2 Bäume für Bergen

Original-Post

Ich bewerbe mich für eine Professor/Juniorprofessor-Position in Bergen. So weit, so gut. Nachdem ich einen schönen Brief an das Komitee verfasst hatte, fand ich heraus, dass man sich über offizielle staatliche norwegische Bewerbungssystem bewerben muss, was bedeutet, dass ich meinen Lebenslauf und Brief auseinanderpflücken und getrennt in einem komischen Webformular hochladen muss. Naja, ich kann irgendwo verstehen, wie das den Auswahlprozess einfacher macht, also füge ich mich gerne.

Eine der Anforderungen hieß aber „Wissenschafltiche Arbeiten, publiziert oder unpubliziert, sollten in fünf Kopien, voll inventarisiert und sortiert in fünf identische Bündel, mit normaler Post nach [Adresse] geschickt werden“. Da ich mir nicht sicher war, ob das ernstzunehmen ist, und da ich auch nicht wusste, welche wissenschaftlichen Arbeiten die meinen, fragte ich meinen alten Bergener Betreuer, der grade Frankfurt besucht. Ja, sagte er, wir lesen zwar durchaus noch auf Papier, aber wir haben Drucker und würden uns das, was uns interessiert, selbst ausdrucken, ich brauche es also nicht wirklich mit der echten Post verschicken.

Am Mittwoch erhielt ich dann eine Nachricht (Übersetzung von mir):

Wir bemerken, dass die wissenschaftlichen Arbeiten, nach denen wir gefragt haben, noch fehlen. Daher haben wir unzureichende Informationen, um Sie als Bewerber zu beurteilen.

Wir bitten Sie darum, spätestens 8 Tage nach Erhalt dieser Nachricht die fehlenden Dokumente einzuschicken:

… und der alte Text. Es scheint also, dass sie dann doch die Bäume sterben sehen wollen. Naja, Öko der ich nunmal bin, wollte ich absolut sicher gehen, was die denn wollen, also versuchte ich, einen Kontakt in Bergen ausfindig zu machen (das Bewerbungssystem macht es nicht direkt einfach, Fragen über das Verfahren zu stellen) und versuchte auch, Wissenschaflter mit Englisch als Muttersprache zu Fragen, was das genau bedeutet:

Does „Your scholarly works, published or unpublished“ mean every paper&thesis I’ve ever written? #followerpower cc @DrMRFrancis @AstroKatie

DrMRFrancis ist ein Wissenschaftsjournalist, den ich letztes Jahr bei der Quark Matter getroffen hatte, und ich folge AstroKatie seit kurz danach. Da ich typischerweise nicht auf Englisch twittere, glaube ich nicht, dass mir irgendein Englisch-Muttersprachiger Wissenschaflter folgt, deswegen habe ich die beiden explizit erwähnt. Lange Rede kurzer Sinn: AstroKatie antwortete, dass das scheinbar alles bedeutet, inklusive Papers und Abschlussarbeiten. Danke nochmal, AstroKatie!

Nun musste ich also alle meine Paper und Arbeiten vorbereiten und ein Inhaltsverzeichnis schreiben. Weil ich noch nicht allzulange Wissenschaflter bin, sind das 341 Seiten. Doppelseitig bedruckt und zwei Seiten auf einer, sind das dann immernoch 85×5 = 425 Blätter. Mit einem Gewicht von 80 g/m² und DIN A4-Papier (was 1/16 m² groß ist), komme ich auf ein Päckchen, das 2,2 kg schwer ist.

Noch unentschieden, was ich machen solle (und noch auf Antwort aus Bergen wartend), ging ich heim. Am Abend bekam ich eine Mail von einem befreundeten Forscher, der mir erzählte, er habe sich in Bergen auf eine Stelle beworben, und er muss alle seine Paper… naja, ich glaube, es ist klar, was er sagte. Er schrieb weiter:

Ich wohne in New York, wenn ich es heute schicke und sicher gehen will, dass es ankommt, muss ich hunderte, wenn nicht tausende Dollar bezahlen. [Dieser eine Bergener Professor] ist auf einer Konferenz diese Woche und kann mir also auch nicht helfen, ich überlege deswegen, wen ich in Bergen kenne.

Wenn du jemanden kennst, der mir diese blöden Dateien drucken kann und nach [Adresse] schicken kann, ich werde sofort alle Kosten per Überweisung begleichen, die irgendjemand damit hat (Druckkosten und so).

Meine Antwort war im Prinzip „ich auch, ich auch, ich auch, ich auch, nein.“ – ich kenne niemanden mehr in Bergen. Aber, schlug ich vor, da ich eh auch Zeugs drucken muss und per Mail schicken muss, könnte ich sein Zeugs einfach gleich mitdrucken, und ein großen Päckchen schicken.

Da er älter und länger dabei ist als ich, sind seine gesammelten Arbeiten 891 Seiten lang. (Eine Sache allerdings: Er druckt ein ganzes 185seitiges Paper aus, zu dem wir beide jeweils zwei Seiten beigetragen hatten. Ich habe nur diese zwei Seiten gedruckt. Dafür hat er scheinbar seine Abschlussarbeiten nicht dabei.) Er stimmte zu, auch seine Sachen klein und doppelseitig zu drucken, also sind wir bei 223×5 = 1115 Blättern für ihn angekommen, oder zusätzliche 5,6 kg. Zusammen haben wir 3240 Seiten und 7,7 kg. Daheim habe ich meinen alten ThinkPad-Karton gefunden, der in etwa DIN A4-Größe hat.

Während ich gedruckt habe, wollte ich mich entscheiden, wie ich eigentlich das Päckchen verschicken sollte. DHL, UPS, FedEx, GLS und TNT fielen mir ein. Die Parameter sind: Ankunft spätestens Mittwoch, 20. März, ein Päckchen mit 38×33×25 cm und 8 kg Gewicht, von Frankfurt nach Bergen. GLS und UPS zeigen auf ihrer Webseite keine Versandkosten, was schade war, weil das langsamste bei UPS (= das billigste?) am Mittwoch garantiert geliefert würde. Preise gibt’s aber nur für Versand innerhalb der EU. Die Webseite von TNT geht gar nicht, weder in Opera, noch Firefox, noch Chrome, und GLS verschickt gar nicht nach Norwegen.

DHL bietet 35 € an für ein Paket, dass – ohne Garantie — in 7-8 Tagen geliefert würde, und 47 € für 4-5 Tage, wieder nicht garantiert. Oder Übernacht-Lieferung für 151,90 €. FedEx bietet 68,03 € für Donnerstag (was zu spät ist) oder 203,51 € für Dienstag. Beim zweiten Versuch (um einem Kollegen zu zeigen, wie lächerlich teuer das ist), waren die Preise scheinbar niedriger. Was. Zum. Teufel.

Also, DHL. Bleibt noch die Frage, wie ich das zusammenbinden sollte. Für meine mickrigen 85 Blätter hilft ein Schnellhefter, aber für die 223 Blätter von dem anderen Kerl wird es schwierig, also habe ich einen dünnen Aktenordner benutzt. Naja, seht selbst:

Des anderen Publikationen in einem Schnellhefter: Passt nicht!
Meine Paper, auf der anderen Seite, passen. Jippie.
Das hätte ich geschickt. Die Ringordner sind seine, die grünen Schnellhefter meine.

Nachdem ich vier der fünf Bündel für uns beide gelocht hatte, bekam ich eine e-Mail, mit vier Bewerbern (mich eingeschlossen) in CC (anstatt in BCC, womit die Vertraulichkeit der Bewerbung gewahrt geblieben wäre, aber das ist noch das kleinste Problem):

Bewerbung für Professur

Liebe Bewerber,

Probleme beim Senden mit normaler Post.

Ich habe die Sache mit unserem Geschäftsführer diskutiert und wir sind zu der Überzeugung gelangt, dass Sie die erbetenen Dokumente (wissenschaftliche Paper) auf CDs einsenden können. Sie müssen dann 5 CDs statt 5 Stapel wissenschaftliche Papier schicken.

[…]

Mann, war ich sauer in dem Moment. Die Bäume waren tot und ihre Reste mit Tinte verschmiert, und jetzt sagen die mir, alles umsonst? Ich musste mich wirklich zurückhalten, nicht eine e-Mail zu verschicken, in der ich mich bedanke, dass ich jetzt weiß, wer sich noch alles beworben hat und die Dame zu fragen, ob denn CDs auch okay sind, oder ob wir nicht doch eine Stufe mehr low-tech sein wollen und 3,5-Zoll-Disketten schicken sollten. Naja, geschrieben hatte ich das, aber nicht geschickt. Warum kann ich nicht einfach mein Zeugs irgendwo hochladen oder, noch besser, einen Link schicken, wo das sowieso öffentlich lesbar ist? Naja, aber vergleichsweise wurde alles dadurch billiger.

Letzten Endes habe ich die 5 CDs am Freitag morgen gebrannt und als 250-Gramm-Brief für 8,57 Euro verschickt. Jetzt warte ich darauf, dass die mich zu einem Talk einladen.

Das habe ich letztendlich geschickt: Fünf verf-te CDs.
Der komplette Brief, wie ich ihn am Ende verschickt habe. Etwa DIN A4-groß, und das Klebeband ist noch von den letzten Bundestagswahlen übrig (2009).

2 trees to Bergen

Original-Post (Das ist mein erster Blog-Eintrag auf Englisch. Eine Deutsche Übersetzung gibt es auch)

I am applying for a professor/assistant professor position in Bergen. So far, so good. After having crafted a nice letter to the committee, I found out that I have to apply via the Norwegian Government’s official Application system, which means I basically had to tear apart my whole CV, my letter and everything and upload it in pieces using some strange web form. Well, somehow I can understand how this might make the evaluation process easier, so I am willing to abide by that.

One of the requirements, though, read „Scholarly works, published or unpublished, should be sent in 5 copies, fully inventoried and sorted into 5 identical bundles, by ordinary mail to [address]“. Not being sure if I should take this seriously, and not knowing, which scholarly works they refer to, I talked to my former Bergen supervisor, who is visiting Frankfurt at the moment. He told that although, yes, indeed, they do usually still read on paper, they have printers and access to basically all publications on the web, so no need to send actual paper through the actual mail.

On Wednesday, I received a notification which read:

We note that the scholarly works we asked for in the announcement for the position are missing. Therefore, we have insufficient information to evaluate you as an applicant.

We ask that you no later than 8 days after you have received this message send us the missing documents, which are:

… and the previous specification. It seems, after all, that they do want trees to die. Well, treehugger that I am, I tried to make absolutely sure that is what they want, so I tried to figure out who to talk to in Bergen (the application system does not make it exactly easy to ask questions regarding the procedure) and also tried to ask some scientists who are native english speakers what exactly that meant:

Does „Your scholarly works, published or unpublished“ mean every paper&thesis I’ve ever written? #followerpower cc @DrMRFrancis @AstroKatie

DrMRFrancis is a guy I met at Quark Matter last year, and I’ve been following AstroKatie since shortly afterwards. Since I don’t usually tweet in english, I don’t think any english-native scientist follows me, therefore I mentioned these two explicitly to make them aware of my question. Long story short, AstroKatie answered that this seems to mean everything, including papers and theses. Thank you again, AstroKatie!

Now, I had to prepare and inventorise all my papers and theses. Not having been a researcher for all too long, they amount to 341 pages. Printing them two-pages-on-one and double sided, this still means 85×5 = 425 sheets of paper. Assuming a paper weight of 80 g/m² (and using A4-paper, which is 1/16 m²), this will make a package of 2.2 kg.

Not having decided exactly what to do (and still waiting for an answer from Bergen), I went home. In the evening, I got an e-mail from a friend researcher, saying that he applied to a job in Bergen, was asked for a copy of every… well, I think you can fill in the blanks. He went on:

I live in New York, if I send it today and make sure it arrives, it will be hundreds, thousands of dollars. [That Bergen professor] is away on a conference this week, so he cannot help me, I am looking around who I know in Bergen.

If you know anyone who can print these stupid files, and send them to [address] I will immediately refund you any expense anyone spends on this (printing as such) with a bank transfer.

Well, my answer was basically “me too, me too, me too, me too, no.” — I do not have any ties left to Bergen. But, I suggested, since I am going to print that stuff anyways and send it by mail, I would be willing to print his stuff right along, and send one big package.

Since he is older than me and has written a lot more papers than I have, his collected works amount to 891 pages. (One thing to mention, though: he prints the entirety of a paper with 185 pages, which both of us co-authored — contributing two pages each. I only include those pages. He, on the other hand, does not seem to include his theses.) He agreed to also print them small and two-paged, so we’re down to 223×5 = 1115 sheetd od paper on his account, adding another 5.6 kg to the package. Together, we will have 3240 pages and 7.7 kg. At home, I found the old box my ThinkPad came in, whose dimensions are roughly A4-sized.

While printing, I tried to figure out how to send the package. Basically, five options came to mind: DHL, UPS, FedEx, GLS, TNT. The parameters I need are: Arrival on or before Wednesday, March 20th, of a package 38×33×25 cm with a weight of 8 kg, from Frankfurt, Germany to Bergen, Norway. For GLS and UPS, I was unable to find out shipping costs online: UPS told me that there are three offers, the slowest of which (and I presume that will also be the cheapest) guarantees delivery by Wednesday. Prices, though, are only available for shipping to other EU-countries (which Norway isn’t). TNT has a completely disfunctional website, that neither Opera nor Firefox nor Chrome could display properly, and GLS don’t deliver to Norway at all.

DHL offers 35 € for a package that takes 7-8 days to deliver, but no guarantees. They also offer 47 € for a package that takes 4-5 days to deliver, but no guarantees either. And they offer 151.90 € for a guaranteed overnight delivery. FedEx offers 68.03 € for a package delivered on thursday (which is too late) and 203.51 € for a delivery on tuesday. On second try here (to show the ridiculous prices to a colleague), prices were different for the exact same thing. What. The. Fuck.

Anyways, DHL it is. Still, the question remains how I should bundle the printouts together. For my puny 85 sheets of paper, a File folder may be sufficient, but the other guy’s 223 sheets prove difficult, so I used small ring binders. Well, see for yourself:

The other guy’s papers in a file folder: Doesn’t fit!
My papers, on the other hand, do fit. Yay.
I would have sent this. The large ring binders are his‘, the small green file folders are mine.

After having punched wholes through four of the five bundles for each of us, I received an e-mail, with four applicants (including me) in CC (instead of putting us in BCC, thus preserving our privacy, but, well, that’s just the least of the problems):

Applicatons for professorship

Dear applicants,

Problems with sending papers by ordinary mail.

I have discussed the matter with our Head of Administration and we have concluded that you can send the requested documents (scientific papers) on CDs. You must then send 5 CDs instead of 5 stacks of scientific papers.

[…]

Boy, was I mad at that moment. The trees were dead and their remainders sullied with ink and now they tell me, all was in vain? I really had to restrain myself from actually sending a mail thanking the lady that I now know who else applied and making sure that they can handle such high-tech devices like CD-ROMs or if they didn’t maybe prefer 3.5” floppy disks. Well, I wrote it, but I didn’t send it. Why I cannot simply upload my stuff somewhere – or better still, send them a link to where it is anyway – I don’t know. But it made everything cheap from there.

In the end, I burned 5 CDs on friday morning, and sent them as a 250-gramms-letter for 8.57 Euros. Now I am waiting for them to invite me to give a talk.

This is what I sent in the end: Five f-ing CDs.
The complete letter I sent in the end. Format approximately A4, and the duct tape I used to close the letter is a left-over from the last (2009) German Parliament Election.

Bybane

Original-Post

Ich bin momentan wieder in meiner zweiten Heimat. Hier in Bergen ist die Stadtbahn seit kurz nach meinem letzten Besuch im Betrieb und scheint nach allem, was ich sehen kann, gut in den Winter gekommen zu sein. Winter. Ja, den gibt’s in Bergen wirklich, auch wenn das damals, vor ja mittlerweile 4 Jahren, überhaupt nicht so ausgesehen hat. Heute ist aber blauer Himmel und Sonnenschein, und so habe ich eben ein paar Bilder von der Stadtbahn gemacht. Jetzt sitze ich in der Bybane auf dem Weg in die Uni, denn in knapp zwei Stunden hat Szabolcs seine Verteidigung. Morgen ist Yun dran, aber schon um 10 Uhr, da werde ich wohl vorher keine Zeit haben, fotografieren zu gehen, denn hell ist es hier nicht vor halb neun. In Nesttun, dem südlichen Endpunkt der Strecke, war noch um halb elf keine Sonne.

Der Flug nach Bergen war ok, aber verspätet (warum beschweren sich eigentlich die Leute immer über die Bahn, aber selten über Staus und Flugzeuge?) und der Transfer in die Stadt einwandfrei. Das Jugendherbergszimmer ist zwar etwas schwierig zu lüften, dafür gab es heute morgen Lachs zum Frühstück. Das ist schon nett! Nochwas zur Stadtbahn: Man merkt, dass das ein deutsches System ist. Schon im Mai war mir aufgefallen, dass die Signale deutsch sind (ein Weichenkontakt wird mit einem weißen W auf blauem Grund beschildert, aber „Weiche“ heißt auf Norwegisch „Veksel“), eben habe ich im Display des Führerstandes „kleinere Störung“ (eben auf Deutsch) gelesen. Nicht, dass ich mich beschweren wollte, aber lustig ist das. In den Tunnels, in denen man von manchen Stellen nicht eines der beiden Portale sehen kann, gibt es lustige Beleuchtungen; in dem einen weiße und magentafarbene Blöcke (sieht fast wie Werbung für einen großen deutschen Telekommunikationsanbieter aus), in dem anderen hängen blau/weiße bzw rot/weiße Lichtschlangenlinien an der Wand.

Das Bussystem hat sich mit Einführung der Stadtbahn und vor allem jetzt mit Beginn der Bauarbeiten auf dem zweiten Abschnitt (Nesttun-Lagunen) stark verändert, und es ist nicht direkt leicht, sich jetzt noch zurecht zu finden. Aber dafür geht es wenigstens mit der Informationspolitik aufwärts; die Stadtbahnstationen haben recht ausführliche Informationen wo man ist, wo Busstationen in der Nähe sind, wann eine Bahn fährt, und wie man welche Fahrkarte kaufen kann. Leider sind die Busstationen häufig noch im selben Zustand wie vor vier Jahren: Entweder keine Information, oder nur über ein paar der Linien, die da fahren, meistens nicht mal der Name der Haltestelle. Aber, wie gesagt, die Bahn ist da wesentlich weiter; es besteht also noch Hoffnung.

Stadtbahn in Bergen

Original-Post

Donnerstag und Freitag waren wieder sehr regnerisch, deswegen hielt es mich doch im Büro. Freitag abend allerdings war es trocken und ich lief nach Fantoft, um auf dem Weg dorthin möglichst viele Bilder der Stadtbahn zu machen. Was sich durch den Bau der Stadtbahn alles verändert hat, war schon sehr beeindruckend, und viel zu viel, um im Detail hier erwähnt zu werden. Leider hatte ich 2007 doch nicht so viele Bilder gemacht, die ich jetzt sinnvoll vergleichen kann, aber naja.

Tunnelportal in Fantoft (Tunnel aus Sletten). Oben: vor dem Bau (1. April 2007), Unten: Heute (2. Mai 2010)
Testfahrt (Wagen 203) in Wergeland Station, blick Richtung Norden (Fahrt nach Depot Kronstad). Links der Mitte das alte Wartehäuschen der Straßenbahnschleife Minde (Trikkesløype Minde)
Station Fantoft mit Tunnelportal nach Paradis und neugebauter Erweiterung für die Studentenwohnungen
Blick von Süden zur Station Troldhaugen mit überhängendem Haus
Endstation: Nesttun Terminal. Blick auf die Strecke, also nach Norden. Das Gleis Richtung Rådal (Süden) ist noch vom Bahnsteig überbaut…
Endhaltestelle in Nesttun

An der Endstation in der Stadt — Byparken — liegen zwar zwei Gleise, aber nur das Gleis Richtung Nesttun hat einen Bahnsteig. An dessen Ende liegt auch die Plakette der „Grundschienenlegung“. Die Strecke führt zum Hauptbahnhof und durch den Busbahnhof durch. Dahinter kommt die erste sehr stark veränderte Stelle: Ein Haus — Pastasentralen — musste der Strecke weichen. Eine S-Kurve später (Höchstgeschwindigkeit 10 km/h) sind wir dann an der Station Nygård direkt vor den naturwissenschaftlichen Gebäuden der Uni. Dahinter kommt Florida und die Brücke über den Store Lungegårdsvann. Hier fahren die Autos auf einer neu gebauten Brücke, während die Stadtbahn die alte Brücke mit Fahrradfahrern teilt. Hinterm Danmarksplass fängt dann ein langes Stück mit wirklich starken Eingriffen in das alte Straßenbild an, sowohl die Bjørnsonsgate als auch der Inndalsveien sind nun zum großen Teil Einbahnstraßen. Vor 5 Jahren war diese Verbindung noch die Haupteinfallstraße von Süden nach Bergen… Fantoft mit der 90°-Kurve und einem neuen Studentenwohnheim hat sich natürlich recht stark verändert, und hier ist noch am deutlichsten sichtbar, dass die Arbeiten noch nicht ganz abgeschlossen sind.

Der Rest der Strecke hat keine größeren Einschnitte mehr in die existierende Infrastruktur gebracht, lediglich das Stück Troldhaugen―Nesttun wurde von drei Spuren auf zwei verkleinert, um Platz für die Strecke zu machen. In Nesttun, der momentanen südlichen Endstation, sind zwar auch beide Gleise verlegt, das Gleis Richtung Bergen allerdings ist nicht mit dem Rest verbunden und liegt unter einem Behelfsbahnsteig, sodass man jetzt von beiden Seiten in die Bahn einsteigen kann.

Soviel zur Bybane. Vielleicht kommt bald noch ein Bericht über den Rest in Bergen…

Du er ikke svensk!?

Original-Post

Angekommen in Bergen, lief ich mit Szabolcs durch den Regen (wie könnte es anders sein) zum Gästehaus, wo ich mich duschte, während er belegte Brötchen besorgte. In der Uni noch gar nicht richtig angekommen, kam schon Laszlo und fragte nach meinen Plänen für nach der Doktorarbeit, ob ich nicht nach Norwegen wollte oder was. Den Rest des Tages, der noch sehr sonnig und warm wurde, verbrachte ich damit, eine Steuerkarte zu kriegen (nur so kann ich den vollen Tagessatz erhalten) und den Vortrag für Mittwoch vorzubereiten. Leider saß ich deshalb trotz des perfekten Wetters die ganze Zeit im Büro. Als ich nach ein paar Details über das Ausfüllen der ganzen Formulare für Reisekostenerstattung fragte, tat ich das natürlich auf Norwegisch, und die Unterhaltung ging ein ganzes Stück lang, bis mich die nette Dame daruf hinweist, dass ich als nordischer Staatsbürger mich für die Steuerkarte nur mit dem Führerschein ausweisen muss.

Als nordischer Staatsbürger.

Bitte? „Ja, bist du denn kein Schwede!?“ — „Nein… ich bin Deutscher!“ (Hört man das denn nicht?) Sie war wirklich überrascht, und ich nahm es als eines der größten Komplimente, die ich in letzter Zeit gehört habe.

Außerdem traf ich am Dienstag noch Therese, eine von zwei Studentinnen, die von damals noch übrig geblieben sind, und die jetzt über Supersymmetrie promoviert. Abends fuhr ich nach Fantoft, um dort einen Film — 21 grams — zu gucken (eigentlich ganz gut, nur hoffe ich, dass das Titelthema nicht Teil des Mainstreams wird — wer zum Teufel wiegt Leute, während sie sterben?).

Am Mittwoch war es dann den ganzen Tag regnerisch. Der Vortrag lief gut, und danach redete ich mit Laszlo und Szabolcs über die Entropie von Boxen und Federn, traf beim Mittagessen Susi, die sich bei mir beschwerte, dass ich sie nicht vorgewarnt habe, dass soviele Deutsche in Fantoft sein würden, die aber ansonsten von Norwegen total begeistert ist. Dann ging ich in die Stadt, um Norwegische Bücher zu kaufen. Mit Terry Pratchett auf Norwegisch hatte ich kein Glück, mit Peer Gynt auf Englisch auch nicht, aber ich kaufte das Gedicht von Ibsen wenigstens auf Norwegisch. Mal sehen, ob ich es verstehe.

Wieder zurück redete ich mit den ortsansässigen Exis — dem Frankfurter Boris und der Griechin Kalliopi — über deren Forschungsthemen (und deren Erfahrungen als Ausländer in Norwegen) und fand bei Szabolcs heraus, dass er am abend keine Lust auf Weggehen hatte. Er gab mir den Tipp, zu einem Konzert mit nationalromantischer Musik zu gehen. Als ich es satt hatte, mit der WLAN-Verbindung zu kämpfen, ging ich dahin, nach drei Liedern hatte ich aber schon wieder genug. Heute morgen — Donnerstag — ist es zwar bewölkt, aber trocken, und langsam bin ich auch wieder ausgeschlafen. Wenn die Sonne noch rauskommen sollte, wird es mich heute nicht im Büro halten…

WLAN im Zug

Original-Post

Nun bin ich also in Bergen, und eine der guten Sachen, so weit mit dem Zug zu fahren ist, dass man verschiedene Züge bereist und deren Vorzüge vergleichen kann. Außerdem erlebt man ja auch ein bisschen was auf so einer langen Reise…

FrankfurtHamburg, ICE: Montag, 0:55 bis 5:43 Uhr
Die meisten werden schon mal in einem ICE gesessen haben. Dies war einer der ersten Generation, die noch Abteile haben. Auf einen Platz im Abteil hatte ich gehofft, aber viele andere auch, so waren in den meisten Abteilen schon Leute drin, die Großräume dafür leer, aber leider hell. Im ICE gibt es Steckdosen, aber kein WLAN. Dafür Mitreisende. Ein Mädchen, dessen Alter ich erst nicht richtig einschätzen konnte, lag auf zwei Sitzen vor mir, ich setzte mich in ein Viererabteil mit Tisch. Da ich nicht vom Schaffner geweckt werden wollte, wollte ich nicht direkt schlafen, und irgendwie kamen wir ins Gespräch. Sie kam gerade von den Kanaren, wo sie Urlaub ohne ihren Freund gemacht hat, weil Probleme mit Umbuchen und so. Nachdem der Schaffner erst bei Schlüchtern kam, redeten wir aber weiter, in Fulda, Bad Hersfeld, Göttingen, und dann kam ja eh bald Hannover, wo sie aussteigen musste. Ich will nicht sagen, dass es nervig war, aber halt anstrengend, eigentlich wollte ich ja schlafen. Sie war übrigens ziemlich gleichalt wie ich. War echt nett. Ein wenig Schlaf hat mir dann die gute Stunde nach Hamburg noch gebracht. Oh, und es war alles Pünktlich.
Hamburg → København, IC3: Montag, 7:25 bis 12:11 Uhr
Die Gumminasen habe ich mal für das hässlichste gehalten, das auf Schienen fährt, aber bequem sind sie wirklich. Richtige Sessel sind das. Nachdem ich anderthalb Stunden auf dem Hamburger Hauptbahnhof nicht eingeschlafen bin, suchte ich mir einen Fensterplatz in Fahrtrichtung (alle Plätze sind in Viererabteilen mit Tisch), wo ich es sehr bequem hatte, bis zwei Frauen kamen, die sich wohl versehentlich in die erste Klasse gesetzt hatten, auf Sitze mit der gleichen Nummer, aber eben im falschen Wagen. Also, an den Gang. Da ist Schlafen nicht so richtig einfach, aber mit meinem Kissen, dass ich dabei hatte, habe ich doch zumindest Ruhe gefunden, vor allem nach der Fährüberfahrt. Die Dänische Staatsbahn versorgt alle zwei Plätze mit einer Steckdose, also wie im ICE, und kündigt Internet an, was es aber zumindest auf dem deutschen Teil der Strecke nicht gibt. Im Dänischen gab ich mich meiner Müdigkeit hin, und das einzige, an das ich mich erinnern kann, ist das Gespräch der beiden Frauen: Beide machen irgendwas im Sportjournalismus, die eine scheinbar beim ZDF, und ich hatte das Gefühl, sie mal gesehen zu haben — vielleicht ist sie eine Moderatorin? Aber was weiß ich schon. Und was interessiert es mich auch. Die Fahrt auf die Fähre hatte sich etwas verzögert, daher auch die Fährfahrt und die Weiterfahrt in Dänemark auch, Ankunft in der København wieder Pünktlich.
København → Göteborg, X2000: Montag, 12:59 bis 16:32 Uhr
Warten in Københaven hat mich gelehrt, dass es doch langweiliger geht als dieses „nur rote Züge“-Feeling, dass ich in Frankfurt immer kriege: In Københaven fahren vier verschiedene Zugarten, plus die S-Bahn, und an denen hat man sich recht schnell satt gesehen. Naja, eine davon ist der X2000. Ich wollte schon immer mal mit einem X2000 fahren, und der Sparpreis der Schwedischen Eisenbahn machte dies für 10 Euro möglich. Gediegenes Inneres, Holzvertäfelung, Steckdosen und tatsächlich zuginternes WLAN. Hier kann man entweder Internetzugang kaufen (teurer als die ganze Fahrt: 100 zu 95 Schwedische Kronen) oder kostenlos die Website der SJ und Zuginformationen abrufen, wie eine Karte, wo man gerade ist. Das war sehr nett, weil man ja normalerweise nicht weiß, wo gerade dieser nette Ausblick ist, den man da sieht. Leider war die Landschaft noch nicht groß genug, als dass es davon viele gegeben hätte, und mehr als schön kriegt man in Schweden ja auch nicht). Während also der Ausblick nicht wirklich aufregend war, guckte ich mir auf dem Laptop Charlie Wilson’s War an. Zwei Minuten zu spät in Göteborg.
Göteborg → Oslo, BM73B: Montag, 17:45 bis 21:45 Uhr
Ich hatte seit Frankfurt nur ein Schokohörnchen gegessen, das mir aber nicht wirklich gut bekommen ist, also brauchte ich was zu essen. Ich ging also auf der Suche nach einem Supermarkt vom Göteborger Bahnhof weg und fand, dass es schwierig ist, sowas zu finden. Nachdem ich zwei hübsche Mädels gefragt habe, fand ich dann aber einen Laden, in dem ich Kekse und Banenen kaufen konnte. Im Bahnhof fand ich keinen Fahrkartenautomaten der Norwegischen Staatsbahn, an dem ich eigentlich meine Tickets abholen wollte, aber der Schaffner sagte mir, ich solle das Ticket dann einfach in Oslo holen, bevor ich in den Zug nach Bergen steige. Nun gut. Von den sechs BM 73B habe ich wahrscheinlich in allen schon mal gesessen, und hier gab es wirklich keine Überraschung (außer, dass das eine Klo zu war und ich weiter laufen musste als gedacht. Sitz in einem Viererabteil mit Tisch, Blick nach links (Westen). Keine Steckdose, kein Netz, nur kurz in Schweden jemand im selben Vierer, ansonsten sehr leer. Ich sah My Sister’s Keeper und musste wieder hemmungslos heulen, und dann begann ich zu lesen: Ich habe mich entschlossen, Douglas Adams noch Chancen geben und kaufte die weiteren Teile von Per Anhalter durch die Galaxis. Leider habe ich festgestellt, dass ich immernoch das Gefühl habe, Douglas versucht einen aberwitzigen Text zu schreiben, ohne zu wissen, wie das geht. Ich weiß, viele Leute mögen das, aber ich war nach zwei Kapiteln sowieso zu müde und döste bis Oslo (Ankunft pünklich) vor mich hin.
Oslo → Bergen, B7: Montag 23:09 bis Dienstag, 06:56 Uhr
Umsteigen in Oslo verlief ohne Probleme, und ich betrat das erste Mal einen neu umgebauten B7-Wagen. Die Sitze sind nun anthrazit statt vorher rot, und haben ebenfalls Steckdosen, außerdem gibt es Internet. Statt der Billiggrafik der Position im X2000 hat man hier google maps; man kann selbst hin- und zurück scrollen, die Strecke wird als Linie angezeigt. Habe ich aber nur in Oslo ausprobiert, dann war schlafen angesagt! Neben mich setzte sich ein grimmig aussehender Schrank, der scheinbar nur aus Muskeln und Grunz-Stimmbändern bestand, sich aber, als er gesehen hat, dass schräg hinter uns ein Doppelsitz frei war, umsetzte. Geschlafen habe ich lange und ziemlich gut, so dass ich am nächsten morgen relativ fit am Bahnhof ankam, wo Szabolcs schon auf mich wartete.

Wie’s mir hier in Bergen ergangen ist und weiter ergeht, schreibe ich dann bald.

Es geht voran

Original-Post

Und zwar an allen Fronten. Nach dem Soft-Skill Workshop in Schloss Buchenau (was ich als „Rhön“ angekündigt hatte) war ich zwar erstmal fertig, aber durchaus zufrieden. Kleinere Unzufriedenheiten ließen sich durch ein Telefonat am Dienstag morgen ausräumen, und jetzt ist wirklich alles toll. Dafür hat das Telefonat auch Überwindung gekostet — aber ohne Fleiß kein Preis!

Die Konferenz im Juni rückt auch näher (zeitlich wie prinzipiell), denn mein Paper macht zur Abwechslung mal echte Fortschritte. Dafür fehlen mir noch Daten für einen Vortrag in 12 Tagen…

Auch die Reisepläne werden konkret: Für Bergen sind die Fahrkarten gekauft, und ich freue mich schon riesig. Wer es noch nicht auf Facebook gelesen oder es von mir erzählt bekommen hat: Ich habe mir nach Preisangaben von 643 und 302 Euro (beide von der DB, beides selbe Verbindung, beides „das billigste, was es gibt“) die Fahrkarten bei DB, SJ und NSB selbst zusammengestückelt und etwa 154 Euro bezahlt.

Bevor ich aber in den Zug dorthin steige, war ja nochmal Bonn, zur Telekom-Stiftung. Hier bin ich genau von Mittwoch bis Freitag, bevor am Samstag Nacht der Museen ist (ich plane, im Physikalischen Verein zu helfen) und ich dann am Montag nach Bergen fahre. Wird stressig. Bei der Telekom jedenfalls soll ich einen Vortrag über meine Arbeit halten, als (mittlerweile) „Alt-Stipendiat“. Das wird mit Sicherheit nicht einfach, in 15 Minuten das Feld zu erklären, warum es interessant ist und was ich tatsächlich dabei tue. Herausforderung, Here I Come!

Nochwas: Ich war am 20. Februar beim Science Slam im Physikalischen Verein. So eine tolle Veranstaltung! Vor dem nächsten werde ich hier nochmal Werbung machen, ich habe sogar eine Idee, vielleicht mache ich selbst mit. Leider gewann nicht der beste Vortrag, sondern der letzte (zwei Boni: Das Publikum war warmgeklatscht und es war nach 6 Physikvorträgen der erste und einzigste Biovortrag). Aber sei’s drum, es war super

Facebook!

Original-Post

Kann Facebook diese Seite verbessern? Weiß ich nicht, aber seit ich in Facebook angemeldet bin, habe ich über verschiedene Seiten Motivationen bekommen, mehr (und vielleicht anderes) hierher zu schreiben. Also fange ich doch mal an.

Meine Pläne für das restliche Jahr sind recht vollgestopft und ehrgeizig; ich will meinen Abschluss machen und viel, viel Reisen. Beide Teile helfen sich nicht unbedingt… Zunächst die Reisepläne: Ich werde in nächster Zeit in die Rhön, nach Wien, nach Hannover (zur CeBIT) und nach Bonn (gleich 2× ― Telekom und DPG-Tagung) fahren, und natürlich an Pfingsten wieder ins Rodgau zur Orchesterfreizeit. Soviel steht fest.

Und dann kommen noch die ganzen Pläne, Orte, an die ich hinfahren möchte: Sofia (über Budapest, Bukarest, Belgrad, Zagreb und Ljubljana), doch das wird wohl erst im Sommer passieren. Bergen, mal wieder, vielleicht Ende April (genaueres weiß ich vielleicht in einer Woche). Amsterdam wollte ich mir auch mal angucken, aber ob das überhaupt noch dieses Jahr funktioniert, weiß ich nicht. Amerika — Detroit — wäre noch ein Long Shot, und wenn, dann wäre da ein Besuch in Portland, OR dabei. Und dann war da noch die richtig tolle Konferenz an der Côte d’Azur Ende Juni, auf die ich gerne möchte.

Das letzte bringt mich zu den anderen Plänen: Um nach Frankreich zu reisen, brauche ich ein Paper, also muss ich schnell arbeiten. Wenn meine Motivation stimmen würde, wäre das ja gut, nur… Ich nehme mir jetzt jedenfalls vor, ganz viel und ganz toll zu arbeiten. Dann klappt’s vielleicht auch mit Abgabe am Ende vom Sommersemester. Drückt mir die Daumen.

Und von den Reisen wird es mindestens Bilder geben!

Siste innføring om Norge

Original-Post

Letzter Eintrag über Norwegen. Wenigstens über mein Jahr dort. Warum noch was? Weil noch eine Info fehlt: Das Ergebnis der ganzen Sache. Heute halte ich mein Diplom in den Händen; es steht darauf „mit Auszeichnung“. Juchuh.

Ich habe auch mein Paper dazu fast fertig; bald werde ich alles hier irgendwo auf die Website stellen zum nachlesen. Mit geht’s wieder wirklich gut, alles super, bin wieder richtig da. Und heute habe ich den Weg in die Uni das erste Mal wieder mit dem Fahrrad bestritten (es waren übrigens 7355 km auf dem Tacho — also bin ich magere 1295 km in Norwegen gefahren).

Jetzt kommt die Promotion, hier in Frankfurt. Und vielleicht auch was Neues auf der Homepage, irgendwann. Mal sehen. Auf Wiederlesen

Resumee-Versuch

Original-Post (Tag 315)

So. Diplomarbeit ist abgeliefert, eine weitere Bewerbung (fast) abgeschickt, und ich sitze mal wieder im Zug von Göteborg nach Oslo und schreibe Blog. Und wahrscheinlich das letzte Mal (wenigstens für das nächste Jahr) mit dem Ziel Bergen. Die restlichen Sachen abholen, allen Tschüss sagen, und dann war’s das. Aber wie war’s eigentlich?

Alles in allem eigentlich gar nicht so schlecht. Ja, es war einsam, und eine Beziehung vor allem mit Internet-Telefonie aufrechtzuerhalten macht irgendwie keinen Spaß. Das selbe gilt für Freundschaften. Aber das ist eigentlich die Antwort auf die Frage, wie es war, ein Jahr weg zu sein, nicht auf die Frage, wie es ist, ein Jahr in Bergen zu sein.

Ich tue mich wirklich nicht leicht mit einer Antwort (ich drücke mich immernoch drum, merkt ihr’s?). Da wäre das Wetter. Wie war das eigentlich, so wirklich? Eigentlich empfand ich es wirklich nicht sonderlich schlimm. Ist das, weil ich ein Optimist bin und mir die Sonnentage stärker in Erinnerung geblieben sind? Oder weil ich einfach in Frankfurt nie die Sonnentage gezählt habe und sie mir deshalb so viel vorkommen? Immmerhin, 2006 war ein eher nasses Jahr in Bergen, auch für lokale Verhältnisse, und zwar vor allem der Herbst. Also, Wetter: Unentschieden.

Zum Wetter gehört natürlich aber auch was Anderes: Tageslänge. Vor allem im Winter. Ich habe da ja mal von berichtet. War nicht so toll, in der Tat. War das damals hauptsächlich die Dunkelheit wegen kurzer Tage oder die Dunkelheit wegen selten-klarer-Himmel? Ich möchte gerne letzteres glauben. Das macht das eben behauptete Unentschieden ein Sieg nach Verlängerung gegen Bergen. Astronomisch gewinnt Bergen eher, wegen des Frühlings und des Sommers.

Wie sind die Leute hier? Eigentlich alle ganz nett, aber viel hatte ich mit niemandem zu tun. Ok, aber ich habe auch in Deutschland mit nur wenigen Leuten viel zu tun und meistens ging das auch (leider) nicht grade von mir aus. (Doch, das meine ich ernst.) Also, einige Leute kenn ich hier, mit den habe ich auch manchmal was zusammen gemacht, enge Freunde habe ich nicht gefunden, hatte ich ja aber auch schon. Also, Leute: Unentschieden

Die Stadt an sich. Jahaha, so einfach geht’s nicht. Also: Die bebaute Stadt. Wirklich schön. Viele schöne Ecken, ein paar hässliche, und man kann eine Stadtführung problemlos in einem Tag (fragt Stefan und Felix) oder in drei Tagen durchführen (fragt Johannes). Ohne bei dem einen was zu vergessen oder bei dem anderen was doppelt zu machen. Allerdings liebe ich Frankfurt — unentschieden in der ersten Halbzeit.

Und die „unbebaute“ Stadt? Ich würde behaupten, einen sehr großen Teil der Kommune Bergen gesehen zu haben, das meiste vom Sattel aus. Und das war wirklich alles ziemlich schön. Mit norwegischer Landschaft kann halt nicht mal ein Grüngürtel mithalten, nicht mal mit Niddapark oder Stadtwald — Bergen gewinnt.

Essen. Ohne Ofen oder Mikrowelle und mit limitierten Fähigkeiten und Geldresourcen war mein Speiseplan eher ziemlich wiederholend. Essen gehen ist viel zu teuer, ebenso Bier. Apfelwein gibts nicht. Warmes essen kaufen daher nicht möglich — man kriegt ja mittags auch nix in der Uni. Kantersieg für Frankfurt.

Verkehr. Bahnfahren in Norwegen ist fast immer ein Genuss, keine Frage. Mittlerweile habe ich gehört, dass die Wagen, die ich hier so toll finde, sogar eher die unbequemeren sind — boah. Frühes 1:0. Der ÖPNV allerdings ist nicht so toll — über Busfahrer habe ich ja schon oft geschimpft, über die Pünklichkeit, glaube ich auch. Vielleicht ist das ja in drei Jahren besser, wenn es eine Stadtbahn gibt. Autofahrer sind hier nicht sooo toll, wie anfangs gedacht, aber vielleicht werde ich ja feststellen, dass sie immernoch um Klassen besser als Deutsche sind? Vielleicht sollte ich mich aber auch von Offenbach fernhalten. Fahrrad. Sehr, sehr gute Ansätze. Es hapert an einigen Stellen, aber das tut es, glaube ich, in Deutschland mindestens genauso. Dass ich es in Norwegen hatte, auch wenn ich es am Samstag wieder mitnehmen muss, habe ich keinesfalls bereut. Sagen wir, unentschieden (ich finde, ÖPNV zählt ne Menge)

Bleibt die Physik? Also, ich habe niemals so eine gute Diplomarbeit außerhalb von Norwegen geschrieben. Das heißt nicht, dass ich es nicht hätte. Also… wo zu sein, wo es einen Professor, einen Postdoc und eine Master-Studentin gibt, die etwas ähnliches tun wie man selber, ist einfach wesentlich schwieriger als es wo zu tun, wo 6 Professoren und gefühlte 100 Leute sowas tun und jede Woche zwei Vorträge dazu sind. Für den Rest der Gründe, fragt mich. Noch ein Kantersieg für Frankfurt.

Mehr Punkte fallen mir jetzt nicht ein. Zusammenzählen tu ich nicht, denn ich möchte die einzelnen Punkte nicht gegeneinander wichten müssen. Ich bin froh, ein Auslandsjahr zu haben, Erfahrungen mitzubringen, auch viel gelernt zu haben, und jetzt guten Gewissens erstmal in Frankfurt bleiben kann.

PS: Das war noch nicht der letzte Eintrag, versprochen!

Genf

Original-Post (Tag 304) Genf. (Ach, was.)

So, lange nix mehr gewesen, ne? Naja, es ist ja auch ein Norwegen-Blog, und da bin ich nun nicht mehr. Und was soll ich schreiben, wenn die, für die ich schreibe, es sowieso mitkriegen? Naja, jetzt bin ich am CERN, schon den vierten Tag. Gestern habe ich einen Vortrag gehalten, 16 Minuten, 14 Folien, ging ganz gut. Das Wetter hier begann besser als der Regen, den ich in Frankfurt verlassen hatte, aber gestern nachmittag holte er mich ein, jetzt ist es wolkig, aber trocken.

Die Unterkunft ist ganz gut, großes Zimmer (ich schätze, 2½ × 6 Meter) mit Waschbecken, Schrank, Schreibtisch und Bett. Nur Internet ist hier ein Problem.

Ich bin hier jetzt noch eine Woche, dann gebe ich die Arbeit ab, und dann… fertig… puh… Will gar nicht dran denken, nicht jetzt jedenfalls.

Achso, ja, danke für alle Geburtstagsgrüße!

‚Øst-Mafia‘

Original-Post (Tag 286) „Ost-Mafia“.

Nur ein kleines Update — ich fand das Ergebnis des Eurovision Song Contest zwar eher enttäuschend, aber ich sehe ja ein, dass Serbien von überall Punkte bekommen hat. Bildblog bestätigt das jetzt; jeder, der der Meinung ist, die Punktevergabe sei ja sooo ungerecht, möge sich bitte mal die Tabelle angucken, die Bildblog generiert hat — das Abstimmungsergebnis, wenn man alle osteuropäischen Stimmen weglässt. Wer keine Lust hat, dem Link zu folgen: Es ändert sich fast nichts.

Serbia!?

Original-Post (Tag 285). Serbien!?

Jaja, ich weiß, von deutschprachigem, recht textlastigen Swing kann man keine gute Platzierung erwarten, ja. Aber als ich gestern — über Internet-Livestream — den serbischen Beitrag zum Eurovision Song Contest gehört bzw. gesehen habe, dachte ich „na, besser als die sollte Roger Cicero aber auf jeden Fall sein“. Und dann gewinnen die. Mein Favorit war Schweden, und die sind grade zwei Punte vor Deutschland gelandet… es gibt keine Gerechtigkeit.

Und die Eintracht ist nächstes Jahr wieder erstklassig, weil Bremen (wie auch Schalke) keine Lust hat, deutscher Meister zu werden — Idioten. Naja, mich freut’s. Dafür hat Mainz keine Chance mehr, buhuhu.

Einen Kommentar kann ich mir nicht verkneifen: Westerwelle lügt. Angesichts der nicht-Begnadigung eines ex-RAF-Terroristen behauptet der Chef der freien Liberalen, dass es ein „Keine Gnade ohne Reue“ ein Grundsatz im deutschen Rechtssystem sei. Was er verschweigtübersieht ist, dass es überhaupt nicht auf Reue ankommt.

Nun ja. Ich bin momentan nicht sehr motiviert zu schreiben, weil ich befürchte, dass ich einfach nicht so viel über meine Ergebnisse schreiben kann, weil sie alle gleich aussehen. Mal sehen, vielleicht sind die Nächsten ja etwas interessanter. Dafür war ich gestern sehr motiviert, zu packen. Und siehe da: Ich kriege fast alles mit einem Mal nach Frankfurt. Alles, was ich hierlasse(n muss) sind die Fahrradsachen (naja, Ersatzschlauch, Pumpe, Werkzeug nehm ich schon mit, aber Helm, Handschuhe, das Fahrrad nicht), meinen Ordner mit Mietvertrag und so, den brauch ich auch noch, eben so wie ein Restposten an Küchensachen. Selbst Decke und Kissen schaffe ich schon dieses Mal nach Frankfurt, im Juni habe ich dann hier noch Schlafsack und Isomatte; für drei Nächte geht das schon.

Meine ToDo-Listen sind mittlerweile extrem zusammengeschrumpft, ein großes ToDo ist die mündliche Norwegisch-Prüfung morgen um 13:15, und natürlich die Party heute abend (vielleicht war die Planung da etwas schlecht? Egal). Und dann nur noch warten, den Koffer ein letztes Mal zumachen (ich bin mal gespannt, wieviel der wiegt — ich muss in Frankfurt unbedingt dran denken, ihn zu wiegen!), zum Bahnhof und ab die Post äh der Zug äh also…

Leseorm

Original-Post (Tag 280) Lesewurm.

Am Wochenende habe ich tatsächlich damit angefangen, zusammenzupacken. Nicht so richtig, aber schon ein bisschen. Seit Sonntag ist es richtig schlechtes Wetter draußen, ich habe eben das erste mal seit Samstag wieder die Sonne gesehen. Das korrigieren eines Bugs ließ scheinbar auf einmal alle meine Daten schlecht aussehen, dachte ich, bis ich herausfand, dass es nur an schlechter Statistik liegt — ich fand das vor ein paar Stunden, nach fünf Tagen Suche, raus. Und obwohl schlechte Statistik eigentlich nicht so viel Zeit braucht, musste ich trotzdem viel warten. Zwei Bücher las ich daher, eines davon war für meine Rückfahrt vorgesehen, also kaufte ich zwei weitere, von denen ich jetzt also noch eines übrig habe. Jetzt muss ich mich wieder eine Woche lang zurückhalten…

Heute morgen war die Norwegisch-Klausur; für viereinhalb Stunden angesetzt, ich war nach zwei fertig (inklusive einem Diktat, das alleine vierzig Minuten gedauert hat), und ich fand es verdammt leicht. Mal sehen, wie’s geworden ist, Montag (13:15) ist ja noch die mündliche Prüfung dazu. Ansonsten ist meine Planung für nächste Woche sehr leer (was will ich hier eigentlich noch?) — einmal Kaffeetrinken mit Špela, eine Abschiedsparty, die der Gastwissenschaftler aus Budapest (Péter Ván) eigentlich für sich selbst organisiert, und… achso, arbeiten. Muss ich jetzt auch wieder — tschö!

Siste Forlesning

Original-Post (Tag 277) Letzte Vorlesung.

Gestern. Soo, viel passiert diese Woche? Mmh, irgendwie nicht. Viel Arbeit jetzt halt. Ich produziere jetzt echte tolle (naja, das zeigt sich noch) Daten. Und einige davon habe ich Laszlo am Donnerstag gezeigt, und er gab sehr produktive Hinweise, was ich noch machen könnte, ab.

Blöderweise entdeckte ich dann einen Fehler, der in sehr unwahrscheinlichen Fällen das Programm zum abstürzen bringt. Und außerdem irgendwie eigentlich falsche Daten produzieren müsste. Mein erster Bugfix hat dann wirklich falsche Daten produziert, sodass ich die Rechnungen von zwei Nächten und dem Tag dazwischen momentan neu laufen lasse. Mit einem Bugfix, dass richtig aussieht und auch sinnvolle Daten produziert.

Schreiben tue ich momentan nicht, da ich eigentlich schon an dem Punkt bin, an dem ich nur noch über Ergebnisse schreiben kann, und auf die warte ich ja wie gesagt jetzt. Dafür habe ich die letzten Vorlesungen gehabt, jetzt gibt’s noch Norwegisch-Klausur am Dienstag morgen und die mündliche Prüfung dazu am Montag drauf. Ansonsten habe ich diese Woche ein das Abstract für’s CERN geschrieben, meine Bewerbungen für’s Stipendiat abgeschickt, mal wieder Bilder sortiert, norwegische Flaggen gekauft, und mich seelisch darauf eingestellt, nächstes Wochenende schon zu packen.

Das Wetter ist unwahrscheinlich toll momentan; den neunten Tag hintereinander sonnig bis zum geht-nicht-mehr (morgen soll’s wieder mal regnen, nagut…); nur seit Dienstag fängt jeder morgen mit richtig dickem Nebel (Sichtweite unter 50 Metern) an. Aber es ist einfach wunderschön, bei Sonne im Frühjahr durch diese Stadt Rad zu fahren. Irgendwie merkwürdig — ich weiß, dass ich es hier vermissen werde, wenn ich endlich wieder in Frankfurt bin. Das heißt, naja, irgendwie nicht merkwürdig, sowas war ja eigentlich zu erwarten, oder?

Viddetur med Sykkel

Original-Post (Tag 272). Bergsteigen mit dem Fahrrad.

Das tat ich am Sonntag. Immernoch super Wetter, aber wie in Deutschland wird’s auch hier langsam kälter. Aber Pflanzen sind hier noch nicht am vertrocknen…

Nun, also, am Sonntag also Fahrradtour. Um neun Uhr ging’s schon los — dass ich bis acht schlafen konnte, war schon eine Ausnahme, aber dazu später mehr — nach Süden. Es lief sehr gut, und bald wähnte ich mich vor der ersten Herausforderung: 10 Kilometer lange Steigung. Doch, was war? Pustekuchen. Es ging sogar eher bergab. Dabei hatte das so nach einem Tal ausgesehen, das nach oben ging… Also, 10 Kilometer später war ja noch nix gewesen, also wieso nicht weiterfahren, auf dem Wanderweg, breit genug ist er ja. Kies- und Schotterweg, aber wenigstens recht fester Untergrund. Und wenn ich den durchhalte, dann komme ich auf der anderen Seite wieder an den Fjord, das wäre ja ganz toll. Nun ja, ich mach’s kurz, der Weg wurde immer schlechter, und ich hatte nicht das Gefühl, viel Höhe zu gewinnen, deshalb entschloss ich mich, umzukehren. Was ärgere ich mich jetzt! Auf dem Rückweg merkte ich, wie sehr viel Höhe ich doch schon gewonnen hatte. Naja. Dann „kurz den Berg hoch“ und ein anderes, paralleles Tal runter, stand auf dem Plan. Und hätte ich nicht genau gewusst — zwei Wanderer hatten dies bestätigt — dass es in diesem Tal wirklich sehr bergab geht, hätte ich aufgegeben. Für dieses „kurz den Berg hoch“ — 3 km — brauchte ich etwa 45 Minuten. Ich habe gelitten.

Aber dann, wie gesagt, eine Abfahrt sonders gleichen. 8 Kilometer schnurgerade nach unten, das hat mich wieder entschädigt. Danach, auf dem Rückweg, sah ich dann ein Denkmal für die alte Schmalspurbahn von Nesttun nach Os. Am Ende war ich 70 Kilometer gefahren.

Dafür fühlte ich mich heute nicht so produktiv, was aber wahrscheinlich gar nicht berechtigt ist, wenn ich mal so drüber nachdenke. Die Tage werden hier länger und länger, selbst jetzt, zwanzig nach elf, ist noch ein heller Streifen am Horizont, und morgens, wenn ich aufwache, ist es taghell. Und das weckt mich auf. Dadurch habe ich aber keinesfalls zu wenig Schlaf, ich gehe momentan recht früh ins Bett (erwischt — heute nicht).

Vogel-Gezwitscher ist mir begegnet bei meinen ausgedehnten Pausen auf diesem Ausflug:

An dem Berg ging es vorbei, erst rechts (da wo ich umkehrte), dann links (da wo’s so verdammt weh getan hat).
Ich will keine Filme hier einstellen, ansonsten hätte ich hier jetzt die obligatorischen 10 Sekunden Wasserfall ☺ Das war auf dem Weg zurück.
Auch auf dem Weg zurück, weiter unten.
Meine grüner-Saft-Wiese. Das ist jetzt mein Bildschirmhintergrund (in 1024×768).
Stend. Der letzte Teil der alten Bahn von Nesttun nach Os, deren sehr flache Trasse heute als netter Fahrradweg dient, der nur leider viel zu voll war, zum Beispiel mit den Kerlen auf dem Foto, die zu doof waren, zur Seite zu gehen (und sie haben’s versucht!)

Korte-Bukser-Vær

Original-Post (Tag 270) Kurze-Hosen-Wetter

Und zwar volle Kanne. Noch kein Bikini-Wetter wie in Deutschland, aber immerhin. Sollte es morgen wieder schlecht werden, bin ich sauer, denn eigentlich wollte ich einen Fahrradausflug machen. Aber es sieht gut aus.

Und zwar in jeder Hinsicht. Ich arbeite meine To-Do-Listen jetzt ab, und fühle mich weiterhin sehr produktiv. In der Tat habe ich heute den ersten Korrelationsplot fabriziert — eben jene Art von Plots, die die physikalischen Ergebnisse meiner Arbeit enthalten werden. Ich hatte schon gezweifelt, ob ich das überhaupt noch schaffe, aber mir ist eine Idee gekommen, wie ich das wesentlich einfacher machen kann. Wenn ich morgen nach dem Ausflug noch Muße finde, werde ich ein Programm schreiben, was mir diese Plots schön und vor allem automatisch macht. Auf den Plots konnte ich schon herauslesen, dass das, was ich das letzte halbe Jahr lang produziert habe, keinen Mist baut, mein „analytischer Testfall“ funktioniert. Also, sehr euphorisch grade, was das angeht.

Und die Arbeit schreiben funktioniert ebenfalls recht gut — ich bin jetzt bei 30 Seiten, ohne Bilder 25 — ohne den Ergebnis-Abschnitt, habe ja noch keine. Horst sagte, es sollen so 40 Seiten plus Abbildungen und Anhang sein, und ich denke, die schaffe ich locker. Juchu! Außerdem Rückmeldung aus Genf bekommen, meine Unterkunft während der Konferenz Anfang Juni ist gesichert, und die letzten Fahrkarten und Platzreservierungen für meine letzten Fahrten nach Bergen und zurück habe ich auch: Ich werde endgültig am Sonntag, den 17. Juni um 6:29 am Südbahnhof ankommen. Das wird dann Tag 320 sein.

Montag gebe ich meine Mietvertragskündigung ab, und mache meine Doktor-Bewerbung fertig und schicke sie ab, hoffentlich, wenn nicht zuviele Leute, die ich dafür brauche, langes Wochenende machen. Und, da ich jetzt ja mit großer Sicherheit Ergebnisse kriege, werde ich ein Abstract an die Organisatoren besagter Konferenz schicken (also eine Zusammenfassung von dem, was ich denen vortragen werde). Juchu, juchu, juchu. Ich hoffe, euch allen geht es auch gut.

 

Opplop

Original-Post (Tag 268) Endspurt.

Heute habe ich vor allem To-do-Listen gemacht; einen Kalender angelegt und mich um meine Doktor-Arbeits-Stipendiums-Bewerbung gekümmert. 20 Tage noch, dann bin ich wieder in Frankfurt — einen Tag früher als gedacht. Etwas doof: In der Nacht auf den Feiertag 17. Mai fährt die Norwegische Staatsbahn zwar noch die Nachtzüge, die von Samstag auf Sonntag nicht fahren, aber der Rest ist dann Sonntagsfahrplan, und an Sonntagen kommt man nicht mehr rechtzeitig nach København, um dort den Nachtzug zu nehmen. Also einen Tag früher. Nächstes Problem: Die CityNightLine bietet zwar augenscheinlich immernoch Supersparpreise an, nur die sind angeblich auf Monate hinweg ausgebucht. Wer’s glaubt. Der Zug, den ich im Oktober genommen hatte, fährt jedoch zusammen mit einem Zug nach München, in Fulda werden sie getrennt — und ab Fulda kann ich auch mit meinem Semesterticket weiterfahren. Das ist also mein Plan; ich komme an Christi Himmelfahrt an.

Meine interne Deadline für das Fertigstellen und abgeben der Arbeit ist noch weiter nach vorne gerückt, statt Mitte Juli peile ich nun den 11. Juni an (Montag), und hoffe, dass ich dann am ersten Juli mit meiner Doktorarbeit beginnen kann. „Möglich“ wurde diese Vorverlegung dadurch, dass ich in den letzten Tage recht viel geschrieben habe und dadurch viel Zuversicht getankt habe.

Tja, dadurch gibt’s nicht viel mehr zu erzählen; ab morgen soll es besseres Wetter werden, das Grün des Rasens draußen wird langsam saftig, und auf den Bäumen kommt es langsam zurück. So wie ich bald nach Deutschland.

Regnet hilser

Original-Post

(Tag 265) Der Regen grüßt.

Die meisten meiner Leser habe ich ja letzte Woche gesehen, deswegen ganz kurz: Die restlichen Tage mit Johannes waren einfach super, der Flug war ok. Bilder folgen vielleicht. Ich vermisse Frankfurt mehr denn je. Die Fahrt nach Bergen war… naja, lustig. Erste Prämisse waren 13 Minuten Umsteigezeit in Hamburg Hauptbahnhof (dorthin brachte mich ein über Nacht und Ruhrgebiet verkehrender IC). Und es ging mit sechs Minuten Verspätung los… Kein Problem, in Koblenz war 18 Minuten Aufenthalt, Loktausch. Abfahrt pünktlich. Doch das Abenteuer hatte grade erst begonnen…

Noch vor Andernach war eine Baustelle, auf dem Gleis Richtung Köln, nach der Vorbeifahrt eines südwärts fahrenden Zuges fuhren wir dann auf dem „falschen“ Gleis weiter. Das wäre an sich nicht so schlimm gewesen, hätte ich mich nicht an das Zugunglück von Brühl erinnert — selbe Strecke, selbe Situation, auch Nachts, andere Richtung, neun Tote. Irrtümlich nahm ich auch an, dass damals der zweite Wagen um den Bahnsteigspfeiler gewickelt hatte (ich saß im zweiten Wagen), doch jetzt, wo ich mich drum kümmere, stelle ich fest, dass es der dritte Wagen war. Aber passiert ist ja eh nichts. Die Verspätung durch diese Baustelle war auch nicht schlimm, bei 32 Minuten Aufenthalt in Dortmund (danach waren noch ein paar Schlaf- und Liegewagen am Zug dran). Das hatte ich alles gar nicht mehr mitbekommen, aufgewacht bin ich in Osnabrück. Mmh. Abfahrtszeit verstrichen, nichts los, Signal auf Fahrt, aber Türen auf. Was los? Zwölf Minuten Verspätung am Ende, und vor Bremen kam die Durchsage, es sei ein „Bundespolizeieinsatz im Zug“ gewesen, Details kenne ich nicht. Und noch zweimal auf dem falschen Gleis fahren, das kostet doch Zeit!!

Nochmal gecheckt. 13 Minuten in Hamburg ist das Ziel. In Bremen wider erwarten nur noch neun Minuten. Irgendwo in der niedersächsischen Pampa fahren wir offensichtlich einem anderen Zug auf; dreimal recht kurz hintereinander kommen wir fast vor einem Halt gebietendem Signal zum stehen. Oh Verdammt!

Allerdings, zu meinem riesigen Erstaunen, sind wir drei Minuten vor Ankunftszeit in Hamburg-Harburg und eine Minute zu früh am Hauptbahnhof. Alles Gut gegangen.

Der Rest verlief ganz gut, mit dem Zug auf die Fähre zu fahren war schon eine lustige Sache (abgesehen davon war die Fähre irgendwie häßlich). Ankunft in København war pünklich, doch dann musste ich rennen, weil der „Zug nach Malmö“, der auf das andere Gleis verlegt wurde, doch bis Göteborg fuhr. Die letzten neunzig Minuten dieser Fahrt döste ich weg, war auch nötig nach nur drei Stunden schlaf. Kühle, frische Luft in Göteborg lies mich wieder etwas klarer werden, und die Fahrt nach Oslo las ich.

Und dann, es grämt mich, das zu sagen, stellte ich den großen Nachteil an Bahnfahrten in Norwegen fest: Die letzte Sitzreihe im Zug. Weniger Beinfreiheit als überall sonst, und man kann die Sitze nicht verstellen. Und genau so einen Platz hatte ich. Und der Zug war voll. Dabei hatte ich mich schon gefreut, gut schlafen zu können, müde genug war ich. Am Ende hat es nicht lange gedauert, bis ich einschlief, war ein paar mal wach, aber es ging grade so.

Schon in Schweden hatte es geregnet, und hier ist es keinen Deut besser.

Und jetzt sitze ich mit ungewaschenen Haaren im Büro, warte darauf, dass ich mich um meine plötzliche Beurlaubung für’s Sommersemester kümmern kann (andere Geschichte), und dass eine Vorlesung ist, dann essen, dann Norwegischkurs, dann heim. Und schlafen…

Alltid mot vannet

Original-Post (Tag 255) Immer dem Wasser entgegen.

Das war das Motto von unserer Besteigung des Ulriken. Jaha! Wetter ist super und ich kann Johannes richtig viel zeigen. Und spontan hatten wir uns dazu entschlossen, den Ulriken hochzulaufen. Die dafür gekaufte Wanderkarte hat sich als recht nützlich erwiesen, und der Weg führte eben meistens durch kleine Bäche nach oben. Zum Glück ist der Sandstein auch nass nicht rutschig. Oben angekommen wollten wir dann mit der Seilbahn runterfahren, doch die fuhr schon um halb sechs nicht mehr. So ein Mist. Den Abstieg und Aufstieg haben wir dann gestern bei der Stadtbesichtigung sehr deutlich in den Beinen gespürt.

Heute wurden wir um sechs vom Feueralarm geweckt, da kriegt Johannes also auch das richtige „FantoftFeeling„, und nachher gehen wir hier noch etwas spazieren. Morgen kommt dann der riesige Ausflug über Flåm und Myrdal dran, und übermorgen dann die Heimreise.

Verden lever igjen

Original-Post (Tag 252) Die Welt lebt wieder.

Nein, nein, kein Frühling ausgebrochen hier, nur ist einfach Ostern vorbei. Und das bedeutet bei den Norwegern, dass sie wieder da sind. Letzte Woche sind die Busse Montags bis Mittwochs Samstagsfahrplan gefahren, und ab Donnerstag Sonntagsfahrplan. Stellt euch das mal in Frankfurt vor…

Ich habe heute schon Maneuverkritik für meine Folien für den Vortrag in Frankfurt nächste Woche bekommen, überwiegend positiv, aber ein paar Sachen muss ich ändern. Und meine Osterferien beginnen ja sowieso erst nachher. Naja, nicht ganz; gestern war Stefan ja da (Fotos habe ich noch nicht), und das war ein richtig schöner Tag gewesen. Vormittags, als es noch gutes Wetter war, sind wir auf Fløyen rauf, schöne Aussicht, klares Wetter, und nachmittags bei schlechtem Wetter (die Wolken hingen tiefer als wir vorher waren) war die Stadtbesichtigung vorbei und ich konnte noch mit auf’s Schiff kommen, um mit ihm und seinem Vater zu essen. Sehr schönes Erlebnis.

Leider ist mir die Laune später schlagartig vergangen, was nicht am nun einsetzenden Dauerregen gelegen hat; sehr schlechte Nachrichten von daheim. Mehr kann ich nicht drüber schreiben.

Anderes Thema. Computer. Den Büro-PC habe ich tatsächlich wieder hingekriegt, nur die Soundkarte will noch nicht so ganz wie ich will, und dann habe ich mich noch um meinen Laptop gekümmert, als ich das Betriebssystem neu installiert hatte und mein Lieblingsbrowser immernoch nicht ging, las ich im Internet, dass ich gar keinen Mist gebaut hatte, den ich für das plötzliche nichtmehrgehen verantwortlich gemacht hatte… Nun, ich muss vorerst mit Iceweasel (also, Firefox) vorlieb nehmen, und warten.

Wetter in den nächsten Tagen… ich schreib lieber nichts *grummel*. Oder vielleicht dann doch, wie es war, aber jetzt nicht. Alleine der Weg in den Norwegisch-Kurs vorhin hatte schon gereicht, eigentlich! Ob Johannes mir überhaupt glauben wird, dass der Himmel in Bergen auch blau ist?

God Påske!

Original-Post (Tag 249) Frohe Ostern!

Nicht, dass ich mich dieses Jahr sehr um Ostern scheren würde. Den Karfreitag habe ich im Büro verbracht, um meinen PC zu fixen, dabei habe ich an meinem Vortrag gebastelt und mich über Schnee draußen gewundert. Und den gibt’s heute immernoch, er bleibt sogar liegen. So wie’s aussieht, werden Stefan und Johannes also Bergen im Schnee erleben, hoffentlich auch in der Sonne.

Heute werde ich auch wieder in die Uni gehen, ich glaube — bzw hoffe — dass ich sehr nahe dran bin, den PC wieder zum Laufen zu bringen. Und morgen ist mein Tag 250, mmh, ich habe gar nichts zu feiern, naja, ich muss eh eher arbeiten, feiern kann ich die nächsten zwei Wochen noch genug, und dann auch in (sehr netter) Gesellschaft.

Noch mal zum Wetter — die letzten Tage von Frühling zu Winter, und ich habe keine Ahnung, wie lange das noch anhält. Wenigstens ist es mittlerweile wieder lange hell — gestern um neun war es noch recht gut — und auch bei dichter, tiefhängender Wolkendecke um halb zehn morgens (jetzt) ist es verdammt hell, nicht so wie im Dezember (ja, ich weiß, das war absehbar, aber… trotzdem schön zu merken). Und die Wolken hängen wirklich sehr sehr tief heute. Naja, mal sehen, wie es so weiter geht.

Skrivefeil II

Original-Post (Tag 246) Schreibfehler II

Ist ja nicht so, dass ich zuviel Zeit hätte; die Festplatte, die meinem Büro-PC Anfang März Probleme gemacht, war tatsächlich kaputt; jetzt darf ich mich schon wieder darum kümmern. War gestern aber schlimmer als heute; bei den erfolglosen Versuchen, da drumrumzuarbeiten, hatte ich nichts zu tun; heute habe ich meinen Laptop dabei und kann nebenbei weiterprogrammieren, Plots erstellen und z.B. was auf meine Homepage zu schreiben.

Ostern ist sehr nahe, und wenn ich mich auch nicht österlich fühle, merke ich es an jeder Ecke; der Bus fährt seltener und ich brauche meine Schlüsselkarte, um ins Gebäude zu kommen (sonst braucht man die nur zwischen 16:20 und 7:40 Uhr). Und es ist tatsächlich nichts los. Das Wetter wurde pünktlich zum April… nun, aprillich. Sonne Regen Sonne Regen, jeweils einen Tag lang. Aussicht gibt’s bis Dienstag, der Samstag soll richtig schlimm werden, dann wieder besser, und eine Extrapolation verrät mir, dass es dann wieder sonnig ist… naja, viel drauf geben tu ich allerdings nicht.

Beim Workshop in Frankfurt soll ich einen Vortrag halten, habe gestern ein Abstract eingeschickt und versuche jetzt erstmal Plots zu machen und dann dadrum rum eine Präsentation aufzubauen, hoffentlich klappt das soweit, mal sehen.

Und hoffentlich ist das System auf diesem *grr*-PC da neben mir auch bald mal installiert…

Naken kvinner lærer fort å spinne

Original-Post (Tag 242) Nackte Frauen lernen schnell, zu spinnen. Oder, wie wir Deutschen eher sagen würden, Not macht erfinderisch.

Alternativtitel heute ist Konsertbilans, Konzertbilanz, denn viel mehr als zwei Konzerte war nicht gewesen die letzten Tage.

Mit geliehenem Blazer:

Nun ja, die Komplettansicht. Ich guck da zwar ein bisschen doof, aber egal. Foto aufgenommen von Anja. Danke.

gebastelter Fliege:

…und eine Detailansicht der Fliege.

sang ich zweimal Rossini’s Stabat Mater. Irgendwie fand ich den Dirigenten nicht so toll, und beim zweiten Mal hat das Orchester auch irgendwie Mist gebaut, aber die Solisten — und der Chor — waren gut, und das singen hat viel Spaß gemacht. Die Erkältung hatte zum Glück im Laufe beider Tage stark nachgelassen, denn nach dem aufwachen ging stimmlich erstmal gar nix (heute wieder). Muss mich mal richtig ausschlafen. Für nächste Woche Mittwoch ist geschlossene Wolkendecke angesagt, und (sehr wenig) Regen für Dienstag und Donnerstag, schade eigentlich, aber beschweren werde ich mich nicht (siehe Wetterstatistik für März — und die eine Woche Pralltage in Nantes ist da nicht mal dabei!). In der Tat, so gut war es noch nie gewesen, nicht mal im August und September — und genau für eine solche Erkenntnis habe ich die Wetterstatistik am Anfang begonnen! Toll.

In der Physik ist’s wieder etwas schleppender, fühlt sich momentan nach Achterbahn an; mal alles super, dann wieder nicht so, deswegen bitte nicht Angst haben, es wird schon.