Kein Ulysses mehr! Dafür mal wieder viel Papier.

Ulysses habe ich dann irgendwann aufgegeben. Durch das erste Kapitel habe ich mich lange durchgekämpft, aber das hat mir dann gereicht. Ich hatte allerdings schon vor längerer Zeit ein anderes, echtes, Buch gelesen, das mir und meiner besseren Hälfte zum letzten runden Geburtstag geschenkt wurde: Kim & Struppi – Ferien in Nordkorea, in dem Autor Christian Eisert von einer Urlaubsreise nach Nordkorea berichtet, für die er verschwiegen hatte, dass er eigentlich Witzeschreiber und seine Begleiterin Than, nicht Sandra heißt. Im Buch sind auch Bilder abgedruckt, die er nicht hätte machen dürfen, und so schreibt er ein eindringliches, schönes Portrait von dieser Nation, von der wir so wenig wissen. Er garniert die Erzählung seiner Rundfahrt und die Nacherzählung der Informationen, die er von seinen Fremdenführern bekommen hat, mit unabhängig davon später in Europa recherchierten Informationen, Einordnungen und Richtigstellungen. Das Buch schließt mit dem Bedauern, dass er wohl niemals mehr in dieses Land reisen können wird, nun, dass er sich öffentlich zu der Lüge, mit der er ins Land gekommen war, bekannt hat. Witzig geschrieben, und auf jeden Fall lesenswert.

Auf dem Rückweg von einer eigenen Urlaubsreise (mehr davon auch bald) musste ich dann meinen Kindle verleihen, sodass ich das einzige vorhandene Papierbuch gelesen habe, und ein zweites Mal hat mich die Geschichte von Dodger sehr mitgerissen. Schließlich haben wir von einer anderen Kurzurlaubsreise nach Kiel das Buch Auf High Heels in den Kreißsaal von Lucie Marshall bekommen. Das Buch handelt von der Zeit zwischen der Erkenntnis einer 36-jährigen Moderatorin, dass sie eigentlich schnell schwanger werden will, bis zum zweiten Geburtstag ihres Kindes. Das Buch erzählt die kleinen und großen Katastrophen und die kleinen und großen Erfolge während dieser Zeit nach.

Sie geben 101 Prozent

Wir geben 100 %, Sie geben 1%. Das ist ein Slogan, mit dem Hessens Beamte aktuell für mehr Lohn kämpfen. Die Forderung ist, dass nach einer Nullrunde 2015 mehr als 1 % Lohnsteigerung in 2016 folgen sollen. Bevor ich irgendwas anderes schreibe: Die Forderung halte ich für gerechtfertigt.

Der Slogan ist allerdings nicht berechtigt, sondern eine riesige Mogelpackung.

Fangen wir bei dem Offensichtlichsten an: Erstmal insinuiert der Slogan, dass 1 % ja viel weniger sind als 100 % – ist die Forderung also, dass die Leistung – 100 % – und die Lohnsteigerung gleich hoch sein sollen? Ist die Forderung also 100 % Lohnsteigerung? Das ist sie nicht*. Dass diese beiden Zahlen nebeneinandergestellt werden, ist also eine Werbemasche.

Aber ich habe viel mehr ein Problem damit, dass die Aussage „Sie geben 1 %“ faktisch falsch ist, denn das ist nur das „mehr“. Ein ehrlicher Slogan wäre also: „Wir geben 100 %, Sie geben 101 %“. Ja: es geht immerhin um eine Lohnsteigerung. Wie gesagt, die Forderung halte ich für gerechtfertigt, aber ich denke, man sollte sich gute Argumente dafür zurechtlegen. Wann sind denn Lohnsteigerungen (von Gehaltsgruppen, keine Beförderungen) gerechtfertigt?

Ich habe da mehrere Ideen:

  • Produktivität ist gestiegen
  • Lebenskosten sind gestiegen (also die Inflation)
  • Umsatz des Arbeitgebers ist gestiegen – im Fall der Beamten wäre das wohl die Steuerquote des Landes

Nun sagt der Slogan, dass die Produktivität nicht gestiegen ist* (oder haben die Beamte vorher nicht 100 % gegeben?). Bleibt die Steuerquote, für die ich keine Angaben finde, und die Inflation. Da es um die beiden letzten Jahre geht, vergleiche ich Juni 2014 (107,3% ggü. 2010) mit Juni 2016 (106,7 % ggü. 2010) und komme bei einer Preissteigerung von 0,56 % heraus. Die vorgeschlagene Lohnerhöhung liegt also über der Inflation, und zwar um 0,43 %.

Inflationsbereinigt wäre der Slogan also: „Wir geben 100 %, Sie geben 100,43 %“. Man kann natürlich gerne die Lohnsteigerungen der letzten 5, 6, 29, was auch immer Jahre nehmen und diese Analyse wiederholen. Aber dann sollte man das eben tun, und nicht so idiotische Vergleiche anstellen.

*: Ich gehe hier überall davon aus, dass der Slogan nicht bedeuten soll, dass sich die Produktivität verdoppelt hat, also um 100 % angewachsen ist. Wenn das die Aussage sein soll, dann habe ich ganz andere Probleme mit der Kampagne.

Gruppenverhalten

Es ist mal wieder Zeit für ein bisschen Fußball. Aktuell ist der dritte Spieltag der Europameisterschaft der Männer; heute abend „kämpft“ das deutsche Team um den Einzug ins Achtelfinale – allerdings reicht schon ein 0:1 zum Weiterkommen (als Gruppendritter). Das erste Turnier, das ich bewusst miterlebt habe – allerdings eigentlich erst ab dem Achtelfinale – war die WM 1994 in den USA. Das war auch das bisher letzte Männerturnier mit sechs Vierergruppen, und damals gab es gleich zwei Gruppen, in denen die drittbeste Mannschaft 2 Siege geschafft hat. Gleichzeitig gab es eine Gruppe, in der alle Mannschaften gleich viele Punkte hatten.

Die aktuelle Meisterschaft hat wieder sechs Vierergruppen mit anschließendem Achtelfinale, sodass wieder vier der sechs Dritten weiterkommen können. Der deutsche Bundestrainer, Jogi Löw, lamentierte vor ein paar Tagen über dieses System, dass „manche Mannschaften, die nach dem zweiten Spieltag einen Punkt haben, […] noch immer eine Chance auf das Achtelfinale [haben]“. Nun teile ich Löw’s Kritik an dem System – ich finde auch, dass das Weiterkommen aus einer Gruppe nur an den Ergebnissen aus dieser Gruppe hängen sollte, und dass nicht 24 von 55 Mitgliedern der UEFA ihre Auswahlen zur EM schicken sollten/müssen und dass nicht 16 der 55 Mitgliedsverbände in die K.O.-Runde kommen müssen – aber auch bei einem System, in dem nur die ersten Beiden weiterkommen, gibt es mögliche Konstellationen, in denen ein Team mit 0 Punkten nach zwei Spielen noch Hoffnung haben kann. Das wäre das Gegenteil der Gruppen, in denen der Dritte 6 Punkte hat (wie eben bei der WM 1994: Ein Team verliert alle Spiele, und die übrigen drei Teams gewinnen gegeneinander jeweils ein Spiel: Ergibt 6, 6, 6 und 0 Punkte), nämlich dass ein Team alles gewinnt und die anderen drei gegeneinander jeweils ein Spiel gewinnen, sodass das Ergebnis 9, 3, 3 und 3 Punkte ist.

Das war für mich Stein des Anstoßes, mal die Wikipedia-Artikel zu allen Fußballwelt- und -europameisterschaften zu durchforsten und zu zählen, wie oft solche „bizarren“ Konstellationen auftauchen. (Und die anderen Konstellationen habe ich selbstverständlich auch gezählt.) Rausgekommen ist folgende Tabelle:

Punkteverteilungen aller 4er-Gruppen in Fußball-EM und -WMs. Ergebnisse „alter“ Gruppen sind auf das aktuelle 3-Punkte-System umgerechnet. Die erste Spalte zeigt die Punkte von Gruppenerstem, -zweitem, -dritten und vierten, die zweite Spalte die Häufigkeit, mit der das aufgetreten ist.
Punkteverteilungen aller 4er-Gruppen in Fußball-EM und -WMs. Ergebnisse „alter“ Gruppen sind auf das aktuelle 3-Punkte-System umgerechnet. Die erste Spalte zeigt die Punkte von Gruppenerstem, -zweitem, -dritten und vierten, die zweite Spalte die Häufigkeit, mit der das aufgetreten ist.

Dabei sind die Vierergruppen von 1954 nicht enthalten, weil diese damals nicht komplett ausgespielt wurden, aber dafür in 1974 und 1978 die Vor- und Zwischenrunde. Die häufigste Konstellation ist die mit der klarsten Hackordnung: Der Beste gewinnt alles, der zweitbeste gewinnt gegen die beiden schlechteren, und der letzte verliert alles. Es sind noch nie alle 6 Spiele Unentschieden ausgegangen (das wäre die letzte Zeile).

Aus den gleichen Daten habe ich ausgelesen, wie oft ein Gruppenerster eigentlich 9, 7, 6, 5, 4 oder 3 Punkte hatte, und entsprechend für die anderen Platzierungen:

Punkteverteilungen aller 4er-Gruppen in Fußball-EM und -WMs. Ergebnisse „alter“ Gruppen sind auf das aktuelle 3-Punkte-System umgerechnet.
Punkteverteilungen aller 4er-Gruppen in Fußball-EM und -WMs. Ergebnisse „alter“ Gruppen sind auf das aktuelle 3-Punkte-System umgerechnet.

Das häufigste Ergebnis für den Gruppensieger sind also 7 Punkte, für den Gruppenzweiten 6 oder 4, für den Dritten 3 oder 4, und für den letzten 0 oder 1 Punkte. Aber, und das finde ich wichtig, die (historische!) Wahrscheinlichkeit für einen Gruppendritten mit einem Punkt (der Vierte hätte dabei übrigens auch einen Punkt) ist 10/165. Das kann zum Weiterkommen reichen, wenn das Gleiche in zwei anderen Gruppen vorkommt, sodass es zwei Gruppendritte mit einem Punkt gibt, deren Torverhältnis schlechter ist. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist (10/165)³, oder etwa 0,02%. Umgekehrt ist die Wahrscheinlichkeit dafür, dass eine Mannschaft als Gruppendritter 5 oder 6 Punkte hat, 3%; diese würden in dem System, wo nur die ersten beiden weiterkommen, rausfliegen. (Von den 5 Mannschaften mit diesem Schicksal sind Schottland 1974, Algerien 1982 und Italien 2004 rausgeflogen, während Argentinien und Belgien 1994 von dem Modus profitiert haben.)

Ich rede dabei von ‚historischer‘ Wahrscheinlichkeit, weil das natürlich davon ausgeht, dass die Gruppenergebnisse heute genauso wahrscheinlich sind wie vor 86 Jahren. Das kann zwar durchaus sein, die Datenbasis ist aber zu klein, um das wirklich sagen zu können. Sehr große Qualitätsunterschiede zwischen den Mannschaften würden zum Beispiel Gruppen mit 9 Punkten für den Ersten und/oder 0 Punkten für den Letzten bevorzugen.

Fahrradstatistik

Ich schreibe ja immer mal wieder was darüber, wie viel Fahrrad ich fahren will und wie viel ich tatsächlich gefahren bin. Nun habe ich mal alle diese Blogartikel und meine Reisetagebücher gewälzt und die seit Anfang letzten Jahres gesammelten wöchentlichen Aufzeichnungen, und habe eine hübsche Grafik daraus gemacht. Diese werde ich versuchen, aktuell zu halten:

Die Daten fangen an meinem 19. Geburtstag an (das ist aber links außerhalb der Grafik), als ich ein neues Fahrrad geschenkt bekommen habe. Die ersten wirklichen Daten sind von einer Fahrradtour mit einer Kommilitonin, Caro B., und ihrem Bruder von Frankfurt zur Ostsee im September 2005, dann kam mein Jahr in Norwegen, die Fahrt am Rhein, meine Radtour vom Nordkapp, ein neues Fahrrad in 2013, und dann die wöchentlichen Aufzeichnungen (in denen man sowohl die Wochen erkennen kann, in denen ich in Malaŵi war und daher nicht gefahren bin, als auch den Umzug nach Kassel).

Jeder Punkt ist anklickbar und führt, soweit vorhanden, zu dem Blog-Artikel aus dem diese Angabe stammt oder der über die jeweilige Tour berichtet. Die grünen Flecken fassen einzelne Punkte zusammen. Vielleicht werde ich da in den nächsten Tagen auch noch ein paar Extra-Features einbauen; aktuell werde ich es auf jeden halten.

Aber ich habe doch recht!

Für Stuttgart 21 gab es einen „Stresstest“, laut dem ein Bahnhof, der nicht gebaut werden soll (10 Gleise statt 8), mit einer Technik, die es nicht gibt (eigentlich dauert es 30 Sekunden, bis Gleisabschnitte freigegeben werden), problemlos einen Fahrplan, der nicht gefahren werden soll, bewältigen kann. Die Medien haben aber die Geschichte der Deutschen Bahn („Stuttgart 21 besteht Stresstest“) geglaubt, die Gegner haben es nicht geschafft, die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass der geplante Bahnhof den Test eben nicht bestanden habe und das wirkliche Bauvorhaben eben immer noch genau so desaströs zu werden droht, wie schon immer befürchtet. Der Volksentscheid wurde verloren, Stuttgart 21 wird gebaut.

So eine ähnliche Situation kann man aktuell in den USA sehen: Bernie Sanders bewirbt sich für die Nominierung der Demokraten und tritt dabei gegen Hillary Clinton an. (Es gab Anfangs noch vier andere Kandidaten, die aber mittlerweile aufgegeben haben.) Sanders gilt als sehr links, bezeichnet sich selbst als demokratischer Sozialist, während Clinton als Establishment und als moderater gilt; beide haben sich, als sie gemeinsam im Senat waren, bei etwa 93% der Abstimmungen gleich verhalten. Die haben Medien schon lange, bevor irgendwer gewählt hat, Clinton als Favoritin ausgemacht, und von den etwa 15% der Delegierten auf dem Parteitag (713 von 4765), die als Parteifunktionäre nicht gewählt sind, haben sich sehr viele schon vorher auf Clinton festgelegt.

Dann kommt noch die unglückliche Tatsache, dass die Partei im Vorfeld verhindern wollte, dass es zu viele Debatten geben würde – die Idee ist, dass man, je weniger man unter Demokrat*innen diskutiere, sich weniger gegenseitig kritisieren und demontieren würde. In der Hauptwahl gegen die Republikaner könnten diese also weniger „die Demokraten denken ja selbst, dass ihr(e) Kandidat(in) nichts taugt“ sagen. Gleichzeitig verhindert das, dass unbekannte Kandidaten (eben Sanders) bekannter werden. Kurz: die Ausgangssituation hat Clinton sehr bevorzugt.

Nun sind die Vorwahlen fast durch; heute wählen noch die letzten Staaten, bevor nächsten Dienstag auch der District of Columbia seine letzten Delegierten bestimmt. Clinton führt in jeder denkbaren Sichtweise:

  • Gebundene Delegierte (also die, die durch die Wahlen festgelegt wurden),
  • Anzahl der gewonnenen Staaten,
  • Wählerstimmen gesamt,
  • freie Delegierte (die vorgenannten Superdelegierten).

Entscheidend ist die Anzahl der freien + gebundenen Delegierten. Aber natürlich kann man das (vollkommen richtige!) Argument anführen, dass die Superdelegierten undemokratisch sind, also kann man auf gebundene Delegierte und Wählerstimmen gucken.

In beiden, vom Volk bestimmten, Maßen ist Clinton vorne, und zwar nicht nur knapp. Clinton könnte Kalifornien heute Abend mit 50%-Punkten verlieren und hätte immer noch eine Mehrheit an Delegierten; die 3 Millionen Stimmen Vorsprung kann Sanders praktisch gar nicht mehr einholen. Die Umfragen für Kalifornien sagen einen Sieg für Clinton (zwischen 2% und 18%) voraus.

Sanders (und vor allem seine Unterstützer) sind aber der Meinung, doch noch die Nominierung bekommen zu können. Wie? Man werde die Superdelegierten überzeugen, ihre Meinung zu ändern. (Ich sollte nicht unerwähnt lassen, dass Superdelegierte für die Sanders-Kampagne am Anfang das Böse schlechthin waren, so lange, wie es nicht praktisch unmöglich war, eine Mehrheit der freien Delegierten zu gewinnen.)

Aus deutscher Sicht war es lange Zeit schwer verständlich, warum Sanders in Amerika für radikal gehalten wird; in der Tat sind die meisten seiner Forderungen in Deutschland praktisch gar keine Streitthemen. Aber an seiner Reaktion auf die tatsächlichen Wahlergebnisse sehe ich einen alarmierenden Aspekt: die Überzeugung, dass man doch eigentlich besser geeignet wäre, die Demokraten bei der Präsidentschaftswahl zu vertreten, dass die eigenen Positionen doch eigentlich die besseren seien, führt dazu, dass man die Wahl ignorieren will. Weil man es besser wisse als die Wähler, die schlecht informiert waren, denen viel zu lange erzählt wurde, dass Clinton ja sowieso gewinnen würde. Das ist für mich auf jeden Fall radikal, und, ja, ich halte das auch für gefährlich. „Meine Meinung ist wichtiger als die Mehrheitsmeinung“ ist per Definition undemokratisch.

Woher kommt aber dieses Festhalten an diesen Strohhälmen? Wie kann man einen solchen Affront gegen alle Wähler*innen fordern – abgesehen von der symbolischen Wirkung, wenn eine mit großem (!) Vorsprung gewählte Frau die ihr dadurch zustehende Position nicht bekommen würde, sondern ein alter, weißer Mann ihr bevorzugt würde? Auch, wenn viele Sanders-Anhänger sie als korrupt bezeichnen, als zu konservativ, oder glauben, dass sie ob ihres Umgangs mit e-Mails als Außenministerin offiziell angeklagt wird, wird Clinton die Kandidatin sein. Und nicht, weil sie so viele Superdelegierte auf ihrer Seite hat, sondern weil sie so viele Stimmen bekommen hat. Weil so viele Leute der Meinung waren, sie sei die bessere Wahl. Vielleicht haben viele davon gar nicht geglaubt, dass sie wirklich als Präsidentin einem Präsident Sanders vorzuziehen ist; vielleicht war vielmehr ausschlaggebend, dass die Nachteile einer Präsidentin Clinton gegenüber einem Präsidenten Sanders dadurch aufgewogen werden, dass die Wähler geglaubt haben, ein Sieg Clintons gegen die Republikaner (wir wissen jetzt: Trump) sei viel wahrscheinlicher als ein Sieg von Sanders, und dass die Wähler daher nicht so sehr Clinton gegen Sanders sondern vielmehr {Clinton gegen Trump} gegen {Sanders gegen Trump} abgewägt haben. Vielleicht wurde diese Abwägung uninformiert getroffen, vielleicht haben sich die Wähler geirrt. Vielleicht gab es andere Gründe für das Wahlverhalten. Diese ganzen Vielleichts sind aber unwichtig, denn beim Ergebnis ist kein Vielleicht übriggeblieben.

Der Kampf um Superdelegierte ist nun zu einem Kampf derjenigen geworden, die von ihrer Meinung so überzeugt sind, dass sie nicht wahrhaben wollen, dass ihre Positionen nicht mehrheitsfähig sind, oder zumindest einfach keine Mehrheit bekommen haben. Ähnlich, wie die Gegner von Stuttgart 21 keine Mehrheit bekommen haben, und auch da gibt es immer noch Hardliner, die das nicht wahrhaben wollen. Es werden Verschwörungen gewittert: auch wenn die genauen Beteiligungsregeln in den Vorwahlen in manchen Bundesstaaten extrem merkwürdig sind (in New York zum Beispiel musste man sich ein halbes Jahr vor der Wahl bei der richtigen Partei registrieren), sind sie alle schon so lange gültig, dass man keine akute Bevorzugung von Clinton hineininterpretieren kann. Über Vorwahlen, in denen nur registrierte Demokraten wählen durften, wurde sich lauthals beschwert, weil viele von Sanders‘ Unterstützern eben keine registrierten Demokraten sind (und, in der Tat, Sanders hat bei „offenen“ Vorwahlen besser abgeschnitten als bei „geschlossenen“). Über Caucuses, eine sehr komplizierte Art der Vorwahl, die sich vor allem durch eine sehr kleine Wahlbeteilgung auszeichnen und die für Sanders sehr viel besser ausgegangen sind, wurde sich jedoch nicht beschwert. (Eine sehr nette Analyse der bisherigen Wahlergebnisse zeigt, dass Clinton wesentlich mehr durch Caucuses geschädigt wurde als Sanders durch geschlossene Vorwahlen; wenn alle Staaten freie Vorwahlen hätten, wäre Clinton’s Vorsprung noch ein wenig größer.)

Nun bin ich also schon wieder an einem Punkt, an dem falsche Hoffnungen geschürt werden, an dem demokratische Entscheidungen nicht akzeptiert werden können, an dem Betrug gewittert wird, wo es einfach nur nicht genügend Gleichdenkende gibt. In dem Fall hier hoffe ich, dass sich genügend Sanders-Wähler bei den Hauptwahlen im November aufraffen werden, um zu verhindern, dass Donald Drumpf der mächtigste Mann der Welt wird. Ich bin mir sehr sicher, dass Hillary Clinton eine wesentlich bessere Wahl ist.

Gleispläne

In meiner Kategorie „Selbstgemacht“ fehlen aus irgendwelchen Gründen die beiden Dinge, die ich am häufigsten aktualisiere:

Seit 2009 unterhalte ich einen Gleisplan der U-Bahn Frankfurt, und seit 2011 einen Gleisplan der Frankfurter Straßenbahn, die es in abgespeckter Version auch bei Wikipedia gibt. Durch die tatkräftige Unterstützung der Mitglieder im Frankfurter Nahverkehrsforum gelingt es auch ganz gut, diese beiden Pläne aktuell und korrekt zu halten.

Wie die anderen Dokumente, die ich veröffentliche, stehen beide Pläne unter der CC-Lizenz BY-SA, Version 4.0. Das bedeutet vereinfacht gesagt, jeder darf diese Bearbeitungen weitergeben und verändern, solange er oder sie mich als Autor der ursprünglichen Bearbeitung nennt (dafür steht das BY) und jedem die genau gleichen Rechte einräumt (Share Alike, SA).

Dagegen sein und falsche Hoffnungen

In Deutschland werden, allem Investitionsstau zum Trotz, viele öffentliche Bauprojekte geplant oder durchgeführt. Bei den allermeisten davon gibt es Befürworter und Gegner. Von einer Gruppe Beispiele habe ich erst kürzlich geschrieben; heute bin ich am Schauplatz eines anderen Konfliktes vorbeigefahren.

Konkret geht es um den Ausbau der Main-Weser-Bahn zwischen Frankfurt West und Bad Vilbel. Der Plan der Bahn: Zwei Gleise für die S-Bahn zu schaffen, so dass diese sich ihren Fahrweg nicht mehr mit anderen Zügen teilen muss. Dadurch könne, so die Hoffnung der Befürworter, der S-Bahn-Verkehr stabiler und besser werden. Die Gegner führen an, dass die S6, die dort fährt, jetzt schon eine der pünktlicheren Linien sei und die Verspätungsproblematik der Frankfurter S-Bahn viel mehr an der Stammstrecke zu suchen sei. Außerdem besteht die Befürchtung, dass nach dem Ausbau mehr (laute) Güterzüge durch die Wohngebiete entlang der Strecke fahren würden, vor allem Nachts. Nun teile ich die Argumente der Gegner nicht und bin der Meinung, dass der Ausbau längst überfällig ist, aber ich will eigentlich gar nicht über dieses spezielle Projekt reden, sondern über den Umgang mit Kritik an Großprojekten allgemein.

Im vorliegenden Fall tut sich eine Bürgerinitiative sehr hervor, deren Name ein Wortwitz zwischen „Bahn“ und einer gelben Staudenfrucht ist. Diese – und eine andere Gruppe, die „2 statt 4“ propagiert hat – organisiert den Widerstand derer, die durch den Ausbau zwar betroffen sind, von ihm aber praktisch nicht profitieren: vor allem Anwohner in Frankfurt, die auch jetzt schon andere schnelle Möglicheiten haben, in die Innenstadt zu kommen, und sammelt fortwährend Geld für noch mehr Einsprüche und noch mehr Klagen. Das ist natürlich deren gutes Recht.

Doch das Recht in Deutschland kennt auch Entscheidungen, und es besteht mittlerweile Baurecht. Die ersten Bauaufträge sind vergeben, die Bagger werden bald anrollen. Der Kampf um das „ob“ ist verloren. Es sind immer noch Klagen und Einsprüche anhängig, bei diesen geht es aber nur noch um Detailfragen des „wie“; sie haben keine aufschiebende Wirkung.

Nun interessiere ich mich sowieso für diese Angelegenheit, aber seit ich vor 5 Jahren in den Ortsbeirat eines benachbarten Stadtteils gewählt wurde, stehe ich auf dem E-Mail-Verteiler dieser Gruppe und erhalte daher regelmäßig „Neuigkeiten“ und „Informationen“. So kam – ich habe die allermeisten Mails von denen recht schnell wieder gelöscht, kann daher also nicht mehr genau nachgucken – etwa jährlich eine alarmistische E-Mail darüber, dass die Bahn schon „Fakten schaffen!!“ würde, weil sie Bäume und Sträucher entlang der Strecke abgeholzt hat. Dieses mal sei es viel schlimmer als sonst, lese ich da jedes Mal. Immer verbunden mit der Aufforderung, weiterzukämpfen und bitte für die Einreichung der nächsten Klage zu spenden. Mindestens die letzte solche Mail kam durchaus in der Zeit, in der die Bahn das Recht hatte, „Fakten zu schaffen!!“. Die Initiative behauptet auch heute noch, dass ihre Klagen aufschiebende Wirkungen hätten – und auf eine verdrehte Weise haben sie recht: Die aktuellen Rechtsstreite drehen sich um kleine Teile des Gesamtprojektes, die nachgebessert werden müssen, und die Realisierung dieser Teile wird aufgeschoben. Der Großteil des Gesamtvorhabens kann aber umgesetzt werden: Es besteht Baurecht. Und hierbei wird die Initiative ihren Anhängern gegenüber unredlich. Denn diese interessieren sich vielleicht nicht mehr für die Verbesserung des Erschütterungsschutzes für zwei Häuser, denken aber, dass der Rechtsstreit um das entsprechende Gutachten den gesamten Bau noch verzögern und letztlich verhindern könne. Somit wird diese Gruppe zum Selbstzweck, der einfach nur das beschlossene Projekt möglichst teuer machen und sich selbst gut fühlen will. Würden die SprecherInnen dieser Gruppe ehrlich den Stand wiedergeben, hätten sie sehr wahrscheinlich wesentlich weniger Zulauf.

Nun will ich hier nicht die ganze Zeit bashen. Aber als ich vorhin in der S6 saß, ist mit klar geworden, dass es auch das Gegenteil gibt. Grüne sind auch oft gegen Großprojekte. In Stuttgart gab es vor fünf Jahren auch nach einer sehr erfolgreichen Landtagswahl keine politische Mehrheit gegen den Tunnelbahnhof, und in Frankfurt gibt es regelmäßig große Mehrheiten für den Flughafen und alles, was damit zu tun hat – bei Gegenstimmen der Grünen (und, seit sie relevant sind, der Linken). Eines dieser Projekte ist recht aktuell: Der Bau eines neuen Terminal 3. Politisch Verantwortlich ist der hessische Verkehrsminister, und das ist nun ein Grüner. Die Grünen wollten das Terminal 3 verhindern und haben dies im Wahlkampf auch durchaus deutlich so vertreten. Nicht sehr deutlich wurde auch gesagt, dass die Politik alleine keinen Einfluss mehr hat. Nach der Wahl kommt bei vielen die Ernüchterung: Der Einfluss des Verkehrsministers beschränkt sich darauf, im Aufsichtsrat von Fraport gegen den Bau zu stimmen. Aber: es besteht Baurecht. Die Fraport hat das Recht, zu bauen. Nun hätte man natürlich Gerichtsverfahren anstrengen können, von denen man genau weiß, dass sie nichts bringen werden, und noch nicht mal den Bau verzögern würden. Hat man aber nicht. Ebenso wurde nach der Volksabstimmung über Stuttgart 21 kein Widerstand mehr geleistet, denn die Entscheidung war gefallen.

Für mich zeigt dass, dass die Grünen eine Partei der Verantwortung sind. Und nicht nur der persönlichen Verantwortung, sondern einer gesellschaftlichen Verantwortung. Andere haben die Baugenehmigung für das Terminal 3 gegeben, andere haben die Finanzierungsvereinbarung für Stuttgart 21 getroffen. Aber wo die Grünen in die Regierungsverantwortung kommen, werden sie dieser Verantwortung gerecht, auch wenn das bedeutet, Projekte zu leiten, die man selbst für falsch, widersinnig, teuer hält. Auch, wenn das bei manchen WählerInnen den Eindruck hinterlässt, man setze sich nicht genügend für die eigenen Ziele ein. Auch, wenn man dann so dasteht als hätte man seine Ziele verraten: immerhin kann man sich nun auf andere Kämpfe, die man gewinnen kann, konzentrieren. Man kann natürlich gegen die eigene Regierungspolitik Opposition machen, wie das scheinbar auf Bundesebene aktuell en vogue ist. Sinnvoller ist es, ehrlich einzugestehen, wenn man etwas nicht mehr verhindern kann. Auch wenn’s weh tut.

Dowland

Das Gitarrenenorchester GOMP hat 2016 zwei weitere Bearbeitung von mir aufgeführt, von Stücken, die gemeinfrei sind. Diesmal waren die „neuen“ Stücke von John Dowland, ich stelle sie wie immer hier frei(*) zur Verfügung:

  1. Can She Excuse My Wrongs
  2. Clear Or Cloudy

Auch hier gelten die Erläuterungen zu Urheberrecht und Auftritten, die ich seinerzeit zu Peer Gynt geschrieben habe.

„frei(*)“ heißt, ich veröffentliche sie unter der CC-Lizenz BY-SA, Version 4.0. Das bedeutet vereinfacht gesagt, jeder darf diese Bearbeitungen weitergeben und verändern, solange er oder sie mich als Autor der ursprünglichen Bearbeitung nennt (dafür steht das BY) und jedem die genau gleichen Rechte einräumt (Share Alike, SA).

Jupiter

Nach der ersten Peer Gynt-Suite in den Jahren 2010 und 2012 wurde 2015 mit meiner Bearbeitung der Jupiter-Symphonie No 41 von Wolfgang Amadeus Mozart wieder ein gemeinfreies Stück Musik aufgeführt, was ich hier wieder für jedermann frei(*) herunterladbar bereitstelle.

„frei(*)“ heißt, ich veröffentliche sie unter der CC-Lizenz BY-SA, Version 4.0. Das bedeutet vereinfacht gesagt, jeder darf diese Bearbeitungen weitergeben und verändern, solange er oder sie mich als Autor der ursprünglichen Bearbeitung nennt (dafür steht das BY) und jedem die genau gleichen Rechte einräumt (Share Alike, SA).

Symphonie No. 41 „Jupiter“

Zu Aufführungen der Stücke und warum ich eigentlich gemeinfreie Musik hier unter einer nicht-gemeinfreien Lizenz veröffentliche, lest bitte die Erläuterungen bei der Peer Gynt-Suite.

 

Sinn und die Schatzinsel

Momentan komme ich nicht unglaublich viel zum Lesen, aber das hängt auch (leider) mit meinem aktuellen Buch zusammen. Zunächst mal hat mich Shades Of Grey noch recht lange mental beschäftigt, einfach, weil ich die dort beschriebene Welt so faszinierend finde.

Als nächstes nahm ich mir Treasure Island von Robert Louis Stevenson vor; das der Welt den Piraten Long John Silver beschert hat. Die Geschichte handelt von einem Jungen, in dessen Vaters Gasthaus ein Seemann lange Zeit lebt und nach seinem Tod eine Schatzkarte hinterlässt. Der Junge startet mit einem benachbarten Gutsherren und einem Arzt die Suche nach diesem Schatz, sie heuern aber – für den Leser recht schnell erkennbar – die alte Piratencrew des Seemanns an. Auf der Insel angekommen, gibt es eine Meuterei, Schießereien, einen Einsiedler und ein Happy End.

Das Buch ist eine Kindergeschichte, und ein wenig kindliche Naivität besitzen die Hauptpersonen auch, außer natürlich die Hauptperson, die durch ihre Unbedarftheit und Mut am Ende (und in der Mitte) alle „Guten“ rettet. Immerhin werden die Charaktere nicht alle schwarz/weiß als gut oder böse gezeichnet; Long John ist zwar durchaus kein Guter, aber auch nicht ein absolut Böser. Nette Geschichte.

Sense and Sensibility von Jane Austen fängt in gewisser Hinsicht genau so an wie Pride and Prejudice von der gleichen Autorin: Im ersten Kapitel die Exposition der Ausgangssituation, im zweiten Kapitel die Unterhaltung zweier Personen, in dem eine Person die Meinung der anderen Person ins Gegenteil verkehrt. Auch ansonsten gibt es viele Ähnlichkeiten: Es geht um Mädchen im heiratsfähigen Alter, die einige Hürden überwinden müssen, bis sie ihr Glück finden.

Das Buch war an sich ganz nett, aber wie auch bei Charles Dickens ist die immergleiche Geschichte in anderen Umständen nicht so aufregend.

Nun hänge ich momentan an James Joyce’s Ulysses. Manche Bücher brauchen für mich ein bisschen, bis es „klick“ macht und ich sie gut lesen kann; das ist bisher noch nicht geschehen.

Schnelle Züge

Ich fahre gerne mit schnellen Bahnen. Ich komme aus einer Großstadt und bin in eine andere Großstadt gezogen; meine Ziele sind meistens Großstädte. Das ist mein Disclaimer für den folgenden Beitrag.

Neubaustrecken für Schnellfahrten, kurz NBS, diese großen Bauprojekte, die die Bahn immer besonders gerne durchführt und einweiht, sind nämlich für den Großteil meiner Parteigenossen ein rotes Tuch. Für mich eher nicht so. Und genau darüber möchte ich heute schreiben.

ICE bei Ausfahrt aus Frankfurt Hauptbahnhof (ICE 1; Gleis 6 nach Gutleuthof)
ICE bei Ausfahrt aus Frankfurt Hauptbahnhof (ICE 1; Gleis 6 nach Gutleuthof)

Ich meine Strecken mit einer Höchstgeschwindigkeit von mindestens 250 km/h, die komplett andere Verläufe als das Bestandsnetz nehmen, quer durch die Landschaft gehen und dabei viel vorher unberührte Flächen zu zerschneiden und viel Geld kosten – meist sind viele Tunnel und Brücken nötig. Dabei werden häufig bisher angebundene Städte vom schnellen Fernverkehr abgeschnitten. Drei Beispiele davon möchte ich näher betrachten: Koblenz liegt seit 14 Jahren nicht mehr zwischen Frankfurt und Köln, Jena ab Dezember nicht mehr zwischen Nürnberg und Berlin, und vielleicht wird in Zukunft Aschaffenburg nicht mehr zwischen Frankfurt und Würzburg liegen.

Zusammen sind diese Eigenschaften Grund genug für Grüne, den Bau von NBS abzulehnen. Aktuelles Beispiel aus meiner politischen Umgebung ist die sogenannte Mottgers-Spange, mit der eine schnelle Verbindung von Frankfurt nach Fulda und Würzburg geschaffen werden soll – an Aschaffenburg vorbei. NBS sind sowieso schlecht, höre ich dann, man sehe ja an Jena, dass dann „die Region“ vom schnellen Bahnverkehr abgehängt würde. Aschaffenburg brauche doch unbedingt eine stündliche schnelle Verbindung sowohl zur Landeshauptstadt München als auch zum Frankfurter Flughafen. Alle Betrachtungen, wie viel Eigennutz in diesen Argumenten stecken, beiseitelassend, fußt die Kritik auf zwei Argumenten, die ich nicht sofort glaube:

  1. Wenn es eine schnelle Verbindung zwischen Frankfurt und Würzburg unter Auslassung von Aschaffenburg gäbe, wäre Aschaffenburg nicht mehr adäquat an das deutsche Schienenfernverkehrsnetz angeschlossen
  2. Punkt eins ist eine logische und unverhinderbare Folge des Baus.

Wie war das anderswo?

Auch heute noch bedienen eineinhalb InterCity pro Stunde und Richtung Koblenz (drei Linien im Zwei-Stunden-Takt: 30: Hamburg-Ruhrgebiet-Stuttgart, 31: Hamburg-Ruhrgebiet-Frankfurt, 32: Dortmund-Stuttgart); zusätzlich halten auch einzelne ICEs, zum Beispiel nach Wien oder Berlin. Das sind alles nicht die allerschnellsten Züge. Diese jedoch haben im langsamen, kurvigen – und malerisch schönen – Rheintal einfach nichts zu suchen. Erst weit von Koblenz entfernt fangen Strecken an, auf denen es sinnvoll ist, über das „Express“ hinten am „ICE“ nachzudenken (und auf die zu fahren von Koblenz aus Sinn macht).

Nun liegen Aschaffenburg und Jena schon vor Bau der jeweiligen neuen Strecken an Verkehrsachsen, die eine wesentlich geringere Bedeutung als der Korridor Rhein/Main – Rhein/Ruhr haben.

Sehen… und Sterben?

Die Rede ist von Brügge in Belgien, das ich vor allem durch den unglaublich guten Film Brügge sehen… und sterben? kennengelernt habe. Ein Konferenzbesuch in Brüssel seitens meiner besseren Hälfte war Anlass zu der Idee, das anschließende Wochenende zusammen in Belgien zu verbringen, und der Blick auf die Landkarte brachte Erinnerungen an den Film und damit schließlich die Entscheidung, von Freitag abend bis Sonntag mittag in dieser Weltkulturerbe-Stadt zu sein.

Keine Kirche, sondern der Aussichtsturm, der nachts heute vor allem ein Ansichtsturm ist.
Keine Kirche, sondern der Aussichtsturm, der nachts heute vor allem ein Ansichtsturm ist.
Sieht fast aus wie eine Burg, ist aber ein Tor hinter einer Klappbrücke.
Sieht fast aus wie eine Burg, ist aber ein Tor hinter einer Klappbrücke.
Die Klappbrücke vorne und das Tor von der anderen Seite dahinter.
Die Klappbrücke vorne und das Tor von der anderen Seite dahinter.

Ein Tag mit ein paar Stunden drumherum ist natürlich nicht übermäßig viel Zeit, aber mit einem ordentlichen Hostel, das gute Tipps gibt und eine tolle Stadtführung anbietet, kann man doch recht viel von einer Stadt sehen. Neben den obligatorischen ältesten Häusern und wichtigen Punkten aus der Geschichte der Stadt sahen wir auf der Führung auch alle wichtigen Punkte aus dem Film sowie Tipps für die besten Waffeln, Schokoladen und Pommes Frites, zusätzlich gab’s einen Kurzbesuch im Biermuseum.

Alte Windmühlen gibt es in der innenstadt auch, hier Blick von einer zur anderen mit Herbstlaub.
Alte Windmühlen gibt es in der Innenstadt auch, hier Blick von einer zur anderen mit Herbstlaub.
Der berühmteste Punkt in Brügge, am alten Ledermarkt.
Der berühmteste Punkt in Brügge, am alten Ledermarkt.
Nochmal Abendstimmung in Brugge
Nochmal Abendstimmung in Brugge

Sonntag morgen sind wir dann spontan noch ans Meer in Oostende gefahren und haben die Beine in die eiskalte Nordsee gehalten, bevor der Heimweg angetreten wurde. Der fing dann erstmal mit Lokschaden und verpassten Anschluss nach Deutschland an, ging dann in Köln unschön weiter, als ein Zug, der eigentlich an genau diesem Tag nicht fährt, trotzdem angezeigt wurde, aber schließlich kamen wir doch wieder daheim in Kassel an.

Das wunderschöne Wetter am Sonntagmorgen in Brugge
Das wunderschöne Wetter am Sonntagmorgen in Brugge

Auf nach Kassel

Letztendlich habe ich in der Wohnung in Frankfurt-Niederursel dann doch wesentlich kürzer gewohnt als gedacht. Im Gegensatz zum letzten Mal, wo ich nach so kurzer Zeit wieder umgezogen bin, wohne ich diesmal vorher wie nachher mit der gleichen Person zusammen. Diese hat im September einen neuen Job am Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) angetreten, und da Programmieren auch von zu Hause aus funktioniert, einigten wir uns auf einen Wohnsitz in der Nähe ihrer Arbeitsstelle.

Die Wohnungssuche hat erstaunlich gut funktioniert; zwei Samstage in Kassel im Juni reichten aus, um ein wunderschönes Haus mit Garten zu finden, das wir nun mieten. Für den Umzug haben wir uns eineinhalb Wochen frei genommen (Ende August war da eben auch noch der Resturlaub), und so konnten wir alles recht entspannt einrichten, bevor es wieder ins Arbeitsleben ging. Das bedeutet für mich, jede Woche einmal nach mit dem ICE nach Frankfurt zu fahren, mit Übernachtung, und jede zweite Woche nochmal, dann aber direkt wieder zurück. Die anderen Tage arbeite ich daheim. Anfangs hatte ich mich bemüht, früh im Büro zu sein, aber schnell fand ich heraus, dass ich auch im Zug recht gut arbeiten kann (und an den HomeOffice-Tagen ebenfalls recht lange arbeiten kann), seitdem ist das wesentlich entspannter geworden.

Mit einem weit genug vorher angekündigten Umzugstermin war sogar das Internet schnell umgezogen, und auch der Nachsendeauftrag der Post scheint diesmal ordentlich funktioniert zu haben, wenigstens nach winzigen Anlaufschwierigkeiten. Besser als beim Umzug von Heddernheim nach Niederursel, jedenfalls.

Nun habe ich einen Arbeitsweg, der zu kurz (nämlich ca 10 Meter), und einen, der zu lang (nämlich 200 km) zum Fahrradfahren ist, und das schlägt sich direkt in meine Radfahrstatistik nieder. Beim Umzug hatte ich 5777 km, und trotz Wochenendtouren bin ich 6 Monate später grade mal bei 6200 km angelangt. 2016 brachten bisher nur etwas mehr als 100… Ich sammle Kilometer also, kurz gesagt, nicht mehr recht automatisch, sondern muss mich zum Fahrradfahren explizit motivieren. Bei einem verregneten, saukalten Winter wird das nicht direkt leichter. Immerhin: die Fahrt zum Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe dauert mit dem Fahrrad bestenfalls zwölf bis schlechtestenfalls 18 Minuten, Regiotram (16 Minuten, ohne Umsteigen) oder Straßenbahn (etwa 20 Minuten, mit einmal Umsteigen) sind nach Addition der Zeit, die ich zur Haltestelle laufe (etwa 5-7 Minuten) nicht schneller – außerdem kann ich mit dem Fahrrad die Wartezeit am Bahnsteig optimieren. Trotzdem bringt mir das pro Woche im Schnitt höchstens 9 km, und auch nur, wenn ich wirklich jedes Mal mit dem Fahrrad fahre. Dass der Kasseler Nahverkehr mit meiner neuen BahnCard 100 benutzt werden kann, hilft auch nicht. Also, kurz gesagt, das neue Projekt 7000 wird wohl noch ein bisschen dauern.

Nun habe ich einen Kellerraum ganz für mich und Modellbahn; wenn ich es irgendwann mal schaffe, zwei Holzbretter im rechten Winkel aneinanderzuschrauben, wird dort vielleicht auch mal gebaut. Nach den Weihnachtskonzerten habe ich aufgehört, im Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr in Bommersheim zu spielen; jeden Donnerstag das Saxophon von Kassel an den Main zu tragen war doch zu viel Aufwand.

Silvester haben wir in kleinem Kreis hier in Kassel gefeiert und ich würde gerne schöne Bilder vom Feuerwerk über der Stadt, aufgenommen vom Herkules, zeigen, doch das leicht trübe Wetter schlug nach den ersten Raketen kurz vor Mitternacht in eine dichte Nebelsuppe mit etwa 50 Metern Sichtweite um, sodass man außer leuchtendem Nebel praktisch nichts gesehen hat.

Frankreich 2015

Auf dem Weg nach Barcelona im Mai 2015 ging es durch Frankreich, auf der Rückfahrt auch. Die meisten Bilder dieser Fahrt sind von dort:

Näher als hier kommt man mit der Bahn nicht an Andorra heran: Zugkreuzung in L’Hospitalet-près-l’Andorre
Näher als hier kommt man mit der Bahn nicht an Andorra heran: Zugkreuzung in L’Hospitalet-près-l’Andorre
Die Gelbe Bahn. Leider waren wir im modernen Zug links, nicht in dem alten rechts.
Die Gelbe Bahn. Leider waren wir im modernen Zug links, nicht in dem alten rechts.
An einer der Schnittstellen zwischen französischem und spanischem Hochgeschwindigkeitsnetz treffen sich zwei TGV der jeweiligen Staatsbahnen.
An einer der Schnittstellen zwischen französischem und spanischem Hochgeschwindigkeitsnetz treffen sich zwei TGV der jeweiligen Staatsbahnen.
Abendstimmung in Lyon.
Abendstimmung in Lyon.

Safari in Sambia 2015

Nach zwei Wochen Fahrt durch Malaŵi mit vielen Bildern gab es noch ein paar Tage Safari im westlichen Nachbarland Sambia mit noch viel mehr Bildern:

Tiere haben Vorfahrt, wird vor der Einfahrt in den South Luangwa National Park klargestellt.
Tiere haben Vorfahrt, wird vor der Einfahrt in den South Luangwa National Park klargestellt.
Ein Vogelrad, dass sich über die Wiese rollt.
Ein Vogelrad, dass sich über die Wiese rollt.
Elefanten kreuzen (sie haben ja Vorfahrt). Auch die Kleinen, Süßen.
Elefanten kreuzen (sie haben ja Vorfahrt). Auch die Kleinen, Süßen.
Symbolbild für die vielen Vögel. Hier, glaube ich, ein Kingfisher.
Symbolbild für die vielen Vögel. Hier, glaube ich, ein Kingfisher.
Zum Abschluss der Erinnerungen ein Sonnenuntergang.
Zum Abschluss der Erinnerungen ein Sonnenuntergang.

Malaŵi 2015

Nun versuche ich mal, Bilder ins neue Blog hochzuladen, und fange dabei mit einigen wenigen Bildern des Afrika-Urlaubs letztes Jahr an:

Die Kühe stehen vor dem Frühmenschen-Museum in Karonga. Das ist kein Bug, sondern ein Feature: Überall, wo es was zu essen gibt, stehen Kühe oder Ziegen rum.
Die Kühe stehen vor dem Frühmenschen-Museum in Karonga. Das ist kein Bug, sondern ein Feature: Überall, wo es was zu essen gibt, stehen Kühe oder Ziegen rum.
Ein riesiger, hunderte Jahre alter Baobab. Der Pajero davor für den Maßstab.
Ein riesiger, hunderte Jahre alter Baobab. Der Pajero davor für den Maßstab.
Eine Holzbrücke, die noch einen Schulweg über den Fluss führt. Touristen wie ich dürfen nur mit Guide drüber.
Eine Holzbrücke, die noch einen Schulweg über den Fluss führt. Touristen wie ich dürfen nur mit Guide drüber.
Eine Schirmakazie, der quintessentielle Afrika-Baum.
Eine Schirmakazie, der quintessentielle Afrika-Baum.
Typische Geldmenge in Malaŵi. Da jeder Schein nur etwa 2 € wert ist, reicht das gar nicht lange.
Typische Geldmenge in Malaŵi. Da jeder Schein nur etwa 2 € wert ist, reicht das gar nicht lange.
An Otter Point am Südufer des Malaŵisee.
An Otter Point am Südufer des Malaŵisee.
Ein Weißkopfseeadler in voller Aktion
Ein Weißkopfseeadler in voller Aktion
Abendstimmung (um kurz nach 18 Uhr abends)
Abendstimmung (um kurz nach 18 Uhr abends)
Der Orion über dem See der tausend Lichter, während im Westen über Zambia ein Gewitter tobt.
Der Orion über dem See der tausend Lichter, während im Westen über Zambia ein Gewitter tobt.

Zurückblicken

Zurückblicken ist immer eine gute Idee. Sich selbst in Frage stellen, vergangene Handlungen und Haltungen überprüfen. Wenn man etwa 200 alte Blog-Einträge aus 10 Jahren überträgt, setzt man sich ganz automatisch mit seiner Vergangenheit auseinander.

Vor 10 Jahren habe ich angefangen, Sachen ins Netz zu stellen, um sie zugreifbar zu machen. Das hatte angefangen mit kleinen Programmen, die ich geschrieben hatte, einer Resolution gegen Studiengebühren und anderen Kleinigkeiten, und war Vorbereitung, um eine Möglichkeit zu schaffen, von meinem Auslandsjahr in Norwegen berichten zu können.

Beim Wiederlesen fällt mir dabei auf, wie sehr das Schreiben damals für mich Heimweh-Therapie war, und auch, wie wenig ich eigentlich soziale Kontakte dort gesucht hatte. Bilder hatte ich anfangs nicht in die normalen Artikel eingebunden, nachher aber zusammengeführt. Weil damals Bandbreiten noch nicht so groß waren, habe ich mich auf 5 Bilder pro Artikel beschränkt, und diese auch nur klein.

Danach habe ich das Blog vor allem für Reiseberichte genutzt, und das nur recht selten. 9 Posts in 2008 und 2009 sind dabei rausgekommen, und viele davon gehen „oh übrigens, wollte schon längst mal wieder was posten, aber hier sind wenigstens mal Bilder“. Nachdem ich mit sozialen Medien angefangen hatte, wurde es mehr; und den Bau der Riedbergbahn in Frankfurt habe ich mit recht vielen Bildern begleitet – die 5-Bilder-Regel war Geschichte. Ein paar längere politische Gedanken sind dabei seit dem auch im Blog gelandet.

2012 fing für mich mit einem persönlichen Weglaufen an; das Ende einer Beziehung Ende 2011 hat mich doch letztlich ziemlich runtergezogen, auch wenn ich selbst Schluss gemacht hatte. Ich bin 2012 extrem viel gereist, und am Ende in einer neuen Beziehung angekommen, die mittlerweile über 3 Jahre lang hält.

Die stärkste Motivation, was zu bloggen kommt seit dem von Leseberichten; was ich lese, warum, und wie es mir gefallen hat. Nicht aus Zufall sind die ersten fünf Artikel, die ich im neuen Blog geschrieben habe, alle über Bücher.

In den 10 Jahren bin ich aber auch sechs mal umgezogen, wenn man Norwegen mitzählt; vom letzten Mal habe ich hier noch gar nichts geschrieben: ich wohne mittlerweile in Kassel. Ich habe auch eine Menge gelernt, aber das wird ja wohl jedem so gehen. Ich habe Ansichten verändert. Und ich bin immer wieder mal viel, und dann wieder weniger, Fahrrad gefahren. Das Blog hatte ich angefangen, als ich bei meinem damaligen Fahrrad knapp 6000 km auf dem Tacho stehen hatte, und wie es der Zufall so will, habe ich diese Marke auf meinem neuen Fahrrad gerade auch nur so ein bisschen überschritten. Nachdem ich die letzten zwei Jahre sehr viel gefahren bin, ist das letzte halbe Jahr nicht so ergiebig gewesen; zu lesen, dass es mir schon oft so ging, dass ich länger nicht so viel gefahren bin wie ich eigentlich wollte, war dabei etwas surreal.

 

Nein, nicht „fünfzig“

Das muss man bei dem letzten Buch, das ich gelesen habe, immer dazu sagen, denn wenn man nur den Titel sagt, denkt jeder an den SM-Bestseller von 2012. Ich rede aber vom Science Fiction/Fantasy-Buch Shades of Grey I: The Road To High Saffron von Jasper Fforde. Nach Pratchett’s Tod hätte ich nicht gedacht, einen Autor zu finden, dessen Witz es mit ihm aufnehmen könnte; Fforde kommt dem aber immerhin ziemlich nahe.

Weit in der Zukunft ist die Gesellschaft nach strikten Regeln durchstrukturiert und da die Farbwahrnehmung der Menschen sehr stark nachgelassen hat, werden künstliche Farben zu sehr wertvollen Rohstoffen. Die meisten Menschen können nur eine Grundfarbe, niemand mehr als zwei, sehen, und so sind die Violettseher (rot und blau) die in der Gesellschaft höchstangesehenen; schlechter als Rotseher sind nur die Greys, die keine Farbe mehr als 10 % sehen können. Der Held der Geschichte ist ein Red, Eddie Russet, der eigentlich in eine reiche Red-Familie einheiraten will, aber in der Grenzregion auf die Grey Jane trifft, die so gar nicht mit den Regeln einverstanden ist und Eddie den Kopf und das Herz verdreht, und seine ganze Welt(anschauung) dabei herumdreht.

Fforde schreibt nicht nur von den sinnigen und unsinnigen Regeln (wie, dass keine Löffel hergestellt werden dürfen und man Bleistifte nicht zu oft spitzen sollte, oder dass Einräder rückwärts nicht in übermäßiger Geschwindigkeit gefahren werden dürfen), sondern auch von der Gesellschaft, von Hierarchien, Lügen, Macht und schafft es ganz nebenbei, den Bechdel-Test zu bestehen. Dies finde ich deshalb so bemerkenswert, weil es kein expliziter Frauenroman ist, oder gar von einer Frau geschrieben; es ist einfach eine ganz normale Geschichte von Menschen, nicht von Klischees. So, wie es sein sollte. Wow.

Wie der Titel andeutet, ist dies der erste Teil einer Trilogie, allerdings ist das Buch jetzt 6 Jahre auf dem Markt, ohne dass es eine Fortsetzung gäbe. Ich prangere das an!

Der Name der stürmischen Singvögel

To Kill A Mockingbird war mal wieder so ein Buch, dessen Titel ich kannte und sonst nichts. Die Geschichte ist schnell erzählt, aber nicht einfach verarbeitet: Eine erwachsene Frau erzählt, wie sie als 8-Jährige Tochter eines Rechtsanwaltes in den Südstaaten der USA in den 1930er Jahren Rassismus erlebt. Der Vater ist der Pflichtverteidiger eines schwarzen Mannes, der beschuldigt wird, eine weiße Frau vergewaltigt zu haben. Der Leser des Buches wird am Ende wenig Zweifel an dessen Unschuld haben, trotzdem wird der Mann verurteilt. Der Vater wird Ziel von immensen Anfeindungen, und seine Kinder ebenfalls.

So wie ich das Portrait von Jane Eyre in Brontë’s gleichnamigem Roman fantastisch fand, so geht mir auch das Portrait von Atticus, dem Vater, sehr nahe; er ist ein extrem besonnener, freundlicher, gutherziger alleinerziehender Vater. (So gar nicht so wie ich, irgendwie.) Der Rest der Gesellschaft ist zu zu großen Teilen weniger sympathisch.

Mittlerweile ist der Autor gestorben, als ich Der Name der Rose gelesen habe, war Umberto Eco aber noch am Leben. Ich kannte den Film (und es war daher für mich schwer, mir die Hauptperson vorzustellen, ohne Sean Connery vor meinem geistigen Auge zu sehen), aber es hat mich erstaunt, wie viel detaillierter das Buch ist und wie viel Religionskritik darinsteckt. Zur Geschichte, wer sie noch nicht kennt: Mönch und Novize kommen in 1327 in ein Kloster, um Verhandlungen mit anderen Mönchen zu halten, während es immer mehr Todesfälle gibt.

Wuthering HeightsSturmhöhe ist noch so ein Buch, dessen Namen ich kannte, immerhin wusste ich außerdem, dass Kate Bush ein gleichnamiges Lied geschrieben hat, das vom Lesen dieses Romans beeinflusst wurde. Wie bei Frankenstein’s Monster gibt es eine Rahmenhandlung, die nur als Gefährt dient, um die eigentliche Geschichte zu erzählen. Diese ist die Geschichte eines Anwesens – Wuthering Heights – und dessen Herren, seine beiden Kinder und das Waisenkind Heathcliff, dass er in die Familie bringt. Eifersucht und schlechte Erziehung sorgen für eine drei Generationen währende Qual, und die Hauptpersonen sind wenig sympathisch. Ich fand es schwierig, das Buch zu lesen, aber mitten drin aufzuhören war das Buch dann doch zu interessant. Fazit: Ambivalent. Lieber nicht anfangen, dann muss man auch nicht weitermachen.

Utopia’s Krone

Dass ich schon zu lange nichts mehr am Blog gemacht habe, sieht man daran, dass ich nun nach den ersten beiden auch noch einen dritten Artikel über das, was ich in der Zwischenzeit gelesen habe, schreibe.

Mein Lieblingsautor ist im März 2015 gestorben. Bis Dezember 2014 konnte er trotz Alzheimer schreiben; seine beiden letzten Bücher sind mittlerweile erschienen. The Shepherd’s Crown – Die Krone des Schäfers – ist ein Scheibenweltroman mit Tiffany Aching, und ziemlich wörtlich eine Geschichte vom Leben nach dem Tod. Nicht so sehr für die gestorbene Person, sondern für diejenigen drumherum. Und wenn, wie hier, die mächtigste Hexe der Welt stirbt (das ist kein großer Spoiler, denn damit fängt die Geschichte an), hat das auf sehr viele Menschen – und andere Wesen – Einfluss. Ein wenig Who-is-who der Scheibenwelt-Charaktere, vor allem diejenigen, die in den Büchern mit Granny Wheatherwax aufgetaucht sind, runden wenigstens diesen Teil der Scheibenwelt-Saga schön ab. Leider merkt man aber an ein oder zwei Stellen, dass die Geschichte nicht fertig erzählt war und zwischendurch offene Geschichtsfäden rumhängen, die in einem vollständigen Buch geschlossen worden wären.

Ähnlich fällt das Urteil zu The Long Utopia, dem letzten Buch der Long Earth-Reihe: Würdiges Ende, in dem viele Handlungsstränge der anderen Büchern elegant beendet werden, aber von der Geschichte her irgendwie unvollständig. Mein früherer Eindruck, dass die Grundidee (der parallelen Welten) etwas sehr wirr und schlecht ausgedacht ist, bleibt bestehen; es war genauso wirr gedacht, wie ich dachte, und dies wird als wichtiges, ungeklärtes Element in die Auflösung der Geschichte eingebaut. Wie gesagt, auch hier fehlt einfach was, und das ist wirklich sehr schade.

Update: Entgegen meiner Behauptungen war The Long Utopia nicht der letzte Teil der Long-Earth-Reihe, sondern The Long Cosmos, siehe einen späteren Artikel.

Noch mehr Krieg

Nach der langen, fiktiven Geschichte eines realen Krieges war ich gespannt auf die wahrgeglaubte Geschichte eines fiktiven Krieges; H.G. Wells‘ Krieg der Welten. Außer, dass bei einem Hörspiel dieses Buches mal eine Massenpanik ausgebrochen ist, weil die Hörer tatsächlich glaubten, die Welt werde angegriffen, wusste ich nicht viel von diesem Buch. Die Geschichte spielt sich innerhalb weniger Wochen ab, der namenlose Ich-Erzähler berichtet davon, wie die Marsianer in England landen, alles kaputt machen und viele Menschen umbringen (er entflieht einige Male aus schierem Glück) und wie die Menschheit letztendlich überlebt. Dabei sind einige interessante mikrobiologische Aspekte interessant, aber auch davon abgesehen ist es ein recht kurzweiliges Buch.

Noch mehr Erzählungen aus dem Weltall las ich dann in „Der kleine Prinz“, in der der kleine Prinz von seinem Planeten viele hintergründige Dinge über Könige, Buchhalter, Hüte und Flugzeuge lernt. Ein Kinderbuch, ich weiß, aber ich habe es als Kind nie gelesen, und es hat mir viel Spaß gemacht, dies jetzt nachzuholen.

Krieg und Frieden

Tolstoj’s episches Werk zu lesen hat mich mal wieder ziemlich viel Zeit gekostet; freilich nicht so viel, wie es gedauert hat, mal wieder ein ordentliches Blog zum Laufen zu bringen. Nun ist beides geschafft, ich habe sozusagen Frieden mit meinem Server geschlossen. Der Einstieg in das Buch fiel mir schwer; die zuerst beschriebene Abendgesellschaft im Sankt Petersburg des Jahres 1805 hat einfach viel zu viele Namen, als dass ich gut hätte durchblicken können.

Langsam kristallisieren sich allerdings die Hauptpersonen heraus, und auch wenn diese mir teilweise richtig unsympathisch waren, wird die Geschichte doch spannend. Die zweite Hälfte befasst sich mit Napoleons Russlandfeldzug im Jahr 1812 und macht sich gar keine Illusionen, dass irgendwer nicht wissen könnte, dass Napoleon geschlagen wurde. Vielmehr geht er – auch schon in der Beschreibung der Schlacht von Austerlitz 1805 – im Detail darauf ein, wie Krieg (seiner Meinung nach) funktioniert, und inwiefern Generäle und deren Pläne eigentlich keinen Einfluss auf die tatsächlichen Kampfhandlungen haben.

Fazit: Eine alles in allem zu lange, aber interessante Tour durch die Kriege Russlands gegen Napoleon, mit Alleswissern, Ja-Sagern, Ehebrechern, Verschwendern, Schleimer, Todesfällen und, ja, auch einem halbwegs Happy-End.

Barcelona

Ob ich nicht Lust hätte, mit ihm zusammen den Zug nach Barcelona zu nehmen, hat mich ein Freund letzten Frühling gefragt. Dieser hatte mich schon mal, im November 2012, zu einer Bahnfahrt nach Spanien angestiftet, und auch dieses Mal konnte ich nicht widerstehen.

Unser Ziel war es, am Wäldchestag abends in Barcelona zu sein, weil seine Freundin dort eine Konferenz hatte, die eben Montag und Dienstags ging. Er verbrachte dann noch ein wenig Zeit mit ihr dort, während ich schon wieder auf dem Heimweg war. Nach einigem Hin- und herüberlegen entschieden wir uns dann für eine Route über Paris, Toulouse, (dort übernachten), dann die Pyrenäen rauf und auf französischer Seite wieder runter, und dann mit TGV durch die Pyrenäen bis Barcelona.

Nun gab es an Pfingstmontag irgendwelche Bauarbeiten zwischen Mannheim und Saarbrücken, sodass der direkte ICE nach Paris nicht fuhr, aber die Umstiege in Mannheim und Karlsruhe haben gut geklappt, sodass wir ohne Probleme bei Strasbourg im TGV über die Grenze nach Frankreich fahren konnten.

In Paris hatten wir genug Zeit – 1h15′ – um zum Bahnhof Austerlitz zu kommen, wo der InterCity nach Toulouse abfuhr. Dachten wir. Vor Paris standen wir, weil Polizisten im nächsten Bahnhof erstmal der Steinewerfe habhaft werden mussten, etwa 30 Minuten. Zuerst hieß es, dass wir eine Stunde würden warten müssen, doch dann haben die Polizisten, in den deutschen Worten des französchen Schaffners, „ihren Beruf gemacht“ und es ging weiter. Unsere großzügige Umstiegszeit reichte dann am Ende gerade so aus, und wir waren auf dem Weg quer durch Frankreich nach Toulouse. Die Strecke ist anfangs sehr flach – bis Orleans würde man denken, in Ostfriesland zu sein – aber dann wurde es langsam etwas hügeliger. Ohne das Gefühl zu bekommen, dass wir zu langsam waren, hatten wir zwischendurch mal 10 Minuten Verspätung, aber innerhalb der 6 Stunden Fahrt waren wir am Ziel wieder pünktlich. Das Abendessen in Toulouse war phänomenal, das (eine!) (schmale!) Bett nicht so, aber letztlich sind wir frohgemutes in den nächsten Tag gestartet.

Der nächste Zug leider nicht. Erst mit 25 Minuten Verspätung ging es los, und das bei 19 Minuten Umsteigezeit am nächsten Bahnhof. Oh-oh. Auf einer vielbefahrenen eingleisigen Strecke an einem Werktag (außerhalb von Frankfurt ist der Wäldchestag dies ja nun mal) wuchs die Verspätung auf bis zu 33 Minuten an, um dann kurz vor dem Durchbruch auf die andere Seite der Pyrenäen (bei L’Hospital-pres-l’Andorre) auf einmal sehr klein geworden zu sein. Nun ja, der Anschluss hätte eh gewartet, und dann ging es in der „Pyrenäen-Metro“, mit dem Gelben Zug, in Richtung Mittelmeer. Diese Schmalspurbahn hielt leider lange nicht, was sie versprach; die Trassierung ist wesentlich kurviger, als es vom Gelände her nötig erscheint, nimmt dafür aber alle möglichen Orte mit. Nur keine Fahrgäste – es war doch ziemlich leer.

Immerhin war das das sechste Jahr in Folge, in dem ich im ersten Halbjahr mit einer Schmalspurbahn gefahren bin, also wenigstens etwas Positives. An einem Unterwegsbahnhof stiegen richtig viele Touristen ein, und wir haben uns schon gewundert, doch nicht lange: Auf einmal wurde die Strecke richtig aufregend, mit Tunnels, Brücken und Kurven und einem erkennbaren Drang nach unten. Kein hin- und her, kein hoch und runter, nein, nur noch runter, wie ich das von einer Gebirgsbahn erwartet habe. So ein Glück.

Den letzten Abschnitt nach Perpignan gab es dann wieder in Normalspur im flacher und breiter gewordenen Tal, und dann ging es in den TGV – der leider eine Stunde zu spät war. Trotz allem kam er, und weil es ein Doppelstöckiger Zug war, konnten wir recht gut die Landschaft und die untergehende Sonne sehen.

Die Strecke von Perpignan nach Barcelona hat kurz vor der Pyrenäenquerung (ein 10 Kilometer langer Tunnel) ein Überwerfungsbauwerk, an dem von franzöischem Linksfahren auf spanisches Rechtsfahren gewechselt wird, und schließt dann in Figueres an das normalspurige spanische Hochgeschwindigkeitsnetz an. Nun kommt mal also mit einem Mal umsteigen von Frankfurt bis Madrid. Leider zwingt die Finanzkriseen die Austeritätspolitiker die Spanier und Portugiesen dazu, den Bau der geplanten Schnellfahrstrecke zwischen Madrid und Lissabon, die die Fahrzeit von elf Stunden auf 2½ Stunden verkürzen würde, auf Eis zu legen… Nun, in Barcelona wurden wir also abgeholt, gingen ins Hotel, aßen und schliefen.

Mein Rückweg fing mit einer Strecke an, die ich schon kannte, aber zuletzt im Spätherbst abends gefahren bin. Diesmal konnte ich mehr von der alten Strecke nach Frankreich sehen, und auch von der Mittelmeerstrecke in Frankreich, die über weite Strecken zwischen Binnenseen und dem Mittelmeer verläuft, nachdem sie an der Grenze noch viele kleine, malerische Buchten verbindet. Wegen eines Polizeieinsatzes am Bahnsteig, bei dem die beteiligten Polizisten nicht direkt konfliktvermeidend aufgetreten sind, habe ich dann tatsächlich einen Anschluss verpasst, fand aber noch ohne Probleme nach Lyon, wo das nächste Bett wartete. Nicht aber, bevor ich nicht die kulinarische Empfehlung einer Bekannten aus Lyon ausprobiert und für gut befunden habe.

Aufgrund anderer Verpflichtungen war mein Ziel allerdings nicht Frankfurt, sondern zunächst Bonn bzw. Bad Honnef, wo das alljährliche Stipendiatentreffen der Telekomstiftung am Donnerstag und Freitag stattfand, und dann Herford. Ich setzte mich daher in den TGV nach Metz, der „quer durch“ statt über Paris fährt. Leider verlief mal wieder nicht alles glatt, und da ich leider nur Bruchstücke von Französisch verstehe, fragte ich beim Zugpersonal, ob mein Anschluss nach Luxembourg in Metz gefährdet sei. „Metz? No, no, Metz ok!“ war die Antwort; ok, dachte ich mir, ist ja noch ein Weilchen hin bis dort. In Nancy wendet der TGV, dafür braucht er jedes mal sieben Minuten (ich habe mittlerweile einen Triebfahrzeugführer mit Ausbildung auf den TGVs gefragt, der mir bestätigt hat, dass das nicht schneller geht). In Metz waren wir dann leider so spät, dass ich den nächsten Zug nicht erreicht habe und schließlich in Luxembourg eine Stunde später nach Koblenz gefahren bin, ergo eine Stunde zu spät in Bad Honnef war.

Ok, passiert, nur eines hat mich wirklich geärgert: Der Zug, den ich in Nancy auf dem Nebengleis habe ausfahren sehen, und in den ich dort locker hätte umsteigen können, war genau der, den ich in Metz dann nicht mehr erreicht hatte. Hätte der Schaffner mir also eine bessere Auskunft geben können – oder wollen – wäre ich pünktlich gewesen.

Nun ja, am Freitag ging es dann nach einem Besuch im ehemaligen Bundeskanzleramt, heute Entwicklungshilfeministerium, mit einem Nordrheinwestfalenticket weiter nach Herford. Hier war leider auch alles verspätet, sodass ich nicht meine schöne Planung mit den Querverbindungen Düsseldorf-Wuppertal und Wuppertal-Essen abfahren, sondern bin recht direkt nach Herford gefahren.

Bilder gibt es in einem eigenen Post.

Neues Blog!

Ich will mal wieder öfter bloggen. Mein selbstgebasteltes Perl-Script will ich aber nicht mehr benutzen, sondern etwas moderneres. Auch wenn ich eine tiefe Abneigung gegen PHP verspüre, habe ich mich für WordPress entschieden.

Dadurch kann ich grade das erste Mal einen Eintrag auf meinen Handy tippen. Das ist immerhin etwas.

Ich werde versuchen, die Inhalte meines alten Blogs hier zu importieren und hoffe, dass das in endlicher Zeit machbar ist.

Update, 28. Februar: Jetzt ist fast alles hierher migriert; nur wenige Posts, die sich vor allem um das alte Blog und dessen Eigenschaften drehen, habe ich hier nicht eingefügt. Bei den alten Posts habe ich mich bemüht, die Original-Quelle am Anfang zu verlinken. Die Uhrzeiten der Posts weiß ich erst seit etwa 2009; davor sind sie nicht aussagekräftig.

Andere Welt

Original-Post

Nachdem ich fertig gefastet hatte, ging es wie angekündigt nach Afrika, genauer gesagt in das kleine Malaŵi, in dem meine Schwester schon so oft und eben grade auch mal wieder beruflich weilte. Wie schon der letztjährige Urlaub ging es mit der ganzen Familie los; zwei Wochen Malaŵi, und dann noch eine Woche Safari im South Luangwa National Park in Zambia.

Ich könnte wahrscheinlich über jeden Tag, den wir dort verbracht haben, einen ganzen, langen Artikel schreiben, aber ich bemühe mich, es hier kurz zu halten. Die Erfahrung war einfach unglaublich intensiv. Malaŵi ist wesentlich grüner, als ich es erwartete hatte (aber es war auch am Ende der Regenzeit), die Menschen fast ohne Ausnahme nett und liebenswürdig und überhaupt nicht aufdringlich. Einer der Reiseführer hat Malaŵi als „Afrika für Einsteiger“ betitelt, das trifft es ziemlich gut.

Wir waren mit dem Pajero des Dino- und Frühmenschenmuseum Karonga unterwegs, was die Stopps an Polizeikontrollen recht unterhaltsam gestaltete: ein Polizist erzählte freudig davon, dass seine Frau aus Karonga komme, ein anderer fragte scherzhaft, ob wir denn das Museum sein (und die Antwort, dass wir das Weißen-Museum seien, amüsierte ihn dann noch mehr).

Die Wärme habe selbst ich erstaunlich gut weggesteckt; ein wenig wandern war auch möglich, und es bleiben wenig große Erlebnisse, aber dafür um so mehr kleine, witzige, interessante, andere Geschichten, die aufzuschreiben ich ein wenig zu faul bin. Es bleibt der Wahnsinn, dass die Sonne um 5:45 Uhr aufgeht und es um 19 Uhr abends stockdunkel ist, und dass man sich nach einem Tag daran so gewöhnt hat, dass es einem gar nicht mehr auffällt, wie früh man eigentlich aufsteht – und dass es eigentlich merkwürdig ist, schon um 20 Uhr zu sagen, man müsse jetzt mal langsam ins Bett gehen.

Und es bleiben etwa viereinhalb Tausend Bilder (knapp die Hälfte davon von den 16 Stunden Safari-Fahrten am Ende, und lange nicht alle aufhebenswert, natürlich), von denen ich eine Auswahl hier bald hinzufügen werden.

Update, Februar 2016: Bilder aus Malawi und von der Safari gibt es jetzt auch.