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Kinderreime und Drachentöter

Die Nursery Crime-Reihe, ein Wortspiel auf Nursery Rhyme (Kinderreime), ist eine bisher zwei Bücher umfassende Bücherreihe von Jasper Fforde, die er nach den ersten vier Thursday Next-Büchern geschrieben hat und die in einer sehr ähnlichen Welt spielen. Hier ist die Hauptperson eine Person zweifelhafter Existenz, weil Jack Spratt eigentlich aus einem beliebten Englischen Kinderreim entspringt. Gleiches gilt für seine Assistentin Mary Mary und für die Opfer und Täter der Kriminalfälle, die die beiden und ihre Abteilung, die Nursery Crime Division, aufklären müssen.

Im ersten Buch, The Big over Easy, geht es um das Ableben von Humpty Dumpty, einem überdimensionalen Ei, das von seiner Lieblingsmauer gefallen ist, während Jack seine neue Assistentin Mary einarbeiten muss, bei seiner Mutter versehentlich Zauberbohnen pflanzt und sich um Aktiengeschäfte mit Fußcremeherstellern kümmern muss. In The Fourth Bear stehen dann Gurken, der Lebkuchenmann, Bären und Goldlöckchen im Mittelpunkt, zusammen mit einem Nichtvergnügungs-Themenpark, in dem den Besuchern das authentische Erlebnis des ersten Weltkrieges nähergebracht werden soll. Das Bildnis des Dorian Gray macht auf überraschende Art und Weise einen Auftritt.

Beide Bücher sind kurzweilig, haben viele abenteuerliche Wendungen, wo dann doch nicht alles so ist, wie man gedacht hat und zeigen durch und durch menschliche Hauptpersonen. Auch mit einer männlichen Hauptperson gibt es in diesem Universum mehrere Frauen mit Namen, die auch ihre eigenen Interessen haben und denen nachgehen, wie schon in Shades of Grey.

Fforde hat aber auch eine weitere lesenswerte Fantasyreihe angefangen, nämlich die von The Last Dragonslayer. Diese spielt ebenfalls in Großbritannien, was allerdings in die Ununited Kingdoms zersplittert ist. In einem der Königreiche, in Hereford, steht eines der beiden letzten Magischen Institute, in denen die Hauptperson Jennifer Strange, selbst keine Zauberin, die Organisation übernommen hat und, seitdem der Große Zambini verschwunden hat, auch die meisten Entscheidungen treffen muss. Ihr normaler Job, den Zauberern bezahlte Arbeit zu vermitteln (etwa, um Güter per Fliegendem Teppich zu transportieren, oder um die Verkabelung eines Hauses neu zu ordnen – Magie ist nicht mehr das, was es war) wird im ersten Buch unterbrochen, als immer mehr Hellseher davon sprechen, dass der letzte Drachen am nächsten Sonntag sterben würde. Der Magische Schutz des Drachengebietes würde wegfallen und unzählige Menschen machen sich auf, um sich ein möglichst großes Grundstück abzustecken. Zu allem Überfluss stellt Jennifer fest, dass sie die letzte Drachentöterin, mithin diejenige ist, die diesen Drachen wird töten müssen.

In The Song of the Quarkbeast muss Jennifer dem korrupten Staatsapparat Paroli bieten und gleichzeitig dafür sorgen, dass eine alte Brücke per Magie wieder aufgebaut wird – von ihren Zauberern, nicht denen der Konkurrenz.

The Eye of Zoltar ist ein Artefakt, dessen Existenz nicht sicher ist, aber Jennifer wird im dritten Buch dazu gezwungen, sich auf die Suche danach zu begeben. Dazu beginnt sie eine Expedition ins benachbarte Königreich, das der Sicherheitsgesellschaft die Stirn bietet und auf wirklich gefährliche Abenteuer setzt. Die Führerin der Expedition bietet auch nur eine Todesquote von 50 % der Teilnehmer*innen an… Das Buch endet mit einem Cliffhanger hin zum vierten Band der Serie, den es aber leider noch nicht gibt.

Allen Büchern ist ein unheimlich schöner Witz und ein sehr hintergründiger Kommentar unserer Welt gemein. Nachdem ich diese fünf Bücher gelesen hatte, habe ich alles von Fforde gelesen – dass mich ein Autor so sehr begeistern würde, kann ich nach wie vor kaum glauben.


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