Kleinbahnfeeling bei Dresden

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Nachdem ich im Januar 2010 eher zufälligerweise mit der Rhätischen Bahn durch die Schweiz gefahren bin, im Januar 2011 spontan bei einem Besuch in Bulgarien die Rhodopenbahn befahren habe und Anfang Februar 2012 kurzentschlossen auf der Harzer Schmalspurbahn unterwegs war, wollte ich die Tradition dieses Jahr fortsetzen, in jedem Winter eine Schmalspurbahn zu bereisen. Ich hatte die Idee aber eigentlich schon aufgegeben – zu wenig Zeit dieses Jahr, und man will ja auch mal was anderes machen als ständig in der Gegend rumfahren – als mir klar wurde, dass ich eine Reise eigentlich unfreiwillig antreten muss — die Frühjahrestagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft in Dresden fand letzte Woche statt. Aber von dieser Idee hatte ich ja letztens schon geschrieben.

Nun ist diese Reise also vorbei und ich habe tatsächlich – und nicht wenig – Zeit gefunden, mich den Schmalspurbahnen in der näheren Umgebung von Dresden zu widmen.

Eigentlich mag ich ja Dampfloks gar nicht. Das ist irgendwie untypisch für Eisenbahnfreaks, aber ich finde die schmutzig, laut, stinkend, dunkel (lies: nicht gut fotografierbar). Dennoch hatte ich viel Spaß, vor allem, weil es eben dieses schöne Kleinbahnfeeling gibt, wenn man in alten kurzen Wagen auf der Plattform – also draußen – stehen kann und mit 20 km/h durch die Landschaft zuckelt. Das funktioniert aber eben auch mit Diesel- oder E-loks, hat also nix mit Dampf zu tun!

Zunächst einmal gab es die Anreise. Um Geld zu sparen, habe ich für 11 Leute ein Gruppenticket für den ICE organisiert. Dabei waren auch ein paar Leute, die sehr gerne Auto fahren. Zum Glück hat alles gut geklappt; die Ankunft in Dresden war letztendlich sogar drei Minuten zu früh. Okay, Sonntag morgens erwarte ich auch keine größeren Behinderungen, aber der geneigte Autofahrer hat halt Horrorgeschichten im Kopf. Weil wir schon um 12:04 da waren, fuhr ich gleich weiter nach Freital, um die Weißeritztalbahn zu befahren. Blöderweise war der Akku meiner neuen Kamera alle, sodass ich nur Handyfotos habe. Das änderte natürlich aber nichts an den schönen Blicken auf vereiste Talsperren!

Bildqualität schlecht (weil vom Klugtelefon), Erlebnisqualität gut! Auf der Weißeritztalbahn war das Wetter noch nicht perfekt, aber die Sicht gut.
Über so einen Blick aus dem Hotel kann ich mich nicht beschwerden, auch wenn’s nur aus dem Treppenhaus war. Eine tschechische 371 mit dem EC aus Budapest nach Hamburg.

Dienstag vormittags nutzte ich dann eine Pause, um von Radebeul auf der Lößnitzgrundbahn zu fahren. Diesmal mit Kamera, aber die Strecke ist weniger spektakulär. Die Dampfbahn quert an einer Stelle die Straßenbahn, das war’s dann aber auch.

Die Lößnitzgrundbahn fährt nur durch recht flaches Terrain, dafür ist das die einzige der Bahnen, die auch echte Verkehrsbedürfnisse zu stillen scheint, wenigstens gibt es Schülerzüge. Hier der abfahrbereite Zug in Radeburg.

Mehr Zeit hatte ich am Mittwoch: Die Postersession fand ich eher mäßig interessant, daher machte ich mich früh morgens auf den Weg nach Zittau, um das Netz der Zittauer Schmalspurbahn zu befahren. Auf dem Weg nach Zittau musste ich feststellen, dass das Sachsenticket, dass ich gekauft hatte, erst ab 9 Uhr gilt (Abfahrt Dresden war um 7:08) – ups. Man kann aber im Zug nachlösen. Dafür gilt in der Schmalspurbahn unerwarteterweise das Sachsenticket mit 5 Euro Aufschlag, wodurch das ganze wieder genauso teuer wie gedacht wurde. Der Fahrplan auf der Kleinbahn macht es gut möglich, zwischendurch auszusteigen und durch den Schnee zu wandern, was ich dann auch gerne getan habe. Im Sommer war ich mal kurz durch Bautzen gekommen und hatte mir davon vor allem gemerkt, dass man von dieser einen Brücke einen schönen Blick auf eine Altstadtkulisse hat. Diesmal musste ich leider feststellen, dass man Zug auf der Brücke und Altstadt nicht zusammen auf ein Bild kriegen kann — wenigstens nicht, solange man auf dem Boden steht.

Die Zittauer Schmalspurbahn kurz nach Ausfahrt aus Kurort Oybin. Der lange Aufenthalt in Bertdorf 2 Kilometer weiter ermöglicht es, mit dem nächsten Zug wieder mitzufahren, auch wenn man hier kurz wandert.

Am Donnerstag musste ich dann abends meinen eigenen Vortrag halten, aber vor dem Abend gibt’s ja noch einen ganzen Tag. Den Vormittag dessen habe ich mich zwar über das langsam schlechter werdende Wetter (bis dahin die ganze Woche über glasklarer Himmel) geärgert, bin aber trotzdem mit dem EC Richtung Prag bis Ústí nad Labem gefahren, und habe auf der Rückfahrt in Bad Schandau mit der Fähre übergesetzt, um mit der Kirnitzschtalbahn zu fahren. Die ist auch schmalspurig, aber zur Abwechslung mal nicht mit Kohle und Dampf, sondern mit Solarzellen und Strom betrieben.

Der Eurocity nach Hamburg bei Einfahrt in Ústí nad Labem mit dem Schlösschen Větruše im Hintergrund. Das Wahnsinns-Wetter von den Vortagen hat hier leider schon aufgehört.
Blick auf den Triebwagen 2 der Kirnitzschtalbahn an der Endhaltestelle Lichtenhainer Wasserfall.

Freitag ging’s dann zurück, diesmal in einer Gruppe von 13 Leuten, und außer, dass ich beim Umsteigen in Leipzig fast meine Reisetasche vergessen hätte, und dass wir in Frankfurt dann drei Minuten Verspätung hatten, ist alles gut gelaufen. Ich glaube, sogar die Autofahrer empfanden die drei Minuten nicht als allzu schlimm (auch wenn sie das natürlich behaupteten, aber ich ärger‘ die ja auch oft genug).

Ploče

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Erst die Zusammenfassung: ich war mit Fips für 5 Tage im Balkan unterwegs, wir fuhren Freitag von Frankfurt mit dem EC umsteigefrei über Stuttgart, München, Salzburg, Villach und Ljubljana nach Zagreb, Samstag über Bosanski Novi, Banja Luka und Doboj nach Sarajevo, Sonntag über Mostar nach Ploče und weiter mit dem Bus nach Split, Montag von dort über Oštarije nach Rijeka und zurück nach Zagreb, Dienstag dann über Maribor, Graz, Pyhrnbahn, Linz, Passau, Nürnberg und Würzburg nach Hause. Und es war super.

Angefangen hatte alles mit diesem Tweet. Beziehungsweise mit einem Dia-Vortrag, den ich am Tag vorher gesehen hatte: Ich würde mal nach Ploče mit dem Zug müssen.

Die Fahrt nach Zagreb war nicht viel anders als die Fahrten im Januar und Juli 2011 — wirklich schön, aber eben schon bekannt. Neu war dann die Fahrt nach Bosnien-Herzegowina. Die fing flott an — mit 120 km/h — wurde dann aber schnell langsam. Lokwechsel an der Staatsgrenze und dann nochmal an der Grenze zwischen der Republik Srpska und der Föderation Bosnien und Herzegowina helfen der Reisegeschwindigkeit ebensowenig wie die ständigen Langsamfahrstellen mit 40, 20 oder gar 10 km/h und das Abbremsen auf 20 km/h bei jeder Ein- und Ausfahrt in einen Bahnhof. Die Strecke zieht sich.

Wirklich in Erinnerung bleibt aber wohl die Zerstörung. Schützenbunker an den Strecken hatten wir zwar auch in Serbien gesehen, aber hier waren sie auch modern, aus Beton, hier sind mir viel mehr Minen-Warn-Schilder entlang der Strecke aufgefallen, hier habe ich viel mehr Häuser mit sichtbaren Einschusslöchern und auch nach 17 Jahren noch zerschossene Rollläden (die noch benutzt werden!) gesehen.

Und dann war da noch der Fußball. Der Schaffner kam irgendwann zu uns und machte uns mit Hand, Fuß und Fips‘ Bulgarischkenntnissen klar, dass am nächsten Bahnhof — Banja Luka — die letzten beiden Wagen für Fußballfans reserviert seien und wir doch daher bitte in den ersten gehen sollten. Kurz nachdem sich mein Begleiter gefreut hatte, dass die ganzen Fans auch ohne Polizeiaufgebot reisen können (was in Deutschland nicht möglich ist), stiegen am nächsten Bahnhof einige Dutzend Polizisten mit Schutzschild und Kampfmontur ein. Die kontrollierten sehr gründlich, wer mit dem Zug fährt, schrieben Personalien auf, und fragten genau nach, warum die Leute Zug fahren, wo sie hin wollen und so weiter. Nur die deutschen Touristen (also wir) wurden nicht behelligt. Ja, klar, dafür gibt es gute Argumente, aber irgendwie fand ich das trotzdem komisch.

Als die Fans in Zenica ausgestiegen waren (soweit ich das nachvollziehen kann, ist das Spiel 1:1 ausgegangen), kam ein alter Mann zu uns, der seine zweieinhalb Brocken Deutsch benutzen wollte, um mit uns zu reden. Das ging größtenteils erstaunlich gut, und so zeigte er irgendwann auf die Autobahn mit der Mautstation und sagte „Deutschland: Krieg, zwanzig Jahre, Kapitalisten. Bosnien: Krieg, ein Jahr, Kapitalisten“. Wir haben uns gut verstanden.

Leider war es in Sarajevo regnerisch und dunkel, und wir mussten auch schon früh wieder fahren, aber was wir von der Stadt gesehen haben, hat uns sehr gut gefallen. So fuhren wir dann am nächsten morgen um fünf nach sieben in ehemaligen schwedischen Wagen gen Adria. Über den Iwan-Pass, der ja der Auslöser für alles war. Und es ist einfach atemberaubend, dort entlang zu fahren. Die anschließende Strecke ist auch schön und sehenswert, sodass sich die Fahrt wirklich lohnt. Wahnsinn. Die Busfahrt an der Adria entlang bis Split war zwar eine Busfahrt und daher per sé nicht so toll wie eine Bahnfahrt (nicht mal aufs Klo kann man während der Fahrt gehen), aber dennoch nicht arm an tollen Blicken. Vielleicht gibt’s ja irgendwann mal eine Konferenz dort.

Dann kam Split. Die Innenstadt mit verschachtelten und sogar zum Laufen fast zu engen, Marmor-gepflasterten Gassen wäre, genauso wie Sarajevo, noch einen Tag mehr Zeit Wert gewesen, wenn wir sie denn gehabt hätten. So ging es wieder am morgen weiter, in einem erste-Klasse-Wagen Richtung Zagreb, aber nur bis Oštarije, wo der Anschlusszug von Zagreb nach Rijeka (5 Minuten Umsteigezeit) eine Viertelstunde auf unseren total verspäteten Zug gewartet hatte. Den Übergang der Landschaft von mediteranem Bewuchs zu voralpiner Vegetation konnten wir auf allen drei Fahrten — von Split, nach und von Rijeka — sehr schön erleben. Das Highlight dieses Tages war aber der erste Blick auf die Adria in Richtung Rijeka und der anschließende 20 Kilometer lange Abstieg über 700 Höhenmeter mit konstantem Blick auf die Häfen der Stadt. Dass wir in Rijeka dann nur etwa eine Stunde Aufenthalt hatten, war zwar schade, aber dann durchaus verkraftbar.

Für die Rückfahrt hatten wir uns bewusst gegen die direkte Verbindung entschieden, um auch mal einen anderen Weg durch die Alpen kennenzulernen. Zwischen Graz und Selzthal sind wir mit einem deutschen Zug (der nach Saarbrücken unterwegs war) gefahren, von dort gab es Schienenersatzverkehr mit einem Bus bis Hinterstoder, wovon wir zum Glück schon vorher per Twitter Wind bekommen haben, denn die Beschilderung im Bahnhof und die Auskunft des Zugbegleiters im Zug dahin waren eher schlecht. Sei’s drum, der Bus hat ohne Halt und mit konstant 100 km/h auf der Autobahn (kürzer als die Bahnstrecke) die Fahrzeit des Zuges grade so einhalten können, und wir kamen pünktlich in Linz an, wo wir uns mit einem Triebfahrzeugführer und einem Fahrdienstleiter getroffen hatten, die uns eine spezielle Rundtour durch den Bahnhof Linz gaben. Schließlich hatten wir im ICE noch den Logenplatz ganz vorne hinterm Fahrer, und ab Passau war die Glasscheibe auch durchsichtig und wir konnten die Strecke beobachten und natürlich bei Einfahrt in Frankfurt Hauptbahnhof die Skyline in der Nacht sehen.

Das nächste Mal dann mit mehr Zeit in Sarajevo, Split, Rijeka…

Polen statt Binz!

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Nun war ich also in Husum angekommen, nachdem ich schon Norddeich, Bremen und Sylt hinter mir hatte. Und nun gings los: Gefühlte 85 Kilometer durch Schleswig-Holstein ohne Halt. Dabei kommt man zwschen Husum und Jübek durchaus an Siedlungen vorbei, aber scheinbar gibt es da ein zu kleines Verkehrsaufkommen. Die Nord-Ostsee-Kanal-Brücke in Rendsburg ist wesentlich beeindruckender (wenigstens beim drüberfahren) als die Querung der Marschbahn, aber beide sind wirklich beeindruckende Bauwerke. Nach Kiel, einem absolut langweiligen Bahnhof mit etwa 1,3 Fernverkehrszügen pro Tag, einer 112+Doppelstockwagen nach Hamburg pro Stunde und sonst VT 648, soweit das Auge reicht, ging es nach Lübeck, in Plön vorbei mit einem schönen Blick auf den dortigen See. In Lübeck gibt es recht regen Bahnbetrieb (vergleichsweise wenigstens), und mit einem 628 dann direkt nach Mecklenburg-Vorpommern. Ein Großteil der Strecke nach Bad Kleinen hat dabei den Eindruck gemacht, mal zweigleisig gewesen zu sein oder zumindest so konzipiert gewesen zu sein, aber in jedem Fall war es eine sehr schöne Fahrt. Von dort dann mit dem Zug aus Hamburg (120² + Doppelstockzug) nach Rostock, und weiter mit dem FLIRT Richtung Rügen, aber ich fuhr bis Ribnitz-Dammgarten West, um dort in der Jugendherberge zu übernachten. Ziel waren eigentlich Binz und Sassnitz auf Rügen gewesen.

Dann kam mir die Idee, auch nach Usedom zu fahren. Am nächsten Morgen jedoch erstmal gut ausgeschlafen (Wecker um 6:30, da habe ich die Uhr am Handy wieder umgestellt), aber von den Sanitäranlagen nicht sehr begeistert im Zug um 7:24 Richtung Sassnitz gesessen. In Stralsund sind 10 Minuten Aufenthalt, die ich genutzt habe, um einen Faltplan der Usedomer Bäderbahn zu holen, denn da ich diese Idee nicht vorher hatte, habe ich die entsprechenden Kursbuchtabellen auch nicht auf meinem Kindle gespeichert. Auf dem Weg nach Sassnitz also hin- und herüberlegt, und am Ende hat ein Münzwurf entschieden, nicht nach Binz zu fahren, sondern von Sassnitz direkt zurück und in Usedom ganz durchzufahren, um die Grenze nach Polen zu überschreiten (da war ich nämlich noch nie gewesen vorher). Auf dem Weg gab es noch Probleme mit der Fahrkarte, aber davon habe ich ja heute morgen schon ausführlich geschrieben. Lustig war noch eine Szene beim Umsteigen in Züssow, wo ich 16 Minuten Zeit hatte: Ich frage die Zub, ob ich denn noch Zeit hätte — jaja, kein Problem — und ob es denn in der Nähe des Bahnhofs irgendwas gäbe, was sich anzugucken Sinn machen würde. Sie guckt sich mit einem Einheimischen an: „naja, da hinten gibt’s das Toilettenhäuschen, ha, ha.“ Ich sagte, dass ich dachte, es gäbe vielleicht irgend eine Art von Infrastuk-t… äh, ok, den Blicken entnahm ich, dass ich doch eigentlich wissen müsste, dass ich hier in Mecklenburg-Vorpommern bin. Oh. Je.

Sehr schöne Blicke auf Usedom, eine Stadt in Polen, die enorm modernisiert wird, und dann erste-Klasse-Beinfreiheit in einem zum zweite-Klasse-Wagen umgebauten Wagen beim „InterCity“ zurück. In Anführungsstrichen steht das, weil der, bevor er Usedom nach 50 Minuten verlässt, 8 mal gehalten hat (und dabei 13 Minuten Standzeit hat). Das ist zwar marginal schneller als die UBB auf der gleichen Strecke, und der Zug ist als Ferienexpress (also das klassische Anwendungsgebiet der InterRegios früher) dafür da, auf Usedom eben alle Feriengäste einzusammeln, aber ein wenig lustig ist es schon.

Die Fahrt durch Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg war so, wie man sich das da vorstellt: Eine Öde neben der Anderen. Und das zieht sich. Ich meine, mal ernsthaft: Man braucht 2 Stunden für 160 Kilometer recht gerader Strecke von Züssow nach Bernau. Alter. In Berlin fand ich dann Vorurteile bestätigt: Der Döner am Rathausplatz in Spandau war zwar billiger als in Frankfurt, aber fettig, das Brot nicht knackig gebacken, und ich habe danach lieber ein Bier getrunken, damit mir nicht zu schlecht wird. Und ein besoffener stand neben mir und hat meinen persönlichen Wohlfühlradius doch etwas stark eingeschränkt, und eigentlich auch den von anderen Leuten, aber das schien niemanden zu stören. Berlin, ey.

Und wieder mal der Hinweis: In den drei Tagen mit 17 mal Umsteigen war fast alles Pünktlich, und jeder Umstieg hat geklappt. Geht doch. Leider war mein Hamburger Kontaktmann in Leipzig, sodass ich mich mit ihm nicht treffen konnte, dafür konnte ich von Westerland durch die Holsteinische Wallachei fahren und habe daher mehr gesehen.

Der Marktplatz in Ribnitz, mit Kirche, Italiener, Grieche, und dem Hafen um die Ecke.
Ein Stadler-FLIRT aus Rostock nach Sassnitz am Sonntag morgen bei Einfahrt in Ribnitz-Dammgarten West Bf.
Der Bahnhof Świnoujśce Centrum. Früher ging es hier weiter zum Hafen und nach Usedom (Stadt).
Der InterCity von Heringsdorf nach Köln. Die 218 drückt die drei Wagen in Züssow an den IC aus Stralsund dran (aber die Zugnummer von diesem Zug fährt weiter) und wird dann bis Berlin Gesundbrunnen geschleppt. Der dritte Wagen, man kann es kaum sehen, ist ein eigentlich ein Avmz, aber umgezeichnet zum 2.-Klasse-Wagen. Wu-hu!
Auf dem Weg von Berlin nach Frankfurt fällt mir dieses Detail an der Zuglok der Baureihe 101 auf. Gut so: oben bleiben!

Bilder vom Balkan

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Graffity mal anders: Dampflokgemälde am Güterschuppen von Велика Плана auf dem Weg von Belgrad in Richtung Süden.
Schützentürme an Flussbrücken sieht man in Serbien recht häufig, und man muss sich immer wieder klarmachen, dass das nicht die Überbleibsel von einem Krieg von vor 70 Jahren sind, so wie in Deutschland oder Norwegen, sondern von vor 10 Jahren.
Fips und ich im Spiegel im Abteil kurz vor der Einfahrt nach Ниш, immernoch auf dem Weg nach Bulgarien.
Der Gegenzug, dessen Kreuzung wir auf der Rhodopenbahn im höchsten Bahnhof der Strecke Аврамово abwarten, kurz vor der Einfahrt in ebendiesen Bahnhof auf dem schneelosen Pass.
Noch ein Bild von der Rückfahrt: Direkt nördlich von Sofia durch’s Balkangebirge fährt man zum Beispiel an diesem Haus vorbei, das scheinbar einfach im Fels steckt. Wie der Zugang dahin funktioniert, konnte ich leider nicht erkennen.

Balkan-Reise: Durch Überwald

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Leider immernoch ohne Bilder, aber etwas verspätet immerhin ein Bericht von meiner Rückreise: Nach der Fahrt mit der Schmalspurbahn, von der aus ich den Hinreisebericht geschrieben hatte, kamen wir spät abends wieder bei Fips zuhause an. Zum Glück ging der Zug nach Bucuresţi erst um 9 Uhr morgens, also war kein richtig großer Zeitdruck da. Der internationale Schnellzug von Thessaloniki nach Bucureşti, in den ich am nächsten Tag einsteigen wollte, bestand dann aus zwei Abteilwagen, die aber nur von София (Sofia) bis zur Grenzstation in Русе (Russe) fahren sollten, und nur ein alter Reichsbahn-Nahverkehrswagen fuhr durch bis Rumänien.

Die Fahrt begann spektakulär, durch den Balkandurchbruch, der die ganze Region um София entwässert. Später wurde die Landschaft dann zwar flacher, blieb aber schön und sehenswert. In Горна Оряховица (Gorna Orjahoviza) kam dann tatsächlich noch ein bisschen Internationalität in den Zug: ein Bulgarischer Abteilwagen (in den ich dann ging), ein türkischer Liege- und ein Rumänischer Schlafwagen wurden mit auf den Weg über die Donau geschickt. In Русе wurden dann die beiden ersten Wagen wegrangiert und eine rumänische Dieselloks, die uns bis Bucureşti ziehen sollte, kam dazu. Außerdem setzte sich ein netter Ungar, der dritter Kapitän auf einem Donaukreuzfahrtschiff ist, zu mir ins Abteil, und so hatte ich auf dem Rest der Reise etwas Gesellschaft.

Meine Erfahrungen in Rumänien begannen damit, dass ich statt einer Reservierung für den Zug am nächsten Tag nach Cluj-Napoca eine ganze Fahrkarte kaufte. Wenn man halt nicht sicher ist, wieviel das Geld, das man in der Hand hat, wirklich wert ist (ich schätzte den Umrechnungskurs mit dem Preis der Menüs bei McDoof ab), kann sowas mal passieren, Mist. Wenigstens hatte das erste Hostel, dass ich abklapperte, offen und war leicht zu finden, und ich checkte ein. Da wusste ich noch nicht, dass genau auf dieser Straße Frauen käuflicher Zuneigung unterwegs sind, nun, das war nicht direkt toll, aber nach dem 4. „Nein!“ haben sie’s kapiert, dass ich ncht wollte.

Die Fahrt nach Cluj-Napoca führt erstmal durch die Karpaten, und ich hätte diese schöne Strecke mit Sicherheit genossen, wenn ich nicht total Müde gewesen wäre (Abfahrt war schon um 6:08) und nicht aufgrund von Bauarbeiten die Strecke eingleisig ist und wir bis zu 50 Minuten Verspätung gehabt hätten. Nach den Karpaten geschah nicht mehr viel, landschaftlich, und trotz langer Strecken, die mit 40 befahren werden (trotz eigentlich sinnvoller, also kurvenarmer, Trassierung), war die Ankunft in Cluj-Napoca absolut pünktlich — naja, 10 Stunden für 547 km ist nicht ganz meine Vorstellung von „Expresszug“, aber was soll’s.

Der Rest ist schnell erzählt: Cluj-Napoca ist nett, aber Handyempfang ist schlecht, und mein Handy auch, so habe ich Szabolcs, mit dem ich mich eigentlich treffen wollte, missverstanden und bin schon am vormittag weggefahren — ohne ihn zu treffen. Gute Gelegenheit, sich mal wieder wie ein Idiot zu fühlen. Dafür habe ich im Zug eine Fotografin kennengelernt, mit der ich mich nett unterhalten habe. Ich nahm dann von Budapest aus noch einen Zug nach Wien, wo ich um 20 Uhr ankam. Da ich ja von letztem März noch ein Hostel direkt am Westbahnhof kannte, war ich auch zuversichtlich, ein Bett zu finden, und das klappte dann auch. Am nächsten Morgen dann stieg ich in den ICE um 6:36 nach Frankfurt ein, der mich (fast) pünktlich um 13:43 in Frankfurt wieder ausspuckte. Urlaub zuende. Das tollste am ICE: Er ist von Hanau aus nordmainisch, also nicht über Offenbach gefahren! Und über die Deutschherrenbrücke zu fahren und den Blick auf die Skyline zu sehen, entschädigt auch für das anschließende Gegurke über Forsthaus, Niederrad und Gutleut, bis man dann endlich im Bahnhof ist. Bilder kommen bald.

Balkan-Reise: Der Weg nach България

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Nun geht es fast schon wieder nach Hause. Nachdem wir in Zagreb im dritten Anlauf endlich ein Hostel gefunden hatten, genossen wir den ersten Abend noch in der Gesellschaft von neuen Freunden mit gutem Bier. Am Morgen des nächsten Tages blieb noch genügend Zeit für zwei Rundgänge durch Zagreb, bevor der Zug nach Београд abfuhr. Im Gegensatz zum Tag davor mit den Strecken durch die Alpen nach Ljubljana (und im Dunkeln nach Zagreb) ist die Strecke nach zwischen der kroatischen und der serbischen Hauptstadt eher langweilig, In Belgrad fanden wir wenigstens das (nach der Erfahrung vorbestellten) Hostel recht schnell, und nach den Strapazen der vorangeganenen Tage waren wir dann recht früh im Bett.

Auf der Strecke von Београд nach София zockelte der Zug am Anfang mit 50, 30 und abschnittsweise sogar nur 10 km/h rum, dann kamen aber zum Glück auch Abschnitte mit 100 km/h. Kurz vor Ниш (Niš) konnten wir dann beobachten, wie sich ein Fahrgast vor der Fahrkartenkontrolle drücken wollte, indem er auf freier Strecke aus dem (stehenden) Zug, letzte Tür, ausstieg und den letzten Wagen entlang lief, um weiter vorne wieder einzusteigen. Die Schaffner haben ihn aber gesehen, so ein Pech. Hinter Ниш ging es dann mit einer Diesellok und nur noch zwei Wagen weiter (die anderen 3 fuhren weiter gen Mazedonien) und die Passagiere fingen langsam an, mit Schraubenziehern und allem Möglichen Verkleidungen abzuschrauben, um Zigarettenstangen zu verstecken. Die Grenzkontrollen dauerten recht lange, gefunden wurde aber scheinbar nichts, und nach der zweiten Station auf bulgarischem Boden begann die Ernte. Wir haben uns wirklich gefragt, ob die Zöllner eigentlich was finden wollten.

Der gestrige Freitag begann dann mit langem Ausschlafen und einem Rundgang durch София, mit einem Besuch am Markt, nachdem ich zwei Jeans und ein Paar Schuhe mehr tragen musste, und ein wenig Sight-Seeing. Heute, Samstag, fahren wir mit einer Schmalspurbahn. Das hieß, 5 Uhr aufstehen, Taxi zum Bahnhof (4 Euro), Schnellzug nach Септември (Septemvri) und dann in einen kurzen Zug, der von 300 Metern bis 1200 Meter aufsteigen wird. Diese Worte schreibe ich bei 797 Metern. Das Wetter ist unbeschreiblich gut; ein richtiger Pralltag.

Morgen geht es dann um 9 Uhr Richtung Bucuresţi, von da aus am Montag nach Cluj-Napoca, und dann über Budapest (Dienstag) nach Frankfurt (Mittwoch nachmittag). Von Budapest werde ich nicht viel sehen, leider, mein Aufenthalt dort ist von 19 Uhr bis 6 Uhr morgens, und in dieser Jahreszeit ist das wohl alles im Dunkeln. Danach kommen wohl auch noch ein paar Bilder und mehr Berichte.

Update: Fips hat einen Bericht über die Schmalspurbahn geschrieben.