Harald Töpfer und die Lange Erde

Original-Post

Zwischen Gesprächen über Twitter, Urlaub und Wahlkampf habe ich in den letzten Monaten durchaus auch weiter gelesen. Höchste Zeit für ein paar Reviews!

Für den Urlaub und danach habe ich das erste Mal wirklich e-Bücher gekauft; bezahlen ist wie bei Amazon üblich sehr einfach und die Inhalte ähnlich aufgearbeitet wie bei den freien Büchern, die ich mir bis jetzt immer heruntergeladen hatte.

Sachbücher

Evolution: The Triumph of an Idea von Carl Zimmer ist ein Buch darüber, wie gut doch Evolution funktioniert. Es fängt an mit einer minutiösen Nacherzählung von Darwin’s Lebensweg, die ich am Anfang etwas überflüssig fand, die sich aber nachher doch gut in das Buch einfügt. Es wird klar gemacht, dass Evolutionstheorie Vorhersagen getroffen hat, die sich später als wahr herausgestellt haben, und das in einer großen Menge von verschiedenen Feldern, vor allem natürlich in der Genetik, einem Bereich, von dem Darwin noch absolut nichts wissen konnte. Die Ausführungen über die Evolution der Sprache am Ende empfand ich dann als etwas unsauber und wenig überzeugend, trotzdem bietet das Buch eine sehr schöne Übersicht über State of the Art und auch Status der Angriffe auf die Theorie. Das e-Book an sich hat allerdings all die kleinen erklärenden Boxen, die laut der Empfehlerin dieses Buches die Printversion verzieren, nicht.

The Signal and the Noise: Why so Many Predictions Fail – but Some Don’t von Nate Silver ist ein Buch über Statistik, Fehler und Vorhersagen. Eine der Grundaussagen des Buches ist es, dass es eigentlich immer besser ist, zu sagen, dass man sich unsicher ist, und diese Unsicherheit nach Möglichkeit zu quantifizieren. Silver erzählt in Anekdoten, von Sportwetten, politischen Vorhersagen, Wirtschaftsdaten, Erdbebenvorhersagen, Klima- und Wettermodellen und Pokerspielen und beleuchtet dabei Fehler, die einer der Disziplinen (fast) eigen sind, und Fehler, die überall gemacht werden; Disziplinen, in denen Vorhersagen gut klappen, und Disziplinen, in denen man mit einer Münze bessere Chancen auf korrekte Vorhersagen hat. Mir hat das Lesen viel Spaß gemacht; Silver hat viel mit den tatsächlich betroffenen Leuten geredet, etwa mit denen, die den Schachcomputer betreut haben, der Kasparov geschlagen hat, und er schreibt daraus spannende, aber lehrreiche Geschichten.

Scheibenwelt

Sollte ich erwähnen: Obwohl alle Scheibenweltbücher als Paperback bei mir im Regal stehen, habe ich Small Gods und The Amazing Maurice and His Educated Rodents für den kindle gekauft. Natürlich war diese Investition jeden Cent wert.

Harry Potter

Die Romane über den jugendlichen Zauberer Harald Töpfer von J.K. Rowling kann man nicht bei Amazon kaufen, sondern nur über einen externen Shop. Ich kannte bisher nur die Filme und war sehr gespannt auf die sieben Bücher; es hat auch nicht lange gedauert, bis ich sie alle gelesen hatte, nachdem ich einmal damit angefangen habe. Die ersten Romane sind sehr märchenhaft, und dann wird es immer düsterer. Genau diese Adjektive würde ich auch für die Filme verwenden – obwohl ich diese also eher zu düster empfand, muss ich jetzt sagen, dass die Stimmung der Bücher gut wiedergegeben ist. Und gegen Ende wird es auch wirklich immer spannender.

Nun habe ich ein paar Logik-Probleme mit der Geschichte, und ich meine damit nicht die Tatsache, dass da jemand zaubern kann und auch nicht die märchenhafte Überzeichnung von Harry’s Stieffamilie, aber ich probiere mal, über die unsinnigen Spielregeln bei Quidditch hinwegzusehen. Dann bleibt noch die uneingeschränkte Fähigkeit von Snape (!), alle Regeln zu brechen und seinem Haus-Team den Quidditch-Platz zum trainieren zu geben, obwohl er eigentlich für ein anderes Team reserviert war, und dass die Spiele manchmal verschoben werden, wenn ein Spieler krank ist, und manchmal nicht (und dass es grundsätzlich keine Ersatzspieler gibt). Und natürlich dieses ganze Punkte-System zwischen den Häusern, die scheinbar nur Snape zu ungunsten der anderen Häuser ausnutzt. Na gut, vielleicht einfach auch hier „Märchen“. Trotz allem wirklich schöne Bücher. Wenn ich logisch geschlossene Fantasy möchte, kann ich ja Terry Pratchett lesen.

The Long Earth

Mit Stephen Baxter zusammen schreibt ebenjener Autor zwei Bücher: The Long Earth und The Long War (Long Earth), die eine gemeinsame Geschichte erzählen. Diese spielen in der nicht allzuweit entfernten Zukunft – 2029/2030 und 2040. In der Geschichte muss irgendwann um das Jahr 2015 herum eine Technologie entwickelt/veröffentlicht worden sein, mit der man in Parallelwelten gehen kann, und von denen gibt es scheinbar beliebig viele, die linear aufgereiht sind (es werden mindestens 20 Millionen in die eine Richtung und etwas mehr als 2 Millionen in die andere Richtung besucht). Der zweite Teil – The Long War (Long Earth) hatte unerwarteterweise sehr wenig Geld gekostet; aber dann bemerkte ich, dass es eigentlich keine eigenständige Geschichte ist, sondern die Geschichte fortsetzt und einige lose Enden des ersten Buchs aufgreift.

Zwischenzeitlich 5 unabhängige Handlungsstränge, die Probleme und Chancen dieser Parallelwelten auf unterschiedliche Weise erforschen, werden ganz am Ende recht gekünstelt zusammengeführt, ohne wirklich irgendeine sinnvolle Motivation dafür zu bieten.

Am Ende sind das zwei Bücher, die sich sehr eingehend mit der Prämisse beschäftigen – was passiert, wenn auf einmal unendlich viel Platz zur Verfügung steht? Wie reagieren Staaten darauf? Wie können die anderen Welten aussehen? – aber von der Story her einiges zu wünschen übrig lassen. Schade.

Und weiter

Das bringt mich aber natürlich lange nicht ab davon, weiterhin viel von Pratchett lesen zu wollen; momentan lese ich Dodger, eine Geschichte, die im London des 19. Jahrhundert spielt. Der Titelheld ist ein Waise, der ein Talent dafür hat, in der Kanalisation wertvolle Dinge zu finden, und der am Anfang des Buches eine junge Dame vor Gewalt schützt. Fängt gut an. Und das nächste auf der Liste wäre dann Raising Steam, der neueste Scheibenweltroman, der allerdings erst im November veröffentlicht wird.

baeuchle

Autor: baeuchle

Baujahr 1984, Maikind. Geboren in Frankfurt, aufgewachsen in Frankfurt, bis ins Alter von 31 Jahren eigentlich immer Frankfurt. Jetzt Kassel. Ausführliche Vorstellung

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