Kein Ulysses mehr! Dafür mal wieder viel Papier.

Ulysses habe ich dann irgendwann aufgegeben. Durch das erste Kapitel habe ich mich lange durchgekämpft, aber das hat mir dann gereicht. Ich hatte allerdings schon vor längerer Zeit ein anderes, echtes, Buch gelesen, das mir und meiner besseren Hälfte zum letzten runden Geburtstag geschenkt wurde: Kim & Struppi – Ferien in Nordkorea, in dem Autor Christian Eisert von einer Urlaubsreise nach Nordkorea berichtet, für die er verschwiegen hatte, dass er eigentlich Witzeschreiber und seine Begleiterin Than, nicht Sandra heißt. Im Buch sind auch Bilder abgedruckt, die er nicht hätte machen dürfen, und so schreibt er ein eindringliches, schönes Portrait von dieser Nation, von der wir so wenig wissen. Er garniert die Erzählung seiner Rundfahrt und die Nacherzählung der Informationen, die er von seinen Fremdenführern bekommen hat, mit unabhängig davon später in Europa recherchierten Informationen, Einordnungen und Richtigstellungen. Das Buch schließt mit dem Bedauern, dass er wohl niemals mehr in dieses Land reisen können wird, nun, dass er sich öffentlich zu der Lüge, mit der er ins Land gekommen war, bekannt hat. Witzig geschrieben, und auf jeden Fall lesenswert.

Auf dem Rückweg von einer eigenen Urlaubsreise (mehr davon auch bald) musste ich dann meinen Kindle verleihen, sodass ich das einzige vorhandene Papierbuch gelesen habe, und ein zweites Mal hat mich die Geschichte von Dodger sehr mitgerissen. Schließlich haben wir von einer anderen Kurzurlaubsreise nach Kiel das Buch Auf High Heels in den Kreißsaal von Lucie Marshall bekommen. Das Buch handelt von der Zeit zwischen der Erkenntnis einer 36-jährigen Moderatorin, dass sie eigentlich schnell schwanger werden will, bis zum zweiten Geburtstag ihres Kindes. Das Buch erzählt die kleinen und großen Katastrophen und die kleinen und großen Erfolge während dieser Zeit nach.

Verrückte Reisen um die Welt

Original-Post

Nun ist die Bibel endlich fertig gelesen und zu „sonstige Fantasy“ einsortiert worden, und ich konnte endlich mal was anderes lesen. Als erstes ein Buch, dass ich mir ziemlich zeitgleich mit der Bibel auf den Reader geladen habe, aber nicht gleichzeitig lesen konnte:

Gulliver’s Reisen

Ja, kennt man irgendwie, oder? Lilliputaner und Riesen. Was ich nicht kannte, und auch nicht erwartet hatte, war die starke Gesellschaftskritik. Die Story besteht aus vier Reisen: Gulliver ist schiffbrüchig und landet auf einer von zwei nahe beieinanderliegenden Inseln, die von kleinen Leuten bewohnt werden, die etwa ein zwölftel seiner Höhe haben. Er wird erst gefesselt, erkämpft sich das Vertrauen des Königs und hilft bei dessen Krieg mit dem König der anderen Insel. Er fällt in Ungnade, flieht auf die andere Insel, von dort haut er Richtung England ab.

Er reist wieder, strandet wieder an einem unbekannten Strand, und stellt fest, dass hier Riesen leben. Diese sind 12 mal so groß wie er. Auch hier kommt er bald zu der Königsfamilie; wird aber bei einem Ausflug in seinem portablen Zimmer von einem Vogel mitgenommen und ins Meer fallen gelassen, wo er von Seefahrern gefunden wird.

Abermals reist er, diesmal als Kapitän; seine Crew meutert und setzt ihn aus. Er landet bei einem Volk, dass auf einer durch magnetische Levitation schwebenden Insel lebt und das Geometrie und Effizienz liebt. Die Insel ist eine mächtige Waffe – man kann Städte, die keinen Tribut zahlen wollen, einfach zerquetschen – aber eine, die man nicht anwenden will, denn niemand weiß, wieviel Schaden die Insel selbst näme. Gulliver reist hier „legal“ aus und gibt sich als Holländer aus, um über Japan nach Europa zurückzukommen (Engländer dürfen nicht nach Japan). Zwischendurch kommt er bei Zauberern vorbei, die jede beliebige Person aus der Weltgeschichte für einen Tag (oder so) heraufbeschwören können.

Zu guter letzt kommt Gulliver in ein Land, in dem Pferde intelligent sind und reden können und die Menschen dumme Kreaturen, die von allen anderen Tiere gemieden werden. Der sprechende Gulliver freundet sich mit den Pferden an, aber als klar wird, dass er eigentlich einer der Menschen ist, muss er zuletzt fliehen und kommt wieder nach England, diesmal für immer.

Auf seinen Reisen macht Gulliver eine Wandlung durch, vom ehernen Verfechter und Verteidiger der Europäer und vor allem der Britten, zu jemandem, der alle Menschen hasst und sich nur mühsam in die Gesellschaft wiedereingliederen kann. An jeder Station kommt er an sehr merkwürdigen Regeln vorbei, denen er die Britischen Regeln entgegenhält, nicht immer zum Vorteil der Europäer: Die kleinen Menschen haben einen religiösen Krieg darüber, auf welcher Seite man das Ei aufschlagen muss. Sie berufen sich auf den gleichen heiligen Text, der sagt, man solle das Ei auf der „praktischen“ Seite aufschlagen. Die einen sagen nun, das sei die Seite, auf der es am leichtesten geht, die anderen sagen, es sei die Seite, bei der man nicht wegen des vor drei Generationen erlassenen Gesetzes getötet wird. Jonathan Swift lässt seine Hauptperson in Begeisterung von vielen gesellschaftlichen Schieflagen in England berichten und überlässt dessen Gesprächspartner, zu erklären, warum das dargestellte nicht gut, und schon gar nicht das bestmögliche System ist, sondern eigentlich ein sehr korruptes und korrumpierbares System. Gulliver versteht natürlich überhaupt nicht die Argumente und gibt sie nur wieder, ohne sie sich zu eigen zu machen – das überlässt Swift dann dem Leser.

In der letzten Episode, bei den Pferden, lässt er aber diese Hülle fallen und kritisiert unumwunden die Menschen, die er den noblen Pferden gegenüberstellt und für in allen Belangen minderwertig hält. Letztlich entsteht seine Vertreibung aus dem Land der Pferde allerdings aus vollkommen rationalen Argumenten, nobel gegeneinander abgewägt und vollkommen ignorierend, dass sie auf Gulliver eigentlich nicht zutreffen. Komplett positiv bleibt diese Gesellschaft dann eben auch nicht.

Guns, Germs and Steel

Der deutsche Titel „Arm und reich“ tut diesem Sachbuch von Jared Diamond nur sehr bedingt recht; letztlich geht es nicht so sehr darum, warum ein Teil der Welt reich und ein anderer arm ist, sondern vielmehr darum, wieso die Europäer es geschafft haben, Nordamerika, Südamerika, Australien und Südafrika zu überrennen und warum sie es mit China und Afrika nicht oder nur bedingt geschafft haben.

Die direkten Gründe sind schnell aufgezählt: Die Europäer hatten Stahl für Rüstungen und Waffen, Schrift, die den Kriegern das taktische Wissen von 1500 Jahre alten (und älteren) anderen Kriegern verlässlich übermitteln konnte, und Krankheiten, denen wesentlich mehr Eingeborene in Süd- und Nordamerika und Australien zum Opfer fielen als den kriegerischen Handlungen der Europäischen Armeen. Oh, und Europa hatte eben die Schiffe, mit denen die Ozeane überquert werden konnten und die Pferde, mit denen die Kriegsführung noch viel überlegener wurde.

Doch Diamond versucht, zu begründen, warum es grade die Europäer waren, die diese Vorteile entwickelt hatten, und nicht die Azteken, Mayas oder Bantu. Diamond benötigt dafür keinerlei Biologistische Erklärung, er sucht also den Unterschied zwischen den Völkern nicht in genetischen Unterschieden, für die es weder empirische Beweise noch andere Argumente gäbe, und sucht vielmehr geografische Gegebenheiten, die es den Europäern ermöglicht haben, all diese Dinge zu entwickeln und den Rest der Welt hinter sich zu lassen (beziehungsweise unter sich aufzuteilen).

Ein starkes Argument dafür, dass die Geographie eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Menschengruppen spielt, nimmt er aus Polynesien, wo die Besiedlung von Inseln und Inselgruppen (vor dem Auftreten der Europäer) viel schneller zu einer Diversifizierung der Lebensumstände geführt haben, als genetische Veränderungen auftauchen können: Auf den Inseln, die es möglich machen, wurde Argrarwirtschaft ausgeführt, es haben sich straffe Bürokratien, Staaten und schließlich auch (Proto-)Imperien entwickelt, während an anderen Stellen die ursprünglichen Bauern wieder zu Jägern und Sammlern wurden.

Der große Vorteil der Europäer war zunächst, dass sie so nahe am Nahen Osten wohnen, denn die meisten unserer Errungenschaften stammen von dort: Metallurgie, Schrift, Staatswesen. Der Nahe Osten hat den Vorteil, dass hier Gräser vorkommen, die mit sehr kleinen genetischen Veränderungen domestiziert wurden, und so heute die Kohlenhydrat-Grundlage für praktisch alle Gesellschaften außerhalb der Tropen bilden: Weizen und Gerste. Zusätzlich gab es in Eurasien recht viele große domestizierbare Säugetiere – und es müssen viele gute Faktoren zusammenkommen, damit Tiere gezähmt und gezüchtet werden können. Pech für die Amerikas und Australien war, dass der (biologisch) moderne Mensch dort erst ankam, als er schon gute und effiziente Jagdtechniken entwickelt hatte, und die lokale Fauna leicht ausrotten konnte. In Afrika und Eurasien hat es eine Ko-Evolution gegeben, sodass genügend Tiere übrig blieben, aus denen die passendsten ausgewählt werden konnten, als die Menschheit so weit war, eine Verwendung für Nutztiere zu haben.

Ein letzter Punkt ist die Ausrichtung der Kontinente. Die orientalischen Errungenschaften konnten sich leicht in Ost-West-Richtung ausbreiten, denn das Klima verändert sich nicht genug, um eine Nutzpflanze oder ein Nutztier nicht mitnehmen zu können. Pferde konnten nie in der Sahel-Zone oder südlich davon etabliert werden, und genausowenig Kühe und Schweine. Erfindungen an einer Stelle in Eurasien konnten sich aber letztendlich immer in ganz Eurasien ausbreiten, und so kamen Hühner aus Asien nach Westen und Kühe aus Indien nach Osten, die Schrift breitete sich wahrscheinlich vom Nahen Osten aus und Pferde breiteten sich von der Ukraine über den ganzen Kontinent aus. Die gleiche Ausbreitung ist in den Amerikas unmöglich: Pflanzen, die in Mexiko angebaut wurden, konnten erst viel später den Sprung über die Wüsten Nordamerikas in die fruchtbaren Ebenen des Mississippis und nie den Sprung nach Süden schaffen, denn auf dem Weg konnte man sie nicht gebrauchen. Ähnliche Barrieren verhinderten auch, dass es Weizen nach Südafrika oder Australien geschafft hätte (wo es heute angebaut wird) – erst die moderne europäische Schifffahrt hat diese Sprünge möglich gemacht.

Nicht zu unterschlagen dabei ist, dass Mais, das Uramerikanische Getreide, wesentlich weiter von seinen wilden Vorfahren weg ist und es daher wesentlich länger gedauert hat, bis Mais domestiziert war – man muss bedenken, dass sich nie ein Jäger oder Sammler hingesetzt hat und überlegt hat, dass er jetzt mal das Jagen sein lässt und statt dessen versucht, für seine Nachkommen dieses Gras zu einer nutzbaren Pflanze zu machen.

Unterm Strich ist Guns, Germs and Steel ein nicht brilliant geschriebenes, aber sehr gut und schlüssig argumentierendes Buch, dass den Ist-Zustand der Welt betrachtet, analysiert und Gründe sucht und findet. Dabei macht Diamond nie den Eindruck, dass er den Ist-Zustand rechtfertigen will; im Gegenteil sagt er sehr explizit, dass es keine Grundlage für die Diskriminierung von Aboriginees, Native Americans und Afrikanern gibt. Diese haben einfach nicht das Glück, Nachfahren von Menschen zu sein, die in ihrer Nähe ein solch (ideen-)fruchtbares Gebiet wie den Nahen Osten zu haben, aber das sagt nichts über die heutigen Menschen aus.

Stolz und Vorurteil

Noch so ein Klassiker aus dem 19. Jahrhundert, von einer Frau über Frauen geschrieben. Hauptperson ist eine junge Frau mit eigenem Kopf, die mit ihrer älteren Schwester und ihrem Vater ein Gegengewicht zu ihrer albernen Mutter und den drei kleineren Schwestern bildet. Achtung, Spoiler: Am Ende heiraten drei Töchter; die beiden älteren kriegen ihre reichen Traumprinzen, wobei sich der Stolz des einen im Laufe des Buches wandelt; Stolz ist auch seine Familie, und die Vorurteile auf beiden Seiten spielen eine große Rolle, die sich aber letztlich als der Liebe nicht hinderlich erweisen.

Aktuell ist auf meinem Reader Krieg und Frieden von Tolstoj geladen, aber das zu lesen habe ich noch nicht angefangen.

Dystopie, Juwelen und ein Werwolf

Original-Post

Es gibt ja doch eine Menge Bücher, von denen man viel hört; man hat eine Vorstellung davon und dadurch auch eine gewisse Erwartungshaltung. Nicht immer ist diese korrekt, siehe meine Kommentare zu Frankenstein. Drei weitere Bücher in dieser Richtung habe ich gelesen: Lord of the Flies, A Clockwork Orange, und Fahrenheit 451.

Lord of the Flies

Geschrieben kurz nach dem Krieg, spielt es in der nicht allzu fernen Zukunft; ein Evakuierungsflugzeug mit englischen Jungen zwischen 6 und 12 Jahren stürzt auf einer Pazifikinsel ab. Die Kinder organisieren sich erst, und über 3/4 der Länge berichtet das Buch zwar von Rangeleien und Machtkämpfen, aber nichts, was ich sehr schlimm gefunden hätte. Das letzte Viertel jedoch hat dann Albtraumpotential. Die Ereignisse überschlagen sich, die Kinder brennen die Insel in ihrem Krieg nieder, und werden im letzten Moment gerettet. Dieses Buch hat mich aufgewühlt, und ich bin mir nicht sicher, ob ich das hier von „menschlicher Natur“ nachvollziehen kann – vielleicht kann ich das besser einschätzen, wenn ich mal einen 12-jährigen Sohn hatte.

A Clockwork Orange

Was ich vorher dachte: Ein Buch gegen Kommunismus, eine kommunistische Gesellschaft wird gezeichnet, in der die Jugend gerne anderen auf die Fresse schlägt. Die Toten Hosen hatten „Hier kommt Alex“ mit der Zeile ‚zwanzig gegen einen, bis das Blut zum Vorschein kommt‘ versehen, aber Alex und seine Freunde gehen höchstens zu viert auf ihre Opfer los.

Die Sprache ist ohne Zweifel Slavisch geprägt, und Arbeit wird hoch gehalten, aber Kommunismus sehe ich nicht – es gibt Wahlen, und deren Ergebnisse scheinen sogar wirklich offen zu sein, und es gibt auch Religion. Totalitäter Staat? Ja, von mir aus. Ich würde diese Dystopie aber genauso auch in eine Kapitalistische totalitäre Gesellschaft verorten können. Am Ende wird Alex erwachsen, und das war’s dann. Moral? Weiß ich nicht. Burgess hasst scheinbar die Jugend und alle ihre Auswüchse (wie Elvis Presley und die Beatles). Empfehlenswertes Buch? Ich finde eher nicht.

Fahrenheit 451

kommt aus der gleichen Zeit wie die beiden anderen Bücher – Nachkriegszeit – und dreht sich um einen Feuer(wehr)mann, der mit seinen Kollegen verbotene Bücher verbrennt. Er kommt zur Besinnung, flieht aus der Stadt, die kurz darauf von Atombomben zerstört wird. (Dabei hat Amerika schon zwei Atomkriege begonnen und gewonnen, sagen sie vorher.)

Diese Dystopie ist für mich glaubwürdig und das Buch gut zu lesen (ist aber auch nicht so lang). Nur bin ich mir nicht sicher, was ich von der Prämisse halten soll, warum Bücher verbrannt werden: Der Grund ist die Diversifizierung der Gesellschaft. Immer mehr Minderheiten wollten immer mehr Literatur nicht mehr lesen, und wollten sie – heute würde man sagen „politisch korrekt“ – entschärft oder abgeschafft.

Die Gesellschaft verdrängt alles, das die Menschen zum Nachdenken bringen könnte, und gibt den Bürgern dafür nur seichte Unterhaltung und oberflächliche Beziehungen. Jugendkriminalität ist immens, wird aber ignoriert. In dieser Beziehung ist Fahrenheit 451 der Dystopie von Brave New World sehr ähnlich, kommt aber ohne diese ganze biologischen Wahnvorstellungen aus. Lesenswert? Aber Hallo!

Von den Juwelen

Tolkien ist mir ja immer etwas zu einseitig gewesen: die tollen Elben, die bösen Orks. Trotzdem habe ich mir mal das Simarillion vorgenommen. Im Vorwort gibt es einen Brief Tolkiens an seinen Verleger, in dem steht, dass dies eher eine Sammlung von Geschichten ist, und das auch in der Welt der Geschichte so sein soll – immerhin werden mehrere tausend Jahre behandelt.

Die Geschichten sind meistens nett, die Elben verlieren eine Menge ihres Glanzes, den sie für mich beim Herrn der Ringe und beim Hobbit hatten. Vieles der Geschichte habe ich durchaus besser verstanden, und vor allem die Hobbit-Trilogie, deren dritter Teil Ende diesen Jahres in die Kinos kommt, verstehe ich besser: Vieles der „zusätzlichen“ Geschichte im Film, die nicht im Buch war, wird im Simarillion tatsächlich explizit so erwähnt. Schöne Überraschung.

Schwierig war, bei den ganzen Namen den Überblick zu behalten, vor allem, weil so viele Leute und Dinge mehrere Namen haben. Ob ich mir die Verlorenen Geschichten, in denen die Dinge aus dem Simarillion (und den anschließenden Büchern, die zusammengetackert kommen) antuen werde (und wann), weiß ich aber noch nicht. Bei Tolkien brauche ich wohl immer ein bisschen Pause zwischendurch.

Der Garou

Mal was ganz anderes zwischendurch (und von Papier gelesen!): Garou.

Vor sehr langer Zeit, es muss 2007 gewesen sein, las ich Glennkill, eine Geschichte von irischen Schafen, die den Mord an ihrem Schäfer aufklären.

Nun sind die Schafe mit ihrer neuen Schäferin – die Tochter des alten – über Winter in Frankreich, im Schatten eines Schlosses, wo ein (oder nicht nur einer?) Werwolf – Loup Garou – sein Unwesen treibt.

Garou ist, wie auch Glennkill vorher, voller Wortwitz und wirklich süß geschrieben. Wenn es einen dritten Teil geben sollte, werde ich den mit Sicherheit auch lesen.

Traumpfade

Mal wieder was nicht in der Originalversion: Songlines von Bruce Chatwin gibt es nicht als Kindle-Edition, und die Hardware mit dem deutschen Text liegt hier halt rum. Chatwin berichtet von einer Reise nach Australien, in der er über die Songlines der Vorfahren der Aboriginees lernt. Die Songlines stellen das zentrale Element der Religiösität der Aboriginees dar. Auf dem Weg schweift der Autor immer wieder in andere Teile der Welt ab, in denen er von Nomaden, von Wandertrieb, Fernweh und verwandten Dingen erfahren hatte. Viel nebensächlicher Rassismus wird berichtet, nicht nur seitens der Bauerntölpel, sondern auch von Sherrifs und einfach den Institutionen.

Dieses Buch habe ich noch nicht durch, es ist ein gemeinschaftliches Leseprojekt, und zu zweit braucht man immer dafür Zeit. Als Mischung aus Sachbuch und Reisebericht ist es aber wirklich sehr unterhaltsam und informativ.

Religion, Monster und die Anstalt

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Vor lauter lesen komme ich kaum dazu, zu schreiben, schon gar nicht darüber, was ich gelesen habe. Dabei ist das schon wieder eine Menge. Soviel, dass ich sogar in meine Amazon-Liste gucken muss, was es eigentlich alles war. Dort finde ich:

Pratchett

Dodger ist ähnlich gut weitergegangen, wie ich schon vorhergesehen hatte; es geht sogar noch wesentlich besser weiter. Danach gab es The Science of Discworld IV: Judgement Day, in dem es sehr stark um Kreationismus geht — eine fundamentalistische Omnische Sekte steht hier Pate für die fundamentalen Christen, die der Meinung sind, die Welt wäre intelligent aufgebaut. Selbst die Aussage ihres Gottes, dass die Welt eine Scheibe ist, kann sie nicht überzeugen, dass die Welt keine Kugel sei. Schöner Satz: „der Theologie [der Rundwelt] sind 2851 Götter bekannt. Sie glauben an 2850 Götter nicht, ich glaube nur einen mehr nicht. Das ist kein großer Unterschied.“ Pratchett, Stewart und Cohen sprechen mir sehr aus der Seele.

Danach ging es wieder „richtig“ auf die Scheibenwelt, Raising Steam führt Dampfloks auf der Scheibenwelt ein, aber ganz ohne Magie funktioniert es eben doch am Ende nicht. Auch hier wird ein alter Konflikt – Krieg zwischen Zwergen und Trollen – wieder aufgeflammt, durch radikale Gruppen bei den Zwergen. Die Feindseligkeiten wurden eigentlich in Thud überwunden, aber mal wieder erinnert Pratchett daran, dass ein in-den-Sonnenuntergang-reiten am Ende einfach selten das Ende ist. Irgendwann ist der Cowboy im nächsten Dorf.

Das Monster

Die Rahmenhandlung alleine ist interessant: Ein Engländer beschließt, dass es in der Polarregion im Sommer richtig warm sein muss, weil ja die Sonne immer scheint. Also bricht er zu einer Expedition von St. Petersburg zum Nordpol auf. Dort trifft er auf einen ausgemergelten Mann, der ihm die eigentliche Geschichte erzählt. Er ist auf der Jagd nach dem Feind, eine Kreatur, die er, Frankenstein, in Ingolstadt erschaffen hat, nachdem er das Geheimnis des Lebens entdeckt hatte.

Er hasst diese Kreatur von dem Moment, an dem er ihr Leben einhaucht, aber mir wurde nie klar, wieso. Die Kreatur flüchtet vor ihm, orientierungslos, versucht Kontakt zu Menschen aufzunehmen, wird aber immer nur verstoßen. Er bringt sich selbst bei, zu lesen, zu reden, und tötet – mit Absicht oder ohne, ist nicht klar – ein Kind. Er konfrontiert seinen Schöpfer, und fleht ihn an, ihm eine Begleiterin zu schaffen, auf dass er nicht mehr einsam sei. Aus Angst lehnt Frankenstein letztlich ab, das Monster rächt sich an seinem ungnädigen Schöpfer, Frankenstein verfolgt ihn, doch kommt schneller an seine Grenzen. Am Ende, auf dem Schiff des Engländers, in dem Frankenstein all dies erzählt, stirbt Frankenstein (nicht durch die Hände des „Monsters“), seine Kreatur kommt, betrachtet ihn. Dem Kapitän sagt er, dass er sich selbst am Nordpol verbrennen würde.

Ich dachte immer, Frankenstein sei eine Horrorgeschichte über ein böses Monster und einen verrückten Wissenschaftler. Ist es aber nicht. Es ist eine Geschichte darüber, wie die Gesellschaft auf Außenseiter reagiert und wie diese Außenseiter zu Einsamkeit getrieben werden können.

Eine nach Ost, eine nach West…

… und eine(r) flog übers Kuckucksnest. Keine Science-Fiction, keine Fantasy: Ein unglaublich beklemmender Einblick in eine Irrenanstalt in Oregon, USA in den 1950er Jahren. Mit, in gewisser Weise, Happy End. Bildungslücke geschlossen mit einer sehr guten Geschichte.

Harald Töpfer und die Lange Erde

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Zwischen Gesprächen über Twitter, Urlaub und Wahlkampf habe ich in den letzten Monaten durchaus auch weiter gelesen. Höchste Zeit für ein paar Reviews!

Für den Urlaub und danach habe ich das erste Mal wirklich e-Bücher gekauft; bezahlen ist wie bei Amazon üblich sehr einfach und die Inhalte ähnlich aufgearbeitet wie bei den freien Büchern, die ich mir bis jetzt immer heruntergeladen hatte.

Sachbücher

Evolution: The Triumph of an Idea von Carl Zimmer ist ein Buch darüber, wie gut doch Evolution funktioniert. Es fängt an mit einer minutiösen Nacherzählung von Darwin’s Lebensweg, die ich am Anfang etwas überflüssig fand, die sich aber nachher doch gut in das Buch einfügt. Es wird klar gemacht, dass Evolutionstheorie Vorhersagen getroffen hat, die sich später als wahr herausgestellt haben, und das in einer großen Menge von verschiedenen Feldern, vor allem natürlich in der Genetik, einem Bereich, von dem Darwin noch absolut nichts wissen konnte. Die Ausführungen über die Evolution der Sprache am Ende empfand ich dann als etwas unsauber und wenig überzeugend, trotzdem bietet das Buch eine sehr schöne Übersicht über State of the Art und auch Status der Angriffe auf die Theorie. Das e-Book an sich hat allerdings all die kleinen erklärenden Boxen, die laut der Empfehlerin dieses Buches die Printversion verzieren, nicht.

The Signal and the Noise: Why so Many Predictions Fail – but Some Don’t von Nate Silver ist ein Buch über Statistik, Fehler und Vorhersagen. Eine der Grundaussagen des Buches ist es, dass es eigentlich immer besser ist, zu sagen, dass man sich unsicher ist, und diese Unsicherheit nach Möglichkeit zu quantifizieren. Silver erzählt in Anekdoten, von Sportwetten, politischen Vorhersagen, Wirtschaftsdaten, Erdbebenvorhersagen, Klima- und Wettermodellen und Pokerspielen und beleuchtet dabei Fehler, die einer der Disziplinen (fast) eigen sind, und Fehler, die überall gemacht werden; Disziplinen, in denen Vorhersagen gut klappen, und Disziplinen, in denen man mit einer Münze bessere Chancen auf korrekte Vorhersagen hat. Mir hat das Lesen viel Spaß gemacht; Silver hat viel mit den tatsächlich betroffenen Leuten geredet, etwa mit denen, die den Schachcomputer betreut haben, der Kasparov geschlagen hat, und er schreibt daraus spannende, aber lehrreiche Geschichten.

Scheibenwelt

Sollte ich erwähnen: Obwohl alle Scheibenweltbücher als Paperback bei mir im Regal stehen, habe ich Small Gods und The Amazing Maurice and His Educated Rodents für den kindle gekauft. Natürlich war diese Investition jeden Cent wert.

Harry Potter

Die Romane über den jugendlichen Zauberer Harald Töpfer von J.K. Rowling kann man nicht bei Amazon kaufen, sondern nur über einen externen Shop. Ich kannte bisher nur die Filme und war sehr gespannt auf die sieben Bücher; es hat auch nicht lange gedauert, bis ich sie alle gelesen hatte, nachdem ich einmal damit angefangen habe. Die ersten Romane sind sehr märchenhaft, und dann wird es immer düsterer. Genau diese Adjektive würde ich auch für die Filme verwenden – obwohl ich diese also eher zu düster empfand, muss ich jetzt sagen, dass die Stimmung der Bücher gut wiedergegeben ist. Und gegen Ende wird es auch wirklich immer spannender.

Nun habe ich ein paar Logik-Probleme mit der Geschichte, und ich meine damit nicht die Tatsache, dass da jemand zaubern kann und auch nicht die märchenhafte Überzeichnung von Harry’s Stieffamilie, aber ich probiere mal, über die unsinnigen Spielregeln bei Quidditch hinwegzusehen. Dann bleibt noch die uneingeschränkte Fähigkeit von Snape (!), alle Regeln zu brechen und seinem Haus-Team den Quidditch-Platz zum trainieren zu geben, obwohl er eigentlich für ein anderes Team reserviert war, und dass die Spiele manchmal verschoben werden, wenn ein Spieler krank ist, und manchmal nicht (und dass es grundsätzlich keine Ersatzspieler gibt). Und natürlich dieses ganze Punkte-System zwischen den Häusern, die scheinbar nur Snape zu ungunsten der anderen Häuser ausnutzt. Na gut, vielleicht einfach auch hier „Märchen“. Trotz allem wirklich schöne Bücher. Wenn ich logisch geschlossene Fantasy möchte, kann ich ja Terry Pratchett lesen.

The Long Earth

Mit Stephen Baxter zusammen schreibt ebenjener Autor zwei Bücher: The Long Earth und The Long War (Long Earth), die eine gemeinsame Geschichte erzählen. Diese spielen in der nicht allzuweit entfernten Zukunft – 2029/2030 und 2040. In der Geschichte muss irgendwann um das Jahr 2015 herum eine Technologie entwickelt/veröffentlicht worden sein, mit der man in Parallelwelten gehen kann, und von denen gibt es scheinbar beliebig viele, die linear aufgereiht sind (es werden mindestens 20 Millionen in die eine Richtung und etwas mehr als 2 Millionen in die andere Richtung besucht). Der zweite Teil – The Long War (Long Earth) hatte unerwarteterweise sehr wenig Geld gekostet; aber dann bemerkte ich, dass es eigentlich keine eigenständige Geschichte ist, sondern die Geschichte fortsetzt und einige lose Enden des ersten Buchs aufgreift.

Zwischenzeitlich 5 unabhängige Handlungsstränge, die Probleme und Chancen dieser Parallelwelten auf unterschiedliche Weise erforschen, werden ganz am Ende recht gekünstelt zusammengeführt, ohne wirklich irgendeine sinnvolle Motivation dafür zu bieten.

Am Ende sind das zwei Bücher, die sich sehr eingehend mit der Prämisse beschäftigen – was passiert, wenn auf einmal unendlich viel Platz zur Verfügung steht? Wie reagieren Staaten darauf? Wie können die anderen Welten aussehen? – aber von der Story her einiges zu wünschen übrig lassen. Schade.

Und weiter

Das bringt mich aber natürlich lange nicht ab davon, weiterhin viel von Pratchett lesen zu wollen; momentan lese ich Dodger, eine Geschichte, die im London des 19. Jahrhundert spielt. Der Titelheld ist ein Waise, der ein Talent dafür hat, in der Kanalisation wertvolle Dinge zu finden, und der am Anfang des Buches eine junge Dame vor Gewalt schützt. Fängt gut an. Und das nächste auf der Liste wäre dann Raising Steam, der neueste Scheibenweltroman, der allerdings erst im November veröffentlicht wird.

Echte Bücher Zwischendurch

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Immer mal wieder drückt mir jemand mal ein Buch in die Hand mit der Aufforderung, das müsse ich mal lesen. Ende 2012 bekam ich so gleich drei Bücher, zwei im weitesten Sinne über Sexualität, eines über Mathematik und den freien Willen und konnte daher nicht mit den e-Books weitermachen.

Empfehlungsgemäß begann ich mit Sex at Dawn: The Prehistoric Origins of Modern Sexuality von Christopher Ryan und Cadilda Jethá. Ich mochte den Stil des Buches gar nicht – die Autoren verwenden viel zu viel Zeit darauf, zu sagen, dass das Standardbild menschlicher Sexualität (Monogamie, oder wenigstens serielle Monogamie (also immer nur einen Partner gleichzeitig, aber der kann im Laufe der Zeit wechseln), oder vielleicht Polygame Männchen zu Monogamen Weibchen) falsch ist, und warum die anderen Forscher alle Fehler machen, und viel zu wenig Zeit damit, ihren eigenen Punkt zu machen und ihre eigene Hypothese aufzustellen: Dass wir nicht „wie die Tiere“ sind, wenn wir viel Sex haben, sondern viel mehr gerade das die Menschen ausmacht. Sex als soziales Instrument, nicht zur Fortpflanzung. Dabei sind viele Punkte, die sie machen, gut, nachdenkenswert, für mich neu, provokant. Aber dann kommt immer wieder dieses „aber die anderen machen ständig Denkfehler“. Leider nervig, aber eigentlich gut. Leitthema: Sexualität ist natürlich, normal, gut, und viel mehr als Fortpflanzungsmittel.

Einen starken Gegenentwurf hatte ich dann mit „Elementarteilchen“ von Michel Houellebecq, einem Roman, der den Lebensweg zweier Halbbrüder nachzeichnet, die eine Hippie-Mutter haben, was beider Leben versaut hat. Beide kriegen es nicht hin, ein sinnvolles Verhältnis zu Frauen oder ihrer eigenen Sexualität aufzubauen, und am Ende extrapoliert Houellebecq ins Jahr 2070, in der sich die Gesellschaft durch die Erfindung des Klonens durch einen der beiden Brüder radikal verändert hat. Ein Leitthema in dem Buch ist, dass freier Sex schlecht ist – wenigstens verstehe ich das Buch so. Einem der beiden Protagonisten legt der Autor den Gedanken in den Mund, dass Kinderschänder und Satanisten eine logische Folge der Sexuellen Revolution sind. Würde ich nicht nochmal lesen.

Wirklich anstrengend, aber extrem lohnend war dann die Lektüre von „Gödel, Escher, Bach: an Eternal Golden Braid“ von Douglas Hofstadter. Hofstadter ist theoretischer Physiker, der sich in diesem Buch von 1979 vor allem mit künstlicher Intelligenz auseinandersetzt. Dabei verbindet er die Musik von Bach mit den Bildern von Escher (das sind zum Beispiel diese Bilder von physikalisch unmöglichen Anordnungen) und beides mit dem Unvollständigkeitssatz von Gödel, einem Mathematiker, der in den 1930er Jahren entdeckt hat, dass es in jeder hinreichend umfangreichen mathematischen Theorie Aussagen geben muss, bei denen man nicht entscheiden kann, ob sie richtig sind – man kann also immer ein Äquivalent der Aussage „Dieser Satz ist falsch“ finden.

Hofstadter führt dazu recht ausführlich in die Zahlentheorie ein, um den Satz zu motivieren, und schwenkt dann in Richtung Intelligenz und vor allem künstliche Intelligenz. Zwischen den Kapiteln streut er Dialoge, die meisten zwischen Achilles und der Schildkröte, ein, in denen er spielerisch die Konzepte aus dem Sachteil einführt, wiederholt, hervorhebt. Einige dieser Dialoge sind dabei Musikstücken von Bach nachempfunden: So gibt es einen Dialog, er wie ein Spiegelkanon aufgebaut ist, in dem beide Figuren die gleichen Sachen sagen, nur fängt die Schildkröte damit bei der letzten Aussage von Achilles (und umgekehrt) an. Der Effekt ist erstaunlich. Ein ander Mal erzählt er eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte, kommt aber zu der urprünglichsten Geschichte nicht wieder zurück – damit demonstriert er, wie es ist, wenn ein Musikstück nicht wieder zur ursprünglichen Grundtonart zurückkehrt. Eines Tages wandern die Figuren durch Gemälde von Escher, und einmal treffen sie sich mit der Krabbe und dem Ameisenbär, um ein Vorspiel und eine Fuge von Bach anzuhören. Hier schafft Hofstadter es, die Musikstücke von den Figuren beschreiben zu lassen, man liest also, was gerade in der Musik geschieht, und die vier Gesprächsteilnehmer machen genau das, was die Stimmen in der Fuge tun – Hofstadter schreibt also eine Dialogfuge. Nun habe ich nicht so viel Überblick über Fugen, daher bin ich mir sicher, dass ich vieles von den versteckten Tricks nicht bemerkt habe, trotzdem war es unwahrscheinlich erhellend, auch nur das Oberflächliche von Hofstadter’s Kunst zu entdecken.

Viele Gedanken, die sich Hofstadter Ende der 1970er Jahre gemacht hat, finde ich auch heute noch komplett richtig – was ich aufgrund des enormen Fortschrittes der Computertechnik seit damals keinesfalls für selbstverständlich halte (immerhin geht es viel um Computer). Zwei Sachen sind mir aber als anachronistisch aufgefallen: Die Paper von Turing, mit denen er die moderne Computertheorie begründet hat, sind für ihn zwar auch „alt“ – bei ihm sind das aber dreißig Jahre. Für mich sind Turing’s Arbeiten in Stein gemeißelt und altertümlich. Das zweite: Hofstadter schreibt, dass wenn ein Computer besser als alle Menschen Schach spielen lernen könnte, wäre die große Herausforderung noch, ihn zum Schachspielen zu überreden, denn das ginge nur mit einer ausgewachsenen Intelligenz und einem „eigenen Willen“. Bei XKCD kann man gut sehen, dass er damit unrecht hatte: „Normale“, nicht-intelligente Computer konnten 1996 das erste Mal den besten Menschen im Schach schlagen, und 2005 hat das letzte Mal ein Mensch gegen den besten Schachcomputer gewinnen können.

Diese Fehleinschätzung der Komplexität von Schach schmälert aber weder das Buch noch seine anderen Thesen. Gödel, Escher, Bach ist für Menschen, die sich in Mathematik und Mathematischen Denkweisen nicht wohlfühlen, wahrscheinlich ungeeignet, was ich sehr schade finde. Ich selbst bin über manche technischen Dinge hinweggegangen, weil ich lieber wissen wollte, wie es damit dann weitergeht, als was die genauen Details sind, aber natürlich weiß ich, dass ich als theoretischer Physiker es wesentlich leichter habe, den restlichen Teil zu verstehen als der Durchschnittsmensch. Wie gesagt, schade, denn es sind so viele tolle Gedanken in dem Buch, dass ich es eigentlich jedem gerne empfehlen würde.

Seit Gödel, Escher, Bach lese ich wieder auf dem kindle. Nach Life on the Mississippi von Twain habe ich alle Klassiker durch, mal sehen, ob ich dann auch mal ein eBook kaufe.