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Religion, Monster und die Anstalt

Original-Post

Vor lauter lesen komme ich kaum dazu, zu schreiben, schon gar nicht darüber, was ich gelesen habe. Dabei ist das schon wieder eine Menge. Soviel, dass ich sogar in meine Amazon-Liste gucken muss, was es eigentlich alles war. Dort finde ich:

Pratchett

Dodger ist ähnlich gut weitergegangen, wie ich schon vorhergesehen hatte; es geht sogar noch wesentlich besser weiter. Danach gab es The Science of Discworld IV: Judgement Day, in dem es sehr stark um Kreationismus geht — eine fundamentalistische Omnische Sekte steht hier Pate für die fundamentalen Christen, die der Meinung sind, die Welt wäre intelligent aufgebaut. Selbst die Aussage ihres Gottes, dass die Welt eine Scheibe ist, kann sie nicht überzeugen, dass die Welt keine Kugel sei. Schöner Satz: „der Theologie [der Rundwelt] sind 2851 Götter bekannt. Sie glauben an 2850 Götter nicht, ich glaube nur einen mehr nicht. Das ist kein großer Unterschied.“ Pratchett, Stewart und Cohen sprechen mir sehr aus der Seele.

Danach ging es wieder „richtig“ auf die Scheibenwelt, Raising Steam führt Dampfloks auf der Scheibenwelt ein, aber ganz ohne Magie funktioniert es eben doch am Ende nicht. Auch hier wird ein alter Konflikt – Krieg zwischen Zwergen und Trollen – wieder aufgeflammt, durch radikale Gruppen bei den Zwergen. Die Feindseligkeiten wurden eigentlich in Thud überwunden, aber mal wieder erinnert Pratchett daran, dass ein in-den-Sonnenuntergang-reiten am Ende einfach selten das Ende ist. Irgendwann ist der Cowboy im nächsten Dorf.

Das Monster

Die Rahmenhandlung alleine ist interessant: Ein Engländer beschließt, dass es in der Polarregion im Sommer richtig warm sein muss, weil ja die Sonne immer scheint. Also bricht er zu einer Expedition von St. Petersburg zum Nordpol auf. Dort trifft er auf einen ausgemergelten Mann, der ihm die eigentliche Geschichte erzählt. Er ist auf der Jagd nach dem Feind, eine Kreatur, die er, Frankenstein, in Ingolstadt erschaffen hat, nachdem er das Geheimnis des Lebens entdeckt hatte.

Er hasst diese Kreatur von dem Moment, an dem er ihr Leben einhaucht, aber mir wurde nie klar, wieso. Die Kreatur flüchtet vor ihm, orientierungslos, versucht Kontakt zu Menschen aufzunehmen, wird aber immer nur verstoßen. Er bringt sich selbst bei, zu lesen, zu reden, und tötet – mit Absicht oder ohne, ist nicht klar – ein Kind. Er konfrontiert seinen Schöpfer, und fleht ihn an, ihm eine Begleiterin zu schaffen, auf dass er nicht mehr einsam sei. Aus Angst lehnt Frankenstein letztlich ab, das Monster rächt sich an seinem ungnädigen Schöpfer, Frankenstein verfolgt ihn, doch kommt schneller an seine Grenzen. Am Ende, auf dem Schiff des Engländers, in dem Frankenstein all dies erzählt, stirbt Frankenstein (nicht durch die Hände des „Monsters“), seine Kreatur kommt, betrachtet ihn. Dem Kapitän sagt er, dass er sich selbst am Nordpol verbrennen würde.

Ich dachte immer, Frankenstein sei eine Horrorgeschichte über ein böses Monster und einen verrückten Wissenschaftler. Ist es aber nicht. Es ist eine Geschichte darüber, wie die Gesellschaft auf Außenseiter reagiert und wie diese Außenseiter zu Einsamkeit getrieben werden können.

Eine nach Ost, eine nach West…

… und eine(r) flog übers Kuckucksnest. Keine Science-Fiction, keine Fantasy: Ein unglaublich beklemmender Einblick in eine Irrenanstalt in Oregon, USA in den 1950er Jahren. Mit, in gewisser Weise, Happy End. Bildungslücke geschlossen mit einer sehr guten Geschichte.


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Kommentare

Eine Antwort zu „Religion, Monster und die Anstalt“

  1. […] Bush ein gleichnamiges Lied geschrieben hat, das vom Lesen dieses Romans beeinflusst wurde. Wie bei Frankenstein’s Monster gibt es eine Rahmenhandlung, die nur als Gefährt dient, um die eigentliche Geschichte zu […]