Aufzüge ins Paradies

Ein Zeitungsartikel samt Interview hat mich vor zwei Monaten daran erinnert, dass ich eigentlich mal Arthur C. Clarke’s „Fountains of Paradise“, auf deutsch „Fahrstuhl zu den Sternen“ lesen wollte. Habe ich dann gemacht.

Es geht um die Konstruktion eines Weltraumliftes, also prinzipiell ein senkrechtes  Seil, das so lange ist, dass seine Schwerkraft durch die Fliehkraft der Erdumdrehung ausgeglichen wird. Von diesem Konzept habe ich das erste mal vor etwa 15 Jahren in Science of Discworld gelesen, mit Verweis auf das Buch von Clarke, und im ersten Semester gab es eine Übungsaufgabe in Experimentalphysik, bei der wir ausrechnen sollten, wie lange ein solches Seil sein müsste und welche Zugkräfte es aushalten müsste. (Wenn das Seil überall gleich dick ist, müsste es etwa 100 000 km lang sein und etwa 1000 mal stärker als Stahl sein, wenn ich mich richtig erinnere.) Clarke, der die Idee allerdings nicht erfunden hat, hat 1979 also eine Geschichte um den Bau des ersten solchen Seils und des Aufzuges, der darumgebaut wird, geschrieben, und sich dabei durchaus eingehende Gedanken über orbitale Bewegungen von Satelliten etc gemacht.

Er träumt von einem synthetischen Diamanten (und schreibt Jahre später im Vorwort, wie erstaunt er ist, dass ein solches Material mit Kohlenstoff-Nanoröhrchen und Fullerenen tatsächlich gefunden wurde und sich als sehr reißfest erweist), und von Computern, die jeder mit sich rumtragen kann und die „mehrere tausend Berechnungen pro Sekunde“ ausführen können. Und so ist neben dem für mich als Physiker interessanten Aspekten des Weltraumliftes eben auch der Blick auf Zukunftstechnologien sehr interessant. Es gibt ein System, mit dem jeder auf alle Informationen der Welt zugreifen kann (um sie sich dann auszudrucken) und in dem man jede Person auf der Welt finden kann, auch wenn sie mal umgezogen ist. Somit verschwendet man keine Zeit mehr damit, sein Adressbuch aktuell zu halten! Von Katzenvideos wird allerdings nichts gesagt.

In der Geschichte selbst wird die Jetztzeit (das 22. Jahrhundert) mit einer Geschichte von vor 2000 Jahren verwoben, denn die einzige geeignete Stelle für den Aufzug ist an einem Berggipfel, auf dem ein sehr altes Kloster steht. Zwar sind Religionen seit dem Erstkontakt mit einer Außerirdischen Raumsonde 70 Jahre vorher total out, aber Spiritualität lebt selbstverständlich trotzdem weiter.

Als technikaffinen Zukunftsroman macht Fountains of Paradise mit in jedem Fall sehr viel Lust darauf, in Zukunft noch mehr Bücher von Clarke zu lesen.

Zwei Jahre

Original-Post

Heute ist es also zwei Jahre her, das Erdbeben, dass mit 9,0 auf der Magnitudenskala einen Tsunami an der Japanischen Küste ausgelöst hat. Die Flutwelle hat zehntausende Menschen getötet und die automatischen Kühlsysteme an einem Kernkraftwerk zerstört. Das Erdbeben selbst hatte vorher die Brennelemente auch beschädigt, wahrscheinlich war es schon vor der Flutwelle zu einer ersten Kernschmelze gekommen, aber das weiß man noch nicht.

In den Wochen nach dem Unglück, in denen in jedermanns und jederfraus Gedanken mindestens Zweifel aufgekommen waren, ob denn nicht die Risiken der Kernkraft doch deren Nutzen übersteigen könnten, gab es in Deutschland drei Landtagswahlen und in Hessen die Kommunalwahlen, bei denen die Grünen sehr große Gewinne erzielen konnten. Mein eigenes Mandat im Ortsbeirat 8 der Stadt Frankfurt am Main habe ich im Schatten dieser Ereignisse gewonnen.

Jetzt sind es also zwei Jahre, die seit dem Verstrichen sind. Recht bald tauchten die Behauptungen auf, die Kernkraftkatastrophe war ja gar nicht so schlimm, vor allem im Gegensatz zu den sonstigen Zerstörungen, die die Flutwelle verursacht hatte. Eine schöne Auflistung des Gegenteils habe ich jetzt in der Schweizer Wochenzeitung gefunden. Ich zitiere mal kurz:

Die Kühlung funktioniert zufällig, mit Ingenieurskunst hat das nichts zu tun. Aber zum Glück tut sies. Die geschmolzenen Reaktorkerne weisen dank der Kühlung heute noch eine Temperatur von vierzig, fünfzig Grad auf. Die nächsten dreissig, vierzig Jahre wird man dieses fragile System aufrechterhalten müssen. Es fallen Unmengen an verseuchtem Kühlwasser an. Ende 2012 waren es bereits 250 000 Kubikmeter Wasser, das auf dem Gelände zwischengelagert wird — das entspricht einem Güterzug, der von Zürich nach Olten reichen würde. Und das ist nur das Wasser von zwei Jahren.

Die durch Flutwellen getöteten Menschen sind beerdigt, die durch die Wellen zerstörten Straßen langsam wieder aufgebaut. Die wirklichen Aufräumarbeiten im Kernkraftwerk werden erst in mehreren Jahren wirklich anfangen können, bis heute passiert dort nur Schadensbegrenzung.

Deutschland ist nach dieser Tragödie aus dem Ausstieg von 2010 aus dem Atomausstieg von 2001 2011 ausgestiegen. Also, Kernkraft ist jetzt also wieder nicht so toll — vorläufig. Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ist nun ein ausgewiesener Netz- und Europapolitiker, der die Kosten der notwendigen Energiewende — die er natüüüürlich will — scheinbar absichtlich teuer aussehen lässt. Der an jeder Stelle versucht, erneuerbare Energien auszubremsen. Aber auch von Herrn Altmaier abgesehen ist die öffentliche Wahrnehmung scheinbar immernoch gestört.

Die Bergung von verrosteten Behältern aus der Asse kostet wahrscheinlich mehrere Milliarden Euro. Das Risiko dieser Anlage trägt die Allgemeinheit — und zwar sowohl das ökologische Risiko als auch das finanzielle Risiko: die Mehrkosten werden nicht etwa von den Kernstromnutzern bezahlt, sondern von allen Steuerzahlern. So wird Kernkraft natürlich billig; man zahlt halt einfach nicht alle Kosten, die durch den Strom verursacht werden. Kohle wird billig, weil wir Kohleabbau enorm subventionieren — von Steuergeldern, nicht von der Stromrechnung. Und dabei rede ich noch nicht mal von Folgeschäden durch große Unfälle (Kernkraft) oder Klimarisiken (Kohlekraft). Einfach der normale Betrieb der Kraftwerke wird schon ganz gewaltig subventioniert. Gerechnet wird aber immer der Strompreis von Konventionellen Kraftwerken gegen den Preis der erneuerbaren Energien inklusive aller Subventionen. Die Subventionen sind aber nur auf einer Seite. Toll, oder?

Die EEG-Umlage, die weniger als ein zwanzigstel der Strompreissteigerung seit 2001 ausmacht, wird als Preistreiber gegeißelt, gleichzeitig werden immer mehr Industriezweige von ihrer Pflicht befreit, die Energiewende mitzubezahlen, wodurch die Privatverbraucher noch stärker belastet werden als bisher und wodurch natürlich die Energiewende noch schlimmer aussieht, als sie es ohnehin schon – vollkommen zu unrecht – tut.

Zum Abschluss möchte ich nochmal meinen Tweet von vor zwei Jahren wiederholen:

Nur mal so: die Fukushima-Reaktoren nicht unsicherer Natururan-Graphit-Typ (wie UdSSR), sondern ’sicherer Siedewasser-Typ‘ (wie BRD)

Update: Und nun darf ich mich auch noch über Parteifreunde aufregen. Claudia Roth schreibt auf facebook:

Heute vor zwei Jahren ereignete sich die […] Atom-Katastrophe von Fukushima […]. Insgesamt starben bei der Katastrophe in Japan 16.000 Menschen, mehr als 2.700 gelten immer noch als vermisst.

In dem, was ich ausgelassen habe, steht nichts von Erdbeben oder Flutwelle. SieIhr Team(!) versucht, später etwas zurückzurudern, wenn sie schreibt:

Es tut uns leid, dass wir aufgrund der Knappheit des Textes leider den Eindruck erweckt haben, als wären die insgesamt rund 16.000 Tote in Folge des Reaktorunfalls in Fukushima gestorben.

Warum das Team der Meinung ist, der Text hätte auch knapp sein müssen, erschließt sich mir nicht. Ich bin schwer enttäuscht und kann nicht mal sagen, dass ich die Kritik an Roth (und transitiv dadurch an den Grünen) nicht verstehen könnte. Bärendienst, Claudia! Bin ich froh, dich bei der Urabstimmung nicht gewählt zu haben.

Fukushima

Original-Post

Ich hatte gestern ein bisschen Probleme damit, einzuschlafen. Das hatte nichts direkt mit Weltschmerz oder Angst vor der Katastrophe in Fukushima zu tun, sondern mit einer Diskussion, die sich auf Facebook nach diesem Tweet von mir entsponnen hat. Ich hatte das geschrieben, weil ich mich ernsthaft gefragt hatte, welcher Reaktortyp denn tatsächlich gerade die Welt in Atem hält. Ich wurde schon recht häufig angesprochen, dass doch die deutschen Kernkraftwerke so sicher sein, dass nichts passieren konnte, doch die momentane Situation in Japan beweist leider das Gegenteil.

Die Diskussion begann, als mir (von einem Journalisten) vorgeworfen wurde, die Info sei „ein zynischer Scheiß“, und diese Aussage ist es auch, die mich beschäftigt hat. Ich habe dazu ein paar Gedanken: Ist es auch zynisch, wenn ich mich öffentlich wundere, ob mehr Leute zur Menschenkette zwischen Neckarwestheim und Stuttgart gekommen sind, weil sie durch das Erdbeben und seine Folgen aufgerüttelt wurden? (Ist es zynisch, einen solch schlechten Wortwitz einzubauen?) Wem würde die Information nützen? Aber ist das das Kriterium, was ich anlegen muss?

Unser Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit Dr. Norbert Röttgen ist in den letzten Tagen durch Aussagen hervorgetreten, dass Deutschland nicht von der Katastrophe in Mitleidenschaft gezogen werden wird — da stimme ich ihm zu ― und dass eine Diskussion über die Laufzeitverlängerung jetzt deplatziert sei — da stimme ich ihm nur bedingt zu: die Diskussion hätte vor einem Jahr stattfinden müssen und so enden müssen, dass wir heute nicht darüber zu diskutieren brauchen. Ist es denn nicht sehr fahrlässig, nicht zu fragen, ob genau das nicht auch bei uns passieren kann? Und was die Folgen wären?

Vor nur ein paar Tagen erklärte mir jemand, dass ein Terroranschlag mit Passagierflugzeugen auf Kernkraftwerke ja praktisch unmöglich sei, denn man müsste ja mit der exakt richtigen Geschwindigkeit in einem speziellen Winkel an die passende Stelle fliegen, und das sei unmöglich. Doch nun frage ich mich, ob es nicht auch reichen würde, die Notstromaggregate oder vielleicht die Kühlsysteme kaputtzufliegen, so dass eine Abschaltung notwendig würde? Ist es zynisch, so etwas zu denken? Helfe ich damit vielleicht Terroristen, wenn ich das ins Internet stelle (oder, alternativ: Bin ich so viel schlauer als alle potentiellen Terroristen, wenn es die denn überhaupt gibt, dass die nicht an so was denken)?

Einer der Kritikpunkte an meinem Tweet und der Diskussion war, dass ich und zwei andere Physiker, die mitdiskutiert haben, „selbstgerechten Menschen“ seien, „die sich selbst für Halbgötter halten“. Wir seien „selbstgefällig“, weil wir darüber diskutieren. Keiner von uns hatte geschrieben „ich hab’s ja immer schon gesagt“, sondern nur „Kernkraft ist wirklich gefährlich“. Aber soll man denn momentan nicht sagen, dass Kernkraft gefährlich ist? Dürfen das momentan nur Leute sagen, die das vorher nicht gesagt hatten?

Sollte ich jetzt nichts sagen dürfen, nur weil ich schon vor der letzten Bundestagswahl der Meinung war, dass der Atomausstieg eine wichtige Sache ist, wichtiger als, sagen wir, Mehrwertsteuersenkungen für Hotels?

Ich denke nein. Ich glaube, gerade jetzt muss man davor warnen, was in der Welt passiert und auch hier passieren kann. Und nicht, weil man froh ist, es schon vorher gesagt zu haben, und auch nicht, weil man glaubt, jetzt findet man besonders viele Zustimmer, sondern damit es im Bewusstsein bleibt und ich mir nicht beim nächsten Wahlkampfstand wieder anhören muss, dass die ganzen Katastrophen in Deutschland ja nicht passieren können. Ich glaube aber auch, dass man gerade jetzt davor warnen muss, dass der GAU nicht das schlimmste Problem ist, sondern vielmehr, dass wir immernoch kein Endlager, geschweige denn ein Zwischenlager gefunden haben, und dass wir in Deutschland auf genau einen Standort für beides setzen. Dieser Standort ist politisch, nicht wissenschaftlich ausgesucht worden, dieser Standort wird erkundet, weil man ja schon so viel Geld hineingesteckt hat. Wie wahrscheinlich ist bei so einem Ansatz, dass wirklich ergebnisoffen gehandelt wird?

Habe ich eigentlich schonmal einen Beitrag mit so vielen Fragezeichen geschrieben?

Kemer 2009

Original-Post

Die letzte Lecture Week der ersten HQM-Gruppe fand im November 2009 in Kemer in der Türkei statt. Da waren es angenehme sonnige 25° C, das Wasser war erträglich (das im Mittelmeer, nicht das in den Pools), und das Thema der Lecture Week war Hydrodynamik und Flow. Echt super.

Strahlende Sonne, Palmen und Katzen waren die Haupteindrücke in Kemer
In Myra gibt es Steingräber, die den damaligen Holzhäusern der Könige nachgebaut sind.
In der Stadt, aus der der heilige Nikolaus kommt, hatte man mal eine etwas ausgefallene Idee, einen Stadtplan zu machen
Bei Kekova kann man vom Schiff aus eine sehr nette, mediterane Siedlung sehen. Die Türkei kann echt hübsch sein!
Wie gesagt, Katzen haben in Kemer ganz besonders gefeatured!