Von Blasen und Umfragen

Eigentlich wollte ich einen längeren Artikel über die US-Amerikanische Präsidentschaftswahl schreiben, aber letztlich will ich nur zwei Punkte in die Welt rufen:

  1. Die Umfragen waren nicht übermäßig falsch. Linke, hört auf, an Daten zu zweifeln. Nicht mal die Möglichkeit, dass Konservative sich nicht getraut haben könnten, Umfragern gegenüber zuzugeben, dass sie Trump wählen würden, ist in irgendeiner Weise aufrechtzuerhalten.
    Clinton war Favoritin in der Wahl, aber nicht so sicher, wie viele dachten. Die schönste Verbildlichung der Wahrscheinlichkeit, die ich gelesen hatte, war die von zwei Münzwürfen. Wenn beide als Zahl herauskommen, gewinnt Trump. Clinton hat ihre Wähler nicht mobilisieren können, Trump aber seine – beide „Zahl“, Clinton verliert.
  2. Das Vertrauen der Amerikaner in ihre „Institutionen“ wird kleiner. Damit sind alle möglichen Dinge gemeint:  Ehe, das Parlament, die Medien, organisierte Religion. Besonders das Misstrauen in die Medien ist auch in Deutschland weit verbreitet, und viele Menschen gucken jetzt zu den sozialen Medien und wundern sich, wie denn die „rechten Filterblasen“ so viele Falschmeldungen enthalten können.

Besonders der zweite Punkt ist für die deutsche Bundestagswahl 2017 interessant. Die „Lügenpresse“-Rufe auf PEGIDA-Demonstrationen zeigen, dass auch hier das Vertrauen in die Presse nachlässt, und Filterblasen gibt es auch auf Deutsch.

Aber der Glaube auf der linken Seite des Spektrums, dass die Umfragen so falsch gewesen seien basiert letztlich auch auf einem Nicht-Verstehen und dann Misstrauen gegenüber Wahrheiten™, woraufhin man sich dann lieber auf seine eigenen Überzeugungen zurückzieht. Das ist nicht vom Wesen her anders als Menschen, die die wissenschaftliche Methode nicht verstehen und nie gelernt haben, wie komplexe Systeme aussehen können – und die daher die Ergebnisse der Klimaforschung ablehnen und sich auf den bequemeren Standpunkt zurückziehen, nämlich den, dass an dem ganzen „Alarmismus“ über den Klimawandel nichts dran sei.

Um das hier wirklich kurz zu halten, kommt am Ende einfach ein Appell, der auch an mich selbst gerichtet ist: Überprüfe, wo du in einer Filterblase steckst. Überprüfe, welche deiner politischen (und das Wort ist hier sehr weit gemeint) Überzeugungen und Ansichten einem wissenschaftlichen Konsens entgegenstehen. Überprüfe dann kritisch, ob das gerechtfertigt ist – vielleicht wird das Kopfsteinpflaster vor deiner Tür ja wirklich deswegen nicht ausgebessert, weil der Oberbürgermeister Kopf einer Verschwörung ist, um zu verhindern, dass es mehr Durchfahrtsverkehr vor seiner Haustür gibt. Vielleicht gibt es aber auch gar keine Verschwörung.

baeuchle

Autor: baeuchle

Baujahr 1984, Maikind. Geboren in Frankfurt, aufgewachsen in Frankfurt, bis ins Alter von 31 Jahren eigentlich immer Frankfurt. Jetzt Kassel. Ausführliche Vorstellung

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