann doch zu interessant. Fazit: Ambivalent. Lieber nicht anfangen, dann muss man auch nicht weitermachen.

Utopia’s Krone

Dass ich schon zu lange nichts mehr am Blog gemacht habe, sieht man daran, dass ich nun nach den ersten beiden auch noch einen dritten Artikel über das, was ich in der Zwischenzeit gelesen habe, schreibe.

Mein Lieblingsautor ist im März 2015 gestorben. Bis Dezember 2014 konnte er trotz Alzheimer schreiben; seine beiden letzten Bücher sind mittlerweile erschienen. The Shepherd’s Crown – Die Krone des Schäfers – ist ein Scheibenweltroman mit Tiffany Aching, und ziemlich wörtlich eine Geschichte vom Leben nach dem Tod. Nicht so sehr für die gestorbene Person, sondern für diejenigen drumherum. Und wenn, wie hier, die mächtigste Hexe der Welt stirbt (das ist kein großer Spoiler, denn damit fängt die Geschichte an), hat das auf sehr viele Menschen – und andere Wesen – Einfluss. Ein wenig Who-is-who der Scheibenwelt-Charaktere, vor allem diejenigen, die in den Büchern mit Granny Wheatherwax aufgetaucht sind, runden wenigstens diesen Teil der Scheibenwelt-Saga schön ab. Leider merkt man aber an ein oder zwei Stellen, dass die Geschichte nicht fertig erzählt war und zwischendurch offene Geschichtsfäden rumhängen, die in einem vollständigen Buch geschlossen worden wären.

Ähnlich fällt das Urteil zu The Long Utopia, dem letzten Buch der Long Earth-Reihe: Würdiges Ende, in dem viele Handlungsstränge der anderen Büchern elegant beendet werden, aber von der Geschichte her irgendwie unvollständig. Mein früherer Eindruck, dass die Grundidee (der parallelen Welten) etwas sehr wirr und schlecht ausgedacht ist, bleibt bestehen; es war genauso wirr gedacht, wie ich dachte, und dies wird als wichtiges, ungeklärtes Element in die Auflösung der Geschichte eingebaut. Wie gesagt, auch hier fehlt einfach was, und das ist wirklich sehr schade.

Noch mehr Krieg

Nach der langen, fiktiven Geschichte eines realen Krieges war ich gespannt auf die wahrgeglaubte Geschichte eines fiktiven Krieges; H.G. Wells‘ Krieg der Welten. Außer, dass bei einem Hörspiel dieses Buches mal eine Massenpanik ausgebrochen ist, weil die Hörer tatsächlich glaubten, die Welt werde angegriffen, wusste ich nicht viel von diesem Buch. Die Geschichte spielt sich innerhalb weniger Wochen ab, der namenlose Ich-Erzähler berichtet davon, wie die Marsianer in England landen, alles kaputt machen und viele Menschen umbringen (er entflieht einige Male aus schierem Glück) und wie die Menschheit letztendlich überlebt. Dabei sind einige interessante mikrobiologische Aspekte interessant, aber auch davon abgesehen ist es ein recht kurzweiliges Buch.

Noch mehr Erzählungen aus dem Weltall las ich dann in „Der kleine Prinz“, in der der kleine Prinz von seinem Planeten viele hintergründige Dinge über Könige, Buchhalter, Hüte und Flugzeuge lernt. Ein Kinderbuch, ich weiß, aber ich habe es als Kind nie gelesen, und es hat mir viel Spaß gemacht, dies jetzt nachzuholen.

Krieg und Frieden

Tolstoj’s episches Werk zu lesen hat mich mal wieder ziemlich viel Zeit gekostet; freilich nicht so viel, wie es gedauert hat, mal wieder ein ordentliches Blog zum Laufen zu bringen. Nun ist beides geschafft, ich habe sozusagen Frieden mit meinem Server geschlossen. Der Einstieg in das Buch fiel mir schwer; die zuerst beschriebene Abendgesellschaft im Sankt Petersburg des Jahres 1805 hat einfach viel zu viele Namen, als dass ich gut hätte durchblicken können.

Langsam kristallisieren sich allerdings die Hauptpersonen heraus, und auch wenn diese mir teilweise richtig unsympathisch waren, wird die Geschichte doch spannend. Die zweite Hälfte befasst sich mit Napoleons Russlandfeldzug im Jahr 1812 und macht sich gar keine Illusionen, dass irgendwer nicht wissen könnte, dass Napoleon geschlagen wurde. Vielmehr geht er – auch schon in der Beschreibung der Schlacht von Austerlitz 1805 – im Detail darauf ein, wie Krieg (seiner Meinung nach) funktioniert, und inwiefern Generäle und deren Pläne eigentlich keinen Einfluss auf die tatsächlichen Kampfhandlungen haben.

Fazit: Eine alles in allem zu lange, aber interessante Tour durch die Kriege Russlands gegen Napoleon, mit Alleswissern, Ja-Sagern, Ehebrechern, Verschwendern, Schleimer, Todesfällen und, ja, auch einem halbwegs Happy-End.

Verrückte Reisen um die Welt

Original-Post

Nun ist die Bibel endlich fertig gelesen und zu „sonstige Fantasy“ einsortiert worden, und ich konnte endlich mal was anderes lesen. Als erstes ein Buch, dass ich mir ziemlich zeitgleich mit der Bibel auf den Reader geladen habe, aber nicht gleichzeitig lesen konnte:

Gulliver’s Reisen

Ja, kennt man irgendwie, oder? Lilliputaner und Riesen. Was ich nicht kannte, und auch nicht erwartet hatte, war die starke Gesellschaftskritik. Die Story besteht aus vier Reisen: Gulliver ist schiffbrüchig und landet auf einer von zwei nahe beieinanderliegenden Inseln, die von kleinen Leuten bewohnt werden, die etwa ein zwölftel seiner Höhe haben. Er wird erst gefesselt, erkämpft sich das Vertrauen des Königs und hilft bei dessen Krieg mit dem König der anderen Insel. Er fällt in Ungnade, flieht auf die andere Insel, von dort haut er Richtung England ab.

Er reist wieder, strandet wieder an einem unbekannten Strand, und stellt fest, dass hier Riesen leben. Diese sind 12 mal so groß wie er. Auch hier kommt er bald zu der Königsfamilie; wird aber bei einem Ausflug in seinem portablen Zimmer von einem Vogel mitgenommen und ins Meer fallen gelassen, wo er von Seefahrern gefunden wird.

Abermals reist er, diesmal als Kapitän; seine Crew meutert und setzt ihn aus. Er landet bei einem Volk, dass auf einer durch magnetische Levitation schwebenden Insel lebt und das Geometrie und Effizienz liebt. Die Insel ist eine mächtige Waffe – man kann Städte, die keinen Tribut zahlen wollen, einfach zerquetschen – aber eine, die man nicht anwenden will, denn niemand weiß, wieviel Schaden die Insel selbst näme. Gulliver reist hier „legal“ aus und gibt sich als Holländer aus, um über Japan nach Europa zurückzukommen (Engländer dürfen nicht nach Japan). Zwischendurch kommt er bei Zauberern vorbei, die jede beliebige Person aus der Weltgeschichte für einen Tag (oder so) heraufbeschwören können.

Zu guter letzt kommt Gulliver in ein Land, in dem Pferde intelligent sind und reden können und die Menschen dumme Kreaturen, die von allen anderen Tiere gemieden werden. Der sprechende Gulliver freundet sich mit den Pferden an, aber als klar wird, dass er eigentlich einer der Menschen ist, muss er zuletzt fliehen und kommt wieder nach England, diesmal für immer.

Auf seinen Reisen macht Gulliver eine Wandlung durch, vom ehernen Verfechter und Verteidiger der Europäer und vor allem der Britten, zu jemandem, der alle Menschen hasst und sich nur mühsam in die Gesellschaft wiedereingliederen kann. An jeder Station kommt er an sehr merkwürdigen Regeln vorbei, denen er die Britischen Regeln entgegenhält, nicht immer zum Vorteil der Europäer: Die kleinen Menschen haben einen religiösen Krieg darüber, auf welcher Seite man das Ei aufschlagen muss. Sie berufen sich auf den gleichen heiligen Text, der sagt, man solle das Ei auf der „praktischen“ Seite aufschlagen. Die einen sagen nun, das sei die Seite, auf der es am leichtesten geht, die anderen sagen, es sei die Seite, bei der man nicht wegen des vor drei Generationen erlassenen Gesetzes getötet wird. Jonathan Swift lässt seine Hauptperson in Begeisterung von vielen gesellschaftlichen Schieflagen in England berichten und überlässt dessen Gesprächspartner, zu erklären, warum das dargestellte nicht gut, und schon gar nicht das bestmögliche System ist, sondern eigentlich ein sehr korruptes und korrumpierbares System. Gulliver versteht natürlich überhaupt nicht die Argumente und gibt sie nur wieder, ohne sie sich zu eigen zu machen – das überlässt Swift dann dem Leser.

In der letzten Episode, bei den Pferden, lässt er aber diese Hülle fallen und kritisiert unumwunden die Menschen, die er den noblen Pferden gegenüberstellt und für in allen Belangen minderwertig hält. Letztlich entsteht seine Vertreibung aus dem Land der Pferde allerdings aus vollkommen rationalen Argumenten, nobel gegeneinander abgewägt und vollkommen ignorierend, dass sie auf Gulliver eigentlich nicht zutreffen. Komplett positiv bleibt diese Gesellschaft dann eben auch nicht.

Guns, Germs and Steel

Der deutsche Titel „Arm und reich“ tut diesem Sachbuch von Jared Diamond nur sehr bedingt recht; letztlich geht es nicht so sehr darum, warum ein Teil der Welt reich und ein anderer arm ist, sondern vielmehr darum, wieso die Europäer es geschafft haben, Nordamerika, Südamerika, Australien und Südafrika zu überrennen und warum sie es mit China und Afrika nicht oder nur bedingt geschafft haben.

Die direkten Gründe sind schnell aufgezählt: Die Europäer hatten Stahl für Rüstungen und Waffen, Schrift, die den Kriegern das taktische Wissen von 1500 Jahre alten (und älteren) anderen Kriegern verlässlich übermitteln konnte, und Krankheiten, denen wesentlich mehr Eingeborene in Süd- und Nordamerika und Australien zum Opfer fielen als den kriegerischen Handlungen der Europäischen Armeen. Oh, und Europa hatte eben die Schiffe, mit denen die Ozeane überquert werden konnten und die Pferde, mit denen die Kriegsführung noch viel überlegener wurde.

Doch Diamond versucht, zu begründen, warum es grade die Europäer waren, die diese Vorteile entwickelt hatten, und nicht die Azteken, Mayas oder Bantu. Diamond benötigt dafür keinerlei Biologistische Erklärung, er sucht also den Unterschied zwischen den Völkern nicht in genetischen Unterschieden, für die es weder empirische Beweise noch andere Argumente gäbe, und sucht vielmehr geografische Gegebenheiten, die es den Europäern ermöglicht haben, all diese Dinge zu entwickeln und den Rest der Welt hinter sich zu lassen (beziehungsweise unter sich aufzuteilen).

Ein starkes Argument dafür, dass die Geographie eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Menschengruppen spielt, nimmt er aus Polynesien, wo die Besiedlung von Inseln und Inselgruppen (vor dem Auftreten der Europäer) viel schneller zu einer Diversifizierung der Lebensumstände geführt haben, als genetische Veränderungen auftauchen können: Auf den Inseln, die es möglich machen, wurde Argrarwirtschaft ausgeführt, es haben sich straffe Bürokratien, Staaten und schließlich auch (Proto-)Imperien entwickelt, während an anderen Stellen die ursprünglichen Bauern wieder zu Jägern und Sammlern wurden.

Der große Vorteil der Europäer war zunächst, dass sie so nahe am Nahen Osten wohnen, denn die meisten unserer Errungenschaften stammen von dort: Metallurgie, Schrift, Staatswesen. Der Nahe Osten hat den Vorteil, dass hier Gräser vorkommen, die mit sehr kleinen genetischen Veränderungen domestiziert wurden, und so heute die Kohlenhydrat-Grundlage für praktisch alle Gesellschaften außerhalb der Tropen bilden: Weizen und Gerste. Zusätzlich gab es in Eurasien recht viele große domestizierbare Säugetiere – und es müssen viele gute Faktoren zusammenkommen, damit Tiere gezähmt und gezüchtet werden können. Pech für die Amerikas und Australien war, dass der (biologisch) moderne Mensch dort erst ankam, als er schon gute und effiziente Jagdtechniken entwickelt hatte, und die lokale Fauna leicht ausrotten konnte. In Afrika und Eurasien hat es eine Ko-Evolution gegeben, sodass genügend Tiere übrig blieben, aus denen die passendsten ausgewählt werden konnten, als die Menschheit so weit war, eine Verwendung für Nutztiere zu haben.

Ein letzter Punkt ist die Ausrichtung der Kontinente. Die orientalischen Errungenschaften konnten sich leicht in Ost-West-Richtung ausbreiten, denn das Klima verändert sich nicht genug, um eine Nutzpflanze oder ein Nutztier nicht mitnehmen zu können. Pferde konnten nie in der Sahel-Zone oder südlich davon etabliert werden, und genausowenig Kühe und Schweine. Erfindungen an einer Stelle in Eurasien konnten sich aber letztendlich immer in ganz Eurasien ausbreiten, und so kamen Hühner aus Asien nach Westen und Kühe aus Indien nach Osten, die Schrift breitete sich wahrscheinlich vom Nahen Osten aus und Pferde breiteten sich von der Ukraine über den ganzen Kontinent aus. Die gleiche Ausbreitung ist in den Amerikas unmöglich: Pflanzen, die in Mexiko angebaut wurden, konnten erst viel später den Sprung über die Wüsten Nordamerikas in die fruchtbaren Ebenen des Mississippis und nie den Sprung nach Süden schaffen, denn auf dem Weg konnte man sie nicht gebrauchen. Ähnliche Barrieren verhinderten auch, dass es Weizen nach Südafrika oder Australien geschafft hätte (wo es heute angebaut wird) – erst die moderne europäische Schifffahrt hat diese Sprünge möglich gemacht.

Nicht zu unterschlagen dabei ist, dass Mais, das Uramerikanische Getreide, wesentlich weiter von seinen wilden Vorfahren weg ist und es daher wesentlich länger gedauert hat, bis Mais domestiziert war – man muss bedenken, dass sich nie ein Jäger oder Sammler hingesetzt hat und überlegt hat, dass er jetzt mal das Jagen sein lässt und statt dessen versucht, für seine Nachkommen dieses Gras zu einer nutzbaren Pflanze zu machen.

Unterm Strich ist Guns, Germs and Steel ein nicht brilliant geschriebenes, aber sehr gut und schlüssig argumentierendes Buch, dass den Ist-Zustand der Welt betrachtet, analysiert und Gründe sucht und findet. Dabei macht Diamond nie den Eindruck, dass er den Ist-Zustand rechtfertigen will; im Gegenteil sagt er sehr explizit, dass es keine Grundlage für die Diskriminierung von Aboriginees, Native Americans und Afrikanern gibt. Diese haben einfach nicht das Glück, Nachfahren von Menschen zu sein, die in ihrer Nähe ein solch (ideen-)fruchtbares Gebiet wie den Nahen Osten zu haben, aber das sagt nichts über die heutigen Menschen aus.

Stolz und Vorurteil

Noch so ein Klassiker aus dem 19. Jahrhundert, von einer Frau über Frauen geschrieben. Hauptperson ist eine junge Frau mit eigenem Kopf, die mit ihrer älteren Schwester und ihrem Vater ein Gegengewicht zu ihrer albernen Mutter und den drei kleineren Schwestern bildet. Achtung, Spoiler: Am Ende heiraten drei Töchter; die beiden älteren kriegen ihre reichen Traumprinzen, wobei sich der Stolz des einen im Laufe des Buches wandelt; Stolz ist auch seine Familie, und die Vorurteile auf beiden Seiten spielen eine große Rolle, die sich aber letztlich als der Liebe nicht hinderlich erweisen.

Aktuell ist auf meinem Reader Krieg und Frieden von Tolstoj geladen, aber das zu lesen habe ich noch nicht angefangen.

Und noch mehr Fantasy: Das Buch

Original-Post

Aktuell habe ich mir ein sehr langes Fantasy-Buch vorgenommen habe, das, ähnlich wie das Simarillion, die Geschichte eines Volkes und dessen Interaktion mit ihrem Gott über mehrere Jahrtausende beschreibt. Leider ist das Buch schlecht redigiert, so dass das Lesen recht anstrengend ist, aber ich habe einen Lese-Führer dafür im Internet gefunden, der diese Mammutaufgabe in 365 kleine und (hoffentlich) abwechslungsreiche Portionen zerlegt. Nach etwa zweieinhalb Monaten Lesezeit hatte ich etwas weniger als die Hälfte geschafft, die letzten beiden Monate bin ich wesentlich langsamer vorangekommen.

Das Buch ist durch und durch frauenfeindlich. Okay, das ist Folklore meistens, im Allgemeinen. Da gibt es dann aber die Geschichte von einem Feldherren, der von einem von einer Frau geworfenen Stein tödlich verletzt wird, und mit seinen letzten Worten seinen Knecht anflieht, dieser möge ihn doch mit dem Schwert töten, um die Schmach nicht zu haben, von einem Weib umgebracht worden zu sein. Oder, als ein anderer „Held“ dieses Buches in der Fremde bedrängt wird, bietet er denen seine Tochter und seine Mätresse an, damit er unbeschadet aus der ganzen Sache rauskommt.

Das Buch ist aber auch anstrengend, weil es oft Wiederholungen hat der Art „Ihm wurde gesagt, er solle ABC tun, also tat er ABC, weil ihm gesagt wurde, er solle ABC tun.“ Dieser Satz alleine ist schon schwierig; wenn ABC aber eine seitenlange Arbeitsanweisung ist, wird es wirklich schwierig. Die Fans des Buches scheint es nicht zu stören, ebensowenig, dass auch widersprüchliche Geschichten direkt hintereinander kommen können und trotzdem beide zum Kanon gehören. Da ist zum Beispiel einer der größeren Helden, der vom König verfolgt wird. Nun kommt der König in die Hand des Helden, ohne es zu wissen, der König wird verschont, und der Held ruft ihn an, ihm zu sagen, wie toll er ist, und dass der König doch bitte mal die Verfolgung lassen soll. Der König ist einisichtig und die beiden vertragen sich (wieder). Im nächsten Kapitel wird der Held vom König verfolgt, der König kommt in des Helden Hand, ohne das zu wissen, wird aber verschont. Als der Held dem König klarmacht, dass er ihn hätte töten können, sieht der König ein, dass die Fehde doch nun endlich beiseite gelegt werden sollte.

Nein, ich habe mich da nicht aus Versehen vertippt. Die beiden Geschichten unterscheiden sich im Setting, aber sonst nicht. Beide gehören zum Kanon, ohne dass es einen Hinweis gibt, dass es zwei Geschichten gibt, oder dass es sich der König anders überlegt hatte, oder was auch immer.

Und dabei ist noch nicht eingerechnet, dass ein recht prominenter Teil der Geschichte über einen weiteren Helden, zeitlich ganz hinten einzuordnen, in vier Versionen kommt. Die Jugendgeschichte dieses Helden wird dabei zwiemal komplett unterschiedlich und widersprüchlich erzählt; einmal muss seine Familie für Jahre ins Exil, einmal wird er direkt in die Hauptstadt geschickt, um das Establishment aufzurütteln. (In der dritten Version wird die Kindheit nicht erwähnt, und die vierte Version habe ich noch vor mir). Zentrales Thema dieses Helden ist, dass er von einem seiner Helfer verraten und dann von der Obrigkeit, angeblich ohne substantielle Anklage, hingerichtet wird.

Es ist eine qualvolle Hinrichtungsmethode, sagen wir, er müsse so lange rennen, bis er vor Erschöpfung zusammenbricht und stirbt (die Details sind anders, aber egal). In der Fantasy-Welt, von der das Buch handelt, ist diese Methode aber recht normal. Typischerweise laufen die Verurteilten zwei Tage, bis sie nicht mehr aufgerichtet werden können und tot sind. Unser Held läuft ein paar Stunden und stirbt.

Der Leichnam wird schnell von allen Augen verborgen durch einen komplett unbeteiligten Wandersmann, der Held taucht wieder auf und alle sind froh. Nur in einer von den vier Versionen dieser Heldengeschichte wird behauptet, dass sich irgendwer die Mühe gemacht hat, nachzuprüfen, ob der Held wirklich tot ist. Ein Schelm, wer dabei böses denkt…

Das Volk, um das es in dem gesamten Epos geht, wird mir nicht sympathisch. Es ist kriegerisch, der Gott dieser Leute bestraft sie einmal dafür, dass sie nicht (!) alle ihre Feinde inklusive Frauen, Kinder und deren Vieh töteten, sie betrügen (und metzeln nieder) ihre Feinde und ihre Verbündeten, rechtfertigen das dann aber wieder mit Verweis auf ihren Gott, der ja – wie jeder ordentliche Gott – natürlich von sich behauptet, der einzige zu sein. Das ist aber auch ein bisschen inkonsistent, denn manchmal sagt er auch „nur“, er solle als einziger angebeten werden, und die Götter der Feinde sollten nicht angebetet werden. Da wankt dann das Dogma des einen Gottes innerhalb dieser Fantasy-Welt.

Viele Probleme, die dieses Volk bewältigen muss, haben den Ursprung in seinen eigenen Taten. „Helden“ töten irgendwen, unprovoziert, und daraufhin greift das Volk des Geschädigten dann an. Was natürlich, so die Meinung des Volkes, komplett ungerechtfertigt ist und doch bitteschön von dem Gott daroben niedergeschlagen werden soll.

Ich könnte noch lange über meine Probleme mit dem Buch schreiben, aber warum lese ich es eigentlich? Wäre es nicht die Grundlage für eine (und, zu großen Teilen, auch noch zwei andere) Weltreligion(en), würde ich mich damit wohl kaum abfinden. Aber langsam verstehe ich, warum die katholische Kirche nie wollte, dass irgendjemand wirklich mal liest, was in der Bibel steht.

Träumender Mars und das Epos

Original-Post

Die Traumpfade sind mittlerweile ausgelesen; ein Großteil der zweiten Hälfte besteht aus zusammengeworfenen alten Tagebucheinträgen, die alle zeigen sollen, wie sehr die Menschen doch eigentlich Nomaden sind. Erzählt „während“ dem Warten auf Freunde (in der Mantelgeschichte) ist das doch stellenweise leider sehr anstrengend. Trotzdem gutes Buch!

Der Lange Mars

Dann gab’s da den langen Mars, eine Fortsetzung der Langen Erde die ich mir, trotzdem ich von den ersten beiden Büchern der Reihe nicht restlos begeistert war, dennoch durchgelesen habe. Wie der Name vermuten lässt, setzt sich die Parallelwelten-Geschichte hier auf dem Mars fort, allerdings sind die Parallelwelten des Mars in anderen Dimensionen als die der Erde. Wo der „Sprung“ ist, wird mir nicht klar, und — ja, ich weiß ja, es ist Fantasy — das hat meinen Lesefluss schon etwas gestört. Dafür geht die Geschichte etwas sinnvoller weiter als in den ersten beiden Büchern, würde also einen vierten Band wohl auch wieder lesen.

Jane Eyre

Charlotte Brontë schrieb in den 1840er Jahren diesen Roman über eine eigenwillige und -ständige Frau, die sich nicht gefallen lässt, wenn sie unfair behandelt wird. Am Ende (Achtung, Spoiler!) heiratet sie jedoch den ersten Mann, den sie kennenlernt (sie lässt sich aber vorher noch etwas bitten). Das gibt dem Buch aus meiner Sicht einen etwas faden Beigeschmack, und das Happy End erinnerte mich etwas an Dickens. Trotzdem eine beeindruckende Schilderung einer beeindruckenden Frau.

Dystopie, Juwelen und ein Werwolf

Original-Post

Es gibt ja doch eine Menge Bücher, von denen man viel hört; man hat eine Vorstellung davon und dadurch auch eine gewisse Erwartungshaltung. Nicht immer ist diese korrekt, siehe meine Kommentare zu Frankenstein. Drei weitere Bücher in dieser Richtung habe ich gelesen: Lord of the Flies, A Clockwork Orange, und Fahrenheit 451.

Lord of the Flies

Geschrieben kurz nach dem Krieg, spielt es in der nicht allzu fernen Zukunft; ein Evakuierungsflugzeug mit englischen Jungen zwischen 6 und 12 Jahren stürzt auf einer Pazifikinsel ab. Die Kinder organisieren sich erst, und über 3/4 der Länge berichtet das Buch zwar von Rangeleien und Machtkämpfen, aber nichts, was ich sehr schlimm gefunden hätte. Das letzte Viertel jedoch hat dann Albtraumpotential. Die Ereignisse überschlagen sich, die Kinder brennen die Insel in ihrem Krieg nieder, und werden im letzten Moment gerettet. Dieses Buch hat mich aufgewühlt, und ich bin mir nicht sicher, ob ich das hier von „menschlicher Natur“ nachvollziehen kann – vielleicht kann ich das besser einschätzen, wenn ich mal einen 12-jährigen Sohn hatte.

A Clockwork Orange

Was ich vorher dachte: Ein Buch gegen Kommunismus, eine kommunistische Gesellschaft wird gezeichnet, in der die Jugend gerne anderen auf die Fresse schlägt. Die Toten Hosen hatten „Hier kommt Alex“ mit der Zeile ‚zwanzig gegen einen, bis das Blut zum Vorschein kommt‘ versehen, aber Alex und seine Freunde gehen höchstens zu viert auf ihre Opfer los.

Die Sprache ist ohne Zweifel Slavisch geprägt, und Arbeit wird hoch gehalten, aber Kommunismus sehe ich nicht – es gibt Wahlen, und deren Ergebnisse scheinen sogar wirklich offen zu sein, und es gibt auch Religion. Totalitäter Staat? Ja, von mir aus. Ich würde diese Dystopie aber genauso auch in eine Kapitalistische totalitäre Gesellschaft verorten können. Am Ende wird Alex erwachsen, und das war’s dann. Moral? Weiß ich nicht. Burgess hasst scheinbar die Jugend und alle ihre Auswüchse (wie Elvis Presley und die Beatles). Empfehlenswertes Buch? Ich finde eher nicht.

Fahrenheit 451

kommt aus der gleichen Zeit wie die beiden anderen Bücher – Nachkriegszeit – und dreht sich um einen Feuer(wehr)mann, der mit seinen Kollegen verbotene Bücher verbrennt. Er kommt zur Besinnung, flieht aus der Stadt, die kurz darauf von Atombomben zerstört wird. (Dabei hat Amerika schon zwei Atomkriege begonnen und gewonnen, sagen sie vorher.)

Diese Dystopie ist für mich glaubwürdig und das Buch gut zu lesen (ist aber auch nicht so lang). Nur bin ich mir nicht sicher, was ich von der Prämisse halten soll, warum Bücher verbrannt werden: Der Grund ist die Diversifizierung der Gesellschaft. Immer mehr Minderheiten wollten immer mehr Literatur nicht mehr lesen, und wollten sie – heute würde man sagen „politisch korrekt“ – entschärft oder abgeschafft.

Die Gesellschaft verdrängt alles, das die Menschen zum Nachdenken bringen könnte, und gibt den Bürgern dafür nur seichte Unterhaltung und oberflächliche Beziehungen. Jugendkriminalität ist immens, wird aber ignoriert. In dieser Beziehung ist Fahrenheit 451 der Dystopie von Brave New World sehr ähnlich, kommt aber ohne diese ganze biologischen Wahnvorstellungen aus. Lesenswert? Aber Hallo!

Von den Juwelen

Tolkien ist mir ja immer etwas zu einseitig gewesen: die tollen Elben, die bösen Orks. Trotzdem habe ich mir mal das Simarillion vorgenommen. Im Vorwort gibt es einen Brief Tolkiens an seinen Verleger, in dem steht, dass dies eher eine Sammlung von Geschichten ist, und das auch in der Welt der Geschichte so sein soll – immerhin werden mehrere tausend Jahre behandelt.

Die Geschichten sind meistens nett, die Elben verlieren eine Menge ihres Glanzes, den sie für mich beim Herrn der Ringe und beim Hobbit hatten. Vieles der Geschichte habe ich durchaus besser verstanden, und vor allem die Hobbit-Trilogie, deren dritter Teil Ende diesen Jahres in die Kinos kommt, verstehe ich besser: Vieles der „zusätzlichen“ Geschichte im Film, die nicht im Buch war, wird im Simarillion tatsächlich explizit so erwähnt. Schöne Überraschung.

Schwierig war, bei den ganzen Namen den Überblick zu behalten, vor allem, weil so viele Leute und Dinge mehrere Namen haben. Ob ich mir die Verlorenen Geschichten, in denen die Dinge aus dem Simarillion (und den anschließenden Büchern, die zusammengetackert kommen) antuen werde (und wann), weiß ich aber noch nicht. Bei Tolkien brauche ich wohl immer ein bisschen Pause zwischendurch.

Der Garou

Mal was ganz anderes zwischendurch (und von Papier gelesen!): Garou.

Vor sehr langer Zeit, es muss 2007 gewesen sein, las ich Glennkill, eine Geschichte von irischen Schafen, die den Mord an ihrem Schäfer aufklären.

Nun sind die Schafe mit ihrer neuen Schäferin – die Tochter des alten – über Winter in Frankreich, im Schatten eines Schlosses, wo ein (oder nicht nur einer?) Werwolf – Loup Garou – sein Unwesen treibt.

Garou ist, wie auch Glennkill vorher, voller Wortwitz und wirklich süß geschrieben. Wenn es einen dritten Teil geben sollte, werde ich den mit Sicherheit auch lesen.

Traumpfade

Mal wieder was nicht in der Originalversion: Songlines von Bruce Chatwin gibt es nicht als Kindle-Edition, und die Hardware mit dem deutschen Text liegt hier halt rum. Chatwin berichtet von einer Reise nach Australien, in der er über die Songlines der Vorfahren der Aboriginees lernt. Die Songlines stellen das zentrale Element der Religiösität der Aboriginees dar. Auf dem Weg schweift der Autor immer wieder in andere Teile der Welt ab, in denen er von Nomaden, von Wandertrieb, Fernweh und verwandten Dingen erfahren hatte. Viel nebensächlicher Rassismus wird berichtet, nicht nur seitens der Bauerntölpel, sondern auch von Sherrifs und einfach den Institutionen.

Dieses Buch habe ich noch nicht durch, es ist ein gemeinschaftliches Leseprojekt, und zu zweit braucht man immer dafür Zeit. Als Mischung aus Sachbuch und Reisebericht ist es aber wirklich sehr unterhaltsam und informativ.

Religion, Monster und die Anstalt

Original-Post

Vor lauter lesen komme ich kaum dazu, zu schreiben, schon gar nicht darüber, was ich gelesen habe. Dabei ist das schon wieder eine Menge. Soviel, dass ich sogar in meine Amazon-Liste gucken muss, was es eigentlich alles war. Dort finde ich:

Pratchett

Dodger ist ähnlich gut weitergegangen, wie ich schon vorhergesehen hatte; es geht sogar noch wesentlich besser weiter. Danach gab es The Science of Discworld IV: Judgement Day, in dem es sehr stark um Kreationismus geht — eine fundamentalistische Omnische Sekte steht hier Pate für die fundamentalen Christen, die der Meinung sind, die Welt wäre intelligent aufgebaut. Selbst die Aussage ihres Gottes, dass die Welt eine Scheibe ist, kann sie nicht überzeugen, dass die Welt keine Kugel sei. Schöner Satz: „der Theologie [der Rundwelt] sind 2851 Götter bekannt. Sie glauben an 2850 Götter nicht, ich glaube nur einen mehr nicht. Das ist kein großer Unterschied.“ Pratchett, Stewart und Cohen sprechen mir sehr aus der Seele.

Danach ging es wieder „richtig“ auf die Scheibenwelt, Raising Steam führt Dampfloks auf der Scheibenwelt ein, aber ganz ohne Magie funktioniert es eben doch am Ende nicht. Auch hier wird ein alter Konflikt – Krieg zwischen Zwergen und Trollen – wieder aufgeflammt, durch radikale Gruppen bei den Zwergen. Die Feindseligkeiten wurden eigentlich in Thud überwunden, aber mal wieder erinnert Pratchett daran, dass ein in-den-Sonnenuntergang-reiten am Ende einfach selten das Ende ist. Irgendwann ist der Cowboy im nächsten Dorf.

Das Monster

Die Rahmenhandlung alleine ist interessant: Ein Engländer beschließt, dass es in der Polarregion im Sommer richtig warm sein muss, weil ja die Sonne immer scheint. Also bricht er zu einer Expedition von St. Petersburg zum Nordpol auf. Dort trifft er auf einen ausgemergelten Mann, der ihm die eigentliche Geschichte erzählt. Er ist auf der Jagd nach dem Feind, eine Kreatur, die er, Frankenstein, in Ingolstadt erschaffen hat, nachdem er das Geheimnis des Lebens entdeckt hatte.

Er hasst diese Kreatur von dem Moment, an dem er ihr Leben einhaucht, aber mir wurde nie klar, wieso. Die Kreatur flüchtet vor ihm, orientierungslos, versucht Kontakt zu Menschen aufzunehmen, wird aber immer nur verstoßen. Er bringt sich selbst bei, zu lesen, zu reden, und tötet – mit Absicht oder ohne, ist nicht klar – ein Kind. Er konfrontiert seinen Schöpfer, und fleht ihn an, ihm eine Begleiterin zu schaffen, auf dass er nicht mehr einsam sei. Aus Angst lehnt Frankenstein letztlich ab, das Monster rächt sich an seinem ungnädigen Schöpfer, Frankenstein verfolgt ihn, doch kommt schneller an seine Grenzen. Am Ende, auf dem Schiff des Engländers, in dem Frankenstein all dies erzählt, stirbt Frankenstein (nicht durch die Hände des „Monsters“), seine Kreatur kommt, betrachtet ihn. Dem Kapitän sagt er, dass er sich selbst am Nordpol verbrennen würde.

Ich dachte immer, Frankenstein sei eine Horrorgeschichte über ein böses Monster und einen verrückten Wissenschaftler. Ist es aber nicht. Es ist eine Geschichte darüber, wie die Gesellschaft auf Außenseiter reagiert und wie diese Außenseiter zu Einsamkeit getrieben werden können.

Eine nach Ost, eine nach West…

… und eine(r) flog übers Kuckucksnest. Keine Science-Fiction, keine Fantasy: Ein unglaublich beklemmender Einblick in eine Irrenanstalt in Oregon, USA in den 1950er Jahren. Mit, in gewisser Weise, Happy End. Bildungslücke geschlossen mit einer sehr guten Geschichte.

Harald Töpfer und die Lange Erde

Original-Post

Zwischen Gesprächen über Twitter, Urlaub und Wahlkampf habe ich in den letzten Monaten durchaus auch weiter gelesen. Höchste Zeit für ein paar Reviews!

Für den Urlaub und danach habe ich das erste Mal wirklich e-Bücher gekauft; bezahlen ist wie bei Amazon üblich sehr einfach und die Inhalte ähnlich aufgearbeitet wie bei den freien Büchern, die ich mir bis jetzt immer heruntergeladen hatte.

Sachbücher

Evolution: The Triumph of an Idea von Carl Zimmer ist ein Buch darüber, wie gut doch Evolution funktioniert. Es fängt an mit einer minutiösen Nacherzählung von Darwin’s Lebensweg, die ich am Anfang etwas überflüssig fand, die sich aber nachher doch gut in das Buch einfügt. Es wird klar gemacht, dass Evolutionstheorie Vorhersagen getroffen hat, die sich später als wahr herausgestellt haben, und das in einer großen Menge von verschiedenen Feldern, vor allem natürlich in der Genetik, einem Bereich, von dem Darwin noch absolut nichts wissen konnte. Die Ausführungen über die Evolution der Sprache am Ende empfand ich dann als etwas unsauber und wenig überzeugend, trotzdem bietet das Buch eine sehr schöne Übersicht über State of the Art und auch Status der Angriffe auf die Theorie. Das e-Book an sich hat allerdings all die kleinen erklärenden Boxen, die laut der Empfehlerin dieses Buches die Printversion verzieren, nicht.

The Signal and the Noise: Why so Many Predictions Fail – but Some Don’t von Nate Silver ist ein Buch über Statistik, Fehler und Vorhersagen. Eine der Grundaussagen des Buches ist es, dass es eigentlich immer besser ist, zu sagen, dass man sich unsicher ist, und diese Unsicherheit nach Möglichkeit zu quantifizieren. Silver erzählt in Anekdoten, von Sportwetten, politischen Vorhersagen, Wirtschaftsdaten, Erdbebenvorhersagen, Klima- und Wettermodellen und Pokerspielen und beleuchtet dabei Fehler, die einer der Disziplinen (fast) eigen sind, und Fehler, die überall gemacht werden; Disziplinen, in denen Vorhersagen gut klappen, und Disziplinen, in denen man mit einer Münze bessere Chancen auf korrekte Vorhersagen hat. Mir hat das Lesen viel Spaß gemacht; Silver hat viel mit den tatsächlich betroffenen Leuten geredet, etwa mit denen, die den Schachcomputer betreut haben, der Kasparov geschlagen hat, und er schreibt daraus spannende, aber lehrreiche Geschichten.

Scheibenwelt

Sollte ich erwähnen: Obwohl alle Scheibenweltbücher als Paperback bei mir im Regal stehen, habe ich Small Gods und The Amazing Maurice and His Educated Rodents für den kindle gekauft. Natürlich war diese Investition jeden Cent wert.

Harry Potter

Die Romane über den jugendlichen Zauberer Harald Töpfer von J.K. Rowling kann man nicht bei Amazon kaufen, sondern nur über einen externen Shop. Ich kannte bisher nur die Filme und war sehr gespannt auf die sieben Bücher; es hat auch nicht lange gedauert, bis ich sie alle gelesen hatte, nachdem ich einmal damit angefangen habe. Die ersten Romane sind sehr märchenhaft, und dann wird es immer düsterer. Genau diese Adjektive würde ich auch für die Filme verwenden – obwohl ich diese also eher zu düster empfand, muss ich jetzt sagen, dass die Stimmung der Bücher gut wiedergegeben ist. Und gegen Ende wird es auch wirklich immer spannender.

Nun habe ich ein paar Logik-Probleme mit der Geschichte, und ich meine damit nicht die Tatsache, dass da jemand zaubern kann und auch nicht die märchenhafte Überzeichnung von Harry’s Stieffamilie, aber ich probiere mal, über die unsinnigen Spielregeln bei Quidditch hinwegzusehen. Dann bleibt noch die uneingeschränkte Fähigkeit von Snape (!), alle Regeln zu brechen und seinem Haus-Team den Quidditch-Platz zum trainieren zu geben, obwohl er eigentlich für ein anderes Team reserviert war, und dass die Spiele manchmal verschoben werden, wenn ein Spieler krank ist, und manchmal nicht (und dass es grundsätzlich keine Ersatzspieler gibt). Und natürlich dieses ganze Punkte-System zwischen den Häusern, die scheinbar nur Snape zu ungunsten der anderen Häuser ausnutzt. Na gut, vielleicht einfach auch hier „Märchen“. Trotz allem wirklich schöne Bücher. Wenn ich logisch geschlossene Fantasy möchte, kann ich ja Terry Pratchett lesen.

The Long Earth

Mit Stephen Baxter zusammen schreibt ebenjener Autor zwei Bücher: The Long Earth und The Long War (Long Earth), die eine gemeinsame Geschichte erzählen. Diese spielen in der nicht allzuweit entfernten Zukunft – 2029/2030 und 2040. In der Geschichte muss irgendwann um das Jahr 2015 herum eine Technologie entwickelt/veröffentlicht worden sein, mit der man in Parallelwelten gehen kann, und von denen gibt es scheinbar beliebig viele, die linear aufgereiht sind (es werden mindestens 20 Millionen in die eine Richtung und etwas mehr als 2 Millionen in die andere Richtung besucht). Der zweite Teil – The Long War (Long Earth) hatte unerwarteterweise sehr wenig Geld gekostet; aber dann bemerkte ich, dass es eigentlich keine eigenständige Geschichte ist, sondern die Geschichte fortsetzt und einige lose Enden des ersten Buchs aufgreift.

Zwischenzeitlich 5 unabhängige Handlungsstränge, die Probleme und Chancen dieser Parallelwelten auf unterschiedliche Weise erforschen, werden ganz am Ende recht gekünstelt zusammengeführt, ohne wirklich irgendeine sinnvolle Motivation dafür zu bieten.

Am Ende sind das zwei Bücher, die sich sehr eingehend mit der Prämisse beschäftigen – was passiert, wenn auf einmal unendlich viel Platz zur Verfügung steht? Wie reagieren Staaten darauf? Wie können die anderen Welten aussehen? – aber von der Story her einiges zu wünschen übrig lassen. Schade.

Und weiter

Das bringt mich aber natürlich lange nicht ab davon, weiterhin viel von Pratchett lesen zu wollen; momentan lese ich Dodger, eine Geschichte, die im London des 19. Jahrhundert spielt. Der Titelheld ist ein Waise, der ein Talent dafür hat, in der Kanalisation wertvolle Dinge zu finden, und der am Anfang des Buches eine junge Dame vor Gewalt schützt. Fängt gut an. Und das nächste auf der Liste wäre dann Raising Steam, der neueste Scheibenweltroman, der allerdings erst im November veröffentlicht wird.

Echte Bücher Zwischendurch

Original-Post

Immer mal wieder drückt mir jemand mal ein Buch in die Hand mit der Aufforderung, das müsse ich mal lesen. Ende 2012 bekam ich so gleich drei Bücher, zwei im weitesten Sinne über Sexualität, eines über Mathematik und den freien Willen und konnte daher nicht mit den e-Books weitermachen.

Empfehlungsgemäß begann ich mit Sex at Dawn: The Prehistoric Origins of Modern Sexuality von Christopher Ryan und Cadilda Jethá. Ich mochte den Stil des Buches gar nicht – die Autoren verwenden viel zu viel Zeit darauf, zu sagen, dass das Standardbild menschlicher Sexualität (Monogamie, oder wenigstens serielle Monogamie (also immer nur einen Partner gleichzeitig, aber der kann im Laufe der Zeit wechseln), oder vielleicht Polygame Männchen zu Monogamen Weibchen) falsch ist, und warum die anderen Forscher alle Fehler machen, und viel zu wenig Zeit damit, ihren eigenen Punkt zu machen und ihre eigene Hypothese aufzustellen: Dass wir nicht „wie die Tiere“ sind, wenn wir viel Sex haben, sondern viel mehr gerade das die Menschen ausmacht. Sex als soziales Instrument, nicht zur Fortpflanzung. Dabei sind viele Punkte, die sie machen, gut, nachdenkenswert, für mich neu, provokant. Aber dann kommt immer wieder dieses „aber die anderen machen ständig Denkfehler“. Leider nervig, aber eigentlich gut. Leitthema: Sexualität ist natürlich, normal, gut, und viel mehr als Fortpflanzungsmittel.

Einen starken Gegenentwurf hatte ich dann mit „Elementarteilchen“ von Michel Houellebecq, einem Roman, der den Lebensweg zweier Halbbrüder nachzeichnet, die eine Hippie-Mutter haben, was beider Leben versaut hat. Beide kriegen es nicht hin, ein sinnvolles Verhältnis zu Frauen oder ihrer eigenen Sexualität aufzubauen, und am Ende extrapoliert Houellebecq ins Jahr 2070, in der sich die Gesellschaft durch die Erfindung des Klonens durch einen der beiden Brüder radikal verändert hat. Ein Leitthema in dem Buch ist, dass freier Sex schlecht ist – wenigstens verstehe ich das Buch so. Einem der beiden Protagonisten legt der Autor den Gedanken in den Mund, dass Kinderschänder und Satanisten eine logische Folge der Sexuellen Revolution sind. Würde ich nicht nochmal lesen.

Wirklich anstrengend, aber extrem lohnend war dann die Lektüre von „Gödel, Escher, Bach: an Eternal Golden Braid“ von Douglas Hofstadter. Hofstadter ist theoretischer Physiker, der sich in diesem Buch von 1979 vor allem mit künstlicher Intelligenz auseinandersetzt. Dabei verbindet er die Musik von Bach mit den Bildern von Escher (das sind zum Beispiel diese Bilder von physikalisch unmöglichen Anordnungen) und beides mit dem Unvollständigkeitssatz von Gödel, einem Mathematiker, der in den 1930er Jahren entdeckt hat, dass es in jeder hinreichend umfangreichen mathematischen Theorie Aussagen geben muss, bei denen man nicht entscheiden kann, ob sie richtig sind – man kann also immer ein Äquivalent der Aussage „Dieser Satz ist falsch“ finden.

Hofstadter führt dazu recht ausführlich in die Zahlentheorie ein, um den Satz zu motivieren, und schwenkt dann in Richtung Intelligenz und vor allem künstliche Intelligenz. Zwischen den Kapiteln streut er Dialoge, die meisten zwischen Achilles und der Schildkröte, ein, in denen er spielerisch die Konzepte aus dem Sachteil einführt, wiederholt, hervorhebt. Einige dieser Dialoge sind dabei Musikstücken von Bach nachempfunden: So gibt es einen Dialog, er wie ein Spiegelkanon aufgebaut ist, in dem beide Figuren die gleichen Sachen sagen, nur fängt die Schildkröte damit bei der letzten Aussage von Achilles (und umgekehrt) an. Der Effekt ist erstaunlich. Ein ander Mal erzählt er eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte, kommt aber zu der urprünglichsten Geschichte nicht wieder zurück – damit demonstriert er, wie es ist, wenn ein Musikstück nicht wieder zur ursprünglichen Grundtonart zurückkehrt. Eines Tages wandern die Figuren durch Gemälde von Escher, und einmal treffen sie sich mit der Krabbe und dem Ameisenbär, um ein Vorspiel und eine Fuge von Bach anzuhören. Hier schafft Hofstadter es, die Musikstücke von den Figuren beschreiben zu lassen, man liest also, was gerade in der Musik geschieht, und die vier Gesprächsteilnehmer machen genau das, was die Stimmen in der Fuge tun – Hofstadter schreibt also eine Dialogfuge. Nun habe ich nicht so viel Überblick über Fugen, daher bin ich mir sicher, dass ich vieles von den versteckten Tricks nicht bemerkt habe, trotzdem war es unwahrscheinlich erhellend, auch nur das Oberflächliche von Hofstadter’s Kunst zu entdecken.

Viele Gedanken, die sich Hofstadter Ende der 1970er Jahre gemacht hat, finde ich auch heute noch komplett richtig – was ich aufgrund des enormen Fortschrittes der Computertechnik seit damals keinesfalls für selbstverständlich halte (immerhin geht es viel um Computer). Zwei Sachen sind mir aber als anachronistisch aufgefallen: Die Paper von Turing, mit denen er die moderne Computertheorie begründet hat, sind für ihn zwar auch „alt“ – bei ihm sind das aber dreißig Jahre. Für mich sind Turing’s Arbeiten in Stein gemeißelt und altertümlich. Das zweite: Hofstadter schreibt, dass wenn ein Computer besser als alle Menschen Schach spielen lernen könnte, wäre die große Herausforderung noch, ihn zum Schachspielen zu überreden, denn das ginge nur mit einer ausgewachsenen Intelligenz und einem „eigenen Willen“. Bei XKCD kann man gut sehen, dass er damit unrecht hatte: „Normale“, nicht-intelligente Computer konnten 1996 das erste Mal den besten Menschen im Schach schlagen, und 2005 hat das letzte Mal ein Mensch gegen den besten Schachcomputer gewinnen können.

Diese Fehleinschätzung der Komplexität von Schach schmälert aber weder das Buch noch seine anderen Thesen. Gödel, Escher, Bach ist für Menschen, die sich in Mathematik und Mathematischen Denkweisen nicht wohlfühlen, wahrscheinlich ungeeignet, was ich sehr schade finde. Ich selbst bin über manche technischen Dinge hinweggegangen, weil ich lieber wissen wollte, wie es damit dann weitergeht, als was die genauen Details sind, aber natürlich weiß ich, dass ich als theoretischer Physiker es wesentlich leichter habe, den restlichen Teil zu verstehen als der Durchschnittsmensch. Wie gesagt, schade, denn es sind so viele tolle Gedanken in dem Buch, dass ich es eigentlich jedem gerne empfehlen würde.

Seit Gödel, Escher, Bach lese ich wieder auf dem kindle. Nach Life on the Mississippi von Twain habe ich alle Klassiker durch, mal sehen, ob ich dann auch mal ein eBook kaufe.

Englischsprachig

Original-Post

Ich wandte mich nach Goethe, Melville und Huxley dann alten amerikanischen und englischen Autoren zu, und zwar gemischt Charles Dickens, Oscar Wilde und Mark Twain. Ich habe dazu bei gutenberg.org nach den Autoren gesucht und relativ wahllos eBooks runtergeladen, ohne darauf zu gucken, was das für Bücher sind. In welcher Reihenfolge ich die Bücher gelesen habe, weiß ich nicht mehr, also fange ich mal mit Oscar Wilde an.

Oscar Wilde

Von Oscar Wilde kannte ich schon einiges – The Picture of Dorian Gray hatte ich direkt nach 1984 für den Englisch-Grundkurs in der Oberstufe gelesen, und andere Bücher hatte ich nebenbei mal gelesen. In der Tat sprühen die fiktionalen Bücher vor Witz, und so hat mit „An Ideal Husband“, „The Canterville Ghost“, „The Happy Prince“, „The Nightinggale and the Rose“, „The Selfish Giant“, „The Devoted Friend“ und „The Remarkable Rocket“ viel Spaß gemacht, ohne dass viel dabei hängen geblieben wäre. Gleiches kann ich aber nicht von „The Soul of Man under Socialism“ sagen.

Dieses Werk ist ein Aufsatz über eine Gesellschaft, in der niemand mehr arbeiten muss, weil alles von Maschinen erledigt wird. Jeder Mensch könne sich dadurch voll und ganz seiner Kunst widmen – wobei Kunst für Wilde da aufhört, wo man irgend etwas macht, um damit anderen zu gefallen. Hier fängt für ihn Unterhaltung an. Ich fand diesen Gedanken sehr schön und lesenswert.

Als letztes hatte ich mir „Intentions“ aufgehoben. Das besteht aus einem kurzen Dialog, der eigentlich auch aus einem langen Essay über Natur, Kunst und ihr Zusammenspiel aufgebaut ist, und dann tatsächliche Aufsätze. Die ich aber nicht mehr gelesen habe, weil ich es etwas ermüdend fand.

Charles Dickens

Von Dickens kannte ich viele Titel und wenig Inhalt. Eigentlich nur die Weihnachtsgeschichte, „A Christmas Carol“, in dem der böse, erzkapitalistische Scrooge von den drei Geistern der vergangenen, der aktuellen und der zukünftigen Weihnachtsfeiern das Herz ein wenig aufgeweicht wird. Ansonsten kannte ich die Namen „Oliver Twist“ und „David Copperfield“. „Great Expectations“ – also ‚Große Erwartungen‘ – bin ich komplett ohne Erwartungen entgegengetreten, aber am Ende war es eh wieder die gleiche Geschichte wie die beiden anderen: Kleiner, armer Junge schlägt sich durch sein Leben und irgendwer will ihm auch mal was Böses.

Lediglich „A Tale of Two Cities“ bricht daraus ein klein wenig aus, erzählt sie doch die Geschichte von Erwachsenen, die zwischen London und Paris hin- und herpendeln und dabei in die Wirren der französischen Revolution geraten. Lerneffekt dabei: Dickens scheint die Revolutionäre aus tiefstem Herzen zu hassen.

Mark Twain

Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn habe ich schon in der Grundschule gelesen, und in der fünften Klasse war ich in der Theater-AG und habe den Drunkenbold Muff Potter gespielt. Aber wirklich erinnern konnte ich mich nicht, also höchste Zeit zum wiederlesen. Beide Bücher habe ich sehr gerne gelesen, und bei Huckleberry Finn Bauklötze gestaunt: Twains Buch gilt laut Wikipedia trotz der Benutzung der Wörter „Nigger“ und „Negro“ als recht emanzipiert, und dann gibt es gegen Ende einen Dialog, in der ein Junge die Ausrede für seine Verspätung erfindet, an seinem Schiff sei der Kessel explodiert. Ein Neger sei dabei gestorben. „So ein Glück“, antwortet die Erwachsene, der das erzählt wurde, „ist da keine Person zu Schaden gekommen, das ist ja ganz schnell mal passiert.“

Dann gab’s da noch „The Innocents Abroad“, in dem Twain von seiner Kreuzfahrt von New York durch das Mittelmeer ins geheiligte Land und zurück erzählt. Von Wikipedia weiß ich mittlerweile, dass es als der meistverkaufte Reiseführer aller Zeiten gilt, und es ist auch wirklich gut geschrieben. Leider ist mir der Schwerpunkt auf Israel und die dortigen Erlebnisse etwas zu groß, aber ansonsten gibt es einen schönen Blick auf das Europa Mitte des 19. Jahrhunderts.

Viele Déjà-vus hatte ich beim Lesen von „A Conneticut Yankee in King Arthur’s Court“, das von einem Menschen erzählt, der durch Magie in das Jahr 620 nach England versetzt wird, zufällig weiß, das am nächsten Tag eine Sonnenfinsternis stattfinden soll und so einen hohen Stellenwert bei König Arthur bekommt, als Magier. Blöderweise konspiriert Merlin mit der Kirche, um ihn zu stürzen, und er fällt unter Merlins Zauber, schläft dreizehnhundert Jahre und wacht wieder auf, um seine Aufzeichnungen, die er gemacht hatte, an den Autoren weiterzugeben, bevor er stirbt. Auch das: ein gutes Buch.

The Prince and the Pauper ist ein Buch, von dem ich wegen des allgemeinen Settings – kleiner armer Junge in England – erst dachte, es sei von Dickens, aber nein: Die Geschichte von dem ungewollten Tausch zwischen Prinz Edward und dem Bettler Tom Canty ist von Twain geschrieben und daher auch wesentlich leichter und lustiger.

Noch nicht ganz fertig bin ich mit Life on the Mississippi, einem Sachbuch, bei dem Twain aber auch viel von seiner persönlichen Erfahrung als Steuermann auf dem großen Amerikanischen Fluss erzählt.

Damit habe ich unter anderem so lange gebraucht, weil ich zwischendurch auch noch Dinge von Papier gelesen habe.

Lesen

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Ich lese gerne. Das habe ich hier schon mal vor sehr langer Zeit geschrieben, und daran hat sich nicht viel geändert. Meine Lesemenge ist allerdings starken Schwankungen unterworfen.

Das schlechte Wetter Anfang diesen Jahres (naja, „Anfang“, haha, es regnet ja immernoch ständig) hat mich wieder viel zum Lesen gebracht, denn die U-Bahn-Fahrten morgens und abends eignen sich dazu ziemlich gut, auch wenn sie nur 7 Minuten dauern.

Nun hatte ich ja mal recht lautstark für einen eBook-Reader Werbung gemacht, und trotz dem hr-bericht über menschenunwürdige Bedingungen bei amazon habe ich meinen kindle nicht verschrottet oder stillgelegt. Immernoch würde ich dieses Gerät wieder kaufen. Und Geld für elektronische Bücher habe ich immernoch keins ausgegeben; ich lese immernoch alte Bücher, deren Inhalt nicht mehr dem Urheberrecht unterliegen und die legal und kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden können

Moby Dick und Faust

Nun aber zu den ganzen Büchern: Angefangen hatte ich das Lesen auf dem kindle mit der zweiten Hälfte von Moby Dick, einem Buch, was ich auch nicht hätte lesen müssen. (Bevor ich den kindle bekam, hatte ich schon damit angefangen.) Das lyrische Ich erzählt von seiner Zeit auf dem Schiff von Captain Ahab, der den weißen Wal Moby Dick jagt und am Ende von diesem zerstört wird. Immermal wieder wechselt Melville, der Autor, aber aus der Prosa in Theateranweisungen, als fehlte ihm die Lust, die Dialoge ordentlich auszuschreiben. Das lyrische Ich berichtet dann von der vollständigen Zerstörung des Schiffs, nur, oh, stimmt, er lebt ja noch, öh, ja, er hat irgendwie als einziger überlebt.

Als Nächstes wollte ich mal nachholen, was ich in der Schule nie lesen musste: Faust. Ich habe in der elften Klasse geschafft, Die Leiden des Jungen Werthers nicht lesen zu müssen und mich irgendwie durchzumogeln (ich weiß nicht mehr, wie das geklappt hatte), und die beiden Fausts in Versform fielen mir nicht viel leichter zu lesen. Ich bin während der Lektüre zu der Überzeugung gekommen, dass Goethe einfach ein verdammt schlechter Dichter war. Ständig stimmt das Versmaß nicht und man (ich) stolpert darüber. Ja, wird mir erzählt, das sind dann aber immer Stellen, an denen irgendwas Schlimmes passiert. Aber mal ehrlich: Im Faust geht es um einen Pakt mit dem Teufel. Und eine ganze Weile lang um die Hexen bei der Walpurgisnacht. Da passiert immer was Schlimmes. Ganz nebenbei wird außer dem Brocken (bei der Walpurgisnacht) noch genau eine Lokalität wirklich genau erwähnt: Auerbachs Keller in Leipzig. Vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen. Es tut überhaupt nichts zur Sache, dass Faust und Mephisto in Leipzig sind, oder eben in diesem Gewölbe, aber Goethe macht hier mal ein wenig Namedropping. Warum nur? Schleichwerbung? Jedenfalls ging es mir auf den Geist.

Dem Faust II hatte ich dann versucht, eine faire Chance zu geben, aber ich befürchte, dass mir das nicht wirklich gelungen war. Goethe-Fan werde ich mit Sicherheit nicht mehr.

Dystopie in Brave New World

Nach Moby Dick hatte ich erstmal eine ausgeliehene Papierversion von Huxley’s Brave New World gelesen. Leider hatte es meine Erwartungen nur teilweise erfüllt – dass die Dystopie von 1932 heute in vielen Teilen wesentlich anders gesehen wird, als Huxley sich das vorgestellt hatte, ist dabei nur ein Punkt. Ich hatte bei Recombinant Records vorher eine schöne Gegenüberstellung von 1984 (habe ich in der 12. Klasse mal im Unterricht gelesen) und Brave New World gesehen, die wegen Urheberrechtsfragen leider heute nicht mehr zu sehen ist und auf dem Buch Amusing Ourselves to Death basiert, und zu folgendem Schluss kommt: Orwell (Autor von 1984) hatte Angst davor, dass wir von dem beherrscht werden, was wir hassen, Huxley hatte befürchtet, dass wir von dem beherrscht werden, was wir lieben, und in unserer Konsumgesellschaft kommen wir dem zweiten sehr nahe.

Aber für meinen Geschmack überzeichnet Huxley das ganze ein bisschen, oder vielleicht ist das auch die Stärke bei dem Ganzen: In seiner Welt müssen Slogans und erzwungene Gewohnheiten den Kindern von der Zeugung (immer im Reagenzglas) an eingetrichtert werden, während wir heutzutage für „Better ended than mended“ — lieber wegschmeißen als reparieren – kein anderes Argument als die hohen Arbeitskosten während der Reparatur brauchen. Auch hat er ein – aus meiner heutigen Sicht von 80 Jahre später – viel zu deterministisches Bild davon, was DNA alles im Körper steuert. So gab es insgesamt viele „Ja, aber“-Momente für mich beim Lesen des Buchs. Vollkommen egal: Ich habe das Buch sehr genossen.

Mehr zum Lesen im nächsten Eintrag.

E-Book?

Original-Post

Ich habe seit ungefähr einem halben Jahr einen e-Reader, und zwar den kindle von Amazon. Ich bin sehr zufrieden damit, und heute mittag hat mich eine Freundin per Mail danach gefragt. Da die Antwort recht ausführlich und keinesfalls vertraulich ist, habe ich mich entschlossen, das zu veröffentlichen:

Ich habe mal ein paar Frage bezüglich dem Ebook-Reader, den Du dir gekauft hast. Was für ein Model ist denn das, warum hast Du dich nicht für ein Konkurrenzprodukt entschieden und würdest Du dir, wenn Du dir nochmal einen kaufen würdest, wieder diesen kaufen? Ich habe nämlich vor, mir demnächst selber einen zuzulegen. Nun bin ich am Vergleichen, da ja Verschiedene am Markt angeboten werden.

Ich habe den „kleinen“ (6 Zoll-) Amazon kindle, der jetzt als „Kindle Keyboard“ angeboten wird. (Ich sehe eben, dass der Kindle auch in einer noch kleineren (vom Funktionsumfang her) Version angeboten wird, mit weniger Tasten, weniger Speicher und weniger Akku.)

Ich hatte mich nach relativ eingehender Recherche für den Kindle entschieden, weil ich die Bedienung im Vergleich sehr intuitiv fand und ich kein Touchscreen wollte (das ist Geschmackssache, war aber für mich tatsächlich sehr ausschlaggebend). Das waren, glaube ich, tatsächlich die einzigen Gründe. Nachteilig ist, dass man auf Amazon festgelegt ist, während man z.B. mit den Sony-Readern sowohl von Thalia als auch von Hugendubel Bücher kann (und auch von noch anderen Firmen). Da ich bis jetzt ausschließlich Klassiker gelesen habe, die nicht mehr dem Urheberrecht unterliegen, ist das aber für mich vollkommen egal.

Den Kindle gibt’s auch noch in einer ca. DIN A4-großen Variante, die mir aber zu sperrig ist — mein momentaner ist nur unwesentlich größer als DIN A5, leicht, und mit einer Tasche, die du für 40 Euro dazukaufen kannst, sehr gut transportabel.

Noch ein paar Downsides: Der Kindle kann zwar pdfs anzeigen (lass‘ dir nicht von irgendwelchen Verkäufern erzählen, das könne er nicht, das war die allererste Version), ist dabei aber extrem langsam. Dafür ist er halt nicht gebaut. Wie das bei den anderen Readern aussieht, weiß ich nicht. Gleiches gilt für die Anzeige von Bildern oder Bilderserien, bei denen ist es aber noch ein wenig komplizierter, die richtig auf den kindle zu laden. Dem kindle Seitenzahlen zu entlocken ist — auch systembedingt — nicht (leicht?) möglich, also zum Beispiel zu wissen, wieviele Bildschirmseiten das Kapitel noch hat (oder das nächste — lese ich es noch vorm Schlafen?), ist nur durch vorblättern herauszufinden. Again, keine Ahnung, wie das bei den anderen ist. Zu guter Letzt finde ich die Bedienung zwar ziemlich gut, aber natürlich nicht perfekt.

Insgesamt finde ich, die Investition hat sich gelohnt, obwohl sie das vielleicht aus einer rein finanziellen Sicht nicht getan hat. (Da ich ca. 0,50-1,00 Euro pro Buch spare, müsste ich etwa 200 oder eher mehr Bücher lesen, bis sich das rechnet — wird nicht passieren.) Allerdings lese ich viel mehr als vorher, und auch wenn ich nicht alles am Kindle richtig toll finde (siehe oben), macht es doch ziemlich Spaß. Ich habe mir sogar von traffiq.de alle Fahrpläne in Frankfurt runtergeladen, und kann recht leicht herausfinden, ob ich gleich rennen muss zum Umsteigen oder mir Zeit lassen kann (ok, das kann mein Handy auch, aber das finde ich zu scheiße, um es ständig benutzen zu wollen).

Ja, ich würde mich ziemlich sicher wieder für den kindle entscheiden, allerdings nicht, ohne zu gucken, ob die Vorteile nicht mittlerweile in den anderen Readern vorhanden sind.

1. Update, Donnerstag, 12.01.2012 Nun ja, da war der Artikel keine 24 Stunden alt, und ich muss hinter die ganzen Loblieder auf den kindle was negatives sagen: Letzte Nacht hat sich das Display von der Gemeinschaft der funktionierenden Dinge verabschiedet. Es ist — ohne mir offensichtlichen Grund — scheinbar intern gerissen. Ich habe es dann heute abend daheim direkt eingepackt und an Amazon geschickt und warte nun gespannt auf die Qualität des Kundenservices.

2. Update, Freitag, 20.01.2012 Jetzt bin ich ein wenig verwirrt, und ich weiß nicht, ob ich das gut oder schlecht finden soll: Am Dienstag habe ich eine E-Mail von Amazon bekommen, dass mir der Einkaufspreis von meinem kindle erstattet würde. Ich muss zwar zugeben, dass ich nicht den richtigen Weg mit der Einsendung gegangen bin (da hätte ich einen Aufkleber ausdrucken müssen, aber das habe ich erst später gefunden — Minuspunkt für unübersichtliche Webseite). Zum Glück hatte ich vorher ein komplettes Backup von meinem kindle gemacht, also alles gut.

Nun sollte ich heute einen neuen kindle bekommen haben, den ich mir neu bestellt habe. Ob die Post den wirklich geliefert hat, werde ich dann sehen, wenn ich selbst wieder heim komme. Aber das gute dabei: Mittlerweile kostet der kindle nur noch 119 Euro statt 139, die ich dafür bezahlt hatte.

In jedem Fall hat der Kundenservice sehr schnell reagiert, auch wenn, wie gesagt, nicht ganz so, wie ich es erwartet habe. Aber unterm Strich ist das rausgekommen, was ich erwartet habe, und das komplett ohne Diskussion oder Kämpfe. Vielen Dank, amazon!