Die Tribute des Hungers

Katniss Everdeen heißt die Heldin der Trilogie „The Hunger Games“ (auf Deutsch: „Die Tribute von Panem“), und da aus ihrer Perspektive berichtet wird, sollte es kein allzugroßer Spoiler sein, dass sie bis zum Ende des dritten Buches überlebt.

Katniss lebt in einer Sklavenkolonie in den Appalachen, kontrolliert von der Hauptstadt Panem in den Rocky Mountains. Panem kontrolliert außer Katniss’ noch elf andere Bezirke; in jedem wird etwas anderes wichtiges hergestellt (Katniss’ Bezirk ist dem Kohleabbau gewidmet). Jedes Jahr werden die Tribute, zwei Jugendliche aus jedem Bezirk, gelost, ein Mädchen und ein Junge, die dann in den Hunger Games aufeinandertreffen und sich gegenseitig töten müssen. Dem letzten Überlebenden winken Ruhm und Ehre, ein Leben zwar in Reichtum, aber immer noch in der Kolonie. Panem selbst ist eine dekadente Stadt, in der Überfluss herrscht und in der das Schicksal der Kolonien nicht wahrgenommen wird. Die Rechtfertigung für die Hunger Games ist die Revolution vor 74 Jahren, bei der Panem über die Kolonien gesiegt hat und sie seither (wieder?) unterjocht. Aus der Zeit davor ist praktisch nichts bekannt, nur, dass es früher dort die Vereinigten Staaten von Amerika gab und dass die gesamte Bevölkerung der Welt durch ein nicht bekanntes Ereignis stark dezimiert wurde. Die Bewohner Panems und der Kolonien halten sich für die letzten Überlebenden.

Katniss beginnt die Geschichte als selbstbewusste junge Frau, die der Umzäunung entfliehen und jagen kann. Das erbeutete Fleisch verkauft sie auf dem Schwarzmarkt, um ihre Familie, ihre Mutter und ihre kleine Schwester Prim, zu ernähren. Ausgelost wird nicht sie, sondern eben ihre Schwester, und Katniss nimmt freiwillig ihren Platz ein. In der Arena tötet sie, aber fast nur in Notwehr, nie kalkulierend, und gewinnt schließlich. Ihr letzter Akt wird aber von den Obrigkeiten als Affront gegen die Hauptstadt gesehen. Einige der Kolonien schöpfen daraus Kraft, es brodelt und erster Unmut in den Kolonien flammt auf.

Ein Jahr später, als sich die Revolution zum 75. Mal jährt, sind die Spielregeln anders: Aus den bisherigen Gewinnern werden die diesjährigen Tribute ausgewählt. Da Katniss die bisher einzige weibliche Siegerin aus ihrer Kolonie ist, muss sie auch wieder ran. Auch dieses Mal überlebt sie und kommt schließlich zu den Rebellen, die ihr Hauptquatier in der dreizehnten Kolonie haben. (Von dem Panem behauptet, dass es seit dem Krieg der Revolution unbewohnbar sei.) Katniss ist zum Symbol der Rebellen geworden und wird von diesen auch so eingesetzt. Ihre Kolonie wird von Panem vollständig zerstört.

Bei der Darstellung der Rebellen habe ich mich ein wenig an Animal Farm erinnert gefühlt und eine Parabel auf verschiedene Gesellschaftsmodelle gesehen: Einerseits der dekadente, verschwenderische Kapitalismus Panems, der auf dem Leid und der Ausbeutung anderer basiert (man erinnere sich an Textilfabriken im fernen Osten), auf der anderen Seite ein militaristischer Komplex, der alle befreien, aber keinesfalls allen Freiheit geben will, mit strengen Tagesabläufen, totaler Überwachung und enger Rationierung. Die Rebellen kopieren letztlich viele schlimme Dinge, die sie vorher selbst bekämpft haben, bis hin zu den Hunger Games selbst.

Katniss’ Rolle verändert sich dabei immer mehr von der aktiven Akteurin hin zur Getriebenen, von der selbst- und eigenständigen Frau hin zum kleinen Nervenwrack, das zwar immer noch trotzig ist, aber keine eigenen Impulse mehr setzt. Gegen Ende wird sie von den Rebellen eingesperrt – Einzelhaft; das Gerichtsverfahren gegen sie wird ohne Anhörung von ihr durchgeführt – und freigesprochen. Und heiratet am Ende doch den einen, den sie eigentlich nie wollte.

Ja, bei dieser Geschichte ist ihr Werdegang durchaus nachvollziehbar und realistisch. Irgendwann fehlt die Energie, zu kämpfen. Trotzdem hätte ich mir eine stärkere Persönlichkeit gewünscht, die nicht ganz so getrieben von den äußeren Umständen wird. Auch das wäre durchaus realistisch gewesen. Schade – Chance verpasst. Spannend und lesenswert war es aber auf jeden Fall!

Dystopie, Juwelen und ein Werwolf

Original-Post

Es gibt ja doch eine Menge Bücher, von denen man viel hört; man hat eine Vorstellung davon und dadurch auch eine gewisse Erwartungshaltung. Nicht immer ist diese korrekt, siehe meine Kommentare zu Frankenstein. Drei weitere Bücher in dieser Richtung habe ich gelesen: Lord of the Flies, A Clockwork Orange, und Fahrenheit 451.

Lord of the Flies

Geschrieben kurz nach dem Krieg, spielt es in der nicht allzu fernen Zukunft; ein Evakuierungsflugzeug mit englischen Jungen zwischen 6 und 12 Jahren stürzt auf einer Pazifikinsel ab. Die Kinder organisieren sich erst, und über 3/4 der Länge berichtet das Buch zwar von Rangeleien und Machtkämpfen, aber nichts, was ich sehr schlimm gefunden hätte. Das letzte Viertel jedoch hat dann Albtraumpotential. Die Ereignisse überschlagen sich, die Kinder brennen die Insel in ihrem Krieg nieder, und werden im letzten Moment gerettet. Dieses Buch hat mich aufgewühlt, und ich bin mir nicht sicher, ob ich das hier von „menschlicher Natur“ nachvollziehen kann – vielleicht kann ich das besser einschätzen, wenn ich mal einen 12-jährigen Sohn hatte.

A Clockwork Orange

Was ich vorher dachte: Ein Buch gegen Kommunismus, eine kommunistische Gesellschaft wird gezeichnet, in der die Jugend gerne anderen auf die Fresse schlägt. Die Toten Hosen hatten „Hier kommt Alex“ mit der Zeile ‚zwanzig gegen einen, bis das Blut zum Vorschein kommt‘ versehen, aber Alex und seine Freunde gehen höchstens zu viert auf ihre Opfer los.

Die Sprache ist ohne Zweifel Slavisch geprägt, und Arbeit wird hoch gehalten, aber Kommunismus sehe ich nicht – es gibt Wahlen, und deren Ergebnisse scheinen sogar wirklich offen zu sein, und es gibt auch Religion. Totalitäter Staat? Ja, von mir aus. Ich würde diese Dystopie aber genauso auch in eine Kapitalistische totalitäre Gesellschaft verorten können. Am Ende wird Alex erwachsen, und das war’s dann. Moral? Weiß ich nicht. Burgess hasst scheinbar die Jugend und alle ihre Auswüchse (wie Elvis Presley und die Beatles). Empfehlenswertes Buch? Ich finde eher nicht.

Fahrenheit 451

kommt aus der gleichen Zeit wie die beiden anderen Bücher – Nachkriegszeit – und dreht sich um einen Feuer(wehr)mann, der mit seinen Kollegen verbotene Bücher verbrennt. Er kommt zur Besinnung, flieht aus der Stadt, die kurz darauf von Atombomben zerstört wird. (Dabei hat Amerika schon zwei Atomkriege begonnen und gewonnen, sagen sie vorher.)

Diese Dystopie ist für mich glaubwürdig und das Buch gut zu lesen (ist aber auch nicht so lang). Nur bin ich mir nicht sicher, was ich von der Prämisse halten soll, warum Bücher verbrannt werden: Der Grund ist die Diversifizierung der Gesellschaft. Immer mehr Minderheiten wollten immer mehr Literatur nicht mehr lesen, und wollten sie – heute würde man sagen „politisch korrekt“ – entschärft oder abgeschafft.

Die Gesellschaft verdrängt alles, das die Menschen zum Nachdenken bringen könnte, und gibt den Bürgern dafür nur seichte Unterhaltung und oberflächliche Beziehungen. Jugendkriminalität ist immens, wird aber ignoriert. In dieser Beziehung ist Fahrenheit 451 der Dystopie von Brave New World sehr ähnlich, kommt aber ohne diese ganze biologischen Wahnvorstellungen aus. Lesenswert? Aber Hallo!

Von den Juwelen

Tolkien ist mir ja immer etwas zu einseitig gewesen: die tollen Elben, die bösen Orks. Trotzdem habe ich mir mal das Simarillion vorgenommen. Im Vorwort gibt es einen Brief Tolkiens an seinen Verleger, in dem steht, dass dies eher eine Sammlung von Geschichten ist, und das auch in der Welt der Geschichte so sein soll – immerhin werden mehrere tausend Jahre behandelt.

Die Geschichten sind meistens nett, die Elben verlieren eine Menge ihres Glanzes, den sie für mich beim Herrn der Ringe und beim Hobbit hatten. Vieles der Geschichte habe ich durchaus besser verstanden, und vor allem die Hobbit-Trilogie, deren dritter Teil Ende diesen Jahres in die Kinos kommt, verstehe ich besser: Vieles der „zusätzlichen“ Geschichte im Film, die nicht im Buch war, wird im Simarillion tatsächlich explizit so erwähnt. Schöne Überraschung.

Schwierig war, bei den ganzen Namen den Überblick zu behalten, vor allem, weil so viele Leute und Dinge mehrere Namen haben. Ob ich mir die Verlorenen Geschichten, in denen die Dinge aus dem Simarillion (und den anschließenden Büchern, die zusammengetackert kommen) antuen werde (und wann), weiß ich aber noch nicht. Bei Tolkien brauche ich wohl immer ein bisschen Pause zwischendurch.

Der Garou

Mal was ganz anderes zwischendurch (und von Papier gelesen!): Garou.

Vor sehr langer Zeit, es muss 2007 gewesen sein, las ich Glennkill, eine Geschichte von irischen Schafen, die den Mord an ihrem Schäfer aufklären.

Nun sind die Schafe mit ihrer neuen Schäferin – die Tochter des alten – über Winter in Frankreich, im Schatten eines Schlosses, wo ein (oder nicht nur einer?) Werwolf – Loup Garou – sein Unwesen treibt.

Garou ist, wie auch Glennkill vorher, voller Wortwitz und wirklich süß geschrieben. Wenn es einen dritten Teil geben sollte, werde ich den mit Sicherheit auch lesen.

Traumpfade

Mal wieder was nicht in der Originalversion: Songlines von Bruce Chatwin gibt es nicht als Kindle-Edition, und die Hardware mit dem deutschen Text liegt hier halt rum. Chatwin berichtet von einer Reise nach Australien, in der er über die Songlines der Vorfahren der Aboriginees lernt. Die Songlines stellen das zentrale Element der Religiösität der Aboriginees dar. Auf dem Weg schweift der Autor immer wieder in andere Teile der Welt ab, in denen er von Nomaden, von Wandertrieb, Fernweh und verwandten Dingen erfahren hatte. Viel nebensächlicher Rassismus wird berichtet, nicht nur seitens der Bauerntölpel, sondern auch von Sherrifs und einfach den Institutionen.

Dieses Buch habe ich noch nicht durch, es ist ein gemeinschaftliches Leseprojekt, und zu zweit braucht man immer dafür Zeit. Als Mischung aus Sachbuch und Reisebericht ist es aber wirklich sehr unterhaltsam und informativ.

Religion, Monster und die Anstalt

Original-Post

Vor lauter lesen komme ich kaum dazu, zu schreiben, schon gar nicht darüber, was ich gelesen habe. Dabei ist das schon wieder eine Menge. Soviel, dass ich sogar in meine Amazon-Liste gucken muss, was es eigentlich alles war. Dort finde ich:

Pratchett

Dodger ist ähnlich gut weitergegangen, wie ich schon vorhergesehen hatte; es geht sogar noch wesentlich besser weiter. Danach gab es The Science of Discworld IV: Judgement Day, in dem es sehr stark um Kreationismus geht — eine fundamentalistische Omnische Sekte steht hier Pate für die fundamentalen Christen, die der Meinung sind, die Welt wäre intelligent aufgebaut. Selbst die Aussage ihres Gottes, dass die Welt eine Scheibe ist, kann sie nicht überzeugen, dass die Welt keine Kugel sei. Schöner Satz: „der Theologie [der Rundwelt] sind 2851 Götter bekannt. Sie glauben an 2850 Götter nicht, ich glaube nur einen mehr nicht. Das ist kein großer Unterschied.“ Pratchett, Stewart und Cohen sprechen mir sehr aus der Seele.

Danach ging es wieder „richtig“ auf die Scheibenwelt, Raising Steam führt Dampfloks auf der Scheibenwelt ein, aber ganz ohne Magie funktioniert es eben doch am Ende nicht. Auch hier wird ein alter Konflikt – Krieg zwischen Zwergen und Trollen – wieder aufgeflammt, durch radikale Gruppen bei den Zwergen. Die Feindseligkeiten wurden eigentlich in Thud überwunden, aber mal wieder erinnert Pratchett daran, dass ein in-den-Sonnenuntergang-reiten am Ende einfach selten das Ende ist. Irgendwann ist der Cowboy im nächsten Dorf.

Das Monster

Die Rahmenhandlung alleine ist interessant: Ein Engländer beschließt, dass es in der Polarregion im Sommer richtig warm sein muss, weil ja die Sonne immer scheint. Also bricht er zu einer Expedition von St. Petersburg zum Nordpol auf. Dort trifft er auf einen ausgemergelten Mann, der ihm die eigentliche Geschichte erzählt. Er ist auf der Jagd nach dem Feind, eine Kreatur, die er, Frankenstein, in Ingolstadt erschaffen hat, nachdem er das Geheimnis des Lebens entdeckt hatte.

Er hasst diese Kreatur von dem Moment, an dem er ihr Leben einhaucht, aber mir wurde nie klar, wieso. Die Kreatur flüchtet vor ihm, orientierungslos, versucht Kontakt zu Menschen aufzunehmen, wird aber immer nur verstoßen. Er bringt sich selbst bei, zu lesen, zu reden, und tötet – mit Absicht oder ohne, ist nicht klar – ein Kind. Er konfrontiert seinen Schöpfer, und fleht ihn an, ihm eine Begleiterin zu schaffen, auf dass er nicht mehr einsam sei. Aus Angst lehnt Frankenstein letztlich ab, das Monster rächt sich an seinem ungnädigen Schöpfer, Frankenstein verfolgt ihn, doch kommt schneller an seine Grenzen. Am Ende, auf dem Schiff des Engländers, in dem Frankenstein all dies erzählt, stirbt Frankenstein (nicht durch die Hände des „Monsters“), seine Kreatur kommt, betrachtet ihn. Dem Kapitän sagt er, dass er sich selbst am Nordpol verbrennen würde.

Ich dachte immer, Frankenstein sei eine Horrorgeschichte über ein böses Monster und einen verrückten Wissenschaftler. Ist es aber nicht. Es ist eine Geschichte darüber, wie die Gesellschaft auf Außenseiter reagiert und wie diese Außenseiter zu Einsamkeit getrieben werden können.

Eine nach Ost, eine nach West…

… und eine(r) flog übers Kuckucksnest. Keine Science-Fiction, keine Fantasy: Ein unglaublich beklemmender Einblick in eine Irrenanstalt in Oregon, USA in den 1950er Jahren. Mit, in gewisser Weise, Happy End. Bildungslücke geschlossen mit einer sehr guten Geschichte.

Lesen

Original-Post

Ich lese gerne. Das habe ich hier schon mal vor sehr langer Zeit geschrieben, und daran hat sich nicht viel geändert. Meine Lesemenge ist allerdings starken Schwankungen unterworfen.

Das schlechte Wetter Anfang diesen Jahres (naja, „Anfang“, haha, es regnet ja immernoch ständig) hat mich wieder viel zum Lesen gebracht, denn die U-Bahn-Fahrten morgens und abends eignen sich dazu ziemlich gut, auch wenn sie nur 7 Minuten dauern.

Nun hatte ich ja mal recht lautstark für einen eBook-Reader Werbung gemacht, und trotz dem hr-bericht über menschenunwürdige Bedingungen bei amazon habe ich meinen kindle nicht verschrottet oder stillgelegt. Immernoch würde ich dieses Gerät wieder kaufen. Und Geld für elektronische Bücher habe ich immernoch keins ausgegeben; ich lese immernoch alte Bücher, deren Inhalt nicht mehr dem Urheberrecht unterliegen und die legal und kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden können

Moby Dick und Faust

Nun aber zu den ganzen Büchern: Angefangen hatte ich das Lesen auf dem kindle mit der zweiten Hälfte von Moby Dick, einem Buch, was ich auch nicht hätte lesen müssen. (Bevor ich den kindle bekam, hatte ich schon damit angefangen.) Das lyrische Ich erzählt von seiner Zeit auf dem Schiff von Captain Ahab, der den weißen Wal Moby Dick jagt und am Ende von diesem zerstört wird. Immermal wieder wechselt Melville, der Autor, aber aus der Prosa in Theateranweisungen, als fehlte ihm die Lust, die Dialoge ordentlich auszuschreiben. Das lyrische Ich berichtet dann von der vollständigen Zerstörung des Schiffs, nur, oh, stimmt, er lebt ja noch, öh, ja, er hat irgendwie als einziger überlebt.

Als Nächstes wollte ich mal nachholen, was ich in der Schule nie lesen musste: Faust. Ich habe in der elften Klasse geschafft, Die Leiden des Jungen Werthers nicht lesen zu müssen und mich irgendwie durchzumogeln (ich weiß nicht mehr, wie das geklappt hatte), und die beiden Fausts in Versform fielen mir nicht viel leichter zu lesen. Ich bin während der Lektüre zu der Überzeugung gekommen, dass Goethe einfach ein verdammt schlechter Dichter war. Ständig stimmt das Versmaß nicht und man (ich) stolpert darüber. Ja, wird mir erzählt, das sind dann aber immer Stellen, an denen irgendwas Schlimmes passiert. Aber mal ehrlich: Im Faust geht es um einen Pakt mit dem Teufel. Und eine ganze Weile lang um die Hexen bei der Walpurgisnacht. Da passiert immer was Schlimmes. Ganz nebenbei wird außer dem Brocken (bei der Walpurgisnacht) noch genau eine Lokalität wirklich genau erwähnt: Auerbachs Keller in Leipzig. Vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen. Es tut überhaupt nichts zur Sache, dass Faust und Mephisto in Leipzig sind, oder eben in diesem Gewölbe, aber Goethe macht hier mal ein wenig Namedropping. Warum nur? Schleichwerbung? Jedenfalls ging es mir auf den Geist.

Dem Faust II hatte ich dann versucht, eine faire Chance zu geben, aber ich befürchte, dass mir das nicht wirklich gelungen war. Goethe-Fan werde ich mit Sicherheit nicht mehr.

Dystopie in Brave New World

Nach Moby Dick hatte ich erstmal eine ausgeliehene Papierversion von Huxley’s Brave New World gelesen. Leider hatte es meine Erwartungen nur teilweise erfüllt – dass die Dystopie von 1932 heute in vielen Teilen wesentlich anders gesehen wird, als Huxley sich das vorgestellt hatte, ist dabei nur ein Punkt. Ich hatte bei Recombinant Records vorher eine schöne Gegenüberstellung von 1984 (habe ich in der 12. Klasse mal im Unterricht gelesen) und Brave New World gesehen, die wegen Urheberrechtsfragen leider heute nicht mehr zu sehen ist und auf dem Buch Amusing Ourselves to Death basiert, und zu folgendem Schluss kommt: Orwell (Autor von 1984) hatte Angst davor, dass wir von dem beherrscht werden, was wir hassen, Huxley hatte befürchtet, dass wir von dem beherrscht werden, was wir lieben, und in unserer Konsumgesellschaft kommen wir dem zweiten sehr nahe.

Aber für meinen Geschmack überzeichnet Huxley das ganze ein bisschen, oder vielleicht ist das auch die Stärke bei dem Ganzen: In seiner Welt müssen Slogans und erzwungene Gewohnheiten den Kindern von der Zeugung (immer im Reagenzglas) an eingetrichtert werden, während wir heutzutage für „Better ended than mended“ — lieber wegschmeißen als reparieren – kein anderes Argument als die hohen Arbeitskosten während der Reparatur brauchen. Auch hat er ein – aus meiner heutigen Sicht von 80 Jahre später – viel zu deterministisches Bild davon, was DNA alles im Körper steuert. So gab es insgesamt viele „Ja, aber“-Momente für mich beim Lesen des Buchs. Vollkommen egal: Ich habe das Buch sehr genossen.

Mehr zum Lesen im nächsten Eintrag.