Heißhunger

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Vorneweg sei ein Disclaimer erlaubt: Ich will niemanden bekehren. Ich finde Tierschutz zwar wichtig, habe aber kein ethisches Problem damit, Tiere für die menschliche Ernährung zu halten und gebrauchen. Genausowenig ist mein Motiv religiös; genauso, wie ich Weihnachten und Ostern feiere, übernehme ich auch hier ein Ritual aus dem Kanon des Christentums. (Und bin mir auch bewusst, dass die Fastenzeit im Gegensatz zu Weihnachten und Ostern auch wirklich nicht heidnische oder astronomische Ursprünge hat.) Bei dem, was ich hier beschreibe, ging es um mich und meine Neugier.

Dieses Jahr wollte ich die Fastenzeit nach meinen Experimenten mit vegetarischem Essen in den letzten drei Jahren mal mit veganem Essen probieren. Dabei ging es mir vor allem um das Ausprobieren; wie gut würde das gehen? Wie gut würde es mir damit gehen? Welche Alternativen gibt es denn zu Käse etc.?

Zu Hause habe ich Unterstützung, und zu Weihnachten habe ich zwei vegane Kochbücher geschenkt bekommen. Interessante Sache, das. Eines erzählt etwas von der Angst der Tiere, die man mitisst, und von Schmetterlingen, die sich einem Veganer im Wald auf den Kopf setzen würden, das andere erzählt einfach davon, dass Massentierhaltung nicht schön ist und die Autorin einfach mal nach einer Alternative geguckt hat. Letztere wird dafür kritisiert, dass sie „Vegan aus falschen Gründen“ sei. Oh mann.

So habe ich also sehr viel ausprobieren und experimentieren können, mit gemischtem Ergebnis: Milchersatzprodukte haben mich durch die Bank weg sehr wenig überzeugt. Die meisten „Milch“s sind gesüßt, egal ob Hafermilch, Mandelmilch oder Sojamilch, und das mag ich eher nicht. Quark und Joghurt gehen besser, überzeugen mich aber auch nicht. Vegane grüne Soße? I don’t think so. Käse habe ich in einer veganen Variante probiert, dieses vorwiegend aus Kokosfett bestehende Ding hat mich dann aber so angewidert, dass der Rest im Mülleimer gelandet ist. Für Eier (beim Backen) scheint Kichererbsenmehl ein guter Ersatz zu sein, aber viel gebacken habe ich nicht, und für Pfannkuchen fand ich die Sojamilch zu Süß, sodass es sehr wenig gibt, wo ich einen Eiersatz gebrauchen könnte.

Tofu hatte ich vor drei Jahren bei meinem ersten vegetarischen Experiment noch sehr kategorisch ausgeschlossen, vor zwei Jahren hatte sich das schon langsam verbessert; Vegan kommt man da kaum drum herum. Also, neue Chance. Das Soja-Schnitzel ist für mich immernoch keine gute Vorstellung, aber Soja-Hack finde ich lecker, und in Soja-„Fisch“-Stäbchen konnte ich sogar gut in Tofu reinbeißen. Ansonsten gibt es natürlich sehr viel Gemüse und Pilze; Suppen und Eintöpfe bieten die Möglichkeit für sehr abwechslungsreiche Gerichte. Besonders schön fand ich die Idee einer Polenta-Pizza; Polenta mit Gemüsebrühe kochen, in ein Backblech, Tomatenmark darauf (im „Teig“ ist schon genug Gewürz) und dann belegen.

Für Brot und Brötchen gibt es mittlerweile recht viele und sehr verschiedene vegane Aufstriche; die habe ich schon länger sporadisch gegessen und auch durchprobiert, jetzt ein wenig genauer unter die Lupe genommen. Viele sind lecker, manche würde ich nicht ein zweites Mal kaufen und bei wenigen habe ich mich dann schon über den ersten Kauf geärgert. Die Negativliste führt für mich eine Vegane Teewurst an. Schauder.

Und nun nehme ich sogar ab. Das tut mir zwar nicht unbedingt schlecht, wenn ich aber Mittags auf einmal fünf Brötchen und eine ganze Packung Chips (oh, übrigens, interessante Beobachtung: die billigen sind vegan, bei den teuren ist sehr häufig Milchpulver drin — WTF?) esse, weil ich so viel Hunger habe, ist das nicht unbedingt gut. Satt werden – nachhaltig satt werden – scheint mir mit veganer Ernährung wesentlich schwerer zu fallen als vegetarisch. (Oder vielleicht fahre ich zu viel Rad momentan: dieses Jahr schon etwa 700 Kilometer!)

Vegan bedeutet also eine Umstellung und Umgewöhnung, aber das war ja zu erwarten. Und sonst? Eigentlich nichts. Schmetterlinge haben sich noch nicht auf mich gesetzt, ich kann nicht besser oder schlechter schlafen, meine Haut hat sich nicht verbessert, ich fühle mich nicht fitter als sonst (ich versuche, jahreszeitliche Schwankungen herauszurechnen), aber meine Vorfreude auf die erste Grüne Soße (wie gesagt, nicht vegan!) wächst.

Wann ich genau mit vegan aufhöre, ist noch nicht ganz klar, weil ich an Karfreitag nach Afrika fliege und ich die Umstellung auf „normales“ Essen gerne von der Umstellung auf sicherlich andere Ernährung in Malaŵi trennen möchte, auch um zu wissen, woher letztendlich mögliche Verdauungsprobleme kommen. Eine Woche vor Ostern, also jetzt in einer Woche, wird wohl eine gute Wahl sein. Bis dahin sind dann auch die Brotaufstriche alle 🙂

Die Freiheit und die Wursttheke

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tl;dr: Die Freiheit. Die ist in Gefahr. Warum? Weil Wahlkampf ist.

Ja, es ist Wahlkampf. In etwa zwei Wochen wählt Deutschland einen neuen Bundestag und Hessen einen neuen Landtag. In einer Woche wählt außerdem noch Bayern seinen Landtag neu, aber da passiert sehr wahrscheinlich nichts Erfeuliches oder Unerwartetes.

Die BILD-Zeitung hat im Sommerloch, strategisch geschickt vor dem heißen Wahlkampf, eine Forderung der Grünen ausgegraben, die sich so wiedergeben lässt: Die Grünen wollen öffentliche Kantinen dazu ermutigen, einen Tag in der Woche kein Gericht mit Fleisch anzubieten. Das soll der Veggie-Day werden.

Nein, nein, da kommt nichts mehr. Das ist der ganze Vorschlag: Kantinen sollen ermutigt werden, etwas zu tun. Die sollen nicht angewiesen werden, das zu tun, und die sollen auch nicht alle Leute zwingen, kein Fleisch mehr zu essen. Einfach nur ein „hey, überlegt euch doch mal, sowas zu machen“. Nicht mehr, nicht weniger.

Doch das reicht schon, um vielen Leuten Schaum vor den Mund zu zaubern. Die bösen Öko-Faschisten, hört man dann, wollen ja alles verbieten, was Spaß macht, und uns ihre Meinungen aufoktruieren. Und die Leute glauben’s. Weil es so schön ins Bild passt. Welches Bild? Naja, das, das genau die Leute gezeichnet haben, die jetzt laut aufheulen. Und, wo wir grade dabei sind, ziehen wir auch noch ein allgemeines Tempolimit dazu (die bösen Grünen wollen verbieten, dass man mit 260 km/h über die Autobahn brettern darf), und am Besten auch noch das Verbot von Ölheizungen und ungedämmten Häusern.

Ich gucke da vor allem zur FDP. Bei „FDP“ steht das „F“ für Freiheit. Und die Partei, die dahinter steht, bildet sich auch wirklich ein, „unideologisch“ für Freiheit zu sein. Jegliche Einschränkung der Freiheit ist falsch, nur, wenn die Ausübung einer Freiheit die Freiheit eines anderen einschränkt, kann ein Verbot zulässig sein.

Das ist, an sich, gar keine schlechte Philosphie. Aber wie sieht das denn mit Fleisch und Tempolimit und Ölheizungen aus? Nehmen wir das Fleisch. Welche Freiheit schränkt der Staat eigentlich ein? Wie oben gesagt: keine. Weil es eben keine Verordnung geben soll, sondern Überzeugungsarbeit. Anreize. Vielleicht schränkt aber die Kantine meine Freiheit als Kunde ein?

So einen Unsinn habe ich selten gehört.

(Also zugegebenermaßen habe ich genau diesen Unsinn von vielen, andernfalls eigentlich intelligenten Leuten gehört. Aber das ist ja grade mein Problem.)

Wenn ich in eine Kantine gehe, gebe ich meine Freiheit, frei zu entscheiden, was ich essen will, auf. Schon immer. Ich kann – meistens – zwischen verschiedenen Gerichten wählen, aber ich bin mir sicher, dass jeder, der regelmäßig so isst, schonmal in der Situation war, dass die Auswahl nur das kleinste zwischen mehreren Übeln wählen konnte. Selbst wenn also eine Kantine an einem Tag kein Fleisch anbietet, ist meine Freiheit damit mitnichten mehr eingeschränkt, als sie es durch meine Wahl, in die Kantine zu gehen, sowieso schon war. Und, oh, das Problem ist, dass es eine bestimmte Lebensmittelart gar nicht mehr gibt an einem Tag? In welcher Kantine gibt es denn jeden Tag Nudeln und Reis und Kartoffeln und Rösti und Kroketten und Kartoffelbrei und auch noch Vollkornnudeln? Das Angebot in den meisten Kantinen ist von Tag zu Tag unterschiedlich. Das liegt nicht an den Grünen, sondern am Prinzip Kantine.

Tempolimit. Das ist, zugegeben, etwas schwieriger. Wenn wirklich nur die Einschränkung einer anderen Freiheit eine Beschränkung von irgendwas rechtfertigt, ist es wirklich nicht leicht, ein Tempolimit zu begründen. Aber wie direkt muss die Einschränkung denn sein?

Ich habe dazu eine andere Sache, die wir verbieten: Giftmüll in den Wald kippen. Das ist zwar auch eine grüne (kleines g!) Maßnahme für eine gesunde Umwelt, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es viele Verfechter einer Aufhebung dieses Verbotes geben würde, nicht mal bei den freien Demokraten. (Wenn es doch solche Leute gebt, wüsste ich gerne davon. Ihr Leserinnen und Leser habt diesen Artikel wahrscheinlich über twitter oder Facebook gefunden, dann wisst ihr ja auch, wie ihr mich erreichen könnt). Welche möglichen Argumente könnten Hardcoreliberale für ein Verbot haben, dass die Entsorgung von Altöl, Chrom oder Plutonium im Wald verboten werden soll? Man kann hier mit Sicherheit ein Freiheitsargument konstruieren: Giftmüll in der Landschaft könnte gefährlich für die Bevölkerung werden und damit deren Freiheit, unversehrt zu bleiben, einschränken. Aber ehrlich gesagt finde ich so eine Argumentation sehr an den Haaren herbeigezogen. Hier geht es um Werterhaltung, und es geht hier um einen gemeinsamen Wert – unsere Umwelt.

Aber selbst, wenn man dieses Freiheitsargument glaubt, ist das mit dem Tempolimit wirklich so viel anders? Ein Tempolimit würde die Unfallhäufigkeit verringern (und jetzt kommt mir nicht mit „die meisten Unfälle passieren bei niedrigeren Geschwindigkeiten“, sondern guckt euch an, wie schnell die Autos vor dem Bremsvorgang waren). Ein Tempolimit würde aber auch den Schadstoff-Ausstoß der Autos verringern, und zwar erheblich (auch mit modernen, effizienten Autos kommt man am Luftwiderstand einfach nicht vorbei). Und wo ist der qualitative Unterschied zwischen Altöl im Wald und Kohlendioxid, Stickoxiden und Rußpartikeln in der Luft?

Ja, verdammt, das mit dem Altöl, das sieht man besser. Es fällt mehr auf. Die Folgen sind leichter vorstellbar – wenn sie auch weit davon entfernt sind, direkt zu sehen zu sein. Ein Liter Altöl im Taunus zu verschütten wäre wahrscheinlich auch schlimmer, als 100 Liter Benzin mehr zu verbrennen, nur weil man schneller fahren will. Aber, auf einmal, fast unbemerkt, sind wir an einer Diskussion über Abstufungen, weg von dem fundamentalistischen Dogma „Freiheit nur gegen Freiheit“. Auf einmal, wenn man diesen Gedanken ernst nimmt, ist die Forderung nach einem Tempolimit nicht mehr undiskutabel, nur vielleicht für manche zu weit weg. Auf einmal haben wir andere Fragen zu beantworten:

  • Sind direkte Umweltschäden zulässige Gründe für Verbote, d.h. für Einschränkungen unserer Freiheit?
  • Sind zu erwartende indirekte Umweltschäden zulässige Gründe für Verbote? (Vielleicht sollte man auch Fragen „Können zu erwartende … Gründe für Verbote sein?“
  • Schädigt das Autofahren mit Geschwindigkeiten über x km/h die Umwelt? Gefährdet CO2-Ausstoß das Klima?
  • Wenn ja, wie muss man dann die Gefährdung von Umwelt, Gesundheit und Klima durch das Fahren mit hoher Geschwindigkeit gegen die Freiheit, schnell zu fahren, abwägen? Was wiegt stärker?

Wenn wir über die letzte Frage diskutieren würden, wäre ich froh. Das wäre die ehrliche Debatte. Ich sehe, aus den Argumenten oben, keinen Weg, wie man an anderen Diskussionen enden kann. Auch in CDU/CSU und FDP ist durchaus bekannt, dass das Klima durch CO2 gefährdet ist. Merkel hatte sich mal sehr gerne „Klimakanzlerin“ nennen lassen. Durch das Beispiel mit dem Altöl sollte jeder merken, dass Umweltbedenken durchaus unkontrovers als Verbotsgründe taugen können. Warum, dann, führen wir eine Radikaldebatte („Das geht nicht! Freiheit!“)?

Die echte Position von Tempolimitgegnern müsste sein „Das schädigt zwar der Umwelt, aber ich halte meine Freiheit, schnell zu fahren, für wichtiger.“ Ein möglicher Nebensatz (ich würde das die ‚Irrelevanz-Ausrede‘ nennen) wäre „Ich glaube, dass die Schädigung der Umwelt durch hohe Autogeschwindigkeiten sehr klein ist.“ und „Das macht eh nix aus im Vergleich zu dem Rest, den wir so emittieren.“

Doch diese Position, die inhärent egoistisch ist, kann man nicht so leicht verteidigen, schon gar nicht moralisch. Also fällt man zurück auf den Strohmann der Freiheit. Die Irrelevanz-Schiene kann man natürlich fahren, und über die kann man auch diskutieren. Helfen denn kleine Schritte? Gibt es überhaupt große Schritte, die man machen kann? Das sind gute Fragen. Das sind wichtige Fragen. Ich glaube, kleine Schritte helfen, ich glaube, dass wir ohne die kleinen Schritte nie zu den großen Schritten kommen. Aber ich bin gerne bereit, darüber einen Diskurs zu führen. Ich weiß, dass ich mir bei diesen Positionen nicht absolut sicher bin.

Aber ich weiß, dass das Tempolimit auf Autobahnen nichts mit Freiheit zu tun hat.

Fleischlos, und kein Alkohol

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Nachdem das Wetter im ersten Quartal so richtig mies war, ist meine Fahrradbilanz eher schlecht – statt der angepeilten 250 km habe ich nur etwa 55 km geschafft. Letztes Wochenende war außerdem Ostern, und wie schon letztes Jahr habe ich auch dieses Jahr 40 Tage lang versucht, auf Fleisch zu verzichten.

Letztes Jahr hatte ich über eine Ecke erfahren, dass ein Freund, der jetzt in Hamburg ist, auch fleischgefastet hat, und darüberhinaus noch auf Alkohol verzichtet hatte. Er berichtete, dass seine Wahl zwischen Fleisch und Alkohol oder Schokolade und Kaffee war, und er seinem Chef nicht einen Koffeinzombie zumuten wollte. Jedenfalls habe ich mich davon inspirieren lassen und dieses Jahr auch Alkohol von meinem Speiseplan verbannt.

„Unfälle“ wie ein falsch bestelltes Essen gab es dieses Jahr nicht, und dass meine Mutter an einer Stelle extra für den heimkommenden Sohn Kasseler gekauft hatte, hatte ich diesmal vor dessen Zubereitung bemerkt. Dafür habe ich mit einem Kollegen und einem Glas Sekt angestoßen, als er Geburtstag hatte, und an einem Wochenende – ein sozialer Besuch bei Herford – das Fasten ausgesetzt, damit nicht wegen mir ein großer extra-Aufwand getrieben werden musste.

Davon abgesehen fiel es mir einerseits teilweise wirklich schwer, etwas Vegetarisches zu finden, und ich hatte zwischendurch manchmal extrem viel Lust auf Fleisch oder einen Apfelwein. Besonders die Woche in Dresden war hier schwierig, scheinbar sind vegetarische Gerichte in sächsischen Kneipen noch nicht so sehr angekommen wie hier (nicht dass es hier überall leicht wäre).

Andererseits fiel es mir stellenweise auch leichter als im letzten Jahr, weil ich meine Einstellung zu einigen Gerichten in den letzten Jahren stückweise geändert habe: Döner mit Schafskäse (oder wenigstens Feta) wäre letztes Jahr noch zu weit außerhalb meiner comfort zone gewesen, aber dieses Jahr habe ich ihn gegessen, und er hat auch eigentlich geschmeckt, (Rahm-)Spinat esse ich mittlerweile auch, und obwohl ich keinen Blattspinat mag, habe ich die Lasagne, die es damit einmal gab, auch lecker gefunden. Und der vegetarische Burrito schmeckt auch gut.

Bei den ganzen Eisenbahntouren letztes Jahr hatte ich mal erwähnt, dass ich mehr Wurst als gewöhnlich gegessen habe, weil Wurst einfach praktisch zum mitnehmen auf Tagestouren ist. Jetzt habe ich während meines diesjährigen Fastens ein paar Tagestouren fernab der Heimat gemacht, und musste das daher mal mit Käse ausprobieren. Obwohl meine ursprüngliche Befürchtung – dass es mit Wurst einfacher geht, was Leckeres zum Beißen dabei zu haben – nicht vollends widerlegt wurde, ging es doch eigentlich ausreichend gut, sodass ich das wohl beim nächsten Mal auch ohne Fasten“zwang“ machen werde.

Fastenbrechen war dieses Jahr in zwei Stufen: Alkohol gab’s in Form von Apfelwein während des familiären Grüne-Soße-Essen am Karfreitag. (Das war der Ersatz für das große Oster-Essen, weil nicht alle am Gründonnerstag zum Grüne-Soße-Essen konnten und nicht alle am Sonntag zum Bratenessen konnten.) Fleisch gab es dann am Ostersonntag beim Biosteakbraten bei mir daheim. So bringt mir das Fasten dieses Jahr auch etwas für den Rest des Jahres: Es ist schön, Fleisch essen zu können, aber ich mag die Alternativen immer mehr. Den Rest des Jahres auf Fleisch verzichten? Soweit bin ich lange nicht. Aber den Rest des Jahres bewusst Fleisch zu essen und mir jedes mal wieder die Frage zu stellen, ob ich das jetzt gerade will (im Gegensatz dazu, einfach aus Gewohnheit Fleisch zu essen), das ist auf jeden Fall drin. Omnomnom.

Deutschlandpass

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Es ist der 7. August, mein Deutschlandpass ist abgelaufen. Einen Monat All-you-can-Bahnfahr geht zu Ende. Welch gute Gelegenheit, Bilanz zu ziehen, oder? (Wer nein antwortet, sollte nicht weiterlesen. Bin auch nicht beleidigt.)

13 Touren an 14 Fahrttagen innerhalb von 29 Kalendertagen, davon drei Feierabendtouren, drei Urlaubstage und 8 von 10 Wochenendtagen ausgenutzt. Längere Touren waren durch diverse Samstagstermine in Frankfurt nicht drin. (Update: Zweimal habe ich zusätzliche auch echte Transportbedürfnisse befriedigt, das hätte ich beinahe vergessen. Die Zahlen sind geupdated.)

Die kürzeste Tour war 98 Kilometer lang, das war die Fahrt nach Schöllkrippen, die kürzeste nicht-Feierabend-Tour 536 km, das war die Geschichte mit dem Lovetrain. Die längste Tour war eine von denen beiden, die ich nicht wie morgens geplant gefahren bin; die Tour über Cuxhaven und Stuttgart war am Ende 1557 Kilometer lang.

Insgesamt waren es elftausendvierhundertzwölf Kilometer. In Worten: 11412. (Äh. Oder so.) Dafür hätte ich, wenn ich normale Fahrkarten gekauft hätte, 1359 Euro und 10 Cent bezahlen müssen, hätte aber natürlich nicht spontan was anderes machen können, und eben nicht zum Beispiel einfach mal bis Würzburg fahren können, statt schon in Hannover aussteigen müssen. Ein Pendler, der das innerhalb eines Monats (20 Arbeitstage) zurücklegt, müsste einen Pendelweg von etwa 285 Kilometern haben — eine Richtung! Ich glaube nicht, dass es da so viele gibt (aber ein ganzes Jahr lang würde ich das nicht aushalten).

Ich habe dazu neun viel zu lange Blog-Artikel geschrieben, bei denen ich immernoch nicht alles erzählenswerte geschrieben habe (auch wenn das nicht den Eindruck machte). Da waren zum Beispiel noch die Rehe, die im Allgäu ins Gebüsch gejagt sind, als der Zug vorbeifuhr. Und diese alte Halb-Rassistin im Zug durch Thüringen. Und die beiden Fahrgastbefragungen, in die ich in Nordrhein-Westfalen gekommen bin, bei denen die Befragerinnen etwas verwirrt von meinen Reiseplänen waren. Ich habe interessante Signalkombinationen und eine Stellwerksstörung gesehen. Ich habe lustige Familien und nette Leute getroffen, auch doofe und baue grade eine neue Freundschaft auf.

Ich habe auch mal einen Zug verpasst. Bei 76 mal Umsteigen habe ich aber gerade mal vier Anschlüsse verpasst, einmal einen Anschluss bekommen, der eigentlich zu kurz war, und dreimal einen Zug bekommen, weil er verspätet war. (Und als Fips dabei war, ging das auch trotz Zugbindung problemlos.) Ich war nie mehr als eine Stunde zu spät, einmal wurden an einer Stelle 12 Minuten rausgeholt, einmal 16. Ich habe viel mehr Wurst gegessen als sonst, weil ein halber Fleischwurstring oder eine Wienerwurst einfach praktisch zu kaufen und mit Brötchen zu essen sind.

Ich habe daheim viel liegen lassen, und jetzt schreibe ich auch schon wieder seit Stunden an diesem Artikel, obwohl ich doch früh ins Bett wollte. Es ist schon nach Mitternacht. Ich habe mir gegen Ende Notizen gemacht, was ich auf jeden Fall ins Blog schreiben will, in der Hoffnung, dass ich dadurch besser strukturieren kann, was mir glaube ich nicht wirklich gelungen ist.

Der „Dinge, die ich in dem Artikel über heute nicht vergessen darf“-Zettel von einer meiner Touren. Ich habe dann doch nicht alles davon reingeschrieben.

Und wenn es auch schon implizit oben steht: Ich habe pro Kilometer einen Preis von 2,6 Cent bezahlt. Alter. Aber das Wichtigste: Ich hatte eine verdammt gute Zeit. (Okay, eigentlich hatte ich vierzehn verdammt gute Zeiten.) Jetzt ist die Zeit allerdings vor allem gut fürs Bett. *Schnirch*

Disclaimer: Seit es im Kursbuch der Bahn keine Kilometerangaben mehr gibt, ist es schwierig, exakte Entfernungsangaben zu bekommen. Die Angaben hier sind nach bestem Wissen und Gewissen gemacht, aber wahrscheinlich sind sie ein wenig ungenau.

Fleischlos

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Morgen ist Karfreitag. Ostern ist in zweierlei Hinsicht für mich dieses Jahr ein Stichtag: Ich hatte mir einen bestimmten Kilometerstand auf meinem Fahrradtacho vorgenommen, und ich hatte mich dazu entschlossen, in der Fastenzeit kein Fleisch zu essen. (Letzteres lässt sich kurz erklären: Fasching und alle Auswüchse davon sind das letzte „auf-die-Pauke-hauen“ vor der Fastenzeit. Unabhängig von aller Skepsis gegenüber Religion und religiöser Rituale hatte ich an Fasching gefeiert und dabei Spaß gehabt. Dafür auf irgendwas zu verzichten in der Fastenzeit halte ich für fair.)

Nun habe ich selbst mein nach oben korrigiertes Ziel von 11300 km um 100 km übertroffen, und bin nun seit Jahresanfang 518 000 Meter mit dem Fahrrad gefahren. Dabei hat mir natürlich das trockene Wetter geholfen; ich bin dabei vielleicht zweimal in den Regen gekommen. Aber wesentlich entscheidender war der Gewohnheitsfaktor: Nach ungefähr einer Woche dachte ich gar nicht mehr drüber nach, ob ich wieder das Fahrrad aus dem Keller holen will, meine Fahrradhose anziehen soll, das Fahrradhemd — ich habe es einfach gemacht. Und, ja, am Anfang war es eine Überwindung. Mittlerweile wissen sogar die Kassiererinnen im Supermarkt, in dem ich mir jeden morgen auf dem Weg ins Büro zwei kleine Bio-Joghurts kaufe, dass die 70 cent kosten und ich den Kassenzettel will.

Weniger mit Überwindung hatte allerdings diese Fleisch-Sache zu tun. Dachte ich am Anfang. Ich esse seit Jahren nur noch sehr selten Wurst, und praktisch nie als Aufschnitt. Die Sache mit dem Fleisch ist aber bei dem begrenzten Angebot der Mensa, was vegetarische Gerichte angeht, und bei meiner Einstellung zu vielen Gemüsesorten und Dingen wie Schafskäse eher schwierig. Nun hat am Campus eine neue Mensa aufgemacht, bei der es eine Pasta-Bar gibt, und meistens ist die vegetarische Soße auch wirklich lecker (solange keine Olivenstücke drin sind oder es eine „Sahne“-Soße ist).

Trotzdem habe ich es nicht ganz geschafft: Einmal habe ich in einem — sehr leckerem — usbekischem Restaurant nicht „Lazzat, vegetarisch“ sondern nur „Lazzat“ bestellt, und das war mit Fleisch. Einmal habe ich in einem — nicht ganz so leckeren — deutschen Restaurant einen Zwiebelkuchen bestellt, ohne darauf zu achten, ob der mit Speck ist. War er. Und einmal gab’s Rumpsteak. Einfach so. „Wie, und was gibt’s für mich?“ — „Wie, reicht dir eins nicht?“ — *hundeblick* — „Oh nein, du isst ja gar kein Fleisch momentan, das habe ich ja total vergessen!“. Naja, kann ich meiner Mutter ein extra für mich eingekauftes, gebratenes und verdammt lecker riechendes Rumpsteak ausschlagen? (Also, ich weiß, technisch gesehen ist die Antwort „ja“, aber das Steak war ja nun mal schon gebraten.) Ich entschied mich gegen das Prinzip, für eine Ausnahme mit gutem Gewissen und für das Steak.

Weitaus schwieriger empfand ich aber den Rest der Zeit. Apfelweinkneipen haben meistens wenigstens Grie Soß, was zwar im Winter eine schlechte (weil Gewächshaus-) Ökobilanz hat, aber zur Not geht, aber weder Schneegestöber noch Handkäs sind meine Lieblingsessen. Manchmal gibt’s Kässpätzle, da freue ich mich immer. (Und den Zwiebelkuchen, da steht ja oben schon was da.) Dann war da aber noch die Sache mit Fast Food. Ja, manchmal, vor allem am Wochenende, gehe ich irgendwo hin, bestelle mir was Fastfoodmäßiges und esse es. Das ist wahrscheinlich nicht gut für meine Gesundheit, aber ich glaube, ich übertreibe es auch nicht. Aber finde mal FastFood für Vegetarier. Burger-Läden kann man von vornherein vergessen; Salat kann ich mir auch wirklich selbst machen. Brötchen mit Leberkäse oder Frikadellen oder Bratwürste kriegt man zu Hauf, aber wie sieht’s mit Brötchen mit Käse aus? Also, nicht belegte Brötchen mit Butter und Salat und Ei und Tomate und Käse, sondern einfach Brötchen aufschneiden, einen Block Käse rein, gerne auch gegrillten Grillkäse, und ab in den Mund. Schwierig. (Tofu oder sonstiger Fleischersatz sind übrigens ein komplettes No-go für mich.) Pizza gibt es vegetarisch. Nudeln macht mein Italiener auch gut, aber Nudeln habe ich ja schon unter Woche immer in der Mensa. Döner gibt es auch in vegetarisch, aber da kommt wieder mein Schafskäse-Problem auf. Burritos, Best Worscht — dabrauchemergarnetdrübberredde. Selbst Thai ist schwierig, denn die Gerichte, die mir schmecken, kommen unweigerlich mit Fleisch, und die anderen würde ich auch nicht essen, wenn Fleisch dabei wäre.

Jetzt ist die Fastenzeit fast vorbei, und ich freue mich auf eine Bratwurst bei Best Worscht, einen Döner bei Caratas und einen Burrito bei dem Burrito-Laden im Nordwestzentrum (wie auch immer der heißt). Das offizielle Ende der fleischlosen Zeit ist aber ein leckeres Lammsteak bei meinen Eltern. (Update: es ist ein leckeres Etwas vom Lamm, lasse ich mir grade erzählen. Was genau, weiß ich noch gar nicht. Freue mich trotzdem drauf!) Omnomnom.