Kinderreime und Drachentöter

Die Nursery Crime-Reihe, ein Wortspiel auf Nursery Rhyme (Kinderreime), ist eine bisher zwei Bücher umfassende Bücherreihe von Jasper Fforde, die er nach den ersten vier Thursday Next-Büchern geschrieben hat und die in einer sehr ähnlichen Welt spielen. Hier ist die Hauptperson eine Person zweifelhafter Existenz, weil Jack Spratt eigentlich aus einem beliebten Englischen Kinderreim entspringt. Gleiches gilt für seine Assistentin Mary Mary und für die Opfer und Täter der Kriminalfälle, die die beiden und ihre Abteilung, die Nursery Crime Division, aufklären müssen.

Im ersten Buch, The Big over Easy, geht es um das Ableben von Humpty Dumpty, einem überdimensionalen Ei, das von seiner Lieblingsmauer gefallen ist, während Jack seine neue Assistentin Mary einarbeiten muss, bei seiner Mutter versehentlich Zauberbohnen pflanzt und sich um Aktiengeschäfte mit Fußcremeherstellern kümmern muss. In The Fourth Bear stehen dann Gurken, der Lebkuchenmann, Bären und Goldlöckchen im Mittelpunkt, zusammen mit einem Nichtvergnügungs-Themenpark, in dem den Besuchern das authentische Erlebnis des ersten Weltkrieges nähergebracht werden soll. Das Bildnis des Dorian Gray macht auf überraschende Art und Weise einen Auftritt.

Beide Bücher sind kurzweilig, haben viele abenteuerliche Wendungen, wo dann doch nicht alles so ist, wie man gedacht hat und zeigen durch und durch menschliche Hauptpersonen. Auch mit einer männlichen Hauptperson gibt es in diesem Universum mehrere Frauen mit Namen, die auch ihre eigenen Interessen haben und denen nachgehen, wie schon in Shades of Grey.

Fforde hat aber auch eine weitere lesenswerte Fantasyreihe angefangen, nämlich die von The Last Dragonslayer. Diese spielt ebenfalls in Großbritannien, was allerdings in die Ununited Kingdoms zersplittert ist. In einem der Königreiche, in Hereford, steht eines der beiden letzten Magischen Institute, in denen die Hauptperson Jennifer Strange, selbst keine Zauberin, die Organisation übernommen hat und, seitdem der Große Zambini verschwunden hat, auch die meisten Entscheidungen treffen muss. Ihr normaler Job, den Zauberern bezahlte Arbeit zu vermitteln (etwa, um Güter per Fliegendem Teppich zu transportieren, oder um die Verkabelung eines Hauses neu zu ordnen – Magie ist nicht mehr das, was es war) wird im ersten Buch unterbrochen, als immer mehr Hellseher davon sprechen, dass der letzte Drachen am nächsten Sonntag sterben würde. Der Magische Schutz des Drachengebietes würde wegfallen und unzählige Menschen machen sich auf, um sich ein möglichst großes Grundstück abzustecken. Zu allem Überfluss stellt Jennifer fest, dass sie die letzte Drachentöterin, mithin diejenige ist, die diesen Drachen wird töten müssen.

In The Song of the Quarkbeast muss Jennifer dem korrupten Staatsapparat Paroli bieten und gleichzeitig dafür sorgen, dass eine alte Brücke per Magie wieder aufgebaut wird – von ihren Zauberern, nicht denen der Konkurrenz.

The Eye of Zoltar ist ein Artefakt, dessen Existenz nicht sicher ist, aber Jennifer wird im dritten Buch dazu gezwungen, sich auf die Suche danach zu begeben. Dazu beginnt sie eine Expedition ins benachbarte Königreich, das der Sicherheitsgesellschaft die Stirn bietet und auf wirklich gefährliche Abenteuer setzt. Die Führerin der Expedition bietet auch nur eine Todesquote von 50 % der Teilnehmer*innen an… Das Buch endet mit einem Cliffhanger hin zum vierten Band der Serie, den es aber leider noch nicht gibt.

Allen Büchern ist ein unheimlich schöner Witz und ein sehr hintergründiger Kommentar unserer Welt gemein. Nachdem ich diese fünf Bücher gelesen hatte, habe ich alles von Fforde gelesen – dass mich ein Autor so sehr begeistern würde, kann ich nach wie vor kaum glauben.

Aufzüge ins Paradies

Ein Zeitungsartikel samt Interview hat mich vor zwei Monaten daran erinnert, dass ich eigentlich mal Arthur C. Clarke’s „Fountains of Paradise“, auf deutsch „Fahrstuhl zu den Sternen“ lesen wollte. Habe ich dann gemacht.

Es geht um die Konstruktion eines Weltraumliftes, also prinzipiell ein senkrechtes  Seil, das so lange ist, dass seine Schwerkraft durch die Fliehkraft der Erdumdrehung ausgeglichen wird. Von diesem Konzept habe ich das erste mal vor etwa 15 Jahren in Science of Discworld gelesen, mit Verweis auf das Buch von Clarke, und im ersten Semester gab es eine Übungsaufgabe in Experimentalphysik, bei der wir ausrechnen sollten, wie lange ein solches Seil sein müsste und welche Zugkräfte es aushalten müsste. (Wenn das Seil überall gleich dick ist, müsste es etwa 100 000 km lang sein und etwa 1000 mal stärker als Stahl sein, wenn ich mich richtig erinnere.) Clarke, der die Idee allerdings nicht erfunden hat, hat 1979 also eine Geschichte um den Bau des ersten solchen Seils und des Aufzuges, der darumgebaut wird, geschrieben, und sich dabei durchaus eingehende Gedanken über orbitale Bewegungen von Satelliten etc gemacht.

Er träumt von einem synthetischen Diamanten (und schreibt Jahre später im Vorwort, wie erstaunt er ist, dass ein solches Material mit Kohlenstoff-Nanoröhrchen und Fullerenen tatsächlich gefunden wurde und sich als sehr reißfest erweist), und von Computern, die jeder mit sich rumtragen kann und die „mehrere tausend Berechnungen pro Sekunde“ ausführen können. Und so ist neben dem für mich als Physiker interessanten Aspekten des Weltraumliftes eben auch der Blick auf Zukunftstechnologien sehr interessant. Es gibt ein System, mit dem jeder auf alle Informationen der Welt zugreifen kann (um sie sich dann auszudrucken) und in dem man jede Person auf der Welt finden kann, auch wenn sie mal umgezogen ist. Somit verschwendet man keine Zeit mehr damit, sein Adressbuch aktuell zu halten! Von Katzenvideos wird allerdings nichts gesagt.

In der Geschichte selbst wird die Jetztzeit (das 22. Jahrhundert) mit einer Geschichte von vor 2000 Jahren verwoben, denn die einzige geeignete Stelle für den Aufzug ist an einem Berggipfel, auf dem ein sehr altes Kloster steht. Zwar sind Religionen seit dem Erstkontakt mit einer Außerirdischen Raumsonde 70 Jahre vorher total out, aber Spiritualität lebt selbstverständlich trotzdem weiter.

Als technikaffinen Zukunftsroman macht Fountains of Paradise mit in jedem Fall sehr viel Lust darauf, in Zukunft noch mehr Bücher von Clarke zu lesen.

Nächster Donnerstag

In einer Parallelwelt spielen die (bisher) sieben Romane der Thursday-Next-Reihe von Jasper Fforde, jener Autor, von dem ich auch schon Shades of Grey gelesen habe. Die Hauptfigur eben, Thursday Next, lernt, in Bücher und die Welt, in der die Bücher spielen, zu springen und verändert im ersten Buch – The Eyre Affair – das Ende des Romans Jane Eyre. Wie auch zu anderen Gelegenheiten in der gesamten Serie ist das Endergebnis der Roman, so wie man ihn in unserer Welt kennt.

Eigentlich ist Thursday aber Veteranin des Krimkrieges, der in dieser Welt noch im Jahre 1985 andauert und zwischen England und Russland tobt, und das, obwohl England 1942 von den Deutschen besetzt war. Aktuell arbeitet sie für die Special Operations, eine zur Polizei parallele Organisation, die sich um die Dinge kümmert, die zu speziell oder schwierig für die normale Polizei sind.

Es ist schwierig, über sieben aufeinander aufbauende Bücher zu schreiben, ohne die ersten zu sehr zu spoilern, aber es sollte nicht überraschen, dass die Erzählerin und Titelheldin wenigstens die ersten sechs davon überlebt. Mehr noch: Thursday heiratet und bekommt einen Sohn, den sie Friday nennt (ihre Mutter heißt übrigens Wednesday). Die ersten vier Bücher gehen alle fast nahtlos ineinander über; das zweite Buch (Lost in a Good Book) finde ich als eigenständige Geschichte sehr schwach. Zu viele Punkte des ersten Buches werden einfach nur aufgearbeitet, zu wenig die eigene Geschichte weitergesponnen. (Abgesehen davon wäre eine Übersetzung „In einem guten Buch verloren“, aber die deutsche Ausgabe hat den langweiligeren Titel „In einem anderen Buch“.)

Wirklich Fahrt nimmt die Serie wieder mit Nummer drei – The Well of Lost Plots (diesmal mit sinnvoller Titelübersetzung im Deutschen) – auf. Da ihr Ehemann in Buch zwei von chronupten Zeitpolizisten ausradiert wurde, zieht sich Thursday in die Buchwelt zurück und harrt zwei Jahre lang mit Friday in einem weniggelesenen Buch aus und wird zur Agentin von Jurisfiktion, der Buchwelt-Polizei, ausgebildet. Schließlich kommt das Showdown im vierten Buch Something Rotten, in dem Thursday mit Hamlet zusammen in die echte Welt zurückkehrt, um den Untergang der Welt abzuwenden, in dem sie den Superhoop (das Äquivalent dieser Welt zu unserer Welt SuperBowl, aber für Cricket) für ihre Heimatstadt Swindon gewinnt und damit die merkwürdig spezifischen Vorhersagen von St. Zvlkx aus dem 13. Jahrhundert erfüllt. St. Zvlkx selbst erscheint ein paar Tage vorher, ebenfalls wie von ihm vorhergesagt, kann aber am Ende nicht mehr helfen.

Nach diesen vier Büchern, die Ende der 1980er Jahre spielen, springen wir im fünften Buch, „Irgendwo ganz anders“ (oder, in richtig: First Among Sequels) zum Anfang der 2000er, in denen Thursday zwei Kinder im Teenager-Alter hat – Friday hat eine kleine Schwester, Tuesday – und eine weitere Tochter, Jenny. Thursday arbeitet nicht mehr für Jurisfiction, und auch nicht mehr für Special Operations, oder wenigstens erzählt sie das ihrem Ehemann. Natürlich ist aber die Teppichverlegefirma, in die alle ehemaligen SpecOps-Offiziere bei der Auflösung von SpecOps gewandert sind, nur eine Fassade für die gleichen speziellen Operationen, und das widerum für Thursday nur eine Fassade für ihre Buchwelt-Ausflüge. Dort hat sie zwei Lehrlinge: Eine davon ist Thursday1-4, ihr geschriebenes Alter Ego aus den ersten vier Bücher, die aber in der Welt von Thursday Next voller roher Gewalt und Gefälligkeitssex sind. Da das der „echten“ Thursday überhaupt nicht gefiel, kommt sie mit Thursday1-4 ebensowenig klar wie mit der Blümchenkind-Veganer-Joga-Variante, die für das fünfte Buch The Great Samuel Pepys Fiasco (was es in unserer Welt nicht gibt) erschaffen wurde: Thursday5. Nebenbei muss sie ihren Sohn davon überzeugen, zu den Zeitwächtern zu gehen, da ansonsten alle Zeitreisen zusammenbrechen würden. Der ist aber eher damit beschäftigt, sich darüber Gedanken zu machen, wieso die „guten alten Zeiten“ früher so viel weiter weg waren als heute.

One of Our Thursdays is Missing ist schließlich aus der Perspektive der ehemaligen Thursday5 geschrieben, die den Job von Thursday1-4 übernommen hat. Die echte Thursday wird gesucht, denn sie wird dringend gebraucht, um in der Buchwelt einen Krieg zwischen den Genres Anzüglicher Roman und Feminismus zu verhindern. Thursday5 ist sich aber nicht sicher, ob sie nicht selbst die echte Thursday ist, die vielleicht das nur vergessen hat. Die in jedem Fall echte Thursday kommt aus diesem Buch schwer verletzt wieder zurück und bewirbt sich in The Woman who Died A Lot auf eine Stelle bei den wiedereingeführten SpecOps. Tuesday, ihre Tochter, ist fieberhaft damit beschäftigt, ein Schutzschild gegen Gotteszorn zu bauen, bevor am Ende der Woche die globale vereinheitlichte Gottheit in Swindon ein Exempel statuieren will.

All diese Bücher sind von einem Mann geschrieben und haben eine Frau als Protagonistin, ja sogar als Erzählerin. Und er spielt damit, dass Frauen sehr häufig entweder als Engel oder als Teufel dargestellt werden, aber selten als facettenreiche Menschen, wenn er die „echte“ Thursday ihrer Teufelsversion Thursday1-4, die nur ballern und ficken kann, gegenüberstellt. Thursdays versuche, das öffentliche Bild von sich zu bereinigen, schlagen dann ins Gegenteil um, und heraus kommt eine ebenso übertriebene Verzerrung einer Frau, die im Einklang mit sich und der Natur einfach immer nur alles und jeden Umarmen will, in Thursday5. Thursday hat einen liebenden Ehemann, der eine vielversprechende Karriere als Schriftsteller hinten an stellt, um sich um seine Familie zu kümmern und Thursday den nötigen Raum für ihre Abenteuer zu geben.

Auch mit Sprache kann er hervorragend umgehen. In der Buchwelt gibt es Parasiten, die Grammarsites, die Worte zersetzen. Adjectivores nehmen jegliche Beschreibung aus den Büchern, und zurück bleiben eigenschaftslose Objekte, und wenn die Handlung im Umfeld eines Myspeling Vyrus ist, insd auf enimal ale Wørder valcsh geschribn. Ulysses, zum Beispiel, wird von Satzzeichendieben heimgesucht, die im letzten Kapitel alle Satzzeichen geklaut haben, aber es wird nichts Natürliches gewesen sein, denn der letzte Punkt wurde übriggelassen. (Ich habe nochmal in meine halbangefangene Ausgabe von Ulysses geguckt: Da sind wirklich keine Satzzeichen im letzten Kapitel.) Nach dem Diebstahl wird gemutmaßt, ob im Outland (also der nicht-fiktiven Welt) das nicht irgendwer für besonders künstlerisch wertvoll halten würde. Harr, harr. Die Texte beinhalten unglaublich viele Referenzen auf Bücher, viele davon Klassiker, die keinem Copyright mehr unterliegen – einmal warten alle gespannt auf Harry Potter, aber dann kommt eine Assistentin und verkündet, er könne wegen Urheberrechtsprobleme leider an der Besprechung nicht teilnehmen.

In der Buchwelt sind Dinge nur textlich beschrieben; Thursday geht es in The Well of Lost Plots ziemlich auf den Keks, dass die Texturen und Gerüche fehlen. Wenn im Text nicht mehr steht, wer gerade was sagt, dann wissen das die Figuren auch nicht. Namen wie Grmskfpdldjkz sind vollkommen okay, denn auch wenn niemand in der Buchwelt weiß, wie sie auszusprechen sind, können sie diese Namen sagen – textlich. Neben der textlichen Welt heben die Bücher aber auch immer auf absurde Politik ab, wie in der Szene, in der ein Politiker in einer Debatte gefragt wird, ob er denn die „eine schreckliche Tat, die jemand letzten Dienstag begangen hat,“ verurteile.

First Among Sequels ist nur eines – das am prominentesten, als Buchtitel platzierte – Beispiel für die Wortspiele, die Fforde in die Bücher einbaut (aus „First Among Equals“ – Erster unter Gleichen – wird hier Erstes unter Fortsetzungen), andere Beispiele sind Namen wie Anne Wirthlass-Schitt, was man als „eine wertlose Scheiße“ verstehen kann, oder lauter Namen, die sich wie eine Verabschiedung in verschiedenen Sprachen anhören, zum Beispiel Alf Widdershain. Und als Thursday von einer Nonne angegriffen wird, berichtet sie, dass die Nonne sie eine „procreating girl-dog“ genannt hat, nur „nicht in genau diesen Worten“. Welche Worte für die sich fortpflanzende Hündin gewählt wurden, kann man sich dann selbst denken.

Das achte Buch, letzter Teil des zweiten Vier-Buch-Bogens, fehlt noch. Ich bin nun hin- und hergerissen, ob ich lieber eher Thursday Next 8 oder Shades of Grey 2 lesen will. Oder ich mache einfach weiter mit den anderen Büchern von Jasper Fforde.

Meg’s Geschichte

Eine ungewöhnliche Inspirationsquelle für ein neues Buch hat sich mir in der Rede von Chelsea Clinton beim Parteitag der US-Demokraten präsentiert, als sie davon sprach, wie sie mit „A Wrinkle in Time“ aufgewachsen ist. Nach kurzer Recherche entschloss ich mich, das auch mal zu lesen. Das Buch ist der erste Teil eines Quintetts, dessen andere Bücher ich im Anschluss auch gelesen habe.

Die Zeitfalte, so der deutsche Titel des ersten Buches, ist eine sehr klassische Gut/Böse-Geschichte. Meg, die 13-jährige Hauptperson, reist mit ihrem vierjährigen, aber mental schon ziemlich erwachsenen, Bruder Charles Wallace, und einem Freund, Calvin, mit der Hilfe von mystischen Gestalten auf fremde Planeten, um ihren Physiker-Vater vor einem bösen, körperlosen Gehirn zu retten. Dieses will alles gleichmachen, doch sie findet heraus, dass das nicht erstrebenswert ist, auch wenn sie sich oft wünscht, den anderen Kindern in der Schule ähnlicher zu sein.

A Wind in the Door spielt zwei Jahre später. Meg macht sich mit Calvin und einem Cherubim (so eine Art viele Drachen in einem) auf, diesmal in eine von Charles Wallace’s Zellen, in ein Mitochondrium, in dem ihre Biologen-Mutter neue Wesen, die Farandola, postuliert hat. Diese sollen so symbiotisch in den Mitochondrien leben wie diese in unseren Zellen, aber zu klein sein, um gesehen zu werden. Nun gilt es, eine dieser Dinger zu überzeugen, nicht einen auf Hippie zu machen (ich paraphrasiere hier mal, was die Autorin Madeleine L’Engle damals in 1973 wohl gemeint haben möge), sondern sich wie seine Eltern zu verhalten und damit in diesem einen Mitochondrium in dieser einen Zelle dieses einen kleinen Jungen in diesem einen Planeten in der einen Galaxie die gesamte Balance des Universums so zu verschieben, dass sowohl Charles Wallace als auch das ganze Universum gerettet wird.

In A Swiftly Tilting Planet erfahren wir dann, dass die Mutter für die Entdeckung der Farandola den Nobelpreis erhalten hat, und dass der Vater für den Präsidenten der Vereinigten Staaten ein so wichtiger Ratgeber ist, dass er abends persönlich angerufen wird und als einer der wenigen Menschen erfährt, dass dieser eine Südamerikanische Präsident wohl morgen den Atomkrieg anfangen wird. Die mittlerweile 23-jährige Meg ist momentan von ihrem Ehemann Calvin schwanger, und dessen Mutter gibt Charles Wallace einen alten Zauberspruch aus Wales, den er auf seiner Reise in der folgenden Nacht oft weitergeben wird: Mit Hilfe eines Einhorns springt er in der Zeit zurück und wird Zeuge, wie zwei Prinzen aus Wales lange vor den Wikingern in Nordamerika landen; der junge Prinz natürlich der gute, reine, der ältere der Böse. Deren Nachkommen über die Jahrhunderte resultieren letztlich in dem Diktator in Südamerika, und es ist Charles’ Aufgabe (immer IM Geist eines der Protagonisten der Episode), dafür zu sorgen, dass bei jedem Aufeinandertreffen der Nachkommen der Gute gewinnt und letztlich der Regierungschef mit den Atomwaffen aus der guten Reihe kommt.

Charles Wallace und Meg nehmen dann in Many Waters eine Nebenrolle ein, als wir deren Zwillingsbrüder Sandy und Dennys begleiten. Diese sind bisher immer nur nebenbei aufgetaucht und drei Jahre jünger als Meg. Nun laufen sie etwa vier Jahre vor den Ereignissen in A Swiftly Tilting Planet in ein Experiment ihres Vaters herein, dass sie in die Zeit vor der biblischen Sintflut in die Oase, in der Noah und seine Familie wohnen, versetzt. Auch hier gibt es einen Kampf der Guten gegen die Bösen. Wir alle wissen natürlich, dass da eine Flut kommen wird, und die Zwillinge wissen das auch. Die Geschichte bis dahin ist ganz nett und durchaus spannend, aber das Ende ist schlichtweg unkreativ und entwickelt sich eigentlich nicht aus der Geschichte heraus, sondern hätte auch die ganze Zeit so kommen können.

Schließlich sind wir in An Acceptable Time bei Meg’s Tochter Polly angelangt, und eigentlich ist das eine Geschichte, die auch in eine andere Reihe von Büchern über Polly passt. Polly stolpert bei ihren Großeltern (der Nobelpreisträgerin und dem Physiker) immer wieder in einen anderen „Zeitkreis“, der 3000 Jahre in der Vergangenheit liegt und besonders kurz vor Halloween stark mit „unserer“ Zeit verknüpft ist. Neben ihr kann ein befreundeter Bischof, ein Bekannter von Polly und eine Cobra, sowie zwei Menschen und ein Hund aus der alten Zeit, zwischen den Zeitkreisen wechseln – manchmal. „Damals“ herrscht Dürre, und das Volk des Windes, dem Charles Wallace schon in A Swiftly Tilting Planet begegnet war, wird wieder mal (beziehungsweise damals schon) von dem bösen Stamm von jenseits des Sees bedroht. Wieder sind zwei Brüder aus Wales per Schiff über den Atlantik gekommen und landeinwärts weitergezogen, um genau dort zu landen.

Allen Büchern ist gemeinsam, dass die Autorin versucht, ihren Geschichten den Hauch von wissenschaftlicher Plausibilität zu vermitteln, sich dabei aber bei Motiven und Gedanken aus New-Age-Pseudozeugs bedienen. Für meinen Geschmack gibt es zu viele Punkte, an denen ich mich Frage, ob sie die Grundlagen der jeweiligen Disziplinen genug verstanden hat, um davon ausgehend eine Fantasiewelt zu erschaffen (wie ich es bei Pratchett immer empfunden habe), oder ob sie einfach wissenschaftliche Worte verwendet, um ihren narrativen Erfindungen die Illusion der Glaubwürdigkeit zu geben. Ein Beispiel, aus dem letztgelesenen Buch: Polly’s Opa versucht, sie zu beruhigen und „auf den Boden der Realität“ zurückzuholen, und fragt sie Physik-Dinge ab. Zum Beispiel, woraus ein Proton besteht. 3 Quarks, antwortet Polly. Opa fragt darauf, welche Richtung, und Polly antwortet: „two up, one down.“ Ein Proton besteht tatsächlich aus zwei Up- und einem Down-Quark, aber das sind keine Richtungen, sondern Bezeichnungen für zwei Arten von Quarks, die nichts mit den gewöhnlichen Konzepten von hoch, runter, Seltsamkeit, Anmut, Unten und oben zu tun haben, auch wenn die Teilchen up, down, strange, charm, bottom und top genannt wurden. Kurz gesagt: Hier ist ein kleiner Teil gehört und gründlich missverstanden worden. Ähnliches lässt sich über die Relativitätstheorie sagen.

Wie gesagt, Fantasy muss nicht wissenschaftlich korrekt sein, aber hier ist für mich wirklich einfach zu viel Märchen vermischt mit Pseudo-Blabla.

Darüberhinaus sind die Bücher zwar nicht explizit pro-Christlich, und teilweise sogar Christentumskritisch, aber immer wieder kommen Motive aus Bibel und Thora vor; und immer wieder sind diese wahr (das beinhaltet die oben erwähnte Geschichte von Noah, aber auch Jesus). Die Ureinwohner werden so beschrieben, als glaubten sie eigentlich auch an den gleichen Gott wie die zivilisierten Völker, wissen es nur nicht – überhaupt, die Urvölker Amerikas werden sehr stark verfeuersteint, also in ein romantisches, modern geprägtes Weltbild von damals hineingepresst. Flintstonization ist ein Konzept, dass ich im Buch Sex at Dawn kennengelernt habe; es besagt eben, dass viele Anthropologen in die Funde von Steinzeitmenschen ihre heutige Gesellschaftsform hineininterpretieren, wir wissen ja immerhin, dass die Steinzeitmenschen genauso gelebt haben wie wir – siehe Fred Feuerstein (oder Flintstone, im Original). Ähnliches passiert hier; als gröbsten Fehler sehe ich die Annahme, dass die Ureinwohner Nordamerikas vor 3000 Jahren Landwirtschaft betrieben hätten und sesshaft waren. (Warum das ein Problem wäre, habe ich in Guns, Germs and Steel gelernt.)

Langer Rede kurzer Sinn: Keine guten Bücher.

Nein, nicht „fünfzig“

Das muss man bei dem letzten Buch, das ich gelesen habe, immer dazu sagen, denn wenn man nur den Titel sagt, denkt jeder an den SM-Bestseller von 2012. Ich rede aber vom Science Fiction/Fantasy-Buch Shades of Grey I: The Road To High Saffron von Jasper Fforde. Nach Pratchett’s Tod hätte ich nicht gedacht, einen Autor zu finden, dessen Witz es mit ihm aufnehmen könnte; Fforde kommt dem aber immerhin ziemlich nahe.

Weit in der Zukunft ist die Gesellschaft nach strikten Regeln durchstrukturiert und da die Farbwahrnehmung der Menschen sehr stark nachgelassen hat, werden künstliche Farben zu sehr wertvollen Rohstoffen. Die meisten Menschen können nur eine Grundfarbe, niemand mehr als zwei, sehen, und so sind die Violettseher (rot und blau) die in der Gesellschaft höchstangesehenen; schlechter als Rotseher sind nur die Greys, die keine Farbe mehr als 10 % sehen können. Der Held der Geschichte ist ein Red, Eddie Russet, der eigentlich in eine reiche Red-Familie einheiraten will, aber in der Grenzregion auf die Grey Jane trifft, die so gar nicht mit den Regeln einverstanden ist und Eddie den Kopf und das Herz verdreht, und seine ganze Welt(anschauung) dabei herumdreht.

Fforde schreibt nicht nur von den sinnigen und unsinnigen Regeln (wie, dass keine Löffel hergestellt werden dürfen und man Bleistifte nicht zu oft spitzen sollte, oder dass Einräder rückwärts nicht in übermäßiger Geschwindigkeit gefahren werden dürfen), sondern auch von der Gesellschaft, von Hierarchien, Lügen, Macht und schafft es ganz nebenbei, den Bechdel-Test zu bestehen. Dies finde ich deshalb so bemerkenswert, weil es kein expliziter Frauenroman ist, oder gar von einer Frau geschrieben; es ist einfach eine ganz normale Geschichte von Menschen, nicht von Klischees. So, wie es sein sollte. Wow.

Wie der Titel andeutet, ist dies der erste Teil einer Trilogie, allerdings ist das Buch jetzt 6 Jahre auf dem Markt, ohne dass es eine Fortsetzung gäbe. Ich prangere das an!

Utopia’s Krone

Dass ich schon zu lange nichts mehr am Blog gemacht habe, sieht man daran, dass ich nun nach den ersten beiden auch noch einen dritten Artikel über das, was ich in der Zwischenzeit gelesen habe, schreibe.

Mein Lieblingsautor ist im März 2015 gestorben. Bis Dezember 2014 konnte er trotz Alzheimer schreiben; seine beiden letzten Bücher sind mittlerweile erschienen. The Shepherd’s Crown – Die Krone des Schäfers – ist ein Scheibenweltroman mit Tiffany Aching, und ziemlich wörtlich eine Geschichte vom Leben nach dem Tod. Nicht so sehr für die gestorbene Person, sondern für diejenigen drumherum. Und wenn, wie hier, die mächtigste Hexe der Welt stirbt (das ist kein großer Spoiler, denn damit fängt die Geschichte an), hat das auf sehr viele Menschen – und andere Wesen – Einfluss. Ein wenig Who-is-who der Scheibenwelt-Charaktere, vor allem diejenigen, die in den Büchern mit Granny Wheatherwax aufgetaucht sind, runden wenigstens diesen Teil der Scheibenwelt-Saga schön ab. Leider merkt man aber an ein oder zwei Stellen, dass die Geschichte nicht fertig erzählt war und zwischendurch offene Geschichtsfäden rumhängen, die in einem vollständigen Buch geschlossen worden wären.

Ähnlich fällt das Urteil zu The Long Utopia, dem letzten Buch der Long Earth-Reihe: Würdiges Ende, in dem viele Handlungsstränge der anderen Büchern elegant beendet werden, aber von der Geschichte her irgendwie unvollständig. Mein früherer Eindruck, dass die Grundidee (der parallelen Welten) etwas sehr wirr und schlecht ausgedacht ist, bleibt bestehen; es war genauso wirr gedacht, wie ich dachte, und dies wird als wichtiges, ungeklärtes Element in die Auflösung der Geschichte eingebaut. Wie gesagt, auch hier fehlt einfach was, und das ist wirklich sehr schade.

Noch mehr Krieg

Nach der langen, fiktiven Geschichte eines realen Krieges war ich gespannt auf die wahrgeglaubte Geschichte eines fiktiven Krieges; H.G. Wells‘ Krieg der Welten. Außer, dass bei einem Hörspiel dieses Buches mal eine Massenpanik ausgebrochen ist, weil die Hörer tatsächlich glaubten, die Welt werde angegriffen, wusste ich nicht viel von diesem Buch. Die Geschichte spielt sich innerhalb weniger Wochen ab, der namenlose Ich-Erzähler berichtet davon, wie die Marsianer in England landen, alles kaputt machen und viele Menschen umbringen (er entflieht einige Male aus schierem Glück) und wie die Menschheit letztendlich überlebt. Dabei sind einige interessante mikrobiologische Aspekte interessant, aber auch davon abgesehen ist es ein recht kurzweiliges Buch.

Noch mehr Erzählungen aus dem Weltall las ich dann in „Der kleine Prinz“, in der der kleine Prinz von seinem Planeten viele hintergründige Dinge über Könige, Buchhalter, Hüte und Flugzeuge lernt. Ein Kinderbuch, ich weiß, aber ich habe es als Kind nie gelesen, und es hat mir viel Spaß gemacht, dies jetzt nachzuholen.

Und noch mehr Fantasy: Das Buch

Original-Post

Aktuell habe ich mir ein sehr langes Fantasy-Buch vorgenommen habe, das, ähnlich wie das Simarillion, die Geschichte eines Volkes und dessen Interaktion mit ihrem Gott über mehrere Jahrtausende beschreibt. Leider ist das Buch schlecht redigiert, so dass das Lesen recht anstrengend ist, aber ich habe einen Lese-Führer dafür im Internet gefunden, der diese Mammutaufgabe in 365 kleine und (hoffentlich) abwechslungsreiche Portionen zerlegt. Nach etwa zweieinhalb Monaten Lesezeit hatte ich etwas weniger als die Hälfte geschafft, die letzten beiden Monate bin ich wesentlich langsamer vorangekommen.

Das Buch ist durch und durch frauenfeindlich. Okay, das ist Folklore meistens, im Allgemeinen. Da gibt es dann aber die Geschichte von einem Feldherren, der von einem von einer Frau geworfenen Stein tödlich verletzt wird, und mit seinen letzten Worten seinen Knecht anflieht, dieser möge ihn doch mit dem Schwert töten, um die Schmach nicht zu haben, von einem Weib umgebracht worden zu sein. Oder, als ein anderer „Held“ dieses Buches in der Fremde bedrängt wird, bietet er denen seine Tochter und seine Mätresse an, damit er unbeschadet aus der ganzen Sache rauskommt.

Das Buch ist aber auch anstrengend, weil es oft Wiederholungen hat der Art „Ihm wurde gesagt, er solle ABC tun, also tat er ABC, weil ihm gesagt wurde, er solle ABC tun.“ Dieser Satz alleine ist schon schwierig; wenn ABC aber eine seitenlange Arbeitsanweisung ist, wird es wirklich schwierig. Die Fans des Buches scheint es nicht zu stören, ebensowenig, dass auch widersprüchliche Geschichten direkt hintereinander kommen können und trotzdem beide zum Kanon gehören. Da ist zum Beispiel einer der größeren Helden, der vom König verfolgt wird. Nun kommt der König in die Hand des Helden, ohne es zu wissen, der König wird verschont, und der Held ruft ihn an, ihm zu sagen, wie toll er ist, und dass der König doch bitte mal die Verfolgung lassen soll. Der König ist einisichtig und die beiden vertragen sich (wieder). Im nächsten Kapitel wird der Held vom König verfolgt, der König kommt in des Helden Hand, ohne das zu wissen, wird aber verschont. Als der Held dem König klarmacht, dass er ihn hätte töten können, sieht der König ein, dass die Fehde doch nun endlich beiseite gelegt werden sollte.

Nein, ich habe mich da nicht aus Versehen vertippt. Die beiden Geschichten unterscheiden sich im Setting, aber sonst nicht. Beide gehören zum Kanon, ohne dass es einen Hinweis gibt, dass es zwei Geschichten gibt, oder dass es sich der König anders überlegt hatte, oder was auch immer.

Und dabei ist noch nicht eingerechnet, dass ein recht prominenter Teil der Geschichte über einen weiteren Helden, zeitlich ganz hinten einzuordnen, in vier Versionen kommt. Die Jugendgeschichte dieses Helden wird dabei zwiemal komplett unterschiedlich und widersprüchlich erzählt; einmal muss seine Familie für Jahre ins Exil, einmal wird er direkt in die Hauptstadt geschickt, um das Establishment aufzurütteln. (In der dritten Version wird die Kindheit nicht erwähnt, und die vierte Version habe ich noch vor mir). Zentrales Thema dieses Helden ist, dass er von einem seiner Helfer verraten und dann von der Obrigkeit, angeblich ohne substantielle Anklage, hingerichtet wird.

Es ist eine qualvolle Hinrichtungsmethode, sagen wir, er müsse so lange rennen, bis er vor Erschöpfung zusammenbricht und stirbt (die Details sind anders, aber egal). In der Fantasy-Welt, von der das Buch handelt, ist diese Methode aber recht normal. Typischerweise laufen die Verurteilten zwei Tage, bis sie nicht mehr aufgerichtet werden können und tot sind. Unser Held läuft ein paar Stunden und stirbt.

Der Leichnam wird schnell von allen Augen verborgen durch einen komplett unbeteiligten Wandersmann, der Held taucht wieder auf und alle sind froh. Nur in einer von den vier Versionen dieser Heldengeschichte wird behauptet, dass sich irgendwer die Mühe gemacht hat, nachzuprüfen, ob der Held wirklich tot ist. Ein Schelm, wer dabei böses denkt…

Das Volk, um das es in dem gesamten Epos geht, wird mir nicht sympathisch. Es ist kriegerisch, der Gott dieser Leute bestraft sie einmal dafür, dass sie nicht (!) alle ihre Feinde inklusive Frauen, Kinder und deren Vieh töteten, sie betrügen (und metzeln nieder) ihre Feinde und ihre Verbündeten, rechtfertigen das dann aber wieder mit Verweis auf ihren Gott, der ja – wie jeder ordentliche Gott – natürlich von sich behauptet, der einzige zu sein. Das ist aber auch ein bisschen inkonsistent, denn manchmal sagt er auch „nur“, er solle als einziger angebeten werden, und die Götter der Feinde sollten nicht angebetet werden. Da wankt dann das Dogma des einen Gottes innerhalb dieser Fantasy-Welt.

Viele Probleme, die dieses Volk bewältigen muss, haben den Ursprung in seinen eigenen Taten. „Helden“ töten irgendwen, unprovoziert, und daraufhin greift das Volk des Geschädigten dann an. Was natürlich, so die Meinung des Volkes, komplett ungerechtfertigt ist und doch bitteschön von dem Gott daroben niedergeschlagen werden soll.

Ich könnte noch lange über meine Probleme mit dem Buch schreiben, aber warum lese ich es eigentlich? Wäre es nicht die Grundlage für eine (und, zu großen Teilen, auch noch zwei andere) Weltreligion(en), würde ich mich damit wohl kaum abfinden. Aber langsam verstehe ich, warum die katholische Kirche nie wollte, dass irgendjemand wirklich mal liest, was in der Bibel steht.

Träumender Mars und das Epos

Original-Post

Die Traumpfade sind mittlerweile ausgelesen; ein Großteil der zweiten Hälfte besteht aus zusammengeworfenen alten Tagebucheinträgen, die alle zeigen sollen, wie sehr die Menschen doch eigentlich Nomaden sind. Erzählt „während“ dem Warten auf Freunde (in der Mantelgeschichte) ist das doch stellenweise leider sehr anstrengend. Trotzdem gutes Buch!

Der Lange Mars

Dann gab’s da den langen Mars, eine Fortsetzung der Langen Erde die ich mir, trotzdem ich von den ersten beiden Büchern der Reihe nicht restlos begeistert war, dennoch durchgelesen habe. Wie der Name vermuten lässt, setzt sich die Parallelwelten-Geschichte hier auf dem Mars fort, allerdings sind die Parallelwelten des Mars in anderen Dimensionen als die der Erde. Wo der „Sprung“ ist, wird mir nicht klar, und — ja, ich weiß ja, es ist Fantasy — das hat meinen Lesefluss schon etwas gestört. Dafür geht die Geschichte etwas sinnvoller weiter als in den ersten beiden Büchern, würde also einen vierten Band wohl auch wieder lesen.

Jane Eyre

Charlotte Brontë schrieb in den 1840er Jahren diesen Roman über eine eigenwillige und -ständige Frau, die sich nicht gefallen lässt, wenn sie unfair behandelt wird. Am Ende (Achtung, Spoiler!) heiratet sie jedoch den ersten Mann, den sie kennenlernt (sie lässt sich aber vorher noch etwas bitten). Das gibt dem Buch aus meiner Sicht einen etwas faden Beigeschmack, und das Happy End erinnerte mich etwas an Dickens. Trotzdem eine beeindruckende Schilderung einer beeindruckenden Frau.

Dystopie, Juwelen und ein Werwolf

Original-Post

Es gibt ja doch eine Menge Bücher, von denen man viel hört; man hat eine Vorstellung davon und dadurch auch eine gewisse Erwartungshaltung. Nicht immer ist diese korrekt, siehe meine Kommentare zu Frankenstein. Drei weitere Bücher in dieser Richtung habe ich gelesen: Lord of the Flies, A Clockwork Orange, und Fahrenheit 451.

Lord of the Flies

Geschrieben kurz nach dem Krieg, spielt es in der nicht allzu fernen Zukunft; ein Evakuierungsflugzeug mit englischen Jungen zwischen 6 und 12 Jahren stürzt auf einer Pazifikinsel ab. Die Kinder organisieren sich erst, und über 3/4 der Länge berichtet das Buch zwar von Rangeleien und Machtkämpfen, aber nichts, was ich sehr schlimm gefunden hätte. Das letzte Viertel jedoch hat dann Albtraumpotential. Die Ereignisse überschlagen sich, die Kinder brennen die Insel in ihrem Krieg nieder, und werden im letzten Moment gerettet. Dieses Buch hat mich aufgewühlt, und ich bin mir nicht sicher, ob ich das hier von „menschlicher Natur“ nachvollziehen kann – vielleicht kann ich das besser einschätzen, wenn ich mal einen 12-jährigen Sohn hatte.

A Clockwork Orange

Was ich vorher dachte: Ein Buch gegen Kommunismus, eine kommunistische Gesellschaft wird gezeichnet, in der die Jugend gerne anderen auf die Fresse schlägt. Die Toten Hosen hatten „Hier kommt Alex“ mit der Zeile ‚zwanzig gegen einen, bis das Blut zum Vorschein kommt‘ versehen, aber Alex und seine Freunde gehen höchstens zu viert auf ihre Opfer los.

Die Sprache ist ohne Zweifel Slavisch geprägt, und Arbeit wird hoch gehalten, aber Kommunismus sehe ich nicht – es gibt Wahlen, und deren Ergebnisse scheinen sogar wirklich offen zu sein, und es gibt auch Religion. Totalitäter Staat? Ja, von mir aus. Ich würde diese Dystopie aber genauso auch in eine Kapitalistische totalitäre Gesellschaft verorten können. Am Ende wird Alex erwachsen, und das war’s dann. Moral? Weiß ich nicht. Burgess hasst scheinbar die Jugend und alle ihre Auswüchse (wie Elvis Presley und die Beatles). Empfehlenswertes Buch? Ich finde eher nicht.

Fahrenheit 451

kommt aus der gleichen Zeit wie die beiden anderen Bücher – Nachkriegszeit – und dreht sich um einen Feuer(wehr)mann, der mit seinen Kollegen verbotene Bücher verbrennt. Er kommt zur Besinnung, flieht aus der Stadt, die kurz darauf von Atombomben zerstört wird. (Dabei hat Amerika schon zwei Atomkriege begonnen und gewonnen, sagen sie vorher.)

Diese Dystopie ist für mich glaubwürdig und das Buch gut zu lesen (ist aber auch nicht so lang). Nur bin ich mir nicht sicher, was ich von der Prämisse halten soll, warum Bücher verbrannt werden: Der Grund ist die Diversifizierung der Gesellschaft. Immer mehr Minderheiten wollten immer mehr Literatur nicht mehr lesen, und wollten sie – heute würde man sagen „politisch korrekt“ – entschärft oder abgeschafft.

Die Gesellschaft verdrängt alles, das die Menschen zum Nachdenken bringen könnte, und gibt den Bürgern dafür nur seichte Unterhaltung und oberflächliche Beziehungen. Jugendkriminalität ist immens, wird aber ignoriert. In dieser Beziehung ist Fahrenheit 451 der Dystopie von Brave New World sehr ähnlich, kommt aber ohne diese ganze biologischen Wahnvorstellungen aus. Lesenswert? Aber Hallo!

Von den Juwelen

Tolkien ist mir ja immer etwas zu einseitig gewesen: die tollen Elben, die bösen Orks. Trotzdem habe ich mir mal das Simarillion vorgenommen. Im Vorwort gibt es einen Brief Tolkiens an seinen Verleger, in dem steht, dass dies eher eine Sammlung von Geschichten ist, und das auch in der Welt der Geschichte so sein soll – immerhin werden mehrere tausend Jahre behandelt.

Die Geschichten sind meistens nett, die Elben verlieren eine Menge ihres Glanzes, den sie für mich beim Herrn der Ringe und beim Hobbit hatten. Vieles der Geschichte habe ich durchaus besser verstanden, und vor allem die Hobbit-Trilogie, deren dritter Teil Ende diesen Jahres in die Kinos kommt, verstehe ich besser: Vieles der „zusätzlichen“ Geschichte im Film, die nicht im Buch war, wird im Simarillion tatsächlich explizit so erwähnt. Schöne Überraschung.

Schwierig war, bei den ganzen Namen den Überblick zu behalten, vor allem, weil so viele Leute und Dinge mehrere Namen haben. Ob ich mir die Verlorenen Geschichten, in denen die Dinge aus dem Simarillion (und den anschließenden Büchern, die zusammengetackert kommen) antuen werde (und wann), weiß ich aber noch nicht. Bei Tolkien brauche ich wohl immer ein bisschen Pause zwischendurch.

Der Garou

Mal was ganz anderes zwischendurch (und von Papier gelesen!): Garou.

Vor sehr langer Zeit, es muss 2007 gewesen sein, las ich Glennkill, eine Geschichte von irischen Schafen, die den Mord an ihrem Schäfer aufklären.

Nun sind die Schafe mit ihrer neuen Schäferin – die Tochter des alten – über Winter in Frankreich, im Schatten eines Schlosses, wo ein (oder nicht nur einer?) Werwolf – Loup Garou – sein Unwesen treibt.

Garou ist, wie auch Glennkill vorher, voller Wortwitz und wirklich süß geschrieben. Wenn es einen dritten Teil geben sollte, werde ich den mit Sicherheit auch lesen.

Traumpfade

Mal wieder was nicht in der Originalversion: Songlines von Bruce Chatwin gibt es nicht als Kindle-Edition, und die Hardware mit dem deutschen Text liegt hier halt rum. Chatwin berichtet von einer Reise nach Australien, in der er über die Songlines der Vorfahren der Aboriginees lernt. Die Songlines stellen das zentrale Element der Religiösität der Aboriginees dar. Auf dem Weg schweift der Autor immer wieder in andere Teile der Welt ab, in denen er von Nomaden, von Wandertrieb, Fernweh und verwandten Dingen erfahren hatte. Viel nebensächlicher Rassismus wird berichtet, nicht nur seitens der Bauerntölpel, sondern auch von Sherrifs und einfach den Institutionen.

Dieses Buch habe ich noch nicht durch, es ist ein gemeinschaftliches Leseprojekt, und zu zweit braucht man immer dafür Zeit. Als Mischung aus Sachbuch und Reisebericht ist es aber wirklich sehr unterhaltsam und informativ.

Religion, Monster und die Anstalt

Original-Post

Vor lauter lesen komme ich kaum dazu, zu schreiben, schon gar nicht darüber, was ich gelesen habe. Dabei ist das schon wieder eine Menge. Soviel, dass ich sogar in meine Amazon-Liste gucken muss, was es eigentlich alles war. Dort finde ich:

Pratchett

Dodger ist ähnlich gut weitergegangen, wie ich schon vorhergesehen hatte; es geht sogar noch wesentlich besser weiter. Danach gab es The Science of Discworld IV: Judgement Day, in dem es sehr stark um Kreationismus geht — eine fundamentalistische Omnische Sekte steht hier Pate für die fundamentalen Christen, die der Meinung sind, die Welt wäre intelligent aufgebaut. Selbst die Aussage ihres Gottes, dass die Welt eine Scheibe ist, kann sie nicht überzeugen, dass die Welt keine Kugel sei. Schöner Satz: „der Theologie [der Rundwelt] sind 2851 Götter bekannt. Sie glauben an 2850 Götter nicht, ich glaube nur einen mehr nicht. Das ist kein großer Unterschied.“ Pratchett, Stewart und Cohen sprechen mir sehr aus der Seele.

Danach ging es wieder „richtig“ auf die Scheibenwelt, Raising Steam führt Dampfloks auf der Scheibenwelt ein, aber ganz ohne Magie funktioniert es eben doch am Ende nicht. Auch hier wird ein alter Konflikt – Krieg zwischen Zwergen und Trollen – wieder aufgeflammt, durch radikale Gruppen bei den Zwergen. Die Feindseligkeiten wurden eigentlich in Thud überwunden, aber mal wieder erinnert Pratchett daran, dass ein in-den-Sonnenuntergang-reiten am Ende einfach selten das Ende ist. Irgendwann ist der Cowboy im nächsten Dorf.

Das Monster

Die Rahmenhandlung alleine ist interessant: Ein Engländer beschließt, dass es in der Polarregion im Sommer richtig warm sein muss, weil ja die Sonne immer scheint. Also bricht er zu einer Expedition von St. Petersburg zum Nordpol auf. Dort trifft er auf einen ausgemergelten Mann, der ihm die eigentliche Geschichte erzählt. Er ist auf der Jagd nach dem Feind, eine Kreatur, die er, Frankenstein, in Ingolstadt erschaffen hat, nachdem er das Geheimnis des Lebens entdeckt hatte.

Er hasst diese Kreatur von dem Moment, an dem er ihr Leben einhaucht, aber mir wurde nie klar, wieso. Die Kreatur flüchtet vor ihm, orientierungslos, versucht Kontakt zu Menschen aufzunehmen, wird aber immer nur verstoßen. Er bringt sich selbst bei, zu lesen, zu reden, und tötet – mit Absicht oder ohne, ist nicht klar – ein Kind. Er konfrontiert seinen Schöpfer, und fleht ihn an, ihm eine Begleiterin zu schaffen, auf dass er nicht mehr einsam sei. Aus Angst lehnt Frankenstein letztlich ab, das Monster rächt sich an seinem ungnädigen Schöpfer, Frankenstein verfolgt ihn, doch kommt schneller an seine Grenzen. Am Ende, auf dem Schiff des Engländers, in dem Frankenstein all dies erzählt, stirbt Frankenstein (nicht durch die Hände des „Monsters“), seine Kreatur kommt, betrachtet ihn. Dem Kapitän sagt er, dass er sich selbst am Nordpol verbrennen würde.

Ich dachte immer, Frankenstein sei eine Horrorgeschichte über ein böses Monster und einen verrückten Wissenschaftler. Ist es aber nicht. Es ist eine Geschichte darüber, wie die Gesellschaft auf Außenseiter reagiert und wie diese Außenseiter zu Einsamkeit getrieben werden können.

Eine nach Ost, eine nach West…

… und eine(r) flog übers Kuckucksnest. Keine Science-Fiction, keine Fantasy: Ein unglaublich beklemmender Einblick in eine Irrenanstalt in Oregon, USA in den 1950er Jahren. Mit, in gewisser Weise, Happy End. Bildungslücke geschlossen mit einer sehr guten Geschichte.

Harald Töpfer und die Lange Erde

Original-Post

Zwischen Gesprächen über Twitter, Urlaub und Wahlkampf habe ich in den letzten Monaten durchaus auch weiter gelesen. Höchste Zeit für ein paar Reviews!

Für den Urlaub und danach habe ich das erste Mal wirklich e-Bücher gekauft; bezahlen ist wie bei Amazon üblich sehr einfach und die Inhalte ähnlich aufgearbeitet wie bei den freien Büchern, die ich mir bis jetzt immer heruntergeladen hatte.

Sachbücher

Evolution: The Triumph of an Idea von Carl Zimmer ist ein Buch darüber, wie gut doch Evolution funktioniert. Es fängt an mit einer minutiösen Nacherzählung von Darwin’s Lebensweg, die ich am Anfang etwas überflüssig fand, die sich aber nachher doch gut in das Buch einfügt. Es wird klar gemacht, dass Evolutionstheorie Vorhersagen getroffen hat, die sich später als wahr herausgestellt haben, und das in einer großen Menge von verschiedenen Feldern, vor allem natürlich in der Genetik, einem Bereich, von dem Darwin noch absolut nichts wissen konnte. Die Ausführungen über die Evolution der Sprache am Ende empfand ich dann als etwas unsauber und wenig überzeugend, trotzdem bietet das Buch eine sehr schöne Übersicht über State of the Art und auch Status der Angriffe auf die Theorie. Das e-Book an sich hat allerdings all die kleinen erklärenden Boxen, die laut der Empfehlerin dieses Buches die Printversion verzieren, nicht.

The Signal and the Noise: Why so Many Predictions Fail – but Some Don’t von Nate Silver ist ein Buch über Statistik, Fehler und Vorhersagen. Eine der Grundaussagen des Buches ist es, dass es eigentlich immer besser ist, zu sagen, dass man sich unsicher ist, und diese Unsicherheit nach Möglichkeit zu quantifizieren. Silver erzählt in Anekdoten, von Sportwetten, politischen Vorhersagen, Wirtschaftsdaten, Erdbebenvorhersagen, Klima- und Wettermodellen und Pokerspielen und beleuchtet dabei Fehler, die einer der Disziplinen (fast) eigen sind, und Fehler, die überall gemacht werden; Disziplinen, in denen Vorhersagen gut klappen, und Disziplinen, in denen man mit einer Münze bessere Chancen auf korrekte Vorhersagen hat. Mir hat das Lesen viel Spaß gemacht; Silver hat viel mit den tatsächlich betroffenen Leuten geredet, etwa mit denen, die den Schachcomputer betreut haben, der Kasparov geschlagen hat, und er schreibt daraus spannende, aber lehrreiche Geschichten.

Scheibenwelt

Sollte ich erwähnen: Obwohl alle Scheibenweltbücher als Paperback bei mir im Regal stehen, habe ich Small Gods und The Amazing Maurice and His Educated Rodents für den kindle gekauft. Natürlich war diese Investition jeden Cent wert.

Harry Potter

Die Romane über den jugendlichen Zauberer Harald Töpfer von J.K. Rowling kann man nicht bei Amazon kaufen, sondern nur über einen externen Shop. Ich kannte bisher nur die Filme und war sehr gespannt auf die sieben Bücher; es hat auch nicht lange gedauert, bis ich sie alle gelesen hatte, nachdem ich einmal damit angefangen habe. Die ersten Romane sind sehr märchenhaft, und dann wird es immer düsterer. Genau diese Adjektive würde ich auch für die Filme verwenden – obwohl ich diese also eher zu düster empfand, muss ich jetzt sagen, dass die Stimmung der Bücher gut wiedergegeben ist. Und gegen Ende wird es auch wirklich immer spannender.

Nun habe ich ein paar Logik-Probleme mit der Geschichte, und ich meine damit nicht die Tatsache, dass da jemand zaubern kann und auch nicht die märchenhafte Überzeichnung von Harry’s Stieffamilie, aber ich probiere mal, über die unsinnigen Spielregeln bei Quidditch hinwegzusehen. Dann bleibt noch die uneingeschränkte Fähigkeit von Snape (!), alle Regeln zu brechen und seinem Haus-Team den Quidditch-Platz zum trainieren zu geben, obwohl er eigentlich für ein anderes Team reserviert war, und dass die Spiele manchmal verschoben werden, wenn ein Spieler krank ist, und manchmal nicht (und dass es grundsätzlich keine Ersatzspieler gibt). Und natürlich dieses ganze Punkte-System zwischen den Häusern, die scheinbar nur Snape zu ungunsten der anderen Häuser ausnutzt. Na gut, vielleicht einfach auch hier „Märchen“. Trotz allem wirklich schöne Bücher. Wenn ich logisch geschlossene Fantasy möchte, kann ich ja Terry Pratchett lesen.

The Long Earth

Mit Stephen Baxter zusammen schreibt ebenjener Autor zwei Bücher: The Long Earth und The Long War (Long Earth), die eine gemeinsame Geschichte erzählen. Diese spielen in der nicht allzuweit entfernten Zukunft – 2029/2030 und 2040. In der Geschichte muss irgendwann um das Jahr 2015 herum eine Technologie entwickelt/veröffentlicht worden sein, mit der man in Parallelwelten gehen kann, und von denen gibt es scheinbar beliebig viele, die linear aufgereiht sind (es werden mindestens 20 Millionen in die eine Richtung und etwas mehr als 2 Millionen in die andere Richtung besucht). Der zweite Teil – The Long War (Long Earth) hatte unerwarteterweise sehr wenig Geld gekostet; aber dann bemerkte ich, dass es eigentlich keine eigenständige Geschichte ist, sondern die Geschichte fortsetzt und einige lose Enden des ersten Buchs aufgreift.

Zwischenzeitlich 5 unabhängige Handlungsstränge, die Probleme und Chancen dieser Parallelwelten auf unterschiedliche Weise erforschen, werden ganz am Ende recht gekünstelt zusammengeführt, ohne wirklich irgendeine sinnvolle Motivation dafür zu bieten.

Am Ende sind das zwei Bücher, die sich sehr eingehend mit der Prämisse beschäftigen – was passiert, wenn auf einmal unendlich viel Platz zur Verfügung steht? Wie reagieren Staaten darauf? Wie können die anderen Welten aussehen? – aber von der Story her einiges zu wünschen übrig lassen. Schade.

Und weiter

Das bringt mich aber natürlich lange nicht ab davon, weiterhin viel von Pratchett lesen zu wollen; momentan lese ich Dodger, eine Geschichte, die im London des 19. Jahrhundert spielt. Der Titelheld ist ein Waise, der ein Talent dafür hat, in der Kanalisation wertvolle Dinge zu finden, und der am Anfang des Buches eine junge Dame vor Gewalt schützt. Fängt gut an. Und das nächste auf der Liste wäre dann Raising Steam, der neueste Scheibenweltroman, der allerdings erst im November veröffentlicht wird.

Lesen

Original-Post

Ich lese gerne. Das habe ich hier schon mal vor sehr langer Zeit geschrieben, und daran hat sich nicht viel geändert. Meine Lesemenge ist allerdings starken Schwankungen unterworfen.

Das schlechte Wetter Anfang diesen Jahres (naja, „Anfang“, haha, es regnet ja immernoch ständig) hat mich wieder viel zum Lesen gebracht, denn die U-Bahn-Fahrten morgens und abends eignen sich dazu ziemlich gut, auch wenn sie nur 7 Minuten dauern.

Nun hatte ich ja mal recht lautstark für einen eBook-Reader Werbung gemacht, und trotz dem hr-bericht über menschenunwürdige Bedingungen bei amazon habe ich meinen kindle nicht verschrottet oder stillgelegt. Immernoch würde ich dieses Gerät wieder kaufen. Und Geld für elektronische Bücher habe ich immernoch keins ausgegeben; ich lese immernoch alte Bücher, deren Inhalt nicht mehr dem Urheberrecht unterliegen und die legal und kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden können

Moby Dick und Faust

Nun aber zu den ganzen Büchern: Angefangen hatte ich das Lesen auf dem kindle mit der zweiten Hälfte von Moby Dick, einem Buch, was ich auch nicht hätte lesen müssen. (Bevor ich den kindle bekam, hatte ich schon damit angefangen.) Das lyrische Ich erzählt von seiner Zeit auf dem Schiff von Captain Ahab, der den weißen Wal Moby Dick jagt und am Ende von diesem zerstört wird. Immermal wieder wechselt Melville, der Autor, aber aus der Prosa in Theateranweisungen, als fehlte ihm die Lust, die Dialoge ordentlich auszuschreiben. Das lyrische Ich berichtet dann von der vollständigen Zerstörung des Schiffs, nur, oh, stimmt, er lebt ja noch, öh, ja, er hat irgendwie als einziger überlebt.

Als Nächstes wollte ich mal nachholen, was ich in der Schule nie lesen musste: Faust. Ich habe in der elften Klasse geschafft, Die Leiden des Jungen Werthers nicht lesen zu müssen und mich irgendwie durchzumogeln (ich weiß nicht mehr, wie das geklappt hatte), und die beiden Fausts in Versform fielen mir nicht viel leichter zu lesen. Ich bin während der Lektüre zu der Überzeugung gekommen, dass Goethe einfach ein verdammt schlechter Dichter war. Ständig stimmt das Versmaß nicht und man (ich) stolpert darüber. Ja, wird mir erzählt, das sind dann aber immer Stellen, an denen irgendwas Schlimmes passiert. Aber mal ehrlich: Im Faust geht es um einen Pakt mit dem Teufel. Und eine ganze Weile lang um die Hexen bei der Walpurgisnacht. Da passiert immer was Schlimmes. Ganz nebenbei wird außer dem Brocken (bei der Walpurgisnacht) noch genau eine Lokalität wirklich genau erwähnt: Auerbachs Keller in Leipzig. Vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen. Es tut überhaupt nichts zur Sache, dass Faust und Mephisto in Leipzig sind, oder eben in diesem Gewölbe, aber Goethe macht hier mal ein wenig Namedropping. Warum nur? Schleichwerbung? Jedenfalls ging es mir auf den Geist.

Dem Faust II hatte ich dann versucht, eine faire Chance zu geben, aber ich befürchte, dass mir das nicht wirklich gelungen war. Goethe-Fan werde ich mit Sicherheit nicht mehr.

Dystopie in Brave New World

Nach Moby Dick hatte ich erstmal eine ausgeliehene Papierversion von Huxley’s Brave New World gelesen. Leider hatte es meine Erwartungen nur teilweise erfüllt – dass die Dystopie von 1932 heute in vielen Teilen wesentlich anders gesehen wird, als Huxley sich das vorgestellt hatte, ist dabei nur ein Punkt. Ich hatte bei Recombinant Records vorher eine schöne Gegenüberstellung von 1984 (habe ich in der 12. Klasse mal im Unterricht gelesen) und Brave New World gesehen, die wegen Urheberrechtsfragen leider heute nicht mehr zu sehen ist und auf dem Buch Amusing Ourselves to Death basiert, und zu folgendem Schluss kommt: Orwell (Autor von 1984) hatte Angst davor, dass wir von dem beherrscht werden, was wir hassen, Huxley hatte befürchtet, dass wir von dem beherrscht werden, was wir lieben, und in unserer Konsumgesellschaft kommen wir dem zweiten sehr nahe.

Aber für meinen Geschmack überzeichnet Huxley das ganze ein bisschen, oder vielleicht ist das auch die Stärke bei dem Ganzen: In seiner Welt müssen Slogans und erzwungene Gewohnheiten den Kindern von der Zeugung (immer im Reagenzglas) an eingetrichtert werden, während wir heutzutage für „Better ended than mended“ — lieber wegschmeißen als reparieren – kein anderes Argument als die hohen Arbeitskosten während der Reparatur brauchen. Auch hat er ein – aus meiner heutigen Sicht von 80 Jahre später – viel zu deterministisches Bild davon, was DNA alles im Körper steuert. So gab es insgesamt viele „Ja, aber“-Momente für mich beim Lesen des Buchs. Vollkommen egal: Ich habe das Buch sehr genossen.

Mehr zum Lesen im nächsten Eintrag.

Leseorm

Original-Post (Tag 280) Lesewurm.

Am Wochenende habe ich tatsächlich damit angefangen, zusammenzupacken. Nicht so richtig, aber schon ein bisschen. Seit Sonntag ist es richtig schlechtes Wetter draußen, ich habe eben das erste mal seit Samstag wieder die Sonne gesehen. Das korrigieren eines Bugs ließ scheinbar auf einmal alle meine Daten schlecht aussehen, dachte ich, bis ich herausfand, dass es nur an schlechter Statistik liegt — ich fand das vor ein paar Stunden, nach fünf Tagen Suche, raus. Und obwohl schlechte Statistik eigentlich nicht so viel Zeit braucht, musste ich trotzdem viel warten. Zwei Bücher las ich daher, eines davon war für meine Rückfahrt vorgesehen, also kaufte ich zwei weitere, von denen ich jetzt also noch eines übrig habe. Jetzt muss ich mich wieder eine Woche lang zurückhalten…

Heute morgen war die Norwegisch-Klausur; für viereinhalb Stunden angesetzt, ich war nach zwei fertig (inklusive einem Diktat, das alleine vierzig Minuten gedauert hat), und ich fand es verdammt leicht. Mal sehen, wie’s geworden ist, Montag (13:15) ist ja noch die mündliche Prüfung dazu. Ansonsten ist meine Planung für nächste Woche sehr leer (was will ich hier eigentlich noch?) — einmal Kaffeetrinken mit Špela, eine Abschiedsparty, die der Gastwissenschaftler aus Budapest (Péter Ván) eigentlich für sich selbst organisiert, und… achso, arbeiten. Muss ich jetzt auch wieder — tschö!

Bak meg

Original-Post (Tag 128) Hinter mir.

Die erste Prüfung habe ich heute morgen abgelegt; es war die Norwegisch-Klausur. War ganz lustig, ich denke, ich habe bestanden, aber ich hatte keine Lust mehr, mir nochmal alles durchzulesen, was ich geschrieben hatte. Mal sehen.

Nachdem es nun schon eine Woche her ist, dass ich was geschrieben hatte, muss ich mal wieder was erzählen: Hannah ist sicher in Frankfurt gelandet, ich fahre wieder Fahrrad, habe einen Haufen Arbeit in der Uni: altes Projekt wiederaufwärmen, ganz neues Projekt zwischenschieben, für das „normalneue“ Projekt, mit dem ich prinzipiell schon seit Mitte November anfange, viel lernen — wen’s interessiert: Ich lerne dafür C++ — und endlich wirklich anfangen, oh, und dann sind da noch die mündliche Norwegisch- und Relativistische Quantenmechanik und Feldtheorie-Prüfungen nächste Woche, und die Quark- und Leptonenphysik die Woche drauf (ok, da werde ich nicht soo viel für lernen…) und dann kommen auch schon meine UKS Melanie und meine Eltern (Melanie am morgen, meine Eltern am Abend des Freitags vor Heiligabend), und noch bevor die alle wieder weg sind, kommt Hannah wieder (*jubel*) und so werde ich dann bis 10. Januar nicht mehr arbeiten können, also heißt es jetzt schuften, schuften, schuften.

Also, Fahrrad. Was fällt mir dazu ein? Das Wetter natürlich. Nach meinen Information wurden am Dienstag in Frankfurt die 30 Grad wieder fast geknackt, und auch hier ist es nicht sehr winterlich. Nachdem der November kalt und mit Glätte und Schnee angefangen hatte, was ich eher vom Dezember erwartet hätte, fängt dieser nun mit nichtendenwollendem Regen an, was ich eher von letztem Monat erwartet hatte. Wenigstens ist es warm genug, um kein Eis zu bilden, deshalb, wie erwähnt, das Fahrrad, und das halte ich noch mindestens so lange durch, bis eine Monatskarte solange reicht, bis Hannah im Januar wieder fliegt (also, eigentlich heißt das, noch mindestens morgen). Aber, Spaß macht’s momentan nicht wirklich, nur so ein bisschen.

Die Prüfungen — ja… Ich habe mich nie getraut, wirklich nicht zu lernen für irgendwelche Prüfungen, aber, hey, diesmal zählt wirklich nur, ob ich bestehe. Und dass ich das tue, dessen bin ich mir wirklich sicher (und, eigentlich, zählt nicht mal das: Wenn ich am Ende des Jahres meine Arbeit fertig habe, kann ich damit genug CreditPoints nachweisen, um das Geld, das ich bekomme, zu rechtfertigen). Also, jedenfalls, deswegen beschränkte sich das Lernen für Norwegisch auf einmal unregelmäßige Verben abfragen durch Hannah (danke) und ein kurzes Gespräch vor der Klausur, und für die beiden Vorlesungen werde ich meine Notizen noch einmal durchlesen.

Natürlich ist es nicht ganz richtig, wenn ich sage, ich hätte nicht mehr gelernt; ich war ja immer brav anwesend und habe schön mitgedacht ☺. Anderes Thema.

Eine Sache fand ich dann in den letzten Tagen noch recht erfreulich: Ich kriege auf einmal richtig viele (also, so vier oder so) Mails (weiter so!). Ich hoffe, das liegt nicht daran, dass sich meine Postfrequenz so stark verringert hat, und ich hoffe auch, dass ich sie alle bald beantworte — Wochenende vielleicht.

Ach, und zwei Bücher habe ich in den letzten Tagen gelesen, Scheibenwelt natürlich. ich glaube, das war’s. Bis Bald!