Jobsuche

Original-Post

Am 30. Juni 2014 war mein Vertrag am FIAS, einem Forschungsinstitut „neben“ der Uni Frankfurt, ausgelaufen. Die Gründe, warum ich nicht verlängern wollte, sind zahlreich; ein wichtiger Grund ist, dass ich nicht in 10 Jahren in der Physik nicht mehr weiterkomme und dann nichts anderes als Lehrer werden kann, weil niemand in der freien Wirtschaft jemanden einstellen wird, der mit 40 immernoch nie irgendwas außerhalb des universitären Umfeld gearbeitet hat. Und, ich bin mir sehr sicher, dieser Tag wäre gekommen. Also lieber freiwillig gehen, solange ich noch einen Job wählen kann, als irgendwann perspektivlos zu sein.

Anyways, ich brauchte also einen neuen Job. Im April mit Bewerbungen anzufangen hat sich im nachhinein als etwas optimistisch herausgestellt; ich habe letztlich doch viele Absagen bekommen. Mein eigentlicher Wunscharbeitgeber sagte mir ebenso ab wie andere Firmen in der gleichen Branche – trotz keiner Vorbildung dafür wollte ich mich in der Logistikbranche bewerben. Und, natürlich, musste ich mich auch arbeitssuchend melden.

Die Agentur für Arbeit hat extra Sachbearbeiter für Akademiker. Bei meinem ersten Gespräch hat sich jedoch herausgestellt, dass die Dame, die für mich zuständig war, sich nicht wirklich mit der Arbeitsmarktsituation für Physiker (oder überhaupt Naturwissenschaftler) auskennt, und dass sie mich auch auf keinen Fall zu einem nicht-Physiker-Job vermitteln kann – ich habe ja keine Referenzen zu Verkehr, wie kann ich also denken, dass ich da hingehen könnte?

Sie vermittelte mich dann auf zwei Stellen bei der GSI, von denen ich direkt wusste, dass die mich nicht suchen, aber eine Bewerbung musste ich dann noch schreiben. Die GSI ist eine der Firmen, von denen ich erst nach recht langer Zeit eine Absage bekommen habe. Keine Überraschung (es gibt diesen schönen Witz bei uns: „Wie viele Leute arbeiten bei der GSI?“ – „so etwa die Hälfte!“). Lustig war auch die Bundesbank, die mir erst schrieben, dass ich nicht der beste Kandidat bin, aber zur Not würden sie sich’s nochmal überlegen. Später kam dann die endgültige Absage.

Eine private Berufsschule in Darmstadt hat mich dann zu einem Berwebungsgespräch eingeladen, und das etwa 3 Stunden nachdem ich meine Bewerbung abgeschickt habe. Einen Tag nach dem Gespräch hatte ich ein Angebot, das ich aber letztlich ablehnte – die Aussicht, als einiziger Physiklehrer etwa 20 Klassen á 1 Stunde zu haben, hat mich dann doch abgeschreckt (und die Tatsache, dass ich wie ein Lehrer ohne erstes Staatsexamen eingestellt worden wäre, ohne die Möglichkeit, das Staatsexamen nachzuholen). Außerdem ging mir das alles ein bisschen schnell – hätte ich eine Woche Zeit gehabt, wäre das was anderes gewesen, aber die brauchten dringend eine Antwort, denn eine Woche später ging das Schuljahr schon los.

Zu ungefähr der gleichen Zeit hatte ich dann ein Bewerbungsgespräch bei meinem Wunscharbeitgeber, nennen wir ihn WA. Ich hatte mich dort auf mehrere Stellen beworben; die Einladung sagte überhaupt nichts darüber aus, zu welcher Stelle dies nun gehört. Dementsprechend habe ich mich durch das erste Gespräch etwas durchlaviert und habe das schon abgeschrieben. Große Überraschung dann, als mit zweiwöchiger Verspätung dann doch der Anruf kam, dass ich zum Zweitgespräch kommen solle, mit jemandem von einer anderen Abteilung und jemandem von der Personalabteilung. Long story short: Ich konnte nicht davon überzeugen, dass ich diese Stelle wirklich haben will und dass sie auf mich passen würde.

Vorher hatte ich mit drei Leuten bei WA geredet, wurde sehr freundlich empfangen, aber da WA ein so großes Unternehmen ist, dauern Einstellungsverfahren typischerweise recht lange, und gehen eigentlich nur über deren Stellen-Webseite. Letztlich arbeite ich jetzt nicht bei WA, aber vielleicht ergibt sich ja in Zukunft noch was.

Obwohl ich es eigentlich gut kann, hatte ich mich überhaupt nicht für eine Arbeit als Programmierer beworben. Das kam mir irgendwie nicht in den Sinn. So war es mehr Zufall, dass ich im Oktober eine auf einen Monat befristete Stelle bekommen habe, in der ich ein kleines Projekt programmieren sollte. Mehr als einen Monat wollte ich erst nicht; die Bewerbung bei WA war noch am Laufen und ich hatte Hoffnung. Außerdem sollte ich auf Windows arbeiten, mit C# (kannte ich bis dahin nicht). Ich sollte eine Android-App programmieren (die Übersetzung von C# zu Java übernimmt dabei Xamarin). Nach der Absage von WA haben wir dann meinen Vertrag auf unbestimmte Zeit verlängert, mit der Abmachung, dass ich ein großes Projekt, das jetzt ansteht, durchführen werde und über die Zeit danach – in etwa einem Jahr – keine Versprechungen mache.

So arbeite ich jetzt in Steinbach bei der BloomBox GmbH und schreibe Programme für Android und steinalte Windows-CE Versionen. Die Firma ist sehr klein und ich habe sehr nette Kollegen; der kürzeste Weg ist mit dem Fahrrad (morgens hoch, abends runter), und die Bahn/Bus-Tageskarte kostet zur Not 3,70 € (und damit weniger als zwei Einzelfahrkarten zu je 1,90 €). Was will ich mehr?

Soziologische Experimente

Original-Post

So, morgen früh ist meine ich-bin-mal-lange-da-Phase zuende und ich fahre zur Telekom-Stiftung und erzähle denen, wofür die mich eigentlich die letzten zwei Jahre gefördert haben. Ich bin sehr gespannt, wie das läuft… Und danach kommt ja wie angekündigt meine Woche in Bergen, in der ich auch einen Vortrag halten soll. Und zwischendurch sind die Jamaica-Proceedings fällig… Aber das hört sich schon wieder viel zu negativ an. Die Proceedings sind geschrieben, ich brauche nur noch das ok oder die Verbesserungsvorschläge von Marcus. (Nur das wird etwas schwierig, wenn ich keinen Arbeitstag mehr hier habe. Schwierig, nicht unmöglich.) Der Vortrag für die Telekom ist ja fertig, aber den Bergen-Vortrag habe ich noch nicht mal angefangen, und der soll 45 Minuten lang sein, naja, maximal nur, aber weniger als 30 wären schon komisch. Ich werde mir alle Folien, die ich bis jetzt gemacht habe, mitnehmen, und versuchen, auf dem Weg nach Norwegen daraus einen Vortrag zu basteln. Wenn ich mir meine USB-Tastatur mitnehme, kann ich auch mit Sicherheit gut arbeiten, und mindestens bis Göteborg sollte ich auch eine Steckdose zur Verfügung haben.

Bevor ich fahre, starte ich noch schnell Unmengen an Rechnungen auf dem Rechencluster, so dass in der Zeit, in der ich nicht hier bin, etwas Sinnvolles geschehen kann. Und danach heißt es dann Power-Auswerten und Power-Paperschreiben.

Die erste Fahrt, die jetzt kommt, macht mir ein bisschen Sorgen: Ich fahre ICE nach Köln und dann IC nach Bonn, habe aber nicht reserviert (einmal habe ich drauf verzichtet). Mit dem vom Vulkanausbruch beeinträchtigten Flugverkehr dürfte der ICE von Frankfurt nach Amsterdam eher voll als leer sein, und neben Türen sollte man sich im ICE momentan auch nicht aufhalten — ich hoffe, dass ich einen Sitzplatz kriege. Nach Bergen ist auch nicht reserviert (ok, also zweimal habe ich darauf verzichtet), und ich hoffe, dass ein ICE um 0:55 Uhr auch nicht komplett von verhinderten Fluggästen überrannt wird, immerhin ist das ja auch noch ne Woche hin.

Heute hatte ich mein erstes richtiges Tutorium in diesem Semester — das letzte Woche war ja nur ein „Hallo Leute“ und zählt deswegen nicht. Hier habe ich ein wenig experimentiert: Es gibt in diesem Semester Präsenzübungen, die im Tutorium von den Studenten gelöst werden müssen. Ich hatte eine tolle Idee: Gib ihnen einfach die Aufgabe und lass es sie selbst regeln, wie sie alle nach einer Stunde die Lösungen kennen. Da war ich wohl etwas SoftSkill-verseucht… Nun, die Leute saßen von den 60 Minuten etwa 55 Minuten lang still da und rechneten. Und schafften daher nur die Hälfte. Dementsprechend hat auch die Besprechung danach wesentlich länger gedauert als gedacht, und wir haben eine Viertelstunde lang überzogen (es dauert schon von vornherein drei Zeitstunden). Eigentlich hatte ich gedacht, wir könnten eine halbe Stunde früher Schluss machen, denn heute tagte der Verkehrsausschuss der Stadt Frankfurt, und da wäre ich gerne hingegangen. Nun, meine Soziologie-Theorien haben also einen gehörigen Dämpfer gekriegt, und für die nächste Experimentiersession (also das Tutorium in zwei Wochen) muss ich mir was Neues einfallen lassen. Und was ich Gunnar, der mich nächste Woche vertreten wird, als Arbeitsauftrag geben werde, weiß ich auch noch nicht.

P.S.: Ich erinner mich gerade daran, dass in Zweifel gezogen wurde, dass die letzte Zeit für mich tatsächlich eine ich-bin-mal-lange-da-Phase war, da ich ja einen Tag in Leipzig und eineinhalb Tage auf dem Weg nach Hannover und zurück war. Aber es hat sich wenigstens so angefühlt.

Avslått!

Original-Post (Tag 179) Abgelehnt!

Aber dazu gleich. Erstmal kommt es mir die ganze Woche so vor, als sei die Welt in heile Welt hier in Bergen und unheile Welt in Frankfurt aufgeteilt. In der Tat geht es momentan nicht nur mindestens drei Leuten, die mir nahe stehen, recht schlecht, auch habe ich in den letzten Wochen genau zweimal zu oft gehört, dass jemand eine nahestehende Person verloren hat. Mein Beileid. Auf der anderen Seite ist hier immer noch Frost und Schnee, gerade schneit es wieder, obwohl eigentlich seit Freitag wieder Tauwetter angesagt war, in Norwegisch habe ich ein Kennenlern-Spiel gewonnen (mit zwei anderen zusammen), der Preis war ein norwegisches Buch, dass ich jetzt anfange, zu lesen. (Es ist ein Buch auf norwegisch, kein norwegisches Buch; es spielt in Japan und heißt Snø — Schnee.) Außerdem war ich gestern auf einer netten Semesterstart-Party, überlege momentan, über Ostern mit Szabolcs nach Tromsø zu fahren, Melanie besuchen, und mit dem Hurtigruter-Schiff wieder runter (oder andersrum), Melanie weiß nur noch nicht, ob sie da ist. Und dann macht Programmieren momentan einfach sehr viel Spaß, ich bin sehr motiviert und auch recht produktiv. Irgendwie fühle ich mich einfach gut.

Heute morgen las ich dann allerdings in der Zeitung. Dazu muss ich etwas ausholen: Bei dem Chor, von dem ich erzählt habe, gab es am Dienstag eine Aufnahmeprobe. Die war mit ein wenig singen und ein wenig auf Knien vor einem Theaterscheinwerfer sitzen und Fragen beantworten. Das Ergebnis sollte am Samstag in der BA stehen. Leider steht mein Name da nicht, ich muss also weiterhin meine Nachbarn nerven, wenn ich singen will ☹. Aber auch heute war ich wieder recht motiviert, zu arbeiten, trotzdem, ich fühle mich trotzdem recht gut. Viel mehr gibt’s nicht zu erzählen.

Ytringsfrihet

Original-Post (Tag 172) Redefreiheit.

Keine Angst, der Politik-Teil ist heute recht kurz. Nur noch ein Argument gegen die Ju Es of Ey: Zugegeben, noch nicht beschlossen, aber alleine die Tatsache, dass es im Kongress als Gesetzesvorlage liegt, ist einfach ohne Worte: Jeder, der gegen Bezahlungkommerziell politische Lobbyarbeit betreibt, soll sich nach den Plänen der Republikaner beim Kongress registrieren und ihm alle drei Monate zu berichten, was man gesagt hat, bei Zuwiderhandlung Gefängnis.

Ok, ist ja in Ordnung, gegen Bezahlung Lobbyarbeit ist ja auch irgendwie komisch, nicht? Nein, wenigstens nicht so: Große Unternehmen kriegen jede Menge Schlupflöcher, während einfache Kommunikation als Lobbyismus angesehen wird und unentgeltliche Kommunikation zu mehr als 500 Leuten schon als bezahlterkommerzieller Lobbyismus betrachtet wird. Wer will noch nach Amiland? Ich nicht.

So, was war noch? Eine weiß-grüne Wiese vor dem Fenster, die Wiese scheint sogar weißer zu sein als der Berg dahinter, aber leider sind die Vorhersagen für die Temperaturen mittlerweile nach oben korrigiert worden, es wird wohl nur noch recht kurz unter den Gefrierpunkt gehen.

In der Uni hatte ich diese Woche vergeblich auf die Plots gewartet und das Paper am Freitag an die Koautoren geschickt, ohne diese Plots, und um Rückmeldung gebeten. Zwei davon habe ich bekommen, sie sind eingebaut, und jetzt hoffe ich nur, dass die beiden Plots wirklich am Wochenende kommen, und dann habe ich am Montag meine allererste Veröffentlichung. Ich glaube, dann gehe ich feiern!

Nein, kann ich nicht. Montag abend trifft sich der Männerchor Arme Ritter, bei dem ich nächstes Semester mitsingen will. Mal sehen ob die mich wollen ☺

Mal sehen auch, wieviel die Bücher für den Norwegisch-Kurs dieses Semester kosten, letztes Semester war ich da mit 80 € doch recht teuer dran.

Vielleicht doch noch was zum Wetter: bei mir war es gestern sehr sonnig, und in letzter Zeit nicht sehr windig, im Gegensatz zu Deutschland. Alle, bei denen ich mich gestern erkundigt habe, hatten keine Probleme, aber wie sah’s bei euch anderen aus? Ich würde mich über Erfahrungsberichte freuen. Und wenn ich bei der Frage danach nicht mehr unbedarft zwischen irgendwelche gerade frisch entstandenen Fronten gerate, wäre ich auch sehr dankbar *g*

Forlesning

Original-Post (Tag 169) Vorlesung.

Die erste dieses Jahr (und damit in meinem achten Semester) hatte ich heute. Quantenfeldtheorie. War heute nur Wiederholung von der Vorlesung letztes Semester, aber egal. Das Frühjahrssemester wird (abgesehen von meinen wahrscheinlich drei Reisen) hier in Bergen zweimal unterbrochen; Ostern is nix, und Anfang Februar sind Winterferien. Habt ihr das gemerkt — was eine tolle Brücke — WINTER! Jaha! Heute morgen habe ich seit langer Zeit mal wieder eine Zeitung im Aufzug gefunden, und der Wetterbericht sagt Donnerstag abend und den kompletten Montag frostige Temperaturen vorraus — ohne Niederschlag dann zwar, aber immerhin, es wird kalt.

Allerdings sagt diese Zeitung auch vorne „81 Tage mit Regen in Bergen“ und hinten weist die „Niederschlagsstatistik der letzten 30 Tage“ zwei Tage ohne Regen aus…

In der Uni habe ich die letzten Tage die Proceedings zu Laszlo’s Vortrag bei der QuarkMatter zusammengeschrieben, und habe davon eine Menge Zeit damit verbracht, auf jemanden zu warten, der mir Plots machen soll, leider immer noch vergeblich. Mal sehen, wie lange das noch dauert.

Außerdem habe ich weiter am Songbook gearbeitet, mit Stefan’s neuem Input (heute schickte er mir „Snow“ von den Chili Peppers); ich versuche, nach und nach das Format zu vereinheitlichen. Das war zwar schon das Ziel gewesen, als ich überhaupt angefangen hatte, das alles zu einem riesigen PDF zusammenzupacken, aber hat dann doch irgendwo nicht mehr funktioniert. Wenn ich es jetzt einmal durchgehe, wird es mit Sicherheit wieder zwischen ganz vorne und ganz hinten Inkonsistenzen geben, deswegen versuche ich, die „Regeln“ aufzuschreiben und es möglichst gründlich (und zweimal) durchzusehen, das wird aber wohl etwas dauern. Aber ich hab ja Zeit ☺

Bak meg

Original-Post (Tag 128) Hinter mir.

Die erste Prüfung habe ich heute morgen abgelegt; es war die Norwegisch-Klausur. War ganz lustig, ich denke, ich habe bestanden, aber ich hatte keine Lust mehr, mir nochmal alles durchzulesen, was ich geschrieben hatte. Mal sehen.

Nachdem es nun schon eine Woche her ist, dass ich was geschrieben hatte, muss ich mal wieder was erzählen: Hannah ist sicher in Frankfurt gelandet, ich fahre wieder Fahrrad, habe einen Haufen Arbeit in der Uni: altes Projekt wiederaufwärmen, ganz neues Projekt zwischenschieben, für das „normalneue“ Projekt, mit dem ich prinzipiell schon seit Mitte November anfange, viel lernen — wen’s interessiert: Ich lerne dafür C++ — und endlich wirklich anfangen, oh, und dann sind da noch die mündliche Norwegisch- und Relativistische Quantenmechanik und Feldtheorie-Prüfungen nächste Woche, und die Quark- und Leptonenphysik die Woche drauf (ok, da werde ich nicht soo viel für lernen…) und dann kommen auch schon meine UKS Melanie und meine Eltern (Melanie am morgen, meine Eltern am Abend des Freitags vor Heiligabend), und noch bevor die alle wieder weg sind, kommt Hannah wieder (*jubel*) und so werde ich dann bis 10. Januar nicht mehr arbeiten können, also heißt es jetzt schuften, schuften, schuften.

Also, Fahrrad. Was fällt mir dazu ein? Das Wetter natürlich. Nach meinen Information wurden am Dienstag in Frankfurt die 30 Grad wieder fast geknackt, und auch hier ist es nicht sehr winterlich. Nachdem der November kalt und mit Glätte und Schnee angefangen hatte, was ich eher vom Dezember erwartet hätte, fängt dieser nun mit nichtendenwollendem Regen an, was ich eher von letztem Monat erwartet hatte. Wenigstens ist es warm genug, um kein Eis zu bilden, deshalb, wie erwähnt, das Fahrrad, und das halte ich noch mindestens so lange durch, bis eine Monatskarte solange reicht, bis Hannah im Januar wieder fliegt (also, eigentlich heißt das, noch mindestens morgen). Aber, Spaß macht’s momentan nicht wirklich, nur so ein bisschen.

Die Prüfungen — ja… Ich habe mich nie getraut, wirklich nicht zu lernen für irgendwelche Prüfungen, aber, hey, diesmal zählt wirklich nur, ob ich bestehe. Und dass ich das tue, dessen bin ich mir wirklich sicher (und, eigentlich, zählt nicht mal das: Wenn ich am Ende des Jahres meine Arbeit fertig habe, kann ich damit genug CreditPoints nachweisen, um das Geld, das ich bekomme, zu rechtfertigen). Also, jedenfalls, deswegen beschränkte sich das Lernen für Norwegisch auf einmal unregelmäßige Verben abfragen durch Hannah (danke) und ein kurzes Gespräch vor der Klausur, und für die beiden Vorlesungen werde ich meine Notizen noch einmal durchlesen.

Natürlich ist es nicht ganz richtig, wenn ich sage, ich hätte nicht mehr gelernt; ich war ja immer brav anwesend und habe schön mitgedacht ☺. Anderes Thema.

Eine Sache fand ich dann in den letzten Tagen noch recht erfreulich: Ich kriege auf einmal richtig viele (also, so vier oder so) Mails (weiter so!). Ich hoffe, das liegt nicht daran, dass sich meine Postfrequenz so stark verringert hat, und ich hoffe auch, dass ich sie alle bald beantworte — Wochenende vielleicht.

Ach, und zwei Bücher habe ich in den letzten Tagen gelesen, Scheibenwelt natürlich. ich glaube, das war’s. Bis Bald!

Exam Tid

Original-Post (Tag 114) Prüfungszeit.

Gestern waren die letzten beiden Vorlesungen im Semester, heute hatte ich noch einmal Übung und heute sowie nächste Woche ist noch Norwegisch-Kurs. Irgendwie fühlt sich das wie ein Jetlag der besonderen Art an, so früh das Semester zu beenden, ohne, dass da Weihnachten oder so dazwischen war, und so kurz, nachdem es in Deutschland erst angefangen hatte. Aber, um es mit Marcus‘ Worten von letztem Semester zu sagen: „Keine Vorlesung mehr — Physik, ich komme!“

Noch merkwürdiger als diese Semesterendzeit-Stimmung ist allerdings das Wetter. Von der Hitzewelle, die Deutschland momentan in tropische Temperaturen versetzt, ist hier auch einiges übergeschwappt, und die letzten 4 Tage (also seit Montag) hat es hier kaum noch geregnet, und es sind milde 8 Grad. Nicht missverstehen, das ist keine Beschwerde! Es ist nur merkwürdig. Blöderweise soll es am Samstag, pünktlich, wenn Hannah kommt, wieder schlechter werden; wobei ich heute in der Zeitung lese, dass es nur am Sonntag so schlecht sein soll und dann wieder alles wie gehabt, bin mal gespannt, was es am Ende wird.

Tja, Zeitung. Leider merkt man daran, dass ich momentan nicht so motiviert bin, früh in die Uni zu gehen, weil etwas später (also so um neun, halb zehn) immer Restexemplare im Aufzug liegen. Blöderweise gibt’s hier nur Bild-Zeitungs-artige Zeitungen, naja, vielleicht sind sie etwas informativer, aber sie sehen so aus.

Die andere Sache, auf die ich eben kommentarlos hingewiesen habe, ist wesentlich erfreulicher und schöner: Hannah kommt mich besuchen! Von Samstag (Tag 116) bis übernächsten Montag (Tag 125) bin ich also nicht alleine — könnte etwas dünner werden mit den Postings. *Vorfreu*.

Noch ein bisschen was zu mir und meiner Physik: Laszlo kam von der Quark-Matter mit einigen Ideen und viel Motivation zurück, und ich habe erstmal viel Arbeit. Heute habe ich mit ihm lange über mein eigentliches Diplom-Arbeits-Thema geredet, und auch da weiß ich jetzt endlich mehr, und kann anfangen, produktiv zu sein. Als nächstes werde ich mir eine Liste mit benötigten Komponenten machen, und dann vielleicht einen vorläufigen Zeitplan erstellen, an dem ich mich entlang hangeln kann. Viel Arbeit, wie gesagt, aber wenigstens habe ich jetzt das Gefühl, bis zum Ende sehen zu können.

Lügen

Blick aus meinem Zimmer
Blick aus meinem Zimmer

Original-Post (Tag 87)

Zweimal wurde ich gestern Lügen gestraft. Das eine Mal hat mit dem Wetter zu tun, deswegen ein kleines Update diesbezüglich: Während es die letzten Tage (Dienstag und Mittwoch) ja wohl in Hessen recht stürmisch war, war hier blauer Himmel und Sonnenschein. Und Windstille. Also erzählte ich am Mittwoch abend Hannah über Skype, dass es hier eigentlich nie windig ist, und spekulierte darüber, dass wahrscheinlich die ganzen Berge rundrum den Wind abhalten.

Donnerstag morgen wehrte sich das Wetter dann gegen diese Verleumdung und zeigte mir, dass es sogar morgens (wenn ich nach Norden fahre) nach Süden und abends (wenn ich nach Süden fahre) nach Norden gehörig blasen kann. Wäre ja nicht so schlimm gewesen, aber:

Ich war nach dem Norwegisch-Kurs auf dem Torgallmenning, dem größten Platz hier in Bergen, um ein Bild von dem Denkmal darauf, dem Sjømannsmonumentet (zu deutsch Seemannsdenkmal) zu machen und fragte in der Turist-Info nach Informationen darüber. Als ich den Berg wieder hochfuhr, zur Physik, tat es einen Schlag an meiner Hinterachse und ich denke gerade schon, dass meine Hinterachse schon wieder aufgeplatzt ist. Zum Glück war die Achse „nur“ verrutscht, jedenfalls führte das meine Behauptung, dass mein Fahrrad „repariert“ sei, ad absurdum. So schleifte das Hinterrad am Rahmen entlang und bremste doch gehörig ab, zusätzlich zum Gegenwind. Daheim habe ich dann ein bisschen dran rumgeschraubt und heute konnte ich — auch auf der Hinfahrt im Gegenwind — wieder gut fahren. Aber, nur nochmal zur Zusammenfassung: Die Gangschaltung war nicht richtig eingestellt, die Vorderbremse auch nicht und die Hinterachse war nicht richtig fixiert. Solltet ihr jemals in Bergen eine Fahrradpanne haben: Geht nicht nach Nesttun zu Atro Sykkel.

Dafür war heute wieder gutes Wetter, ich habe mal wieder einen Großeinkauf gemacht, und bin noch ein klein wenig auf alte-Eisenbahn-Spurensuche gegangen.

Für mich als Eisenbahnfan ist es wirklich eine Qual, zu sehen, wieviele alte Straßenbahn- und Eisenbahn-Fragmente es hier in Bergen gibt. Heute war ich an zwei alten Gütertunneln mitten durch die Stadt, die vom Bahnhof ans Wasser führen. Durch Zufall habe ich dann in einer ganz anderen Straße ein weiteres Fragment eines Trambahngleises gefunden… Die könnten hier mit minimalen Aufwand ein 1A — Schienengebundenes Nahverkehrssystem aufbauen, die Busse sind hier oft genug überlastet und viele Strecken wären sehr leicht umbaubar oder reaktivierbar. Alleine 3 Tunnels werden nur noch für Güterverkehr gebraucht, und ich weiß nur von einem, dass er noch gebraucht wird. Welche Stadt hat schon so billige Möglichkeiten, eine U-Bahn zu bauen?

Also, noch was anderes: Bevor ich nach Deutschland gefahren bin, bekam ich einen Brief aus Leipzig, in dem mich ein Google-Finder meiner Homepage nach diesem Denkmal gefragt hat. Ich vertröstete ihn, und eben gestern fand ich allerlei darüber raus. Wollte es eigentlich auch gestern schon posten, aber ich hatte den Zettel im Büro liegen lassen… Also, jetzt, Infos über das Seemannsdenkmal.

Alles Wechselhaft

Original-Post (Tag 37)

Schon wieder so ne Überschrift, ich scheine nicht sehr kreativ zu sein… Momentan bin ich sehr hin- und hergerissen, und zwar von allem. Wieder gleicht das Wetter dem, was man typischerweise im April erwartet, nach zwei recht schlechten Tagen waren heute Wolken am Himmel alle Einzelgänger, und es war sogar recht warm (aber ich höre, auch das Frankfurter Wetter lässt einiges zu wünschen übrig…). In der Uni macht der Norwegischkurs nach wie vor Spaß, und ich versuche, das neu- und wiedergelernte an den Leuten im Büro, an der Supermarktkasse und in den Vorlesungen auszuprobieren, mit wechselhaftem, aber im Mittel durchaus steigendem Erfolg. Und zur Not können hier alle Englisch (wenigstens alle Norweger).

Die Arbeit in der Uni kommt allerdings weniger schnell voran, ich versuche seit etwa eine Woche, ein Integral auf eins zu biegen, und finde einfach den fehlenden Faktor nicht. Das frustriert schon ganz schön, vor allem bei schlechtem Wetter (siehe oben), heute war’s tatsächlich erträglicher.

Von daheim gibt’s momentan nur gute Nachrichten; zwei meiner Freunde haben ihre Ex-Physik-Prüfung ziemlich gut bestanden, und auch andere Nachrichten lassen mich jubeln. Wie zum Beispiel 13 Tore gegen San Marino — verdammt, dieses Spiel hätte ich sehen wollen! Aber ein paar mehr Gründe, jetzt gerne daheim sein zu wollen, sind schon dazugekommen, die letzten Tage. Ach was soll ich sagen; hier geht langsam alles (s)einen gewohnten Gang und trotzdem ist irgendwie jeden Tag was neu (heute zum Beispiel ein neuer PostDoc in der Arbeitsgruppe, morgen eine frisch geölte Fahrradkette und eine frisch geöltes Fahrradschloss), und ich wäre gerne bei meinen Freunden und meiner Freundin, um mit ihnen zu feiern. Ich denke an euch! Und feier von hier aus mit: Gleich packe ich eine Apfelweinflasche aus. Mmmmhhh… *Hicks* bbisss dannnnn

Erster Monat

Original-Post (Tag 30)

Heute ist der letzte Tag des August, das heißt, ich bin seit einem Monat nicht mehr daheim, und seit heute genau drei Wochen ununterbrochen hier, Grund genug, heute mal wieder was zu schreiben.

Der Norwegisch-Kurs hat angefangen, und bis jetzt geht alles gut, auch deshalb, weil ich das alles schonmal gelernt habe, also muss ich da noch etwas warten, bis ich sagen kann, ob’s toll ist oder nicht. Im Büro geht’s auch ganz gut momentan, ich mache erstmal Fluss, v1 und v2. Da bin ich momentan ganz toll am programmieren, mal sehen, wie’s wird. Und wie groß der Fluss wird. Die Vorlesungen sind weiterhin richtig gut, und ich lerne auch wirklich viel. Denke ich.

Ebenso gut lässt sich das Zusammenleben mit Sylvan an, wir sehen uns zwar kaum, weil wir doch recht unterschiedliche Tagesrythmen haben, aber wenn, kommen wir recht gut miteinander klar. Das Wetter ist wechselhaft; heute eher wolkig, gestern sonnig, davor regnerisch… gleich mehr dazu. Alles in allem also ziemlich viel, was hier passiert, gut. Ich wünsche mich zwar sehr nach Frankfurt zurück, aber weniger wegen den Umständen hier.