Nein, nicht „fünfzig“

Das muss man bei dem letzten Buch, das ich gelesen habe, immer dazu sagen, denn wenn man nur den Titel sagt, denkt jeder an den SM-Bestseller von 2012. Ich rede aber vom Science Fiction/Fantasy-Buch Shades of Grey I: The Road To High Saffron von Jasper Fforde. Nach Pratchett’s Tod hätte ich nicht gedacht, einen Autor zu finden, dessen Witz es mit ihm aufnehmen könnte; Fforde kommt dem aber immerhin ziemlich nahe.

Weit in der Zukunft ist die Gesellschaft nach strikten Regeln durchstrukturiert und da die Farbwahrnehmung der Menschen sehr stark nachgelassen hat, werden künstliche Farben zu sehr wertvollen Rohstoffen. Die meisten Menschen können nur eine Grundfarbe, niemand mehr als zwei, sehen, und so sind die Violettseher (rot und blau) die in der Gesellschaft höchstangesehenen; schlechter als Rotseher sind nur die Greys, die keine Farbe mehr als 10 % sehen können. Der Held der Geschichte ist ein Red, Eddie Russet, der eigentlich in eine reiche Red-Familie einheiraten will, aber in der Grenzregion auf die Grey Jane trifft, die so gar nicht mit den Regeln einverstanden ist und Eddie den Kopf und das Herz verdreht, und seine ganze Welt(anschauung) dabei herumdreht.

Fforde schreibt nicht nur von den sinnigen und unsinnigen Regeln (wie, dass keine Löffel hergestellt werden dürfen und man Bleistifte nicht zu oft spitzen sollte, oder dass Einräder rückwärts nicht in übermäßiger Geschwindigkeit gefahren werden dürfen), sondern auch von der Gesellschaft, von Hierarchien, Lügen, Macht und schafft es ganz nebenbei, den Bechdel-Test zu bestehen. Dies finde ich deshalb so bemerkenswert, weil es kein expliziter Frauenroman ist, oder gar von einer Frau geschrieben; es ist einfach eine ganz normale Geschichte von Menschen, nicht von Klischees. So, wie es sein sollte. Wow.

Wie der Titel andeutet, ist dies der erste Teil einer Trilogie, allerdings ist das Buch jetzt 6 Jahre auf dem Markt, ohne dass es eine Fortsetzung gäbe. Ich prangere das an!

baeuchle

Autor: baeuchle

Baujahr 1984, Maikind. Geboren in Frankfurt, aufgewachsen in Frankfurt, bis ins Alter von 31 Jahren eigentlich immer Frankfurt. Jetzt Kassel. Ausführliche Vorstellung

Ein Gedanke zu „Nein, nicht „fünfzig““

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