Telefon und Internet: Umziehen oder lieber gleich weinen?

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Ich bin ja umgezogen. Da ich gerne meine Telefonnummer behalten wollte, konnte ich alte und neue Mitbewohnerinnen davon überzeugen, dass ich den WG-Vertrag bei 1und1 mitnehme. Problem Nummer 1: der gehörte noch offiziell einem ehemaligen WG-Mitglied. Da ich innerhalb einer Großstadt umzog, war in der neuen Wohnung natürlich DSL vorhanden. Es sollte ein Upgrade geben: statt 2000er (oder war’s 6000er?) DSL jetzt ein 50000er-VDSL. FÜr 30 Euro im Monat.

Am 5. Dezember, 5 Tage nach dem Real-Life-Umzug, beantrage ich den Umzug fürs Telefon, und mein „so schnell wie möglich“ las sich dann als „bitte am 6. Dezember”, wohlwissend, dass dieser Termin nicht eingehalten werden könne.

Das Nichteinhalten des Termines jedoch veranlasste 1und1 dazu, sich schlecht zu fühlen und mit einen SurfStick für mobiles Internet kostenlos zuzuschicken und mich damit einen Monat lang kostenlos surfen zu lassen (danach 2 Euro pro Tag). Mit immerhin 200 schnellen Megabyte pro Tag – mein Mobilfunktarif bei Mobilcom gibt mir 200 MB pro Monat schnell. Außerdem würde man meine Rufnummer bis zum Umzug auf mein Handy umleiten. Auch kostenfrei.

Für die Vertragsumschreibung brauchte ich eine Perso-Kopie und eine Unterschrift vom alten Besitzer, gut, die konnte man irgendwie auftreiben. Durch Nachfragen bei der 1und1-Hotline fand ich dann auch heraus, dass ich diese Daten nicht unbedingt per Fax oder Brief (Willkommen zurück in den 80ern) schicken muss, sondern durchaus auch per e-Mail („das ist uns sogar am liebsten!“). Bravo, dann schreibt das doch mal in eure e-Mails rein, anstatt immer nur Fax oder Brief vorzuschlagen.

Es war dann zwar noch schwer, denen klarzumachen, dass in dem von mir mitgeschickten PDF auf der zweiten Seite auch die Ausweiskopien von mir drin sind, aber das ging dann doch über die Bühne. Enter Problem 2: Die Telekom.

Ja, in der neuen Wohnung gibt’s DSL, aber das rückt die Telekom nicht an andere Netzbetreiber heraus; sie können eine bestimmte Menge von Netzkontingent für sich reservieren, wenn sie bauen. (Ich habe mich mal darüber geärgert, dass die DB Netz nicht genügend vom Rest des Konzerns getrennt sei und dass der Wettbewerb auf der Schiene darunter sehr leide. Bei der Telekom gibt es nicht mal eine pro-forma-Trennung von Netzbetreiber und Dienstleistungsanbieter, und bei der Bahn gibt es wesentlich mehr als das.) 1und1 bot mir eine Alternative an: Ich könne eine UMTS Surf-Flat haben, ohne Telefon leider, aber, hey! LTE mit 7200 MBit/s. FÜr nur 30 Euro im Monat!

Genau: 1und1 bietet mir als Ersatz für 50000 MBit/s plus Telefonmitnahme und 30 Euro pro Monat 7200 MBit/s ohne Telefon für denselben Preis an. Ein Siebtel der Leistung. Mir war recht schnell klar, dass das keine Alternative ist. Dankenswerterweise hat 1und1 keine Frist gesetzt, bis zu der ich mich entscheiden müsse. Bei der Hotline wurde mir zugesagt, dass ich eine dreimonatige Sonderkündigungsfrist zum Beantragten Umzugsdatum habe, weil das ja nicht funktioniert habe und ich daran keine Schuld trage. Bis ich irgendwas anderes in trockenen Tüchern habe, wollte ich das Angebot von 1und1 erstmal nicht ausschlagen.

Was also tun? Die Telekom verlangt 40 Euro im Monat, andere Anbieter helfen mir mit dem DSL auch nicht weiter (und das wäre möglich: Wenn ich einen Vertrag bei der Telekom mache, ohne Mindestvertragslaufzeit, und dann woanders hingehe, muss die Telekom die Leitung, die sie für mich geschaltet hatte, freigeben. Die Kosten, die mir bei der Telekom entstünden, müsste ich aber komplett selbst tragen). Letztendlich kam die Idee auf, auf DSL zu verzichten und statt dessen übers Fernsehen das Internet zu bekommen. Anbieter hier ist vor allem Unitymedia, bei denen wir durch die Mietnebenkosten ungewollt sowieso schon Kunden sind.

Das Kabelmodem von Unitymedia ist zwar schrottig und kaum konfigurierbar, und Portweiterleitungen habe ich auch nach sechs Wochen noch nicht einrichten können, aber meistens funktioniert das W-LAN mittlerweile recht zuverlässig und das Telefon geht auch. Mit einer neuen Nummer.

Zwei Tage nach der Online-Bestellung kam das Modem bei uns an, ohne Rechnung, ohne „schön, dass sie sich für uns entschieden haben“-Heuchelbrief, einfach so. Ausgepackt, eingeschaltet, geht nicht. Kundenservice: dauert noch zwei Tage.

Zwischendurch wieder 1und1: Über die Weihnachtsfeiertage habe ich festgestellt, dass die Rufnummernumleitung auf mein Handy nicht mehr funktioniert. Information von 1und1? Fehlanzeige. Auf Nachfrage wird mir dann erklärt, dass die ja nur für den Umzug geschaltet gewesen sei und der Umzug ja geplatzt ist. Die Nummer ist einfach gar nicht mehr geschaltet, aber drei Monate noch auf mich reserviert.

Unitymedia schafft es unterdessen immernoch nicht, mal was zu schicken. Vertragsbestätigung oder so. Also, Kundenhotline. Ich schicke Ihnen direkt das Portierungsformular raus. Mehrere Stunden später nochmal angerufen: Ja, das dauert immer, alle unsere Mails müssen durch das Lektorat. Vielleicht hat die Kollegin einen vollen Postausgang, ich schicke es auch nochmal. Am nächsten Morgen hatte ich dann drei Mails mit gleichem Inhalt. Und dann, ein paar Tage später, auch mal einen Brief, in dem das PDFs aus den E-Mails grade ausgedruckt war. Ausgefüllt, unterschrieben, diesmal wirklich als Fax geschickt, und gewartet.

Mit der Portierung beauftrage ich Unitymedia auch, meinen Vertrag bei 1und1 zu kündigen. Nach zwei Tagen also einen Brief von 1und1 bekommen, dass es ja schade ist, dass ich nicht mehr Kunde sein will, und dass mein Vertrag also fristgemäß zum 5.1.2015 endet, also nach Ende der momentanen normalen Vertragslaufzeit. Jetzt kommt das Meisterstück von 1und1.

Natürlich kann Unitymedia nicht irgendwelche Sonderkonditionen, die ich bei 1und1 habe, nachvollziehen, also rufe ich bei der 1und1-Hotline an. Dort werde ich eine Stunde lang von Sachbearbeiter zu Sachbearbeiter weitergeleitet, mir wird wahlweise erzählt, eine vorzeitige Vertragsauflösung ginge gar nicht, könne ich nicht beantragen, wäre nicht bekannt, ich müsse Unitymedia die Portierung zurücknehmen lassen und selbst kündigen und vor allem fünf mal: Ich bin nicht zuständig, ich verbinde sie mal weiter. Nummer sechs kann mir dann endlich helfen, schreibt mir eine E-Mail und warnt mich vor, dass ich meine Ummeldebescheinigung werde schicken müssen. Natürlich auch als E-Mail. Direkt vor dem Urlaub habe ich also alles geschafft, und der Portierungstermin fällt in den Urlaub, so dass ich heimkommen müsste und alles(*) funktioniert. (*: außer der Portweiterleitung)

Natürlich ging es dann erst zwei Tage nach dem Urlaub.

baeuchle

Autor: baeuchle

Baujahr 1984, Maikind. Geboren in Frankfurt, aufgewachsen in Frankfurt, bis ins Alter von 31 Jahren eigentlich immer Frankfurt. Jetzt Kassel. Ausführliche Vorstellung

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