Fleischlos

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Morgen ist Karfreitag. Ostern ist in zweierlei Hinsicht für mich dieses Jahr ein Stichtag: Ich hatte mir einen bestimmten Kilometerstand auf meinem Fahrradtacho vorgenommen, und ich hatte mich dazu entschlossen, in der Fastenzeit kein Fleisch zu essen. (Letzteres lässt sich kurz erklären: Fasching und alle Auswüchse davon sind das letzte „auf-die-Pauke-hauen“ vor der Fastenzeit. Unabhängig von aller Skepsis gegenüber Religion und religiöser Rituale hatte ich an Fasching gefeiert und dabei Spaß gehabt. Dafür auf irgendwas zu verzichten in der Fastenzeit halte ich für fair.)

Nun habe ich selbst mein nach oben korrigiertes Ziel von 11300 km um 100 km übertroffen, und bin nun seit Jahresanfang 518 000 Meter mit dem Fahrrad gefahren. Dabei hat mir natürlich das trockene Wetter geholfen; ich bin dabei vielleicht zweimal in den Regen gekommen. Aber wesentlich entscheidender war der Gewohnheitsfaktor: Nach ungefähr einer Woche dachte ich gar nicht mehr drüber nach, ob ich wieder das Fahrrad aus dem Keller holen will, meine Fahrradhose anziehen soll, das Fahrradhemd — ich habe es einfach gemacht. Und, ja, am Anfang war es eine Überwindung. Mittlerweile wissen sogar die Kassiererinnen im Supermarkt, in dem ich mir jeden morgen auf dem Weg ins Büro zwei kleine Bio-Joghurts kaufe, dass die 70 cent kosten und ich den Kassenzettel will.

Weniger mit Überwindung hatte allerdings diese Fleisch-Sache zu tun. Dachte ich am Anfang. Ich esse seit Jahren nur noch sehr selten Wurst, und praktisch nie als Aufschnitt. Die Sache mit dem Fleisch ist aber bei dem begrenzten Angebot der Mensa, was vegetarische Gerichte angeht, und bei meiner Einstellung zu vielen Gemüsesorten und Dingen wie Schafskäse eher schwierig. Nun hat am Campus eine neue Mensa aufgemacht, bei der es eine Pasta-Bar gibt, und meistens ist die vegetarische Soße auch wirklich lecker (solange keine Olivenstücke drin sind oder es eine „Sahne“-Soße ist).

Trotzdem habe ich es nicht ganz geschafft: Einmal habe ich in einem — sehr leckerem — usbekischem Restaurant nicht „Lazzat, vegetarisch“ sondern nur „Lazzat“ bestellt, und das war mit Fleisch. Einmal habe ich in einem — nicht ganz so leckeren — deutschen Restaurant einen Zwiebelkuchen bestellt, ohne darauf zu achten, ob der mit Speck ist. War er. Und einmal gab’s Rumpsteak. Einfach so. „Wie, und was gibt’s für mich?“ — „Wie, reicht dir eins nicht?“ — *hundeblick* — „Oh nein, du isst ja gar kein Fleisch momentan, das habe ich ja total vergessen!“. Naja, kann ich meiner Mutter ein extra für mich eingekauftes, gebratenes und verdammt lecker riechendes Rumpsteak ausschlagen? (Also, ich weiß, technisch gesehen ist die Antwort „ja“, aber das Steak war ja nun mal schon gebraten.) Ich entschied mich gegen das Prinzip, für eine Ausnahme mit gutem Gewissen und für das Steak.

Weitaus schwieriger empfand ich aber den Rest der Zeit. Apfelweinkneipen haben meistens wenigstens Grie Soß, was zwar im Winter eine schlechte (weil Gewächshaus-) Ökobilanz hat, aber zur Not geht, aber weder Schneegestöber noch Handkäs sind meine Lieblingsessen. Manchmal gibt’s Kässpätzle, da freue ich mich immer. (Und den Zwiebelkuchen, da steht ja oben schon was da.) Dann war da aber noch die Sache mit Fast Food. Ja, manchmal, vor allem am Wochenende, gehe ich irgendwo hin, bestelle mir was Fastfoodmäßiges und esse es. Das ist wahrscheinlich nicht gut für meine Gesundheit, aber ich glaube, ich übertreibe es auch nicht. Aber finde mal FastFood für Vegetarier. Burger-Läden kann man von vornherein vergessen; Salat kann ich mir auch wirklich selbst machen. Brötchen mit Leberkäse oder Frikadellen oder Bratwürste kriegt man zu Hauf, aber wie sieht’s mit Brötchen mit Käse aus? Also, nicht belegte Brötchen mit Butter und Salat und Ei und Tomate und Käse, sondern einfach Brötchen aufschneiden, einen Block Käse rein, gerne auch gegrillten Grillkäse, und ab in den Mund. Schwierig. (Tofu oder sonstiger Fleischersatz sind übrigens ein komplettes No-go für mich.) Pizza gibt es vegetarisch. Nudeln macht mein Italiener auch gut, aber Nudeln habe ich ja schon unter Woche immer in der Mensa. Döner gibt es auch in vegetarisch, aber da kommt wieder mein Schafskäse-Problem auf. Burritos, Best Worscht — dabrauchemergarnetdrübberredde. Selbst Thai ist schwierig, denn die Gerichte, die mir schmecken, kommen unweigerlich mit Fleisch, und die anderen würde ich auch nicht essen, wenn Fleisch dabei wäre.

Jetzt ist die Fastenzeit fast vorbei, und ich freue mich auf eine Bratwurst bei Best Worscht, einen Döner bei Caratas und einen Burrito bei dem Burrito-Laden im Nordwestzentrum (wie auch immer der heißt). Das offizielle Ende der fleischlosen Zeit ist aber ein leckeres Lammsteak bei meinen Eltern. (Update: es ist ein leckeres Etwas vom Lamm, lasse ich mir grade erzählen. Was genau, weiß ich noch gar nicht. Freue mich trotzdem drauf!) Omnomnom.

und OB!

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Zu lange zu lesen? Tut mir leid. Bitte wenigstens den Schluss, nach der horizontalen Linie, lesen.

Morgen ist es soweit. Morgen wird in Frankfurt der Oberbürgermeister in einer Stichwahl gewählt. Zur Wahl stehen ein CDUler und ein SPDler. Ich bin grünes Mitglied, das ist kein Geheimnis und sollte auch für niemanden eine Überraschung sein. Doch was mache ich also morgen?

Vor der Wahl war ich mir totsicher: Rhein (CDU) als OB geht gar nicht. Rhein ist Mitglied der hessischen Landesregierung, und die CDU Hessen ist für mich der rechteste Landesverband der Christdemokraten überhaupt. Die Landesregierung klagt momentan dagegen, dass ihr vorgeschrieben wird, dass sie ihre Versprechen einhalten muss. Ich würde also auf jeden Fall in einer Stichwahl SPD gegen CDU für die SPD stimmen.

Blöderweise ist es wirklich zu einer Stichwahl ohne Grüne Beteiligung gekommen. Noch am Wahlabend erzählt mir ein anderer Grüner, das werde die erste Wahl sein, bei der er CDU wähle. Das Argument: Rhein hat den Schwarz-Grünen Koalitionsvertrag mitausgehandelt. Er hatte, bevor er Innenminister wurde, in Frankfurt als Dezernent dieser Stadtregierung gearbeitet. Er steht dahinter. Und, egal, was mir SPDler sagen: Er (update: der Vertrag, nicht Rhein) ist sehr grün.

Auf der anderen Seite steht ein Herr Feldmann bei der SPD, der gegen jedes Grüne Vorhaben in den letzten Jahren gestimmt hat. Der mal angetreten war mit „ich werde den Schwarz-Grünen Magistrat sprengen“. Der den Ausbau des Flughafens (wenn auch nicht in dieser Version) unterstützt hat.

Ich war also tatsächlich sehr in Verlegenheit gekommen. Um die Sache kurz zu machen: Herrn Rhein zu wählen, kann ich mir — nach reiflicher Überlegung — in keiner Situation vorstellen. Aber reicht das, um mein Kreuz bei Feldmann zu machen?

Zu wenig Aufmerksamkeit habe ich vor der Hauptwahl auf die Aussagen von Feldmann (und Rhein!) gelenkt. Das war ein Fehler. In den letzten 2 Wochen habe ich aber verzweifelt Gründe für Feldmann gesucht. War nicht einfach. Allzusehr bekam ich das Gefühl, dass mir Herr Feldmann Sand in die Augen streuen will, wenn er die Frage, ob er eigentlich für den Ausbau war, nicht beantwortet. Rhein’s Meinung mag ich nicht, aber er steht dazu. Wenn Herr Feldmann mir erzählt, die Grünen Dezernate unangetastet zu lassen, er aber andererseits „Integration zur Chefsache“ machen will, was ein Grünes Dezernat ist — Sand? Ein paar seiner Ideen finde ich auch einfach abenteuerlich, aber ok.

Beim Versuch zur Meinungsfindung habe ich auch von SPDlern, Jusos und anderen SPD-Sympathisanten ganz, ganz viele Argumente gegen Rhein gehört, und immer wieder den Vorwurf, dass es mir doch „nur“ um Grünen Machterhalt ginge. Natürlich spielt der eine Rolle, natürlich will ich, dass Grüne Inhalte weiterhin umgesetzt werden, aber die Machtvariante wäre doch, Rhein zu wählen. Das werde ich nicht. Argumente für Feldmann habe ich aber nur ein einziges gehört (außer „naja, er hat ehrgeizige Ziele, das ist besser als gar keine“ — als ob Rhein keine Ziele hätte), nämlich, dass er ein Linker ist, und es der SPD ganz sicher nicht schadet, wenn sie nach links rutscht.

Gestern hatte ich meine Entscheidung getroffen — dachte ich. Ich würde mich enthalten. Daraufhin haben unzählige Leute (also 3) bei facebook auf mich eingeredet, das könne ich doch nicht machen. Und welche Argumente gab es? Weil Rhein Scheiße ist. Na super. Das wusste ich auch so.

Heute morgen hatte ich dann unerwarteterweise viel Zeit. Herr Feldmann wollte um halb zehn am Riedbergzentrum sein. Nagut, denke ich, fragst du ihn halt mal selber zu deinen Knackpunkten aus. Nachdem er dann endlich da war, hat er sich auch wirklich Zeit genommen, mir zuzuhören. Er hat mir meine Fragen zwar nicht wirklich direkt beantwortet, aber meine Zweifel wenigstens verkleinert: Mit Nargess (der Integrationsdezernentin) wolle er einfach besser zusammenarbeiten, als dies Frau Roth gemacht hat. Zum Flughafen hat er recht eindeutig Stellung bezogen, ebenso zum Öffentlichen Verkehr, er bekennt sich zum Radverkehrskonzept. Hört sich gut an. Von 99% sicher, dass ich ungültig wählen würde, war ich bei 50% angelangt. (Rhein, nur zur Erinnerung, ist immernoch bei stabilen 0%.)

Rhein war übrigens auch im Riedbergzentrum, aber nicht, wie Feldmann, mit einem Begleiter, sondern mit 5-6 jungen Leuten.

Später, als ich fast daheim war, bin ich im REWE an der Heddernheimer Landstraße einkaufen gegangen, und als ich rauskam, war an dem CDU-Stand dort schon wieder Herr Rhein. Jetzt habe ich mir seine Begleiter mal genauer angeguckt: alles junge Leute. Wie kann man nur so sein Leben wegschmeißen? Ich meine, mal ehrlich: Junge Union? Ich musste einfach hier dran denken.

Sollten die Spießer von der Jungen Union jetzt den Ausschlag für Feldmann geben? (Vor allem, nachdem ich so oft gesagt habe, ich möchte keine Argumente gegen Rhein, sondern für Feldmann haben?) Teilweise schon. Ich bin bei 75% Feldmann.

Auch wenn das jetzt schon viel zu lange ist, muss ich doch auch noch was zu den Grünen Frankfurt sagen. Keine Wahlempfehlung abzugeben, halte ich für vollkommen in Ordnung. Durchblicken zu lassen, dass man aber eigentlich schon gerne Rhein hätte, ist da schon wieder ein bisschen schwieriger. Was aber gar nicht in Ordnung ist, ist, dass man die privaten Meinungsäußerungen pro Rhein unkommentiert stehen lässt, aber die privaten Meinungsäußerungen pro Feldmann nicht. Davon bin ich wirklich enttäuscht.


Die Frankfurter Grünen sind gebrannte Kinder in zweierlei Hinsicht: Die SPD hat sich in der Vergangenheit recht oft von den Grünen losgesagt oder selbst in einer Koalition unsere Leute nicht gewählt und unsere Themen nicht umgesetzt (1989, 1995, 2005), und als ein OB außerhalb der Koalition gewählt wurde (Frau Roth, CDU, 1995), haben die Grünen, nicht der Partner SPD, in die Röhre geguckt. Interessanterweise schlagen die SPDler vor, man könne ja auch eine Rot/Grüne Minderheitsregierung in Frankfurt machen (Klartext: „Hey, Koalitionen brechen macht Spaß, das kennen wir schon. Macht doch mit!“). Nicht sehr überzeugend. Aber muss denn Grün wirklich Angst haben, dass die CDU umfällt? Bei allem was ich gehört habe — dass die CDU viel zuverlässiger ist als die SPD — kann ich mir das eigentlich nicht vorstellen. Herr Feldmann könne Frankfurt repräsentieren und allen Dinge erzählen, die dem Willen der Stadtverordneten und dem des Magistrats diametral entgegenstehen, aber so what? Die Grünen haben gerade einen Bundespräsidenten gewählt, mit dem Argument, sie wollen jemanden haben, mit dem sie auch mal über ein Thema streiten können. Wieso soll das nicht auch in Frankfurt gehen?

Natürlich wäre regieren mit einem Herrn Rhein bequemer. Man müsste sich weniger Gedanken machen. Aber ein wirklich überzeugendes Argument, warum das uns schaden muss, habe ich nicht gehört. Sind wir nicht wesentlich größer und stärker als 1995? Haben wir nicht eine eigene Agenda? Herr Feldmann ist kein Wunschkandidat. Er hat sich mit Sicherheit nicht in ökologischen Themen, mit denen er jetzt rumjongliert, hervorgetan. Er hat sich, wie der Rest der SPD, sicherlich oft auch gegen unserer Vorhaben gestellt. Aber könnten wir nicht auch mit ihm leben? Ich glaube schon.

Projekt 11000

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Nachdem nun mal wieder mehr als ein halbes Jahr vergangen ist, muss ich mal wieder berichten. Montreal ist ’ne schöne Stadt, aber ich werde dort nicht hinziehen. Vielmehr habe ich seit 1. November einen neuen Job als Programm-Koordinator bei HIC for FAIR, einem wissenschaftlichen Zentrum hier an der Uni. Dabei darf ich weiter Physik machen, aber meine Hauptaufgabe ist es, Berichte über die Forschung anderer zu schreiben. Bis jetzt macht das recht viel Spaß, und wenn das Zentrum und meine Stelle Ende Juni 2014 auslaufen, bin ich 30 Jahre, promoviert in Physik, und habe knapp 3 Jahre Berufserfahrung im Wissenschaftsmanagement. Ich finde, das sind gute Voraussetzungen.

Im Ortsbeirat 8 der Stadt Frankfurt fühle ich mich mittlerweile „angekommen“; und eigentlich gefällt mir die „kleine“ Politik ganz gut. Ich gehe sogar aus Neugierde auf Faschingsveranstaltungen, zu denen ich eingeladen wurde, und diesen Monat stehen noch ein paar Neujahrsempfänge an.

Heute schreibe ich vor allem deswegen, weil ich das erste Mal in diesem Jahr (was ja noch gar nicht so alt ist) mit dem Fahrrad in die Uni gekommen bin. Ich beginne dieses Jahr mit einem Kilometerstand von 10882 km, was erbärmlich ist, wenn ich mich daran erinnere, dass ich die 10000 in meinem Norwegen-Urlaub vor zweieinhalb Jahren überschritten habe. Meine Ziele sind daher eher niedrig: 11000 km bis Ostern. Das sollte eigentlich locker machbar sein, aber das hatte ich mir ja schon öfters gedacht. Die neue Riedberg-U-Bahn ist einfach zu bequem… Drückt mir die Daumen!

Einthemenvolk

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Dieser Artikel handelt von meinen Gedanken zur momentanen Darstellung der Grünen Programmatik. Es geht mir hier(!) nicht um die Grünen Inhalte, sondern um das übrige Bild, das von dieser — meiner — Partei gezeichnet wird. Ich fänd‘ es nett, wenn Kritik an der Partei sich mit deren Inhalten auseinandersetzen würde, und nicht mit diesen unsinnigen Kategorien „Einthemenpartei“ und „Volkspartei“.

In den letzten Wochen, die ja bekanntlich sehr positiv für die Grünen gelaufen sind, ist viel geredet worden, und natürlich auch viel über die Grünen. Zwei Grund-Themen sind dabei bei mir hängengeblieben: 1. Die Grünen haben nur wegen Fukushima viele Stimmen bekommen, sie waren halt schon immer eine Ein-Themen-Partei, und 2. Die Grünen sind jetzt eine Volkspartei und oje, wenn das mal gutgeht, immerhin müssen sie da auch Kompromisse machen. Gestern habe ich noch ein FAS-Interview mit Jürgen Trittin angelesen, aber nach der Frage „Haben sie nicht Angst, dass die Grünen BaWü so weit herunterwirtschaften wie Vorpommern?“ (und das war erst die dritte Frage oder so) habe ich mir den Rest geschenkt. (Sowas nennt man heute „Qualitätsjournalismus“.)

Aber was bedeutet das denn nun, wenn eine Ein-Themen-Partei zur Volkspartei wird? Heißt das, dass es nur ein Thema im Volk gibt? Sind wir ein Einthemenvolk? Oder heißt das, dass diese Partei vielleicht noch andere Themen hat? Jetzt mal im Ernst: Wenn wir Umwelt, Atomkraft und Klima (durchaus berechtigterweise) in einen Topf stecken und nicht sehen, dass dieses eine Thema durchaus in Wirtschaft, Soziales, Verkehr, Bauen, Planen und und und ausstrahlt, dann haben die Grünen trotzdem noch seit ihrer Gründung eine sehr starke Säule in der Geschlechtergleichberechtigung. Ich kenne einige Grüne, deren Hauptmotivation in der Partei eben nicht der Umweltgedanke, sondern die Frauenpolitik ist. Und auch hier kann man, wenn man es böse meint, Integration von Migranten und Ausländern und Homosexuellenpolitik (und Transsexuellenpolitik und das alles) gerne mit der Frauenpolitik unter ein Thema „Gleichberechtigungspolitik“ zusammenfassen, aber der wichtige Punkt ist, dass es eben seit der Gründung mindestens eine Zweithemenpartei ist. Wollen wir noch über Bürgerrechtsbewegungen reden? Und über Soziale Thesen? Und Thesen zur Wirtschaft? Jeder Partei kann man die ganze Politik unter „Politik für ein besseres Deutschland“ zusammenfassen, wobei die Auffassung eines „besseren Deutschland“ natürlich variiert (und das ist ja auch gut so). Aber das macht keine Partei zu einer Einthemenpartei.

Das andere Thema ist, wie gesagt, die kompromissfordernde Situation mit der Volkspartei. Das verstehe ich auch nicht — ich habe das immer so verstanden, dass man die Kompromisse eingehen muss, um Wähler zu kriegen, dass man „mehrheitsfähige“ Positionen beziehen muss, um mehr Leute zum Ankreuzen der eigenen Liste zu bewegen. Aber hier ist doch ein anderes Bild: Die Positionen, mit denen die Grünen kommen und für die die Grünen stehen sind scheinbar schon mehrheitsfähig. Muss eine 20-Prozent-Partei denn zwingend darauf aus sein, „38+X“ zu kriegen? Kann denn eine Partei nicht vollkommen zufrieden sein, ein viertel oder ein fünftel der Stimmen auf sich zu vereinigen? Was genau macht eine Volkspartei aus?

Dazu habe ich gelesen: Eine Volkspartei kriegt Zustimmung aus allen Schichten der Bevölkerung, quer durch alle Millieus, alle Altersklassen, alle sozialen Gruppen. Jetzt guck ich mir die letzten Analysen aus Frankfurt an, da hat selbst die „letzte Volkspartei“ CDU nur bei den über-65-jährigen vorne gelegen. Qualifiziert das zu „Volkspartei“? (In allen anderen Altersklassen waren es die Grünen. Ich beziehe mich auf die Analysen zur letzten Bundestagswahl.) Ist es denn wirklich so relevant, Volkspartei zu sein, also, auch dann, wenn man es nicht früher mal war? Zusammengefasst: Wenn die Grünen jetzt Volkspartei sind, dann müssen sie keine Kompromisse eingehen. Wenn sie unbedingt eine werden wollen (aber wer hat das denn gesagt?), dann vielleicht schon, aber das würde bedeuten, dass sie es noch nicht sind. Beides zusammen ist aber ein Widerspruch.

Jetzt mag man sich noch über das Image der „Dagegen“-Partei unterhalten, aber hier sehe ich einen Unterschied, denn dabei geht es ja wirklich um einen (wahlkampftechnisch natürlich schön herausgefilterten) Teil der Grünen Thesen: Gegen Kernkraft, Gegen Ellbogengesellschaft, Gegen Großprojekte ohne Bürgerbeteiligung, Gegen Betonlandschaften, Gegen Große Worte, aber kleine Taten, Gegen Ausländerhass, Gegen Ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen, Gegen Diskriminierung, Gegen Ausgrenzung, Gegen (äh… soll ich noch weitermachen?). Der Punkt hierbei ist, dass es durchaus Sinn macht, sich darüber zu streiten, ob die Dinge, gegen die die Grünen sind, eigentlich getan werden oder wirklich lieber seingelassen werden sollen, was nach meiner Ansicht auf die beiden oben diskutierten Punkte eben nicht zutrifft.

Fukushima

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Ich hatte gestern ein bisschen Probleme damit, einzuschlafen. Das hatte nichts direkt mit Weltschmerz oder Angst vor der Katastrophe in Fukushima zu tun, sondern mit einer Diskussion, die sich auf Facebook nach diesem Tweet von mir entsponnen hat. Ich hatte das geschrieben, weil ich mich ernsthaft gefragt hatte, welcher Reaktortyp denn tatsächlich gerade die Welt in Atem hält. Ich wurde schon recht häufig angesprochen, dass doch die deutschen Kernkraftwerke so sicher sein, dass nichts passieren konnte, doch die momentane Situation in Japan beweist leider das Gegenteil.

Die Diskussion begann, als mir (von einem Journalisten) vorgeworfen wurde, die Info sei „ein zynischer Scheiß“, und diese Aussage ist es auch, die mich beschäftigt hat. Ich habe dazu ein paar Gedanken: Ist es auch zynisch, wenn ich mich öffentlich wundere, ob mehr Leute zur Menschenkette zwischen Neckarwestheim und Stuttgart gekommen sind, weil sie durch das Erdbeben und seine Folgen aufgerüttelt wurden? (Ist es zynisch, einen solch schlechten Wortwitz einzubauen?) Wem würde die Information nützen? Aber ist das das Kriterium, was ich anlegen muss?

Unser Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit Dr. Norbert Röttgen ist in den letzten Tagen durch Aussagen hervorgetreten, dass Deutschland nicht von der Katastrophe in Mitleidenschaft gezogen werden wird — da stimme ich ihm zu ― und dass eine Diskussion über die Laufzeitverlängerung jetzt deplatziert sei — da stimme ich ihm nur bedingt zu: die Diskussion hätte vor einem Jahr stattfinden müssen und so enden müssen, dass wir heute nicht darüber zu diskutieren brauchen. Ist es denn nicht sehr fahrlässig, nicht zu fragen, ob genau das nicht auch bei uns passieren kann? Und was die Folgen wären?

Vor nur ein paar Tagen erklärte mir jemand, dass ein Terroranschlag mit Passagierflugzeugen auf Kernkraftwerke ja praktisch unmöglich sei, denn man müsste ja mit der exakt richtigen Geschwindigkeit in einem speziellen Winkel an die passende Stelle fliegen, und das sei unmöglich. Doch nun frage ich mich, ob es nicht auch reichen würde, die Notstromaggregate oder vielleicht die Kühlsysteme kaputtzufliegen, so dass eine Abschaltung notwendig würde? Ist es zynisch, so etwas zu denken? Helfe ich damit vielleicht Terroristen, wenn ich das ins Internet stelle (oder, alternativ: Bin ich so viel schlauer als alle potentiellen Terroristen, wenn es die denn überhaupt gibt, dass die nicht an so was denken)?

Einer der Kritikpunkte an meinem Tweet und der Diskussion war, dass ich und zwei andere Physiker, die mitdiskutiert haben, „selbstgerechten Menschen“ seien, „die sich selbst für Halbgötter halten“. Wir seien „selbstgefällig“, weil wir darüber diskutieren. Keiner von uns hatte geschrieben „ich hab’s ja immer schon gesagt“, sondern nur „Kernkraft ist wirklich gefährlich“. Aber soll man denn momentan nicht sagen, dass Kernkraft gefährlich ist? Dürfen das momentan nur Leute sagen, die das vorher nicht gesagt hatten?

Sollte ich jetzt nichts sagen dürfen, nur weil ich schon vor der letzten Bundestagswahl der Meinung war, dass der Atomausstieg eine wichtige Sache ist, wichtiger als, sagen wir, Mehrwertsteuersenkungen für Hotels?

Ich denke nein. Ich glaube, gerade jetzt muss man davor warnen, was in der Welt passiert und auch hier passieren kann. Und nicht, weil man froh ist, es schon vorher gesagt zu haben, und auch nicht, weil man glaubt, jetzt findet man besonders viele Zustimmer, sondern damit es im Bewusstsein bleibt und ich mir nicht beim nächsten Wahlkampfstand wieder anhören muss, dass die ganzen Katastrophen in Deutschland ja nicht passieren können. Ich glaube aber auch, dass man gerade jetzt davor warnen muss, dass der GAU nicht das schlimmste Problem ist, sondern vielmehr, dass wir immernoch kein Endlager, geschweige denn ein Zwischenlager gefunden haben, und dass wir in Deutschland auf genau einen Standort für beides setzen. Dieser Standort ist politisch, nicht wissenschaftlich ausgesucht worden, dieser Standort wird erkundet, weil man ja schon so viel Geld hineingesteckt hat. Wie wahrscheinlich ist bei so einem Ansatz, dass wirklich ergebnisoffen gehandelt wird?

Habe ich eigentlich schonmal einen Beitrag mit so vielen Fragezeichen geschrieben?

Oben Bleiben!

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Am Montag war ich in Stuttgart, um an einer Protestkundgebung gegen Stuttgart 21 teilzunehmen, ein weiterer Punkt von meiner Todo-Liste. Ich möchte hier nicht lange ausführen, warum ich glaube, dass das Projekt nicht sinnvoll ist und gestoppt werden sollte, bevor zu viel gebaut ist. Aber von dem Protest an sich möchte ich erzählen, bevor morgen wieder der sympathische Endzwanziger, IM Jäger, der große Wallascheck (große Magie zum kleinen Preis), Manfred und die Glocke des Schweigens meine Zeit in Anspruch nehmen.

Die Kundgebung fing um 18 Uhr an, und da ich schon um 4 Uhr da war, konnte ich mich im Schlossgarten (neuerdings scheinbar auch als Park des Himmlischen Friedens bekannt) umsehen, der ja leider vor drei Wochen zum traurigen Mittelpunkt der deutschen Politik wurde. Ich war begeistert von der Kreativität und Vielseitigkeit des Protestes. An allen Bäumen, die abgerissen werden sollen, waren Schilder, Bilder, Karikaturen, Gedichte, Pamphlete, Texte, Teelichter und und und angebracht. Im ganzen Park verteilt sind Leute, die Buttons verkaufen und Informationsmaterial verteilen, die zelten und die den Park tatsächlich aufräumen. Ich habe mir kurzerhand auch einen Müllsack und Handschuhe geben lassen und habe Müll und nicht mehr lesbare Schilder eingesammelt. Bei der Kundgebung waren Vertreter der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg da, die mit drei Traktoren eine Runde durch den Schlosspark drehen wollten. Diese Aktion wurde von der Politik nicht genehmigt und von den anwesenden Polizisten verhindert, was für Unmut gesorgt hat, aber es blieb friedlich. Während der Kundgebung bestätigte sich den Eindruck, den ich schon vorher hatte: Alle demonstrieren mit. Alte, junge, Spießer und Hippies, und alle dazwischen. Von wo ich stand, konnte ich ein Plakat sehen „Gewerkschafter gegen Stuttgart 21“, eines mit „Ingenieure gegen Stuttgart 21“ und eines mit „Unternehmer gegen S21“. Als die Kundgebung fertig war, waren im Stuttgarter Hauptbahnhof die Bahnsteige abgesperrt, sodass der Zugang etwas schwierig war, aber das hat letzten Endes keine unüberwindbaren Probleme gemacht.

Ich würde gerne alle „besten“ Aktionen und Karikaturen, die ich gesehen habe, aufzählen, aber die Auswahl ist extrem schwierig. Daher hier nur ein paar Bilder:

„Danke, dass Sie meinem Gesprächsangebot folgen konnten. Der Südflügel wird Ihnen erstmal nicht abgerissen. Auf das Gesamtfressprojekt kann ich natürlich nicht verzichten.“ Am Bauzaun am Südflügel hängt noch viel mehr: neben allen Möglichen neuen Namen für CDU (zum Beispiel „Christus dachte Unterschiedlich“), und dem Durchstreichen des Cs und des Ds steht da auch: „Niemand beabsichtigt, eine Mauer Milliardengrab zu errichten“.
Hier liegen Politik, Vertrauen, Frieden und viele ihrer Freunde begraben.
Das „Mahnmal“ zu dem Polizeieinsatz vom 30. September 2010.
Das Kundgebungsgelände mit Bühne und am Kran befestigter Beschallungsanlage (links der Mitte). Rechts ist die Zentrale der Protestaktion.

Verwechselungsgefahr! Was war nochmal was?
Die Baden-Würtemberger können ja angeblich alles außer Hochdeutsch. Nun kann man sich drüber streiten, ob sie denn Demokratie, Mathe und Geschichte können, aber für letzteres gibt es am Zaun beim Nordflügel Hilfe. Nicht weit davon hängt ein Besen mit dem Hinweis, Kehren sei die Stärke, also könne man auch um-kehren.
Frei nach Cato: „Des Weiteren bin ich der Meinung, dass der Bahnhof nicht zerstört werden muss“. Auch am Nordzaun.

Earth Day

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Am 22. April war Earth Day! Dafür habe ich an einer erwähnenswerten politischen Aktion teilgenommen, wenn ich schon am 24. April leider nicht das KKW Biblis mitumzingeln konnte. Aber in der Römerstadt war viel mehr Kreativität gefragt: Eine Fahrradskulptur an die vielbefahrene Kreuzung Praunheimer Weg/Bernadottestraße: Drei angemalte Fahrräder, trappiert mit reichlich Blumen, bleiben hoffentlich noch lange unvandalisiert auf der Verkehrsinsel stehen und setzen einfach ein Zeichen für Fahrräder und Umwelt. Curtesy of the Frankfurter Grüne Stadtteilgruppe 8 (Heddernheim, Niederursel und Römerstadt). Gut gemacht!

Erste Versuche, die Fahrräder stabil hinzustellen und mit Kabelbindern zu sichern. Hat dann auch gut geklappt!
Die Blumen sind noch etwas schief, aber Isabelle findet’s schon total gut!
Manchmal hilft die weitere Perspektive, um sich einen Überblick zu verschaffen.
Der Stuhl mit dem Schild ist zwar fotogerecht verschoben, aber ansonsten ist das die Skulptur mit den frohen Skulpteuren (Selbstauslöser)
Der fertige Hauptteil des Kunstwerkes.

Serbia!?

Original-Post (Tag 285). Serbien!?

Jaja, ich weiß, von deutschprachigem, recht textlastigen Swing kann man keine gute Platzierung erwarten, ja. Aber als ich gestern — über Internet-Livestream — den serbischen Beitrag zum Eurovision Song Contest gehört bzw. gesehen habe, dachte ich „na, besser als die sollte Roger Cicero aber auf jeden Fall sein“. Und dann gewinnen die. Mein Favorit war Schweden, und die sind grade zwei Punte vor Deutschland gelandet… es gibt keine Gerechtigkeit.

Und die Eintracht ist nächstes Jahr wieder erstklassig, weil Bremen (wie auch Schalke) keine Lust hat, deutscher Meister zu werden — Idioten. Naja, mich freut’s. Dafür hat Mainz keine Chance mehr, buhuhu.

Einen Kommentar kann ich mir nicht verkneifen: Westerwelle lügt. Angesichts der nicht-Begnadigung eines ex-RAF-Terroristen behauptet der Chef der freien Liberalen, dass es ein „Keine Gnade ohne Reue“ ein Grundsatz im deutschen Rechtssystem sei. Was er verschweigtübersieht ist, dass es überhaupt nicht auf Reue ankommt.

Nun ja. Ich bin momentan nicht sehr motiviert zu schreiben, weil ich befürchte, dass ich einfach nicht so viel über meine Ergebnisse schreiben kann, weil sie alle gleich aussehen. Mal sehen, vielleicht sind die Nächsten ja etwas interessanter. Dafür war ich gestern sehr motiviert, zu packen. Und siehe da: Ich kriege fast alles mit einem Mal nach Frankfurt. Alles, was ich hierlasse(n muss) sind die Fahrradsachen (naja, Ersatzschlauch, Pumpe, Werkzeug nehm ich schon mit, aber Helm, Handschuhe, das Fahrrad nicht), meinen Ordner mit Mietvertrag und so, den brauch ich auch noch, eben so wie ein Restposten an Küchensachen. Selbst Decke und Kissen schaffe ich schon dieses Mal nach Frankfurt, im Juni habe ich dann hier noch Schlafsack und Isomatte; für drei Nächte geht das schon.

Meine ToDo-Listen sind mittlerweile extrem zusammengeschrumpft, ein großes ToDo ist die mündliche Norwegisch-Prüfung morgen um 13:15, und natürlich die Party heute abend (vielleicht war die Planung da etwas schlecht? Egal). Und dann nur noch warten, den Koffer ein letztes Mal zumachen (ich bin mal gespannt, wieviel der wiegt — ich muss in Frankfurt unbedingt dran denken, ihn zu wiegen!), zum Bahnhof und ab die Post äh der Zug äh also…

Forkjølelse

Original-Post (Tag 240) Erkältung.

Das war ja mal so klar — kaum ist gutes Wetter, kriege ich ’ne Erkältung. War wohl etwas zu optimistisch in der Wahl der Kleidung… Dabei ist heute abend Konzert! So ein Mist. Gestern habe ich auf einen Spaziergang mit dem Rest der Arbeitsgruppe verzichtet, um endlich mal weiterzukommen mit meiner Arbeit, und es war auch ganz prouktiv.

Das trifft auf den Rest der Woche nicht zu: Laszlo ist momentan in Vilnius, und daher hatten wir Montag und Dienstag keine Vorlesung. Dadurch habe ich es nicht geschafft, die Zeitumstellung richtig zu durchleben, bin also spät in die Uni gekommen. Und dann ist ja schon Norwegisch-Kurs, und nach dem hatte ich dann jeweils eine Stunde bis zur Chorprobe. War nicht sehr arbeitsam. Auf dem Weg veränderte sich dann das „Keine Laszlo-Vorlesung diese Woche“ in meinem Kopf zu einem „Keine Vorlesung diese Woche“, weshalb ich gestern viel Zeit zum arbeiten hatte und die QFT verpasste. Na toll. Wenigstens eine meiner zwei Baustellen scheint aber langsam gut zu klappen, und die andere wurde (fast) ganz ohne zutun gelöst.

Das Wetter ist noch immer nicht zu stoppen; bis mindestens Dienstag nächster Woche soll es trocken bleiben, und weiterhin die meiste Zeit sonnenklar (und der Rest ist Nacht). Ich bin total motiviert, viel zu tun, muss aber arbeiten. Vielleicht klappt’s am Wochenende mit einem Barbeque mit ein paar anderen Leuten. Und ich kriege wirklich Angst, dass das Wetter am 9. April schlecht wird oder so (würde ja passen), also an dem Tag, an dem Stefan hier ist, und dass es bis zum 15. dauerregnet, also bis zu dem Tag, an dem ich mit Johannes nach Frankfurt fliege… naja, hofen wir das Beste. Und jetzt ganz akut hoffe ich, dass meine Stimme heute abend wieder da ist *röchel*.

Ach ja, noch was: In Hessen kann man als Neonazi im Staatsschutz (Link zu hr-online mittlerweile tot) arbeiten. Prost Mahlzeit. Und immernoch wollen 38 Prozent der Hessen diese Partei wählen. Hängt vielleicht damit zusammen, dass die andere große Partei auf einmal für die neue Landebahn am FRAPORT ist und der Landesverband der einen kleinen Partei das doof findet, wo doch deren Frankfurter Abordnung das schon längst auch will. Zu kryptisch? Die Landesgrünen heucheln gegen die SPD, dass das doch doof ist, dass diese den Flughafen-Ausbau nicht mehr ablehnen, unterschlagen aber, dass die Frankfurter Grünen, die seit einem Jahr in Frankfurt den Magistrat mitstellen, ihren Widerstand auch schon aufgegeben haben. Und das, wo eine neue Nachricht der FRAPORT kommt. Die hat in den neuen Planfeststellungsunterlagen einfach nichts nachgebessert (das war eigentlich der Grund, wofür man überhaupt neue Unterlagen brauchte) und denselben Müll, gegen den erfolgreich geklagt wurde, wieder veröffentlicht. Schafft man so Vertrauen?

Verdensmester

Original-Post (Tag 188) Weltmeister!

Im Handball. Und im Heucheln? Oder eher Erpressen. Eigentlich in beidem. Lassen wir uns das mal Revue passieren: Die EU-Kommission fordert Abgasgrenzwerte für Neuwagen. Die deutsche Autoindustrie droht mit Stellenabbau (den sie sowieso vornimmt) und unsere Regierungsspitze kündigt Widerstand an. Soviel zur Erpressung. Ein paar Tage später veröffentlicht die UN eine Studie, nachdem der Mensch für sehr starke Klimaerwärmung verantworlich ist. Unsere Kanzlerin posaunt hinaus, dass Deutschland und die EU eine Führungsrolle übernehmen müssen und etwas gegen Umweltverschmutzung tun müsse. So viel zur Heuchelei. Aber dann ist sie ja doch noch zurückgerudert und hat sich der Verpflichtung meiner Lieblings-Lobby gegenüber entsinnt. Nein, nicht nur Schröder war Auto-Kanzler. Ich finde, so was darf nicht passieren. Und wenn die Autoindustrie die Macht hat, Umweltverbände aber nicht, dann muss eine Revolution her. (Juchuh, habe gerade 10 neue Leser dazugewonnen — hallo, liebe Leute vom Verfassungsschutz!) Manchmal habe ich echt die Nase voll.

Hier gab’s heute wieder Schnee, und ich bin immer noch am programmieren; ich hatte allerdings am Wochenende das erste Erfolgserlebnis, als mein Programm im leichtest vorstellbaren Fall genau das machte, was es sollte. Geht doch. Jetzt habe ich Riesen-Probleme mit einem kleinen Bug, da muss ich wohl etwas tricksen, und dann vielleicht mal wieder Physik machen.

Nicht gefreut habe ich mich heute über meinen Büronachbarn, der am gestrigen Sonntag in das Büro gekommen war und Damenbinden überall hingeklebt hatte. Auch an Röhren- und sogar LCD-Monitore. So ein Idiot. Fand er ja soo witzig (heute auch noch). Wenigstens finden wir anderen 5 es sehr unlustig, ich bin also nicht alleine. Kleinkind!

In Norwegisch habe ich heute bei einem Spiel (Tabu ohne Tabu-Wörter) einen Bleistift und einen Radiergummi gewonnen, sehr cool. Ach, und dann war da ja noch ein anderer Chor, der letzten Dienstag Aufnahmeprobe hatte — obwohl es diesmal sehr schlecht gelaufen war, wollten sie mich. Morgen abend ist erste Probe. Und die Nachrichten aus dem Süden sind auch momentan alle recht gut: Die Bayern verlieren auch mit neuem Trainer, die Mainzer nicht, Handball, Hannah ist sicher in Nantes angekommen, das BKA darf ihren tollen Trojaner-Virus nicht einsetzen (an meine neuen Leser vom Verfassungsschutz: Was denkt ihr euch nur dabei?) und und und. Und tschüss.

Innkalling!

Original-Post (Tag 283) Einzug.

Das letzte mal, dass ein Land 42-jährige zum Militärdienst verpflichtet hatte, war im dritten Reich. Das nächste mal wird es wohl, na wo? Genau. Im evil Empire sein.

Nicht so sehr Politik, aber auch interessant: Im deutschen Radio habe ich nie etwas davon gehört, aber es ist eine recht große Meldung hier in Norwegen: Evil Company’s neues Betriebssystem, Vista, gibt der NSA Zugriff auf die PCs. Einfach so. Naja egal

Wie man gescheite Programme schreibt, versuche ich gerade herauszufinden; ich bin fleißig dabei. Natürlich tauchen an immer mehr Stellen Probleme auf, und ich tue mein bestes, alle Löcher zu Stopfen, aber manchmal bin ich doch etwas frustriert… Meine Norwegischlehrerin hatte mir am Montag von einem anderen Chor erzählt, der gestern, Dienstag ein Vorsingen veranstaltet hat, aber ich habe keine großen Illusionen, dieses Vorsingen war richtig scheiße. Ich hatte das Gefühl, dem Dirigent ist es wichtiger, wie ich den Laut (nicht den Ton) a ausspreche (wenigstens kenne ich jetzt den subtilen Unterschied zwischen dem deutschen und dem norwegischen A), als die Töne die ich singe. Das hat auch nicht grade zu meiner Laune beigetragen. Ansonsten ist alles ganz toll, und auch das Fehlersuchen macht ja irgendwie Spaß, und zwar nicht zu knapp. Nur bleibt dabei momentan kaum Zeit für etwas anderes.

Die Nachrichten aus der Heimat sind auch meistens nicht so gut (außer dem 27:25 der Deutschen gegen Spanien bei der Handball-WM und netten Grüßen); eine Wahlbeteiligung von 35 % wird mir als „Zeichen der Zufriedenheit“ verkauft — Idiot —, die Eltern löschen Daten — grgh — naja, wenigstens haben die Mainzer am Samstag gewonnen und die Bayern weder gestern noch am Freitag. Das ist doch wieder was.

Ich will mich an dieser Stelle mal dafür entschuldigen, dass das hier manchmal so eine Art „Braindump“ ist, so ohne Struktur, aber ich bin nicht motiviert genug, um eine gute Struktur für meine Gedanken zu finden. Dafür bin ich offensichtlich motiviert genug, soviel darüber zu schreiben, dass ich nicht motiviert bin GENUG JETZT!

Ytringsfrihet

Original-Post (Tag 172) Redefreiheit.

Keine Angst, der Politik-Teil ist heute recht kurz. Nur noch ein Argument gegen die Ju Es of Ey: Zugegeben, noch nicht beschlossen, aber alleine die Tatsache, dass es im Kongress als Gesetzesvorlage liegt, ist einfach ohne Worte: Jeder, der gegen Bezahlungkommerziell politische Lobbyarbeit betreibt, soll sich nach den Plänen der Republikaner beim Kongress registrieren und ihm alle drei Monate zu berichten, was man gesagt hat, bei Zuwiderhandlung Gefängnis.

Ok, ist ja in Ordnung, gegen Bezahlung Lobbyarbeit ist ja auch irgendwie komisch, nicht? Nein, wenigstens nicht so: Große Unternehmen kriegen jede Menge Schlupflöcher, während einfache Kommunikation als Lobbyismus angesehen wird und unentgeltliche Kommunikation zu mehr als 500 Leuten schon als bezahlterkommerzieller Lobbyismus betrachtet wird. Wer will noch nach Amiland? Ich nicht.

So, was war noch? Eine weiß-grüne Wiese vor dem Fenster, die Wiese scheint sogar weißer zu sein als der Berg dahinter, aber leider sind die Vorhersagen für die Temperaturen mittlerweile nach oben korrigiert worden, es wird wohl nur noch recht kurz unter den Gefrierpunkt gehen.

In der Uni hatte ich diese Woche vergeblich auf die Plots gewartet und das Paper am Freitag an die Koautoren geschickt, ohne diese Plots, und um Rückmeldung gebeten. Zwei davon habe ich bekommen, sie sind eingebaut, und jetzt hoffe ich nur, dass die beiden Plots wirklich am Wochenende kommen, und dann habe ich am Montag meine allererste Veröffentlichung. Ich glaube, dann gehe ich feiern!

Nein, kann ich nicht. Montag abend trifft sich der Männerchor Arme Ritter, bei dem ich nächstes Semester mitsingen will. Mal sehen ob die mich wollen ☺

Mal sehen auch, wieviel die Bücher für den Norwegisch-Kurs dieses Semester kosten, letztes Semester war ich da mit 80 € doch recht teuer dran.

Vielleicht doch noch was zum Wetter: bei mir war es gestern sehr sonnig, und in letzter Zeit nicht sehr windig, im Gegensatz zu Deutschland. Alle, bei denen ich mich gestern erkundigt habe, hatten keine Probleme, aber wie sah’s bei euch anderen aus? Ich würde mich über Erfahrungsberichte freuen. Und wenn ich bei der Frage danach nicht mehr unbedarft zwischen irgendwelche gerade frisch entstandenen Fronten gerate, wäre ich auch sehr dankbar *g*

Politik

Original-Post (Tag 97)

Ich habe mich immer sehr bemüht, meine politischen Ansichten auf die drei (winzigen) Links auf der Startseite zu reduzieren, die wahrscheinlich noch nie jemand außer die Google-Search-Engine bemerkt hat, aber heute lese ich zuviele Sachen, als dass ich sie ignorieren könnte, sorry. Wen’s partout nicht interessiert, irgendwo weiter unten wird wahrscheinlich noch was anderen stehen.

Den meisten (außer denen, die nur Bild-Zeitung lesen) wird die neueste Studie über den Niedergang des Lebens in den Weltmeeren nicht entgangen sein (das ist natürlich Unsinn, aber es wird keine großen Lebewesen mehr geben), aber ich will ich hier kein „hört auf zu fliegen“-Pamphlet schreiben; es geht mir auch nicht um die Frage, ob der Strommarkt privatisiert sein sollte.

Viele Leute hatten mich, bevor ich nach Norwegen ging, gefragt, ob es denn nicht besser wäre, in die Vereinigten Staaten zu gehen, denn dort fände ja die richtige Forschung statt. Ich führte meine Wahl für Norwegen neben meiner Vorliebe für dieses Land auch auf die politische Situation in Amerika zurück, und ich fühle mich heute sehr bestätigt. Nicht genug, dass vielen politischen Aktivisten der Zugang zu Flugzeugen ernorm erschwert wurde (finde ich ja prinzipiell gut, wenn’s nur jeden träfe und gleich ein Verbot wäre), und es hört auch nicht damit auf, dass die Vereinigten Staaten seit Neuestem Anspruch auf den Weltraum erheben (kein Link dafür, habe ich vor einigen Tagen im Radio gehört) und Drittstaaten den Zugang dazu verweigern will und ihn auch militarisieren will; ich rede auch nicht davon, dass Dubya mittlerweile jede Gewalt gegen „ruhestörende Bürger“ das Militär einzusetzen und im Ausland zu foltern, nein, darum geht es mir ja gar nicht.

Aber ab 14. Januar 2007 (das ist in 2 Monaten und 8 Tagen) gibt es nur noch geheime Listen darüber, wer das Land verlassen darf und wer nicht. Eine Möglichkeit, von der Liste genommen zu werden, gibt es nicht. (Auf den halb-öffentlichen Listen, die momentan im Flugverkehr angewandt werden, stehen momentan die mutmaßlichen Attentäter von 2001 drauf). Aber, keine Sorge, so was würde ja nie missbraucht werden, gell? Faschisten.

So, zurück zum Tagesgeschäft. Hier regnet’s grade den vierten Tag hintereinander ohne Unterlass, und vor meiner Lektüre (siehe oben) wollte ich diesen Artikel irgendwie „Spontanseen“ oder so nennen, denn Pfützen sind das definitiv nicht, was hier auf manchen Kreuzungen steht. Irgendwie scheinen die hier nicht mal versuchen, das Regenwasser von der Straße zu bekommen, aber was solls, Aquaplaning kann mir nicht passieren, nur ist Regenkleidung hier kein optionales Feature mehr. Weit schlimmer finde ich aber die Sturzbäche, die einem an jeder Steigung entgegenkommen.

Am Freitag haben wir unser Büro umgeräumt und jetzt lachen mich fünf Bilder von der Wand an (Bilder davon kommen hoffentlich hierher, hatte meine Kamera heute vergessen). Außerdem macht mein Laptop neuerdings Spirenzien, die ich nicht verstehe, aber das wird schon wieder!